Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte

Part 17

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Schon im Frühjahre 1770, als ein später Schneefall den Wintersaaten großen Schaden zufügte und darauf anhaltendes Regenwetter folgte, begann eine allgemeine Besorgnis um die Zukunft sich der Gemüter zu bemächtigen; sie bestätigte sich in den seit Johannis von Woche zu Woche steigenden Getreidepreisen und in einer Mißernte, die sich nicht bloß über das Erzgebirge, nicht bloß über Sachsen, sondern über die fruchtreichsten Gegenden Deutschlands erstreckte. War die Bedrängnis schon groß, welche dadurch für die dichte Bevölkerung unseres Obererzgebirges herbeigeführt wurde, so mußte sie sich zur höchsten Not steigern, als im nächsten Jahre der späte Schneefall und die regnerische Witterung sich wiederholte. Die Felder boten den düstersten Anblick, sie waren von den Eigentümern entweder mit selbst erbautem geringen oder teuer erkauftem Samen möglichst dünn bestreut, oder aus Mangel an solchem gar nicht besät, und die Kartoffelsaat war hier und da von den Armen wieder aufgewühlt. So ließ sich das Schlimmste befürchten, eine nochmalige Mißernte. Und sie trat ein! -- trat zu einer Zeit ein, als auch die anderen Nahrungsquellen bei der herrschenden Gewerblosigkeit versiegten und alle Zufuhren aus Sachsens Kornkammern, aus Böhmen und Altenburg gehemmt waren. Da entrollte sich endlich vollständig das Bild der furchtbarsten Hungersnot, die je erlebt worden war. Man sah ganze Scharen von Bettlern umherziehen, darunter Greise, die von ihren Angehörigen nicht mehr ernährt, fremde Unterstützung suchen mußten, Jünglinge, die, sonst kräftig und blühend, jetzt halb verschmachtet, mehr durch ihren Anblick, als durch Worte sich Mitleid erflehten; Männer, die nach Verkauf des letzten, was sie hatten, selbst ihrer Werkzeuge, an den Bettelstab gebracht waren, viele, die bisher in Wohlstand gelebt, jetzt mit bitteren Thränen anderer Milde ansprechen mußten. -- Man sah Scharen von Kindern, die, von Eltern hilflos gelassen, Brot aus reicheren Händen zur Stillung ihres Hungers zu erlangen suchten. Die Zahl der Bettler war so groß, daß, wie z. B. Pastor Oesfeld aus Lößnitz versichert, an einem Tage oft mehr als 400 vor den Thüren die Mildthätigkeit in Anspruch nahmen.

Der Kornpreis war vom Frühjahr 1770 bis dahin 1772 von 1 Thlr 4 Ggr auf 14 Thlr gestiegen. Wie vielen Familien mochte es da unmöglich geworden sein, das tägliche Brot zu kaufen. So nahm man seine Zuflucht selbst zu den unnatürlichsten Nahrungsmitteln: die gröbsten Kleien, unreife Waldbeeren, gekochtes Gras, zerriebene Baumrinde als Mehl und dergleichen mehr mußte zur Stillung des peinigenden Hungers dienen.

Die unausbleiblichen Folgen waren bösartige, ansteckende Fieber, die allenthalben die Opfer des Todes im Jahre 1772 ins Unglaubliche vermehrten. In +Annaberg+ zählte man deren im erwähnten Jahre 490, während nur 89 Kinder geboren wurden. Auf der Scheerbank starb im Februar innerhalb vierzehn Tagen ein Haus, welches von 9 Personen bewohnt war, ganz aus. Nach einer Angabe des +Geyerschen+ Rates hatte man am 19. Mai schon 192 Leichen, darunter 50 Hausbesitzer. In +Ehrenfriedersdorf+ konnte man keine Bretter mehr auffinden zu Särgen für die Verstorbenen. Im Quartalbuch der Fleischer in derselben Stadt heißt es vom Jahre 1773: »Das ehrsame Handwerk ist so in Verfall gekommen, daß keiner imstande gewesen ist, etwas zu schlachten. Das liebe Brot mußte mit Einteilung gegessen werden. Es sind in diesem Jahre 585 Personen gestorben.« Die meisten Bewohner waren vom Hunger völlig abgemattet. Manche sanken auf offener Straße um und blieben tot. Wie es in solcher Zeit um die Ernährung und Pflege der Kinder im Hause und ihrer Sittlichkeit außer demselben stand, kann man leicht vermuten.

