Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte

Part 5

Chapter 53,559 wordsPublic domain

In einem Nebenthale des Zschopauthales, eine halbe Stunde von der Stadt Wolkenstein entfernt, 458 Meter über dem Meeresspiegel liegt ebenfalls in den Gneisformationen sehr geschützt +Warmbad Wolkenstein+. Die Quelle ist die wärmste Sachsens mit einer Wärme von 31 °C. Man nimmt an, daß sie auf dem im zweiglimmerigen Gneise aufsetzenden Eisensteingange »Neugeboren Kindlein« ihren Ursprung habe und bei dessen Abbau zufällig entdeckt worden sei. Sie bricht aus Drusen eines Erzganges hervor. Nach einer älteren Zeichnung soll sich daselbst ein Silbergang mit zwei Eisensteingängen kreuzen. Die ziemlich tief liegende Quelle ist in neuerer Zeit frisch gefaßt und dadurch gegen Zufluß von »wilden Wässern« geschützt worden. Mittels eines Hebewerkes wird das Wasser nach dem Badehause geleitet, von wo es nach weiterer Erwärmung in die einzelnen Zellen abfließt. Die Quelle spendet in jeder Minute 150 Liter warmen Wassers. Das Wasser ist ebenfalls den Säuerlingen zuzuzählen und hat große Ähnlichkeit mit dem Wiesenbader, wie mit den berühmten Warmquellen von Wildbad in Württemberg, Gastein und Pfeffers. Seine Wirkungen entsprechen dem Wiesenbader. Die Quelle war schon im 14. Jahrhundert als heilkräftig bekannt. Es fanden starke Wallfahrten nach dem Bade statt.

3.

Das Bad +Ottenstein+ bei Schwarzenberg liegt in einer Meereshöhe von 424 Meter im Glimmerschieferthale des Schwarzwassers. Die Anstalt ist nach Nordosten und Nordwesten durch hohe Felsmassen gegen kalte Winde geschützt. Die Quelle ist ein kaltes, an Kohlensäure nicht sehr reiches Eisenwasser mit mittlerem Eisengehalte, das in Form von Trink- und Badekuren Anwendung findet. Erfolgreich wurde das Bad bei Blutarmut, Reißen, Nervenkrankheiten, Lähmungen, Magen- und Lungenkrankheiten gebraucht.

4.

Außer diesen genannten Bädern gedenken wir noch derjenigen Mineralquellen unserer Gegend, die ehemals zu Bädern benutzt wurden. Manche erfreute sich sogar eines gewissen Rufes.

In +Niederzwönitz+ entspringen 580 Meter über dem Meere auf einer von Fichten- und Kiefernwald umschlossenen Wiese nebeneinander 3 Quellen, denen der Volksmund die Namen der »Gute Brunnen«, der »Krätzbrunnen« und der »Augenbrunnen« gegeben hat. Die Wirkungen des Guten Brunnen wurden bereits 1498 oder 1501 erkannt. 1608 wurde dieser Quell, nachdem er in Vergessenheit gekommen, wieder gereinigt. Den Krätzbrunnen entdeckte man 1646 und die Wirkungen des Augenbrunnens kamen 1717 zur Anerkennung. In der Nähe des »Guten Brunnens« soll ehemals eine der heiligen Anna geweihte Kapelle gestanden haben, weshalb man ihn auch »Annenbrunnen«, später aber »Tannenbrunnen« oder »Zu den drei Tannen« nannte. Man sagt, Kenner hätten versichert, daß die Kanne dieses Wassers einen Dukaten wert sei, wenn man das wilde Wasser davon scheiden könnte.

Das +Marienberger+ Bad hatte die Quelle »Frischer Brunnen«, die 1553 bekannt wurde. In der Nähe des Zschopauer Thores in Marienberg giebt es heute noch einen »Frischen Quell«, dessen Wasser jedoch nur als Trinkwasser benutzt wird.

