Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe
Chapter 22
[Anmerkung 70: Über Dangerfield's Prozeß fehlen die offiziellen Nachrichten, ich habe aber einen gedrängten Bericht darüber in einer gleichzeitigen Flugschrift gefunden. Ein Auszug des Beweises gegen Francis, so wie seine letzte Rede, befindet sich in der +Collection of State Trials+. Man sehe +Eachard III. 741+. Burnet's Erzählung enthält mehr Fehler als Zeilen. Auch sehe man +North's Examen+, 256, den Abriß von Dangerfield's Leben in den +Bloody Assizes+, den Observator vom 29. Juli 1685, und das Gedicht mit der Überschrift: +Dangerfields Ghost to Jeffreys+. In dem sehr seltenen Band, betitelt: +»Succinet Genealogies, by Robert Halstead«+, erklärt Lord Peterborough, daß Dangerfield, mit dem er einigen Umgang hatte, ein junger Mann war, dessen anständiges Äußere, ernste Haltung und Rede mehr als gewöhnliche Bildung verriethen.]
[_Prozeß gegen Baxter._] Zu derselben Zeit betrat ein Angeklagter ganz andrer Art wie Oates und Dangerfield den Gerichtssaal der Kings Bench. Kein hervorragender Parteiführer ist jemals durch lange Jahre bürgerlicher und religiöser Unruhen schuldloser geblieben, als Richard Baxter. Er gehörte der mildesten und gemäßigtsten Klasse der Puritaner an und war noch ein junger Mann, als die Revolution ausbrach. Überzeugt, daß das Recht auf Seiten der Häuser sich befinde, übernahm er unbedenklich die Stelle eines Kaplans bei einem Regimente der Parlamentsarmee, und sein heller und etwas skeptischer Verstand, sowie sein starker Sinn für Gerechtigkeit schützten ihn vor allen Übergriffen. Er ließ es sich angelegen sein, die fanatische Wildheit der Soldaten zu zügeln, und mißbilligte die gewaltthätigen Handlungen des hohen Gerichtshofs. Während der Republik war er verwegen genug, bei vielen Gelegenheiten, und sogar einmal in Cromwell's Anwesenheit, Liebe und Ehreehrbietung für die alten Staatseinrichtungen des Vaterlandes auszusprechen. Während die königliche Familie in der Verbannung lebte, hielt sich Baxter meistentheils zu Kidderminster auf und lag mit großem Eifer seinen geistlichen Pflichten ob. Er betheiligte sich aufs Angelegentlichste bei der Restauration und wünschte von ganzem Herzen eine Einigung, zwischen den Episcopalen und den Presbyterianern herbeizuführen. Mit einer, für die damalige Zeit seltenen Unbefangenheit betrachtete er die Fragen über die kirchliche Verfassung als von geringerer Bedeutung, als die großen Prinzipien des Christenthums, und hatte selbst damals, als das Prälatenthum von den dominirenden Gewalten am meisten gehaßt war, nicht in das Geschrei gegen die Bischöfe eingestimmt. Der Versuch, die feindlichen Parteien zu versöhnen, mißglückte. Baxter theilte freiwillig sein Schicksal mit dem seiner verbannten Freunde, wies den Bischofshut von Hereford zurück, entsagte der Pfarrei zu Kidderminster und beschäftigte sich nur mit seinen Studien. Seine theologischen Werke, obgleich zu gemäßigt, um den bigotten Anhängern einer der beiden Parteien zu gefallen, hatten einen großen Ruf. Eifernde Männer der Hochkirche nannten ihn einen Rundkopf, und viele Nichtconformisten schimpften ihn einen Erastinianer und Arminianer. Sein redliches Herz aber, so wie die Unbescholtenheit seines Lebens, die Stärke seiner Fähigkeiten und seine bedeutenden Kenntnisse erkannten die rechtlichsten und weisesten Männer jeder Glaubensrichtung an. Trotz der Unterdrückung, welche ihm und seinen Brüdern zu Theil geworden, hatten seine politischen Meinungen die Grenzen der Mäßigung nie überschritten. Er war ein Freund der kleinen Partei, welche die Whigs und die Tories haßten, und versicherte, nicht in die Verdammung der Trimmer einstimmen zu können, wenn er daran dächte, wer es gewesen sei, der die Friedensstifter gesegnet habe.[71]
