Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Fünfter Band (der 11)

Part 7

Chapter 73,368 wordsPublic domain

Trotz Jakob's Verblendung und Undankbarkeit würde Ludwig aber doch klug gethan haben, wenn er auf dem den Generalstaaten angekündigten Entschlusse beharrt hätte. Avaux, der in Folge seines Scharfblicks und seines richtigen Urtheils ein Wilhelm's würdiger Gegner war, erkannte das vollkommen. Das Bestreben der französischen Regierung -- so dachte der kluge Gesandte -- müsse vor Allem dahin gehen, die beabsichtigte Landung in England zu verhindern. Um diesen Zweck zu erreichen, müsse man in die spanischen Niederlande einrücken und die batavischen Grenzen bedrohen. Der Prinz von Oranien sei allerdings für seinen Lieblingsplan so sehr eingenommen, daß er denselben ausführen werde, selbst wenn die weiße Fahne schon auf den Wällen von Brüssel wehte, denn er hatte wirklich gesagt, wenn die Spanier Ostende, Mons und Namur nur bis zum nächsten Frühjahr halten könnten, so würde er dann mit einer Streitmacht von England zurückkehren, welche alles Verlorne bald wieder erobern werde. Allein dies sei wohl die Meinung des Prinzen, nicht aber die der Generalstaaten. Diese würden es gewiß nicht so leicht zugeben, daß ihr Oberbefehlshaber mit der Elite der Armee über die Nordsee fahre, während ein gewaltiges Heer ihr eignes Gebiet bedrohte.[63]

[Anmerkung 60: +»Che l'adulazione e la vanità gli avevano tornato il capo.«+ -- Adda, 31. Aug. (10. Sept.) 1688.]

[Anmerkung 61: Citters, 11.(21.) Sept. 1688; Avaux, 17.(27.) Sept., 27. Sept. (7. Oct.); Barillon, 23. Sept. (3. Oct.); Wagenaar, Buch 60; +Sunderland's Apology+. Es ist oft behauptet worden, Jakob habe die Unterstützung eines französischen Armeecorps abgelehnt. In Wirklichkeit aber wurde ihm eine solche Unterstützung gar nicht angeboten. Die französischen Truppen würden auch in der That Jakob viel mehr genützt haben, wenn sie die holländischen Grenzen bedroht hätten, als wenn sie über den Kanal gekommen wären.]

[Anmerkung 62: Ludwig an Barillon, 20.(30.) Sept. 1688.]

[Anmerkung 63: Avaux, 27. Sept. (7. Oct.), 4.(14.) Oct. 1688.]

