Geschlecht und Charakter: Eine prinzipielle Untersuchung

Part 57

Chapter 573,005 wordsPublic domain

($S. 451, Z. 8 v. u. f.$) _Goethe_, Zweite Epistel. -- _Molière_, Les Femmes Savantes, Acte II, Scène VII. -- Selbst _Kant_ dürfte, wäre er nach einer Schrift aus dem Jahre 1764 zu beurteilen, keineswegs von diesem Vorwurfe ausgenommen werden. Denn in den »Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen« (III. Abschnitt, Bd. VIII, S. 32, ed. Kirchmann) steht: »[Die Frauenzimmer] tun etwas nur darum, weil es ihnen so beliebt, _und die Kunst besteht darin, zu machen, daß ihnen nur dasjenige beliebt, was gut ist_. Ich glaube schwerlich, daß das schöne Geschlecht der Grundsätze fähig sei, und ich hoffe dadurch nicht zu beleidigen, denn diese sind auch äußerst selten beim männlichen.«

($S. 452, Z. 17.$) _Kant_, Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, ed. Kehrbach, S. 47.

($S. 452, Z. 6 v. u.$) W. H. _Riehl_, Die Familie, Stuttgart 1861, S. 7, sagt: »Man muß ... den tollen Mut der Sozialisten bewundern, welche den beiden Geschlechtern trotz aller leiblichen und seelischen Ungleichartigkeit doch die gleiche politische und soziale Berufung zusprechen und ganz resolut ein Gesetz der Natur entthronen wollen, um ein Gesetz der Schule und des Systems an seine Stelle zu setzen. Périsse la nature plutôt que les principes!«

Dieser Standpunkt, den Riehl toll nennt, ist der meinige. Ich kann nicht einsehen, wie ein anderer gewählt werden könnte, wofern man nicht utilitaristisch, sondern ethisch zu denken gewillt ist. Sicherlich wird der alte Mißbrauch, der mit den Worten der Natur, des Natürlichen und Naturgemäßen getrieben wird, sich erneuern, sobald es diese Forderung zu bekämpfen gelten wird. Das Verhältnis des Menschen zur Natur wird aber, um es ganz unzweideutig zu sagen, nicht zerstört, _sondern erst $geschaffen$ dadurch, daß der Mensch sich über sie $erhebt$_, _mehr_ wird als ein bloßes Glied, ein bloßer Teil von ihr. Denn Natur ist immer das _Ganze_ der sinnlichen Welt, und dieses kann nicht von einem seiner Teile aus übersehen werden.

($S. 453, Z. 16 f.$) Je tiefer das Weib steht, desto notwendiger muß es emanzipiert werden. Gewöhnlich schließt man umgekehrt.

($S. 453, Z. 22-24.$) Ich meine hier die »Vera«-Literatur, welche im Jahre 1902 ziemlich viel Staub aufgewirbelt hat. Das einzige Gute, was über die ganze Streitfrage geschrieben worden ist, findet man in dem mehrfach citierten Aufsatze von Oskar _Friedländer_, Eine für Viele, eine Studie (vgl. besonders zu S. 446, Z. 1 v. u.).

($S. 454, Z. 4 f.$) Friedrich _Nietzsche_, Jenseits von Gut und Böse, Aphorismus 238.

($S. 455, Z. 7.$) »_Pythagoras_ erscheint als der Vertreter des Frauengeschlechtes, als der Verteidiger seiner Rechte, seiner Unverletzlichkeit, seines hohen Berufes in der Familie und im Staate. Den Männern stellt er die Unterdrückung des Weibes als Sünde dar. Nicht unterworfen, sondern mit voller Gleichberechtigung dem Gatten beigeordnet soll das Weib sein.« (J. J. _Bachofen_, Das Mutterrecht, Eine Untersuchung über die Gynaikokratie der alten Welt nach ihrer religiösen und rechtlichen Natur, Stuttgart 1861, S. 381.)

