Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Fünfter Band (der 11)
Part 25
Außerdem wurde noch ein unverwerflicher Grund gegen Sancroft's Plan geltend gemacht. Die Gesetzsammlung enthielt ein Gesetz, daß bald nach Beendigung des langen und blutigen Kampfes zwischen den Häusern York und Lancaster zu dem Zwecke erlassen worden war, das Unheil abzuwenden, welches die abwechselnden Siege dieser beiden Häuser über den Adel und die Gentry des Reichs gebracht hatten. Dieses Gesetz bestimmte, daß Niemand deshalb, weil er es mit einem im Besitz der Macht befindlichen König gehalten, den auf Hochverrath gesetzten Strafen verfallen sollte. Als den Königsmördern nach der Restauration der Prozeß gemacht wurde, behaupteten einige von ihnen, ihr Fall sei nach diesem Gesetze zu richten. Sie sagten, sie hätten der Regierung gehorcht, die im Besitz der Macht gewesen, und sie seien daher keine Hochverräther. Die Richter gaben zu, daß dies eine gute Entschuldigung sein würde, wenn die Gefangenen unter der Autorität eines Usurpators gehandelt hätten, der, wie Heinrich IV. und Richard III. den Königstitel getragen, erklärten aber, daß ein solcher Entschuldigungsgrund Leuten, welche einen in der Anklageacte, im Todesurtheile und im Hinrichtungsbefehle als König bezeichneten Mann angeklagt, verurtheilt und hingerichtet hatten, nicht zu Gute kommen konnte. Daraus folgte sonach, daß Jeder, der einen Regenten gegen Jakob unterstützte, große Gefahr lief, gehängt, geschleift und geviertheilt zu werden, wenn Jakob einmal wieder zur höchsten Macht gelangte, daß aber Niemand ohne eine solche Verletzung des Gesetzes, wie selbst ein Jeffreys sie schwerlich zu begehen gewagt haben würde, bestraft werden könnte, weil er einen wenn auch unrechtmäßigerweise zu Whitehall regierenden Könige gegen einen zu Saint-Germain im Exil lebenden rechtmäßigen Könige gehalten hatte.[75]
Man sollte meinen, daß diese Gründe keinen Einwand zuließen, und sie wurden in der That von Danby, der die wundervolle Gabe besaß, jeden Gegenstand, den er behandelte, auch dem beschränktesten Verstande klar zu machen, und von Halifax, der in Gedankenreichthum und glänzender Diction unter den Rednern der damaligen Zeit seines Gleichen nicht hatte, mit Nachdruck hervorgehoben. Aber die Tories waren im Oberhause so zahlreich und mächtig, daß sie trotz der Unhaltbarkeit ihrer Sache, des Abfalls ihres Führers und der Geschicklichkeit ihrer Gegner bei einem Haare den Sieg davongetragen hätten. Hundert Lords stimmten ab. Neunundvierzig stimmten für eine Regentschaft, einundfünfzig dagegen. Bei der Minorität befanden sich die natürlichen Söhne Karl's, die Schwäger Jakob's, die Herzöge von Somerset und von Ormond, der Erzbischof von York und elf Bischöfe. Mit der Majorität stimmte außer Compton und Trelawney kein Prälat.[76]
Es war fast neun Uhr Abends, als das Haus auseinanderging. Der folgende Tag war der dreißigste Januar, der Todestag Karl's I. Die große Körperschaft des anglikanischen Clerus hatte es seit vielen Jahren für eine heilige Pflicht gehalten, an diesem Tage die Lehren vom Nichtwiderstande und vom passiven Gehorsam einzuschärfen. Ihre früheren Predigten konnten sie jedoch jetzt nicht mehr brauchen und viele Geistliche waren sogar in Zweifel, ob sie es wagen dürften, die ganze Liturgie zu lesen. Das Unterhaus hatte erklärt, daß der Thron erledigt sei, das