Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe
Chapter 23
Während sich dieses in Clydesdale ereignete, wurde in Eskdale eine nicht weniger abscheuliche That verübt. Ein geächteter Covenanter hatte, von Krankheit heimgesucht, in dem Hause einer rechtlichen Wittwe Zuflucht gefunden und war daselbst gestorben. Der Laird von Westerhall, ein kleiner Tyrann, der in den Tagen der Covenanters den größten Eifer für die presbyterianische Kirche gezeigt, seit der Restauration aber das Wohlwollen der Regierung durch seinen Abfall erlangt hatte, und gegen die von ihm aufgegebene Partei, wie jeder Abtrünnige, unversöhnlichen Haß fühlte, entdeckte den Leichnam des Verstorbenen. Dieser Mensch ließ das Wohnhaus des armen Weibes niederreißen, ihren Hausrath wegbringen, und indem er sie und ihre Kinder hinaustrieb, um auf den Feldern herumzuirren, schleppte er ihren Sohn Andreas, der fast noch ein Knabe war, vor Claverhouse, welcher gerade damals durch diesen Theil des Landes zog. Claverhouse war eben auffallend mild gesinnt, -- Einige versicherten, seit dem vor zehn Tagen geschehenen Morde des christlichen Fuhrmanns wäre er noch nicht wieder zu sich selbst gekommen -- aber Westerhall wünschte sehnlichst, einen Beweis von seiner Loyalität zu geben, und erzwang eine ungern gegebene Zustimmung. Die Musketen wurden geladen, und der Jüngling aufgefordert, die Mütze über das Gesicht zu ziehen. Er schlug es ab, und stand mit freiem Blick, die Bibel in der Hand, seinen Mördern gegenüber. »Ich kann Euch offen ins Antlitz blicken«, rief er, »denn ich habe nichts gethan, dessen ich mich schämen müßte. Aber wie wollt Ihr an jenem Tage dreinsehen, wo Ihr nach dem gerichtet werden sollt, was in diesem Buche steht?« -- Er stürzte todt zu Boden und wurde im Moore eingescharrt.[83]
An demselben Tage wurden zwei Frauen, Margarethe Maclachlan und Margarethe Wilson, erstere eine bejahrte Wittwe, letztere ein Mädchen von achtzehn Jahren, für ihren Glauben in Wigtonshire ermordet. Sie sollten ihr Leben geschenkt erhalten, wenn sie sich entschließen könnten, die Sache der aufrührerischen Covenanters abzuschwören und dem bischöflichen Gottesdienste beizuwohnen. Sie weigerten sich und wurden zum Tode durch Ertränken verurtheilt. Man führte sie an einen Ort, wo der Solway zweimal des Tages seine Ufer überschwemmt, und band sie zwischen den Zeichen des hohen und niederen Wasserstandes an in dem Sande befestigte Pfähle. Die ältere der beiden Dulderinnen wurde in der Erwartung, daß ihre Todesqual die jüngere zum Abfall bewegen möchte, der aufsteigenden Fluth näher gebracht. Der Anblick war grauenhaft, aber der Muth der Überlebenden war von so hoher Begeisterung unterstützt, wie die Geschichte der Märtyrer sie nur zu schildern vermag. Ohne jedes Zeichen von Unruhe sah sie die See herankommen, sie betete und sang Verse aus Psalmen, bis die Wogen ihre Stimme erstickten. Als sie die Bitterkeit des Todes gefühlt, hatte man die grausame Barmherzigkeit, sie loszubinden und wieder zum Leben zu bringen. Nachdem ihr Bewußtsein zurückgekehrt war, flehten sie mitleidige Freunde und Nachbarn an, sich zu fügen. »Liebe Margarethe, sage nur, Gott erhalte den König!« Das unglückliche Mädchen, ihrem strengen Glauben getreu, wimmerte: »Mag ihn Gott erhalten, wenn es Gottes Wille ist!« Ihre Freunde drängten sich um den vorsitzenden Offizier. »Sie hat es gesagt, Herr, wahrhaftig, sie hat es gesagt!« »Wird sie die Abschwörungsformel leisten?« erkundigte sich der Offizier. »Nimmermehr,« rief sie aus, »ich bin Christi, laßt mich gehen!«[84] -- Die Wogen schlugen zum letzten Male über ihr zusammen.
