Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte
Part 14
Auch in andern Gegenden wehrten sich die Bauern erfolgreich. Das berichtet die Erzählung von den sechs Brüdern bei +Geyer+. Als nämlich in demselben Jahre, 1632, kaiserliche Truppen von der Burg +Scharfenstein+ die ganze Umgegend durchstreiften und plünderten, war es einem Trupp herzhafter Burschen aus +Elterlein+ und +Zwönitz+ gelungen, in der Nähe von +Scharfenstein+ sechs Österreicher, welche im dichten Walde schliefen, zu überfallen und gefangen zu nehmen. Was nun mit den Gefangenen zu beginnen sei, darüber entstand bei den Siegern heftiger Streit. Die von +Elterlein+ meinten, daß es das beste sei, sie sämtlich totzuschlagen. Die von +Zwönitz+ wollten nichts davon wissen und brachten es dahin, daß man beschloß, sie zum Heere zu bringen. Sie zogen fort. Als sie in die Nähe von +Geyer+ kamen, erhob sich der Streit von neuem, und weil die +Elterleiner+ mit Gewalt drohten, so wurden die Zwönitzer voll Ärger und schieden von ihnen, die Gefangenen ihrem Schicksale überlassend. Dieses war ein trauriges. Denn kaum waren die +Zwönitzer+ im Walde verschwunden, so fielen die mordlustigen Elterleiner über die wehrlosen Opfer ihrer Wut her und ermordeten fünf Österreicher auf die grausamste Weise, den sechsten aber warfen sie in ein tiefes Loch, in welchem ihn die Vorübergehenden noch am andern Tage jammern hörten. Zum Gedächtnisse dieser Greuelthat heißt jene Stelle der Wiesen bei Geyer noch jetzt »+Sechs Brüder+«, ohne daß man bestimmen kann, ob wirklich die sechs unglücklichen Österreicher Brüder gewesen sind.
Die unmenschliche Behandlung, welche die friedlichen Bewohner von Freund und Feind zu erdulden hatten, brachte es so weit, daß eben jeder Soldat, gleichviel, welcher Seite er angehörte, als Feind betrachtet wurde. Daher herrschte zwischen den Bürgern und den Söldnerhorden ein fortwährender Kriegszustand. Die Soldaten brannten, plünderten, mordeten und schändeten; die Bewohner wehrten sich ihrer Haut und wagten nicht selten auch den Angriff. Versprengte Soldaten wurden unerbittlich niedergehauen. So lockten die Bauern von +Dorf-Chemnitz+ nach der Leipziger Schlacht sechs hungrige Soldaten und ein Soldatenweib in den Wald, erschlugen sie und raubten alles, selbst die Kleider. Als die Leichen verscharrt werden sollten, findet man einen Halbtoten und macht ihn noch vollends nieder. Der +Jahnmartin+ am +Kühberge+ klagte oft, seine Hände röchen so nach Menschenfleisch; denn er hatte viel Soldaten helfen erschlagen. 1641 erschlugen die gebirgischen Bauern bei +Unterwiesenthal+ 9 Flüchtige von dem Heere +Baners+, entkleideten sie und bedeckten sie mit Reisig: davon hat sich einer wieder ermuntert und ist halbnackt nach Wiesenthal gekommen.
Nach Chr. Lehmann und ~Dr.~ Pöschel.
~k.~ Das Kriegsjahr 1634.
