Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte

Part 7

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Das Obererzgebirge war früher der eigentliche Mittelpunkt der Weihnachtsspiele. In Annaberg gab es selbst eine Gesellschaft, meist aber kamen die Gesellschaften der umliegenden Ortschaften, die in der Stadt ihre Christspiele aufführten. In der Umgegend von Annaberg giebt es fast keinen Ort, der nicht früher seine Engel- oder Königschar oder beide zugleich hatte. Noch in den 50er Jahren bestand eine Königschar in Frohnau. 1838 wurde dieselbe das letzte Mal in Wiesa aufgeführt. In +Hermannsdorf+ hat die Engelschar am Anfange dieses Jahrhunderts ihr letzte Weihnachtsspiel aufgeführt. 1850 spielte man in Königswalde das letzte Mal. In +Raschau+ gab es noch 1850 das Dreikönigsspiel; ebenso in Grünhain und Crottendorf. In Geyer spielte die Engelschar etwa 1810 zum letzten Male. In Grumbach spielte man noch 1836--40. In den 40er Jahren bestand die Bärensteiner Engelschar noch. Die allerjüngste Aufführung der Engelschar geschah 1857 in Mildenau. -- In neuester Zeit sind mehrfach Weihnachtsspiele veröffentlicht und mit Erfolg aufgeführt worden.

Nach Mosen.

19. Erzgebirgische Heilige Christfahrt aus der Zeit des 30jährigen Krieges.

Die älteste Form des erzgebirgischen Weihnachtsspieles waren die einfachen Hirtenspiele, welche die Verkündigung der Geburt Christi auf dem Felde und die Anbetung des Christkindes durch die Hirten behandelten. Hierzu kamen dann die »Heilige Christfahrten« und die »Drei Königsspiele«. Aus der Verbindung der »Heiligen Christfahrt« mit dem altüblichen Hirtenspiele ging die »Engelschar«, aus der Verbindung des »Drei Königsspiels« mit demselben die »Königsschar« hervor. Während »Engelscharen« und »Königsschar« vielfach erhalten sind, finden sich »Heilige Christfahrten« nur selten.

Eine Komödia, welche am heiligen Weihnachtsabend die Lengenfelder Jugend aufführt.

1631

+Personen+:

Gabriel. Der Heiland. Nikolaus. Raphael. Uriel. Michael.

+Der Engel Gabriel.+

Fried, Freud und ewig Seligkeit Sei euch allen von Gott bereit, Auch ein glückselig neues Jahr Geb euch Gott und immerdar! Weil heut zu dieser Abendzeit Die ganze werte Christenheit Sich freuen thut des heil'gen Christ, Der jetzt gar noch vorhanden ist, Insonderheit die Kinderlein An diesem Abend die frömmsten sein, Indem sie nach den schönen Gaben Ein herzliches Verlangen haben, So hat mich das Christkindelein Jetzt selbst zu euch gesandt herein, Daß ich euch seine Gegenwart Anzeigen soll zu dieser Fahrt, Und ihm bereite seinen Thron, Darauf sich setz der Gottessohn. Darum, ihr lieben Kinderlein, Seid still, merkt auf und lernet fein Alles, was euch der heil'ge Christ Befehlen wird zu dieser Frist.

Hierauf klopft ein anderer Engel oder auch statt des Engels ein Bauer draußen an die Thür und spricht:

Glück denen, die darinnen sein, Macht auf, macht auf und laßt uns ein!

Dann tritt der Heiland ein, dem der Engel Michael vorangeht.

+Der Heiland.+

Eine kurze Zeit verlaufen ist, Daß ich, genannt der heil'ge Christ, Mein' treuen Diener in alle Land Nicolaum hab' ausgesandt, Daß er zum Gebet und Frömmigkeit Die kindlich Jugend mach bereit. Weil aber die Zeit vorhanden ist, In welcher beschert der heil'ge Christ, So bin ich selber kommen rein, Zu sehen, ob die Kinderlein Gelebt han nach mein' Gebot, Ob sie auch treulich gefürchtet Gott, Ob sie auch meinen Namen geehrt Und fleißig Gottes Wort gehört, Ob sie Vater und Mutter fein Gehorcht und gehorsam gewest sein. Darum, ihr Eltern, so saget an, Wie sich die Kinder gehalten han.

