Geschlecht und Charakter: Eine prinzipielle Untersuchung
Part 36
Der Mann ist Form, das Weib Materie. Ist das richtig, so muß es auch in dem Verhältnis ihrer psychischen Einzelerlebnisse zueinander einen Ausdruck finden. Die längst festgestellte Gliederung der Inhalte des männlichen Seelenlebens gegenüber dem unartikulierten und chaotischen Vorstellen des Weibes verkündet nichts anderes als diesen nämlichen Gegensatz von Form und Materie. Die Materie will geformt werden: _darum verlangt_ das Weib vom Manne die _Klärung_ seiner verworrenen Gedanken, die _Deutung der Heniden_.[81]
Die Frauen sind die Materie, die jede Form annimmt. Jene Untersuchungen, welche für die Mädchen eine bessere Erinnerung speziell an den Lehrstoff ergeben haben, als für die Knaben, können nur so erklärt werden: aus der Inanität und Nullität der Frauen, die mit allem Beliebigen _imprägniert_ werden können, indes der Mann nur behält, was ihn wirklich interessiert, und alles übrige _vergißt_ (vgl. Teil II, S. 147, 168). Aber vor allem geht das, was die _Schmiegsamkeit_ des Weibes genannt wurde, seine außerordentliche _Beeinflußbarkeit_ durch das fremde Urteil, seine _Suggestibilität_, seine völlige _Umschaffung_ durch den Mann auf dieses Bloß-Materie-Sein, diesen _Mangel_ jeder _ursprünglichen Form_ zurück. _Das Weib $ist$ nichts, und darum, $nur$ darum $kann es alles werden$; während der Mann stets nur werden kann, was er $ist$._ Aus einer Frau kann man machen, _was man will_; dem Manne höchstens zu dem verhelfen, was _er_ will. Darum hat, in der wahren Bedeutung des Wortes, eigentlich nur _Frauen_, nicht Männer, zu _erziehen_ einen _Sinn_. Am Manne wird durch alle Erziehung nie irgend ein Wesentliches geändert; im Weibe kann sogar seine eigenste Natur, die Hochwertung der Sexualität, durch äußeren Einfluß völlig zurückgedrängt werden. Das Weib mag alles scheinen und alles verleugnen, aber es _ist_ nie irgend etwas in Wahrheit.
Man wird freilich, selbst wenn man mit den bisherigen Ableitungen sollte einverstanden sein, ihnen zum Vorwurf machen, daß sie keine Auskunft darüber gäben, $was$ denn der _Mann_ eigentlich _sei_. Läßt sich von ihm, wie vom Weibe _Kuppelei_ und _Wesenlosigkeit_, irgend etwas als allgemeine Eigenschaft prädizieren? Gibt es überhaupt einen _Begriff_ des Mannes, wie es einen Begriff des Weibes gibt, und läßt sich dieser Begriff ähnlich definieren?