Alle Schrecken des Kriegen kehrten im Jahre 1634 wieder. Namentlich wütete zu jener Zeit der kaiserliche +Oberstleutnant Schutz von Schutzky+ in unserem Gebirge, setzte unter anderm +Sayda+ in Flammen, brandschatzte +Annaberg+ mit 1200 Thalern und rückte auch vor die Stadt +Marienberg+. Hierüber berichtet die Stadtgeschichte: »Den 29. September rückte ein kaiserlicher Oberstleutnant Hans Heinrich von und zu Schutz zu Roß um 2 Uhr nachmittags vor die Stadt; solchem ging der Rat entgegen und bat für die arme Stadt, da sich's denn etwas besser angelassen als im ersten Einfall; er kam mit etlichen Pferden in die Stadt und nahm sein Quartier bei Georg Löven. Da er nun eingelassen worden war, begehrte er von der Stadt für die Plünderung und als Lösegeld 6000 Thaler; es blieb auf der Geistlichen und des Rats Bitten bei 1000 Thaler. Ingleichen wurden dem Oberst 65 Thaler Tafelgeld und dem Regimentsquartiermeister 35 Thaler verehrt. Das Lösegeld wurde halb, nämlich 500 Thaler, den folgenden Morgen ausgezahlt, die anderen 500 Thaler sollten innerhalb 14 Tagen abgestattet werden. Obgleich aber der Rat wegen dieser 500 Thaler einen Schuldschein von sich ausstellte, haben sie doch um mehrerer Versicherung den ältesten Ratsherrn Michael Seeliger mitgenommen. Bei diesem ankommenden Volke entstand auch am Michaelistage abends 7 Uhr eine von den Soldaten angelegte Feuersbrunst vor dem Annaberger Thore und verderbte in solcher ein Haus und eine Scheune und ward ein großes Geschrei in der Stadt, weil es sehr nahe an der Stadtmauer war.« Die letzte Abzahlung der obengenannten Brandschatzungssumme leistete die Stadt am 31. Oktober durch den Bürgermeister Augustin Eckstein, und mußte dieselbe, da alle Geldmittel erschöpft waren, zum größten Teile in Naturallieferungen, worunter auch Heringe und Stockfische aufgeführt werden, geschehen.
In die bedenklichste Lage sollte die Stadt geraten, als im Oktober 1634 der österreichische +Major Beck+ den bisher verhauen gewesenen +Paß bei Reitzenhain+ in einer Nacht öffnen ließ, sodaß nun diese Heerstraße von hin- und herziehenden Heereshaufen wimmelte und es auch zuweilen zu Gefechten zwischen sächsischen und kaiserlichen Truppen kam. So entstand etwa eine halbe Stunde von der Stadt entfernt, auf den +Lautaer+ und +Hilmersdorfer Höhen+, ein Treffen, später auch an dem ganz nahen +Kaiserteiche+, wobei +Marienberg+ in die größte Gefahr geriet. Täglich mit Brand und Plünderung bedroht und von Kroaten und Spaniern umringt, sollte es immer und immer wieder für die in der Nähe lagernden Truppen Lebensmittel schaffen. Es war der Mangel so groß, daß der Rat das Brot von Haus zu Haus in einzelnen Stücken zusammentragen ließ und es manche Eltern im Augenblicke, wo sie es essen wollten, den hungernden Ihrigen entreißen mußten. Aus jenen trüben Tagen erzählt der Geschichtsschreiber: »Es haben sich die Kroaten und spanischen Regimenter vor die Stadt am Walde geleget, da denn die Offiziere auf den Tag hereinkamen und mußten gespeiset werden, dem Volke aber alle Tage 2 Faß Bier, Fleisch und Brot und wöchentlich jedem Regimente 20 Thaler Kriegskosten, welche 12 Tage gewährt, wobei das +Götzsche Regiment+ noch dazukommt, welches gleichsam seine Verpflegung hat haben müssen. Der +Kroatenoberst Joh. Tischler+ hat die Einquartierung in der Stadt haben sollen, weil aber keine Möglichkeit, vornehmlich auch wegen des sächsischen Volkes, welches in +Zschopau+ gelegen, da dann groß Unglück der Stadt hätte entstehen sollen. So hat der Oberst +Tischler+ 200 Thaler und 6 Paar Stiefel für die Einquartierung begehrt, ist aber bei dem halben Teile verblieben, und ist damals große Not wegen des lieben Brotes gewesen; denn man hat weder aus noch ein können und vielmals die Ratspersonen und Bürger das Brot von Haus zu Haus stückweis von Bürgern einbringen und korbweise nausschicken müssen. Dieses aber alles mußte man dulden, daß die Stadt nicht in Brand gestecket wurde.«
Nach Donat-Holzhaus.
~l.~ Zschopau wird niedergebrannt.
