Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe

Chapter 21

Chapter 213,436 wordsPublic domain

In Cheshire währte der Kampf sechs Tage. Die Whigs hatten ungefähr siebzehnhundert Stimmen, die Tories etwa zweitausend. Das niedere Volk stand entschieden auf Seiten der Whigs, schrie: »Nieder mit den Bischöfen!« beleidigte die Geistlichen auf den Straßen von Cheshire, schlug einen Gentleman von den Tories zu Boden, zertrümmerte die Fenster und prügelte die Constabler. Man rief die Miliz unter die Waffen, um dem Tumult ein Ende zu machen, und ließ sie beisammen, um die Festlichkeiten der siegreichen Partei zu schützen. Als die Abstimmung vorüber war, verkündete eine Salve aus fünf schweren Geschützen vom Schlosse der umliegenden Gegend den Sieg der Kirche und der Krone, die Glocken ertönten und die neugewählten Abgeordneten zogen feierlich, begleitet von einem Musikcorps und einem langen Zuge von Rittern und Squires zu dem Stadtkreuz, Auf ihrem Wege sang die Prozession »Heil dem großen Cäsar«, eine loyale Ode, die Durfey kürzlich gedichtet und die, wie alle literarischen Erzeugnisse desselben, zwar sehr jämmerlich, aber trotzdem damals nicht weniger beliebt war, als einige Jahre später das Lillibullero.[54] Die Milizen standen in Parade um das Kreuz, ein Freudenfeuer loderte empor, die Ausschließungsbill ward verbrannt und unter lautem Jubelgeschrei auf das Wohl König Jakob's getrunken. Am folgenden Tage, einem Sonntage, bildete am frühen Morgen die Miliz auf den Straßen, welche nach der Kathedrale führten, ein Spalier. Die beiden Abgeordneten der Grafschaft wurden von den Magistratspersonen der Stadt mit großem Pomp nach dem Chor geführt, hörten eine Predigt des Dechanten -- vermuthlich über die Pflicht des passiven Gehorsams -- mit an, und wurden sodann von dem Mayor zu einem feierlichen Mahle gezogen.[55]

In Northumberland war der Sieg Sir Johann Fenwick's, eines Hofmanns, dessen Name später eine traurige Berühmtheit erlangte, von Umständen begleitet, welche in London Aufsehen erregten und für wichtig genug gehalten wurden, in den Depeschen fremder Minister erwähnt zu werden. Newcastle war durch brennende Holzstöße erleuchtet und von den Thürmen schallte das fröhliche Geläute der Glocken. Eine Copie der Ausschließungsbill und ein schwarzes Kästchen, ähnlich demjenigen, welches nach der Volkssage den Heirathsvertrag zwischen Karl II. und Lucie Walters umschließen sollte, wurde öffentlich unter lautem Jubelrufe in die Flammen geworfen.[56]

Das allgemeine Resultat der Wahlen übertraf die kühnsten Erwartungen des Hofes. Voller Freude entdeckte Jakob, daß es nicht nothwendig sei, auch nur einen Heller zur Erkaufung von Stimmen zu zahlen; er sagte, mit Ausnahme von etwa vierzig Personen wäre das Haus genau so zusammengesetzt, wie er selbst es gewählt haben würde,[57] und nach damaligem Gesetze stand es völlig in seiner Macht, dieses Haus der Gemeinen für die ganze Dauer seiner Regierung zu behalten.

Des parlamentarischen Beistandes gewiß konnte er nun daran denken, sich dem Rachegefühl hinzugeben. Er war nicht versöhnlicher Natur, und als er noch Unterthan war, hatte er verschiedene Male Beleidigungen und Beschimpfungen erduldet, welche selbst ein zur Versöhnung geneigtes Gemüth zu heftiger und nachhaltiger Rachsucht aufregen konnten. Namentlich hatte _eine_ Klasse von Menschen mit beispielloser und unbeschreiblicher Niederträchtigkeit und Grausamkeit seine Ehre und sein Leben bedroht: die Zeugen des Complots. Es war zu verzeihen, wenn er Haß gegen sie fühlte, da noch heute die Erwähnung ihrer Namen den Abscheu und das Grausen aller Secten und Parteien hervorruft.