Oberhaus hatte noch gar keine Ansicht ausgesprochen, und es war daher nicht leicht zu entscheiden, ob die Gebete für den Souverain angewendet werden konnten. Jeder Gottesdienst haltende Geistliche handelte nach seinem persönlichen Ermessen. In den meisten Kirchen der Hauptstadt wurden die Gebete für Jakob weggelassen; in der Margarethenkirche aber las Sharp, Dechant von Norwich, welcher ersucht worden war, vor den Mitgliedern des Unterhauses zu predigen, nicht allein die ganzen Gebete, wie sie im Buche standen, sondern extemporirte auch vor seiner Predigt einen Segen für den König und sprach am Schlusse seines Vortrags gegen die jesuitische Lehre, daß Unterthanen berechtigt seien, ihre Fürsten abzusetzen. Der Sprecher beschwerte sich noch denselben Nachmittag vor dem Hause über diese Beleidigung. »Heute fassen Sie einen Beschluß,« sagte er, »und morgen hören Sie denselben mit eigenen Ohren auf der Kanzel widersprechen.« Sharp wurde von den Tories kräftig in Schutz genommen und hatte selbst unter den Whigs Freunde; denn es war noch nicht vergessen, daß er sich in schlimmen Zeiten durch den Muth, mit dem er trotz des königlichen Befehls gegen den Papismus gepredigt, ernsten Gefahren ausgesetzt hatte. Sir Christoph Musgrave bemerkte sehr treffend, das Haus habe den Beschluß, welcher den Thron für erledigt erklärte, noch nicht bekannt machen lassen. Sharp sei daher nicht allein nicht verpflichtet gewesen, von diesem Beschlusse etwas zu wissen, sondern er hätte sogar nicht Notiz davon nehmen können, ohne sich eine Verletzung des Privilegiums des Hauses zu Schulden kommen zu lassen, wofür er hätte vor die Schranken gefordert und kniend einen Verweis erhalten können. Die Majorität sah ein, daß es nicht weise gewesen wäre, in diesem Augenblicke mit der Geistlichkeit zu hadern und man ließ den Gegenstand daher fallen.[77]
Während die Gemeinen über Sharp's Predigt discutirten, hatten sich die Lords wieder zu einem Comité zur Erwägung der Lage der Nation constituirt und hatten den Beschluß, der den Thron für erledigt erklärte, Satz für Satz vorlesen lassen.
Der erste Ausdruck, über den sich eine Debatte entspann, war der, welcher den ursprünglichen Vertrag zwischen König und Volk anerkannte. Es war nicht zu erwarten, daß die toryistischen Peers eine die Quintessenz des Whiggismus enthaltende Phrase ohne Einwendungen würden durchgehen lassen. Es wurde abgestimmt und mit dreiundfünfzig gegen sechsundvierzig Stimmen beschlossen, daß die Worte stehen bleiben sollten.
Der strenge Tadel, den die Gemeinen über die Verwaltung Jakob's ausgesprochen hatten, wurde nun zunächst in Betracht gezogen und ohne eine einzige abweichende Stimme gebilligt. Nur gegen den Ausdruck, Jakob habe die Regierung niedergelegt, wurden einige redactionelle Einwendungen gemacht. Es wurde hervorgehoben, man könne richtiger sagen, daß er sie verlassen habe. Dieses Amendement wurde, wie es scheint, fast ohne alle Debatte, und ohne Abstimmung angenommen. Inzwischen war es spät geworden, und die Lords hoben daher die Sitzung auf.[78]
[Anmerkung 73: +Clarendon's Diary, Jan. 21. 1688/89; Burnet, I. 810: Doyly's Life of Sancroft.+]
[Anmerkung 74: Siehe die Uniformitätsacte.]
[Anmerkung 75: +Stat. 2. Hen. 7. c. 1+; +Lord Coke's Institutes, III. 1.+ Cook's Hochverrathsprozeß in der +Collection of State Trials+; +Burnet, I. 813+, und Swift's Note.]