Am 21. November 1634 war es, als die Bewohner +Marienbergs+ zu ihrem größten Schrecken mitten in der Nacht den Himmel hoch gerötet sahen. +Zschopau+ stand in Flammen, dessen Besatzung von 4 Regimentern kaiserlicher Truppen unter dem +Obersten Colloredo+ überfallen worden war. Sie richteten in der Stadt, welche mit Menschen überfüllt war, da sich außer den Soldaten und Bürgern auch die Landleute darin aufhielten, ein schreckliches Blutbad an. +Hering+ schildert das Ereignis in folgender Weise: »Die Schlafenden schreckten plötzlich durch den Ruf der Kriegstrompeten empor. Zschopau ist umringt; Frauen, Kinder, Greise flüchten in die Keller; die Männer stürzen sich mit hinaus und alle Schrecken der Schlacht erhöhen sich durch die dichte, nur durch die tötenden Blitze der gelösten Gewehre erleuchtete Finsternis. Es rast die Schlacht -- es wütet der Tod in allen Gassen; es häufen sich Leichen von gefallenen Soldaten, Bürgern und Bauern, und jetzt schlagen die Flammen empor -- rechts und links und fern und nah steht die Stadt in Feuer. Dem Tode in den Flammen entfliehend, stürzen die Versteckten hervor und suchen sich zu retten. Aber ach, wie viele hatten dem Schutze der Keller sich lieber vertrauen wollen als der würgenden Schlacht und waren hier erstickt. Außer den im Kampfe Gefallenen zählte man am Morgen nach dieser schaudervollen Nacht 90 Leichen von Erstickten.
In Angst und Mitleid schloß sich in jener Nacht auch in +Marienberg+ kein Auge zum Schlummer. -- Da brauste nach Mitternacht das rückkehrende Heer heran; alles wollte, nach Brot schreiend, in die Stadt stürzen. +Oberst Colloredo+ aber ließ die Thore besetzen und nur die Offiziere hinein, sodaß die schreckensreiche Nacht für die Stadt ebenso glücklich endete, als sie über die Nachbarstadt unbeschreibliches Elend und Unheil gebracht hatte.«
Nach Hering-Holzhaus.
~m.~ Die Sachsen in Marienberg.
Auch der Anfang des Jahres 1635 war für die Stadt noch trübe genug, und zwar kam diesmal die Bedrängnis nicht von feindlicher Seite, sondern von sächsischen Truppen her. Am 2. Januar ritt der sächsische +Oberstleutnant Unger+ mit 300 Dragonern vor die Stadt, wo die Thore Tag und Nacht verschlossen gehalten wurden. Er begehrte Einlaß. Man fürchtete sich aber vor den Sachsen ebenso, wie vor den Kaiserlichen, und der Rat zögerte, ob er öffnen lassen sollte oder nicht. Da verbreitete sich plötzlich allgemeiner Schrecken; denn krachend ertönten die Schläge der Hämmer und Äxte, womit das Freiberger Thor aufgehauen wurde. Gleich einem feindlichen Heere strömten die Krieger herein. Von den zwei Mann, welche der Rat von der kaiserlichen Besatzung in +Reitzenhain+ als Schutzwache erhalten hatte, war nichts zu sehen. Man suchte nach ihnen, und der eine hatte sich in einen Gasthof geflüchtet, während der andere glücklich nach +Reitzenhain+ entkommen war. Derjenige, welcher sich versteckt hatte, wurde von einem Dragoner bemerkt, herunter geholt und auf den Markt vor den Oberstleutnant gebracht; die Ratsherren baten für ihn, aber vergebens. »Hund, knie nieder!« war die Antwort auf die inständigen Bitten, und der Arme wurde sofort erschossen. Die Soldaten quartierten sich selbst ein, und ist es nach den Worten des Geschichtsschreibers »zuletzt übel hergegangen, indem sie geplündert; alle Pferde, so auch sind bei den feindlichen Einfällen erhalten worden, haben sie mitgenommen, so haben die Bürger damals ihren Schaden über 1700 Thlr angegeben, welches nichts Geringes gewesen und die Stadt für die erschossene Schutzwache auf große Bitte noch 28 Thlr bezahlen müssen, ohne, was sonsten an Verheerung und anderem aufgegangen ist.«
Nach Donat-Holzhaus.