Einige dieser Elenden waren bereits dem Arme menschlicher Gerechtigkeit entrückt. Bedloe war in seiner Verruchtheit gestorben, ohne jedes Zeichen von Reue oder Scham.[58] Auch Dugdale war ins Grab gesunken, zum Wahnsinn getrieben, wie man sagte, durch die Qualen des bösen Gewissens, und mit Jammergeschrei die Umstehenden anflehend, Lord Stafford von seinem Sterbelager zu entfernen.[59] Auch Carstairs war gestorben. Er endete mit Grauen und Verzweiflung, und in den letzten Augenblicken seines Lebens hatte er den Wärtern geboten, man solle ihn, wie einen Hund, in einen Graben werfen, denn er verdiene kein Grab auf einem christlichen Friedhofe.[60]

[Anmerkung 49: Es ließe sich leicht ein Band füllen mit dem, was Geschichtschreiber und Verfasser von Flugschriften über diesen Gegenstand gesagt haben. Ich will nur einen Zeugen nennen, einen Kirchenmann und Tory. Von den Wahlen, sagt Evelyn, behaupte man, daß sie in den meisten Orten höchst unschicklich vor sich gingen. Gott gebe einen bessern Erfolg, als Manche erwarten (10. Mai 1685). Dann sagt er: »Es ist die Wahrheit, daß unter den neuen Mitgliedern sich viele befinden, deren Wahlen und Abordnungen allgemein verdammt werden.« (22. Mai.)]

[Anmerkung 50: Aus einem Neuigkeitsbriefe in der Bibliothek des königlichen Instituts. Citters erwähnt die Stärke der Whigpartei in Bedfordshire.]

[Anmerkung 51: +Bramston's Memoirs.+]

[Anmerkung 52: +Reflexions on a Remonstrance and Protestation of all the good Protestants of this Kingdom, 1689+; +Dialogue between Two Friends 1689.+]

[Anmerkung 53: +Memoirs of the Life of Thomas Marquess of Wharton, 1715.+]

[Anmerkung 54: Man sehe den Guardian Nr. 67, ein treffliches Probestück von Addison's eigenthümlicher Manier. Es würde nicht leicht sein, bei einem andren Schriftsteller einen solchen Beweis von Wohlwollen, mit Spott gewürzt, aufzufinden.]

[Anmerkung 55: +The Observator, April 4. 1685.+]

[Anmerkung 56: Depesche des holländischen Gesandten v. 10.(20.) April 1685.]

[Anmerkung 57: +Burnet I. 626.+]

[Anmerkung 58: +A faithful account of the Sickness, Death and Burial of Captain Bedlow, 1680+; +Narrative of Lord Chief Justice North.+]

[Anmerkung 59: +Smith's Intrigues of the Popish Plot, 1685.+]

[Anmerkung 60: +Burnet I. 439.+]

[_Prozeß gegen Oates._] Oates und Dangerfield aber befanden sich noch im Bereiche des strengen Fürsten, den sie beleidigt hatten. Kurz vor seinem Regierungsantritte hatte Jakob eine Civilklage gegen Oates wegen ehrverletzender Äußerungen erhoben und eine Jury hatte den Schadenersatz auf den ungeheuren Betrag von hunderttausend Pfund festgestellt. Der Beklagte war in Arrest genommen worden und befand sich jetzt ohne Hoffnung auf Befreiung im Gefängniß. Einige Wochen vor Karl's Tode hatte die große Jury von Middlesex ihn zweimal des Meineides schuldig befunden, und bald nach dem Schlusse der Wahlen nahm der Prozeß seinen Anfang.[61]