In einem Commentar zum neuen Testamente hatte er mit einiger Bitterkeit über die Verfolgung geklagt, der die Dissenters ausgesetzt waren. Daß Männer, die, weil sie das Gebetbuch nicht benutzten, aus ihren Häusern vertrieben, ihres Eigenthums beraubt und in das Gefängniß gebracht wurden, es wagten, ihre Unzufriedenheit darüber kundzugeben, wurde damals als ein schweres Verbrechen gegen Staat und Kirche betrachtet. Roger Lestrange, der Kämpfer für die Regierung und das Orakel der Geistlichkeit, erhob im Observator den Kriegsruf, und es wurde eine Anklage geschmiedet. Baxter bat um eine Frist, seine Vertheidigung vorzubereiten. An demselben Tage, wo Oates im Palasthofe am Pranger stand, kam das berühmte Haupt der Puritaner, niedergedrückt von Alter und Kränklichkeit, nach Westminsterhall, um dieses Gesuch vorzutragen. Jeffreys schäumte vor Wuth. »Nicht eine Minute«, brüllte er, »und kostete es mein Leben. Ich werde mit Heiligen ebenso gut fertig, wie mit Sündern. Dort steht Oates auf einer Seite des Prangers, wenn Baxter auf der andren stände, so würden die zwei größten Halunken des Landes nebeneinander stehen.«
Als der Prozeß in Guildhall begann, war der Gerichtshof angefüllt mit Denen, welche Baxter Liebe und Verehrung zollten. Ihm zur Seite stand Doctor William Bates, einer der vorzüglichsten nonconformistischen Geistlichen. Zwei whiggistische Advokaten von bedeutendem Rufe, Pollexfen und Wallop, erschienen für den Angeklagten. Eben hatte Pollexfen seine Anrede an die Jury begonnen, als der Oberrichter losdonnerte: »Pollexfen, ich kenne Euch sehr gut und will Euch ein Zeichen anhängen, Ihr seid der Beschützer der Faction! Das ist ein alter Schuft, ein schismatischer Halunke, ein heuchelnder Bube! Er ist ein Feind der Liturgie und verlangt nichts als langgedehntes Gewinsel ohne Buch.« Darauf verdrehte Seine Herrlichkeit die Augen, faltete die Hände und begann in einer Art, welche er für eine Persiflage von Baxter's Manier zu predigen hielt, durch die Nase zu singen: »Herr, wir sind dein Volk, dein auserwähltes Volk, dein theures Volk!« Pollexfen machte den Gerichtshof mit Bescheidenheit darauf aufmerksam, daß Seine Majestät, der verstorbene König, Baxter eines Bisthums würdig gehalten habe. »Und was kratzte denn den alten Dummkopf, daß er es nicht annahm?« schrie Jeffreys. Seine Wuth erreichte jetzt den höchsten Grad, er schimpfte Baxter einen Hund, und schrie, daß es nur ein Act der höchsten Gerechtigkeit sein würde, solch einen Buben durch die Stadt peitschen zu lassen. Jetzt nahm Wallop das Wort, es erging ihm aber nicht besser, als seinem Vorgänger. »Ihr betheiligt Euch bei allen schmutzigen Angelegenheiten, Mr. Wallop«, sagte der Richter, »Gentlemen in der Robe der Rechtsgelehrten sollten sich schämen, solchen revolutionären Schuften ihren Beistand zu gewähren.« Der Anwalt bemühte sich noch einmal, Gehör zu erlangen, aber vergebens, »Wenn Euch Eure Pflicht unbekannt ist«, rief Jeffreys, »so will ich sie Euch kennen lehren.«