Das Bad +Raschau+ wurde 1808 eingerichtet. Nach ihm führt noch ein Gasthaus in Raschau seinen Namen. Auch in der Nähe von +Ehrenfriedersdorf+ giebt es einen Mineralquell, der bald als Stahl-, bald als Sauerbrunnen bezeichnet wird. Im Jahre 1646 wurde in Grumbach bei Jöhstadt am Walde nahe dem »Thumshirn-Brunnen« ein Heilbrunnen entdeckt, dessen Wasser zu warmen Bädern gebraucht ward. Nach ihm war eine Zeit lang großer Zulauf aus Meißen und Böhmen. Es wurden bei ihm selbst Betstunden abgehalten. Auch in Neudorf und Crottendorf hat man aus einer nicht mehr vorhandenen Quelle zur Kur getrunken. Zwei eisenhaltige Quellen sollen vom Fichtelberge in den Zechengrund abfließen.

+Mathesius+ sagt über die Gesundbrunnen und warmen Bäder des Erzgebirges: »Unser Herr Gott ist ein weiser Hausvater. Weil er denn weiß, daß arme Bergleute in Gruben und Hütten viel böses Wetter, koblichten Stank, kalte Dämpfe, feuchten Brodel und giftigen Rauch in sich ziehen, pflegt er neben die Bergwerke gemeiniglich eine eigene Apotheke anzurichten, damit die Bergleute eine Bergarznei hätten wider die Lähme und verschleimte Lunge, erkältete Mägen und verlähmte Glieder und was der Bergsucht und Beschwerungen mehr sind.«

Nach Köhler u. a.

9. Fischreichtum erzgebirgischer Flüsse.

Die Flüsse und Bäche Sachsens enthielten zu der Zeit, wo Petrus +Albinus+ aus +Schneeberg+ seine 1590 erschienene »Meißnische Land- und Bergchronik« schrieb, noch einen +Fischreichtum+, wie derselbe trotz unserer künstlichen Fischzucht und Fischereigesetze bei den durch Fabrikanlagen verunreinigten Gewässern, ihren Uferbauten und Regulierungen, den Entwaldungen unserer Berge und anderen schädigenden Einflüssen mehr, wohl kaum wieder erzielt werden dürfte.

Man fing in der Elbe bis zu 2 Zentner schwere Störe, und zwar galt als die beste Fangzeit die Zeit der Rosenblüte; ebenso fehlten auch die Welse nicht, die um Johannis am besten waren, »darnach,« so meldet Albinus, »verbargen sie sich in die Felsen, darinnen verhielten sie sich, bis sie die »Eglen«, d. h. wahrscheinlich die gemeinen Fischegel, stachen, hernach machten sie sich wieder heraus«. Brassen und selbst die noch jetzt aus der Ostsee in die Oder kommenden Zährten, ferner Barben, Hechte, Aale, Aalraupen, Lampreten und Neunaugen, sowie Lachse bevölkerten damals unsere Gewässer; in der Mulde fing man Barben bis zu 10 bis 15 Pfund, Lachse bis zu 18 Pfund, und zuweilen wurden 18pfündige Hechte gefangen. Erwähnt wird dabei, daß man 1544 in der Ill bei Straßburg einen Hecht von 26 Pfund und in dem Filzteiche bei Schneeberg einen so großen fing, daß derselbe nicht Raum in einem Bierfasse hatte. Dazu kamen noch in den Bächen zahlreiche Forellen, Steinbeißer und Schmerlen, Gründlinge und Kaulbarsche vor, so daß die Fische vor 300 Jahren einen nicht unwesentlichen Teil der Ernährung, selbst des ärmeren Volkes bilden konnten. Mit besonderer Vorliebe verweilt daher auch Albinus bei diesem Kapitel seiner Landeschronik, und er begnügt sich nicht, dabei nur die Namen der einzelnen Fische zu nennen, sondern durch verschiedene beigefügte Bemerkungen über Laichzeit, Nahrungswert, Schmackhaftigkeit und anderes mehr weiß er für seinen Gegenstand ein noch größeres Interesse zu erregen. So meint er, daß der Hecht von etlichen für den besten Fisch gehalten werde, doch scheint er der Forelle, von welcher eine schwarzgefleckte Art aus dem Schwarzwasser bei +Schwarzenberg+ und aus Bächen um +Crottendorf+ und +Annaberg+ angeführt wird, den Vorzug zu geben, indem er sie den gesündesten und nahrhaftesten Fisch nennt, den man sogar in Wasserkästen groß ziehen könne, so daß er darin 4- und 5pfündig werde. Von dem Salm oder Lachs wird die Meinung damaliger Ärzte mitgeteilt, nach welcher dieser Fisch »stärkerer und gröberer Nahrung sei und gesalzen dem Magen schädlich sein solle«.