[_Die französischen Armeen fallen in Deutschland ein._] Ludwig gab die Haltbarkeit dieser Gründe zu, aber er hatte sich schon zu einem andren Verfahren entschieden. Vielleicht hatte ihn die Unhöflichkeit und Verkehrtheit der englischen Regierung gereizt und er ließ sich zu seinem Nachtheile von seiner aufgebrachten Stimmung leiten. Vielleicht war er auch durch die Rathschläge seines Kriegsministers Louvois irregeführt, der großen Einfluß hatte und Avaux nicht mit freundlichem Auge betrachtete. Kurz, es wurde beschlossen, auf einer von Holland entfernten Seite einen großen und unerwarteten Schlag zu führen. Ludwig zog plötzlich seine Truppen aus Flandern und warf sie nach Deutschland. Ein Armeecorps unter dem nominellen Commando des Dauphins, in Wahrheit aber geleitet vom Herzoge von Duras und von Vauban, dem Vater der Befestigungskunst, belagerte Philippsburg. Ein andres unter den Befehlen des Marquis von Bouffiers nahm Worms, Mainz und Trier. Ein drittes unter dem Marquis von Humieres, besetzte Bonn. Den ganzen Rhein hinunter, von Karlsruhe bis Cöln waren die französischen Waffen siegreich. Die Nachricht von der Einnahme von Philippsburg traf am Allerheiligentage in Versailles ein, während der Hof gerade in der Kapelle den Gottesdienst hörte. Der König winkte dem Prediger inne zu halten, kündigte der Versammlung die frohe Botschaft an und kniete dann nieder, um Gott für diesen großen Sieg zu danken. Die Anwesenden weinten vor Freude.[64] Die Nachricht wurde von dem sanguinischen und leicht entzündlichen französischen Volke mit Jubel begrüßt. Dichter besangen die Triumphe ihres freigebigen Schutzherrn; Redner priesen auf der Kanzel die Weisheit und Großmuth des ältesten Sohnes der Kirche. Das Tedeum wurde mit ungewohntem Pomp gesungen und die feierlichen Töne der Orgel vermischten sich mit dem Schalle der Cymbeln und dem Geschmetter der Trompeten. Es war indessen wenig Ursache zur Freude vorhanden. Der große Staatsmann, der an der Spitze der europäischen Coalition stand, lächelte im Stillen über die nutzlose Kraftvergeudung seines Feindes. Ludwig hatte zwar durch sein rasches Handeln einige Vortheile in Deutschland errungen, aber diese Vortheile konnten ihm nur wenig nützen, wenn England, nachdem es unter vier aufeinanderfolgenden Königen unthätig und ruhmlos gewesen, plötzlich wieder seinen früheren Rang in Europa einnahm. Wenige Wochen genügten zur Ausführung des Unternehmens, von dem das Schicksal der ganzen Welt abhing, und für einige Wochen waren die Vereinigten Provinzen noch in Sicherheit.

[Anmerkung 64: Frau von Sévigné, 24. Oct. (3. Nov.) 1688.]

[_Wilhelm erlangt die Genehmigung der Generalstaaten für seine Expedition._] Wilhelm betrieb nun seine Rüstungen mit unermüdlicher Thätigkeit und nicht mehr so heimlich, als er es bisher für nöthig gehalten hatte. Täglich gingen Unterstützungszusagen von auswärtigen Höfen ein. Im Haag war die Opposition zum Schweigen gebracht. Umsonst bot Avaux noch in diesem letzten Augenblicke seine ganze Gewandtheit auf, um die Partei, welche gegen drei Generationen des Hauses Oranien gekämpft hatte, zu ermuthigen. Die Häupter dieser Partei sahen zwar den Statthalter noch immer nicht mit günstigem Auge an, denn sie hatten Grund zu der Besorgniß, daß er, wenn sein Unternehmen gegen England gelang, er auch unumschränkter Beherrscher von Holland werden möchte. Aber die Fehler des Hofes von Versailles und die Geschicklichkeit, mit der er dieselben benutzt hatte, machten es unmöglich, ferner noch gegen ihn zu kämpfen. Er sah ein, daß es jetzt Zeit war, um die Genehmigung der Generalstaaten nachzusuchen. Amsterdam war das Hauptquartier der seinem Hause, seinem Amte und seiner Person feindlich gesinnten Partei, und selbst von Amsterdam hatte er diesen Augenblick nichts zu befürchten. Mit mehreren der vornehmsten Beamten dieser Stadt hatte er schon zu wiederholten Malen in Anwesenheit Dykvelt's und Bentinck's geheime Unterredungen gehabt und hatte sie zu dem Versprechen bewogen, daß sie das große Unternehmen fördern, oder sich demselben wenigstens nicht widersetzen wollten. Andere waren über Ludwig's Handelsverordnungen erbittert, noch Andere waren besorgt um ihre von den französischen Dragonern tyrannisirten Verwandten und Freunde; wieder Andere fürchteten die Verantwortlichkeit, eine Spaltung herbeizuführen, welche dem batavischen Bunde verderblich werden konnte, und Einige endlich fürchteten das gemeine Volk, welches, durch die Ermahnungen eifriger Prediger aufgestachelt, bereit war, an jedem Verräther des Protestantismus eine summarische Justiz auszuüben. Daher erklärte sich die Majorität dieses Stadtraths, der so lange Zeit Frankreich ergeben gewesen war, zu Gunsten der Unternehmung Wilhelm's. Von diesem Augenblicke an war jede Besorgniß wegen einer Opposition in irgend einem Theile der Vereinigten Provinzen gehoben und die Föderation ertheilte ihm in geheimer Sitzung die volle Genehmigung zu seiner Expedition.[65]