Wallop setzte sich nieder, und jetzt machte Baxter einen Versuch, sich zu vertheidigen, aber der Oberrichter ließ durch einen Strom von schmutzigen und schmähenden Worten, vermischt mit Citaten aus Hudibras, keine vernünftige Vorstellung aufkommen. »Mylord«, sagte der Greis, »die Dissenters haben mir den Vorwurf gemacht, daß ich mit Achtung von den Bischöfen gesprochen.« »Was?« schrie der Richter, »Baxter für die Bischöfe? das ist in der That ein köstlicher Einfall! ich verstehe, was Ihr unter Bischöfen versteht, Schufte, wie Ihr selbst, Kidderminster-Bischöfe, revolutionäre, schnüffelnde Presbyterianer!« Noch einmal bemühte sich Baxter, zu Worte zu kommen, und wiederum schrie Jeffreys. »Richard, Richard, glaubst Du, wir werden Dir erlauben den Hof zu vergiften? Du bist ein alter Schurke, Richard, hast so viel Bücher geschrieben, daß man einen Wagen damit beladen könnte, und jedes Buch ist mit revolutionären Ideen angefüllt, wie ein Ei mit Flüssigkeiten! Bei der Gnade des Himmels, ich will mit Dir fertig werden. Wie ich bemerke, harrt eine große Anzahl Eurer Brüderschaft auf den Ausgang, um zu erfahren, welches Schicksal ihren Meister treffen wird. Und hier ist ein Doctor der Partei an Eurer Seite«, fuhr er fort, indem er mit wilden Blicken Bates betrachtete, »aber beim allmächtigen Gott, Ihr sollt alle der Vernichtung anheimfallen!«
Baxter schwieg, aber einer der jüngeren Advocaten, welchem die Vertheidigung zustand, machte einen letzten Versuch, um den Beweis zu liefern, daß die Worte, auf welche die Anklage gegründet war, die Auslegung nicht gestatteten, welche die Klagschrift angab. Zu diesem Behuf begann er den Inhalt derselben vorzulesen, aber sofort wurde er niebergebrüllt. »Ihr sollt den Gerichtshof in keinen Betsaal verwandeln!« Als Baxter's Freunde in lautes Weinen ausbrachen, nannte sie der Richter »blökende Kälber«.
Unter den Entlastungszeugen befanden sich auch mehrere Geistliche der Landeskirche, der Oberrichter aber wollte nichts hören. »Glaubt Eure Herrlichkeit«, fragte Baxter, »daß irgend eine Jury bei einem Verfahren wie das gegenwärtige den Angeklagten für schuldig erklären kann?« »Das versichere ich Euch, Mr. Baxter«, entgegnete Jeffreys, »tragt keine Sorge darum!« Jeffreys hatte wahr gesprochen, die Sheriffs waren Werkzeuge der Regierung, die Geschwornen von den Sheriffs aus den eifrigsten Anhängern der Torypartei genommen, und so beriethen sich diese nur wenige Augenblicke und sprachen dann das »Schuldig« aus. Als Baxter den Gerichtshof verließ, sagte er: »Mylord, es gab einst einen Oberrichter, der ganz anders mit mir umgegangen sein würde!« Er meinte seinen gelehrten und redlichen Freund, Sir Matthäus Hale. Jeffreys erwiderte: »Es giebt keinen anständigen Mann in England, der in Dir nicht einen Schurken erblicken wird!«[72]
Das Urtheil war für damalige Zeiten sehr mild. Was bei der Berathung unter den Richtern geschah, ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen. Die Nonconformisten glaubten, und wohl mit Recht, daß der Oberrichter von seinen drei Kollegen überstimmt worden sei. Derselbe soll den Vorschlag gemacht haben, Baxter durch London hin den Staupbesen geben zu lassen. Die Majorität war der Ansicht, daß ein vorzüglicher Geistlicher, dem vor einem Vierteljahrhundert eine Mitra geboten wurde und der jetzt siebzig Jahre zählte, mit Geldbuße und persönlicher Haft hinreichend bestraft sein würde.[73]
[Anmerkung 71: Baxter's Vorrede zu Sir Matthew Hale's +Judgment of the Nature of True Religion, 1684.+]
[Anmerkung 72: Man sehe den Observator vom 25. Februar 1685, die Klagschrift in der +Collection of State Trials+, den von Calamy im 14. Kap. von Baxter's Lebensbeschreibung gegebenen Bericht von den Ereignissen im Gerichtshof und die sehr interessanten Excerpte aus Baxter's Manuscripten in der von Orme 1830 herausgegebenen Lebensbeschreibung.]