~n.~ Wie die Schweden ins Gebirge kommen.
1. Der Beginn der Schwedengreuel.
Kurfürst +Johann Georg I.+ hatte am 30. Mai 1635 den +Prager Frieden+ geschlossen. Aber dieser Friede hatte die größten Drangsale für Kursachsen im Gefolge. Verödung, Hungersnot und Pest waren schon da. Nun brachte die gesteigerte Verwilderung und vor allem die Rachsucht gegen die verlassenen Bundesgenossen die fürchterlichsten Greuel. Hatten vorher nur die Kaiserlichen im Lande gehaust, so wurden von nun an auch die Schweden zu Feinden und übertrumpften die Kaiserlichen an Ingrimm und Wut.
Raub und Erpressungen bezeichneten ihren Weg. Städte und Dörfer wurden verheert und niedergebrannt, Wohnungen und Eigentum zerstört. Keine Kirche und Schule, kein Hospital, keine milde Stiftung wird verschont, und die Bewohner werden aufs grausamste gequält, gemartert und getötet. Die Verstorbenen in den Gräbern haben keine Ruhe vor ihnen. Die Kruzifixe an den Wegen werden mutwillig zerhauen und verstümmelt. Das Land war bis aufs Mark ausgesaugt. +Baner+ marschierte nach den Bergstädten. Vor +Annaberg+ nahmen die Schweden allenthalben die besten Pferde weg, ließen sich mit Kleidung, Schuhen, Stiefeln, Sätteln, Hufeisen, Nägeln versehen.
Am südlichen Ende des zwischen +Chemnitz+ und +Schellenberg+ gelegenen Dorfes +Euba+ erhebt sich eine kleine Anhöhe. Auf dieser befindet sich eine einfache, hölzerne Säule, welche der Eigentümer der Anhöhe zu erhalten hat. Man hält sie für einen ehemaligen Galgen, an dem eine Abteilung Schweden, welche da ihrem Feinde gegenübergestanden hat, einen gefangenen Spion aufgehängt haben soll.
2. Die Schweden werden aus Marienberg vertrieben.
Den 26. Februar 1639 nahte das schwedische Unheil auch der Stadt Marienberg; denn der Geschichtsschreiber teilt folgendes mit: »Ein schwedischer Fähnrich kam mit seinen Reitern und begehrte alsobald die schwedischen 2000 Rthlr, so ihnen vor zwei Jahren sein Rest geblieben, davon uns aber nichts wissend. Ist schwer hergegangen und hat der halbe Teil an Geld, Pferden, Speisen, Schuhen, Stiefeln und Tuchen an 500 Rthlr zusammengelaufen, und 500 Rthlr alsdann Rest geblieben, haben's aber doch bezahlen müssen, daher auch Stücke verpfändet worden, so den Vermächtnissen und dem Armenkasten zuständig, weil sonst kein ander Mittel gewesen.«
Im Februar 1639 floh alles, was fliehen konnte, in die Städte +Freiberg+, +Annaberg+ und +Marienberg+; die Landgeistlichen schafften ihre Frauen und Kinder wenigstens dahin in Sicherheit, um bei wirklicher Gefahr schneller mit dem Reste der Kirchenkinder in die Wälder flüchten zu können. Die Nähe der großen Waldungen ist damals für das Gebirge die Rettung aus tausend Todesgefahren gewesen. Vom Februar an streiften bereits schwedische Banden überall im Gebirge umher, und es wurde damals auch von nur drei schwedischen Reitern das Schloß +Lauterstein+ angezündet und in Asche gelegt.
