Goethe und Werther: Briefe Goethe's, meistens aus seiner Jugendzeit

Part 11

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Das heist doch noch eine Parthie Köpfe! Misgönnt mir meine Bäume nicht, Euer Buben sind um ein gut Theil besser. Grüßt Lotten. Euer und der Eurigen Wohlfahrt erfreut mich herzlich.

Wir haben einen gesunden Erbprinzen, und sind darüber in neues Leben und Freude versetzt. Ihr werdet das mitfühlen.

Hier meine Iphigenie. Ich bitte sie bald zurück. Wollt Ihr sie noch einigen guten Freunden zeigen; so bewahrt mir sie nur vor den Augen angehender Autoren. Es ist zwar so viel nicht dran gelegen, doch ists verdrüslich, wie mir schon oft geschehn ist, sich stückweise ins Publikum gezerrt zu sehn.

Laßt euch den Ton meines letzten Briefs nicht anfechten.[30] Ich wäre der undankbarste Mensch wenn ich nicht bekennte daß meine Lage weit glücklicher ist als ich es verdiene. Freylich schont mich auch wieder die Hitze und Mühe des Lebens nicht, und da kann's denn wohl geschehen daß man zu Zeiten müde und matt, auch wohl einmal mismuthig wird.

Lebt wohl, und gedenkt meiner unter den Eurigen.

Weimar d. 15 März 1783.

Goethe

121.

Goethe an Kestner.

v. 2. May 1783.

Ich habe mein guter Kestner, den Brief den mir euer iunger Mann[31] bringen sollte durch die Post erhalten und werde ihn also später zu sehen kriegen. Es muß nach Eurer Beschreibung ein interessanter Mensch seyn. Das Trauerspiel ist nicht unverständig, es läßt einen gewissen Geist im Verfaßer vermuthen, hingegen ist auch nichts neues, eigenthümliches drinne, und mir wenigstens scheint keine dichterische Ader durchzufliesen.

Für eure Langmuth alter und neuerer Zeiten danke ich Euch, und für Euer gut Betragen gegen mich. Ich habe in meinem Leben viele tolle Streiche angefangen, sie kosten mich aber auch etwas. Sehr angenehm war mir Euer Brief eben zu dieser Zeit. Ich habe in ruhigen Stunden meinen Werther wieder vorgenommen, und denke, ohne die Hand an das zu legen was so viel Sensation gemacht hat, ihn noch einige Stufen höher zu schrauben. Dabey war unter andern meine Intention Alberten so zu stellen, daß ihn wohl der leidenschaftliche Jüngling, aber doch der Leser nicht verkennt. Dies wird den gewünschten und besten Effekt thun. Ich hoffe Ihr werdet zufrieden seyn.

Das Schicksal scheint euch übrigens recht als Günstling zu behandlen. Erst soviel Bubens daß man denken sollte es wäre des Guten genug und das erwünschte Mädchen bis zur rechten Zeit aufgehoben. Gott erhalte sie Euch.

Vielleicht fällt mir einmal für Hansen etwas bey.

Grüset Lotten, und lebet wohl und behaltet mich lieb.

Weimar d. 2ten May 83.

G.

122.

Fragment eines Brief-Concepts

Kestners an Goethen.

(Von Hannover 1783.)

Ich dancke, daß Ihr mir von dem Vorhaben, den Werther umzuarbeiten, Nachricht geben wollen. Ich freue mich aber, lieber bester Freund, nur in so fern darauf, als das Anstössige darin hoffentlich wenigstens gemildert werden kann, und -- wenn Ihr einigen Errinnerungen darüber Raum geben wolltet, welches ich doch zu Eurer Freundschaft gegen uns zuversichtlich hoffe, jetzt am mehrsten hoffe, da Euer Jugendliches Feuer sich in 10 Jahren etwas gemildert haben, und der kältern Ueberlegung des Mannes von selbst etwas nachgeben wird.