Der Prinz hatte sich bereits für einen zum Unterbefehlshaber trefflich geeigneten General entschieden. Dies war in der That kein unwichtiger Gegenstand. Ein zufälliger Schuß oder der Dolch eines Meuchelmörders konnte in einem Augenblicke die Expedition ihres Anführers berauben, und für diesen Fall mußte im Voraus ein Nachfolger bestimmt werden, der die Lücke sofort ausfüllte. Einen Engländer konnte man jedoch dazu nicht wählen, ohne entweder den Whigs oder den Tories zu nahe zu treten; auch hatte noch kein damals lebender Engländer bewiesen, daß er das zur Leitung eines Feldzugs nöthige militairische Geschick besaß. Auf der andren Seite war es nicht leicht, einem Ausländer den Vorzug zu geben, ohne das Nationalgefühl der stolzen Insulaner zu verwunden. Einen Mann gab es in Europa, aber auch nur diesen einen, gegen den sich nichts einwenden ließ; Friedrich, Graf von Schomberg, ein Deutscher aus einem edlen Hause der Pfalz. Er galt allgemein für den größten damals lebenden Meister der Kriegskunst. Seine oftmals durch starke Versuchungen geprüfte, aber nie erschütterte Rechtschaffenheit und Frömmigkeit hatten ihm allgemeine Achtung und Vertrauen erworben. Obgleich Protestant, hatte er mehrere Jahre im Dienste Ludwig's gestanden und durch eine Reihe glänzender Waffenthaten seinem Gebieter trotz aller Ränke der Jesuiten den französischen Marschallsstab abgenöthigt. Als die Verfolgung zu wüthen begann, weigerte sich der tapfere Veteran standhaft, die königliche Gunst durch Abtrünnigkeit zu erkaufen, legte ohne Murren alle seine Ehrenstellen und Commando's nieder, verließ sein zweites Vaterland für immer und zog sich an den berliner Hof zurück. Er war bereits über siebzig Jahre alt, aber geistig und körperlich noch sehr rüstig. Er war in England gewesen und dort außerordentlich geliebt und geehrt worden. Allerdings hatte er eine Empfehlung, der sich damals wenige Ausländer rühmen konnten: er sprach unsre Sprache, und zwar nicht nur verständlich, sondern elegant und rein. Er wurde mit Bewilligung des Kurfürsten von Brandenburg und zur aufrichtigen Freude der Oberhäupter aller englischen Parteien zu Wilhelm's Stellvertreter ernannt.[66]

[Anmerkung 65: Witson's MS., angeführt von Wagenaar; Lord Lonsdale's Memoiren; Avaux, 4.(14.), 5.(15.) Oct. 1688. Die förmliche Erklärung der Generalstaaten, datirt vom 18.(28.) Oct., findet man im IV. Bande des +Recueil des Traités, No. 225+.]

[Anmerkung 66: +Abrégé de la Vie de Frédéric Duc de Schomberg, 1690+; Sidney an Wilhelm, 30. Juni 1688; +Burnet I. 677+.]

[_Britische Abenteurer im Haag._] Inzwischen wimmelte es im Haag von Abenteurern aller der verschiedenen Factionen, welche Jakob's Tyrannei zu einer sonderbaren Coalition verbunden hatte: alte Royalisten, die ihr Blut für den Thron vergossen hatten, alte Agitatoren von der Parlamentsarmee, Tories, welche in den Tagen der Ausschließungsbill verfolgt worden waren, und Whigs, die wegen ihrer Theilnahme am Ryehousecomplot sich auf den Continent geflüchtet hatten.

