Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe

Chapter 11

Chapter 113,272 wordsPublic domain

[_Die Diligencen._] Die öffentlichen Reisegelegenheiten waren neuerdings sehr verbessert worden. Während der ersten Jahre nach der Restauration war die Diligence zwischen London und Oxford zwei Tage unterwegs, und in Beaconsfield wurde übernachtet. Im Frühjahr 1669 ward endlich eine wichtige und kühne Neuerung versucht. Es wurde angekündigt, daß ein Wagen, den man die »fliegende Kutsche« nannte, die ganze Reise zwischen Aufgang und Untergang der Sonne machen werde. Das muthige Unternehmen ward von den Häuptern der Universität feierlich berathen und genehmigt und erregte damals das Interesse in gleichem Maße, wie heutzutage die Eröffnung einer neuen Eisenbahn. Der Vicekanzler bestimmte in einer an allen Straßenecken angeschlagenen Bekanntmachung Ort und Stunde der Abfahrt. Der Versuch gelang vollkommen. Um sechs Uhr Morgens fuhr der Wagen von dem Platze vor dem Allerseelen-Collegium in Oxford ab, und um sieben Uhr Abends stiegen die muthigen Gentlemen, welche die gefährliche Reise zuerst gewagt hatten, wohlbehalten am Thore ihres Gasthofes in London aus.[119] Dadurch wurde der Wetteifer der Schwesteruniversität rege gemacht, und bald war eine Diligence eingerichtet, welche die Passagiere ebenfalls in einem Tage von Cambridge nach London brachte. Zu Ende der Regierung Karl's II. fuhren dreimal wöchentlich solche fliegende Kutschen von London nach den wichtigsten Provinzialstädten. Aber keine Diligence und selbst kein Frachtwagen scheint weiter nach Norden als bis York und weiter nach Westen als bis Exeter gefahren zu sein. Eine Eilkutsche machte im Sommer gewöhnlich ungefähr funfzig Meilen den Tag; im Winter aber, wo die Wege schlecht und die Nächte lang waren, wenig mehr als dreißig. Die Diligencen von Chester, York und Exeter erreichten während der schönen Jahreszeit London gewöhnlich in vier Tagen, um Weihnachten aber nicht vor dem sechsten Tage. Die Passagiere, sechs an der Zahl, saßen alle im Innern des Wagens, denn es kamen so häufig Unfälle vor, daß es lebensgefährlich gewesen wäre, die Imperiale zu besteigen. Das gewöhnliche Fahrgeld betrug im Sommer etwa dritthalb Pence auf die Meile, im Winter etwas mehr.[120]

Diese Art zu reisen, welche der Engländer unserer Tage als unerträglich langsam betrachtet haben würde, dünkte unseren Vorfahren wunderbar, ja erschreckend schnell. In einem wenige Monate vor dem Tode Karl's II. erschienen Werke werden die Eilkutschen als alle ähnlichen Fuhrwerke, die die Welt je gesehen, weit übertreffend gepriesen. Ganz besonders wird ihre Schnelligkeit gerühmt und triumphirend mit dem Schneckengange der festländischen Posten verglichen. Mit diesen Lobeserhebungen vermischten sich jedoch auch klagende und schmähende Stimmen. Die Einführung der neuen Diligencen hatte in der That die Interessen einiger Klassen beeinträchtigt, und außerdem erhoben, wie immer, Viele aus bloßer Beschränktheit und zäher Anhänglichkeit an das Bestehende, ein lautes Geschrei gegen diese Neuerung, lediglich deshalb, weil es eben eine Neuerung war. Man behauptete mit Heftigkeit, daß eine solche Beförderungsweise der Pferdezucht und der edlen Reitkunst verderblich werden, daß die Themse, welche so lange eine wichtige Schule für Seeleute gewesen sei, aufhören werde, die Hauptfahrstraße von London nach Windsor hinauf und nach Gravesend hinunter zu sein, daß Hunderte von Sattlern und Sporern ruinirt und zahlreiche Gasthöfe, in denen Reisende mit eigenem Geschirr abzusteigen pflegten, veröden und keine Abgaben mehr zahlen würden, daß es in den neuen Wagen im Sommer zu heiß, im Winter zu kalt sei, daß die Passagiere durch Kranke und durch schreiende Kinder arg belästigt würden, daß die Kutsche zuweilen so spät an Ort und Stelle ankomme, daß man kein Abendessen mehr erhalten, und zuweilen so frühzeitig abfahre, daß man noch kein Frühstück bekommen könne. Aus allen diesen Gründen wurde ganz ernstlich darauf angetragen, daß es keinem öffentlichen Wagen erlaubt sein solle, mehr als vier Pferde vorzuspannen, öfter als ein Mal wöchentlich zu fahren und mehr als dreißig Meilen den Tag zurückzulegen. Man hoffte, daß wenn dieses Regulativ angenommen würde, Jedermann, mit Ausnahme von Kranken und Gebrechlichen, zu der früheren Art des Reisens zurückkehren würde. Petitionen in diesem Sinne von verschiedenen Corporationen der City, von mehreren Provinzialstädten und von den Richtern mehrerer Grafschaften wurden dem Könige im Ministerrathe überreicht. Wir lächeln jetzt über dergleichen Dinge, aber es ist nicht unwahrscheinlich, daß unsere Nachkommen, wenn sie die Geschichte der Opposition lesen, welche die Verbesserungen des neunzehnten Jahrhunderts von Seiten der Habsucht und des Vorurtheils erfahren haben, ebenfalls lächeln werden.[121]