Beklagen sich die Eltern über ihre Kinder, so spricht der Heiland:

Der Eltern kläglicher Bericht Erfreut mich itzund wahrlich nicht. Darum ich billig Ursach hab, Diesen Kindern durchaus keine Gab Zu geben. Drum nehmt, ihr Diener mein, Die Gaben, so ihr bracht herein. Ich weiß noch frömmer Kinderlein, Da woll'n wir jetzund kehren ein Und ihnen geben die schönen Gaben, Die sie gar wohl verdienet haben.

Beklagen sie sich aber nicht, so hebt Uriel an zu klagen:

Ja, lieben Eltern, es wäre fein, Wenn eure lieben Kinderlein Sich so verhielten, wie ihr bericht, Mein Mund aber ein andres spricht. Als ich und der vor wenig Tagen Vor diesem Haus vorüber zogen, War ein groß Geschrei und großer Saus Von euern Kindern in euerm Haus. Sie schrien und blökten so schrecklich, Daß wir beide entsetzten sich. Solchs ich nun nicht verschweigen kann, Sondern dem heil'gen Christ zeigen an.

+Darauf der Heiland+:

Meines Knechts kläglicher Bericht Erfreut mich itzund wahrlich nicht u. s. w. (wie oben).

Nikolaus tritt für die Kinder ein und spricht:

O frommer Christe, Gottes Sohn, Der armen Kindlein doch verschon. Siehe doch, wie ihre Äugelein Und Mündlein auf dich gerichtet sein. Ach sieh, wie stehen sie so traurig, Ach sollt es nicht erbarmen dich, Bist du doch sonst gütig und milde, Freundlich und rechter Lieb ein Bilde, Insonderheit den Kindelein Pflegst du hold und gewogen sein, Sie sein unverständig und klein, Wissen noch nicht, was recht mag sein. Drum laß dein Zorn bald vergehen Und bleib allhier bei ihnen stehen. Thu anhören die Kinderlein! Vielleicht sie frömmer werden sein.

+Der Heiland.+

Nikolaus, du treuer Knecht, Du erinnerst mich jetzund recht, Drum geh jetzt hin und stell vor dich Die Kinderlein fein ordentlich.

+Nikolaus.+

Das der heil'ge Christ befohl'n allzeit Treulich zu thun bin ich bereit. Darum, ihr lieben Kinderlein, Stellt euch hier in die Ordnung fein Und thut hersagen, was ihr habt Gelernt nach meinem Mandat.

+Der Heiland.+

Für mich dürft ihr euch fürchten nicht, Euch guts zu thun bin ich verpflicht. Mein Nam' ist Gott, mein Thun ist gut, Mein Feind ist der, so Schaden thut. Ich hab mit mir viel schöner Gaben Für Mägdlein und für junge Knaben, Welche ich denen thu geben, Die schön und hübsch können beten. Drum kommt, ihr lieben Kinderlein, Heran zu mir und betet fein!

Nachdem die Kinder ihre Gebete hergesagt, spricht der Heiland:

Das gefällt mir aus der Maßen wohl, Drum ich euch billig lohnen soll. Wohlan, Nikolaus, Diener mein, Teil aus die Gaben den Kinderlein!

+Nikolaus.+

Es soll geschehen, drum nehmet jetzt Die Gaben, die der heil'ge Christ Jetzt geben thut euch Kinderlein, Dieweil ihr noch könnt beten fein.

+Der Heiland.+

Ihr Kinderlein, nehmt so vor gut Und habt damit ein' guten Mut. Wenn ihr hinfort werd't frömmer sein, So will ich thun den Dienern mein Befehl'n, daß sie euch viel mehr Gaben heut diese Nacht bescher'n. Ich will euch auch geben allzeit Langes Leben und gute Gesundheit. Desgleichen all mein Engelein Soll'n euer Hüter und Wächter sein. Wohlauf, ihr Diener, allzumal Singt und lobt Gott mit Freudenschall.