So regierte Schottland ein Fürst, den unwissende Menschen als einen Freund religiöser Freiheit geschildert haben, dessen Unglück es gewesen, zu weise und zu gütig für das Zeitalter zu sein, in welchem er lebte. Ja sogar die Gesetze, welche ihm die Gewalt gaben, in solcher Weise zu regieren, waren nach seiner Ansicht von einer tadelnswerthen Milde. Indem seine Offiziere die Mordscenen verübten, welche eben geschildert wurden, verlangte er von dem schottischen Parlament ein neues Gesetz, mit welchem im Vergleich alle früheren Gesetze barmherzig genannt zu werden verdienen.
So groß auch in England sein Ansehen war, unterlag dasselbe doch einer Beschränkung durch alte, edle Gesetze, deren Übertretung selbst die Tories von ihm nicht ruhig hingenommen haben würden. Hier durfte er nicht Dissenters vor Kriegsgerichte treiben, oder im Rathe das Amüsement haben, sie in den spanischen Stiefeln ohnmächtig niederstürzen zu sehen; hier gab es keine Jungfrauen zu ersäufen, weil sie sich weigerten, die Abschwörungsformel zu leisten, oder arme Landleute niederzuschießen, weil sie in Zweifel waren, ob er einer der Auserwählten sei. Jedoch unterließ er auch in England nicht, die Puritaner, soweit seine Macht reichte, zu verfolgen, bis Ereignisse, welche später erzählt werden sollen, ihn veranlaßten, den Plan zu fassen, Puritaner und Papisten zur Entwürdigung und Beraubung der Landeskirche mit einander zu vereinigen.
[Anmerkung 79: +Wodrow III. 9, 6.+]
[Anmerkung 80: +Wodrow, III. 9. 6.+ Der Herausgeber der Oxforder Ausgabe des Burnet macht einen Versuch, diese That zu entschuldigen, indem er sagt, daß Claverhouse zu jener Zeit eben bemüht war, alle Verbindung zwischen Argyle und Monmouth abzuschneiden, und glaubt, Brown möge als Zwischenträger der beiden Rebellenheere entdeckt worden sein. Zum Unglück für diese Annahme wurde Brown am 1. Mai erschossen, wo Argyle und Monmouth in Holland waren und kein Aufruhr in irgend einem Stelle unsrer Insel stattfand.]
[Anmerkung 81: +Wodrow, III. 9. 6.+]
[Anmerkung 82: +Ibid.+]
[Anmerkung 83: +Wodrow, III. 9. 6. Cloud of Witnesses.+]
[Anmerkung 84: +Wodrow, III. 9. 6.+ Die Grabschrift der Margarethe Wilson auf dem Friedhofe zu Wigton ist in dem Anhange zu +the Cloud of Witnesses+ gedruckt:
Gemordet, blos weil sie geglaubt, Daß Christus seiner Kirche Haupt; Weil sie die Prälatur nicht ehrte, Sich nicht von reiner Lehre kehrte, Hat sie zu Christi Lob, gebunden Im Meer ihr frühes Grab gefunden!]
