Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Fünfter Band (der 11)
Part 3
[_Schwierigkeiten der Unternehmung Wilhelm's._] Obgleich sie es aber sorgfältig vermied, irgend etwas zu thun oder zu sagen, was die ihm entgegenstehenden Schwierigkeiten vermehren konnte, so waren diese Schwierigkeiten doch sehr ernster Art. Sie wurden jedoch selbst von Einigen von Denen, die ihn einluden hinüberzukommen, nur unvollkommen begriffen, und sind auch von einigen Geschichtsschreibern der Unternehmung nur unvollkommen geschildert worden.
Die Hindernisse, welche er auf englischem Boden zu erwarten hatte, waren zwar die mindest furchtbaren, die der Ausführung seines Planes entgegenstanden, waren aber doch auch sehr ernst. Er sah wohl ein, daß es Wahnsinn gewesen wäre, nach dem Beispiele Monmouth's mit einigen wenigen britischen Abenteurern über das Meer zu fahren und auf eine allgemeine Erhebung der Bevölkerung zu rechnen. Es war nothwendig und wurde von Allen, die ihn einluden, als nothwendig erkannt, daß er eine Armee mitbrachte. Aber wer konnte für den Eindruck stehen, den das Erscheinen einer solchen Armee machen würde? Die Regierung war allerdings mit Recht verhaßt, aber ließ sich wohl erwarten, daß das an die Einmischung festländischer Mächte in englische Streitigkeiten nicht gewohnte englische Volk einen von fremden Soldaten umgebenen Befreier mit wohlwollendem Auge betrachten würde? Wenn nur ein Theil der königlichen Truppen dem Eindringenden entschlossenen Widerstand entgegensetzte, würde dieser Theil nicht bald die vaterländischen Sympathien von Millionen auf seiner Seite haben? Eine Niederlage würde dem ganzen Unternehmen verderblich geworden sein. Ein blutiger Sieg der Söldlinge der Generalstaaten über die Coldstreamgarden und die Buffs im Herzen der Insel wäre fast ein eben so großes Unglück gewesen als eine Niederlage. Ein solcher Sieg würde die schmerzlichste Wunde gewesen sein, welche je dem Nationalstolze einer der stolzesten Nationen geschlagen worden. Die so eroberte Krone hätte nie in Ruhe und Frieden getragen werden können. Der Haß, mit dem man die Hohe Commission und die Jesuiten betrachtete, wäre durch den viel stärkeren Haß gegen fremde Eroberer verdrängt worden, und Viele, die seither auf Frankreichs Macht mit Furcht und Abscheu geblickt hatten, würden gesagt haben, daß wenn nun einmal ein fremdes Joch getragen werden müsse, das französische weniger schimpflich sei als das holländische.
Diese Betrachtungen hätten Wilhelm wohl bedenklich machen können, selbst wenn ihm alle militairischen Hülfsmittel der Vereinigten Provinzen zur unumschränkten Verfügung gestanden hätten. In Wirklichkeit aber schien es sehr zweifelhaft, ob er die Unterstützung eines einzigen Bataillons würde erlangen können. Von allen Schwierigkeiten, mit denen er zu kämpfen hatte, war die größte, obgleich von den englischen Geschichtsschreibern wenig beachtete, die, welche in der Verfassung der batavischen Republik selbst lag. Noch nie hatte ein großer Staat unter einer so unzweckmäßigen Verfassung eine lange Reihe von Jahren existirt. Die Generalstaaten konnten ohne die Zustimmung der Staaten jeder einzelnen Provinz weder Krieg noch Frieden beschließen, weder ein Bündniß eingehen, noch eine Steuer erheben. Und die Provinzialstaaten konnten wieder ihre Zustimmung nicht ohne die Zustimmung derjenigen Municipalitäten geben, welche einen Antheil an der Vertretung hatten. Jede Municipalität war