Dann singt man ein Lied und Michael sagt zum Schluß:

Hiermit von hinnen scheiden wir Und wünsche, daß mögt erleben ihr In Fried und guter Gesundheit Das künftig Jahr und allezeit. Darzu auch denn der Engel Schar Wünscht ein glückselig neues Jahr. Ihr Kindlein habt ein gute Nacht, Was ihr gehört, fleißig betracht. Der Segen Gottes sei mit euch, Zu teil werd euch das Himmelreich. Guter Fried sei stets in dem Haus Allen, die gehen ein und aus!

Nach den Kirchl. Mitteilungen aus Zwickau und Umgegend.

20. Erzgebirgische Weihnachtslieder.

~a.~ Dr Weihnachts-Heiligohmd.

Heit is dr Heil'ge Ohmd! Ihr Maad, Kommt rei! mr gießn Blei! Rick', laaf geschwind zor Hanne-Christ: Se soll bei Zeitn rei!

Mr hoom ne Lächter a'gebrannt! Satt nauf, ihr Maad! die Pracht! Do drihm bei eich is a racht fei: Ihr hatt ä Sau geschlacht!

Iech ho mr ah ä Licht gekaaft Fer zwee-ä-zwanzig Pfeng. Gih, Hanne, hul' ä Tippl rei: Mei Lächter is ze eng!

Kaar! zind ä Weihrauchkerzl a', Doß 's nooch Weihnachten riecht! Und stell's neer off dos Scherbel hie, Dos unnern Uf'n liegt!

Lott'! dortn off der Hühnersteig, Do liegt menn Lob sei Blei: Na, rafl neer net su dort rim, Sist werd dr Krienerts schei!

Denn 's Mannvolk hot sei Fraad an wos, Sei's ah an wos neer will: Mei Voter hot's an Vuglstelln, Dr Kaar, dar hot's an Spiel.

Iech gieß fei erscht! ... Wann krieg iech dä? Satt har! ... enn Zwacknschmied! ... De Kaarlin' lacht: -- die denkt gewieß, Iech meen ihrn Richter-Fried!

Mr hoom ah sachzn Butterstolln Su lank wie de Ufnbank: Ihr Maad, do werd gefrassn warn! Mr warn noch alle krank!

Mr hoom ah Neinerleer gekocht! Ah Worscht mit Sauerkraut! Mei Mutter hot sich o'geplogt, Die ale gute Haut!

Rick'! brock de Sammlmillich ei! Nasch ober net drvu! Ihr Gunge, werft känn Respl ro' In's Heilig-Ohm'nd-Struh!

War giht dä iber'n Schwammetopp?! Nu Henner! ruhst de net? Nu wart neer: wenn dr Voter kimmt, Mußt warlich glei ze Bett!

Nä horcht neer mol in Uf'ntopp Dos Rumpln und dos Geing! Na, weil es neer net winsln thut! -- Denn sist bedätt's noch Leing.

Ne Heiling Ohmd im Mitternacht, Do läfft statt Wasser Wei. Wenn iech mich neer net färchtn thät, Iech hult' enn Topp voll rei.

Denn drihm an Nachbersch Wassertrug, Do stiht ä grußer Ma', Und war net rachte Tatzn hot, Dann läßt er gar net na'!

Lob'! hul' drweil benn Hanne-Lieb Ne Votr ä Kannl Bier! Und wenn de kimmst, do singe mr: »Ich freue mich in dir --«.

Ihr Kinner, gitt in's Bett nu nauf: Dr Seeger zeigt schu Ees. Epp mir Weihnachtn widr erlaam? ... -- wie Gott will, su gescheh's!

~b.~ Ä annersch Weihnachtslied.

('n Hannerl sei Liedl.)

Schwenzelenz! heit bie iech fruh! 's wor mr lange Zeit net su! Will heit Teewes machn! Kinner, iech ho Gald wie Hei, 's känne lächt zwee Tholer sei: Ja, drim ka' iech lachn!