Ich erinnere mich gleich damals, als Ihr uns ein Exemplar davon schicktet, einige Erinnerungen gemacht zu haben, um die völlige Publication noch aufzuhalten, welches aber zu spät war. Da das Buch auch einmal in aller Welt Händen ist; so wird nicht allen, wenigstens nicht ganz abgeholfen werden können. -- ich besitze jetzo das Exemplar nicht mehr. Es muß mir entwandt seyn. Von andern mag ich es auch nicht fordern, theils aus den in meinem letzten Briefe bemerkten Gründen, theils um nicht bemercklich zu machen, daß ich von der vorhabenden Umarbeitung gewußt habe. Ich will es mir zwar verschreiben, um es nochmals genau durchzugehen, und meine Erinnerungen darüber bestimmter zu machen. Vorläufig aber etwas, das mir eben gerade einfällt.

1) ~Die Ohrfeigen~, welche Lotte austheilt, waren uns beyderseits anstössig. Diese Episode ist weder in der wahren Geschichte gegründet, -- es sey denn, daß Ihr solches anders woher genommen -- noch dem Character ~der~ Lotte, welche Ihr schildert, genug angemessen. Meine Lotte wenigstens, wäre nie im Stande gewesen, sich so zu benehmen. Ob sie gleich ein lebhaftes, muthwilliges Mädchen war; so blieb sie doch immer ein Mädchen, und behielt bey solcher Lebhaftigkeit und Muthwillen doch immer die weibliche _Delicatesse_ -- ein andres Wort fällt mir nicht gleich ein -- bey.

2) Der Umstand, daß sie Werthern auf dem Balle gleich zu verstehen gegeben, daß sie schon engagirt sey, war uns auch anstössig. Meine Lotte, wenn die damit gemeynt wäre, hätte solches nicht äussern können; weil wir nie eigentlich versprochen gewesen sind. Wir verstanden uns, wir waren einig, wir waren nicht mehr zu trennen, das ist wahr. Es beruhte aber nur zum Theil auf einer stillschweigenden Uebereinkunft. Wir hätten, menschlichen Gesetzen nach, uns noch immer trennen können. Auf meiner Seite hatte eine gewisse Eigenheit oder _Caprice_, wenn Ihr wollt, daran Schuld.

123.

Goethe an Kestner.

v. 24. Jun. 1784.

Lange hätte ich Euch schon schreiben sollen, denn ich habe Euch noch nicht für die gute Aufnahme meiner Iphigenie gedankt. Besonders war mir sehr lieb daß Ihr ins Detail gegangen seyd und mir gesagt habt was Euch daran gefiel, denn ein allgemeines unbestimmtes Lob hat wenig tröstliches und belehrendes.

Das Exemplar habe ich lange wieder erhalten, und auch Euren Brief von Zelle.

G.... konnte Euch wenig von mir sagen, ich habe nichts gemeines mit ihm. Es ist ein töriger Mensch der sich zu Grunde richtet.

Was Ihr mir von Euren Kindern schreibt höre ich gern, glückseelig der dessen Welt innerhalb des Hauses ist. Erkennts nur auch recht wie glücklich Ihr seyd und wie wenig beneidenswerth glänzendere Zustände sind.

Die Grafen Stollberg haben uns besucht, es war eine sehr angenehme Erinnerung voriger Zeiten und eine neue Befestigung der alten Freundschafft.

Wann werd ich Euch einmal wiedersehn! Grüset Lotten, und lebt wohl, gesund und vergnügt mit den Eurigen, laßt manchmal von Euch hören und behaltet mich lieb.

Eisenach d. 24 Jun 1784.

G.

Grüset mir Georgen noch besonders, und schreibt balde wieder.

124.

Goethe an Kestner.

v. 11. Jan. 1785.

Aus beyliegendem Blatte werdet Ihr mein lieber Kestner sehen, was mich in diesem Augenblicke veranlaßt Euch zu schreiben. Ich bitte mir auf das baldigste Nachrichten von der gedachten Person zu verschaffen. Sie sitzt in Mayland und kann Dienste haben wenn ihre Angaben wahr befunden werden, so daß man ihr auch wegen des übrigen Glauben beymessen kann.