[Anmerkung 76: +Lords' Journals, Jan. 29. 1688/89; Clarendon's Diary; Evelyn's Diary+; Citters; +Eachard's History of the Revolution+; +Burnet, I. 813+; +History of the Reestablishment of the Government, 1689.+ Die Anzahl der Stimmen für und wider sind in den Protokollen nicht angeführt und werden von verschiedenen Schriftstellern verschieden angegeben. Ich habe mich an Clarendon gehalten, der sich die Mühe genommen, Listen der Majorität und der Minorität zu entwerfen.]
[Anmerkung 77: +Grey's Debates+; +Evelyn's Diary+; +Life of Archbishop Sharp, by his son+; +Apology for the New Separation, in a letter to Dr. John Sharp, Archbishop of York, 1691.+]
[Anmerkung 78: +Lords' Journals, Jan. 30. 1688/89; Clarendon's Diary.+]
[_Spaltung zwischen den Whigs und den Anhängern Danby's._] Bis hieher hatte die kleine Anzahl Peers, welche unter Danby's Leitung standen, in festem Bunde mit Halifax und den Whigs gehandelt. Das Ergebniß dieser Einigung war die Verwerfung des Regentschaftsplanes und die Bestätigung des Grundsatzes vom ursprünglichen Vertrag. Der Satz, daß Jakob aufgehört habe, König zu sein, war der Vereinigungspunkt der beiden Parteien gewesen, welche zusammen die Majorität gebildet hatten. Von diesem Punkte an aber gingen ihre Wege auseinander. Die nächste zu entscheidende Frage war, ob der Thron erledigt sei, und dies war keine bloße Formfrage, sondern eine Frage von ernster praktischer Bedeutung. Wenn der Thron erledigt war, so konnten die Stände des Reichs Wilhelm auf denselben erheben; war er nicht erledigt, so konnte er erst nach seiner Gemahlin, nach der Prinzessin Anna und nach deren Nachkommenschaft auf denselben gelangen.
Nach der Ansicht der Anhänger Danby's war es ein feststehender Grundsatz, daß unser Land nicht einen Augenblick ohne einen rechtmäßigen Fürsten sein konnte. Der Mensch konnte sterben, aber der Regent war unsterblich; der Mensch konnte abdanken, der Regent aber war unabsetzbar. Wenn wir, sagten diese Politiker, einmal zugeben, daß der Thron erledigt ist, so geben wir auch zu, daß er durch Wahl besetzt werden kann. Der Souverain, den wir auf denselben erheben, wird dann nicht ein Souverain nach englischem, sondern einer nach polnischem Modus sein. Selbst wenn wir die Person wählten, welche dem Geburtsrechte nach zur Regierung kommen würde, so würde diese Person doch nicht kraft des Geburtsrechtes, sondern kraft unsrer Wahl regieren und würde als Geschenk erhalten was als Erbtheil betrachtet werden sollte. Die heilsame Ehrfurcht, mit der das königliche Blut und das Erstgeburtsrecht bisher betrachtet worden sind, würde bedeutend geschwächt werden. Noch schlimmer würde das Übel sein, wenn wir den Thron nicht allein durch Wahl, sondern mit einem Prinzen besetzten, der zwar unbestreitbar die Eigenschaften eines großen und guten Regenten hat und uns eine wunderbare Befreiung gebracht, der aber nicht der Erste, ja nicht einmal der Zweite in der Thronfolgeordnung ist. Wenn wir einmal sagen, daß Verdienste, so groß sie immer sein mögen, ein Anrecht auf die Krone geben, so erschüttern wir die Grundpfeiler unsrer Verfassung und liefern einen Precedenzfall, den jeder ehrgeizige Krieger oder Staatsmann, welcher dem Lande einen großen Dienst geleistet haben mag, in seinem Interesse zu benutzen sich versucht fühlen wird. Diese Gefahr vermeiden wir, wenn wir die Prinzipien der Verfassung logisch bis zu ihren Consequenzen festhalten. Es hat eine Niederlegung der Krone stattgefunden. Im Augenblicke der Niederlegung wurde der nächste Erbe unser rechtmäßiger Souverain. Wir betrachten die Prinzessin von Oranien als nächste Erbin, und sind der Meinung, daß sie unverzüglich als das was sie wirklich ist, als unsre Königin, proklamirt werden muß.