gleichsam ein souverainer Staat und beanspruchte als solcher das Recht, mit den fremden Gesandten direct zu verkehren und mit ihnen die Mittel zur Vereitelung von Plänen zu verabreden, welche andere Municipalitäten beabchsichtigten. In einigen Stadträthen hatte die Partei, welche mehrere Generationen hindurch den Einfluß der Stadthalter mit eifersüchtigem Auge ansah, ein große Masse. An der Spitze dieser Partei standen die Behörden der stolzen Stadt Amsterdam, welche damals in ihrer höchsten Blüthe war. Sie hatten seit dem Frieden von Nymwegen mit Ludwig durch die Vermittelung seines geschickten und thätigen Gesandten, des Grafen von Avaux, stets einen freundschaftlichen Verkehr unterhalten. Vorschläge, die der Statthalter als zum Wohle der Republik unumgänglich nöthig beantragt, die von allen Provinzen außer Holland und von siebzehn unter den achtzehn holländischen Stadträthen genehmigt worden, waren schon mehr als einmal durch die einzige Stimme Amsterdam's verworfen worden. Das einzige verfassungsgemäße Hülfsmittel in solchen Fällen bestand darin, daß Deputationen von den zustimmenden Städten der andersmeinenden Stadt einen Besuch machten, um sie womöglich zu überreden. Die Anzahl der Deputirten war unbeschränkt, sie konnten ihre Vorstellungen so lange fortsetzen, als es ihnen gutdünkte, und währenddem mußte die starrsinnige Commun, die sich ihren Gründen nicht fügen wollte, für ihren Unterhalt sorgen. Dieses abgeschmackte Zwangsmittel war einmal mit Erfolg gegen die kleine Stadt Gorkum angewendet worden, machte aber voraussichtlich keinen großen Eindruck auf das mächtige und reiche Amsterdam, das durch seinen von zahllosen Masten strotzenden Hafen, durch seine von stattlichen Gebäuden eingefaßten Kanäle, durch seine prächtige Stadthalle mit Wänden, Decken und Fußböden von polirtem Marmor, durch seine mit den kostbarsten Producten Ceylon's und Surinam's gefüllten Waarenmagazine und seine Börse, in der das endlose Summen aller Sprachen der civilisirten Völker ertönte, in der ganzen Welt berühmt war.[15]
Die Streitigkeiten zwischen der Majorität, welche den Statthalter unterstützte, und der Minorität, zu deren Spitze der Magistrat von Amsterdam stand, waren schon mehrmals so heftig geworden, daß Blutvergießen unvermeidlich zu sein schien. Einmal hatte der Prinz den Versuch gemacht, die widerspenstigen Deputirten als Verräther bestrafen zu lassen. Ein andermal waren ihm die Thore von Amsterdam versperrt und Truppen zur Vertheidigung der Privilegien des Municipalraths ausgehoben worden. Es war nicht zu erwarten, daß die obrigkeitliche Behörde dieser großen Stadt je in eine Expedition willigen würde, welche für Ludwig, dem sie den Hof machte, im höchsten Grade beleidigend war und voraussichtlich das ihr verhaßte Haus Oranien zu größerer Macht erhob. Und doch konnte eine solche Expedition ohne ihre Einwilligung gesetzlich nicht unternommen werden. Ihren Widerstand durch Waffengewalt zu brechen, war ein Mittel, daß der entschlossene und kühne Statthalter unter anderen Umständen nicht gescheut haben würde. In vorliegendem Falle aber war es von höchster Wichtigkeit, daß er sorgfältig jeden Schritt vermied, der als tyrannisch dargestellt werden konnte. Er durfte es nicht wagen, in demselben Augenblicke, wo er gegen seinen Schwiegervater das Schwert zog, weil dieser die Grundgesetze Englands verletzt hatte, die Grundgesetze Holland's zu verletzen. Der gewaltsame Umsturz einer freien Verfassung würde ein sonderbares Vorspiel zur gewaltsamen Aufrichtung einer andren gewesen sein.[16]