($S. 456, Z. 11.$) Über die _»Parsifal«-Dichtung_ _Wagners_ ist mir eine einzige verständnisvolle Abhandlung bekannt geworden: Zur Symbolik in Wagners Parsifal, von Emil _Lucka_, Wiener Rundschau, V, 16, S. 313 f. (15. August 1901). Leider ist in diesem sehr vorzüglichen Aufsatz das Thema allzu knapp behandelt. Eine Auffassung der Dichtung, welche von jenem Autor in vielen Punkten beträchtlich abweicht, ausführlich darzulegen, hoffe ich selbst Gelegenheit zu finden.

($S. 457, Z. 6 f.$) _Clemens Alexandrinus_, Stromata, III 6, vol. I, p. 532, ed. Potter (Oxford 1715) = p. 1149 ed. Migne (Patrologiae Graecae, Tomus VIII, Paris 1857): Τῇ Σαλώμῃ ὁ Κύριος πυνθανομένῃ _μέχρι πότε θάνατος ἰσχύσει_ οὐχ ὡς κακοῦ τοῦ βίου ὄντος καὶ τῆς κτίσεως πονηρᾶς »_Μέχρις ἄν, εἶπεν, ὑμεῖς αἱ γυναῖκες τίκτετε_« ἀλλ' ὡς τὴν ἀκολουθίαν τὴν φυσικὴν διδάσκων· γεννήσει γὰρ πάντως ἕπεται καὶ φθορά. -- Ibid. III, 13 (I, 553 Potter, p. 1192 Migne) wird aus dem »Evangelium der Ägypter« nach dem Zeugnis des _Cassianus_ (dessen Werk Περὶ ἐγκρατείας oder περὶ εὐνουχίας) folgendes Wort Jesu berichtet: »Πυνθανομένης τῆς Σαλώμης πότε γνωσθήσεται τὰ περὶ ὧν ἤρετο, ἔφη ὁ Κύριος, _Ὅταν τὸ τῆς αἰσχύνης ἔνδυμα πατήσητε, καὶ ὅταν γένηται τὰ δύο ἕν, καὶ τὸ ἄρρεν μετὰ τῆς θηλείας οὔτε ἄρρεν οὔτε θῆλυ_.« -- Schließlich ibid. III, 9 (I, 540 Potter, p. 1165 Migne): »_ἤλθον καταλῦσαι τὰ ἔργα τῆς θηλείας_· θηλείας μὲν, τῆς ἐπιθυμίας· ἔργα δέ, γέννησιν καὶ φθοράν.«

Es ist dieser Ausspruch so ohne alle Vorgänger im Griechentum, daß wohl seine Echtheit angenommen und es ein hohes Glück genannt werden darf, daß er nicht verloren ging, wie die herrlichsten Aussprüche Christi sicherlich verloren gegangen sind, weil die synoptischen Evangelisten sie nicht verstehen und also nicht behalten konnten.

Daß das Begehren nach dem Weibe immer unsittlich ist, liegt übrigens bereits im Worte: »_πᾶς ὁ βλέπων γυναῖκα πρὸς τὸ ἐπιθυμῆσαι ἤδη ἐμοίχευσεν αὐτὴν τῇ καρδίᾳ αὔτοῦ_« (Evang. Matth. 5, 28).

($S. 457, Z. 15 v. u.$) _Augustinus_, De bono viduitatis, Cap. XXIII (Patrologiae Latinae Tom. XL, p. 449 f., ed. Migne, Paris 1845): »Non vos ... frangat querela vanorum, qui dicunt: Quomodo subsistet genus humanum, si omnes fuerint continentes? Quasi propter aliud retardetur hoc saeculum, nisi ut impleatur praedestinatus numerus ille sanctorum, quo citius impleto, profecto nec terminus saeculi differetur.« De bono conjugali, Cap. X (ibid. p. 381): »Sed novi qui murmurent. Quid si, inquiunt, omnes homines velint ab omni concubitu continere: unde subsistet genus humanum? Utinam omnes hoc vellent, dumtaxat in charitate de corde puro et conscientia bona et fide non ficta (1. Tim, 1, 5): multo citius Dei civitas compleretur, et acceleraretur terminus saeculi.« Ich verdanke diese Nachweise _Schopenhauers_ »Welt als Wille und Vorstellung«, Bd. II, Kap. 48.

($S. 457, Z. 2 v. u.$) Hier liegt also das eigentliche Motiv jener Furcht, nach welchem Leo _Tolstoi_ (Über die sexuelle Frage, Leipzig 1901, S. 16 ff., 87 f.) gesucht hat, ohne es zu finden.

