Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte

Part 10

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Die Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts gegründeten Bergstädte Altenberg, Schneeberg, Aue, Annaberg, Buchholz, Sebastiansberg, Marienberg, Scheibenberg, Oberwiesenthal, Sonneberg, Kupferberg, Gottesgab, Platten, Jöhstadt, sowie das weit später gegründete Johanngeorgenstadt führen sämtlich Bergmannswappen mit Schlägel und Eisen, Hacken, Hauen, Keilen u. a. mit Heiligen- oder anderen Schmuckbildern oder ohne solche.

Nach M. v. Süßmilch.

33. Uralte Verkehrswege im Erzgebirge.

Die ersten Pfadmacher in den unwirtlichen, waldigen Schluchten und Bergen unseres Gebirges sind jene großen Säugetiere gewesen, welche in alter Zeit zahlreich unsere Gegenden durchstreiften. Die ersten, die Wege herstellten, sind slavische Ansiedler gewesen. Es entstanden eine Reihe von Burgen und Grenzfestungen, welche teils zum Schutz der Straßen dienten, teils aber wohl auch allerlei Raubgesindel Unterschlupf gewährten. So hören wir schon aus dem Jahre 968 von der Burg Schellenberg, weiter von Rauenstein, Nieder- und Oberlauterstein, Purschenstein, Sayda, Scharfenstein, Wolkenstein, Tannenberg, Stein, Hartenstein, Schlettau, Schwarzenberg. Ums Jahr 923 wird bereits die Burg Wildeck erwähnt, von deren Vorhandensein heute noch der Berchfrit, der einen wesentlichen Bestandteil des Schlosses in Zschopau bildet, Zeugnis ablegt. Ebenso soll bei Rittersgrün und Rübenau eine Burg gestanden haben. Rauenstein wird zuerst urkundlich 1289 erwähnt, Niederlauterstein 1315, während Sayda und Purschenstein im Jahre 1240 aus böhmischem in sächsischen Besitz kamen und Scharfenstein, Wolkenstein und Schlettau im 12. Jahrhundert entstanden sein dürften. Von der Burg Tannenberg, von der nur noch der bekannte alte viereckige Turm übrig geblieben ist, wird in zeitgenössischen Quellen nichts erwähnt. Alle diese Burgen lagen in der Nähe der großen Straßen, welche am Gebirge entlang oder über dasselbe führten. Da ist zunächst die alte Frankenstraße, welche vom Vogtlande durch das niedere Erzgebirge nach Osten ging und von Plauen aus Reichenbach, Zwickau, Lichtenstein, Chemnitz, Flöha und Freiberg berührte. Hier teilte sich die Straße, indem die obere über Wilsdruff, die untere über Bobritzsch nach Dresden führte. Parallel zu ihr hatte schon frühzeitig eine große Handelsstraße im Egerthale Bedeutung, welche von Eger über Falkenau, Karlsbad, Kaden, Komotau, Brüx nach Aussig lief. In die ersterwähnte Frankenstraße mündeten von Norden mehrere Straßenzüge ein. So kreuzten dieselbe in Plauen und Zwickau Straßen von Leipzig, welch letztere sich über Kloster Grünhain, das ja früh schon mit Zwickau in enger Verbindung stand, Elterlein, Schlettau nach Böhmen zog. Eine dritte Straße von Leipzig fand in Chemnitz Anschluß an die Frankenstraße, welche von hier aus nach dem Egerthale weiterführte. Ob diese Straße Karl der Große bei seinem Zug nach Böhmen im Jahre 805 und Heinrich II. im Jahre 1004 benutzte, ist nicht genau festzustellen, aber nicht ausgeschlossen. Die Straße ist in ihrem Vorhandensein bis Zschopau urkundlich festgestellt, wie sie weiter verlief, ist nicht genau bekannt. Andere Straßen führten von Zöblitz über Rübenau nach Görkau, von Marienberg über Reitzenhain, Bastelberg (Sebastiansberg) nach Komotau, von Zschopau über Mildenau, Jöhstadt nach Preßnitz. Auch Kühberg war schon frühzeitig ein wichtiger Straßenpunkt. Alle diese Straßen dienten nicht nur friedlichen Zwecken, oft sind Kriegsheere auf ihnen hin gezogen und haben sich plündernd in die nächsten Marken ergossen. Ferner wird Wolkenstein als an einer Straße nach Preßnitz liegend erwähnt, welche vielleicht von Wolkenstein nach Chemnitz über Erfenschlag ging. Christian Lehmann gedenkt auch eines Weges nach Satzung. Von der Frankenstraße zweigte in Oederan die sogenannte alte Salzstraße nach Süden ab, welche Freiberg und Sayda berührte und in Brüx Anschluß an die nordböhmische Handelsstraße fand. Sayda war schon 1210 eine Zoll- und Gerichtsstätte und das nahe gelegene Schloß Purschenstein findet schon 1213 Erwähnung. Eine andere Straße ging schon in alter Zeit von Freiberg über Frauenstein nach Teplitz. Freilich waren dies alles nicht Straßen im heutigen Sinne, sie folgten meist weder den Höhenzügen, noch den Thälern, sondern gingen bergauf, bergab, wie gerade das Gebiet es ergab. Infolgedessen waren die Wege sehr beschwerlich, und die Gefahren, die sie an sich boten, wurden noch durch die Unsicherheit vermehrt, die durch allerlei Räuber und Buschklepper entstand. So blieb es bis in das 15. Jahrhundert. Allmählich wurden die Straßen besser, sie wurden vermessen und ordentlich in Stand gehalten, bis aus ihnen die prächtigen Kunststraßen wurden, deren wir uns heute erfreuen.