Die Capuciner auf dem Gotthart die sich meiner erinnerten haben auf Bitte ihrer Mayländischen Freunde an mich geschrieben, und da ich ihnen als ein berühmter Mann bekannt war; so glaubten sie ich könne nichts anders als ein Professor in Göttingen seyn, und müsste Relationen in Hannover haben. So ist der Brief nach Deutschland gekommen und hat mich endlich hier gefunden.

Dieses Jahr war ich nahe bey Euch und konnte nicht hinüber. Wann werden wir uns einmal wieder sehen. Fast Alle meine Freunde haben mich einmal besucht.

Grüset Frau und Kinder schreibt mir einmal wieder von Euch. Von mir ist nichts zu sagen wenn man nicht von Angesicht zu Angesicht steht. Lebet wohl! Antwortet bald und behaltet mich lieb.

Weimar d. 11 Jan. 1785.

G.

* * * * *

Die Anlage dieses Briefes und die dabei befindlichen Aktenstücke über Kestners Ausrichtung des empfangenen Auftrages sind hier von keinem Interesse, daher nicht abgedruckt.

125.

Goethe an Kestner.

v. 25. April 1785.

Vielen Dank mein lieber Kestner für die doppelte Nachricht. Ich habe den Capuzinern geantwortet und sie mögen nun daraus nehmen was sie können.

Daß Ihr und die Eurigen wohl seyd und in einem glücklichen Häuflein zusammen lebt, erfreut mich von Herzen. Erhalte Euch der Himmel dabey.

Grüset Lotten und Malgen[32] recht sehr, und den guten Georg. Er soll mir mehr schreiben. Es scheint ein wackrer Knabe zu seyn.

Das Mineralien-_Cabinet_ was unser Bergsecretair Voigt dem Publiko angeboten hat, ist eigentlich nicht für Kinder, sondern für Liebhaber, die sich einen anschaulichen Begriff von den verschiedenen Gebürgsarten machen wollen, von denen ietzt immer soviel gesprochen wird.

Wie beyliegendes Büchlein ausweiset. Das Cabinet enthält die in den Briefen beschriebenen Steinarten und ist für iemanden den diese Wissenschaft interessirt und sich unterrichten will, das Geld wohl werth.

Wollt Ihr aber für Eure Kinder ein klein Naturaliencabinet haben; so kann ich Euch ein's zusammen machen lassen, ich habe des Zeugs genug.

Adieu. Gedenkt mein.

W. d. 25 Apr. 1785.

G.

126.

Goethe an Kestner.

v. 1. Sept. 1785.

Euer Brief lieber Kestner hat mich vergebens in ienen Gegenden gesucht, ich bin dem Hofe nicht gefolgt, und sas, da Ihr ihn schriebt, ziemlich weit von Euch ab, in Carlsbad.

Wie viel Freude wäre es mir gewesen Euch wiederzusehen, Theil an Eurer Freude und Eurem Kummer zu nehmen und die alten Zeiten wieder herbey zu rufen. Der Todt Eures Mädgens schmerzt mich sehr. Ich sehe was in Herders Familie so ein kleines Weibgen unter den vielen Knaben wohlthut. Da Ihr immer fruchttragende Bäume seyd; so müsst Ihr den Verlust zu ersezen suchen. Grüset Lotten herzlich, ich denke sie ist mir noch gut und ich werde so lang ich lebe meine Gesinnungen gegen sie nicht verändern.

Adieu. Alles liegt voll um mich von Papieren, deswegen nicht mehr.

d. 1. Sept. 85. G.

127.

Goethe an Kestner.

v. 4. Dec. 1785 d. 2. April 86 beantw.

