Gesichte: Essays und andere Geschichten

Part 10

Chapter 101,089 wordsPublic domain

Die Kristallkronen senken sich majestätisch, der bunte Riesenraum wird zu einem Krönungssaal. Die Ringer warten schon vor der Halle. Schlanke Königssöhne aus dem Norden, ihre Schultern sind dunkelvergoldet von der Mitternachtssonne. Dichtungen werden Wahrheiten. Johannes Josefsson, ein isländischer Achill, er führt den Heroentanz der Kraft auf. Ich muß an den schönen Halbgott denken, noch zwischen den Indianern, Farmern und Cowboys. Eine interessante Häuptlingspantomime. Man bekommt Lust, mitzupantomimen. Ich halte die übliche verzuckerte Nußstange noch unberührt in der Hand. -- --

Morgen Mittwoch acht Uhr, große Galavorstellung.

Kurt Wolff Verlag, Leipzig (früher Ernst Rowohlt Verlag)

Max Brod

Die Höhe des Gefühls

Szenen, Verse, Tröstungen

25 Exemplare auf Bütten, vom Autor signiert in Ganzleder gebunden je Mark 15.--

Geheftet Mark 3.-- Gebunden Mark 4.50

_Berliner Tageblatt_: Der Titel »Die Höhe des Gefühls« bezeichnet einen Zustand außerordentlicher seelischer Steigerung, der ein Hinausgehen über die sonstigen Grenzen der lyrischen Form zum szenischen Bilde notwendig macht, indem der Träger des Gefühls sich selbst in den leidenschaftlichen Beziehungen zur Umwelt darstellen muß. Durch eine ins Großartige aufstrebende biblische Düsterkeit und Erlebniskraft erhebt sich das Schlußstück »Die Arche Noah« zu einer Musik des Wortes und Sinnes, die man als ein poetisches Oratorium ansprechen möchte.

_Neue Freie Presse, Wien_: Es dünkt mich das innigste, echteste und zugleich kühnste, selbstbewußteste der Brodschen Bücher. Hier gab der Dichter vielleicht sein Tiefstes: ein Paradigma der Menschheit, ihrer Irrungen und Versuchungen, ihrer Verstrickungen und Erlösungen in Form einer kurzen und gedrängten, phantasievoll vergegenwärtigten Szene. Irgendein Unsagbares schwingt hierbei noch mit, das ich nur durch das Wort »Musik« anzudeuten vermag.

_Die Zeit, Wien_: Etwas Weltabgewandtes, Abseitiges, nach innen Gekehrtes, das mit unserem Gefühls- und Gedankenleben mehr zu tun hat, als Krieg und Börse, zieht uns mit seltsamer Gewalt zu diesen Blättern und dennoch spürt man verhalten den heißen Atem unserer Zeit darin. Über die neue Gabe des jungen Prager Dichters wird man sich freuen: sie gehört zu den in unserer Zeit so seltenen reifen und harmonischen Büchern, die gleichweit von erdfernem Optimismus und kokett-ironischer Weltschmerzlichkeit entfernt sind.

_Prager Tageblatt_: Brods Kunst erscheint hier wunderbar gesteigert, losgelöst vom stofflichen Zwang, wie auf Flügeln die Welt durchmessend. Der Verlag hat dem Werk übrigens ein ganz erlesenes Kleid gegeben.

Kurt Wolff Verlag, Leipzig (früher Ernst Rowohlt Verlag)

Max Brod

Über die Schönheit häßlicher Bilder

Ein Vademecum für Romantiker unserer Tage

Geheftet Mark 3.50 Gebunden Mark 4.50

Ein ernstes und dabei bizarres Bekenntnisbuch Max Brods, das eigensinnige, höchst individuelle Credo dieses Dichters. Man kann sagen, daß sein Schaffen durch das vorliegende Buch, in dem der Dichter fast ausschließlich von sich selbst und seinen äußersten Gedankenverfaserungen spricht, in ganz neuem Lichte erscheint. Das Buch ist zum tieferen Verständnis der vorhergehenden Werke Brods unerläßlich. Wir sehn hier ein heftiges Temperament und seine Opposition gegen unser mechanisiertes, amerikanisiertes, philiströs-kaufmännisches Zeitalter äußern. Aber diese Opposition ist alles andere als griesgrämig. Sie versteckt sich oft sogar hinter einem lustigen Lob des Verabscheuten, ja sie baut eine ganze phantastische Theorie der »Schönheit des Geschmacklosen« aus. Die Greuel kitschiger Bilder, Kino und Panorama, Chansonetten und Ausstattungsstücke, häßliche Möbel und konventionelle Schauspielkunst werden in unterhaltendster Paradoxie in den Himmel erhoben. Hinter dem komplizierten Gewebe von Spott und ironischer Verliebtheit schlägt aber immer wieder die Liebe zum Begeisternden, zu den Sternen, zu Smetana und Berlioz, zum Meister Flaubert und zu dem nach Ansicht des Dichters bedeutendsten Zeitgenossen Robert Walser durch. So ist dieses Buch eigentlich nur ein eigenwilliger, aber doch ein Weg zum Ideal und zur Befreiung des Menschen im Absoluten, im Reiche des Erhabenen und Schönen. Unbeirrbar steht hinter jedem der unberechenbaren Seitensprünge und humoristischen Exkursionen der große Ernst dieses Dichters. Max Brod hat in seinem gleichzeitig erschienenen (mit Dr. Felix Weltsch gemeinsam verfaßten) philosophischen Buch »Anschauung und Begriff« die exakte Basis gegeben, auf der er sich so kühne Scherze erlauben darf, die in anderem Zusammenhange vielleicht frivol klängen, während sie hier nur von der unbefangenen, nietzschehaft heiteren Luft um diesen sicheren Tänzer Kunde geben.