Am 12. April, es war Karfreitag, kamen etwa 500 solcher schwedischer Brandstifter, nachdem sie +Zöblitz+ geplündert und angezündet, sowie dessen Bewohner in jeder Weise mißhandelt hatten, auch nach +Marienberg+. Es heißt hierüber: »Dieselbigen kamen vor das Annabergische Thor, wollen dasselbe aufhauen, gaben auch Feuer darauf. Da man sie aber mit Gottes Hilfe durch hinausgeworfene Steine abgetrieben, mußten sie weichen. Sie zündeten aber das Schießhaus an und die Hilligersche Scheune, da denn die Bürgerschaft in sehr großer Gefahr war.« Am ersten Osterfeiertage kehrten die Erbitterten in noch größerer Anzahl zurück, aber ein gleicher Steinhagel lehrte ihre verwundeten Köpfe, daß die Bürger hier fest wie ihre Steine wären. Einige Tage darauf wurde erneuter Sturm dadurch glücklich abgewehrt, daß die Bürger anstatt der Steine -- Brot hinauswarfen.
Glücklich sollte das fast täglich in Angst und Schrecken gesetzte Marienberg am 10. August desselben Jahres wegkommen, als der schwedische Oberst +Holck+ mit 250 Reitern und 200 Infanteristen Einlaß in die Stadt verlangte. Zagend öffnete man die Thore, und drohend ziehen die Schweden ein. Es fehlte Brot und Bier so ganz in der armen Stadt, und diese wilden Gäste verlangten doch so viel und drohten, die Stadt aufs äußerste zu quälen. Sie verteilen sich bereits in die Häuser, wo Jungfrauen und Kinder sich verkrochen haben und angst- und hungerbleich der Bürger die Räuber empfängt, die unter gräßlichen Verwünschungen Geld, Brot und Bier und was nicht alles, fordern. Da -- ruft plötzlich die Trompete; die Soldaten stürzen auf den Markt vor; dieser füllt sich mit sächsischen Dragonern; ein wütendes Gemetzel beginnt; die Schweden ergeben sich; einzelne entfliehen; der Oberst mit mehreren Offizieren und Frauen wird gefangen genommen, und es werden gegen 6000 Rthlr Wert erbeutet. Der sächsische Oberst +Stritzky+ hatte der Stadt Rettung gebracht.
Nach Donat-Holzhaus.
3. Das Schreckensjahr 1639.
Das schrecklichste Jahr war das Jahr 1639.
Sobald die Schweden +Zwickau+ und +Chemnitz+ genommen hatten, teilte +Baner+ wie das ganze Land, also auch den Obererzgebirgischen Kreis unter seine Obersten und Regimenter. Das Amt +Schwarzenberg+ und Amt +Grünhain+ kamen unter +Oberst Leßle+. Da war kein Amt, Stadt, Flecken, Dorf oder Schloß im Gebirge, das nicht geplündert oder gebrandschatzt wurde, von +Marienberg+ an im Gebirge hinunter bis an die +Flöha+ und +Olbernhau+, ja gar nach Böhmen hinein.
Den 25. Februar kamen zwei Unteroffiziere vom +Leßlischen Regiment+. Einer, +Barthel Moth+, kam ins Amt +Schwarzenberg+, der teilte Sicherheitswachen aus. Das waren unberittene Reiter, die die Gemeinden mußten verpflegen und versehen mit Pferden und Roßzeug, Stiefeln, Kleidern, Röcken, Mänteln. Es wurde das ganze Amt gebrandschatzt um 6000 Thaler.
Der +Leutnant Peter Kupfer+ legte sich aufs Schloß in +Schlettau+ und plünderte das Amt +Grünhain+ und was hineingehörte um 5000 Thaler, auch +Schlettau+, auf welches allein 1250 Thaler kamen, nahm viel an Geschmeide und auch den silbernen Schützenvogel, mitsamt den Schulden 80 Thaler wert. Das Vieh mußten die +Schlettauer+ samt den +Scheibenbergern+ nach +Schwarzenberg+ treiben. Das Volk war arm, konnte nichts erwerben; daher konnten die Richter die Kriegssteuer nicht eintreiben und zur rechten Zeit abstatten.
Der Richter +Hans Schwaner+ zu +Walthersdorf+ war nicht zu finden, als die Boten +Kupfers+ erschienen. Da wurde der Ort zum großen Teile niedergebrannt. Nichtsdestoweniger mußte das Dörflein seinen Teil abstatten, alle Wochen 14 Thaler und Nahrungsmittel ohne Gnade geben.