Nach ~Dr.~ Simon.

34. Die Pässe des Erzgebirges.

Die größeren Städte und Verkehrsmittelpunkte am Fuße des höheren Erzgebirges verdanken ihre Entstehung nicht den Verkehrsstraßen. Es haben vielmehr die Städte, die ursprünglich Mittelpunkte der Kultur fruchtbarer Landstriche oder ergiebiger Bergbaugebiete waren, mit der Zeit bewirkt, daß sich aus der Fülle möglicher Straßen bestimmte Gruppen ausschieden.

Über den Kamm des Erzgebirges bestanden schon sehr früh verschiedene Übergangspunkte. So bestand ein wichtiger Gebirgsübergang des Passes von Dohna am Mückenberge. Der Name des »Langenbrückeberges« bei Häselich scheint darauf hinzuweisen, daß sumpfige Strecken durch Knüppeldämme wegsam gemacht waren. Die Pirnaer Straße kreuzte das Gottleubathal und erreichte Nollendorf. Die Straßen bestanden, bevor Dresden 1455 das Niederlagsrecht für die nach Böhmen gehenden Güter erhalten hatte. Freiberg ist ebenfalls jünger als die Gebirgsübergänge im Quellgebiete der östlichen Mulde und Flöha. Der Verkehr zog sich hier über den Paß von Sayda. Diese auf dem hohen Gebirge gelegene Stadt mußte als ein Ruhepunkt und wahrscheinlich auch als ehemalige Grenz- und Zollstätte einzig durch die Straße nach Böhmen an Bedeutung gewinnen. Übergangspunkte von Chemnitzer Straßen waren die Pässe von Reitzenhain und Preßnitz. Es gab noch eine Anzahl Straßen, in der sich die Chemnitzer Straße fächerartig spaltete.

Während im östlichen Gebirge auf böhmischer Seite die Stadt Teplitz einen Teil der Straßen auf sich lenkte, fehlte nach Westen ein solcher Mittelpunkt. So überschritten die von Chemnitz kommenden und nach Prag Reisenden die Eger an einem andern Punkte als die, welche das restliche Böhmen besuchten. Die Prager Straße lief über Reitzenhain und überschritt bei Saaz oder Bostelberg die Eger, der westliche Paß dagegen, der von Preßnitz, führte auf Kaaden.