Das 49. Stück des Dresdner gelehrten Anzeigers vom Jahre 1772 schreibt: Hier ist ein Auszug aus einem Briefe eines sicheren Mannes, der am 4. September die Gegend nach +Johanngeorgenstadt+ zu durchreist hat: Ich habe das Elend in +Breitenbrunn+, +Rittersgrün+, +Wiesenthal+, +Crottendorf+, +Pöhla+, +Wildenthal+, +Eibenstock+ und +Neudorf+ gesehen. Nie wünsche ich mir und keinem andern, einen so traurigen Anblick wieder zu erleben. Schon auf der Reise fand ich nicht wenige unbesäet gebliebene, zum Teil schon zur Aussaat aufgerissene Felder: auf diesen nichts als etwas Gras, das kaum zur Hutweide nutzen kann. Auf den Wiesen noch vieles Heu, das nicht hatte eingebracht werden können und nun verderben mußte, weil das Zugvieh und die erforderlichen Kosten gemangelt hatten, oder wo der Hauswirt krank oder gar gestorben war und ein Haus voll hilfloser Waisen hinterlassen hatte; die Feldfrüchte, die nur in wenig Roggen, meist in Hafer bestunden, gar dünn und noch hin und wieder grün wie Gras, und bei den schon einfallenden kalten Nächten nicht viel Hoffnung zu ihrer Reife. Die im Vergleich mit anderen Jahren wenig eingelegten Erdäpfel waren schon großenteils ausgegraben und halb unreif verzehrt; die noch in der Erde liegenden der Dieberei ausgesetzt, und auf allen Fall nur ein Vorrat auf einige Wochen. Das innere Elend der Orte wage ich mich gar nicht zu schildern. Traurig war es von vielen sogenannten Halb- und Viertelgutsbesitzern zu hören, daß sie nicht eine Hand voll Samen ausgesät hätten, daß ihr Rindvieh größtenteils verstoßen und die wenigen Pferde aus Mangel an Futter gefallen wären; noch viel trauriger, die meisten Einwohner nicht so notdürftig bekleidet, daß sie ihre Blöße bedecken konnten, ihre Wohnungen von allem Hausgerät, ihr Lager von Betten leer zu sehen. Kleider, Wäsche, Betten, Haus- und Handwerksgeräte hatten die meisten, so viele die eisernen Töpfe und bleiernen Röhren aus den Öfen, die Schlösser von den Thüren und ihre Äxte verstoßen und um ein Geringes verkaufen müssen, viele haben sogar die Fenster, die Ziegelsteine von den Feueressen etc. aus Not verkauft. Viele Häuser, die ausgestorben waren, sind von ihren Nachbarn eingerissen und das Holz verbrannt worden, um ihr und ihrer Kinder Leben auf einige Tage zu fristen. Handwerker und Gewerbetreibende hatten keinen Verdienst. Zu der schweren Arbeit in Eisenhämmern und Holzschlägen, welche sonst den Mannspersonen ihren Verdienst schaffen, jedoch jetzt auch liegen, sind sehr viele zu entkräftet. Oft müssen sie von der Arbeit wieder abgehen, oft davon hinweggetragen werden; ja einige sind tot dabei liegen geblieben. Ich habe Männer in ihren besten Jahren gesehen, die nicht im stande waren, das ihnen geschenkte Holz im Walde zu hauen und herein zu holen. Der Winter setzt die Männer außer allen Verdienst. Der Lohn bei den Fabriken, für welche die Weibspersonen und Kinder arbeiten, reicht nicht zu, das Brot der arbeitenden Person zu bezahlen, geschweige ganze Familien zu ernähren, Kranke zu erquicken, Kleider, Betten, Hausgeräte anzuschaffen. Ja, ich habe Klöpplerinnen gefunden, die der Hunger dumm und blind gemacht hatte; andere, die wegen zurückgebliebener Mattigkeit und blöden Gesichts wie die Kinder, wieder mit kleinen Zäckchen und schmalen Borten zu arbeiten anfangen mußten. Ich erstaunte über die Gelassenheit der vielen Elenden, die mir allenthalben entgegenkamen, aber selbst zu Kummer und Klagen schon zu empfindungslos, zum Teil auch schon sorglos für sich und die Ihrigen waren, weil sie, wie mir einige selbst sagten, sich auf den bevorstehenden Winter weder zu raten noch zu helfen wußten. Viele haben sich schon des Lebens begeben. Die Krankheiten hatten auch wieder sehr überhand genommen, vornehmlich durch den Genuß unreifer Erdfrüchte und durch die Erkältung wegen Mangels hinlänglicher Bedeckung am Tage sowohl, als besonders des Nachts. Die meisten Genesenden können sich wegen der schweren Kost nicht wieder erholen. -- Mit Nahrungsmitteln, die im Niederlande zu dem notdürftigsten Unterhalte gehören, kann man hier Sterbende retten. Doch habe ich in Breitenbrunn etliche vor Hunger schon halb Verschmachtete gesehen, die keine Gabe mehr retten, sondern ihnen den Tod nur weniger peinlich machen konnte. Viele wissen über keine Krankheit noch Schmerz zu klagen, aber geschwollen, keuchend, ganz verschmachtet taumeln sie umher, vermutlich sind ihre Eingeweide zusammengeschrumpft. -- Nur erst vor vierzehn Tagen hatte man in der Gegend von Eibenstock zwei Kinder, die in den Wald gegangen waren, um sogenannte Schwarzbeeren zu holen, auf der Straße aus Mattigkeit umgefallen und tot gefunden. Die fremden Almosen nehmen ab und die Kollekten jedes Ortes sind, wenn gleich diejenigen, die noch wohlhabend heißen, über ihr Vermögen thun, doch ein weniges für so viele Arme, die sich täglich vermehren. Mancher, der noch vor etlichen Monaten Almosen gab, bittet jetzt um Almosen, und dadurch wächst die Zahl der Armen, so viel auch hinwegsterben, doch immer wieder so sehr, daß die an sich beträchtlichen Gnadengeschenke nur kleine Gaben werden. 150 Scheffel Korn mußten jüngst unter 12800 Arme verteilt werden.