Unter dieser großen Menge zeichnete sich Karl Gerard, Earl von Macclesfield aus, ein alter Kavalier, der für Karl I. gekämpft und Karl's II. Exil getheilt hatte; ferner Archibald Campbell, der älteste Sohn des unglücklichen Argyle, der aber von seinem Vater nichts geerbt hatte als einen erlauchten Namen und die unwandelbare Liebe eines zahlreichen Clan; Karl Paulet, Earl von Wiltshire, unzweifelhafter Erbe des Marquisats von Winchester, und Peregrine Osborne, Lord Dumblane, unzweifelhafter Erbe des Earlthums Danby. Mordaunt, der vor Begierde nach Abenteuern brannte, die für sein feuriges Temperament einen unwiderstehlichen Reiz hatten, war einer der Ersten unter den Freiwilligen. Fletcher von Saltoun hatte, während er die Grenzen der Christenheit gegen die Ungläubigen beschützte, erfahren, daß sein Vaterland wieder einmal Hoffnung auf Befreiung hatte, und er hatte sich beeilt, sein Schwert anzubieten. Sir Patrick Hume, der seit seiner Flucht aus Schottland sehr bescheiden und eingezogen lebte, trat jetzt wieder aus seinem Dunkel hervor; zum Glück aber konnte seine Redseligkeit diesmal wenig Schaden anrichten, denn der Prinz von Oranien war durchaus nicht geneigt, der abhängige General einer debattirenden Gesellschaft zu sein wie die, welche Argyle's Unternehmen zum Verderben gereicht hatte. Der verschmitzte und ruhelose Wildman, der vor kurzem die Überzeugung gewonnen, daß England ein unsicherer Aufenthalt für ihn war und der sich deshalb nach Deutschland begeben hatte, erschien ebenfalls an Wilhelm's Hofe. Eben so auch Carstairs, ein presbyterianischer Priester aus Schottland, der an Schlauheit und Muth keinem Politiker seiner Zeit nachstand. Fagel hatte ihm einige Jahre vorher wichtige Geheimnisse anvertraut und er hatte sie trotz der fürchterlichsten Qualen, die ihm der spanische Stiefel und die Daumschraube bereitet, treu bewahrt. Seine seltene Standhaftigkeit hatte ihm das Vertrauen und die Achtung des Prinzen in eben so hohem Grade erworben, als irgend ein Andrer, außer Bentinck, sich derselben erfreute.[67] Ferguson konnte nicht ruhig bleiben, wenn eine Revolution im Werke war. Er sicherte sich einen Platz zur Überfahrt auf der Flotte und entfaltete eine große Thätigkeit unter seinen Mitemigranten; aber er fand überall Mißtrauen und Verachtung. Unter der Schaar von unwissenden und heißblütigen Verbannten, welche den schwachen Monmouth ins Verderben geführt, war er ein großer Mann gewesen; unter den ernsten Staatsmännern und Generälen aber, welche die Sorgen des entschlossenen und umsichtigen Wilhelm theilten, war kein Platz für einen niedrigdenkenden, halb wahnsinnigen und halb schurkischen Agitator.

[Anmerkung 67: +Burnet I. 584+; +Mackay's Memoirs.+]