[_Stimmung Jakob's gegen die Quäker._] Eine Sekte der protestantischen Dissenters betrachtete er jedoch selbst in dieser frühen Periode seiner Regierung mit einiger Zuneigung: die Gesellschaft der Freunde. Seine Vorliebe für diese eigenthümliche Brüderschaft ist keinen religiösen Sympathien zuzuschreiben, denn unter Allen, welche an die göttliche Sendung Christi glauben, weichen der römische Katholik und der Quäker am weitesten von einander ab. Es klingt widersinnig, zu behaupten, daß eben dieser Umstand ein Band zwischen dem Katholiken und dem Quäker knüpfte, und doch ist es so, denn sie entfernten sich in entgegengesetzten Richtungen von dem, was die Mehrzahl des Volkes als wahr anerkannt, so weit, daß selbst vorurtheilsfreie Männer in der Regel sie außerhalb der Grenzen der ausgedehntesten Duldung betrachteten. So hatten die zwei extremen Sekten eben dadurch, daß sie extrem waren, ein gemeinsames Interesse, welches sich von dem der dazwischenliegenden Sekten unterschied; auch trugen die Quäker durchaus keine Schuld an dem Unrecht, das Jakob und seinem Hause angethan worden war. Sie bildeten erst dann eine Gemeinschaft, als der Krieg zwischen seinem Vater und dem Langen Parlamente sich zu Ende neigte, und von einigen der revolutionären Regierungen hatten sie sogar grausame Verfolgung ausstehen müssen. Seit der Restauration hatten sie trotz oftmaliger übler Behandlung der königlichen Gewalt sich demüthig gefügt, denn -- obgleich aus Vordersätzen schließend, welche die anglikanischen Gottesgelehrten als heterodox ansahen -- waren sie gleich diesen zu der Überzeugung gekommen, daß keine übertriebene Tyrannei eines Fürsten den thätigen Widerstand der mißhandelten Unterthanen rechtfertigen könne. Niemals war ein Quäker als Verfasser einer Schmähschrift erfunden worden,[85] und nie war ein solcher bei einer Verschwörung gegen die Regierung betheiligt gewesen. Die Gesellschaft hatte sich nicht bei dem Rufe nach der Ausschließungsbill betheiligt, und das Ryehousecomplot als einen höllischen Anschlag und ein Satanswerk feierlich verdammt.[86] Die Quäker betheiligten sich in damaliger Zeit wirklich sehr wenig bei bürgerlichen Streitigkeiten, denn sie wohnten nicht, wie zu jetziger Zeit, in großen Städten massenhaft zusammen, sondern trieben fast durchgängig Landbau, aus welcher Beschäftigung sie nach und nach durch die Bedrückungen vertrieben wurden, welche eine Folge ihres seltsamen Bedenkens über die Entrichtung des Zehnten waren. Sie standen daher dem Schauplatze der politischen Streitigkeiten ziemlich fern, auch vermieden sie aus Grundsatz, selbst im häuslichen Leben, jede politische Unterhaltung. Denn dergleichen Gespräche waren ihrer Ansicht nach nicht zuträglich für ihre geistliche Stimmung und hatten störenden Einfluß auf den strengen Gleichmuth ihres Benehmens. Die jährlichen Versammlungen damaliger Zeit warnten die Brüder mehrere Male, Gespräche über Staatsangelegenheiten zu führen.[87] Noch jetzt lebende Personen wissen sich zu erinnern, daß jene ernsten Ältesten, welche die Sitten einer vergangenen Generation festgehalten hatten, solche weltliche Reden systematisch zu verhindern suchten.[88] Natürlich mußte Jakob einen großen Unterschied machen zwischen diesen friedlichen Leuten und jenen aufgeregten, eifrigen Sekten, welche den Kampf gegen Tyrannei für eine Christenpflicht hielten, in Deutschland, Frankreich und Holland, gegen legitime Fürsten die Waffen ergriffen und vier Generationen hindurch dem Hause Stuart feindlich gegenüber gestanden hatten. Hierzu kam die Möglichkeit, den Katholiken und den Quäkern eine bedeutende Erleichterung zu gewähren, ohne die Bedrückung der puritanischen Sekten zu mildern. Ein damaliges Gesetz belegte Jedermann mit Strafen, welcher auf Verlangen die Ablegung des Supremateides verweigerte. Dieses Gesetz konnte die Presbyterianer, Independenten oder Baptisten nicht berühren, denn diese zeigten sich sämmtlich willig, Gott zum Zeugen aufzurufen, daß sie aller geistlichen Verbindung mit auswärtigen Prälaten und Potentaten sich enthielten; aber der römische Katholik wollte keinen Eid schwören, daß der Papst in England keine Gerichtsbarkeit habe, und der Quäker leistete überhaupt keinen Eid. Andrerseits wurden weder Katholiken noch Quäker von der Fünfmeilen-Acte getroffen, welche unter allen Gesetzen des Gesetzbuchs wohl das drückendste für die puritanischen Nonconformisten war.[89]
[Anmerkung 85: Brief an König Karl II., der sich vor Barclay's Apologie befindet.]