Seit dem Empfang Eures Briefes, lieber Kestner, habe ich mich über Euer Schicksal nicht beruhigen können, das Ihr mit so vielem guten Muthe ertragt.[33] Bisher wart Ihr mir eine Art von Ideal eines durch Genügsamkeit und Ordnung Glücklichen und Euer musterhaftes Leben mit Frau und Kindern war mir ein fröhliches und beruhigendes Bild. Welche traurige Betrachtungen lassen mich dagegen die Vorfälle machen die Euch überrascht haben und nur Euer eignes schönes Beyspiel richtet mich auf. Wenn der Mensch sich selbst bleibt, bleibt ihm viel. Seyd meines herzlichen Antheils überzeugt, denn mein mannigfaltiges Weltleben hat mir meine alten Freunde nur noch werther gemacht. Ich danke Euch für den umständlichen Brief und für das sichere Gefühl meiner Theilnehmung. Lebet wohl, grüst Lotten und die Kinder. Das Bad hat gute Würkung hervorgebracht und ich bin recht wohl.

W. d. 4 Dez. 85. G.

128.

Goethe an Kestner.

v. 16. Jun. 1786.

Euer Doctor Riedel hat mir sehr wohl gefallen, und hat überhaupt hier Beyfall gefunden. Schreibt mir doch etwas näheres über ihn, seine Familie, seinen Character, seine Schicksale und Aussichten, besonders ein näheres von diesen letzten, vielleicht fände sich etwas für ihn in unsrer Gegend, sagt aber weder ihm noch sonst jemand davon.

Ich wünschte sobald möglich darüber einige Nachricht, denn ich gehe mit Ende dieses Monats in's Carlsbad, schreibt aber nur auf alle Fälle hierher. Ich bin wohl und liebe Euch. Wann werden wir uns einmal wieder sehen! Grüßt Lotten und die Eurigen und behaltet mich lieb.

Weimar d. 16 Jun. 86.

G.

129.

Goethe an Kestner.

v. 21. Jul. 1786.

Mit der heutigen Post geht ein Antrag an Dr. Riedel ob er sich unserm Erbprinzen widmen will, nur im allgemeinen, indeß wird sich nach seiner Antwort das Nähere geben. Sagt noch niemand nichts davon. Unsre Herzoginn ist glücklich von einer Prinzess entbunden, die heute getauft wird. Lavater war hier, es freut mich daß er überall guten Eindruck gemacht hat.

Den 24sten werde ich endlich in's Carlsbad abreisen wenn nicht neue Hindernisse sich in den Weeg legen. Lebet wohl grüset Lotten und die Eurigen und behaltet mich lieb.

Weimar d. 21. Jul. 86.

G.

Dies in Antwort Eures Schreibens vom 16. Jul. das ich heute erhalte.

130.

Goethe an Kestner.

Rom d. 19 Febr. 87.

Durch Hrn. v. Pape, der nach Teutschland zurückgeht, muß ich Euch ein Wort und einen Grus sagen. Ich bin hierher mehr verschlagen worden als gereist und kann nun nicht genug von dem glücklichen Genuß sagen, den ich hier finde. Wenn sich nur irgend etwas davon mittheilen ließe.

Dr. Riedel ist nun bey uns angekommen und Landkammerrath geworden. Ich hätte gewünscht ihm gleich Anfangs nützlich zu seyn. Es wird sich aber denk' ich schon finden.

Lebt wohl, gedenkt an mich, und grüßt Lotten und die Kinder und wer Euch nah ist. Mir ist der Kopf von Sehen und Arbeiten, vom schönen Wetter und den vielen Fastnachtsnarren ganz wüste. Adieu.

G.

131.

Goethe an Kestner.

Rom den 24. October 1787.

Hr. Rehberg[34] trifft mich noch hier und überbringt mir heute Euren Brief vom 18 May indeß ich schon einen andern von Wetzlar erhalten habe. Meine Mutter schreibt mir auch daß Ihr sie besucht habt und daß ihr Lotte sehr lieb geworden. Ich freue mich daß es Euch unter den Eurigen wohl geht, in Wetzlar muß es ein recht Familienfest gewesen seyn.