Das westliche Erzgebirge haben immer nachbarliche Beziehungen mit Böhmen verbunden. Wenn auch infolge der Silberfunde von Annaberg, Joachimsthal, Schneeberg und Marienberg und dem Anwachsen der Einwohner neue Straßen entstanden, so hat sich die Zahl der eigentlichen Pässe nicht vermehrt, da der Abfluß des Silbers nach Norden in die Münze des Landesherrn stattfand und so der Austausch der Waren auch dorthin wies. Jedoch hat es weder vor noch nach der Blütezeit des Bergbaues ganz an Verkehrsstraßen über das Gebirge gefehlt. So führte eine solche von Zwickau über Eibenstock, Wildenthal, Sauersack, Frühbuß und Schönlind. Eine Ablenkung von dieser Richtung von Wildenthal über Johanngeorgenstadt, Platten und Bäringen nach Karlsbad ist erst durch Aufblühen Johanngeorgenstadts veranlaßt worden.

Von Zwickau führte außerdem eine Straße über Lindenau, Zschorlau, Bockau und Konradswiese nach Schwarzenberg und spaltete sich hier in zwei Linien, deren eine über Bermsgrün, Crandorf, Breitenbrunn, Wittigsthal, Platten und Bäringen sich nach Karlsbad wandte, die andere dagegen den Paß aufsuchte, der dem Chemnitzer Straßenzuge angehörte, also die Ortschaften Grünstädtel, Raschau, Crottendorf, Cranzahl, Pleil, Preßnitz berührte. Karlsbad als Endpunkt der Zwickauer Straßenzüge kommt erst seit dem Aufblühen der Stadt nach 1347 in Betracht, vorher dürften Elbogen oder Falkenau die Straßenausgänge beherrscht haben.

Die Pässe des Erzgebirges werden nur in Einzelheiten durch das Gelände bestimmt. Die Flußthäler werden im Gebirge sorgfältig vermieden. Die Eisenbahnen dringen meist bis zum Kamme in den Thälern vor. Die alten Straßen teilen sich auf dem Kamme gewöhnlich in mehrere Züge. Sie sind vom Verkehr zäh festgehalten worden.

Nach Prof. ~Dr.~ Schurtz.

35. Die Verkehrswege.

~a.~ Die obererzgebirgischen Eisenbahnen.

Ihrer Eröffnungszeit nach durchziehen das Obererzgebirge zur Zeit folgende Eisenbahnlinien: seit 1858 Zwickau-Schwarzenberg, 1859 Niederschlema-Schneeberg, 1866 Chemnitz-Annaberg, 1872 Annaberg-Weipert, 1875 Flöha-Reitzenhain mit Pockau-Olbernhau, Chemnitz-Aue-Adorf, 1883 Schwarzenberg-Johanngeorgenstadt, 1886 Wilischthal-Ehrenfriedersdorf, Thum-Herold, 1888 Schönfeld-Geyer, 1889 Buchholz-Schwarzenberg mit Zweigbahn nach Obercrottendorf und Oberrittersgrün, Zwönitz-Stollberg, 1892 Wolkenstein-Jöhstadt, 1897 Wilzschhaus-Carlsfeld, Mulda-Sayda, Cranzahl-Oberwiesenthal. -- Auf böhmischer Seite sind folgende Linien zu merken: 1872 Komotau-Weipert, 1875 Krima-Reitzenhain, 1899 Johanngeorgenstadt-Neudeck.

Die Eisenbahnlinie Zwickau-Glauchau-Chemnitz-Flöha-Freiberg-Hainsberg-Dresden ist die Hauptlinie, an welche sich fast sämtliche erzgebirgische Eisenbahnlinien anschließen.

Längs des Südfußes des Gebirges führt die Linie Tellnitz-Ossegg-Komotau und Komotau-Karlsbad-Falkenau hin.

~b.~ Die alten Postsäulen.