Oates war unter den höheren und mittleren Klassen kaum ein Freund geblieben. Alle einsichtsvolleren Whigs hatten jetzt die Überzeugung, daß, wenn auch seiner Erzählung einige Thatsachen zu Grunde lägen, er doch auf diese Grundlage ein großes Gebäude romantischer Darstellungen errichtet habe. Eine nicht unbedeutende Anzahl von Fanatikern aus der niederen Volksklasse sahen in ihm jedoch noch immer einen öffentlichen Wohlthäter. Diesen Leuten war es nicht unbekannt, daß sein Urtheil ein höchst strenges sein würde, wenn es gelang, ihm seine Schuld zu beweisen, und sie waren daher unermüdlich in ihren Versuchen, ihm zur Flucht zu verhelfen. Obgleich er sich jetzt nur in Schuldhaft befand, wurde er doch von den Beamten des Gefangenhauses in Eisen gelegt und selbst auf diese Art nur mit großer Mühe in sicherem Gewahrsam erhalten. Ein Bullenbeißer, welcher als Wächter vor seiner Thür lag, wurde vergiftet und in der Nacht vor dem Beginn seines Prozesses eine Strickleiter in seine Zelle gebracht.

An dem Tage, wo er vor Gericht gestellt wurde, war Westminsterhall überfüllt von Zuschauern, worunter viele Katholiken, die begierig waren, das Elend und die Erniedrigung ihres Verfolgers zu betrachten.[62] Vor wenigen Jahren war sein kurzer Hals, seine krummen Dachsbeine, seine Stirn, so zusammengedrückt wie die eines Pavians, seine dunkelrothen Wangen und die seltsame Länge seines Kinnes Allen wohlbekannt, welche die Gerichtshöfe betraten; damals war er der Abgott des Volkes, wo er sich zeigte, hatte man vor ihm das Haupt entblößt, das Leben und die Güter der ersten Männer des Reichs waren seiner Willkür preisgegeben; jetzt war es anders geworden, und Viele, die früher in ihm den Befreier des Vaterlandes erblickten, erfaßte jetzt ein Grausen, als sie die scheußlichen Züge erblickten, auf welche die Hand Gottes den Stempel der Schurkerei gedruckt zu haben schien.[63]

Es war bis zur größten Gewißheit erwiesen, daß dieser Mann durch falsche Beschuldigungen mit Absicht mehrere unschuldige Personen um's Leben gebracht hatte. Vergeblich bat er die bedeutendsten Mitglieder des Parlaments, welche ihn belohnt und erhoben hatten, zu seinem Gunsten Zeugniß abzulegen, einige von den Aufgeforderten verließen den Saal, keiner aber machte den geringsten Versuch zu seiner Vertheidigung. Einer, der Earl von Huntingdon, machte ihm die heftigsten Vorwürfe, daß er die Häuser betrogen und die Schuld auf sie geladen habe, unschuldiges Blut zu vergießen. Die Richter ließen den Angeklagten hart an und schmähten ihn mit einer Leidenschaftlichkeit, welche selbst in den scheußlichsten Fällen mit der richterlichen Würde sich nicht verträgt. Er zeigte jedoch weder Furcht noch Scham und ertrug die Fluth von Schmähungen, welche von den Schranken, der Richterbank und Zeugenloge auf ihn losbrach, mit dem Trotze der Verzweiflung. Er wurde beider Anklagen schuldig befunden. Sein Verbrechen war zwar, vom moralischen Standpunkte angesehen, Mord der schwersten Art, nach dem Gesetz jedoch noch kein peinliches Verbrechen. Es lag aber in der Absicht des Tribunals, seine Strafe empfindlicher zu machen, als sie Verbrechern der ersten und zweiten Klasse zu Theil wurde, und ihm nicht blos das Leben zu rauben, sondern ihn auch unter entsetzlichen Qualen zu tödten. Es wurde das Urtheil über ihn ausgesprochen, er solle, seiner geistlichen Tracht entkleidet, im Palasthofe an den Pranger gestellt werden, alsdann sollte man ihn -- mit einer Inschrift, welche seine Schandthaten aussprach, über seinem Haupte -- um Westminsterhall führen, der königlichen Börse gegenüber wieder an den Pranger stellen und alsdann von Oldgate nach Newgate peitschen. Nach einer Pause von zwei Tagen sollte er wieder von Newgate nach Tyburn gepeitscht werden. Wenn er gegen alle Wahrscheinlichkeit nach dieser entsetzlichen Strafe noch lebte, so sollte er lebenslänglich -- in enger Kerkerhaft bleiben, in jedem Jahre aber fünfmal aus dem Gefängniß gebracht und in verschiedenen Theilen der Hauptstadt an den Schandpfahl gestellt werden.[64]