Hierauf ist zu antworten, daß die Männlichkeit eben in der _Tatsache_ der Individualität, der wesenhaften Monade liegt und sich mit ihr deckt. Jede Monade aber ist von jeder anderen um ein _Unendliches_ verschieden, und darum keine subsumierbar unter einen umfassenderen Begriff, der mehreren Monaden Gemeinsames enthielte. Der _Mann_ ist der _Mikrokosmus_, in ihm sind _alle_ Möglichkeiten überhaupt enthalten. Man hüte sich dies zu verwechseln mit der _universellen $Suszeptibilität$_ der Frau, die alles wird, _ohne irgend etwas zu sein_, indes der Mann alles _ist_ und davon mehr oder weniger, je nach seiner Begabung, auch _wird_. Der Mann hat auch das Weib, er hat auch Materie in sich, und kann diesen Teil seines Wesens sich entwickeln lassen, d. h. verkommen und entarten; oder er kann ihn erkennen und bekämpfen -- _darum_ kann _er_, und _nur $er$_, über die Frau zur Wahrheit gelangen (Teil II, S. 106-108). _Das Weib aber hat keine Möglichkeit einer Entwicklung, außer durch den Mann._
Ganz deutlich wird die Bedeutung von Mann und Weib immer erst in der Betrachtung ihrer gegenseitigen _sexuellen_ und _erotischen Relationen_. Das tiefste Begehren der Frau ist, vom Manne _geformt_ und _dadurch erst geschaffen_ zu werden. Die Frau wünscht, daß der Mann ihr Meinungen beibringe, _ganz andere_, als sie bisher gehabt hat, sie will durch ihn umgestoßen sehen, was sie bisher für richtig hielt (Gegenteil der Pietät, S. 161), sie will als Ganzes _widerlegt sein_, und erst _neugebildet_ werden durch ihn. Der Wille des Mannes _schafft_ erst die Frau, er _gebietet_ über sie, und _verändert sie von Grund auf_ (Hypnose). Hier ist auch endlich Klärung über das Verhältnis des Psychischen zum Physischen bei Mann und Weib zu finden. Für den Mann wurde früher die Wechselwirkung, und zwar nur im Sinne einer einseitigen Schöpfung des Leibes durch die transcendente Psyche, als die Projektion derselben auf die Erscheinungswelt, für das Weib hingegen der Parallelismus eines bloß Empirisch-Psychischen und Empirisch-Physischen angenommen. Jetzt ist klar, daß auch beim Weibe eine Wechselwirkung Geltung hat. Aber während beim _Manne_, nach _Schopenhauers_ wahrster Lehre, daß der Mensch sein eigenes Werk sei, der _eigene_ Wille sich den Körper _schafft_ und _umschafft_, wird das _Weib_ durch den _fremden_ Willen körperlich _beeinflußt_ und _umgebildet_ (Suggestion, Versehen). Der Mann formt also nicht nur sich, sondern auch, ja leichter noch, das Weib. Jene Mythen der Genesis und anderer Kosmogonien, welche das Weib vom Manne geschaffen sein lassen, haben eine tiefere Wahrheit verkündet als die biologischen Deszendenzlehren, die an ein Hervorgehen des Männlichen aus dem Weiblichen glauben.
Auch jene im 9. Kapitel (S. 279) offen gelassene Frage, wie das Weib, ohne selbst Seele und Willen zu besitzen, doch in der Lage sein könne, herauszufinden, in welchem Maße der Mann mit ihnen ausgestattet ist, auch diese schwierigste Frage mag jetzt zu beantworten versucht werden. Man muß sich nur darüber klar geworden sein, daß, was die Frau bemerkt, und wofür sie ein Organ hat, nicht die _besondere_ Natur eines Mannes ist, sondern nur die _allgemeine Tatsache_ und etwa noch der _Grad_ seiner _Männlich$keit$_. Es ist ganz falsch, _Heuchelei, oder aus der späteren Imprägnation mit dem männlichen Wesen zu Unrecht erschlossen_, daß die Frau ein ursprüngliches _Verständnis_ für die _Individualität_ des Mannes habe.[82] Der Verliebte, der durch das unbewußte Simulieren eines tieferen Begreifens von Seite des Weibes so leicht zu foppen ist, mag an ein Verständnis seiner selbst durch ein Mädchen glauben; wer weniger genügsam ist, wird es sich nicht verhehlen können, daß die Frauen nur für das _Daß_, nicht für das _Was_ der Seele, nur für die _formale allgemeine Tatsache_, nicht für die _Besonderheit_ der Persönlichkeit einen Sinn besitzen. Denn um _spezielle_ Form perzipieren und apperzipieren zu können, müßte die Materie an sich nicht _formlos_ sein; das Verhältnis der Frau zum Mann ist aber kein anderes als das der Materie zur Form, und ihr Verständnis für ihn nichts als Bereitwilligkeit, möglichst kräftig geformt zu werden, der Instinkt des Existenzlosen für Existenz. Also dieses »Verständnis« ist kein theoretisches, es ist kein Anteilnehmen, sondern ein Anteilhabenwollen; es ist zudringlich und egoistisch. Die Frau hat kein Verhältnis zum _Manne_ und keinen Sinn für den Mann, sondern nur einen für _Männlichkeit_; und wenn sie für sexuell anspruchsvoller gehalten werden darf als er, so ist diese Anspruchsfülle nichts anderes als das intensive Begehren nach ausgiebigster und stärkster Formung: _es ist das Warten auf das größtmögliche Quantum von Existenz_.