Wenn in der alten guten Zeit jemand eine größere Reise unternahm, so machte er wohl sein Testament, versammelte seine Familie um sich und nahm rührend Abschied. Dann vertraute er sich dem Postillon an, der ihm die anstrengende Fahrt durch die lustigen Weisen seinem Hornes etwas angenehmer machte. An größeren Haltestellen besichtigten die Reisenden die in der Nähe der Postmeisterei aufgestellten +Postsäulen+, welche in Stein geschriebene Auskunft erteilten. Sie waren Spitzsäulen, auf deren Seiten die Orte der Poststraße samt Entfernungszahl in Meilen eingetragen waren. Viele solcher Säulen sind unter +August dem Starken+ errichtet worden. Sie trugen das kurfürstlich sächsische und königlich polnische Wappen. Manchenorts trifft man noch diese Reste einer guten alten Zeit, über welche die Gegenwart mit Unrecht bei ihren Verkehrserleichterungen lächelt.

Diese Säulen sind gewissermaßen Denkmale für die frühere Bedeutung der Orte als Verkehrshauptpunkte.

Nach dem Glückauf.

36. Die Bevölkerung des Obererzgebirges sonst und jetzt.

Die Einwohnerzahl erzgebirgischer Städte vor 100 Jahren unter Beifügung der Ergebnisse der letzten Volkszählung im Jahre 1859 zeigt folgende Zusammenstellung:

Es zählten im Jahre

1796 1895

Einwohner Wohnhäuser Einwohner

Annaberg 4500 600 15025 Buchholz 1400 180 7989 Ehrenfriedersdorf 1000 200 5123 Eibenstock 2000 300 7216 Elterlein 900 150 2105 Geyer 1300 250 5764 Grünhain 900 250 1813 Jöhstadt 1300 200 2358 Johanngeorgenstadt 3000 380 5313 Lengefeld 1600 280 3431 Marienberg 3000 600 6574 Oberwiesenthal 1200 200 2031 Scheibenberg 800 130 2567 Schlettau 800 100 3175 Schneeberg 4400 600 8284 Schwarzenberg 1300 162 3738 Stollberg 1600 400 7028 Thum 1000 130 4134 Wolkenstein 1200 200 2099 Zöblitz 800 110 2386 Zschopau 3700 550 6962 Zwickau 5000 900 50391 Zwönitz 1200 200 2925

Wie schnell die Bevölkerungszahl unserer sächsischen Städte gewachsen ist, dürften folgende Ergebnisse der +Volkszählung aus dem Jahre 1830+ darthun. Vor 70 Jahren hatte Dresden 63000 Einwohner; Freiberg 10000; Chemnitz 16500; Zschopau 5000: Annaberg 4500; Buchholz 2000; Ehrenfriedersdorf 2000; Elterlein 1750; Geyer 2650; Grünhain 1500; Jöhstadt 1500; Johanngeorgenstadt 3000; Lengefeld 1200; Marienberg 3000; Oberwiesenthal 1800; Scheibenberg 1400; Schlettau 1180; Schwarzenberg 1800; Thum 1150; Wolkenstein 1600; Zöblitz 1150; Leipzig 40000; Schneeberg 6200; Zwickau 5500; Zwönitz 1600; Plauen 6600; Oelsnitz 3200 etc.

Die Ergebnisse der +letzten Volkszählungen+ sind nach erfolgter Zusammenstellung in Sachsen für die Stadtgemeinden bis zu 5000 Einwohnern folgende:

1895 1890

Leipzig 399969 293525 Dresden 336440 276085 Chemnitz 161018 138955 Plauen 55197 47008 Zwickau 50391 44202 Freiberg 29282 28954 Zittau 28133 25394 Glauchau 24885 23404 Reichenbach 24411 21498 Bautzen 23668 21517 Crimmitschau 23554 19975 Meerane 23003 22429 Meißen 18828 17874 Werdau 17356 16256 Döbeln 15763 13890 Wurzen 15674 14627 Pirna 15672 13848 Annaberg 15025 14959 Mittweida 13451 11299 Großenhain 12024 11946 Frankenberg 11915 11369 Riesa 11768 9389 Oelsnitz 11557 9427 Limbach 11429 11832 Radeberg 10295 8739 Oschatz 10012 9382 Waldheim 9935 9215 Grimma 9803 8935 Löbau 8694 7522 Aue 8415 6007 Schneeberg 8284 8212 Borna 8251 7485 Sebnitz 8199 7956 Auerbach 8133 7481 Hainichen 8066 8258 Roßwein 8062 7602 Falkenstein 8004 7068 Buchholz 7989 7812 Kirchberg 7910 7729 Leisnig 7761 7946 Kamenz 7694 7748 Netzschkau 7538 6585 Hohenstein 7534 7549 Mylau 7379 6354 Markneukirchen 7270 6652 Eibenstock 7216 7166 Stollberg 7028 6937 Zschopau 6962 7441 Rochlitz 6847 6186 Treuen 6784 6472 Penig 6582 6560 Marienberg 6574 6301 Lichtenstein 6468 5837 Burgstädt 6458 6693 Bischofswerda 5969 5512 Lößnitz 5902 5887 Markranstädt 5879 4991 Geyer 5764 5302 Oederan 5516 5665 Groitzsch 5451 5390 Lengenfeld 5139 5213 Ehrenfriedersdorf 5123 4599 Colditz 5121 4681 Johanngeorgenstadt 5113 5124 Pegau 5084 5286

Vierter Abschnitt.

Die Kriegszeiten des Obererzgebirges.

37. Der Kriegszug Kaiser Heinrichs II. über das Erzgebirge.

Von 999 bis 1002 regierte in Böhmen Herzog +Boleslaw III.+, Rothaar. Dieser gab bei Antritt seiner Regierung Befehl, seine Brüder Jaromir und Udalrich zu töten. Sie flohen hilfesuchend zu Kaiser Heinrich II. Die Schwäche des Böhmenherzogs erkannte auch der Polenherzog Boleslaw Chrobri, der, nachdem er früher schon Schlesien, Mähren und die Slowakei erobert hatte, in Böhmen einrückte, Boleslaw entthronte und seinen jüngsten Bruder zum Herzoge machte. Das war ein Tyrann und Trunkenbold; er starb 1003. Nach ihm nötigte der Polenherzog den Böhmen Rothaar wieder auf, welcher nun an seinen Feinden Rache nehmen wollte. Am 10. Februar 1003 lud er die Vornehmsten des Reiches zu einer Hoffestlichkeit ein, bei welcher er die Nichtsahnenden niedermetzeln ließ. Das Volk rief den Polenherzog, der gern kam, Rothaar gefangen nahm und ihn mit glühenden Blechen blenden ließ. Er starb in Polen in der Gefangenschaft. Der Polenherzog kümmerte sich nicht um die Brüder des Entthronten und dachte, ein großes Reich gegründet zu haben durch die Vereinigung Polens und Böhmens.

Da er nicht dem Kaiser huldigte, brach sofort der Reichskrieg gegen Polen aus.

Kaiser +Heinrich+, auch von den vertriebenen Prinzen gedrängt, ließ für die Mitte August 1004 in Sachsen, Thüringen und Franken den Heerbann nach Merseburg ausschreiben. Man glaubte, er werde in Polen einfallen, er wandte sich aber plötzlich nach Süden und brach auf gänzlich unbekanntem Wege über das Erzgebirge in Böhmen ein.

Als man Boleslaw Chrobri bei einem Gastmahl nach Prag die Nachricht brachte, sagte er in anbetracht der bekannten Wildheit, Unwegsamkeit und der Sümpfe des Erzgebirges: »Ja, wenn sie Frösche wären, könnten sie wohl da hereinkommen, so aber nicht.«

Heinrich II. aber stand plötzlich vor Saaz, dessen polnische Besatzung er mit Hilfe der Saazer selbst leicht bezwang. Er rückte gegen Prag vor, das rasch erstürmt wurde. Jaromir ward auf Böhmens Thron erhoben. Der kühne Zug Heinrichs über das Erzgebirge bleibt eine denkwürdige geschichtliche That.