Das schreckliche Urtheil wurde streng vollstreckt. An dem Tage, wo Oates am Pranger stand, wurde er unbarmherzig gesteinigt und war in größter Gefahr, zerrissen zu werden.[65] In der City erregten zwar seine Anhänger, die sich in bedeutender Anzahl versammelt hatten, einen Tumult und warfen den Pranger um; aber es gelang ihnen nicht, ihren Liebling zu befreien.[66]

Man besorgte, er würde einen Versuch machen, dem schrecklichen Schicksale, welches seiner harrte, sich durch Gift zu entziehen, deshalb wurde Alles, was er genoß, einer sorgfältigen Prüfung unterworfen. Am nächsten Morgen wurde er vorgeführt, um die erste Auspeitschung zu empfangen, und schon in der frühesten Stunde wogten die Menschenmassen in den Straßen zwischen Oldgate und der Old Bailey. Der Henker führte die Peitsche mit solcher Erbarmungslosigkeit, daß man wohl sah, er habe ganz besondere Befehle erhalten. Das Blut strömte an dem Verbrecher herab. Eine Zeit lang zeigte er eine außerordentliche Standhaftigkeit, bis endlich seine hartnäckige Ausdauer erlag. Sein Geheul war fürchterlich, er fiel mehrere Male in Ohnmacht, aber die Peitsche hörte nicht auf, ihn zu zerfleischen. Als er losgebunden wurde, schien er das Äußerste ertragen zu haben, was ein menschlicher Körper bis zur Auflösung auszuhalten vermag. Jakob wurde gebeten, die zweite Auspeitschung zu unterlassen, aber seine Antwort war kurz und bündig: »Man soll damit fortfahren, so lange er noch Athem im Leibe hat!« Ein Versuch, die Verwendung der Königin für den Unglücklichen zu erlangen, mißglückte gleichfalls, indem sie sich entrüstet weigerte, ein Wort zu Gunsten eines solchen Elenden zu verlieren. Nach einer Pause von achtundvierzig Stunden wurde Oates wiederum aus dem Gefängniß herbeigeholt. Er war nicht mehr fähig, sich auf den Füßen zu erhalten, so daß es nöthig wurde, ihn auf einer Schleife nach Tyburn zu schleppen. Wie es schien, hatte er nicht die geringste Empfindung, und die Tories versicherten, daß er sich durch den Genuß starker Getränke betäubt habe. Eine Person, welche die Schläge, welche er am zweiten Tage empfing, gezählt hat, versicherte, daß er deren siebzehnhundert erhalten. Der elende Mensch kam mit dem Leben davon, jedoch mit so genauer Noth, daß seine beschränkten und bigotten Anhänger seine Genesung für ein Wunder hielten und dieselbe als einen Beweis seiner Schuldlosigkeit anführten. Die Thür des Gefängnisses fiel hinter ihm ins Schloß und viele Monate lang lag er gefesselt in dem finstersten Kerker von Newgate. Man versicherte, daß er in seiner Zelle gänzlich der Schwermuth anheimfiel und, tiefe Seufzer ausstoßend, die Arme verschlungen und den Hut über die Augen gezogen, Tage lang vor sich hinbrütete. Nicht blos England nahm an diesen Ereignissen regen Antheil. Millionen Katholiken, welche weder von unseren Institutionen, noch unseren Parteien etwas wußten, hatten erfahren, daß auf unsrer Insel die Bekenner des wahren Glaubens einer unmenschlichen Verfolgung ausgesetzt gewesen wären, daß viele fromme Männer den Märtyrertod erlitten und Titus Oates das Haupt der Mörderbande gewesen sei; daher entstand großer Jubel in fernen Landen, als man erfuhr, daß Gottes Gericht ihn getroffen habe. Kupferstiche, welche ihn am Schandpfahl und auf der Schleife sich windend darstellten, verbreiteten sich über das ganze Europa und Epigrammenschreiber machten in allen Sprachen ihre Witze über den Doctortitel, welchen er von der Universität zu Salamanca erlangt haben wollte, und bemerkten, da seine Stirn nicht mehr des Erröthens fähig sei, so wäre es ganz in der Ordnung, daß sein Rücken dazu gebracht werde.[67]