[Anmerkung 86: +Sewel's History of the Quakers, book X.+]
[Anmerkung 87: +Minutes of Yearly Meetings, 1689, 1690.+]
[Anmerkung 88: +Clarkson on Quakerism+; +Peculiar Customs, chapter V.+]
[Anmerkung 89: Als ich diese Stelle geschrieben hatte, fand ich in dem britischen Museum ein Manuscript (+Harl. Ms. 7506+) betitelt: +»An account of the Seizures, Sequestrations, great Spoil and Havock made upon the Estates of the several Protestant Dissenters called Quakers, upon Prosecution of old Statutes made against Papist and Popish Recusants.«+ Dieses Manuscript ist als früheres Eigenthum Jakob's bezeichnet und scheint von seinem vertrauten Diener, Oberst Graham, dem Lord Oxford eingehändigt worden zu sein. Dieser Umstand bestärkt mich in der Meinung, die ich von dem Verfahren des Königs gegen die Quäker gefaßt habe.]
[_Wilhelm Penn._] Die Quäker hatten einen mächtigen und eifrigen Fürsprecher am Hofe. Obgleich sie als Gesellschaft betrachtet mit der Welt wenig in Berührung kamen, und die Staatsangelegenheiten als eine Sache vermieden, die ihre geistlichen Interessen gefährdete, so lebte doch einer der Ihrigen, der sich von den Anderen durch Stellung und Reichthum bedeutend unterschied, in den höchsten Kreisen, und fand bei dem König stets bereitwilliges Gehör. Es war dies der gepriesene Wilhelm Penn. Sein Vater hatte eine hohe Befehlshaberstelle bei der Flotte bekleidet, war Commissar der Admiralität und Parlamentsmitglied gewesen und hatte, nachdem er die Ehre des Ritterschlags empfangen, Aussicht auf eine Peerschaft erlangt. Dem Sohne war eine liberale Erziehung zu Theil geworden, er sollte in Kriegsdienste treten, als er, noch sehr jung, seine Aussichten dadurch trübte und seinen Angehörigen dadurch Kummer verursachte, daß er sich denen anschloß, die man zu jener Zeit allgemein für eine Rotte unsinniger Ketzer hielt. Man hatte ihn bald in den Tower, bald in Newgate eingesperrt, und ihm bei der Old Bailey den Prozeß gemacht, weil er gegen den Willen des Gesetzes Predigten gehalten. Nochmals schloß er jedoch mit seiner Familie Versöhnung, und hatte so mächtigen Schutz zu erlangen gewußt, daß während alle Gefängnisse Englands mit seinen Brüdern angefüllt waren, er es viele Jahre hindurch wagen durfte, seine Meinungen ohne Belästigung auszusprechen. Gegen das Ende der vorigen Regierung hatte man ihn zur Tilgung einer alten Schuld, welche er von der Krone zu fordern hatte, mit ungeheuren Länderstrecken in Nordamerika beliehen, und er forderte seine verfolgten Freunde auf, sich in dieser, blos von indianischen Jägern bewohnten Gegend niederzulassen. Als Jakob zur Regierung gelangte, war die Colonie noch im Entstehen.