($S. 458, Z. 14.$) Man mag es krankhaft nennen, daß der Mann die schwangere Frau abstoßend häßlich findet (wenn sie auch manches Mal ihn sinnlich erregt), aber es ist dies eben das, was ihn vor dem Tiere auszeichnet, und wer es ihm ausreden will, der will ihn der Menschheit entkleiden. Das Phänomen liegt tief; es zeigt wieder, wie alle Ästhetik nur ein Ausdruck der Ethik ist. -- »Toutes les _hideurs_ de la fécondité« sagt einmal Charles _Baudelaire_ (Les fleurs du mal, Paris 1857, 5. Gedicht, p. 21).

($S. 459, Z. 15.$) Die Idee der Menschheit im Kantischen Sinne ist auch von _Platon_ an einer berühmten Stelle der Politeia ausgesprochen (IX, 589 A B), in der zugleich die Anschauung vom Menschen als dem mit allen Möglichkeiten ausgestatteten Wesen liegt: »..... ὁ τὰ δίκαια λέγων λυσιτελεῖν φαίη ἂν δεῖν ταῦτα πράττειν καὶ ταῦτα λέγειν, ὅθεν _τοῦ ἀνθρώπου ὁ έντὸς ἄνθρωπος_ ἔσται ἐγκρατέστατος .....«

($S. 459, Z. 11-8 v. u.$) Die ganze Entwicklung, welche Herbert _Spencer_, Die Prinzipien der Ethik, Stuttgart 1892, Bd. II, S. 181 f. beschreibt, die Entwicklung vom »Fidschi-Insulaner, der sein Weib töten und aufessen konnte«, von den alten Germanen, bei denen der Mann das Weib »wieder verkaufen und sogar töten durfte«, von den alten englischen Zeiten, wo die Braut gekauft wurde und ihr eigener Wille beim Handel nicht in Frage kam, bis auf den heutigen Tag, da die Frau wenigstens von Rechts wegen selbständiges Eigentum besitzen darf -- diese ganze Entwicklung ist keineswegs durch irgend welche Bewegungen von Seiten der Frauen hervorgerufen, sondern allmählich durch Vervollkommnung der gesetzlichen Fortschritte vom Manne herbeigeführt worden.

Ich möchte hier noch Oskar _Friedländer_ anführen, welcher a. a. O. S. 182 f. (Die Gesellschaft, 1902, Heft 15/16) sagt: »Die spärlichen moralischen Elemente, die in der Emanzipationsbewegung enthalten sind, haben übrigens, und das kennzeichnet am besten die innere Bedeutung des ganzen Rummels, ebensowenig als das Keuschheitsideal ihren Ursprung im erhitzten Hirne der für die Emanzipation des Fleisches besonders begeisterten Vorkämpferinnen genommen. Es waren _Männer_, die jene Elemente zur Geltung brachten, um der unwürdigen »Hörigkeit der Frau« ein Ende zu bereiten, und die Frauen erschienen erst auf dem Kampfplatze, als der Frontangriff zu ihren Gunsten entschieden war und sie nicht länger mit Ehren fern bleiben konnten. Es spricht wohl deutlich genug, daß gerade in ihren Reihen die erbittertsten Gegner der neuen Richtung erstanden. Die scheinbare Bereitwilligkeit, den veränderten Verhältnissen Rechnung zu tragen, die aggressive Haltung mancher Frauen darf einen nicht über die wahre Sachlage hinwegtäuschen. Das Hochschulstudium nimmt in diesen Kreisen keinen höheren Rang ein als der Radfahrsport oder das Lawntennisspiel: das erforderliche Minimalquantum wissenschaftlicher Bildung zählt heute mit zu den sekundären Geschlechtscharakteren. Den ethischen Kern der Emanzipationstendenz, die Erhebung auf das moralische Niveau des Mannes, haben die Frauen immer als einen lästigen Zwang empfunden, dessen sie sich auch sicherlich entledigen werden, wenn es nur mit Anstand, ohne die gute Meinung ihrer Anwälte allzu offenkundig zu desavouieren, geschehen kann.«

Verbesserungen sinnstörender Fehler.