Ferner teilt die erwähnte Zeitung später mehr mit: Bei einem Bereisen einiger Dorfschaften im Monat März fand ein gebirgischer Medikus zu +Rittersgrün+ in einem Hause den Wirt mit seiner Frau und sechs Kindern in äußerster Armut, das siebente, eine Tochter von neunzehn Jahren, die für sich und die übrigen noch Brot verdienen konnte, war vor etlichen Wochen gestorben, eine Tochter von sechzehn Jahren lag seit einigen Tagen vor Hunger, ein Kind von neun Jahren an Hitze und Geschwulst, eins von sieben Jahren an der Auszehrung darnieder. Von zwei Broten, die der Hausvater in einer Woche noch verdienen konnte, und etwas Milch von seiner Kuh mußten sie alle leben. Seine Kinder zu retten hatte er diese Kuh verkaufen wollen, aber nirgends einen Käufer gefunden. In einem andern Hause waren drei Genesene, aber der Hunger warf sie aufs neue nieder. Ein Hausgenosse war vor zwei Tagen verhungert, lag aber noch in dem Bette, in dem er gestorben war, weil Witwe und Kinder, alle ganz unbedeckt, nichts zum Sarge auftreiben konnten. Nicht weit davon lag der Wirt vom Hause abgemattet auf dem Boden, ohne etwas klagen zu können. Dessen Bruder mit seiner Frau nebst sechs Kindern waren seit sechs Wochen eins nach dem andern verhungert. -- In +Crottendorf+ fand man einen Hausgenossen, dem in der Nacht vorher ein Kind verhungert war, und zwei Kinder nebst der Mutter lagen verschmachtet dem Tode nahe. Aus eben diesem Hause war ein Knabe betteln ausgegangen, aber abends nicht heimgekommen. Tags darauf, da man das Haus öffnete, lag er tot vor der Thüre, ohne Geld, ohne Brot etc.