Und nichts anderes ist schließlich auch die _Kuppelei_. Die Sexualität der Frauen ist _über_individuell, weil sie nicht abgegrenzte, geformte, individualisierte Wesenheiten im höheren Sinne darstellen. Der höchste Augenblick im Leben des Weibes, der, in dem sein _Ur_sein, die _Urlust_ sich offenbart, ist jener Moment, wo der männliche Same in es fließt. Da umarmt es den Mann stürmisch und preßt ihn an sich: es ist die höchste Lust der Passivität, stärker noch als das Glücksgefühl der Hypnotisierten, die Materie, welche eben geformt wird und die Form nicht loslassen, sie ewig an sich binden will. Dieses unendliche Trachten der Armut, dem Reichtum sich zu gesellen, das gänzlich formlose und darum überindividuelle Streben des _Un_gegliederten, die Form zur Berührung mit sich zu bringen, sie dauernd festzuhalten und so Existenz zu gewinnen, liegt der Kuppelei im Tiefsten zu Grunde. Daß das Weib nicht Monade ist und keine Grenzen hat, dadurch ist Kuppelei nur _ermöglicht_; zur _Wirklichkeit_ wird sie, weil es die Idee des _Nichts_, der _Materie_ repräsentiert, die unaufhörlich und in jeder Weise die Form zur Vermengung mit sich zu verführen trachtet. Kuppelei ist das ewige Drängen des Nichts zum Etwas.
So hat sich allmählich die Dualität von Mann und Weib zum Dualismus überhaupt entwickelt, zum Dualismus des höheren und des niederen Lebens, des Subjekts und Objekts, der Form und der Materie, des Etwas und des Nichts. Alles metaphysische, alles transcendentale Sein ist logisches und moralisches Sein: _das Weib ist alogisch und amoralisch_. Es enthält aber auch keine Abkehr vom Logischen und Moralischen, es ist nicht _anti_logisch, es ist nicht _anti_moralisch. Es ist nicht das _Nicht_, sondern das _Nichts_, es ist _weder Ja_, _noch_ ist es _Nein_. Der _Mann_ birgt in sich die Möglichkeit zum absoluten Etwas _und_ zum absoluten Nichts, und darum hat all sein Handeln eine _Richtung_ nach dem einen oder dem anderen: das Weib _sündigt_ nicht, _denn es ist selbst $die$ Sünde, als $Möglichkeit$ im Manne_.
_Der reine Mann ist das Ebenbild Gottes, des absoluten $Etwas$, das Weib, auch das Weib im Manne, ist das Symbol des $Nichts$: das ist die Bedeutung des Weibes im Universum, und so ergänzen und bedingen sich Mann und Weib._ Als des Mannes _Gegensatz_ hat das Weib einen Sinn und eine Funktion im Weltganzen; und wie der menschliche Mann über das tierische Männchen, so reicht das menschliche Weib über das Weibchen der Zoologie hinaus.[83] _Kein begrenztes Sein, kein begrenztes Nichtsein_ (wie im Tierreich) liegen im _Menschen_ im Kampfe: _was hier sich gegenübersteht, ist unbegrenztes Sein_ und _unbegrenztes Nichtsein_. _Darum_ machen erst Mann und Weib _zusammen_ den Menschen aus.