Im 16. Jahrhundert »sind die Bäche im Gebirge so fischreich gewesen, daß die Köhler und Holzhauer, wenn sie sich bei Sommerzeit in Bächen gebadet, sie die Waldforellen mit Händen gefangen haben. Nachdem aber das Seifen aufgekommen war und Erze gewaschen wurden, sind die Bäche verdorben, daß die Fische nicht mehr drinnen aufkommen mochten.«

10. Die Kartoffeln im Erzgebirge.

Bereits zu Anfange des 18. Jahrhunderts finden wir die Erdäpfel auch im Erzgebirge. In unserer Gegend sind dieselben zuerst in +Crottendorf+ angepflanzt worden. Bewohner dieses Dorfes brachten in den Jahren 1712 oder 1713 von +Stützengrün+ und +Bärenwalde+ Samenkartoffeln dahin. Bereits in den dreißiger und vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde eine gewaltige Menge dieses Gewächses daselbst erbaut. In dem benachbarten +Schlettau+ hat dann der Anbau der Kartoffeln zunächst Anklang gefunden, da dieses Städtchen bereits in jener Zeit einen nicht unbedeutenden Feldbau betrieb. Besondere Verdienste um die dortige Heimischwerdung derselben erwarb sich der +Amtshauptmann Alexander Christian von Beulwitz+, der daselbst 1715 bis 1725 wohnte und von dem ihm gehörigen +Erlbach+ im Vogtlande den erforderlichen Samen einführte. Von +Schlettau+ ging der Anbau über nach +Elterlein+, +Grünhain+, +Zwönitz+ und deren Nachbarschaft. Eine Teuerung, die im Jahre 1719 das Obergebirge drückte, wurde die Veranlassung zu immer ausgedehnterem Anbau. Der damalige +Superintendent+ zu +Annaberg+, ~Dr.~ +Andreas Kunad+, forderte sogar in dem genannten Jahre in einer Predigt auf, die Kartoffeln häufig zu bauen, »welches auch soviel ausgerichtet, daß man sich allhier mit mehrerem Ernste der Sache beflissen«. Namentlich im zweiten Viertel des vorigen Jahrhunderts wurden die Kartoffelfelder immer zahlreicher auch um +Annaberg+. Der Ertrag war ein sehr reichlicher, indem man zehn- bis fünfzehnfältig erntete.

So war bereits vor der Mitte des vorigen Jahrhunderts der Anbau der Erdäpfel im Obergebirge ein verbreiteter, und die gebirgischen Kartoffeln galten schon damals als durch Geschmack und Größe ausgezeichnet. Sie verdrängten von den Fluren und aus dem Haushalte mehr und mehr die Erbsen, Linsen und andere trockene Gemüse. Der Preis war nach dem damaligen Geldwerte ein mittlerer. Der Scheffel kostete von den geringeren Sorten 8, 9 und 10, von den besseren 16, 18 und 20 gute Groschen.