Der Notschrei, welcher vom Gebirge her erklang, fand im ganzen Sachsenlande und darüber hinaus Widerhall, durch Spenden suchte man die Not zu lindern. Seit dem 12. Januar 1771 bis zu Ende 1773 sind allein aus dem Leipziger privil. Intelligenz Comtoir 25726 Thlr 6 Gr 9 Pfg bares Geld, 300 Scheffel Getreide, 37 Zentner Reis, auch viele Bücher und Kleidungsstücke an eingegangenen Wohlthaten in unser Gebirge zu verzeichnen. Bereits im Januar 1772 bekam der Stadtrat zu +Annaberg+ 100 Thaler von einem unbekannten Wohlthäter in Leipzig, wovon 644 Brote, jedes zu 3 Pfund an 399 Familien oder an 1052 Personen verteilt wurden. Chemnitz, Ehrenfriedersdorf, Eibenstock, Geyer, Johanngeorgenstadt und Schneeberg werden als die Schauplätze des größten Elends damaliger Zeit genannt.

Die immer hoffnungsreicher hervortretende Ernte des Jahres 1773 richtete endlich die fast bis zur Verzweiflung niedergebeugten Gebirgsbewohner wieder auf und half durch ihre gesegneten Gaben die letzte Not überwinden. Der Scheffel Korn, welcher 1772 mit 14 bis 15 Thalern bezahlt wurde, galt 1773 nur 4 Thaler und Anfang des Jahres 1777 nur 2 Thaler. Die Kartoffeln kosteten während der Hungerjahre der Scheffel 2 Thaler 18 Groschen, am Anfang des Jahres 1774 nur 6 bis 8 Groschen. In einigen Städten ließ man Gedenkmünzen schlagen, auf welchen die Getreidepreise in den Zeiten der großen Teuerung verzeichnet stehen. Das +Annaberger Museum erzgebirgischer Altertümer+ besitzt deren mehrere, eine solche Bleimedaille aus dem Jahre 1772 zeigt z. B. auf der Vorderseite: Sachsens Denckmahl 1771. 1772. große Theurung, schlechte Nahrung. Die Rückseite besagt: im Gebürge galt 1 Sch: Korn 13 Th: 1 Sch: Weitze 14 Th: 1 Sch: Gerste 9 Th: 1 Sch: Haber 6 Th: 1 Pfd. Butter 8 gr. 1 Pfd. Brodt 2 gr. In Geyer ward am 16. August 1773 mit dem Erntedankfest das ausgeschriebene allgemeine Dankfest für Rettung aus der großen Drangsal verbunden. Mit welcher Rührung und Inbrunst mögen die Geretteten daran teilgenommen haben!

Im September des Jahres 1773 bereiste der damalige Kurfürst und spätere König Friedrich August I. nebst Gemahlin und Gefolge das Gebirge, überall reiche Mittel und infolge seiner Teilnahme Trost spendend.

Von Marienberg ging am 1. September die Reise zu Pferde über Ehrenfriedersdorf, Geyer, Zwönitz, Lößnitz, Schlema nach Schneeberg und von da an demselben Tage wieder zurück nach Marienberg. Am 2. September war der hohe Herr in Annaberg. Dort wäre er beinahe verunglückt, weil das Pferd vor den Schüssen scheute, die man am Pöhlberge ertönen ließ, als er die Pöhlbergstraße aufwärts ritt.

Nach Lungwitz.

Fünfter Abschnitt.

Das Wirtschaftsleben des Obererzgebirges.

49. Die obererzgebirgische Kohlenbrennerei.

~a.~ Die Entstehung des Gewerbes.