Trotz der Vortheile, welche die Eilkutschen gewährten, pflegten gesunde und kräftige Leute, die nicht viel Gepäck bei sich zu führen brauchten, längere Reisen noch häufig zu Pferde zu machen. War dem Reisenden um schnelles Fortkommen zu thun, so bediente er sich dazu der Postpferde. Auf allen großen Hauptstraßen waren in gemessenen Entfernungen frische Reitpferde und Führer zu bekommen. Jedes Pferd kostete für die Meile drei Pence und vier Pence erhielt der Führer für die Station. Wenn die Wege gut waren, konnte man auf diese Weise eine geraume Zeit so schnell vorwärts kommen, wie durch irgend ein vor der Erfindung der Dampfkraft in England bekanntes Transportmittel. Postchaisen gab es damals noch nicht, auch konnten Diejenigen, welche mit eigener Equipage reisten, in der Regel die Pferde nicht wechseln. Nur der König und die vornehmsten Staatsbeamten konnten Relais bestellen. So reiste Karl gewöhnlich in einem Tage von Whitehall nach Newmarket, ein etwa fünfundfünfzig Meilen langer Weg in durchaus ebener Gegend, und dies galt bei seinen Unterthanen für eine außerordentliche Geschwindigkeit. Evelyn machte diese Reise einmal, in Gesellschaft des Lordschatzmeisters Clifford. Der Wagen ward von sechs Pferden gezogen, welche zuerst in Bishop Stortford und dann noch einmal in Chesterford gewechselt wurden. Die Reisenden erreichten Newmarket in der Nacht. Eine solche Art zu reisen scheint jedoch als ein nur Fürsten und Ministern zustehender Luxus betrachtet worden zu sein.[122]

[Anmerkung 119: +Anthony à Wood's Life of himself.+]

[Anmerkung 120: +Chamberlayne's State of England, 1684.+ Man sehe auch das Verzeichniß der öffentlichen Personen- und Frachtwagen am Schlusse des Buches, betitelt +Angliae Metropolis, 1690.+]

[Anmerkung 121: +John Cresset's Reasens for suppressing Stage Coaches, 1672.+ Diese Gründe wurden später in einer Abhandlung betitelt: +The Grand Concern of England explained, 1673+, aufgenommen. Cresset's Angriff gegen die Diligencen rief einige Erwiderungen hervor, die mir vorgelegen haben.]

[Anmerkung 122: +Chamberlayne's State of England, 1684. North's Examen, 105, Evelyn's Diary, Oct. 9, 10. 1871.+]