Außerdem gab es noch eine andre Schwierigkeit, welche von den englischen Geschichtschreibern zu wenig beachtet worden ist, die aber Wilhelm nicht einen Augenblick aus dem Gesicht verlor. Er konnte das beabsichtigte Unternehmen nur dann glücklich durchführen, wenn er an das protestantische Gefühl Englands appellirte und dieses Gefühl so kräftig anspornte, daß es eine Zeit lang das vorherrschende und fast ausschließliche Gefühl der Nation würde. Dies würde in der That eine sehr einfaches Verfahren gewesen sein, hätte seine Politik einzig und allein dahin gezielt, auf unsrer Insel eine Revolution hervorzurufen und daselbst zu regieren. Aber er hatte ein andres Endziel vor Augen, das er nur mit Beihülfe von Fürsten, welche der römischen Kirche aufrichtig ergeben waren, erreichen konnte. Er wollte das deutsche Reich, den katholischen König und den heiligen Stuhl mit England und Holland zu einem Bündnisse gegen das Übergewicht Frankreichs vereinigen, daher war es nöthig, daß er, während er den gewaltigsten Schlag führte, der je zur Vertheidigung des Protestantismus geführt worden war, sich das Wohlwollen von Regierungen zu erhalten suchte, welche den Protestantismus als eine gefährliche Ketzerei betrachteten.
Dies waren die verwickelten Schwierigkeiten dieses großen Unternehmens. Staatsmänner des Continents erkannten einen Theil dieser Schwierigkeiten, britische Staatsmänner einen andren. Nur ein scharfblickender und gewaltiger Geist übersah sie mit einem einzigen Blicke und beschloß sie alle zu überwinden. Es war kein leichtes Ding, die englische Regierung vermittelst einer fremden Heeresmacht zu stürzen, ohne den Nationalstolz der Engländer zu verwunden. Es war kein leichtes Ding, von der batavischen Faction, welche Frankreich mit Vorliebe und das Haus Oranien mit Widerwillen betrachtete, eine Entscheidung zu Gunsten einer Expedition zu erlangen, die alle Pläne Frankreichs über den Haufen warf und das Haus Oranien auf den Gipfel der Größe erheben mußte. Es war kein leichtes Ding, begeisterte Protestanten zu einem Kreuzzuge gegen den Papismus zu führen, und sich trotzdem die Freundschaft fast aller papistischen Regierungen und des Papstes selbst zu erhalten. Doch alles dies führte Wilhelm aus. Er erreichte alle seine Zwecke, selbst die, welche sich am wenigsten mit einander zu vertragen schienen, vollständig und zu gleicher Zeit. Die ganze Geschichte der alten wie der neuen Zeit berichtet keinen zweiten ähnlichen Triumph der Staatskunst.
Die Aufgabe würde allerdings selbst für einen solchen Staatsmann wie der Prinz von Oranien zu schwierig gewesen sein, wären nicht seine Hauptgegner damals in einer Bethörung befangen gewesen, welche von vielen gerade nicht abergläubischen Leuten als eine besondere göttliche Strafe betrachtet wurde. Nicht nur der König von England war wie immer verblendet und verkehrt, sondern selbst die Räthe des klugen Königs von England waren thöricht geworden. Was Weisheit und Energie irgend vermögen, das that Wilhelm. Die Hindernisse aber, welche keine Weisheit oder Energie hätte überwinden können, räumten seine Feinde selbst geflissentlich aus dem Wege.
[Anmerkung 15: +Avaux Neg., Oct. 29. (Nov. 8.) 1683+.]
[Anmerkung 16: In Betreff des Verhältnisses, in welchem der Statthalter und die Stadt Amsterdam zu einander standen, siehe Avaux an mehreren Stellen.]