Der _Sinn_ des Weibes ist es also, _Nicht-Sinn_ zu sein. Es repräsentiert das _Nichts_, den Gegenpol der Gottheit, die _andere Möglichkeit_ im Menschen. Darum gilt mit Recht nichts für gleich verächtlich, als der Weib gewordene Mann, und wird ein solcher Mann geringer geachtet als selbst der stumpfsinnigste und roheste Verbrecher. Und so erklärt sich auch jene tiefste _Furcht_ im Manne: die _Furcht vor dem Weibe_, das ist die _Furcht vor der Sinnlosigkeit_: das ist die Furcht _vor dem lockenden Abgrund des Nichts_.
Das _alte Weib_ offenbart erst ganz und gar, was das Weib in Wirklichkeit ist. Die Schönheit der Frau wird, auch rein erfahrungsgemäß, nur _geschaffen_ durch die _Liebe_ des Mannes: die Frau wird schöner, wenn ein Mann sie liebt, _weil sie passiv dem Willen entspricht, der in seiner Liebe liegt_; so mystisch dies klinge, es ist nur eine alltägliche Beobachtung. Das alte Weib zeigt, wie das Weib nie schön _war_: _wäre_ das Weib, so wäre die Hexe nicht. Aber das Weib _ist_ nichts, ein hohles Gefäß, eine Zeitlang überschminkt und übertüncht.
Alle Qualitäten der Frau hängen an ihrem Nicht-Sein, an ihrer _Wesenlosigkeit_: weil sie kein wahres, unwandelbares, sondern nur ein irdisches Leben hat, darum begünstigt sie als Kupplerin die Zeugung in _diesem_, darum ist sie durch den Mann, der sinnlich auf sie wirkt, vom Grund auf umzuschaffen und empfänglich überhaupt. So vereinigen sich die drei fundamentalen Eigenschaften des Weibes, welche dieses Kapitel aufgedeckt hat, und schließen sich zusammen in seinem Nicht-Sein.
Aus dem Begriff des Nicht-Seins ergeben sich Veränderlichkeit und Verlogenheit, als die zwei _negativen_ Bestimmungen, durch _unmittelbare_ Deduktion. Bloß Kuppelei, als die einzige _Position_ im Weibe, folgt aus ihm nicht gleich rasch durch einfache Analyse.
Und das ist wohl begreiflich. Denn das _Dasein_ des Weibes ist selbst _identisch_ mit der Kuppelei, mit Bejahung aller Sexualität überhaupt. _Kuppelei ist nichts anderes als universale Sexualität_; daß das Weib ist, heißt nichts anderes, als daß in der Welt ein radikaler Hang zu allgemeiner Sexualität besteht. _Die Kuppelei noch weiter $kausal$ zurückführen bedeutet so viel als das $Dasein des Weibes erklären$._
Wenn hiezu von der Tafel des zwiefachen Lebens (S. 378) ausgegangen wird, so ist die _Richtung vom höchsten Leben weg zum irdischen hin_, das _Ergreifen des Nicht-Seienden statt des Seienden_, der _Wille zum Nichts_, das _Nicht_, das _An-Sich-Böse_. _Anti_moralisch ist die _Bejahung_ des _Nichts_: das Bedürfnis, _Form in Formloses, in Materie zu verwandeln_, das Bedürfnis zu _zerstören_.