Der Name +Köhler+ gehört so recht dem Erzgebirge an, wo das Kohlenbrennen seit Jahrhunderten für zahlreiche Bewohner einen Erwerbszweig bildete, der noch in der Gegenwart, freilich bedeutend sparsamer, in den oberen Waldbezirken, bei Zöblitz, Hirschenstand, Carlsfeld und Morgenröte, bei Göttersdorf in Böhmen und anderwärts angetroffen wird.

In der Geschichte und in den Sagen treten wiederholt Köhler auf. Der Köhler Georg Schmidt befreite am Fürstenberge bei Schwarzenberg den Prinzen Albert aus den Händen des Kunz von Kaufungen; ein Köhler soll im Jahre 1458 im Walde beim Abräumen seines Meilers ausgeschmolzenes Zinn gefunden haben, was Veranlassung zur Gründung der Bergstadt Altenberg gab. Köhler haben sich nach der Sage zur Zeit der Hussitenkriege im Walde, da wo jetzt +Crandorf+ liegt, ihren Kohlenkram, d. h. Hütten aufgebaut, weshalb man den daselbst entstandenen Ort zuerst Kram- und später +Crandorf+ genannt habe.

Als im Gebirge an zahlreichen Orten Eisenhütten entstanden, brannte man auch überall in deren Nähe das Holz zu Kohlen, da diese zum Ausschmelzen der Erze nötig waren. In der 1697 erneuerten kurfürstlichen Holzordnung von 1560 wurde aber bestimmt, daß die Köhler das Holz nicht mehr selbst schlagen lassen durften und das Kohlenbrennen nur noch vom 25. März bis 16. Oktober zu gestatten sei.

In früherer Zeit wurden die Kohlen da und dort auch in muldenförmigen, ungefähr einen Meter tiefen Gruben gebrannt, in welche man Reisig und Holzabgänge warf, diese dann anzündete und mit Erde bedeckte. Man erhielt auf diese Weise die sogenannten Grubenkohlen. Das gebräuchlichste Verfahren bestand aber, wie noch jetzt, im Verkohlen aufgebauter Meiler. Die größeren Kohlen wurden zur Verwendung für die Zerrennfeuer, durch welche das Schmelzen des Eisens, um es weicher und geschmeidiger zu machen, wiederholt ward, mit Dreschflegeln in kleinere Stücke zerschlagen.

Es wird den Köhlern das Verdienst zugeschrieben, den Wald nach und nach urbar gemacht und das Dorf +Ansprung+, welches im 16. Jahrhundert +Aschberg+ hieß, gegründet zu haben. Es haben aber gewiß auch die +Aschebrenner+ ihren Anteil an der Besiedelung der Gegend; der Name dürfte auf das frühere Äschern, d. h. Aschebrennen zu Pottaschebereitung, zurückzuführen sein.

Ehemalige Meilerstätten trifft man noch häufig im Gebirge an; manche derselben stammen jedenfalls aus sehr alter Zeit. In der Mitte einer Meilerstätte ward eine Stange eingeschlagen. Unten hin legte man trockenes »Zünderholz«, dann wurden Stöcke rundum aufgeschichtet; obenauf legte man schräg Scheitholz, sodaß das Ganze wie ein gewölbter Backofen erschien. Die Eindeckung erfolgte mit Fichtenreisig, Erde und Rasen. Der Köhler hat mittels der Zündlöcher für Gleichmäßigkeit im Brande zu sorgen. Mit dem Schürbaum stößt er Löcher in die Decke, um nachzufüllen. 10 Tage dauert die Arbeit. Einfach ist die Köhlerhütte in seiner Nähe.

Nach ~Dr.~ Köhler.

~b.~ Eine Köhlerwohnung in alter Zeit.

Umkränzt von riesigen Fichten rauchten und dampften kegelförmig gebildete Meiler, und an die gewaltigen Baumstämme lehnten sich niedrige, kunst- und schmucklos von eigner Hand erbaute Lehmhütten, vor den brausenden Waldstürmen der Höhe Schutz suchend, an.