[Anmerkung 73: +Baxter M.S.+ angeführt von Orme.]
[_Zusammentritt des schottischen Parlaments._] Die Behandlung, welche sich Baxter von einem Richter gefallen lassen mußte, der ein Mitglied des Kabinets war und sich der Gunst des Monarchen erfreute, beweist in nicht zu verkennender Art die Gesinnung, welche zu jener Zeit die Regierung gegen die protestantischen Nonconformisten hegte. Diese Stimmung aber hatte sich schon durch stärkere und entsetzlichere Andeutungen bemerkbar gemacht. Das schottische Parlament war zusammengetreten, Jakob hatte es sich angelegen sein lassen, die Versammlung dieser Körperschaft nach Kräften zu beschleunigen und die Sitzung der englischen Häuser in der Erwartung hinausgeschoben, daß das zu Edinburg gegebene Beispiel in Westminster eine vortheilhafte Wirkung äußern werde. Denn der gesetzgebende Körper im Norden seines Königreichs war so gefügig wie jene bretagnischen und burgundischen Provinzalstände, denen Ludwig XIV. noch immer mit einigen ihrer alten Rechte zu spielen erlaubte. Nur Bischöfliche hatten das Recht, im schottischen Parlamente zu sitzen oder auch nur hinein zu wählen, und in Schottland war ein Bischöflicher immer ein Tory. Von einer derartig constituirten Versammlung war für die Wünsche des Königs keine Opposition zu erwarten, und selbst diese Versammlung konnte ohne vorhergegangene Genehmigung von Seiten eines Ausschusses von Hofleuten kein Gesetz erlassen.
Jedes Verlangen der Regierung wurde ohne Widerspruch gewährt. In finanzieller Beziehung hatte die Freigebigkeit der schottischen Stände allerdings wenig Bedeutung, indeß gaben sie, was in ihren Kräften stand. Sie vereinigten für immer mit der Krone die Zölle, welche dem vorigen König zugestanden und damals auf vierzigtausend Pfund berechnet worden waren. Dann gewährten sie Jakob auf die Dauer seines Lebens eine Erhöhung seines Einkommens von zweihundertsechszehntausend schottischen Pfunden oder so viel wie achtzehntausend Pfund Sterling. Die ganze Summe, welche sie bewilligen konnten, bestand in jährlich etwa sechzigtausend Pfund, nicht viel mehr, als die Einnahme der englischen Schatzkammer in vierzehn Tagen betrug.[74]
Da wenig Geld zu ihrer Verfügung stand, so ersetzten die Stände diesen Mangel durch loyale Versicherungen und unmenschliche Gesetze. Der König verlangte in einem Schreiben, welches in heftiger Sprache verfaßt war und ihnen bei der Eröffnung der Sitzung vorgelesen wurde, sie möchten darauf bedacht sein, neue Strafgesetze gegen die widerspenstigen Presbyterianer zu beschließen, und bedauerte, daß er durch Geschäfte abgehalten sei, solche persönlich vom Throne aus in Vorschlag zu bringen. Seinen Befehlen wurde gehorcht. Rasch wurde ein von den Ministern der Krone entworfenes Gesetz angenommen, welches selbst unter den Gesetzen des unglücklichen Landes in jener traurigen Zeit an Abscheulichkeit nicht seines Gleichen hat. Es wurde in kurzen nachdrücklichen Worten verordnet, daß Jeder, der bei einer Betversammlung in einem Hause predigen, oder, gleichviel ob als Prediger oder als Zuhörer, an einem Conventikel unter freiem Himmel theilnehmen würde, mit Verlust seines Vermögens und dem Tode bestraft werden solle.[75]
[Anmerkung 74: +Act. Parl. Car. II. March 29. 1661+; +Jac. VII. April 28. 1685 & May 13. 1685.+]
[Anmerkung 75: +Act. Parl. Jac. VII., May 8. 1685+; +Observator, June 20. 1685.+ Lestrange hegte offenbar den Wunsch, daß man diesem Beispiele in England folgen möge.]