Man nimmt an, daß der Kriegszug über Chemnitz, Zschopau, Zöblitz, Göttersdorf, Görkau stattgefunden haben müsse.

Chemnitz war eine kaiserliche Stadt, wo auch wie auf der Burg Schellenberg kaiserliche Beamte und Vögte waren. Von dort aus trat der Kaiser, der mit kundigen Führern versehen war, seinen für damalige Zeit unerhörten Marsch durch die dichtesten Waldungen an, rückte über Zschopau gegen Zöblitz, einen kleinen, von den Sorben angelegten Weiler, vor. Von dort aus mögen einzelne Kühne bis zum Kamme vorgedrungen sein, bis wohin Jäger wohl schon einen Pfad nach Böhmen gebahnt hatten. Von solchen Führern unterstützt, muß der kühne Kriegszug von Zöblitz über Beerhübel, Göttersdorf, einen unzweifelhaft alten heidnischen Opferplatz, durchs »tiefe Thal« nach Görkau stattgefunden haben. Da Kaiser Heinrich von einer Seite in Böhmen einfallen wollte, wo noch nie zuvor ein Überfall geschehen war, so mußte er vorher sorgfältige Erkundigungen einziehen, wo der Zug durch den fast endlosen Wald am sichersten zu ermöglichen sein mochte. Selbstverständlich mußte ihm von seinen Beamten in der kaiserlichen Stadt Chemnitz, sowie dem Burgvogte von Schellenberg dieser Weg gegen Böhmen genannt worden sein.

Dieser Kriegszug war es, der Böhmen für die Dauer mit dem angrenzenden Meißenerlande in Verbindung brachte, wodurch die alte bekannte Meißener Straße entstand, die von Meißen über Natschung nach Böhmen, über den Beerhübel nach Göttersdorf, durchs »tiefe Thal« nach Görkau und von da über Buschenpelz nach Prag führte. Dieser Straßenzug verlor wieder an Bedeutung nach Eröffnung der Straße über Reitzenhain und Sebastiansberg.

Nach Fischer.

38. Raubritterunwesen im Obererzgebirge.

Ein sächsischer Ritter, Dietrich von Vitzthum, beherbergte auf dem uralten Schlosse zu Frauenstein eine Rotte von Raubgesindel und würdigte sich zum Räuberhauptmann herab, indem er mit seinen Leuten, größtenteils aus böhmischem Auswurf bestehend, am hellen Tage auf Raub und Mord ausging und die ganze Gegend bis unter Freiberg, sowie die Ortschaften, welche unter dem Kloster Altenzella standen, wie z. B. Erbisdorf, Nossen u. s. w., unsicher machte. Da die Klagen über den verwegenen Raubritter bis zum Kurfürsten von Sachsen drangen, so sendete dieser, damals Friedrich der Sanftmütige, einen Truppenteil nach Frauenstein. Die Räuber verteidigten sich tapfer; allein die Soldaten belagerten das Schloß und erstürmten es nach blutigem Kampfe. Das Raubschloß ging in Feuer auf und wurde zerstört bis auf zwei Türme, die zum Teil heute noch stehen. Dietrich von Vitzthum wurde auf dem Schloßhofe nach Urtel und Recht mit dem Schwert hingerichtet, die noch lebenden Räuber aber wurden an den Bäumen des Waldes aufgehenkt. Dies geschah im Dezember 1438. Die adelige Familie von Vitzthum warf aber seit jener Zeit einen unvertilgbaren Haß auf den Kurfürsten, der später eine Veranlassung zu dem verheerenden Bruderkrieg wurde.

Nach Müller.

39. Der obererzgebirgische Schauplatz des Prinzenraubes.

~a.~ Altes Volkslied.

Wir wollen ein Liedel heben an, Was sich hat angespunnen, Wie's in dem Meißnerlande gar schlecht war bestallt, Als sein jungen Fürsten geschah groß Gewalt Durch den Kunzen von Kaufungen, ja Kaufungen.