[_Wilhelm's Erklärung._] Der Unterschied zwischen der Expedition von 1685 und der von 1688 zeigte sich schon deutlich genug in der Verschiedenheit der Manifeste, welche die Führer der beiden Unternehmungen erließen. Für Monmouth hatte Ferguson ein abgeschmacktes und gemeines Libell über den Brand von London, die Ermordung Godfrey's und Essex' und die Vergiftung Karl's geschmiert. Wilhelm's Erklärung war von dem Großpensionär Fagel verfaßt, der als ausgezeichneter Publicist bekannt war. Obgleich gehaltvoll und wohldurchdacht, war sie doch in ihrer ursprünglichen Form zu weitschweifig; aber sie wurde von Burnet, der populär zu schreiben verstand, abgekürzt und ins Englische übersetzt. Sie begann mit einer feierlichen Einleitung, in welcher gesagt war, daß in jedem Staate die strenge Beobachtung des Gesetzes für das Wohl der Nationen wie für die Sicherheit der Regierung gleich nothwendig sei. Der Prinz von Oranien habe daher mit tiefer Betrübniß gesehen, daß die Grundgesetze eines Reiches, mit dem er durch Bande des Bluts und durch Verheirathung so eng verbunden sei, durch den Rath schlimmer Rathgeber gröblich und systematisch verletzt worden seien. Das Recht von Parlamentsacten zu dispensiren, sei bis zu einem solchen Punkte ausgedehnt worden, daß die ganze legislative Gewalt auf die Krone übertragen worden sei. Von den Gerichten habe man dem Geiste der Verfassung widerstreitende Erkenntnisse erlangt, indem man einen Richter nach dem andren abgesetzt, bis die Bank nur aus Männern bestanden habe, welche bereit gewesen seien, den Befehlen der Regierung blindlings zu gehorchen. Trotz der wiederholten Versicherungen des Königs, daß er die Staatsreligion aufrechterhalten werde, seien anerkannten Feinden dieser Religion nicht nur bürgerliche Ämter, sondern auch geistliche Pfründen verliehen worden. Trotz ausdrücklicher Gesetze sei das Kirchenregiment einem Collegium übertragen worden, das eine neue Hohe Commission sei und in diesem Collegium sitze ein erklärter Papist. Gute Unterthanen seien deshalb, weil sie sich weigerten, ihre Pflicht und ihre Eide zu verletzen, der Magna Charta der englischen Freiheiten zum Hohn aus ihrem Eigenthum vertrieben worden. Dagegen seien Leute, welche dem Gesetze nach die Insel gar nicht betreten dürften, zur Verderbniß der Jugend an die Spitze von Seminarien gestellt worden. Grafschaftsstatthalter, stellvertretende Statthalter und Friedensrichter seien massenhaft abgesetzt worden, weil sie sich geweigert hätten eine verderbliche und verfassungswidrige Politik zu unterstützen. Die Freiheiten fast jedes Boroughs im Lande seien verletzt worden. Die Gerichtshöfe seien in einem Zustande, daß ihre Erkenntnisse selbst in Civilklagen kein Vertrauen mehr einflößten und daß ihre Servilität in Criminalsachen das Königthum mit unschuldigem Blute befleckt habe. Alle diese Mißbräuche, deren das englische Volk müde sei, sollten nun, wie es scheine, durch ein Heer irischer Papisten vertheidigt werden. Und dies sei noch nicht Alles. Die willkürlichsten Fürsten hätten es einem Unterthanen nie als ein Verbrechen angerechnet, wenn er bescheiden und friedlich seine Beschwerden angebracht und um Abhülfe gebeten habe. Aber das Petitioniren werde jetzt in England als ein schweres Vergehen betrachtet. Die Väter der Kirche seien wegen keines andren Verbrechens, als weil sie dem Landesherrn eine in den ehrerbietigsten Ausdrücken abgefaßte Petition überreicht, ins Gefängniß geworfen und ihnen der Prozeß gemacht worden, und jeden Richter, der sich zu ihren Gunsten ausgesprochen, habe man ohne weiteres abgesetzt. Die Einberufung eines freien und gesetzlichen Parlaments könne allerdings diesen Übeln wirksam abhelfen, aber die Nation dürfe nicht hoffen ein solches Parlament zu erhalten, wenn nicht der ganze Geist der Verwaltung ein andrer werde. Es sei offenbar die Absicht des Hofes durch neu organisirte Wahlkörper und papistische Wahlbeamte eine Versammlung zusammenzubringen, welche nur dem Namen nach ein Haus der Gemeinen sein werde. Endlich erregten gewisse Umstände den dringenden Verdacht, daß das Kind, welches den Namen eines Prinzen von Wales erhalten habe, nicht wirklich von der Königin geboren sei. Aus diesen Gründen habe der Prinz, eingedenk seiner nahen Verwandtschaft mit dem königlichen Hause und dankbar für die Zuneigung, die das englische Volk seiner geliebten Gemahlin und ihm selbst stets bewiesen habe, sich entschlossen, der Aufforderung vieler geistlichen und weltlichen Lords und vieler anderer Personen aus allen Ständen Folge zu leisten und an der Spitze einer zur Begegnung gewaltsamen Widerstandes hinreichenden Streitmacht nach England hinüberzugehen. Jeden Gedanken an Eroberung wies er entschieden zurück. Er erklärte, daß seine Truppen während ihres Aufenthalts auf der Insel unter strengster Kriegszucht gehalten und daß sie sobald die Nation von der Tyrannei befreit sei, wieder zurückgeschickt werden sollten. Sein einziger Zweck sei die Versammlung eines freien und gesetzlichen Parlaments, und er verpflichtete sich feierlich, alle öffentlichen und privaten Fragen der Entscheidung eines solchen Parlaments zu überlassen.