Seite 3, Zeile 3 v. u.: Lies _alle$m$_ statt _alle$s$_.

» 30, » 10: » _thelyide_ statt _thely$o$ide_.

» 36, » 10: » _ge$a$ichten_ statt _ge$e$ichten_.

» 49, » 11: » _zersetz$en$_ statt _zersetz$t$_.

» 62, » 3: » _thelyide_ statt _thely$o$ide_.

» 69, » 9 v. u.: » _eine$r$_ statt _eine$m$_.

» 100, » 7 v. u.: » _welche ja_ statt _welche $sie$ ja_.

» 114, » 11 v. u.: » _Intensi$f$ikationen_ statt _Intensi$v$ikationen_.

» 134, » 3: » _haben; $oder denke an$_ statt _haben an_.

» 169, » 19: » _da$ß$ er_ statt _da er_.

» 170, » 6-5 v. u.: Streiche: _den Moment zu verewigen strebt_.

» 177, » 23: Lies _Schellings_ statt _Schelling$en$s_.

» 180, » 10 v. u.: » _umgehen_ statt _um$zu$gehen_.

» 189, » 4: » _geordnete$n$_ statt _geordnete$m$_.

» 190, » 1 v. u.: » _präsentiert_ statt _$re$präsentiert_.

» 194, » 3: » _Möglichkeit$,$ zu erkennen_ statt _Möglichkeit zu erkennen_.

» 216, » 10: » _Intensi$f$ikationen_ statt _Intensi$v$ikationen_.

» 220, » 11 v. u.: » _$ein erw$ärmter Stab durch_ statt _$erw durch$ärmter Stab_.

» 227, » 10 v. u.: » _welche nämlich_ statt _welche $sie$ nämlich_.

» 274, » 10 v. u.: » _$zu$ verbringen_ statt _verbringen_.

» 291, » 7: » _aus $seiner$_ statt _aus $ihrer$_.

» 295, » 18: » _$aber$ auch_ statt _$hieraus$ auch_.

» 301, » 6: » _größer$e$_ statt _größer_.

» 331, » 3 v. u.: » _de$s$ Liebenden_ statt _de$r$ Liebenden_.

» 356, » 8: » _steht nicht $wie$ beim_ statt _steht nicht beim_.

» 361, » 18: » _$a$sexuelles_ statt _sexuelles_.

» 366, » 12 v. u.: » _fremde$n$_ statt _fremde_.

» 408, » 17: » _Laute$n$_ statt _Laute$m$_, _Unvornehme$n$_ statt _Unvornehme$m$_.

» 410, » 10 v. u.: » _ihre$n$_ statt _ihre$r$_.

» 425, » 2: » _$es$ ist_ statt _$sie$ ist_.

» 434, » 3: » _de$r$ Augenblick_ statt _de$n$ Augenblick_.

» 434, » 11: » _sich $die$ Welt_ statt _sich Welt_.

» 448, » 9: » _anst$reb$t_ statt _anst$ell$t_.

» 455, » 15 v. u.: » _Als$o$_ statt _Als_.

» 467, » 14 v. u.: » _Hydatide_ statt _Hydat$r$ide_.

» 476, » 15: » _$Il$ était_ statt _$Je$ était_.

Fußnoten

[1] Auch das Spencersche Weltschema: Differentiation und Integration, läßt sich hier leicht anwenden.

[2] Dies gilt von den Begriffen aber nur als von Objekten einer psychologischen, nicht einer logischen Betrachtungsweise. Diese sind trotz allem modernen Psychologismus (Brentano, Meinong, Höfler) nicht ohne beiderseitigen Schaden zusammenzuwerfen.

[3] Natürlich -- zu dieser Anschauung werden wir durch unser Bedürfnis nach Kontinuität genötigt -- _irgendwie_ müssen die sexuellen Unterschiede, wenn auch anatomisch, morphologisch unsichtbar und selbst durch die stärksten Vergrößerungen des Mikroskopes dem Auge nicht zu erschließen, schon vor der Zeit der ersten Differenzierung formiert, »präformiert« sein. Aber wie, das ist ja die große Krux aller Entwicklungsgeschichte.