Höchst einfach, nach unseren Begriffen mehr als ärmlich, sah es in diesen Hütten aus. Von Dielen erblickte man keine Spur, nur in der Mitte erhob sich ein Tisch von ungehobelten Brettern auf vier in die Erde eingeschlagenen Pfählen, umgeben von einigen gleichartigen Bänken und Holzschemeln.

In einer Ecke stand der Ofen, wenn man eine Vertiefung im steinigen Boden, von einigen Mauersteinen umgeben, so nennen will, in welchem fast beständig ein helles Feuer brannte, bei dem die einfachen Gerichte gekocht oder gebraten wurden. Einige rußige Töpfe und unförmliche Tiegel, sowie hölzerne Teller und Löffel waren das einzige Haus- und Küchengeräte. Schlösser an den Thüren wären unnötig gewesen; denn wer sollte aus jenen Lehmhütten in finsterer Nacht etwas Erhebliches stehlen? -- Unter dem Dache standen die Betten, unter welchen man sich kunstlose Lagerstätten von Waldmoos, Heu oder Stroh auf rohen Dielen zu denken hat. Eine Esse hielt man ebenfalls für überflüssig, denn der Rauch fand durch die verschiedenen Ritze in der Thür und in den Wänden einen ganz gemütlichen Ausweg. Die Stelle der Fenster ersetzten einige viereckige Löcher in der Wand, durch die der goldene Sonnenstrahl die inneren Herrlichkeiten erleuchtete und welche bei stürmischem Schnee- und Regenwetter mit einem Brette verschlossen wurden.

Nach Müller.

~c.~ Das Harzen in früherer Zeit.

Lehmann berichtet: »Es heißt insgemein der ganze böhmische gegen Meißen zu an der Zschopau und an dem Schwarzwasser bis über den Wiesenthalischen Fichtelberg Harz- oder Schwarzwald, davon jährlich 1000 Zentner Pech abgeharzt wurden.« Besonders die Crottendorfer harzten viel und zogen handelnd in die Fremde und blieben oft Jahre aus. Das Harzen erpachteten die Schwarzenberger im 16. Jahrhundert von den Tettaus. 1648 wurde das Zinspech in Geld verwandelt. Die Pechgewerken hatten 80 fl Zins abzustatten. Vor alters mußte der fünfzehnte Zentner Zinspech ins kurfürstliche Amt geliefert werden. 1666 waren die Hölzer so verhauen und verkohlt, daß man kaum zwei Zentner Pech herstellen konnte.

Die Rinden der Bäume wurden mit dem Harzeisen der Länge nach aufgerissen. Im folgenden Jahre wurde das ausgetriebene Harz abgeschabt. In der Pechhütte ward es in Kesseln gesotten und dann in Formen gegossen.

50. Der ehemalige Zinnbergbau.

Gegenwärtig beobachtet man noch an manchen Orten unseres Obererzgebirges +Raithalden+, das sind Anhäufungen tauben Trümmergesteins, das nach dem Zinnseifen oder Auswaschen des Zinnerzes übrig geblieben ist. Diese Halden sind durchwühlt worden. Durch Zuführung von Wasser wurde aus ihnen nicht nur das Zinnerz, sondern auch die Feinerde ausgeschieden. Nach Mathesius in Joachimsthal führte der Zinnwäscher Wasser in zinnhaltige Gebiete und stach eine torfähnliche Masse. Grobe Stoffe und Steine warf man mit der Gabel heraus. Der gute Stein setzte sich dann zu Boden. Man reiniget ihn, um dann das Zinn zu gewinnen. Diese Seifen befanden sich besonders in flachen Thalmulden. Außer Zinnstein fand man auch Topas, Opal, Beryll, letzten besonders im Denitzgrunde bei Eibenstock. Auch Goldkörner fand man, so 1733 am Auersberge eins von 13 Aß Gewicht, das in demselben Jahre dem Kurfürsten bei der Huldigung in Freiberg überreicht wurde.

Sehr zahlreich waren die Seifenwerke im Gebiete von Schneeberg und Eibenstock. Zahlreich waren auch im 17. und 18. Jahrhundert die Seifen in der Umgegend des Dorfes Bockau. Da hat man in jedem Thälchen nach Zinnerzen gesucht. Das geschah im ganzen Gebirge bis nach Johanngeorgenstadt hinauf.