Satt dos Heiligohmd-Licht a'! 's sei fei ruthe Bliemle dra' Und ä klaans Gesprichl! Ho zwee Grosch drfür bezohlt, Salwer 's su schie a'gemolt Wie ä Taffet-Tichl!

Fix! ne Krunelächter ro', Dann iech zammgebitzlt ho Und vergoldt su machtig! Satt die golding Engele! Zwischen Sträuchle wackeln se! A! dos sieht su prachtig! --

Su! nu is er a'gezündt: Ei wie schie dr Lächter brinnt! 's kloppt mrsch Harz vor Fraadn! Ach, die Schwarzbeer-Sträuchle sei, A'gesah bei Licht, su fei! Thunne racht schie klaadn!

Söll de ganze Sach wos taang, Müssmr ah ä Pfeifl raang: Drim will iech aans stoppn! Do -- dr Kopp von Porzelie: Is dar epper net racht schie? Muß ne erscht auskloppn.

Noochert will iech hutzn gih. Heit beschert ne Kinnern schie! 's is ju heit Bornkinnl! Komme ah de Maadle nooch! Bie dann Grethn gut mei Tog: 's is ä lus's Gesinnl!

Bie ä led'ger Boss und ho Nooch enn Schatz ball dort, ball do Schu gestrabt von Harzn: -- Ober dos is wunnerlich! Kaane thut, als will se mich! -- na, iech ka's vrschmarzn! --

Gute Nacht drweil, ihr Leit! Weckt miech morng ze rachter Zeit! Morng giht's in de Mettn! Wemmer su de halbe Nacht Hot fei lustig zugebracht, Kreicht mr in de Bettn.

21. Michel's Erzählung vom Annaberger Vogelschießen.

Doletzt wor iech in Annebarg, (Gevatter, losst Eich grißn!) Do ho iech's Maul weit aufgesperrt: Do war ä Vuglschießn! Wos mr fer Zeich in Stedn macht! ... Ze Schanden ho iech miech gelacht.

Frih Morngs, wie de Sonn aufgieng, Do fieng ah a' dr Rummel: Zwee Grenadierer ranntn rim Off'n Gassn mit dr Trummel; Die schlu'ng ganz drbarmlich drauf Und wecktn do de Herr'n auf.

Nu mochtn welche drunner sei, Die's gar verschlofn hattn: Drim pumpertn se nochmol nei, Und dos off all'n Gassn. Nooch liefn d'Herrn in's Rothaus nei; Kä Fraa war oder net drbei.

Do brachtn se enn Ma' gefihrt (Dacht', 's wär ä armer Sinder --), Dann hattn se schie ausgeziert, Glaabt mir'sch, ihr Harznskinder! Ne ganzn Rock mit Blach behängt! ... Möcht wissn, war setts Zeich drdenkt! --

Nu liefn alle Leit drzu Und freetn sich net wenig. Dar Ma' sooch schwarz und gar net fruh: Se sahtn, 's wär dr »König«! Iech wollt eich schwörn bei meiner Seel: Dar Kienig hält sist Knöppln feel.

Dann fihrtn se de Gassn nauf Mit Pfeifn und mit Trummeln Un alt und gung lief ah vurauf ... Dos war ä Lärm un Tummeln! Ä Ma' ä Stangl hot imwundn Und ene Schärz schie na'gebundn.

Und vornewack do gieng ä Ma', Dar trug enn hölzern Vugl; Off'n Schießhaus trof mr noch enn a': Dar sooch eich erscht racht nubel! Dar war, su wahr dr Himmel labt, Mit Gold un Silber ganz beklabt!

Iech meent': se würn dann Vugl wuhl Dann gnading Kienig schenken; Da wür ne noochert in de Kerch Neihänge zon A'denkn ... Do oder wur eich gar nischt draus: Se spießt'ne off ne Stang uhm naus.