Schon damals, um 1740, baute man verschiedene Sorten, von denen namentlich drei angeführt und beschrieben werden. Die sogenannten +Jobsäpfel+, die ihren Namen davon hatten, daß sie bereits zu Jakobi, 25. Juli, reif wurden; sie galten für die beste Sorte. Sie haben ziemlich große Knollen, eine dünne, gelbe Schale und in der Mitte eine kleine Höhlung mit ein wenig Feuchtigkeit. Die +andere+ Sorte ist kleiner, gleichfalls mit gelber Schale versehen, worüber sich noch ein dünnes Häutchen befindet. Auch diese werden als mild und schmackhaft bezeichnet. Die +dritte+ Sorte hat eine rötliche Haut und eine etwas eckige Form, von Geschmack sind sie streng und unangenehm, sodaß sie lediglich als Viehfutter benutzt werden.

Ebenso allmählich wie die Verbreitung der Kartoffeln geschah, ebenso brach sich nur nach und nach der mannigfache Nutzen und Gebrauch derselben Bahn. Man baute sie zunächst mehr zur Mästung und zur Mehlbereitung. Das daraus gewonnene Mehl mischte man unter das Brotmehl und erlangte dadurch ein billigeres Gebäck. Man verwendete es als Stärke oder zu dem damals vielgebrauchten Puder. Das grün abgeschnittene Kraut gab man den Kühen zu fressen, und die Butter bekam dadurch, wie gesagt wird, einen guten Geschmack; getrocknet wurde es im Winter in die Schafe gefüttert. Zeitig benutzte man natürlich auch die besseren Sorten als Nahrungsmittel für die Menschen; aber es ging ziemlich langsam, ehe man entweder durch eigenen Scharfsinn oder durch Nachahmung fremder, namentlich bei den Engländern und Holländern angewendeter Zubereitungsarten anfing, die Kartoffel zu braten und zu rösten, mit Eiern zu vermischen und Klöße, Kuchen und »Strützel« daraus zu backen, sowie Branntwein daraus zu brennen.

Nach ~Dr.~ Spieß.