Der Adler hat uf den Fels gebaut Ein schönes Nest mit Jungen, Und wie er einst war geflogen aus, Holete ein Geier die jungen Vögel raus, Drauf wards Nest leer gefungen, ja gefungen.

Wo der Geier uf dem Dache sitzt, Da trugen die Küchlein selten; Es wären mein weele ein seltsam Narrenspiel, Welcher Fürst sein Räten getrauet soviel, Muß oft der Herrschaft entgelten, ja entgelten.

Altenburg, du bist zwar eine feine Stadt, Dich thät er mit Untreu meinen, Da in dir waren all Hofleut rauschend voll, Kam Kunze mit Leitern und Buben toll Und holte die Fürsten so kleine, ja so kleine.

Was blies Dich, Kunz, für Unlust an, Da Du ins Schloß mir steigest, Und stiehlst die zarten Herren raus Als der Kurfürst aber war nicht zu Haus', Die zarten Fürstenzweige, ja Fürstenzweige.

Es war wohl als ein Wunderding, Wie sich das Land beweget, Was uf allen Straßen warn für Leut, Die den Räubern nachfolgeten in Zeit, Alles wibbelt, kribbelt, sich bereget, ja bereget.

Im Walde dort ward Kunz ertappt, Da wollt he Beeren naschen, Were he in der Hast sacken fortgeritten, Das ihm die Köhler nit geleppischt hätten, Hett he sie kunt verpaschen, ja verpaschen.

Aber sie wurden ihm wieder abgejagt Und Kunz mit seinen Gesellen Uf Grünhain in unsers Herrn Abt Gewalt Gebracht und darnoch auch uf Zwickau gestalt, Und mußten sich lan prellen, ja lan prellen.

Davon fiel ab gar mancher Kopf, Und keiner, der gefangen, Kam aus der Haft ganzbeinigt davon; Schwert, Rad, Zangen und Strick, die waren ihr Lohn, Man sah die Rümper hangen, ja hangen.

So geht's, wer wider die Obrigkeit Sich unbesonnen empöret; Wer es nicht meint, der schau an Kunzen, Sein Kopf thu zu Freiberg noch herußen schwungen, Und jedermann davon lehret, ja lehret.

Gott thu der frommen Kurfürsten alls Guts Und laß die jungen Herren In keines Feindes Hand mehr also komm, Geb auch der Frau Kurfürstin viel fromm, Das sie sich in Ruhe vermehren, ja vermehren.

Herder, Stimmen der Völker.

~b.~ Der Fürstenberg bei Grünhain.

1. Wie der Berg den Namen erhält.

Der jetzige +Fürstenberg+ trug vor dem Prinzenraube 1455 den Namen +Schmiedewald+, welcher von den Geyerschen Schmieden herrührt, die das Holz darauf kauften und zu Kohlen brennen ließen. In Geyer war als einer alten Bergstadt das Schmiedehandwerk zahlreich und wohlhabend. Am Fürstenberge befanden sich Bergwerksgruben, so rechts von der Quelle die Fürstenberger Fundgrube, die auch Eisenstein baute, links von der Quelle Himmlisch Heer, der Frischglückstolln, der Mohrenstolln. Auf der Spitze der Berge befand sich ein Marmorbruch, dessen Marmor zu Kalk gebrannt wurde.

Auf dem Schmiedewalde hauste der Köhler +Georg Schmidt+, als +Kunz von Kaufungen+ mit dem geraubten Prinzen +Albrecht+ nahe der böhmischen Grenze bei Schwarzenberg sich sicher fühlte und im Walde rastete. Am Brunnen trank der Prinz. +Georg Schmidt+ gelang es, denselben zu befreien und mit seinen Gehilfen die Räuber gefangen zu nehmen und nach Grünhain ins Kloster zu bringen, wo der Abt +Liborius+ das weitere besorgte. Seit diesem Ereignisse am Schmiedewalde führt der Berg den Namen Fürstenberg.

2. Herzog Albrecht besucht seinen Befreiungsort.