_Das Nicht aber ist dem Nichts verwandt. Und darum besteht ein so tiefer Zusammenhang zwischen allem Verbrecherischen und allem Weiblichen._ Das _Anti_moralische berührt sich eben mit dem $A$moralischen, von dem es in dieser Untersuchung zuerst ausdrücklich _getrennt_ wurde, im gemeinsamen Begriffe des _Un_moralischen, und die gewöhnliche unterschiedslose Verwechslung beider erfährt nun dennoch eine gewisse Rechtfertigung. Denn das Nichts ist _allein_ eben -- _nichts_, es _ist_ nicht, es hat weder Existenz noch Essenz. Es ist stets nur das _Mittel_ des Nicht, das, was _durch_ das _Nein_ dem _Etwas gegenübergestellt_ wird. _Erst indem der Mann seine eigene Sexualität bejaht, indem er das Absolute verneint, sich vom ewigen Leben ab-, dem niederen zukehrt, erhält das Weib Existenz. $Nur indem das Etwas zum Nichts kommt, kann das Nichts zum Etwas kommen.$_
Der _bejahte Phallus_ ist das _Anti_moralische. Darum wird er als das Häßlichste empfunden; darum wurde er stets in einer Beziehung zum Satan gedacht: den Mittelpunkt der _Dante_schen _Hölle_ (das Zentrum des Erdinneren) bildet der _Geschlechtsteil Lucifers_.
$So erklärt sich denn die absolute Gewalt der männlichen Geschlechtlichkeit über das Weib$.[84] _Nur indem der Mann $sexuell$ wird, erhält das Weib Existenz und Bedeutung: sein Dasein ist an den Phallus geknüpft, und $darum$ dieser sein höchster Herr $und$ unumschränkter Gebieter._ Der Geschlecht gewordene Mann ist das Fatum des Weibes; der Don Juan der einzige Mensch, vor dem es bis zum Grunde erzittert.
$Der Fluch, den wir auf dem Weibe lastend ahnten, ist der böse Wille des Mannes$: das _Nichts_ ist nur ein Werkzeug in der Hand des _Nicht_. Die Kirchenväter drückten dasselbe pathetischer aus, als sie das Weib das Instrument des Teufels nannten. Denn _an sich_ ist die Materie _nichts_, _erst die Form muß ihr Existenz geben wollen_. Der Sündenfall der Form ist eben jene Verunreinigung, die sie auf sich lädt, indem es sie treibt, an der Materie sich zu betätigen. _Als der Mann $sexuell$ ward, da $schuf$ er das $Weib$._
_Daß das Weib da ist, heißt also nichts anderes, als daß vom Manne die Geschlechtlichkeit bejaht wurde. Das Weib ist nur das $Resultat$ dieser Bejahung, es ist die Sexualität selber_ (S. 116).
Das Weib ist in seiner Existenz _abhängig_ vom Manne: indem der Mann zum Manne, als Gegenteil des Weibes, indem er geschlechtlich wird, _setzt_ er das Weib und ruft es ins Dasein. Deshalb muß dem Weibe alles daran gelegen sein, den Mann _sexuell zu erhalten_: denn es hat so viel Existenz als der Mann Geschlechtlichkeit. _Deshalb_ muß der Mann, so will sie es, _ganz zum Phallus werden_, $deshalb kuppelt die Frau$. Sie ist unfähig, ein Wesen anders denn als Mittel zum Zweck, zu diesem Zweck des Koitus zu gebrauchen: denn mit ihr ist selbst $kein anderer Zweck$ verfolgt, als der, $den Mann schuldig werden zu lassen$. Und sie wäre _tot_ in dem Augenblick, da der Mann _seine_ Sexualität überwunden hätte.