[_Jakob's Benehmen nach dem Prozesse der Bischöfe._] An dem wichtigen Tage, an welchem die Bischöfe freigesprochen und die Einladung nach dem Haag abgesandt wurde, kehrte Jakob in verdrüßlicher und gereizter Stimmung von Hounslow nach Westminster zurück. Er bemühte sich diesen Nachmittag heiter zu scheinen;[17] aber die Freudenfeuer, die Raketen und vor Allem die wächsernen Päpste, welche in allen Stadttheilen Londons leuchteten, waren eben nicht geeignet, ihn zu erheitern. Wer ihn am andren Morgen sah, konnte in seinen Zügen und in seiner Haltung ohne Mühe die heftigen Gemüthsbewegungen erkennen, die in seiner Brust tobten.[18] Einige Tage lang schien er sehr ungern von dem Prozeß zu sprechen, so daß selbst Barillon es nicht wagen durfte, die Sache zur Sprache zu bringen.[19]
Bald begann es sich klar zu zeigen, daß die Niederlage und Demüthigung das Herz des Königs nur noch mehr verhärtet hatte. Die ersten Worte, die über seine Lippen kamen, als er erfuhr, daß die Gegenstände seiner Rache ihm entschlüpft, waren: »Sie sollen es bereuen!« Schon nach wenigen Tagen wurde der Sinn dieser Worte, die er seiner Gewohnheit nach sehr häufig wiederholte, vollkommen klar. Er machte sich Vorwürfe, nicht darüber, daß er die Bischöfe gerichtlich verfolgt, sondern daß er sie vor ein Tribunal gestellt hatte, wo die factischen Fragen durch Geschworne entschieden wurden und die feststehenden Rechtsgrundsätze auch von den servilsten Richtern nicht gänzlich aus den Augen gelassen werden konnten. Diesen Fehler beschloß er wieder gut zu machen. Nicht nur die sieben Prälaten, welche die Petition unterzeichnet hatten, sondern die gesammte anglikanische Geistlichkeit sollte Ursache haben, den Tag zu verwünschen, an welchem sie einen Sieg über ihren Landesherrn davon getragen. Etwa vierzehn Tage nach dem Prozeß wurde eine Kabinetsordre erlassen, welche allen Diöcesankanzlern und Archidiakonen anbefahl, in ihren betreffenden Sprengeln eine strenge Untersuchung vorzunehmen und binnen fünf Wochen der Hohen Commission die Namen aller derjenigen Pfarrer, Vikare und Curaten aufzugeben, welche die Indulgenzerklärung nicht verlesen hatten.[20] Der König weidete sich schon im voraus an dem Entsetzen, mit dem die Ungehorsamen vernehmen würden, daß sie vor ein Tribunal gestellt werden sollten, von dem sie keine Gnade zu erwarten hatten.[21] Die Anzahl der Schuldigen betrug wenig unter, wenn nicht volle zehntausend und nach dem, was im Magdalenen-Collegium geschehen war, konnte jeder von ihnen mit gutem Grunde darauf gefaßt sein, daß ihm die Ausübung aller seiner geistlichen Functionen untersagt, daß er aus seiner Pfründe vertrieben, zur Bekleidung irgend eines andren Amtes für unfähig erklärt und in die Kosten des Prozesses verurtheilt würde, der ihn zum Bettler gemacht.
[Anmerkung 17: Adda, 6.(16.) Juli 1688.]
[Anmerkung 18: +Reresby's Memoirs+.]
[Anmerkung 19: Barillon, 2.(12.) Juli 1688.]
[Anmerkung 20: +London Gazette, July 16. 1688+. Die Kabinetsordre ist vom 12. Juli datirt.]
[Anmerkung 21: Barillon's eigene Worte 6.(16.) Juli 1688.]