11. Reihenfolge der Städte Sachsens bezüglich ihrer Lage über der Ostsee.

Es sind gelegen: Riesa 108 ~m~, Meißen 110 ~m~, Leipzig 111 ~m~, Dresden 113,4 ~m~, Pirna 116 ~m~, Strehla 118 ~m~, Wurzen 120 ~m~, Großenhain und Wehlen 123 ~m~, Markranstädt und Schandau 125 ~m~, Königstein 127 ~m~, Oschatz 129 ~m~, Grimma und Taucha 130 ~m~, Zwenkau und Trebsen 131 ~m~, Rötha 132 ~m~, Pegau 133 ~m~, Naunhof 134 ~m~, Groitzsch 137 ~m~, Nerchau 138 ~m~, Borna 142 ~m~, Regis 144 ~m~, Mügeln 147 ~m~, Brandis, Dahlen und Radeburg 150 ~m~, Colditz 155 ~m~, Frohburg 162 ~m~, Rochlitz 166 ~m~, Döbeln 170 ~m~, Königsbrück 171 ~m~, Lommatzsch 173 ~m~, Lausigk 175 ~m~, Dohna 177 ~m~, Lunzenau 179 ~m~, Waldheim 186 ~m~, Mutzschen 189 ~m~, Weißenberg 198 ~m~, Roßwein 205 ~m~, Kamenz 206 ~m~, Ostritz 207 ~m~, Tharandt 215 ~m~, Leisnig und Elster 218 ~m~, Bautzen 220 ~m~, Geithain 229 ~m~, Penig und Kohren 231 ~m~, Bernstadt 234 ~m~, Crimmitschau 236 ~m~, Radeberg 242 ~m~, Zittau und Meerane 246 ~m~, Nossen 256 ~m~, Waldenburg 257 ~m~, Geringswalde 259 ~m~, Mittweida und Hartha 260 ~m~, Frankenberg 262 ~m~, Glauchau 264 ~m~, Wilsdruff 265 ~m~, Zwickau und Schirgiswalde 267 ~m~, Löbau 268 ~m~, Pulsnitz 270 ~m~, Sebnitz 274 ~m~, Elsterberg 277 ~m~, Werdau 280 ~m~, Bischofswerda 290 ~m~, Berggießhübel 292 ~m~, Burgstädt 298 ~m~, Mylau 302 ~m~, Chemnitz und Hainichen 304 ~m~, Hohnstein 308 ~m~, Rabenau 311 ~m~, Lichtenstein 315 ~m~, Callnberg 318 ~m~, Siebenlehn und Neusalza 326 ~m~, Glashütte 330 ~m~, Neustadt und Liebstadt 333 ~m~, Zschopau und Gottleuba 338 ~m~, Aue 348 ~m~, Dippoldiswalde, Ernstthal und Hartenstein 350 ~m~, Plauen und Wildenfels 352 ~m~, Stolpen 360 ~m~, Kirchberg 363 ~m~, Limbach 371 ~m~, Hohenstein 374 ~m~, Oederan und Netzschkau 380 ~m~, Reichenbach 390 ~m~, Freiberg 401 ~m~, Oelsnitz und Lengenfeld 404 ~m~, Lößnitz 422 ~m~, Stollberg 423 ~m~, Pausa 446 ~m~, Auerbach 450 ~m~, Neustädtel 468 ~m~, Brand, Schneeberg und Wolkenstein 470 ~m~, Treuen und Schwarzenberg 471 ~m~, Lengefeld 481 ~m~, Adorf 482 ~m~, Mühltroff 483 ~m~, Bärenstein 490 ~m~, Markneukirchen 500 ~m~, Thum und Schellenberg 505 ~m~, Zwönitz 520 ~m~, Lauenstein 526 ~m~, Ehrenfriedersdorf 533 ~m~, Buchholz 557 ~m~, Schlettau 564 ~m~, Falkenstein 567 ~m~, Geising 590 ~m~, Geyer 592 ~m~, Zöblitz 600 ~m~, Annaberg 602 ~m~, Marienberg und Elterlein 610 ~m~, Grünhain 630 ~m~, Eibenstock 643 ~m~, Frauenstein 650 ~m~, Scheibenberg 669 ~m~, Sayda 677 ~m~, Schöneck 735 ~m~, Johanngeorgenstadt 750 ~m~, Altenberg 751 ~m~, Jöhstadt 789 ~m~, Unterwiesenthal 868 ~m~, Oberwiesenthal 913 ~m~. Daraus geht hervor, daß 40 Städte zwischen 100 und 200 ~m~, 33 zwischen 200 und 300, 27 zwischen 300 und 400, 17 zwischen 400 und 500, 11 zwischen 500 und 600, 9 zwischen 600 und 700, 4 zwischen 700 und 800, 1 zwischen 800 und 900 und 1 zwischen 900 und 1000 ~m~ gelegen sind. Chemnitz liegt z. B. 196 ~m~ höher als die am tiefsten gelegene Stadt (Riesa) und 609 ~m~ tiefer als die am höchsten gelegene Stadt (Oberwiesenthal). Bautzen ist zweimal, Glashütte dagegen dreimal so hoch als Meißen gelegen. Neustadt und Liebstadt sind dreimal so hoch als Leipzig gelegen. Aue ist dreimal so hoch als Pirna gelegen. Stolpen ist dreimal so hoch als Wurzen gelegen. Zittau und Meerane sind zweimal so hoch als Großenhain und Wehlen gelegen. Markneukirchen ist viermal so hoch als Markranstädt und Schandau gelegen. Crimmitschau ist zweimal und Geising fünfmal so hoch als Strehla gelegen. Mittweida und Hartha sind zweimal, Reichenbach ist dreimal, Zwönitz viermal und Frauenstein fünfmal so hoch als Grimma und Taucha gelegen. Frankenberg ist zweimal so hoch als Zwenkau und Trebsen gelegen. Glauchau ist zweimal so hoch als Röda gelegen. Löbau ist zweimal so hoch als Naunhof gelegen. Sebnitz ist zweimal so hoch als Groitzsch gelegen. Zöblitz ist viermal und Johanngeorgenstadt ist fünfmal so hoch als Brandis, Dahlen und Radeburg gelegen. Dippoldiswalde, Ernstthal und Hartenstein sind zweimal so hoch als Lausigk gelegen. Falkenstein ist dreimal so hoch als Mutzschen gelegen. Neustädtel ist zweimal so hoch als Bernstadt und Zwönitz zweimal so hoch als Mittweida und Hartha gelegen. Von den höchstgelegenen Städten nimmt Oberwiesenthal die 1., Unterwiesenthal die 2., Jöhstadt die 3., Scheibenberg die 8., Elterlein die 12., Annaberg die 13., Geyer die 15., Schlettau die 18. und Buchholz die 19. Stelle ein.