[_Gesinnungen Jakob's gegen die Puritaner._] Dieses Gesetz, welches auf Verlangen des Königs von der, seinem Willen gehorsamen Versammlung angenommen wurde, ist einer besonderen Beachtung werth. Unwissende Schriftsteller haben ihn oft als einen zwar unüberlegten und in der Wahl seiner Mittel rücksichtslosen Regenten, zugleich aber auch als einen Fürsten dargestellt, der es sich angelegen sein ließ, den edelsten Zweck eines solchen, die Begründung vollständiger religiöser Freiheit, zu erreichen. Es kann nicht in Abrede gestellt werden, daß einige Abschnitte in seinem Leben, wenn man sie von den anderen sondert und oberflächlich betrachtet, diese vortheilhafte Meinung von seinem Character zu bestätigen scheinen. Noch als Unterthan war er lange Jahre der Verfolgung ausgesetzt gewesen, und diese hatte ihre gewöhnliche Wirkung auf ihn nicht verfehlt; sein schwacher und beschränkter Geist hatte durch diese harte Schule gewonnen. Als er vom Hofe, der Admiralität und dem Geheimen Rathe ausgeschlossen war, als er sogar Gefahr lief, das Recht der Thronfolge zu verlieren, nur deshalb, weil er mit Überzeugung an die Transsubstantiation und an die Autorität des päpstlichen Stuhles glaubte, machte er so schnelle Fortschritte in den Lehren der Duldung, wie sie Milton und Locke nicht gekannt. Wie könne es ein größeres Unrecht geben, pflegte er zu sagen, als _Absichten_ mit Strafen zu belegen, die blos der _That_ gebührten, und wie unklug würde es sein, tüchtige Kriegsleute, Seemänner, Juristen, Diplomaten und Finanzmänner zurückzuweisen, blos weil sie eine falsche Meinung über die Anzahl der Sakramente und mehrfache Gegenwart der Heiligen hätten. Er wußte die Gemeinplätze auswendig, welche alle Sekten so geläufig wiederholen, wenn sie Verfolgung erdulden, und sofort vergessen, wenn es ihnen möglich wird, Vergeltung auszuüben. Und in der That wußte er seine Lektion so vortrefflich herzusagen, daß Diejenigen, welche ihn zufällig über diesen Gegenstand sprechen hörten, ihm viel mehr Einsicht und Redefertigkeit zutrauten, als er besaß. Seine Versicherungen täuschten einige gutherzige Personen und vielleicht sogar ihn selbst, aber sein Eifer für die Gewissensfreiheit verschwand mit der Herrschaft der Whigpartei. Als das Glück sich wendete und nicht länger zu besorgen war, daß er der Verfolgung Anderer ausgesetzt sein würde, es aber in seiner Macht stand, Andere zu verfolgen, machten sich seine wahren Neigungen bemerklich. Der Haß, den er gegen die puritanischen Sekten hegte, war mannigfaltig: theologisch und politisch, angeerbt und persönlich. Er sah in ihnen Feinde des Himmels, Feinde aller legitimen Gewalt in Staat und Kirche, Feinde seiner Urgroßmutter, seines Großvaters, seiner Eltern, seines Bruders und seiner selbst; er, der sich so bitter über die Gesetze gegen Papisten beklagte, behauptete jetzt, er begreife nicht, wie man die Frechheit haben könne, auf Zurücknahme der den Puritanern entgegenstehenden Verordnungen anzutragen.