Sobald Exemplare von dieser Erklärung im Haag ausgegeben waren, begannen auch schon Zeichen von Meinungsverschiedenheit sichtbar zu werden. Der im Unheilstiften unermüdliche Wildman bewog einige seiner Landsleute, unter Anderen den starrsinnigen und leichtfertigen Mordaunt, zu der Erklärung, daß sie auf solche Gründe hin die Waffen nicht ergreifen würden. Das Manifest sei nur darauf berechnet, den Kavalieren und den Geistlichen zu gefallen. Die Gewaltthätigkeiten gegen die Kirche und der Prozeß der Bischöfe seien zu sehr in den Vordergrund gestellt und es sei gar nichts von der Tyrannei gesagt, mit der die Tories vor ihrem Bruche mit dem Hofe die Whigs behandelt hätten. Wildman legte hierauf einen von ihm selbst verfaßten Gegenentwurf vor, der, wenn er angenommen worden wäre, der ganzen anglikanischen Geistlichkeit und vier Fünftheilen des grundbesitzenden Adels mißfallen haben würde. Die Whighäupter opponirten ihm energisch. Russell insbesondere erklärte, daß, wenn ein so verkehrter Weg eingeschlagen würde, es mit der Coalition, von welcher allein die Nation Befreiung erwarten könne, vorbei sei. Der Streit wurde endlich durch einen Machtspruch Wilhelm's geschlichtet, der mit gewohntem richtigen Takt entschied, daß das Manifest im Wesentlichen so wie Fagel und Burnet es entworfen hatten, beibehalten werden solle.[68]

[Anmerkung 68: +Burnet I., 775, 780+.]

[_Jakob fängt an die Gefahr zu ahnen._] Während dies in Holland geschah, hatte Jakob endlich die ihm drohende Gefahr erkannt. Von verschiedenen Seiten kamen Nachrichten, die man nicht unbeachtet lassen konnte, bis endlich eine Depesche von Albeville jedem Zweifel ein Ende machte. Als der König sie gelesen hatte, sollen seine Wangen sich entfärbt haben und er soll eine Weile sprachlos geblieben sein.[69] Er hatte in der That auch Ursache zu erschrecken. Der erste Ostwind sollte eine feindliche Flotte an die Küsten seines Reiches bringen. Ganz Europa, mit Ausnahme einer einzigen Macht, erwartete ungeduldig die Nachricht von seinem Sturze, und den Beistand dieser einzigen Macht hatte er thörichterweise abgelehnt. Ja, er hatte sogar die freundschaftliche Intervention, die ihn hätte retten können, mit Beleidigungen vergolten. Die französischen Armeen, welche zur Einschüchterung der Generalstaaten hätten verwendet werden können, wenn er nicht so verblendet gewesen wäre, belagerten Philippsburg und hielten Mainz besetzt. In wenigen Tagen mußte er vielleicht auf englischem Boden für seine Krone und für das Geburtsrecht seines Sohnes kämpfen.