[_Straßenräuber._] Mochte man indeß reisen wie man wollte, stets war man der Gefahr ausgesetzt, angefallen und beraubt zu werden, wenn man nicht in zahlreicher und wohlbewaffneter Gesellschaft reiste. Der berittene Straßenräuber, den unsre Generation nur noch aus Büchern kennt, war auf jeder Hauptstraße zu finden, ganz besonders aber hausten diese Banditen auf den öden Strecken, welche zur Seite der großen Chausseen unweit London lagen. Am berüchtigtsten in dieser Beziehung waren vielleicht die Hounslow-Haide an der großen Weststraße und der Finchley-Anger an der großen Nordstraße. Die Studenten von Cambridge zitterten selbst am hellen Tage, wenn sie sich dem Eppingwalde näherten. Seeleute, welche eben in Chatham ihren Sold ausgezahlt bekommen hatten, mußten häufig ihre Börsen bei Gadshill herausgeben, welcher Ort hundert Jahre früher von dem größten aller Dichter als Schauplatz der Missethaten Poins' und Fallstaff's gefeiert worden war. Die Behörden schienen oft nicht zu wissen, wie sie die Räuber behandeln sollten. Einmal wurde in der Gazette angekündigt, daß mehrere Personen, welche stark im Verdachte des Straßenraubes ständen, gegen die aber keine genügenden Beweise vorlägen, in Newgate in Reitkleidern zur Schau ausgestellt werden sollten; auch sollten ihre Pferde gezeigt werden und alle Gentlemen, welche kürzlich ausgeplündert worden, waren eingeladen, die sonderbare Ausstellung in Augenschein zu nehmen. Ein andermal wurde einem Räuber öffentlich Straflosigkeit zugesichert, wenn er einige ungeschliffene Diamanten von ungeheurem Werthe herausgebe, die er bei einem Überfalle der Harwicher Eilpost entwendet hatte. Kurze Zeit darauf erschien eine andre Bekanntmachung, in der den Gasthaltern bedeutet wurde, daß die Regierung ein wachsames Auge auf sie habe, indem ihr verbrecherisches Einverständniß mit den Banditen es diesen möglich mache, die Heerstraßen ungestraft zu beunruhigen. Daß dieser Verdacht nicht ungegründet war, beweisen die letzten Geständnisse einiger reuiger Straßenräuber jener Zeit, denen die Wirthe offenbar ähnliche Dienste geleistet hatten, wie Farquhar's Bonifaz dem Gibbet leistete.[123]

Um das gefährliche Handwerk mit Erfolg und Sicherheit betreiben zu können, mußte der Straßenräuber ein kühner und gewandter Reiter und sein Äußeres und sein Benehmen von der Art sein, wie man es von dem Besitzer eines schönen Pferdes erwartete. Er nahm daher in der Gemeinschaft der Diebe einen hohen Rang ein, besuchte die elegantesten Kaffee- und Spielhäuser und wettete auf der Rennbahn mit vornehmen Männern.[124] Zuweilen war er auch wirklich von guter Herkunft und Bildung. Es knüpfte sich daher und knüpft sich vielleicht jetzt noch ein romantisches Interesse an die Namen der Freibeuter dieser Klasse. Der große Hause war ganz versessen auf die Geschichtchen von ihrer Wildheit und Verwegenheit, von gelegentlichen Acten der Großmuth und Gutherzigkeit, von ihren Liebschaften, ihren wunderbaren Entweichungen, ihren verzweifelten Kämpfen und ihrem männlichen Benehmen vor Gericht und auf dem Karren. So wurde von Wilhelm Nevison, dem großen Räuber von Yorkshire, erzählt, daß er von allen Viehhändlern des Nordens eine bestimmte Abgabe erhob, wogegen er nicht allein selbst sie verschonte, sondern sie auch gegen alle anderen Räuber schützte, daß er die Börsen auf die höflichste Manier abforderte, von dem, was er den Reichen genommen, den Armen reichlich gab, daß die königliche Gnade ihm einmal das Leben schenkte, daß er aber dessenungeachtet wiederholt sein Glück versuchte und endlich im Jahre 1685 in York am Galgen starb.[125] Es wurde ferner erzählt, wie Claude Duval, der französische Page des Herzogs von Richmond, daß Räuberhandwerk ergriff, der Hauptmann einer gefürchteten Bande wurde und die Ehre hatte, in einem königlichen Erlasse gegen berüchtigte Missethäter zuerst genannt zu werden; wie er an der Spitze seiner Schaar den Wagen einer Dame anhielt, in welchem er eine Beute von vierhundert Pfund fand, von denen er nur hundert nahm und die übrigen dreihundert der schönen Eigenthümerin unter der Bedingung ließ, daß sie dafür mit ihm einen Coranto auf der Haide tanzte; wie er durch seine feurige Galanterie die Herzen aller Frauen gewann, wie seine Geschicklichkeit im Gebrauche der Waffen ihn zum Schrecken aller Männer machte und wie er endlich im Jahre 1670 im Weinrausch ergriffen ward; wie vornehme Damen ihn im Gefängniß besuchten und sich mit Thränen für sein Leben verwendeten; wie der König ihn auch begnadigt haben würde, hätte der Richter Morton, der Schrecken aller Straßenräuber, nicht Einsprache dagegen erhoben und gedroht, sein Amt niederzulegen, wenn man dem Gesetze nicht seinen Lauf lasse, und wie nach der Hinrichtung der Leichnam mit allem Gepränge von Wappenschildern, Wachskerzen, Trauerbehängen und stummen Wächtern zur Parade ausgestellt wurde, bis der nämliche herzlose Richter, der sich der Gnade des Königs widersetzt, Beamte abschickte, um die Todtenfeier zu stören.[126] Gewiß hat die Phantasie starken Antheil an diesen Anekdoten, aber sie verdienen deshalb nicht minder erwähnt zu werden, denn es ist eine ebenso authentische als bedeutungsvolle Thatsache, daß solche Erzählungen, mochten sie nun wahr oder unwahr sein, bei unseren Vorfahren ein bereitwilliges und gläubiges Ohr fanden.