Besonders bemerkenswert sind die Seifen bei Geyer und Umgebung, die zu den ältesten gehören. Der jetzt durch seine Spielwaren weit bekannte Ort Seiffen verdankt seine Entstehung auch dem Zinnbergbau.

Nach ~Dr.~ Köhler.

51. Der ehemalige Silberbergbau.

~a.~ Altes Berglied.

+Ein Bergmann:+

Wenn der Schacht erst eingesenket, Fahrt und Sprossen wohlverwahrt, Seil und Kübel eingehenket, Ist des edlen Bergmanns Art, Daß er mit Schlegel und Eisen Mag seine Kunst erweisen!

+Der volle Chor:+

Daß er mit Schlägel und Eisen Mag seine Kunst erweisen! Hurra! -- Glückauf!

+Ein Bergmann:+

Wenn das Glöcklein drei thut läuten, So heißt's: Bergmann, steh' auf mit Freuden, Es heißt: Bergmann, geh' auf die Zech, Dann wirst du wohl finden Steiger, Häuer und die Knecht!

+Chor:+

Steiger, Häuer und die Knecht! Hurra! -- Glückauf!

+Ein Bergmann:+

Zünd' ich an mein Grubenlicht, So heißt's: Bergmann, fahr an die Schicht, Fahr ein die Schächtlein tief und lang, Dann wirst du wohl finden Einen schönen Silbergang.

+Chor:+

Einen schönen Silbergang. Hurra! -- Glückauf!

+Ein Bergmann:+

Und als ich kam vor meinen Ort, Da saßen die lieben Engelein und wachten dort. Sie thun mich recht lehren und weisen, Wo ich soll ansetzen mit meinem Eisen. Schlag ich darauf mit allem Fleiß, Daß von mir abdringt der Schweiß, So bin ich doch derhalben nicht Verzaget, dieweil ich schönes Silber sah, Das Herzlein darauf thät lachen.

+Chor:+

Das Herzlein darauf thät lachen. Hurra! -- Glückauf!

+Ein Bergmann:+

Wenn die Schicht verfahren ist, Ruf' ich zu dir, Herr Jesu Christ, Befehl' Leib' und Seel' in deine Hände. Du wirst mich wohl führen In das himmlische Zelt.

+Chor:+

Du wirst mich wohl führen In das himmlische Zelt.

+Chor:+

Du wirst mich wohl führen In das himmlische Zelt. Hurra! -- Glückauf!

~b.~ Die Namen der Zechen.

Was die Namen der Zechen nach ihrer Entstehung und Bedeutung anlangt, so ist zu merken, nur die wenigsten knüpfen an die ursprüngliche Benennung des Ortes an, wo sie entstanden, oder an bestimmte Eigentümlichkeiten der Zeche selbst und der bei ihrer Eröffnung maßgebenden Umstände. Die meisten erklären sich aus dem dem Bergmannsstande namentlich in früheren Jahrhunderten vor anderen eigenen +frommen Glauben+ an die göttliche Allmacht, zum Teil auch aus seinem Aberglauben. Frommer Glaube war maßgebend bei den überaus zahlreichen Benennungen der Gruben nach Heiligen und anderem, der Aberglaube in Namen wie Wilder Mann, Wilde Frau, Einhorn, Löwe, Wolf, Rabe, Molch, Hase, Goldner Esel. Riesen und Einhörnern schrieb man die Kraft zu, gewisse »Bergsäfte«, namentlich das Quecksilber, zu edlem Erze zu verdichten. Der Molch sollte seinen Winterschlaf in der Nähe geheimer Schätze halten. Wolf und Rabe galten als »weisende« Tiere. Der Hase schien als fruchtbarstes Tier von guter Vorbedeutung zu sein. Im Goldnen Esel hat man wohl gar eine Erinnerung an das Märchen vom »Eselein, streck' dich« zu erblicken.

Nach ~Dr.~ Bachmann.

~c.~ Obererzgebirgische Bergleute in der Fremde.