Nu dacht' iech oder ganz gewieß: Neer deshalb wär'sch geschah, Doß alle Leit racht u'schennirt Dann Vugl könntn sah. Denn weil dos Dink viel Arwett kust, Sääch jeder dodra seine Lust.

Doch -- denkt eich neer dos Kinnerspiel: Se hattn gruße Bügel! Do schnelltn se gar grasslich viel Nauf kläne, gruße Prügel! Korzrim: es wurn Kopp, Flügel, Schwanz In ener Stund gottgar zmoranzt!

Nu sogt mr neer! ... die tolle Walt! ... Ä setts Dink ze zerschmeißn! ... -- Ä Voter, dar off Ordning hält, Läßt Kinnern nischt zerreißn: De Altn wolln gescheidter sei?! ... Und schmeißn gar mit Prügeln drei?! ...

Nu sooch iech eich zon Stadt-Thur raus Viel gruße Weibsn kumme. Iech dacht: »Wenn die dann Vugl sah ... Do warn se tichtig brumme!« Zerbricht mol Unner-eens enn Topp, Do zankt de Fraa: »Du Duselkopp!«

Doch käne, käne saht ä Wort! Se hattn neer Vergnieng! ... War eich ä Stick von Vugl hatt, Dar gieng und ließ sich's wieng. De Weibsn schossn mit enn Ding Von Eisn, dos an Schnür'l hing.

Aus ener Bud do bliesn raus Ä dutznd Mussegantn; Grod-rüber stahnd ä Leimet-Haus Fer Kienigs A'verwandtn. Do gienge gar viel Weiber nei: -- Sölln Die dä alle seine sei? ...

De Aa'ng hattn nu genunk, Doch net es Maul, dr Moong; Denn alles, wos mr ooß und trunk, Hatt' schrackich aufgeschloong! Von Frassn gob's de schwere Meng, ... Neer fahlet'n mr aam de Pfeng!

Wos wetter sich noch zugetroong? ... Wess net! -- mir wursch ze lang! Miech that dr Dorscht und Hunger ploong, Drim bie iech ball gegang. Dos wußt iech nu: -- Trotz teiern Brud Hot's doch in Annebarg kä Nut!

J. G. Grund.

22. Dos arzgebergische Mädl.

Iech bi a gebergsch Mädl, Bi frumm un bi ah gut Und dreh zun Klippeln mei Fädl, :/: So arm iech bi, ho iech doch Muth. :/:

Ho Ardeppln of men Tischl, Ka Schminkel Buttr drbei Un bi gesund wie a Fischl :/: Un trog ah kän Dokt'r wos ei. :/:

Un ka iech net huchgelehrt redn Su wie's in Kerngbuch stieht, Su ka ich doch singe un batn :/: Un ah monch gebergsch Lied. :/:

S' Karschettl, es Tichl, es Schärzl Is olles neiwaschn un schie', De schwäbischn Aermln an Leiwl, :/: Die ho iech gemanglt heit frieh. :/:

N' Sunntig do thu iech mich putzn, No her iech de Predig mit oh, Nooch gieh iech zun Schwasterle hutzn, :/: Do sanne mer enannr när ah. :/:

Wenn ohm'sd nooch häm werd gange, Sieht Schatzl mich sehnetlich oh, Un frogt mich: he host ke Verlange, :/: He, Schatzel, he brauchste kän Mo? :/:

Wos latschte, wos patzschte mer wiedr, Mach mir ner kän Meerettig noh, De brauchst mich doch net erst ze froong, De sist marsch an Aange schieh oh.