Jakob und Penn hatten schon seit langer Zeit eine vertraute Bekanntschaft unterhalten. Der Quäker wurde jetzt ein Hofmann und beinahe ein Günstling. Er wurde täglich aus dem Vorzimmer in das Kabinet gerufen und hatte häufig lange Audienzen, während Peers im Vorzimmer warten mußten, und man behauptete, daß er mehr wirkliche Gewalt zu nützen und zu schaden habe, als viele mit hohen Ämtern beliehene Edelleute. Bald sah er sich von Schmeichlern und Bittstellern umgeben, und in seinem Hause zu Kensington fanden sich, wenn er Morgens das Bett verließ, oft mehr als zweihundert Menschen ein, welche ihm ein Anliegen vorzutragen hatten. Jedoch kam ihm dieses scheinbare Glück theuer zu stehen, seine eigene Sekte behandelte ihn mit Kälte, und lohnte seine Dienste mit Vorwürfen. Man beschuldigte ihn laut, Papist und Jesuit zu sein, Einige behaupteten, er sei zu St. Omer erzogen, Andere er habe in Rom die Ordination empfangen. Obgleich nun diese Verleumdungen nur bei dem kurzsichtigen Haufen Glauben fanden, so waren dieselben doch mit besser begründeten Beschuldigungen verbunden.[90]
Die volle Wahrheit über Penn auszusprechen ist ein Unternehmen, welches einigen Muth erfordert, indem er mehr eine mythische als eine historische Person ist. Eifersüchtige Nationen und feindliche Sekten haben sich zu seiner Heiligsprechung geeinigt, England nennt mit Stolz seinen Namen, eine mächtige Republik jenseit des atlantischen Ozeans empfindet für ihn eine ähnliche Ehrfurcht, wie sie die Athenienser für Theseus und die Römer für Quirinus füllten. Die ehrenwerthe Gesellschaft, der er angehörte, erblickt in ihm einen Apostel, und fromme Männer andren Glaubens haben ihn in der Regel als ein Muster christlicher Tugenden aufgestellt. Dagegen ist sein Lob auch von Verehrern ganz anderer Art ausgesprochen worden. Die französischen Philosophen des achtzehnten Jahrhunderts verziehen ihm das, was sie seine abergläubischen Einbildungen nannten, in Betracht seiner Verachtung der Priester und seines menschenfreundlichen Wohlwollens, das sich ohne Unterschied über alle Stämme und Glaubensformen erstreckte. Deshalb ist sein Name in allen civilisirten Ländern von gleicher Bedeutung mit Redlichkeit und Menschenliebe.
Dieser hohe Ruf ist nicht ganz unverdient. Penn war ohne Zweifel ein Mann von großen Tugenden. Er hatte ein starkes Gefühl für religiöse Pflicht und einen heißen Trieb, das Glück der Menschen zu fördern. Über einige Punkte von hoher Bedeutung besaß er richtigere Ansichten, als zu damaliger Zeit selbst Männer von unbefangenem Geiste sie hegten, und als Besitzer und Gesetzgeber einer Provinz, welche anfänglich fast unbewohnt war und ein weites Feld für moralische Versuche darbot, hatte er das seltene und vorzügliche Glück, seine Theorien ohne Rücksicht auf bereits bestehende Einrichtungen in Ausführung bringen zu können. Er wird stets als der Gründer einer Colonie, der das Übergewicht, welches die Civilisation gewährt, bei seinem Verkehr mit einem wilden Volke, niemals mißbrauchte, sowie als Gesetzgeber, der in einem Zeitalter der Verfolgung religiöse Freiheit zum Grundstein der Staatsverfassung machte, in hohen Ehren bleiben; seine Werke