[Anmerkung 69: +Eachard's History of the Revolution, II. 2+.]

[_Seine Seemacht._] Anscheinend standen ihm allerdings große Mittel zu Gebote. Die Flotte war in einem viel besseren Zustande als zur Zeit seiner Thronbesteigung, und diese Verbesserung muß zum Theil seinen eigenen Anstrengungen zugeschrieben werden. Er hatte keinen Lordgroßadmiral oder Admiralitätsrath ernannt, sondern die Hauptleitung der Marineangelegenheiten in seiner eignen Hand behalten und Pepys hatte ihn dabei kräftig unterstützt. Ein Sprichwort sagt, daß der Blick eines Meisters sicherer ist, als der eines Stellvertreters, und in einer Zeit der Bestechung und der Unterschleife kann man annehmen, daß ein Verwaltungszweig, dem der Souverain selbst, sei er auch von noch so beschränkten Gaben, genaue persönliche Aufmerksamkeit zuwendet, von Mißbräuchen verhältnißmäßig ziemlich frei bleiben wird. Ein geschickterer Marineminister als Jakob würde nicht schwer zu finden gewesen sein; schwerlich aber würde man unter den damaligen Staatsmännern einen Marineminister gefunden haben, der nicht Vorräthe nutzlos vergeudet, von Lieferanten Bestechungen angenommen und der Krone Kosten für Reparaturen aufgebürdet haben würde, welche nie gemacht worden waren. Der König war in der That fast der Einzige, von dem man überzeugt sein konnte, daß er den König nicht bestehlen würde. Daher waren denn auch während der letzten drei Jahre auf den Schiffswerften viel weniger Veruntreuungen und Diebereien vorgekommen als früher. Es waren wirklich seetüchtige Schiffe gebaut worden und durch eine zweckmäßige Verordnung waren die Gehalte der Kapitaine erhöht, zu gleicher Zeit aber auch ihnen streng verboten worden, ohne besondere königliche Erlaubniß Waaren von einem Hafen zum andren zu führen. Die Wirkung dieser Reformen machte sich schon bemerkbar, und es wurde Jakob nicht schwer, in kurzer Zeit eine ansehnliche Flotte auszurüsten. Dreißig Linienschiffe dritten und vierten Ranges wurden unter dem Commando Lord Dartmouth's in der Themse versammelt. Dartmouth's Loyalität war über jeden Zweifel erhaben, und er galt für eben so geschickt und kenntnißreich in seinem Fache als irgend einer der patrizischen Seeleute, die sich damals ohne ordentliche seemännische Erziehung und Ausbildung zu den höchsten Schiffscommando's emporschwangen und welche zu gleicher Zeit Flaggenoffiziere zur See und Infanterieobersten im Landheere waren.[70]

[Anmerkung 70: +Pepys's Memoirs relating to the Royal Navy, 1690+; +Clarke's Life of James the Second, II. 186. Orig. Mem.+; Adda, 24. Sept. (4. Oct.); Citters, 21. Sept. (1. Oct.)]

[_Seine militairischen Mittel._] Die reguläre Armee war die stärkste, die je ein König von England zu seiner Verfügung gehabt hatte, und sie wurde rasch noch verstärkt. Alle vorhandenen Regimenter wurden um neue Compagnien vermehrt und neue Regimenter ausgehoben. Die Stärke des englischen Heeres wurde dadurch um viertausend Mann erhöht; dreitausend Mann wurden eiligst aus Irland gesendet und eine gleiche Anzahl erhielt Befehl, aus Schottland nach dem Süden zu marschiren. Jakob schätzte die Streitmacht, die er den Einfallenden entgegenstellen konnte, auf vierzigtausend Mann, ungerechnet die Miliz.[71]