Das Städtchen +Scheibenberg+ wollte der oben erwähnte Barthel Moth wegbrennen lassen; doch es wurde durch Bitten und Versprechungen der Bürger abgewendet. -- Es fehlte wenig, daß das ganze Amt +Wolkenstein+ von dem +Obersten Höcking+, der in +Annaberg+ auf Vorwache lag, vernichtet worden wäre, weil dessen Vetter unterwegs von einer Rotte loser Burschen erschlagen worden war. Das kurfürstliche Vorwerk und die Schäferei zu +Geringswalde+, sowie der Försterhof zu +Hilmersdorf+, die +Heinzebank+ genannt, waren bereits in Asche gelegt, da griff man einen der Burschen auf, einen der harmlosesten, der nur das Pferd des Ermordeten gehalten, prügelte ihn solange, bis er 21 Thaler und alle seine Sachen, die er im Felde versteckt hatte, herausgab, und lieferte ihn an den erzürnten Obersten ab. Dieser ließ ihn am 25. März vor dem Thore vom Henker enthaupten und seinen Kopf aufs Rad legen. Das Haupt eines +Buckauers+, der sich eines ähnlichen Vergehens schuldig gemacht haben sollte, wurde zur Warnung für andere vor dem Thore auf eine Stange gesteckt. Auch in +Wiesa+ war ein Soldat erschlagen worden; da ließ der Oberst +Höcking+ die Edelfrau, der das Dorf gehörte, in Annaberg einsperren, bis sie den Getöteten teuer bezahlte.
Aus dem gleichen Grunde wurden in +Königswalde+ elf Güter samt dem Gerichte angezündet. Auch wurden im Dorfe +Olbernhau+ an der Flöha Kirche, Pfarre, Schule, Försterhof und viele Bauernhäuser niedergebrannt.
Nachdem +Baner+ im April die vereinigten Kaiserlichen und Kursachsen bei +Chemnitz+ geschlagen, wobei fast das ganze sächsische Heer aufgerieben worden war, gingen die Drangsale im Gebirge aufs neue an. In +Annaberg+ lag ein schwedischer +Leutnant+, +Christian Zastro+, ein Pommerischer von Adel, mit einer Sicherheitswache. Derselbe konnte es nicht hindern, daß eine Abteilung Schweden am Palmsonntage einfiel und vor ihrem Abzuge am nächsten Tage 3000 Thaler verpraßte. Als er acht Tage später, am dritten Ostertage, den 16. April, 250 Mann vom +Regimente Königsmark+, welche durch das Wolkensteiner Thor einfallen wollten, nicht in die Stadt einließ, zündeten sie +Veit Wolfens+ Vorwerk an, schossen dessen Sohn, sowie den eines anderen Bürgers, +Kaspar Enderlein+, die zum Löschen herbeieilten, nieder und stifteten noch sonst viel Unglück.
+Zöblitz+ war am Gründonnerstage ganz ausgeplündert worden, und am Karfreitage brannten es gar 500 Reiter weg. Da wurde auch von +Baners+ Scharen das Schloß +Niederlauterstein+ bei Zöblitz an der Pockau von drei schwedischen Reitern in Brand gesteckt und von seinen Bewohnern verlassen.
Vor +Marienberg+ erschien ein Trupp nach dem andern und begehrte Einlaß, sodaß die Sicherheitswachen kaum Steine genug hatten, um die Zudringlichen zurückzutreiben. Friedens halber mußte man ihnen Brot und Bier hinausschicken. +Lößnitz+ und +Aue+ wurden wiederholt geplündert. Am 19. April wurden die +Leßlischen Offiziere+ samt den Sicherheitswachen abgefordert. Die Durchzüge der schwedischen Regimenter nach Böhmen und ihre Kämpfe dauerten bis August. Den 23. Mai wurden vier Regimenter unter den +Obersten+ und dem +Herzoge von Holstein+ in +Annaberg+ untergebracht, die es so arg gemacht als auf dem Lande, also daß mancher arme Landmann im Gebirge nicht einen Löffel wiedergefunden, und viele feine Bürger mußten nach dem lieben Brot gehen, weil es sehr teuer war und doch nichts zu erwerben war.