jedoch, wie auch sein Leben beweisen hinreichend, daß er kein Mann von großem Geiste war. Er hatte kein Geschick dazu, die Charactere zu erforschen, und sein Vertrauen zu Leuten, die nicht so tugendhaft waren als er selbst, veranlaßte manchen Irrthum und häufiges Mißgeschick. Sein Enthusiasmus für einen großen Grundsatz ließ ihn oftmals anderen großen Grundsätzen zu nahe treten, gegen die er hatte tiefe Ehrfurcht zeigen sollen, auch hielt seine Rechtlichkeit nicht immer den Versuchungen Stand, denen er in jener glänzenden, feingebildeten, aber völlig sittenlosen Gesellschaft, in der er sich bewegte, ausgesetzt war. Intriguen der Galanterie und des Ehrgeizes erhielten den Hof in beständiger Gährung, der Handel mit Ehren, Ämtern und Begnadigungen wurde ohne Unterbrechung getrieben, es war also natürlich, daß man einen Mann, der täglich im Palaste war und von dem man wußte, daß er täglich Zutritt zum König hatte, häufig anlag, seinen Einfluß für Zwecke geltend zu machen, die eine strenge Moral verwerfen mußte. Die Biederkeit Penn's hatte der Verleumdung und Verfolgung widerstanden, aber jetzt, angegriffen durch das Lächeln des Königs, den Zauber weiblicher Liebenswürdigkeit, gewinnender Überredungskunst und feiner Schmeichelei gewandter Diplomaten und Hofleute fing seine Festigkeit an zu wanken. Titel und Redensarten, welche er oft gemißbilligt hatte, flossen jetzt bei Gelegenheit von seinen Lippen und aus seiner Feder. Es wäre gut, wenn man ihm nichts Übleres vorwerfen könnte, als daß er sich den Gebräuchen der Welt fügte, aber leider ist nicht in Abrede zu stellen, daß er bei einigen Verhandlungen sehr stark betheiligt war, welche nicht nur von der strengen Moral der Gesellschaft, der er angehörte, sondern überhaupt von dem Rechtlichkeitsgefühl aller unverdorbenen Menschen mit Abscheu betrachtet wurden. Er versicherte späterhin feierlich, daß er sich nie durch unerlaubten Gewinn bereichert, und nie Belohnung von Denjenigen angenommen habe, welche ihm verpflichtet waren, obgleich während der Zeit seines Einflusses am Hofe es ihm leicht gewesen sein würde, sich auf diese Weise hundertzwanzigtausend Pfund zu verschaffen.[91] Diese Bereicherung ist nicht in Zweifel zu ziehen, aber Bestechungen lassen sich sowohl der Habgier wie der Eitelkeit anbieten, und es kann nicht geleugnet werden, daß Penn bestimmt wurde, sich bei einigen unverantwortlichen Verhandlungen zu betheiligen, von denen Andere den Gewinn zogen.
[Anmerkung 90: Die Besuche Penn's zu Whitehall und seine Levers zu Kensington beschreibt -- wenn auch in schlechtem Latein -- Gerhard Croese mit großer Lebendigkeit. Er sagt: +»Sumebat rex saepe secretum, non horarium, vero horarum plurium, in quo de variis rebus cum Penno serio sermonem conferebat, et interim differebat audire praecipuorum nobilium ordinem, qui hoc interim Spatio in procoetone, in proximo, regem conventum praesto erant.«+ Über den Zudrang der Bittsteller nach Penn's Hause sagt Croese: +»Vidi quandoque de hoc genere hominum non minus bis centum.« Historia Quakeriana, lib. II. 1695.+]
[Anmerkung 91: »Zwanzigtausend in meinen Beutel und hunderttausend in meine Provinz.« Penn's Brief an Popple.]