Ich bleibe noch den nächsten Winter in Italien und fühle mich recht glücklich daß mir dieses möglich ist.

Es soll mir lieb seyn wenn Hr. Rehberg zu uns paßt und ich ihm nützlich seyn kann.

Meine Werke werden ihre Aufwartung gemacht haben, die übrigen Bände sollen folgen wie sie nach und nach herauskommen.

Grüßt mir Lotten aufs herzlichste, auch Amalien. Einer Eurer Kleinen hat sich, wie ich höre, mit meiner Mutter gar gut vertragen.[35]

Möge Euch alle dieser Brief gesund und zufrieden antreffen.

Goethe

132.

Goethe's Mutter an Kestner und Lotte.

Frankfurt d. 23^{ten} Octobr. 1788.

Lieber Herr Gevatter!

Vortreffliche Frau Gevatterin!

Kein Kaufmann kan über einen starken Wechsel der ihm presendtirt wird -- und der den Grund seiner Casse erschüttert mehr erschrecken -- als ich über Dero zweyten Brief. Erlauben Sie mir, daß ich meine Rechtvertigung Ihnen vorlegen darf -- und ich erwarte von Ihrer Gerechtigkeit Liebe -- meine völlige Loßsprechung. Bey empfang Ihres mir so erfreulichen Schreibens vom 17ten September war ich krank -- mein Kopf war mir dumm und Mein Mund voller plassen -- meine Zunge wie durchlöchert -- welches alles große Schmertzen verursachte und mich zum Schreiben gantz unfähig machte. Noch in dieser fatalen periode kam Schlosser von Carlsruhe mit Weib und Kinder mich, die sie in 6 Jahren nicht gesehen hatten zu besuchen -- Logirten in meinem Hauß -- Sie meine Theuresten! Können Sich die Unruhe, das Visitten Leben leicht denken -- Ich noch halb krank mußte alles mitbetreiben -- da war nicht eine Minute Zeit an etwas zu gedenken -- als Besuche -- Gastereyen u.s.w. Kaum waren sie fort, so hatten wir die Weinleße -- die denn auch Zeit wegnahm -- Summa Summarium 10 gantze Wochen lebte ich in einem beständigen Wirr Warr -- und mußte meinen Dank vor Dero gütiges Zutrauen freylich wieder meinen Willen aufschieben -- Finden Sie diese Gründe nun hinreichend; so laßen Sie mich ein Wort des Friedens hören -- Das wird mir Wohlthun, und mein Herz erfreuen. Wie sehr es mich gefreut hat Pattin von Lottens und Ihrer Tochter zu seyn können Sie kaum glauben -- Gott erhalte Ihnen dieselbe -- zu Ihrer Freude! Nun etwas Herrn Hans Buf betrefend -- Wie Ihre liebe Frau hier war -- so machte ich Ihr ein Geschenk von den 4 ersten Theilen von Goethens Schriften -- einige Zeit hernach schrieben Sie mir -- Daß Sie solche von meinem Sohn auch empfangen hätten -- ich sollte also sagen (weil Sie keine doppelte Exemplare haben wollten) an Wen Sie solche geben sollten. Ich decitirte vor Herr Hans Buf -- da ich Ihm nun den 5ten Theil vor einiger Zeit einhändigte -- so sagte Er mir, daß Er die 4 ersten Theile noch nicht hätte -- und bate mich Ihnen zu erinnern Ihm solche zuzuschicken. Mein Sohn ist nun wieder aus Italien zurück, und befindet sich vergnügt und wohl. Die Frau Bethmann hat gestern an Ihnen geschrieben -- Sie war auch krank. Leben Sie wohl!

Grüßen und küßen vor allen meinen lieben Eduart -- von derjenigen die unveränderlich ist

Meines lieben Herrn Gevatters und Frau Gevatterin

treue wahre Freundin

Elisabetha Goethe.

133.

Goethe an Kestner.

v. 10. Nov. 1788.