[Anmerkung 123: Siehe die London Gazette vom 14. Mai 1677, vom 4. Aug. 1687 und vom 5. Dec. 1687. Die letzte Beichte Augustin King's, welcher der Sohn eines ausgezeichneten Theologen und in Cambridge erzogen war, aber im März 1688 zu Colchester gehängt wurde, ist höchst interessant.]

[Anmerkung 124:

_Aimwell._ Erlauben Sie, Sir, habe ich Sie nicht in Will's Kaffeehause gesehen? _Gibbet._ Ja, Sir, und auch bei White.

+Beaux' Stratagem+.]

[Anmerkung 125: +Gent's History of York.+ Ein andrer Straßenräuber von derselben Art, Namens Biß, wurde 1695 in Salisbury gehängt. In einer Ballade, die sich in der Pepys'schen Bibliothek befindet, wird seine Vertheidigung vor dem Richter folgendermaßen dargestellt:

Was sagt Ihr nun, mein edler Lord, Was war so Böses d'ran? Nur reiche Filze haßte Biß Der tapfre, brave Mann.]

[Anmerkung 126: +Pope's Memoirs of Duval+, welche kurz nach der Hinrichtung erschienen. Oates' #Eikôn basilikê#, Theil I.]

[_Die Gasthöfe._] Die mannichfachen Gefahren, denen der Reisende ausgesetzt war, wurden durch die Dunkelheit noch bedeutend vergrößert, und er wünschte daher für die Nacht ein schützendes Obdach, das nicht schwer zu erlangen war. Die Gasthöfe Englands sind schon von Alters her berühmt. Unser erster großer Dichter (Chaucer) hat schon die vortrefflichen Bequemlichkeiten geschildert, die sie den Reisenden des vierzehnten Jahrhunderts darboten. Neunundzwanzig Personen nebst ihren Pferden fanden in den geräumigen Zimmern und Ställen des »Waffenrocks« in Southwark Platz. Die Speisen waren vortrefflich und die Weine so, daß sie die Tischgesellschaft zum reichlichen Genusse verleiteten. Zweihundert Jahre später, unter der Regierung Elisabeth's, gab Wilhelm Harrison eine anziehende Beschreibung von dem Überflusse und dem Comfort der großen Gasthöfe. Er sagte, das ganze übrige Europa habe nichts Ähnliches aufzuweisen. Es gab Gasthöfe, in denen zwei- bis dreihundert Menschen mit ihren Pferden ohne Schwierigkeit Aufnahme und Unterhalt finden konnten. Die Betten, die Teppiche und vor Allem die Fülle und Sauberkeit des Leinzeugs setzten Jedermann in Erstaunen. Auf den Tafeln sah man nicht selten kostbares Silbergeschirr und manche Schilder hatten dreißig bis vierzig Pfund Sterling gekostet. Im siebzehnten Jahrhundert hatte England schon Überfluß an vortrefflichen Gasthöfen jeden Ranges. Oft fand der Reisende in einem kleinen Dorfe ein Gasthaus, wie Walton es beschrieben hat, wo die steinernen Fußböden von Sauberkeit glänzten, wo die Wände mit Balladen geschmückt waren, die Betten nach Lavendel dufteten und ein behagliches Feuer, ein Krug guten Bieres und ein Gericht Forellen, im nahen Bache frisch gefangen, für wenig Geld zu haben waren. In den größeren Gasthöfen fand man Betten mit seidenen Vorhängen, feine Küche und Claret, wie er in London nicht besser getrunken wurde.[127] Auch die Wirthe, sagte man, seien ganz verschieden von den Gastwirthen anderer Länder. Auf dem Festlande war der Wirth der Tyrann Derer, die seine Schwelle überschritten, in England war er ihr Diener. Der Engländer fühlte sich nie heimischer, als wenn er es sich in seinem Gasthofe bequem machte. Selbst reiche Leute, die sich in ihrem eigenen Hause jeden nur denkbaren Luxus erzeugen konnten, pflegten oft ihre Abende im Gesellschaftszimmer eines nahen Gasthofes zuzubringen; sie schienen der Meinung zu sein, daß sie Comfort und Freiheit nirgends in gleicher Vollkommenheit genießen konnten. Diese Neigung war mehrere Generationen hindurch ein characteristischer Zug der Nation. Die Ungebundenheit und Fröhlichkeit des Gasthoflebens bot lange Zeit unseren Roman- und Schauspieldichtern reichen Stoff. Johnson erklärte, ein Stuhl im Gasthause sei der Thron des irdischen Glücks, und Shenstone beklagte sich sanft darüber, daß kein auch noch so befreundetes Privathaus den Wanderer so freundlich und zuvorkommend aufnehme, als das Dach eines Gasthofes.