[_Besondere Bevorzugung der Katholiken und Quäker._] Der erste Gebrauch, den er von seinem Einflusse machte, war sehr lobenswerth. Er schilderte dem neuen König die Leiden der Quäker, und dieser erkannte mit Vergnügen, daß man diesen friedlichen Sektirern und den römischen Katholiken Nachsicht gewähren könne, ohne dieselbe den übrigen Parteien, welche damals noch der Verfolgung ausgesetzt waren, zu Theil werden zu lassen. Es wurde ein Verzeichniß der Personen angefertigt, welche deshalb in Anklagezustand versetzt worden, weil sie die Eide verweigert, oder die Kirche nicht besucht, über deren Loyalität aber die Regierung gültige Zeugnisse empfangen hatte. Diese Leute wurden in Freiheit gesetzt, und befohlen, daß kein ähnliches Verfahren eingeleitet werden solle, bevor der König dazu Belieben tragen würde. Auf diese Art erlangten etwa fünfzehnhundert Quäker und eine noch größere Anzahl Katholiken ihre Freiheit.[92]
Jetzt war die Zeit herangerückt, wo das englische Parlament zusammentreten mußte. Die Mitglieder des Hauses der Gemeinen, welche nach der Hauptstadt gekommen waren, bildeten eine so große Anzahl, daß man zweifelte, der Sitzungssaal in seiner damaligen Einrichtung würde genügenden Raum zu ihrer Aufnahme darbieten. Sie benutzten die der Eröffnung der Sitzung vorangehenden Tage zu Unterredungen über die öffentlichen Angelegenheiten unter sich und mit den Beauftragten der Regierung. Eine große Zusammenkunft der loyalen Partei fand in dem Wirthshause zur Quelle am Strand statt, und Roger Lestrange, dem der König kürzlich den Ritterschlag ertheilt, und den die Stadt Winchester ins Parlament gewählt hatte, betheiligte sich bei der Leitung ihrer Berathungen.[93]
Bald stellte es sich heraus, daß ein großer Theil der Gemeinen Absichten hegte, welche mit den Wünschen des Hofes nicht ganz im Einklange standen. Die toryistischen Landedelleute verlangten fast einstimmig die Aufrechterhaltung der Testacte und der Habeas-Corpus-Acte, und einige von ihnen waren der Ansicht, man solle das Einkommen nur auf eine bestimmte Reihe von Jahren gewähren. Sie zeigten jedoch die größte Bereitwilligkeit, strenge Gesetze gegen die Whigs zu erlassen, und sie würden mit Vergnügen gesehen haben, daß man alle Diejenigen, welche die Ausschließungsbill unterstützten, für unfähig erklärte, ein öffentliches Amt zu versehen. Andrerseits wünschte der König vom Parlament ein lebenslängliches Einkommen, die Zulassung der Katholiken zu Ämtern und die Aufhebung der Habeas-Corpus-Acte zu erlangen. Auf diese drei Punkte richtete sich seine Sehnsucht und er fühlte sich keineswegs geneigt, ein Strafgesetz gegen die Ausschließungsmänner als Ersatz anzunehmen. Im Gegentheile, es würde ihm ein derartiges Gesetz nicht angenehm gewesen sein, indem eine Klasse der Ausschließungsmänner bei ihm in hoher Gunst stand, die Klasse, welche Sunderland repräsentirte, und die während der Tage des Complots nur deshalb mit den Whigs gemeinschaftliche Sache machte, weil diese die Herrschaft führten, mit dem Umschwunge des Glücks aber ihre Gesinnungen wechselte. Jakob sah mit Recht in diesen Renegaten die nutzbarsten Werkzeuge, welche zu seiner Verfügung standen. Von den tapferen Kavalieren, welche in trüber Zeit ihm treu zur Seite geblieben, durfte er in seinem Glück keinen sklavischen, gewissenlosen Gehorsam erwarten. Die Männer aber, welche nicht von dem Gefühl für Freiheit oder Religion durchdrungen, sondern nur von selbstsüchtiger Gier und Furcht getrieben, während seiner Machtlosigkeit zu seiner Unterdrückung mitgewirkt hatten, waren die passenden Leute, um von derselben Gier und Furcht geleitet, ihm jetzt, wo er Gewalt hatte, bei der Unterdrückung des Volkes zur Hand zu gehen.[94] Obgleich rachsüchtig, machte er doch in der Ausübung seiner Rache einen Unterschied. Es giebt kein einziges Beispiel, wo er ein edelmüthiges Mitleid für Diejenigen an den Tag gelegt hätte, die ihm offenherzig und aus politischen Beweggründen entgegentraten; nicht selten aber verschonte und erhob er Andere, welche aus niedrigen Ursachen ihn beleidigt hatten, denn die Schlechtigkeit, welche sie zu brauchbaren Werkzeugen der Tyrannei stempelte, schätze er hoch genug, daß er selbst dann, wenn sie auf seine eigenen Kosten sich geltend machte, Nachsicht eintreten ließ.