[4] Nicht die absolute Breite des Beckens als in Centimetern angegebene Distanz der Knorren der Oberschenkel oder der Hüftbeindorne, sondern die relative Breite der Hüften im Verhältnis zur Schulterbreite ist ein ziemlich sicheres und recht allgemein verwendbares körperliches Kriterium für den Gehalt an W.

[5] Von den verschiedenen »Fetischismen« ist hiebei natürlich abzusehen; ebensowenig kommen für erogene Wirkung die primordialen Charaktere in Betracht.

[6] Ebensowenig wie im umgekehrten Falle der Kastration eines weiblichen Tieres die Maskularisierung schroff _geleugnet_ werden kann.

[7] Daß solche Grenzen existieren, ergibt ja auch die Existenz sexueller Unterschiede _vor_ der Pubertät.

[8] Für spezielle Zwecke der Züchter, deren Absichten meist auf Abänderung der natürlichen Tendenzen gehen, muß hievon freilich oft abgegangen werden.

[9] Gewöhnlich denkt man, wenn von einer Konstanz im sexuellen Geschmack des Mannes oder der Frau gesprochen wird, zunächst an die Bevorzugung einer Lieblingsfarbe des Kopfhaares beim anderen Geschlechte. Es scheint auch wirklich, wo überhaupt einer bestimmten Farbe der Haare der Preis gegeben wird (dies ist nicht bei allen Menschen der Fall), die Vorliebe für diese ziemlich tief zu liegen.

[10] Dies zeigt auch klar sein Bildnis. _Mérimée_ nennt George Sand »maigre comme un clou«. Bei der ersten Begegnung beider ist »sie« offenbar Männchen und »er« ganz Weibchen gewesen: _er_ errötet, als _sie_ ihn fixiert und mit _tiefer_ Stimme _ihm_ Komplimente zu machen beginnt.

[11] Es hat übrigens viele gänzlich _ungelehrte große_ Künstler gegeben (_Burns_, _Wolfram von Eschenbach_), aber keine diesen vergleichbare Künstlerin.

[12] Auf den Anblick einer bisexuell funktionierenden Schauspielerin mit leichtem Bartanfluge, einer tiefen sonoren Stimme und fast ohne Haare auf dem Kopfe habe ich einen bisexuellen Mann ausrufen hören: »Ja das ist ein Prachtweib!« »Das Weib« ist eben für jeden ein anderes und doch dasselbe, »im Weibe« hat noch jeder Dichter Verschiedenes und doch ein Gleiches besungen.

[13] Es bedeutet im folgenden »_der_ Mann« immer M und mit »_der_ Frau« ist immer W gemeint, nicht »die Männer« oder »die Frauen«.

[14] Herr Dr. _Hermann Swoboda_ in Wien.

[15] Wobei weder an absolute Heniden beim Weibe noch an absolute Klärung beim Manne gedacht werden darf.

[16] _Begabung_ (nicht _Talent_) und _Geschlecht_ sind die beiden einzigen Dinge, _die nicht vererbt werden_, sondern _unabhängig_ von der »Erbmasse« sind und gleichsam spontan zu entstehen scheinen. Schon diese Tatsache läßt erwarten, daß Genialität, beziehungsweise ihr Mangel, in einem Zusammenhange mit der Männlichkeit oder Weiblichkeit eines Menschen stehen müsse.

[17] Ich gebrauche das Wort Begabung, um dem Worte Genialität so oft als tunlich aus dem Wege zu gehen, und bezeichne mit ihm jene Veranlagung, deren höchste Steigerung Genialität ist. Begabung und Talent werden demnach hier streng auseinandergehalten.

[18] Die aber mit dem _Talente_ nichts zu schaffen haben.

[19] Ausdruck von Herrn Dr. H. _Swoboda_ in Wien.

[20] Sehr wesentlich ist hingegen der geniale _Augenblick_ vom nichtgenialen psychologisch geschieden, _auch in einem und demselben Menschen_.

[21] Ich wage auch daran zu erinnern, wie häufig reine Wissenschaftler erst knapp vor dem Tode mit religiösen und metaphysischen Problemen sich beschäftigen: _Newton_, _Gauß_, _Riemann_, Wilh. _Weber_.