Der Mann hat das Weib geschaffen und schafft es immer neu, so lange er noch sexuell ist. Wie er der Frau das _Bewußtsein_ gab (Teil II, Kapitel 3, Ende), so gibt er ihr das _Sein_. Indem er auf den Koitus nicht verzichtet, ruft er das Weib hervor. $Das Weib ist die Schuld des Mannes.$
Diese Schuld gut zu machen, dazu soll ihm die Liebe dienen. Hiedurch hellt sich auf, was der Schluß des vorigen Kapitels nur wie einen dunklen Mythos einführte. Was der Mann durch die Schöpfung des Weibes, das ist durch die Bejahung des Koitus verbrochen hat und noch fortwährend verbricht, _das bittet er dem Weibe ab als Erotiker_. Denn von wannen sonst käme die nie und nimmer sich genug tuende _Generosität_ aller Liebe? Woher, daß die Liebe gerade dem Weibe, und nicht einem anderen Wesen, Seele zu schenken beflissen ist? Durchaus ist das Weib nur der Gegenstand, den sich der Trieb des Mannes erzeugt hat als das eigene Ziel, es ist die Objektivation der männlichen Sexualität, _die verkörperte Geschlechtlichkeit, seine Fleisch gewordene Schuld_. Die _Liebe_ soll die Schuld über_decken_, statt sie zu über_winden_; sie _$er$hebt_ das Weib, statt es _$auf$zuheben_. Das Etwas schließt das Nichts in seine Arme, und glaubt so die Welt von der Negation zu befreien, und alle Widersprüche zu versöhnen: da doch das Nichts nur verschwinden könnte, wenn das Etwas sich ihm fern hielte. Die Liebe des Mannes ist sein kühnster, äußerster Versuch, das Weib als Weib sich zu retten, statt es als solches zu verneinen. Nur daher stammt ihr Schuldbewußtsein: durch sie soll Schuld selbst _weggeräumt_, statt _gesühnt_ werden.
$Denn das Weib ist nur die Schuld und nur durch die Schuld des Mannes; und wenn Weiblichkeit Kuppelei bedeutet, so nur, weil alle Schuld von selbst sich zu vermehren trachtet.$ Was die Frau, ohne je anders zu können, durch ihr bloßes Dasein, durch ihr ganzes Wesen, ewig unbewußt auswirkt, das ist nur _ein Hang im $Manne$_, sein zweiter, unausrottbarer, sein _niederer Hang_: sie ist, gleich der Walküre, eines _fremden_ Willens »blind wählende Kür«. Die Materie scheint ein nicht minder unergründliches Rätsel als die Form, das Weib gleich unendlich wie der Mann, das Nichts so ewig wie das Sein; aber diese Ewigkeit ist nur die Ewigkeit der Schuld.
XIII. Kapitel.
Das Judentum.
Es könnte nicht wundern, wenn es manchem scheinen wollte, bei dem Ganzen der bisherigen Untersuchung seien »die Männer« allzugut davongekommen, und in ihrer Gesamtheit auf ein übertrieben hohes Postament gestellt. Man wird zwar vielleicht auf billige Argumente verzichten, ihren Resultaten nicht entgegenhalten, wie überrascht dieser Philister oder jener Spitzbube wäre, zu vernehmen, daß _er_ die ganze Welt in sich habe; und doch die Behandlung des männlichen Geschlechtes nicht bloß allzuglimpflich finden, sondern geradezu eine tendenziöse Vernachlässigung aller widerlichen und kleinen Seiten der Männlichkeit zu Gunsten ihrer höchsten Spitzen der Darstellung als einen Fehler anrechnen.
Die Beschuldigung wäre ungerechtfertigt. Es kommt mir nicht in den Sinn, die Männer zu idealisieren, um die Frauen leichter in der Schätzung herabdrücken zu können. So viel Beschränktheit und so viel Gemeinheit unter den empirischen Vertretern der Männlichkeit oft gedeiht, es handelt sich um die besseren _Möglichkeiten_, die in jedem Manne sind, und als vernachlässigte von ihm schmerzlich-hell oder dumpf-gehässig empfunden werden; Möglichkeiten, die als solche bei der Frau weder in Wirklichkeit, noch in gedanklicher Erwägung irgend in Rechnung gelangen. Und es konnte mir hier auch gar nicht auf Unterscheidungen _unter_ den Männern wesentlich ankommen, so wenig ich mich vor deren Wichtigkeit verschließe. Es handelte sich darum, festzustellen, was das Weib _nicht_ ist, und da fehlte ihm denn freilich unendlich viel, was selbst im mittelmäßigsten und plebejischesten Manne nie _ganz_ vermißt wird. Das, was es _ist_, die positiven Eigenschaften des Weibes (soferne da von einem Sein, von Positionen wohl gesprochen werden kann) wird man stets auch bei vielen Männern wiederfinden. Es gibt, wie schon öfter hervorgehoben wurde, _Männer_, die _zu Weibern geworden_, oder _Weiber geblieben_ sind; aber es gibt keine Frau, die über gewisse umschriebene, nicht sonderlich hoch zu ziehende, moralische und intellektuelle Grenzen hinauskäme. Und darum will ich es hier nochmals aussprechen: _das höchststehende Weib steht noch unendlich tief unter dem tiefststehenden Manne_.