[_Entlassungen und Ernennungen._] Dies war die Verfolgung, durch welche Jakob im Ärger über seine große Niederlage in Westminsterhall die Geistlichkeit zu züchtigen beschloß. Vor der Hand bemühte er sich, den Männern des Gesetzes durch rasche und ausgedehnte Vertheilung von Belohnungen und Strafen zu zeigen, daß consequente und schamlose Servilität, wenn sie auch nicht zum Ziele führte, ein sicheres Anrecht auf seine Gunst verleihe und daß Jeder, der nach jahrelanger Unterwürfigkeit nur einen Augenblick auf den Pfad des Muthes und der Rechtschaffenheit überzuspringen wagte, sich eines unverzeihlichen Verbrechens schuldig mache. Die Heftigkeit und Frechheit, welche der Renegat Williams während des ganzen Prozesses der Bischöfe an den Tag gelegt, hatte ihn der ganzen Nation verhaßt gemacht.[22] Er wurde mit dem Baronettitel belohnt. Holloway und Powell hatten ihren Ruf durch die Erklärung gehoben, daß die Petition ihrer Ansicht nach kein Libell sei. Sie wurden ihrer Stellen entsetzt.[23] Wright's Schicksal scheint einige Zeit zweifelhaft gewesen zu sein. Er hatte zwar gegen die Bischöfe resumirt, hatte es aber geduldet, daß ihr Rechtsbeistand die Dispensationsgewalt bestritt; er hatte die Petition ein Libell genannt, es aber sorgfältig vermieden, die Indulgenzerklärung gesetzlich zu nennen, und während der ganzen Verhandlung hatte er in dem Tone eines Mannes gesprochen, welcher wußte, daß ein Tag der Rechenschaft kommen konnte. Allerdings hatte er auch gegründete Ansprüche auf Nachsicht, denn es war wohl kaum zu erwarten, daß irgend eines Menschen Frechheit in einer solchen Aufgabe, angesichts einer solchen Barre und eines solchen Auditoriums von Anfang bis zu Ende hätte aushalten können, ohne zu erschlaffen. Die Mitglieder der jesuitischen Cabale tadelten ihn jedoch wegen seines Mangels an Muth; der Kanzler nannte ihn einen Esel und man glaubte allgemein, daß ein neuer Oberrichter ernannt werden würde.[24] Aber es fand keine derartige Veränderung statt. Es würde auch nicht leicht gewesen sein, Wright's Stelle wieder zu besetzen. Die vielen Juristen, welche in Talenten und Kenntnissen hoch über ihm standen, waren fast ohne Ausnahme den Plänen der Regierung feindlich gesinnt; und die sehr wenigen, die ihn in Gewissenlosigkeit und Frechheit übertrafen, waren fast ohne Ausnahme nur in den untersten Schichten ihres Standes zu finden und würden unfähig gewesen sein, nur die gewöhnlichen Geschäfte des Kingsbenchgerichts zu leiten. Williams vereinigte allerdings alle Eigenschaften in sich, welche Jakob von einem hohen Gerichtsbeamten verlangte, aber seiner Dienste bedurfte man bei der Staatsanwaltschaft und wäre er von derselben entfernt worden, so würde der Krone nicht der Beistand eines Advokaten dritten Ranges geblieben sein.
Nichts hatte den König mehr in Erstaunen gesetzt und gekränkt, als die Begeisterung, welche die Dissenters für die Sache der Bischöfe an den Tag legten. Penn, der, obgleich er selbst seinen Gewissensscrupeln Reichthum und Ehrenstellen aufgeopfert hatte, zu glauben schien, daß außer ihm Niemand ein Gewissen habe, schrieb die Unzufriedenheit der Puritaner dem Neide und dem unbefriedigten Ehrgeize zu. Er meinte, sie hätten keinen Antheil an den durch die Indulgenzerklärung verheißenen Wohlthaten gehabt, keiner von ihnen sei zu einem hohen und ehrenvollen Posten berufen worden, und es sei daher kein Wunder, daß sie auf die Katholiken eifersüchtig wären. In Folge dessen wurde acht Tage nach dem hochwichtigen Verdict der Geschwornen in Westminsterhall, Silas Titus, ein angesehener Presbyterianer, ein heftiger Exclusionist und einer der Hauptankläger Stafford's, eingeladen, einen Sitz im Geheimen Rathe einzunehmen. Er gehörte zu Denen, auf welche die Opposition am sichersten gerechnet hatte. Aber die ihm jetzt angetragene Ehre und die Aussicht eine bedeutende Summe zu erhalten, die ihm die Krone schuldete, gewannen die Oberhand über seine Tugend und er wurde zum großen Ärgerniß aller Klassen von Protestanten vereidigt.[25]
Die Rachepläne des Königs gegen die Kirche gingen nicht in Erfüllung. Fast sämmtliche Archidiakonen und Diöcesankanzler verweigerten die verlangten Angaben. Der Tag, an welchem die ganze Masse der Geistlichen vorgeladen werden sollte, um sich wegen ihres Ungehorsams zu verantworten, kam heran.