+Baner+ ließ nach dem ausgesogenen Böhmen Vorräte aus Sachsen herbeischaffen. Ein solcher Vorratszug war unter starker Bedeckung am 19. August abends um 5 Uhr von +Chemnitz+ aus in +Marienberg+ eingetroffen. Da erschien plötzlich der kurfürstliche Befehlshaber von Freiberg, +Florian Stritzky+, mit vier Kompanien Dragonern und einer starken Reiterabteilung aus +Dresden+, drang durch drei Thore in die Stadt ein und fiel über die vom langen Marsche ermüdeten Schweden her.
Ein Major und acht Soldaten wurden erschossen, der gefürchtete +Oberst Höcking+, vier Oberstleutnants, sieben Rittmeister, vier Hauptleute, zwei Reiterfähnriche, zwei Fähnriche, viele Unteroffiziere und Mannschaften gefangen genommen und samt ihrem Vorrate, ihren Weibern und Sachen nach +Freiberg+ abgeführt. Auch der +Leutnant Zastro+ mit seinem eigenen Schatze und 20000 Thalern Kriegskosten, die er für seinen +Obersten Leßli+ eingetrieben hatte, befand sich unter den Gefangenen. Viele Bürger von +Annaberg+, welche sich dem Obersten Höcking angeschlossen hatten, um in dem schwedischen Lager ihre Waren zu verhandeln, kamen bei dieser Gelegenheit ebenfalls um das Ihrige. Es wurde ihnen alles als schwedische Beute mit abgenommen.
Seit +Gustav Adolfs+ Tode völlig im Kriege verwildert, brachen die Schweden 1639 über das Erzgebirge in Böhmen ein und warfen Feuer in jeden Ort, sodaß das +Egerland+ vom Gebirge aus einem riesigen Flammenmeere glich. Vor den Unholden waren die Bewohner des Gebirges wieder in die Wälder geflüchtet. Auf dem +Bärensteine+ war ein Wächter bei einer hohen Stange. Nahte von irgend einer Seite ein Feind, so warf er seine Stange um. Das war das verabredete Zeichen, auf das sich alle ins Dickicht warfen. 1640 wurden die Schweden wieder nach Sachsen getrieben. Sie deckten den Rückzug für ihre Geschütze und ihre Beute in den Pässen auf dem Gebirgskamme. Auf diesem Rückzuge wohnte +Baner+ in Annaberg. Schon im nächsten Jahre erschien er wieder, verfolgt von den Sachsen. Wie durch ein Wunder entkam er auf Eilmärschen. Sein verschanztes Lager hielt die Kaiserlichen lange auf. Endlich steckte er es in Brand und vernichtete seine 500 Vorratswagen. Nachzügler zündeten +Hassenstein+, +Preßnitz+, den +Weiperter+ Grund an. 1643 gingen 600 Reiter +Torstensons+ durch die Pässe nach +Kaden+. 1644 waren Pässe und Schanzen in den Händen der Kaiserlichen. Im Herbste stand +Torstenson+ davor und erzwang im Januar 1645 den Durchbruch nach Böhmen.
+Christian Lehmann+ erzählt, daß die Befreiung +Freibergs+ von den Schweden zu Neujahr 1643 in +Elterlein+ einem Mädchen, das sich vor den schwedischen Einfällen sehr geängstigt hat, im Traume sei geoffenbaret worden. Sie hat im Traume gesehen, daß zwar +Torstenson+ die Stadt an einer Kette hatte; aber es kam ein vornehmer Reiter mit einem bloßen Schwerte geritten, der hieb die Kette mit einem Streiche entzwei, daß der Torstenson mit der halben Kette zurückfiel. Darüber sind seine Soldaten erschrocken und ausgerissen.
Nach sieben Wochen ging der Traum in Erfüllung, und der Feind mußte abziehen.
Die Greuel nahmen im Gebirge erst ein Ende, als 1645 der Kurfürst mit den Schweden den Waffenstillstand zu +Kötzschenbroda+ schloß.
Nach Chr. Lehmann, ~Dr.~ Pöschel und ~P.~ Schultze.
4. Kriegsgreuel in Cranzahl.