Kurt Wolff Verlag, Leipzig (früher Ernst Rowohlt Verlag)

Franz Werfel

Wir sind

Neue Gedichte

In vorzüglicher Ausstattung / Druck der Offizin W. Drugulin

Vorzugsausgabe: 15 numerierte vom Autor signierte Expl. auf schwerem Japanbütten in Ganzlederbd. M. 35.--

Geheftet Mark 3.-- Gebunden Mark 4.50

Ein neues Buch von Franz Werfel, dem jungen, rasch berühmt gewordenen Lyriker. Was in Werfels ersten Versen bereits gestaltet war: die Fülle der Erscheinungen im Geiste des zeitgenössischen Poeten, wird hier gesteigert zu ungeheuerster Weltbeseelung. Aber nicht mehr im Irdischen will seine Dichtung beharren, sie versucht dem Göttlichen im Gefühl aller Menschheit näher zu kommen. So wird sein Singen prophetisch wie die Psalmen des Alten Testaments; sein Werk hat die Stärke und Verkündigung eines neuen Ethos.

Urteile über Franz Werfel:

_Wilhelm Herzog_: »... ein ganz junger, ganz großer Dichter. Wenn irgendwo, so ist hier die neue Kunst.«

_Frankfurter Zeitung_: »... ein ganz großer Dichter, mit allem Ernste sei das gesagt.«

_Neue Rundschau_: »... Withmans kosmische Liebe und Goethes unersättliche Lust zu fühlen, hat sich Werfel durch das Recht der Wiedergeburt zu eigen gemacht.«

_B. Viertel im »Strom«_: »Diesem jungen Dichter fügt sich das Leben, indem es ihn entzückt, in leichte, zarte, schwebende Formen. Alles ist neu, alles ist noch Ereignis, ist Ekstase.«

Anmerkungen zur Transkription

Die Schreibweise und Zeichensetzung des Originales wurden weitgehend beibehalten. Nur offensichtliche Fehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):

[S. 15]: ... nehmen sie als ein Luxusgeschenk hin, denn ich bin ... ... nehmen Sie als ein Luxusgeschenk hin, denn ich bin ...

[S. 18]: ... blumenverziert. Dort ist ein Zeitwort auf dem Kopf ... ... blumenverziert. Dort ist ein Zeitwort auf den Kopf ...

[S. 21]: ... sich an ihrer Schrift, und den Inhalt, den ... ... sich an ihrer Schrift, und der Inhalt, den ...

[S. 22]: ... aber deren Inhalt voll Leben sprudeln; Handschriftkünstler, ... ... aber deren Inhalt voll Leben sprudelt; Handschriftkünstler, ...

[S. 38]: ... wie das Wasser aufspritzt. »Das nur nicht die neuen ... ... wie das Wasser aufspritzt. »Daß nur nicht die neuen ...

[S. 41]: ... Besitzer dieser Fuhrunternehmen treffen. Vorwurfsvoll ... ... Besitzer dieser Fuhrunternehmen trifft. Vorwurfsvoll ...

[S. 78]: ... Kampfstimmung, er hat tagüber Aufsätze schreiben ... ... Kampfstimmung, er hat tagsüber Aufsätze schreiben ...

[S. 87]: ... Sitte.) »Reisen Sie mich nicht immer aus meinen ... ... Sitte.) »Reißen Sie mich nicht immer aus meinen ...

[S. 99]: ... teilte ihr meinen Entschluß, daß, falls sie mir das ... ... teilte ihr meinen Entschluß mit, daß, falls sie mir das ...

[S. 111]: ... am Nacken sei. Prangende Schlichtheit, geschmeidige ... ... am Nacken sei. Prangende Schlichtheit, geschmeidiger ...

[S. 135]: ... vor diesen pflanzt sich wild ein Herr auf mit einem ... ... vor dieser pflanzt sich wild ein Herr auf mit einem ...

[S. 166]: ... dînez s'il vous plaït.« Und sie tafelt ihnen ... ... dînez s'il vous plaît.« Und sie tafelt ihnen ...

[S. 169]: ... liebsten sind mir ihre Feier ohne vielerlei Äußerlichkeiten, ... ... liebsten sind mir ihre Feiern ohne vielerlei Äußerlichkeiten, ...