Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Fünfter Band (der 11)
Part 28
Und doch war diese Revolution, obgleich die mindest gewaltsame aller Revolutionen, die wohlthätigste von allen. Sie entschied für immer die große Frage, ob das volksthümliche Element, das sich seit den Zeiten der Fitzwalter und de Monfort in der englischen Verfassung vorfand, durch das monarchische Element zerstört werden, oder ob es sich frei sollte entwickeln und das vorherrschende werden dürfen. Der Kampf zwischen den beiden Prinzipien war lang, heftig und zweifelhaft gewesen. Er hatte vier Regierungen hindurch gedauert und hatte Aufstände, Staatsprozesse, Rebellionen, Schlachten, Belagerungen, Proscriptionen und Justizmorde herbeigeführt. Bald hatte es den Anschein gehabt, als ob die Freiheit, bald wieder, als ob die Monarchie auf dem Punkte stände unterzugehen. Viele Jahre lang war die eine Hälfte der Kraft Englands beschäftigt gewesen, die andre Hälfte zu bekämpfen. Die ausübende Gewalt und die gesetzgebende Gewalt hatten einander in ihrer Thätigkeit so gehemmt, daß der Staat in Europa fast keine Bedeutung gehabt hatte. Der Wappenkönig, welcher Wilhelm und Marien vor dem Eingange von Whitehall proklamirte, verkündete sehr wahr, daß dieser große Kampf nun vorüber sei, daß vollkommene Einigkeit zwischen dem Throne und dem Parlamente obwalte, daß das so lange abhängige und erniedrigte England wieder eine Macht ersten Ranges geworden sei, daß die alten Gesetze, welche die Prärogative beschränkten, hinfüro eben so heilig wie die Prärogative selbst gehalten und bis zu allen ihren Consequenzen durchgeführt, daß die ausübende Verwaltung in Übereinstimmung mit den Ansichten der Vertreter des Volks geleitet und daß keine Reform, welche die beiden Häuser nach reiflicher Erwägung vorschlagen würden, bei dem Souverain beharrlichen Widerstand finden werde. Obwohl die Rechtserklärung nichts zum Gesetz machte, was nicht vorher schon Gesetz gewesen wäre, so enthielt sie doch den Keim des Gesetzes, das dem Dissenter Religionsfreiheit gab, des Gesetzes, das die Unabhängigkeit der Richter sicherte, des Gesetzes, das die Dauer der Parlamente beschränkte, des Gesetzes, das die Preßfreiheit unter den Schutz von Geschwornen stellte, des Gesetzes, das den Sklavenhandel verbot, des Gesetzes, das den Religionseid abschaffte, des Gesetzes, das die Katholiken von den Ausschließungen von Civilämtern befreite, des Gesetzes, welches das System der Volksvertretung reformirte, kurz jedes guten Gesetzes, das seit hundertsechzig Jahren eingeführt worden ist, wie jeden guten Gesetzes, das auch fernerhin im Laufe der Seiten zur Förderung des Gemeinwohls und zur Befriedigung der Wünsche der öffentlichen Meinung für nöthig befunden werden wird.
Das beste Lob aber, das man der Revolution von 1688 geben kann, ist, das sie unsre letzte Revolution war. Seit mehreren Generationen hat kein verständiger und patriotischer Engländer mehr daran gedacht, sich gegen die bestehende Regierung aufzulehnen. Alle rechtschaffenen und denkenden Geister sind der Überzeugung, in der sie durch die tägliche Erfahrung bestärkt werden, daß die Mittel, um jede der Verfassung nöthige Verbesserung zu bewirken, von der Verfassung selbst geboten sind.