23. Erzgebirger beim ersten sächsischen Volkstrachtenfest.

An dem Festzuge des ersten sächsischen Volkstrachtenfestes am 5. Juli 1896 in Dresden haben auch die Erzgebirger sich beteiligt und manche ihnen noch eigentümliche Tracht aufgewiesen. Die erste Abteilung des erzgebirgischen Zuges bildeten die Bergleute, und zwar zunächst die Farbenwerk- und Hüttenleute mit Zimmerlingen und Maurern mit Musikkorps, sodann die Gruppe aus den Blaufarbwerken in Oberschlema und Pfannenstiel. Der Gruppe aus dem Kupferhammer »Grünthal« folgte die Gruppe der Kohlenbergleute. Dem Bergmannszug schlossen sich noch Bauern und Hausierer aus dem Erzgebirge an. Hierzu gehörten Löffelhändler aus Beyerfeld, Spielwarenhändler aus Grünhainichen und Kastenleute aus Jöhstadt. Den Schluß des Zuges bildete ein vollständig ausgerüsteter erzgebirgischer Lastwagen, der vom Fuhrwerksbesitzer Israel in Löbtau gestellt wurde.

24. Der Streittag.

Streiten ist an sich keine löbliche Eigenschaft, und am allerwenigsten scheint ein sittlicher Grund vorzuliegen, die Erinnerung an einen Streit in einem alljährlich wiederkehrenden, festlich begangenen Tage festzuhalten und auf die kommenden Geschlechter zu vererben. Und doch haben unsere biederen sächsischen Bergleute dies Ungeheuerliche fertig gebracht und sie feiern alljährlich ihren »Streittag« als einziges und höchstes Bergfest, im Schneeberger Bergrevier und auch wohl in anderen am Tage Maria Magdalena, den 22. Juli. Die Grundlage dieses Festes bildet das gewiß begreifliche Verlangen der geplagten Bergleute, wenigstens an einem Tage im Jahre von ihrer saueren Arbeit »tief unter der Erd'« ausruhen zu dürfen. Denn im Dienste der Sicherheit und Regelmäßigkeit des Betriebes giebt es bekanntlich im Bergbau keine eigentliche »Sonntagsruhe«, sondern unablässig arbeitet im Schachte das sogenannte »Kunstgezeug« weiter, wie das von dem auf der Halde stehenden Zechenhäuschen erklingende Bergglöckchen mit seinem regelmäßigen »Kling« anzeigt. Zur Bedienung des »Kunstgezeugs« aber, das den gesamten für den Grubenbau unentbehrlichen Maschinenbetrieb zur Entfernung bez. Nutzbarmachung der Grubengewässer, der Förderung des Gesteins, Beförderung der Belegschaft, d. h. der Mannschaften, u. s. w. zu ordnen hat, sind Menschenkräfte unentbehrlich, und würde einmal plötzlich das Bergglöckchen sein eintöniges »Kling« nicht vernehmen lassen, so wäre die bange Furcht, daß die finsteren Mächte des Abgrundes wieder einmal ihr unheimliches Zerstörungswerk begonnen haben, leider nur allzusehr begründet. Da haben nun vor Zeiten -- urkundlich läßt sich das Datum nicht genau feststellen -- die Bergleute sich jenen Tag »erstritten«, um frei von den Sorgen ihres schweren Berufs einmal sich und ihren Familien ganz angehören zu können. Damit soll nicht gesagt sein, daß an diesem Tage der Bergwerksbetrieb gänzlich eingestellt sei, das ist eben nach unseren obigen Darlegungen undenkbar. Aber die nur irgendwie abkömmlichen Mannschaften feiern an diesem Tage, und wer sonst, um seinen Verdienst zu erhöhen, neben der Nacht- noch eine Tagschicht verfuhr -- jede annähernd 10 Stunden umfassend -- der verzichtet heute gewiß auf letztere und jede anderweite Nebenbeschäftigung (Holzschnitzerei, Musikmachen, Garten- und Feldbau u. a.). Daß man aber den Tag als höchstes Fest begeht, zeigt auch die Paradeuniform, die heute selbst den einfachsten Ganghäuer schmückt. Die schönste Zierde des Festes aber, will uns bedünken, und zugleich ein rührendes Ueberbleibsel aus der oft zu Unrecht verspotteten »guten, alten Zeit« bildet die feierliche Kirchenparade der Belegschaft des Reviers mit nachfolgendem Festgottesdienst in der Hauptkirche. Die Bergleute waren es bekanntlich, deren unverfälschter frommer Sinn frühzeitig die Irrlehren der römischen Kirche erkannte und sich dem evangelischen Glauben zuwandte. Noch heute erinnert ein mit einem Bibelbuch und einem Kelche (aus Eisen) geschmückter gewaltiger Granitwürfel inmitten des Schneeberger Grubenreviers auf dem »hohen Gebirge« an die Knappschaftskapelle zu »St. Anna«, in der schon im Jahre der Uebergabe der Augsburger Konfession (1530) evangelisch gepredigt wurde.