[76] Er, dessen Lieblingsthema die Ungerechtigkeit gewesen war, von Staatsdienern Religionseide zu verlangen, führte während seines Aufenthalts in Schottland dort den strengsten Religionseid ein, den man jemals im Lande gekannt hatte;[77] er, der seinen begründeten Unwillen aussprach, als man die Priester seines eigenen Glaubens hängte und viertheilte, hatte, sein Vergnügen daran, das Jammergeschrei der Covenanters zu hören und die schmerzlichen Windungen ihres Körpers anzusehen, indem ihre Kniee in den spanischen Stiefeln zerquetscht wurden.[78] In dieser Stimmung bestieg er den Thron, und ohne Zögerung beanspruchte und erhielt er von den unterwürfigen schottischen Ständen als überzeugendsten Beweis ihrer Loyalität das blutigste Gesetz, welches jemals auf unseren Inseln gegen protestantische Nonconformisten erlassen worden ist.
[Anmerkung 76: Seine eignen Worte, berichtet von ihm selbst. +Clarke's Life of James the Second, I. 656. Orig. Mem.+]
[Anmerkung 77: +Act. Parl. Car. II. August 31. 1681.+]
[Anmerkung 78: +Burnet I. 583+; +Wodrow III. v. 2.+ Leider fehlen die Acten des schottischen Geheimen Rathes während der ganzen Verwaltung des Herzogs von York.]
[_Grausame Behandlung der schottischen Covenanters._] Mit diesem Gesetz stand der Geist seiner Verwaltung in vollständigem Einklang. Die grausame Verfolgung, welche während seiner Statthalterschaft in Schottland wüthete, wurde von dem Tage seiner Thronbesteigung an noch heftiger. Diejenigen Grafschaften, in denen die meisten Covenanters lebten, wurden der Zügellosigkeit des Heeres preisgegeben. Unter der Armee befand sich eine Miliz, welche aus den wildesten und verworfensten Subjekten Derjenigen gebildet war, welche sich Episcopalen nannten. Hervorragend unter den Banden, welche diese unglücklichen Distrikte unterdrückten und verwüsteten, waren die Dragoner, welche unter dem Befehle Jakob Graham's von Claverhouse standen. Man behauptete, daß diese verworfenen Menschen bei ihren Zechgelagen um die Höllenstrafen spielten, und sich unter einander mit den Namen von Teufeln und verdammten Seelen zu benennen pflegten.[79] Der Anführer dieser Hölle auf Erden, ein durch Muth und Geschicklichkeit in seinem Berufe ausgezeichneter Soldat, jedoch räuberisch, ruchlos, von heftiger Gemüthsart und Hartherzigkeit, hat einen Namen hinterlassen, der überall auf Erden, wo der schottische Stamm sich angesiedelt hat, mit untilgbarem Hasse genannt wird. Es würde eine nicht zu lösende Aufgabe sein, wollte man alle die Unthaten aufzählen, durch welche dieser Mann und seine Rotte die Landleute des westlichen Niederlandes zur Verzweiflung trieb. Wenige Beispiele mögen hinreichen, und dieselben sollen aus einem Zeitraume von nur zwei Wochen genommen werden, jenen zwei Wochen, in denen auf Jakob's dringendes Ansuchen das schottische Parlament ein neues Gesetz von unerhörter Strenge gegen die Dissenters erließ.