[Anmerkung 22: In einer der zahlreichen Balladen jener Zeit kommen folgende Zeilen vor:
»Unsere beiden Briten sind Thoren, Die sich gegen das Gesetz verschworen, Aber das nächste Parlament wird sie kriegen bei den Ohren.«
Die beiden Briten sind Jeffrey's und Williams, beide aus Wales gebürtig.]
[Anmerkung 23: +London Gazette, July 9. 1688+.]
[Anmerkung 24: Ellis' Correspondenz, 10. Juli 1688; +Clarendon's Diary, Aug. 3. 1688+.]
[Anmerkung 25: +London Gazette, July 9. 1688+; Adda, 13 (23.) Juli; +Evelyn's Diary, July 12+; Johnstone, 8.(18.) Dec. 1687, 6.(16.) Febr. 1688.]
[_Verfahren der Hohen Commission. Sprat tritt aus._] Die Hohe Commission trat zusammen. Es zeigte sich, daß kaum ein kirchlicher Beamter eine Liste eingeschickt hatte. Zu gleicher Zeit wurde der Commission eine Schrift von der höchsten Bedeutung vorgelegt. Es war ein Schreiben von Sprat, dem Bischof von Rochester. Zwei Jahre lang hatte er in der Hoffnung auf ein Erzbisthum den Vorwurf ertragen, daß er die Kirche verfolge, deren Vertheidigung eine Gewissens- und Ehrenpflicht für ihn war. Aber seine Hoffnung war getäuscht worden. Er sah, daß er keine Aussicht hatte, auf den Metropolitenthron von York zu gelangen, wenn er nicht seinem Glauben entsagte. Er war zu gutherzig, als daß er an der Tyrannei hätte Gefallen finden können und zu scharfblickend, um nicht die Anzeichen der kommenden Vergeltung zu erkennen. Daher beschloß er, seine gehässigen Functionen niederzulegen, und er theilte diesen Entschluß seinen Collegen in einem Schreiben mit, das gleich allen Erzeugnissen seiner Prosa in einem sehr eleganten und würdevollen Style abgefaßt war. Er sagte, es sei ihm nicht möglich, noch länger Mitglied der Commission zu bleiben. Er habe zwar selbst aus Gehorsam gegen den königlichen Befehl die Erklärung verlesen, aber er könne es nicht auf sich nehmen, Tausende von frommen und loyalen Geistlichen, die eine andre Ansicht von ihrer Pflicht hätten, dazu zu verurtheilen, und da man beschlossen habe, sie dafür zu bestrafen, daß sie ihrer Überzeugung gemäß gehandelt, müsse er erklären, daß er lieber mit ihnen leiden, als zu ihren Leiden beitragen wolle.
Die Commissare lasen das Schreiben mit nicht geringem Erstaunen. Gerade die Fehler ihres Collegen, die bekannte Lockerheit seiner Grundsätze und seine bekannte Zaghaftigkeit machten seinen Abfall ganz besonders beunruhigend. Wenn Männer wie Sprat in der Sprache eines Hampden zu einer Regierung redeten, so mußte diese Regierung in der That sehr gefährdet sein. Das vor kurzem noch so übermüthige Tribunal wurde mit einem Male merkwürdig zahm. Die kirchlichen Beamten, welche seiner Autorität getrotzt, erhielten nicht einmal einen Verweis. Man hielt es nicht für rathsam, nur den Verdacht zu äußern, daß ihr Ungehorsam absichtlich gewesen sei. Es wurde ihnen nur bedeutet, daß ihre Berichte in vier Monaten fertig sein müßten. Dann ging die Commission bestürzt auseinander. Sie hatte den Todesstoß empfangen.[26]
[Anmerkung 26: Sprat's Briefe an den Earl von Dorset; +London Gazette, Aug. 23. 1688+.]