Die Whigs entgegneten hierauf, es sei nutzlos, die gewöhnlichen Regeln auf ein im Zustande der Revolution befindliches Land anzuwenden, die jetzt obschwebende große Frage dürfe nicht nach den Ansprüchen pedantischer Templer entschieden werden, und wenn sie so entschieden werden solle, so könnten derartige Aussprüche auf der einen Seite eben so gut wie auf der andren angeführt werden. Wenn es ein Rechtsgrundsatz sei, daß der Thron nie unbesetzt sein könne, so sei es auch ein Rechtsgrundsatz, daß ein noch lebender Mensch keinen Erben haben könne. Jakob lebte noch; wie könnte also die Prinzessin von Oranien seine Erbin sein? Das englische Recht habe allerdings vollständige Vorsorge für die Thronfolge getroffen, für den Fall, daß die Macht eines Souverains zu gleicher Zeit mit seinem Leben endete, nicht aber für die seltenen Fälle, in denen seine Macht vor dem Aufhören seines physischen Lebens endete, und mit einem dieser höchst seltenen Fälle habe die Convention es jetzt zu thun. Daß Jakob nicht mehr auf dem Throne sitze, hätten beide Häuser erklärt. Weder das gemeine Recht, noch das in den Gesetzen enthaltene Recht bezeichne irgend Jemanden als befugt, in der Zeit zwischen seiner Abdankung und seinem Ableben den Thron einzunehmen. Daraus folge, daß der Thron erledigt sei und daß die Häuser den Prinzen von Oranien ersuchen könnten, denselben einzunehmen. In der Geburtsordnung sei er allerdings nicht der Nächste, allein dies sei kein Nachtheil, sondern vielmehr gerade eine positive Empfehlung. Die erbliche Monarchie sei eine gute politische Institution, aber keineswegs heiliger als andere gute politische Institutionen. Leider hätten bigotte und servile Theologen es zu einem religiösen Mysterium gemacht, das fast eine eben so heilige Scheu erwecke und eben so unbegreiflich sei, als die Transsubstantiation selbst. Die Institution aufrecht zu erhalten, aber die nachtheiligen abergläubischen Begriffe zu entfernen, die man seit den letzten Jahren daran geknüpft, und die sie zu einem Fluche, anstatt zu einem Segen für die Gesellschaft gemacht hätten, müsse das Hauptbestreben der englischen Staatsmänner sein, und dieser Zweck werde am besten erreicht werden, wenn man einmal von der allgemeinen Erbfolgeordnung ein wenig abweiche und dann wieder zu derselben zurückkehre.