Johann Brown, ein armer Fuhrmann in Lanarkshire, wurde wegen seiner besonderen Frömmigkeit insgemein der christliche Fuhrmann genannt. Nach vielen Jahren, als Ruhe, Wohlstand und religiöse Freiheit nach Schottland zurückgekehrt waren, schilderten ihn hochbejahrte Leute, die sich jener traurigen Zeit erinnerten, als einen in göttlichen Dingen bewanderten Mann, unbescholten im Leben und so friedfertig, daß die Tyrannen nichts Unrechtes an ihm auffinden konnten, außer daß er den öffentlichen Gottesdienst der Episcopalen nicht besuchte. Am 1. Mai arbeitete er in einer Torfgrube, als er von den Claverhouse'schen Dragonern ergriffen, eilig verhört, der Nonconformität überführt und zum Tode verurtheilt wurde. Selbst unter den Soldaten soll sich keiner zur Vollstreckung des Urtheils haben entschließen können, denn die Frau des unglücklichen Mannes war zugegen. Sie führte ein kleines Kind an der Hand, und man sah, daß sie nahe daran war, ein andres zur Welt zu bringen. Die wilden, herzlosen Menschen, die einander mit den Beinamen Apollyon und Beelzebub belegten, schauderten vor der Ruchlosigkeit zurück, den Mann vor den Augen der Gattin abzuschlachten. Der Gefangene, durch die nahe Aussicht auf die Ewigkeit erhoben, betete laut und inbrünstig wie in Begeisterung, bis Claverhouse in Wuth gerathend ihn niederschoß. Glaubwürdige Zeugen berichteten, daß die Wittwe in ihrem tiefen Schmerze ausrief: »Gut, Herr, gut, der Tag der Rechenschaft wird kommen!« worauf der Mörder entgegnete: »Was ich gethan, kann ich vor Menschen verantworten, mit Gott will ich schon fertig werden!« Doch ging die Sage, daß selbst auf sein verhärtetes Gewissen und unmenschliches Herz die Sterbegebete seines Opfers einen Eindruck machten, der sich nimmer verwischen ließ.[80]
Am 5. Mai wurden zwei Handwerker, Peter Gillies und John Bryce in Ayrshire durch ein Kriegsgericht verurtheilt, welches aus fünfzehn Soldaten zusammengesetzt war. Die Anklage ist noch vorhanden. Man beschuldigte die Gefangenen nicht etwa einer revolutionären Handlung, sondern daß sie denselben verderblichen Lehren huldigten, welche Andere zum Aufruhr veranlaßt hätten, und es nur an Gelegenheit gefehlt habe, ihnen gemäß zu handeln. Das Verfahren war summarisch. Einige Stunden später waren die beiden Angeklagten überführt, gehängt und ihre Leichname in ein Loch unter dem Galgen geworfen.[81]
Der 11. Mai zeichnete sich durch mehr als ein großes Verbrechen aus. Einige strenge Calvinisten hatten aus der Lehre von der Verwerfung den Schluß gezogen, daß das Gebet für eine Person, welche zur Verdammniß bestimmt wäre, eine Handlung der Auflehnung gegen die ewigen Beschlüsse des Allmächtigen sei. Drei arme Arbeitsleute, welche von diesem herzlosen Glauben tief überzeugt waren, wurden nahe bei Glasgow von einem Offizier verhaftet, und gefragt, ob sie für König Jakob VII. beten wollten. Sie weigerten sich dessen, es wäre denn, daß er zu den Auserwählten gehöre. Eine Abtheilung Musketiere traten vor, die Gefangenen knieten nieder, man verband ihnen die Augen, und eine Stunde nach ihrer Festnehmung leckten die Hunde ihr Blut vom Boden.[82]