12. De Stähd in'n Öber-Ärzgebärg.

Weise: Kimmt ä Bugerl u. s. w.

In'n Gebärg hot's viel Stähdeln, Gruß' un kleene, gor fei. Ich will dir'sche auffädeln; Guck när sälberst ä nei!

Aus der Zwick' thun se regieren Us un's Vugtland derzu; In der Ah' giehn se spazieren, Wenn se nischt hamm ze thu?

Ach Herr, Jehstadt is gruslig, Thum un Geyer wuhl meh; Wiesenthal macht een'n duslig, Wenn mer stieht uf der Heh'.

In Eimstock, do gibbt's Läben, In Kanngorngstadt härt's auf; Aber Neistähdl thut sich heben, Schniebärg is net neidsch drauf.

Annebärg leit huch uben, Buchhuls glei nebenbei; Besser luhnt, als sinst Gruben, Pusementiererei.

Schwarzenbärg is rumanisch, Wulkensteen is es ooch; Schlett' un Grienhahn is kumpanisch, Elterlein hot e Loch.

Scheibenbärg hot en Hiegel, Där'n nischt eibringe thut; In Marienbärg kriegste Schniegel; Säller Zehbels hot's gut.

Altenbärg häßt siwirisch, Doch 's is gor net su toll; Schmiedebärg wärd nu riehrisch; Sayd' un Frauensteen -- pascholl.

Kumm när 'rauf, 's is net iebel; Alleng wird hie geärbt't; Freilich hot's ville Hiedel; Doch kah mer lähm, bis mer stärbt.

H. in F.

Zweiter Abschnitt.

Das Volkstum des Obererzgebirgers.

13. Die Mundart des Obererzgebirgers.

Die erzgebirgische Mundart, die als ein ostfränkisch-obersächsischer Mischdialekt bezeichnet wird, kann als eine einheitliche Mundart aufgefaßt werden, da sie gewisse gemeinsame Züge hat, die nur ihr eigen sind und durch die sie sich von allen Nachbarmundarten wesentlich und bemerkbar unterscheidet. Aber innerhalb der Mundart sind die Verschiedenheiten und Abweichungen, die besondern Eigentümlichkeiten und unterscheidenden Merkmale so zahlreich und augenfällig, daß man gut und gerne eine ziemliche Anzahl von Untermundarten unterscheiden könnte. Ein tiefgreifender Unterschied macht sich zunächst geltend zwischen der Sprechweise des östlichen Gebirges, wo die ostfränkischen Bestandteile noch vorherrschen, und dem Westen, wo sie seltener und meist verschliffen sind; fast ebenso bedeutend ist der Unterschied zwischen dem oberen Gebirge und dem mittleren Höhenlande, wo ein allmähliches Verblassen und Verwischen der weiter oben schärfer hervortretenden Züge der Eigenart stattfindet. Aber auch sonst sind die Unterschiede, die Besonderheiten häufig. Jede Gegend, jedes Thal, ja jede Stadt hat ihre Eigentümlichkeiten, die als solche empfunden werden und die Quelle gegenseitiger Hänseleien zu sein pflegen.