[22] Man ist oft erstaunt darüber, wie Menschen von ganz gewöhnlicher, ja gemeiner Natur keinerlei Furcht vor dem Tode empfinden. Aber es wird so klar: _nicht die Furcht vor dem Tode schafft das Unsterblichkeitsbedürfnis, sondern das Unsterblichkeitsbedürfnis schafft die Furcht vor dem Tode_.

[23] Im übrigen säume ich nicht, die Manen _Bacos_ für diese Zusammenstellung um Verzeihung zu bitten.

[24] Über sie handelt kurz das 13. Kapitel.

[25] Welche der sich immer verstehende Mensch ebensogut kennt wie der sich nie verstehende.

[26] Hiemit hoffe ich auch, die Kühnheit dieses gänzlich neuartigen Überganges vom Gedächtnis zur Logik gerechtfertigt zu haben.

[27] Dieser Beweis beruht jedoch, wie zu bemerken ist, auf der Identifikation eines beliebigen _logischen_ A mit dem _erkenntnistheoretischen_ Objekt überhaupt; diese Identifikation läßt sich in ihrer Berechtigung selbst nicht noch dartun. Vom _Sein überhaupt_, welches aus der Gültigkeit des Identitätsprinzipes streng genommen allein gefolgert werden könnte, will ich hier jedoch aus methodischen Gründen absehen. -- Übrigens würde, um den Positivismus zu widerlegen (worauf es ankam), bereits dieser Beweis eines Seins _jenseits_ der Erfahrung, _unabhängig von aller_ Erfahrung, hingereicht haben. Daß dieses Sein das Sein des Ichs ist, dafür ist keine rein _logische_, sondern eigentlich nur eine _psychologische_ Begründung aus der _Erfahrungstatsache_ möglich, daß die logische Norm dem Menschen nicht von außen kommt, sondern vom eigenen tiefsten Wesen ihm gegeben wird. Nur darum kann das _absolute Sein_ oder das _Sein des Absoluten_, wie es im Satze A = A sich manifestiert, mit dem _Sein des Ichs_ gleichgesetzt werden: das absolute Ich ist das Absolute.

[28] Ruft _Schopenhauer_, ruft _Wagner_.

[29] Vgl. über sich verstehende und sich nicht verstehende Menschen S. 188.

[30] Womit aber nicht gesagt ist, daß jedermann, der das Ich anerkennt, schon ein Genie sei.

[31] Wie damit zusammenhängt, daß hervorragende Menschen schon sehr früh (z. B. im Alter von vier Jahren) _lieben_ können, wird später klar werden (S. 323 f.).

[32] Dieser Fall wird später noch einer Untersuchung bedürfen (S. 322 ff.).

[33] Wozu also der Darwinismus und die monistischen Systeme, in deren Zentrum der »Entwicklungsgedanke« steht, nicht gehören. Die Gattungs- und Begattungsherrlichkeit unserer Zeit konnte sich nicht deutlicher offenbaren als dadurch, daß man die Descendenzlehre mit dem Worte Weltanschauung in Verbindung brachte und dem Pessimismus entgegensetzte.

[34] Darum gibt es _innerhalb_ des Einzelmenschen keinen Begriff des _Zufalls_, ja es kann der Gedanke an einen solchen gar nicht auftauchen. Daß ein erwärmter Stab durch die Zufuhr thermischer Energie sich ausdehnt und nicht infolge eines gleichzeitig am Himmel sichtbaren Kometen, nehme ich an vermöge langer Erfahrung und Induktion, aber auch nur auf Grund dieser; die _richtige_ Beziehung ist hier nicht _sofort_ in einem Erlebnis schon gelegen. Wenn ich dagegen über mein eigenes Betragen in einer bestimmten Gesellschaft mich ärgere, so _weiß_ ich, gesetzt auch, es geschehe zum ersten Male, und es schöben sich noch so viel andere gleichzeitige psychische Ereignisse dazwischen, _unmittelbar_ den _Grund_ meiner Unzufriedenheit, und bin seiner sofort vollständig sicher, oder kann es wenigstens, wenn ich mich nicht darüber hinwegzutäuschen versuche, schon beim ersten Male werden.