Unsre gegenwärtige Generation sollte besser als irgend eine die volle Bedeutung des Widerstandes unserer Vorfahren gegen das Haus Stuart zu würdigen vermögen. Rings um uns her wird die Welt von den Verzweiflungskämpfen großer Nationen erschüttert. Regierungen, welche noch vor Kurzem alle Aussicht auf ein jahrhundertelanges Fortbestehen zu haben schienen, sind plötzlich erschüttert und gestürzt worden. In den stolzesten Hauptstädten des westlichen Europa ist Bürgerblut geflossen. Alle bösen Leidenschaften, die Gewinnsucht und der Rachedurst, die Antipathie zwischen den Klassen und zwischen den Stämmen haben sich von dem Zwange göttlicher und menschlicher Gesetze losgerissen. Furcht und Angst haben die Stimmen von Millionen verdüstert und ihre Herzen bekümmert. Der Handel ist ins Stocken gerathen und die Industrie gelähmt worden. Die Reichen sind arm, die Armen noch ärmer geworden. Lehren, welche allen Wissenschaften, allen Künsten und allem Gewerbfleiße feind sind, Lehren, die, wenn sie praktisch angewendet würden, Alles was dreißig Jahrhunderte für die Menschheit gethan haben, vernichten und die schönsten Gauen Frankreichs und Deutschlands zu eben so wilden Ländern als Congo oder Patagonien machen würden, sind auf der Tribüne gepredigt und mit dem Schwerte vertheidigt worden. Europa hat die Unterjochung durch Barbaren gedroht, im Vergleich mit denen die Barbaren Attila's und Alboin's aufgeklärt und menschlich waren. Die aufrichtigsten Freunde des Volks haben mit tiefem Schmerze gestanden, daß Interessen, welche kostbarer als irgend welche politische Rechte sind, auf dem Spiele stehen, und daß es nöthig werden könnte, selbst die Freiheit zu opfern, um die Civilisation zu retten. Währenddem ist auf unsrer Insel der regelmäßige Gang der Regierung nie auch nur einen Tag unterbrochen worden. Die wenigen schlechten Menschen, denen nach Zügellosigkeit und Plünderung gelüstete, haben nicht den Muth gehabt, nur einen Augenblick der Kraft einer fest um den angestammten Thron geschaarten Nation zu trotzen. Und fragt man nach dem Grunde dieses Unterschiedes zwischen uns und Anderen, so ist die Antwort darauf: weil wir nie das verloren haben, was Andere mit blinder Hast wieder zu gewinnen suchen. Weil wir im siebzehnten Jahrhundert eine erhaltende Revolution gehabt haben, darum haben wir im neunzehnten keine zerstörende Revolution gehabt. Weil wir inmitten der Knechtschaft Freiheit hatten, darum haben wir inmitten der Anarchie Ordnung. Für das Ansehen des Gesetzes, für die Sicherheit des Eigenthums, für die Ruhe unserer Straßen und für das Glück unserer Familien gebührt unser Dank nächst Dem, der nach seinem Willen die Nationen erhebt und zu Boden wirft, dem Langen Parlamente, der Convention und Wilhelm von Oranien.
[Anmerkung 104: Bezeichnungen verschiedener Wappenherolde. -- Der Übers.]
Druck von Philipp Reclam jun. in Leipzig.
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Druckfehler und Unregelmässigkeiten
Rechtschreibungsformen wie »funfzig« : »fünfzig«, »Urtel« : »Urtheil« und »Partein« : »Parteien« sind ungeändert. Die Namen »Russel« und »Russell«, »Dyckvelt« und »Dykvelt« sind ebenso ungeändert (auch wenn es um die selbe Person handelt). Weitere:
Geschichtschreiber : Geschichtsschreiber Verhaft(s)befehl Geschicht(s)schreiber angesehen(d)ste
IX. Kapitel
ihrer Ämter und Pfründen entsetzt zu werden [Pfründer] [Anmerkung 4: ... edited by Blencowe [Blecnowe] welche andere Municipalitäten beabchsichtigten [beasichtigten] Er bemühte sich diesen Nachmittag [be-/bemühte _am Seitenende_] um sich Verhaltungsbefehle zu erbitten [ungeändert, mögligens »Verhaftungsbefehle«] [Anmerkung 65: Witson's MS. [ungeändert, anderswo Witsen] die ihm der spanische Stiefel und die Daumschraube bereitet [ungeändert, anderswo Daumenschraube] [Anmerkung 104: ... welche darüber zu entscheiden hat [enscheiden] eine starke Abtheilung derselben nach Cirencester verlegt [Circencester] oder einen Ersatzmann zu stellen. [Ersatzman] das Schwert an der Seite und Pistolen in den Holstern [Holftern] den 27. November, im Speisesaale des Palastes [Speisesale] ehe ich mich entscheide.«[137] [« _fehlt_] hingebrachten Lebens ein wahrhaft religiöser Mann [relegiöser]
X. Kapitel
in der Gegend des Klosters von Clerkenwell. [Clarkenwell, mögligens auch in Macaulays Englisch] [Anmerkung 15: +Harl. MS. 255.+] [Harl;] [Anmerkung 37: ... +Clarendon's Diary, Dec. 21. 1688+ [21.1688] eine prächtige Terrasse angelegt [Terasse] Auch ist es durchaus nicht unmöglich, daß er reussirt haben würde [ungeändert, gewöhnliche Form ist reüssirt (Fr. réussir)] Lincoln's Inn Fields und Conventgarden [ungeändert, rechte Form ist Coventgarden = Covent Garden] [Anmerkung 79: Dartmouth's Note zu Burnet, I. 393. [Darthmouth's] durch die Wichtigkeit der Krisis gerechtfertigt [gerechfertigt] die er mit Nutzen oder mit Ehren übernehmen könne [könnne] daß die Mittel um jede der Verfassung nöthige Verbesserung [Mitttel]