Obgleich die Leiden des Oates entsetzlich waren, so standen sie doch zu seinen Verbrechen in keinem Verhältniß. Das alte englische Gesetz, welches außer Gebrauch gekommen war, behandelte den falschen Zeugen, der durch seinen Meineid den Tod eines Menschen verursachte, als Mörder.[68] Es verrieth das eben so viel Weisheit wie Gerechtigkeit, denn ein solcher Zeuge ist in der That ein höchst gefährlicher Mörder. Mit dem Verbrechen, unschuldiges Blut zu vergießen, vereinigt er die schwere Schuld, die heiligste Verpflichtung zu verletzen, welche der Mensch seinem Mitmenschen gegenüber eingehen kann, und Gerichtsstellen, auf die das Volk nothwendig mit Ehrerbietung und Vertrauen blicken muß, zu Werkzeugen abscheulichen Unrechts und Gegenständen des allgemeinen Mißtrauens zu machen. Das Unglück, welches durch einen gewöhnlichen Meuchelmord herbeigeführt wird, steht in keinem Verhältniß zu dem Unglück, welches ein Meuchelmord erzeugt, bei dessen Ausübung die Gerichtshöfe als Helfershelfer mitgewirkt haben. Die bloße Vernichtung des Menschenlebens ist der unbedeutendste Theil von dem, was eine Hinrichtung entsetzlich macht. Die verlängerte Seelenangst des Delinquenten, die Schande und das Unglück seiner Angehörigen, die bis zur dritten und vierten Generation nachwirkende Schmach, das sind viel schrecklichere Dinge, als der Tod selbst. Man kann mit Gewißheit annehmen, daß der Vater einer zahlreichen Familie lieber alle seine Kinder durch ein böses Geschick oder Krankheit verlieren würde, als ein einziges durch die Hand des Henkers. Mord, durch falsches Zeugniß herbeigeführt, ist daher die schwerste Art des Mordes, und Oates hatte sich vieler solcher Morde schuldig gemacht; dennoch läßt sich die Strafe, mit welcher er belegt wurde, nicht rechtfertigen. Indem ihn die Richter verurtheilten, das geistliche Gewand abzulegen und auf Lebenszeit im Kerker zu schmachten, scheinen sie über ihre gesetzliche Berechtigung hinausgegangen zu sein. Sie waren ohne Zweifel befugt, ihn zur Auspeitschung zu verurtheilen, auch hatte das Gesetz die Anzahl der Hiebe nicht bestimmt; vollkommen verständlich war aber der Geist des Gesetzes, daß kein peinliches _Vergehen_ strenger bestraft werden dürfte, als ein scheußliches Verbrechen. Der schwerste Verbrecher konnte blos zum Galgen verurtheilt werden, die Richter jedoch verurtheilten den Oates -- wie sie wenigstens glaubten -- zum Tode durch die Peitsche. Die Mangelhaftigkeit des Gesetzes bietet keine genügende Entschuldigung, denn mangelhafte Gesetze müssen durch die gesetzgebende Gewalt geändert und nicht von den Gerichtshöfen ausgedehnt werden, am wenigsten aber sollte man ein Gesetz mißbrauchen, um Qualen zu verursachen und Leben zu vernichten. Daß Oates ein Schurke war, entschuldigt nicht ausreichend, denn in der Regel erdulden zuerst die Schuldigen solche Unbilden, welche man nachher als Vorgänge benutzt, um die Unschuldigen zu unterdrücken. So war es in diesem Falle. Die unbarmherzige Anwendung der Peitsche wurde sehr bald eine Strafe für unbedeutende politische Vergehen. Man verurtheilte wegen unüberlegter Äußerungen gegen die Regierung Menschen zu solchen Martern, daß sie in vollem Ernste baten, man möchte sie lieber eines Capitalverbrechens anklagen und an den Galgen schicken. Glücklicherweise wurde diesem großen Übel sehr bald durch die Revolution und durch den Artikel der »Bill der Rechte«, welche alle grausamen und ungewöhnlichen Strafen verwirft, eine Ende gemacht.