In den Hotels unsrer Zeit findet man manche Annehmlichkeiten, welche im siebzehnten Jahrhundert in Hampton Court und Whitehall unbekannt waren. Im Ganzen genommen aber ist soviel gewiß, daß die Verbesserung unserer Gasthöfe mit den Verbesserungen unserer Straßen und unserer Beförderungsmittel keineswegs gleichen Schritt gehalten hat. Dies kann auch nicht auffallen, denn es liegt auf der Hand, daß unter übrigens gleichen Verhältnissen die Gasthäuser da am besten sein werden, wo die Beförderungsmittel am mangelhaftesten sind. Je schneller man reisen kann, um so weniger bedarf es zahlreicher angenehmer Ruheplätze für den Reisenden. Wer vor hundertsechzig Jahren aus einer entfernten Grafschaft in die Hauptstadt kam, brauchte in der Regel unterwegs zwölf bis fünfzehn Mahlzeiten und fünf bis sechs Nachtquartiere. War er ein vornehmer Mann, so erwartete er überall eine wohlbesetzte Tafel und eine bequeme, ja selbst elegante Wohnung. Gegenwärtig fliegen wir von York oder Exeter nach London beim Sonnenschein eines einzigen Wintertages. Der Reisende hält sich daher jetzt selten bloß der Ruhe und Erfrischung halber unterwegs auf, und die Folge davon ist, daß Hunderte vortrefflicher Gasthöfe gänzlich in Verfall gerathen sind. Binnen Kurzem wird man gute Häuser dieser Art nur noch an solchen Orten finden, wo sich beständig viel Fremde in Geschäften oder zum Vergnügen aufhalten.

[Anmerkung 127: Siehe den Prolog zu den +Canterbury Tales, Harrison's Historical Description of the Island of Great Britain+ und Pepys' Beschreibung seiner Reise im Sommer 1668. Auch in den Reisen des Großherzogs Cosmus wird die Vorzüglichkeit der englischen Gasthöfe erwähnt.]

[_Die Briefposten._] Die Art und Weise der Briefbeförderung zwischen entfernten Punkten mag der jetzigen Generation ein mitleidiges Lächeln entlocken, aber sie würde die Bewunderung und den Neid der gebildetsten Nationen des Alterthums sowie der Zeitgenossen Raleigh's und Cecil's erregt haben. Bereits unter Karl I. war eine rohe und mangelhafte Briefpost eingerichtet worden, der Bürgerkrieg aber hatte sie wieder zerstört. Unter der Republik wurde der Plan von neuem aufgenommen. Nach der Restauration ward der Ertrag der Postanstalt, nach Abzug aller Kosten, dem Herzoge von York überwiesen. Auf den meisten Routen gingen und kamen die Briefposten nur einen Tag um den andren; in Cornwall, in den Sümpfen von Lincolnshire und zwischen den Bergen und Seen von Cumberland erhielt man sogar nur einmal wöchentlich Briefe. Während einer Reise des Königs wurde täglich eine Briefpost von London nach dem Orte expedirt, wo der Hof sich eben aufhielt. Ebenso bestand eine tägliche Postverbindung zwischen London und den Dünen, welcher Vorzug zuweilen auch auf Tunbridge Wells und Bath ausgedehnt wurde, während der Monate, wo diese Bäder von den Großen zahlreich besucht waren. Die Postfelleisen wurden zu Pferde, am Tage wie bei Nacht, mit einer Schnelligkeit von etwa fünf Meilen in der Stunde befördert.[128]