Es ist wohl nicht artig daß ich so lang in Deutschland bin und noch kein Zeichen des Lebens von mir gegeben habe. Ihr seyd deshalb sehr artig, daß Ihr mir zuvorkommt und mir Nachricht ertheilt wie es Euch und den Eurigen geht. Ich freue mich daß Ihr alle zusammen wohl seyd und Euch noch immer vermehrt.

Warum meine Mutter nicht geantwortet hat begreife ich nicht. Es wäre sonderbar wenn durch diesen Zufall die Tochter der Mutter ominösen Nahmen fortführen sollte.

In Italien ist mirs sehr wohl gegangen, ich habe ganz nach meinem Sinne gelebt und brav studirt. Ich wollte nur ich hätte das zwanzig Jahre früher haben können! da hätte man die Sachen aber auch nicht so solid genommen.

Rehberg hat sich sehr gut zu uns gefunden. Mit ganz neuen Menschen laß ich es gern eine Weile so hingehn. Es hatte sich aber zuletzt recht artig gemacht. Nur Schade daß ich mich trennen mußte.

Er schreibt mir oft. Herder ist jetzt in Rom; auch unsre verwittibte Herzogin ist dort vor kurzem angelangt.

Riedel ist ein sehr guter Mann und findet sich immer besser. Anfangs hatte er in mehr als einem Betracht einen schweren Stand. Es lößt sich aber alles zu seinem Besten auf. Das Kind ist froh und gesund.

Ihr habt mir einmal wegen einer Präsentation beym Cammergerichte geschrieben. Schreibt mir doch ob Euch noch daran gelegen ist und wie man die Sache einfädlen könnte. Ich bin zwar meist ausser politischen Relationen, doch kann ich vielleicht etwas würken. Lebt indeß recht wohl. Grüßt die Eurigen. Wann und wo werden wir uns denn endlich einmal wieder sehen?

Weimar d. 10 Nov. 88.

Goethe.

134.

Goethe an Kestner.

v. 2. Febr. 1789.

Euren Brief habe ich zur rechten Zeit, durch den Umweg erhalten. Ich habe Euren Wünschen die Zeit oft nachgedacht und mich hie und da erkundigt, habe aber nichts gefunden das Euch direckt befriedigen könnte. Doch bin ich auf einen Gedanken gekommen, der vielleicht würckt. Schreibt mir durch welchen Weeg ich mich näher erklären soll. Verzeiht daß ich heut nicht mehr sage. Grüßt die Eurigen und gedenkt mein.

W. d. 2 Febr. 89.

G.

135.

Goethe an Kestner.

v. 2. Märtz 1790.

Euer Brief, lieber Kestner, hat mir viel Freude gemacht, besonders das Zettelchen vom Brocken, welches mir ein rechter Beweiß Eures dauernden Andenkens ist; dafür hab ich auch oft an Euch gedacht, wenn es mir wohl ging.

Heute sage ich wenig, das ihr für viel nehmen mögt weil ich gleich schreibe. Es folgt auch der sechste Band meiner Schriften, zu deßen Genuß ich Euch gute Stunden wünsche.

Lebet wohl, grüßet Lotten und die Eurigen. Ich bin wieder auf dem Sprunge zu verreisen, wie weit weiß ich selbst nicht.

Adieu! behaltet mich lieb.

W. d. 2 März 1790.

G.

136.

Goethe an Kestner.

v. 10. Märtz 1791.

Nehmet Dank, mein Bester, für das Zeichen Eures Lebens und Freundschaftlichen Andenkens. Recht willkommen war mir der Anblick Amaliens[36] der mich zugleich verjüngte und älter machte. Hier ist mein achter Band. Da ich ein so böser Correspondente bin ist mir wenigstens das ein Trost auf diese Weise mich mit entfernten Freunden zu unterhalten.

Daß ich meine botanischen Versuche nicht schicke, wie in der Folge alles aus diesen Fächern, verzeiht Ihr, es kann Euch nichts nützen. Wenn ich etwas ~lesbares~ drucken lasse, soll es aufwarten. Lebet wohl, grüßt Lotten und die Kinder und gedenkt mein.