Jene Einwendungen aber könnten weiter gehen, und einen Punkt berühren, dessen Außerachtlassung der Theorie allerdings zum Vorwurf müßte gemacht werden. Es gibt nämlich Völkerschaften und Rassen, bei deren Männern, obwohl sie keineswegs als sexuelle Zwischenformen können gedeutet werden, man doch so wenig und so selten eine Annäherung an die Idee der Männlichkeit findet, wie sie aus der hier entworfenen Zeichnung derselben hervortritt, daß die Prinzipien, ja, die ganzen Fundamente, auf welchen diese Arbeit ruht, hiedurch stark könnten erschüttert scheinen. Was ist z. B. von den _Chinesen_ zu halten, mit ihrer weiblichen Bedürfnislosigkeit und ihrem Mangel an jeglichem Streben? Man möchte _hier_ allerdings noch an eine größere Weiblichkeit des ganzen Volkes zu glauben sich versucht fühlen. Wenigstens kann es keine bloße Laune einer ganzen Nation sein, daß die Chinesen einen Zopf zu tragen pflegen, und es ist ja auch ihr Bartwuchs nur ein äußerst spärlicher. Aber wie verhält es sich dann mit den _Negern_? Es hat unter den Negern vielleicht kaum je ein Genie gegeben, und moralisch stehen sie beinahe allgemein so tief, daß man in Amerika bekanntlich anfängt zu fürchten, mit ihrer Emanzipation einen unbesonnenen Streich verübt zu haben.
Wenn also auch das Prinzip der sexuellen Zwischenformen vielleicht Aussicht hätte, für eine Rassenanthropologie bedeutsam zu werden (indem über einige Völker ein größeres Quantum von Weiblichkeit insgesamt ausgestreut schiene), so muß doch zugegeben werden, daß die bisherigen Deduktionen zuvörderst auf den _arischen Mann_ und das _arische Weib_ sich beziehen. Wie weit in den anderen großen Stämmen der Menschheit mit den für ihre Gipfel geltenden Verhältnissen Übereinstimmung herrscht, und was jene hauptsächlich davon zurückhält und so lange hindert, an diese näher heranzukommen, das bedürfte erst der Erhellung durch die eingehendste und lohnendste psychologische Vertiefung in die Rassencharaktere.
Das _Judentum_, das ich zum Gegenstande einer Besprechung zunächst darum gewählt habe, weil es, wie sich zeigen wird, der härteste und am meisten zu fürchtende Gegner der hier entwickelten und besonders der noch zu entwickelnden Anschauungen, wie überhaupt des ganzen Standpunktes ist, von dem aus jene möglich sind -- das Judentum scheint anthropologisch mit allen beiden erwähnten Rassen, mit den Negern wie mit den Mongolen, eine gewisse Verwandtschaft zu besitzen. Auf den Neger weisen die so gern sich ringelnden Haare, auf Beimischung von Mongolenblut die ganz chinesisch oder malaiisch geformten Gesichtsschädel, die man so oft unter den Juden antrifft, und denen regelmäßig eine gelblichere Hautfärbung entspricht.