[35] Vgl. auch Prediger _Salomo_ 7, 29: »Unter Tausenden habe ich einen Menschen gefunden, aber kein Weib habe ich unter allen gefunden.«

[36] Von der also nicht eine Philosophie _ausgehen_ darf, zu der sie nur als zu einer letzten Grenzmarkung gelangen soll.

[37] Der Ausdruck stammt von Dr. Wilh. _Jerusalem_.

[38] Der Verbrecher fühlt sich sogar dann in seiner Weise schuldig, wenn er gerade nichts Übles getan hat. Er ist stets von anderen auf den Vorwurf des Betruges, des Diebstahls u. s. w. gefaßt, auch wenn er die Tat gar nicht begangen hat: weil er sich ihrer fähig weiß. Er fühlt sich darum auch stets ertappt, wenn irgend ein anderer Missetäter festgenommen wird.

[39] Weil die Frau den zweiten Menschen gar nicht als _besonderes_ Wesen empfindet, deshalb leidet sie nie unter ihren Nächsten, und nur deshalb kann sie stets allen Menschen sich _überlegen_ fühlen.

[40] Der Einwände, welche hiegegen, und der Gründe, welche für die Schamhaftigkeit des Weibes immer wieder werden geltend gemacht werden; ist diese Untersuchung durchaus gewärtig; auf sie kommt ihr zwölftes Kapitel zu sprechen.

[41] Nota bene: Viele sogenannte »schöne Männer« sind halbe Weiber.

[42] Erst hiemit ist auch ganz klar geworden, was jener besondere _Wert_ ist, der, _durch Schaffung der Vergangenheit, die Zeit negiert_, wie ihn das 5. Kapitel postulierte.

[43] Vgl. _Klingsors_ Worte an _Kundry_ in _Wagners_ _Parsifal_, zweiter Aufzug, zu Anfang:

»Herauf! Herauf zu mir! Dein Meister ruft _Dich Namenlose_: Ur-Teufelin! Höllenrose! Herodias warst Du, und was noch? Gundryggia dort, Kundry hier: Hieher! Hieher denn, Kundry! Zu Deinem Meister, herauf!«

[44] Es ist nur zu begreiflich, daß man leicht zu einer solchen Annahme verführt werden mag. Wer hat nicht z. B. in der Lektüre _dieses_ Buches beim Übergang vom ersten zum zweiten Teil das Gefühl, daß es sich in beiden um etwas ganz anderes handle! Dort um äußerliche, hier um innere Zusammenhänge.

[45] Noch hat niemand von Doppelgängerinnen gehört. Man nennt die Frauen das furchtsame Geschlecht, weil man zu wenig scheidet zwischen Angst und Furcht. Es gibt eine tiefe Furcht, die nur der Mann kennt.

[46] Im Hinblick auf die Erörterungen des 8. Kapitels über das größere Ansehen, welches dem tieferen Blick des bedeutenden Geistes gebührt, vor dem jeweiligen Stande der Wissenschaft (S. 222).

[47] Das die größten Dichter erkannt haben. Man denke an die Identifikation der _Aase_ und _Solveig_ am Schlusse von _Ibsens_ »Peer Gynt« und an die Verknüpfung der _Herzeleide_ mit der _Kundry_ in der Verführung des _Wagner_schen _Parsifal_.

[48] »Ewig war ich, ewig in süß sehnender Wonne, doch ewig zu Deinem Heil« (_Brünnhilde_ zu _Siegfried_).

[49] Man vergleiche in _Ibsens_ »Peer Gynt«, 2. Akt, das Gespräch zwischen dem _Vater_ der _Solveig_ und _Aase_ (einer der bestgezeichneten »Mütter« der schönen Literatur) auf der Suche nach ihrem Sohn:

_Aase_: ».... Wir finden ihn!« _Der Mann_: »Retten die Seel'!« _Aase_: »Und den Leib!«

[50] Ich rede natürlich, die ganze Zeit über, nicht bloß vom käuflichen Gassenmädchen.

[51] Hiemit dürfte es zusammenhängen, daß die Prostituierte körperlich, was manchem seltsam scheinen wird, mehr als die Mutter auf _Reinheit_ achtet.

[52] Seite 177 f.