W. d. 10 März 1791.

Goethe.

137.

Goethe an Kestner.

v. 16. Jul. 1798.

Wenn Ihr, mein lieber alter Freund, gelegentlich wieder ein Wort hättet von Euch hören lassen, so würdet Ihr wohl auch von mir früher etwas vernommen haben; denn daß ich einmal auf einen Brief nicht antworte und lange schweige ist bey mir von keiner Consequenz. Die Tage und Jahre fliehen mit einer so reißenden Lebhaftigkeit daß man sich kaum besinnen kann, und bergab scheint es noch immer schneller zu gehen. Wenn wir uns wieder sähen so hoffte ich Ihr solltet mich dem innern nach, wohl wieder erkennen, was das äußere betrifft so sagen die Leute ich sey nach und nach dick geworden. Ich lege Euch eine Schnur bey, als das Maas meines Umfangs damit Ihr messen könnt ob ich mich von dieser Seite besser gehalten habe als Ihr, denn sonst waren wir ziemlich von einerley Taille. Ich befinde mich wohl und thätig, und so glücklich als man es auf diesem Erdenrunde verlangen kann.

Ich wünsche von Euch und den Euren, die Ihr herzlich grüßen werdet, das Gleiche zu hören.

Weimar am 16 Juli 1798.

Goethe.

138.

Gedicht Goethe's an Kestner,

vor ein ihm geschenktes Exemplar des »_Deserted village by Dr. Goldsmith._« von Goethe geschrieben.

Wenn einst nach überstandnen Lebens müh und Schmerzen, Das Glück dir Ruh und Wonnetage giebt, Vergiß nicht den, der -- ach! von ganzem Herzen, Dich, und mit Dir geliebt.

Goethe.

Einige ältere Briefe Kestner's,

als fernere erläuternde Documente.

139.

Kestner an seinen früheren Hauslehrer.

(Wetzlar entweder am Ende des Jahres 1767 oder Anfang 1768.)

Liebster Freund,

Eine solche Correspondenz läßt sich noch unterhalten, wo man sich alle Jahr nur einmal schreibt. Nicht wahr? Aber die Entschuldigungen bei Seite gesetzt. Sollte es uns so sehr an Materie zur Unterhaltung fehlen, daß wir auch noch die zu Hülfe nehmen müßten!

Viel wichtiger, viel interessanter kömmt es, mir wenigstens vor, wenn ich Ihnen sage, daß mir Ihre Freundschaft noch immer eben so schätzbar ist, als vormals. Sie glauben vielleicht, daß Sie hier unbekannt wären? Da müßte ich weniger stolz auf Ihre Freundschaft seyn. Nein! meine Freunde, solche, die Verdienste zu schätzen wissen, kennen Sie. Sie wissen es, daß Sie mein Lehrmeister waren, dessen Lehren und Grundsätze mir auch in der Folge, und da am meisten, zur Richtschnur gedienet; daß Sie jenes nicht allein, nein, auch mein Freund sind, den ich hochschätze, den ich verehre. Sehen Sie da noch die alten Empfindungen meines Herzens. Ich werde älter; alsdann soll man härter, unempfindlicher gegen die edlen Empfindungen werden; und, Danck sey es dem Höchsten, Ihm, der mich Ihm noch immer für seine Wohlthaten dancken läßt, daß ich noch allezeit mein Vergnügen darin finde. Fühlen Sie mit mir mein Glück; Ihr menschenliebendes, Ihr freundschaftliches Herz thut es gern. Ich bin gesund; ich habe wovon ich leben kann; ich habe Freunde. Es ist zwar alles vergänglich; es können Widerwärtigkeiten kommen. Aber ein Blick auf das Vergangene macht mir Muth. Meine Wünsche suche ich auf die Möglichkeit einzuschränken; dieß macht mir ihre Erfüllung hoffend.

Um etwas wichtiges habe ich Sie zu Rathe zu ziehen. Es geschieht im Vertrauen.