[_Unzufriedenheit des Klerus. -- Vorgänge in Oxford._] Während die Hohe Commission sich vor einem Conflict mit der Kirche scheute, reizte diese im Bewußtsein ihrer Stärke und von neuer Begeisterung beseelt, die Hohe Commission durch eine Reihe von Herausforderungen zum Angriff. Bald nach der Freisprechung der Bischöfe erlag der ehrwürdige Ormond, der vornehmste Kavalier aus dem großen Bürgerkriege, den Gebrechlichkeiten seines hohen Alters. Sein Tod wurde sogleich nach Oxford berichtet und die Universität, deren Kanzler er seit vielen Jahren gewesen war, versammelte sich augenblicklich, um einen Nachfolger für ihn zu wählen. Ein Theil war für den beredtsamen und gebildeten Halifax, ein andrer für den ernsten und orthodoxen Nottingham. Einige erwähnten auch den Earl von Abingdon, der in ihrer Nähe wohnte und unlängst seiner Stelle als Statthalter der Grafschaft entsetzt worden war, weil er sich geweigert hatte, den König in seinen Maßregeln gegen die Landeskirche zu unterstützen. Die Mehrheit aber, aus hundertachtzig Graduirten bestehend, stimmte für den jungen Herzog von Ormond, den Enkel ihres verstorbenen Oberhauptes und Sohn des tapferen Ossory. Die Eil, mit der sie zu diesem Beschlusse kamen, hatte ihren Grund in der Besorgniß, daß, wenn sie nur einen Tag zögerten, der König es versuchen möchte, ihnen einen Kanzler aufzudringen, der ihre Rechte nicht wahren würde. Diese Besorgniß war auch gegründet, denn kaum zwei Stunden nachdem sie auseinander gegangen waren, kam ein Befehl von Whitehall, der ihnen vorschrieb Jeffreys zu wählen. Zum Glück war die Wahl des jungen Ormond bereits vollendet und nicht mehr rückgängig zu machen.[27] Einige Wochen darauf wurde der ehrlose Timotheus Hall, der sich durch Verlesung der Indulgenzerklärung unter der londoner Geistlichkeit ausgezeichnet hatte, mit dem Bisthum Oxford belohnt, welches seit dem Tode des nicht minder ehrlosen Parker unbesetzt war. Hall kam nach Oxford, um seinen Bischofssitz einzunehmen, aber die Canonici seiner Kathedrale weigerten sich seiner Einsetzung beizuwohnen, die Universität wollte ihn nicht zum Doctor creiren, nicht ein einziges Mitglied der akademischen Jugend wendete sich an ihn behufs der Ordination, kein Hut wurde vor ihm abgenommen und er war in seinem Palaste beständig allein.[28]
Bald darauf kam eine Pfründe zur Erledigung, welche das Magdalenen-Collegium von Oxford zu vergeben hatte. Hough und seine vertriebenen Collegen versammelten sich und schlugen einen Candidaten vor, den der Bischof von Gloucester, in dessen Diöcese die Pfründe lag, auch ohne Besinnen einsetzte.[29]
[Anmerkung 27: +London Gazette, July 26. 1688+; Adda, 27. Juli (6. Aug.); Neuigkeitsbrief vom 23. Juli in der Mackintosh-Sammlung; Ellis Correspondenz, 28., 31. Juli. +Wood's Fasti Oxonienses+.]
[Anmerkung 28: +Wood's Athenae Oxonienses+; +Luttrell's Diary, Aug. 23. 1688.+]
[Anmerkung 29: Ronquillo, 17.(27.) Sept. 1688; +Luttrell's Diary, Sept. 6.+]