[Anmerkung 61: Man sehe die Verhandlungen in der +Collection of State Trials.+]

[Anmerkung 62: +Evelyn's Diary, May 7, 1685.+]

[Anmerkung 63: Es giebt noch verschiedene Portraits von Oates. Die richtigsten Schilderungen seiner Person finden sich in +North's Examen, 225+; in +Dryden's Absalom and Achitophel+ und in einem Folioblatt unter dem Titel: +A Hue and Cry after T. O.+]

[Anmerkung 64: Die Verhandlungen sind ausführlich in der Sammlung der Staatsprozesse zu finden.]

[Anmerkung 65: +Gazette de France, May 29. (Juni 9.) 1685.+]

[Anmerkung 66: Depesche des holländischen Gesandten, 19.(29.) Mai 1685.]

[Anmerkung 67: +Evelyn's Diary, May 22. 1685+; +Eachard III. 741+; +Burnet, I. 637+; +Observator, May 27. 1685+; +Oates's #Eikôn brotoloigou#, 1697+; +Commons' Journals, May, June and July, 1689+; +Tom Brown's Advice to Dr. Oates.+ Einige interessante Umstände werden auf einem Foliobogen im Verlag von A. Brooks, Charing Croß, 1685, erwähnt. Ebenso habe ich damals erschienene französische und italienische Flugschriften gesehen, welche die Geschichte des Prozesses und der Strafvollstreckung enthielten. Ein Kupferstich, worauf Titus am Pranger abgebildet ist, erschien zu Mailand mit folgender wunderlicher Inschrift: +Questo e il naturale ritratto di Tito Otez o vero Oatz, Inglese, posto in berlina, uno de, principali professori della religione protestante acerrimo persecutore de Cattolici e gran spergiuro.+ Ebenso ist mir ein holländischer Kupferstich mit seiner Bestrafung vorgekommen, worauf einige lateinische Verse stehen, von denen ich hier eine Probe gebe:

+»At Doctor Fictus non Fictos pertulit ictus, A tortore datos haud molli in corpore gratos, Disceret ut vere scelera ob commissa rubere.«+

Das Anagram seines Namens: +»Testis Ovat«+ ist auf vielen in den verschiedenen Ländern erschienenen Stichen zu finden.]

[Anmerkung 68: +Blackstone's Commentaries, Chapter of Homicide.+]