Das Briefporto war übrigens nicht die einzige Ertragsquelle dieser Anstalt. Das Postamt war außerdem allein berechtigt, Postpferde zu liefern, und die Zähigkeit, mit der man dieses Monopol aufrecht erhielt, beweist am besten, daß es sehr einträglich war.[129] Hatte indessen ein Reisender eine halbe Stunde gewartet, ohne das gewünschte Pferd erhalten zu haben, so durfte er anderwärts eins miethen.

Die Erleichterung des Briefverkehrs zwischen den verschiedenen Theilen von London gehörte ursprünglich nicht zu den Zwecken des Postamts. Unter der Regierung Karl's II. aber errichtete ein unternehmender Bürger der Hauptstadt, Namens Wilhelm Dockwray, mit großen Kosten eine Pennypost, durch welche Briefe und Packete in den geschäftsreichen und belebten Straßen zunächst der Börse täglich sechs- bis achtmal, in den entfernteren Stadttheilen aber viermal besorgt wurden. Diese Verbesserung stieß, wie jede andre, auf heftigen Widerstand. Die Austräger beklagten sich, daß man ihren Verdienst schmälere und rissen die Anschläge ab, in denen der Plan dem Publikum mitgetheilt wurde. Die durch Godfrey's Ermordung und durch die Auffindung von Coleman's Papieren hervorgerufene Erbitterung hatte damals gerade ihren Höhepunkt erreicht und die Pennypost wurde daher allgemein als eine papistische Erfindung ausgeschrieen. Man behauptete, der große Doctor Oates habe den Verdacht geäußert, daß die Jesuiten hinter dem Plane steckten und daß man die Briefbeutel bei näherer Untersuchung voll verrätherischer Papiere finden werde.[130] Der Nutzen des Unternehmens war jedoch so groß und in die Augen springend, daß aller Widerstand erfolglos blieb. Sobald es sich zeigte, daß die Spekulation einträglich war, verklagte der Herzog von York den Unternehmer wegen Eingriffs in sein Monopol und die Gerichtshöfe sprachen sich zu Gunsten des Ersteren aus.[131]

Der Ertrag des Postamts steigerte sich von allem Anfang an fortwährend. Im Jahre der Restauration hatte ein Ausschuß des Hauses der Gemeinen nach sorgfältiger Prüfung den reinen Gewinn auf ungefähr zwanzigtausend Pfund geschätzt; zu Ende der Regierung Karl's II. betrug derselbe schon wenig unter funfzigtausend Pfund, und dies galt damals für eine ungeheure Summe. Die Bruttoeinnahme belief sich auf etwa siebzigtausend Pfund. Das Porto für einen einfachen Brief betrug bis zu achtzig Meilen zwei Pence, für eine größere Entfernung drei Pence. Es stieg im Verhältniß zu dem Gewicht des Packets.[132] Gegenwärtig wird ein einfacher Brief bis ans äußerste Ende von Schottland oder Irland für einen Penny befördert und das Postpferdmonopol besteht schon längst nicht mehr. Trotzdem beläuft sich die jährliche Bruttoeinnahme dieses Departements auf mehr als achtzehnhunderttausend Pfund und der Nettoertrag auf siebenhunderttausend Pfund. Es ist daher kaum zu bezweifeln, daß die Zahl der gegenwärtig durch die Post beförderten Briefe siebzigmal so groß ist als sie zur Zeit der Thronbesteigung Jakob's II. war.

[Anmerkung 128: +Stat. 12 Car. II. c. 35. Chamberlayne's State of England, 1684. Angliae Metropolis, 1690. London Gazette, June 12. 1685, Aug. 15. 1687.+]

[Anmerkung 129: +London Gazette, Sept. 14. 1685.+]

[Anmerkung 130: +Smith's Current Intelligence, March 30. & April 3. 1680.+]

[Anmerkung 131: +Angliae Metropolis, 1690.+]

[Anmerkung 132: +Commons' Journals, Sept. 4, 1660, March 1. 1688--89. Chamberlayne, 1684. Davenant on the Public Revenue, Discourse IV.+]