Die Kirchenparade der Bergleute am 22. Juli gestaltet sich besonders in der ehrwürdigen Bergstadt Schneeberg zu einem hervorragend merkwürdigen und glänzenden Schauspiele. Nicht nur, daß sich die Bergleute in ihrer altertümlichen Tracht hier auch in größerer Anzahl beteiligen -- jetzt etwa 500 Mann, vor 20 Jahren mochten es über 800 gewesen sein --, sondern auch des gewaltigen Gotteshauses wegen, wohin sich der Zug zur Festfeier bewegt. Die Schneeberger Hauptkirche, auf dem höchsten Gipfel des Berges gelegen, welcher der Stadt ihren Namen gab, ist, aus dem Ertrage der Gruben erbaut, schon in ihrem gewaltigen Umfange ein Zeugnis frommen Bergmannssinnes und dem Bergheiligen St. Wolfgang geweiht. Weit und licht, ohne beengende Emporen, an deren Stelle ein in drittel Höhe um das ganze Gotteshaus herumlaufender Prozessionsgang tritt -- der Bau wurde im Jahre 1516 katholisch begonnen, im Jahre 1540 aber vollendet und die Kirche evangelisch eingeweiht --, gehört das Gotteshaus, das entsprechend seiner spätgotischen Bauart vor nicht zu langer Zeit innerlich prächtig erneuert ward, zu Sachsens größten Kirchen, dem nicht einmal die St. Annakirche in Annaberg trotz ihrer gewaltigen Größe gleichkommt. Die ehernen Zungen des harmonischen Geläutes (~G-dur~), darunter Sachsens größte Glocke, die weit über 100 Zentner schwere »Donnerglocke«, begrüßen die in festlichem Zuge Nahenden. Eine besondere Gruppe, die wegen ihrer kleidsamen und eigenartigen Tracht stets ungeteilteste Aufmerksamkeit erregt, sind die Blaufarbenarbeiter. Ihre blinkend weißen, faltigen Blusenhemden, geschmückt mit den nötigen Rang- und Arbeitsabzeichen, stehen seltsam mit den schwarzen, grün gesäumten Paradeuniformen der übrigen Bergleute, deren Lederzeug (Berg- und Knieleder) heute blankgeputzt ist. Altertümlich nimmt sich bei allen auch der federgeschmückte Tschacko aus, während die bergmännischen Werkzeuge -- Hammer, Schlägel, Fäustel, Spitzhacke etc. -- dem Ganzen ein etwas militärisches Gepräge verleihen. Weniger soldatisch mutet uns die eigenartige Gangart der Bergleute an, die ihnen offenbar infolge ihrer Berufsarbeit zur andern Natur geworden ist: wir meinen das Vorbeugen der Knie bei jedem Schritt. Der Volkswitz nennt daher den uralten Marsch, nach dessen getragenen Klängen der Einzug erfolgt, nicht übel den »Kniebiegel«. Im Gotteshause gebührt der Berggemeinde an diesem Tage der unbedingte Vorrang, ja, in früheren Jahren mußten ihr sogar die sogenannten »gelösten« Kirchenstühle aufgeschlossen und freigegeben werden. Als Zeugnis für die festliche Bedeutung des Tages mag endlich noch der Hinweis dienen, daß, wie an hohen Festen, auch der jeweilige Oberpfarrer und Superintendent die »Bergpredigt« zu halten hat. Nach beendetem Festgottesdienst zerstreut sich die Berggemeinde, die sich übrigens nur aus den männlichen Familiengliedern zusammensetzt, soweit diese beim Bergbau beschäftigt sind, in alle vier Winde.