Wir wollen betrachten, »wies Vulk redt«, und das redet anders in Kamms (Chemnitz), als in Edern (Oederan), anders in Griehah (Grünhain), als in Zwehnz (Zwönitz).

Der Erzgebirger, besonders der Obererzgebirger, hat eine Vorliebe für dumpfe Vokale und harte Konsonanten. So werden au, ä, eu und ei zu aa (a), z. B. Fraa, Baar, Fraad, Staan; -- ei, eu und ö zu ä, z. B. lächt, lächt'n, schännsta; -- e zu a, z. B. har; -- a zu oo, z. B. Soog'; -- o zu uu (u), z. B. Luus. So wird aus j: g, z. B. gän'r (jener), Gahr, Gung, Gag'r (Jäger); -- aus g: k, z. B. genunk, Bark (Berg), Kelick (Glück): -- aus h: k, z. B. Fluk (Floh).

Fälle von Lauterzeugungen, insbesondere Vokalerzeugungen zwischen gewissen Konsonanten, sind nicht selten, so beispielsweise: Gelut = Glut, geleich = gleich, Gelanz = Glanz, Gelaaben = Glauben, Galied'r = Glieder, ferner: d'rkannt = erkannt, ahamm = heim, noochert = nachher, weiter: Rumpes = Rumpf, Kupes = Kopf, ähnlich: Millich = Milch, Lärig = Lerche, endlich: Taafet = Taufe, Garmerich = Jahrmarkt (vergl. in Thüringen Almerich = Altenburg).

Weit häufiger aber sind die Ausstoßungen von Vokalen, die Verschleifungen von Silben und Wörtern. Gewöhnlich ist der Vokal in den unbetonten Vorsilben ge, ver u. s. w. kaum hörbar, z. B. g'triem = getrieben. Manche Vorsilben verschwinden ganz, wie: 'rei = herein, 'ro = heran, 'nunger = hinunter. Die unbetonten Endsilben werden entweder ganz abgestoßen oder verschmelzen mit der Stammsilbe, z. B. bleim = bleiben, proom = proben, uhm = oben, Laam = Leben, Oomd = Abend, gaehmt = geebnet, wink = wenig, Kuhng = Kuchen, gebung = gebogen, Seng = Segen, Kerng = Kirchen, aang = eigen, fluung = fluchen, werng = würgen, v'rlaang = verleugnen, d'rwang = deswegen, Toong = Tagen, hiesing = hiesigen, Kann'r = Kantor, Rutkaat = Rotkehlchen, geha = gehauen, laen = legen, wer = würde, wurn = geworden. Die Verkleinerungsendung lein erscheint in der Form: la (le). Für die Adjektiv-Endung ig wird manchmal et gebraucht, z. B. schaaket = scheckig, baanet = beinig. -- Aber nicht allein unbetonte Silben werden abgestoßen und verschliffen, sondern auch solche mit einem Nebentone, z. B. Nupr = Nachbar, schawern = scharwerken, Handschch = Handschuh, Echerla = Eichhörnchen, Gahlich'n und Gahl'chen = gelbe Hühnchen, arb'n = arbeiten, nong = nachher. Auch kurze Wörter werden mit einander verschmolzen, z. B. wemmer = wenn wir, gimm'r = geh'n wir, vunna = von ihm, hottene = hat er ihn, nu'ch = nun sich, ing = ich ihnen, Bornkinnel = gebornes Kindlein, gippt'r = giebt ihrer, allezamm = alle zusammen, immadim = um und um, ka'sn = kann es ihnen, guttegor = ganz und gar, epps'n = ob sie ihn, würrerch = würde er sich.

Aus der Wortbeugung mögen nur die besondern Steigerungen serner von sehr (= mehr) und ehnder von ehe, die eigentümlichen Zeitformen: huhl für hielt, fuhl für fiel, fuhng für fing, gehatten für gehabt und maanet für meinte erwähnt werden.