[_Prozeß gegen Dangerfield._] Die Schurkerei des Dangerfield hatte nicht wie die des Oates viele unschuldige Opfer vernichtet, indem Dangerfield das Geschäft eines falschen Zeugen erst zu betreiben anfing, als das Complot bereits seine Wichtigkeit verloren und die Geschwornen ungläubig geworden waren.[69] Man stellte ihn nicht wegen Meineids, sondern wegen des geringern Vergehens, eine Schmähschrift verfaßt zu haben, vor Gericht. Während der Aufregung, welche die Ausschließungsbill hervorrief, hatte er eine Erzählung in Umlauf gebracht, worin einige unwahre und heimtückische Beschuldigungen gegen den vorigen und den jetzigen König enthalten waren; in Folge dieser Veröffentlichung wurde er jetzt, nach Ablauf von fünf Jahren, plötzlich verhaftet, vor den Geheimen Rath gebracht, verhört, für schuldig erklärt und verurtheilt, von Oldgate nach Newgate und von da nach Tyburn gepeitscht zu werden. Der Unglückliche behauptete während der Verhandlungen eine große Keckheit, als ihm aber sein Urtheil bekannt gemacht wurde, erfaßte ihn die äußerste Verzweiflung, er betrachtete sein Leben als verloren und wählte einen Text zu seiner Leichenpredigt. Er hatte richtig geahnet. Wenn er auch nicht so ganz unmenschlich gepeitscht wurde wie Oates, so besaß er auch nicht dessen körperliche und geistige Kraft. Nach erlittener Strafe wurde Dangerfield in eine Miethkutsche gebracht und nach dem Gefängniß zurücktransportirt. Als er an der Ecke von Hatton Garden vorüberkam, hielt ein Tory von Gray's Inn, mit Namen Francis, den Wagen an und rief mit brutaler Übermüthigkeit: »Nun Freund, ist es Euch diesen Morgen nicht warm geworden?« Der blutbedeckte Gefangene, durch diesen Hohn zur Wuth gebracht, antwortete mit einem Fluche; da schlug ihn Francis sofort mit einem Rohrstocke über das Gesicht und verletzte ihm das Auge. Dangerfield wurde mit dem Tode ringend nach Newgate gebracht. Diese schändliche Gewaltthätigkeit empörte die Umstehenden dermaßen, daß sie Francis ergriffen und nur mit größter Mühe zurückgehalten wurden, ihn in Stücken zu reißen. Der Anblick von Dangerfield's Körper, den die Peitsche entsetzlich zerfleischt hatte, ließ Viele glauben, daß sein Tod vorzüglich, wenn auch nicht allein durch die Peitschenhiebe verursacht worden sei; die Regierung aber und der Oberrichter hielten es für gut, die ganze Schuld auf Francis zu laden, dem man, obgleich er im schlimmsten Falle nur eines Todtschlags unter erschwerenden Umständen schuldig gewesen zu sein scheint, wegen Mordes den Prozeß machte und ihn hinrichten ließ. Seine letzte Rede ist ein höchst merkwürdiges Denkmal der Sitten jener Zeit. Der wilde Geist, der ihn an den Galgen brachte, blieb ihm bis zum letzten Augenblick. Prahlerische Versicherungen seiner Loyalität und Schimpfreden auf die Whigs wechselten ab mit Abschiedsseufzern, womit er seine Seele der Gnade des Himmels empfahl. Es circulirte ein Gerücht, daß Dangerfield, der ein schöner Mann war und im Rufe der Galanterie stand, von Francis' Weibe geliebt worden sei, und man behauptete, die Eifersucht habe den verhängnißvollen Schlag geführt. Der dem Tode geweihte Ehemann nahm mit einem halb komischen, halb rührenden Eifer die Ehre seiner Gattin in Schutz. »Sie ist ein tugendhaftes Weib aus einem loyalen Geschlecht«, sagte er, »und wenn sie die Absicht gehabt hätte, ihr eheliches Gelübde zu brechen, so würde sie wenigstens einen Tory und Anhänger der Landeskirche zu ihrem Geliebten gewählt haben.«[70]

[Anmerkung 69: Nach Roger North entschieden die Richter, daß Dangerfield, der früher des Meineids überführt wurden, der Zeugenschaft in der Verschwörungsgeschichte unfähig sei. Das ist aber eines der vielen Beispiele von Roger's Ungenauigkeit. Aus einem Berichte über den Prozeß des Lord Castlemaine im Juli 1680 geht hervor, daß nach vielen Debatten unter den Sachwaltern und langer Berathung unter den Richtern der verschiedenen Gerichtshöfe in Westminsterhall Dangerfield vereidet wurde und seine Erzählung vortragen durfte; die Jury aber schenkte ihm vernünftiger Weise keinen Glauben.]