Die Sprache des Erzgebirgers weist noch manche Eigentümlichkeit auf. So mischt er seiner Rede gern selbstgeschmiedete Wörter bei und verunstaltet fremde aufs grausamste. Aus Larifari macht er »Larefar«, das Korsett wird zu einem »Kartschetl«, das Porzellan zu »Porzelih«, eine Guirlande zur »Gorlande«. Etwas ganz Neues ist »nieglnoglnei«, wem man den Standpunkt klar machen will, den »laxenirt« man, und ein ungezogener Junge wird nicht bei den Haaren, sondern »bun (beim) Wisch« genommen. Während der Bauer des Niederlandes den ganzen Tag im Hofe und Felde »scharwerkt«, »schabrt« der erzgebirgische; er heimst nicht ein so viel als möglich, sondern er »schobert«, geht auch nicht zum Nachbar auf Besuch, sondern »hutzn«. Ein lediger »Puß« (Bursche) macht im Erzgebirge zwar keinen Lärm, aber großen »Teebes« oder »Teebs«. Als Verkleinerungssilbe braucht der Erzgebirger statt chen und lein »la« (»Kihla« = Kühchen, »Seila« = Schweinchen); außerdem ist er ein Freund der Flickwörter »fei« und »eppr«. Auch die Namen pflegt er zu verunstalten. Aus einem Ludwig macht er einen »Lud« oder »Wig« und Gottlob, -fried, -lieb verkürzt er zu »Lub«, »Fried« und »Lieb«. Ebenso sind im Erzgebirge die Spitznamen mehr denn anderswo daheim. Jeder im Dorfe weiß z. B., wo der »Mahlhenner« wohnt, während ihm der mit Mehl handelnde Heinrich so und so unbekannt ist. Auch fügt man den Taufnamen gern dem Familiennamen bei. Man macht aus dem Gottlob Schulze einen »Schulzenlob«, und sein Sohn Eduard wird zum »Schulzenlobward«, ja selbst ein »Hansenfritzenkarlfried« ist keine so seltene Erscheinung. Es bedingt schon einiges Nachdenken, um z. B. aus »Mahlhennerwigs Puß« den Sohn von Mehlheinrichs Sohn Ludwig und aus »Fuchsdavidkordel« die Tochter Konkordia des Gutsbesitzers David so und so, der zufällig fuchsfarbige Pferde liebt, herauszufinden.

Nach ~Dr.~ Oertel u. a.

14. Arzgebergsche Sprichwörtr.

('n Baur Hansgörg sei Lieblingsredn.)

's hot jedr, sei ar, wos ar sei, es hot a jedr Stand, Ob im Gebörg, im Vugtland uhm, un ob im Niedrland, Sei eigne Red, sei eigne Sproch, sei eigne Lieblingssprich. -- Wos Hansgörg denkt un wie ar schpricht, dos mächt derzahln heit iech. --

Dr Hansgörg is net arm, net reich, 's is a gemachtr Maa, Ar guckt siech's 's Laam (wär jedr su!) su racht gemietlich a: Drim labt ar gut un reichlich a. »Dä wos mer spart am Mund,« (Dos is sei Red, schpricht mer dervu,) »dos kimmt ner für de Hund!«

Kimmt mittigs vun dar Arb't ar rei zer Arntezeit vum Fald, Do warn de Pfahre ausgeschärrt un's Futtr hiegestallt. »Karline,« schpricht ar zu sei Fraa, »heit wor de Arbet schwer; Schaff's Assen rei, miech hungerts heit, su daß iech's haußen här!«

Ja, 's Assen, dos is su sei Sach! Do ka ar wos vertrag'n. »Ach hätt« (su schpricht ar, wenn's 'ne schmeckt) »dr Buckel a en Mag'n!« Doch gibbts net viel und a nischt guts, denkt ar: »De bist betrug'n, Hansgörg, se ham dr wiedr mol a Halmel dorch's Maul gezug'n.«