[_Versammlung bei dem Earl von Devonshire._] Es wurden viele Versuche gemacht, um einen offenen Bruch zwischen der Partei des Prinzen und der Partei der Prinzessin zu verhüten. Eine große Versammlung wurde im Hause des Earl von Devonshire gehalten und daselbst lebhaft debattirt. Halifax war der Hauptsprecher für Wilhelm, Danby für Marien. Von Marien's Gesinnungen wußte Danby nichts. Sie wurde seit einiger Zeit in London erwartet, war aber zuerst durch die Eismassen, welche die Flußmündungen versperrten, und nach eingetretenem Thauwetter durch heftige Westwinde in Holland, zurückgehalten worden. Wäre sie früher gekommen, so würde der Streit wahrscheinlich mit einem Male beigelegt worden sein. Auf der andren Seite war Halifax nicht ermächtigt irgend etwas im Namen Wilhelm's zu thun. Der Prinz hatte, getreu seinem Versprechen, daß er die Einsetzung der Regierung der Convention überlassen werde, eine undurchdringliche Zurückhaltung bewahrt und hatte sich kein Wort, keinen Blick, keine Geberde entschlüpfen lassen, welche Zufriedenheit oder Mißfallen hätte verrathen können. Einer seiner Landsleute, der sein Vertrauen in hohem Maße genoß, war zu der Versammlung eingeladen und von den Peers dringend ersucht worden, daß er ihnen einige Aufschlüsse geben möchte. Er weigerte sich lange. Endlich aber gab er ihren Bitten insoweit nach, daß er sagte: »Ich kann die Gesinnung Seiner Hoheit nur muthmaßen. Wenn Sie es gern wissen wollen, was ich muthmaße, so will ich es Ihnen sagen: ich vermuthe, daß er nicht gern der Ceremonienmeister seiner Gemahlin werden möchte. Doch ich weiß nichts.« -- »Aber ich weiß nun etwas,« erwiederte Danby. »Ich weiß genug, mehr als genug.« Dann entfernte er sich und die Versammlung ging auseinander.[79]
Am 31. Januar wurde die so beendigte Privatdebatte im Hause der Peers öffentlich wieder aufgenommen. Dieser Tag war zur Feier des Nationaldankfestes bestimmt worden. Mehrere Bischöfe, darunter Ken und Sprat, hatten für diese Gelegenheit ein besonderes Gebet abgefaßt. Es ist vollkommen frei von Schmeicheleien wie von Gehässigkeiten, welche derartige Erzeugnisse damals nur zu oft verunzierten und hält vielleicht besser als irgend ein andres Gelegenheitsgebet, das seit zwei Jahrhunderten verfaßt wurde, einen Vergleich mit jenem herrlichen Muster reiner, erhabener und ergreifender Beredtsamkeit, mit dem allgemeinen Gebetbuche aus. Die Lords gingen am Morgen in die Westminsterabtei. Die Gemeinen hatten Burnet gebeten, in der Margarethenkirche vor ihnen zu predigen. Von ihm hatte man nicht zu fürchten, daß er in den Fehler verfallen werde, welcher den Tag vorher daselbst begangen worden war. Sein kräftiger und lebendiger Vortrag fand gewiß lauten Beifall bei seinen Zuhörern. Die Predigt wurde nicht allein auf Befehl des Hauses gedruckt, sondern auch zur Erbauung fremder Protestanten ins Französische übersetzt.[80] Der Tag wurde mit den bei solchen Gelegenheiten üblichen Festlichkeiten beschlossen. Die ganze Stadt strahlte von Feuerwerk und Freudenfeuern; der Kanonendonner und das Glockengeläute dauerten bis tief in die Nacht hinein; aber ehe die Lichter erloschen und die Straßen wieder still geworden waren, hatte ein Ereigniß stattgefunden, das die Freude des Volks dämpfte.
[Anmerkung 79: Dartmouth's Note zu Burnet, I. 393. Dartmouth sagt, die Lords hätten Fagel diese Andeutung abgedrungen. Dies war ein Schreibfehler, der in einer eilig hingeschriebenen Anmerkung wohl zu entschuldigen ist; aber Dalrymple und Andere hätten einen so auffallenden Fehler nicht abschreiben sollen. Fagel war am 5. Dec. 1688, während sich Wilhelm in Salisbury und Jakob in Whitehall befand, in Holland gestorben. Die richtige Person war vermuthlich Dykvelt, Bentinck oder Zulestein, am wahrscheinlichsten Dykvelt.]
[Anmerkung 80: Das Gebet sowohl als Burnet's Predigt sind noch in unseren großen Bibliotheken zu finden und verdienen gelesen zu werden.]
[_Debatte im Hause der Lords über die Frage der Thronerledigung._] Die Peers hatten sich aus der Abtei in ihr Sitzungslokal begeben und die Discussion über die Lage der Nation wieder aufgenommen. Die letzten Worte des Beschlusses der Gemeinen wurden in Erwägung gezogen, und es zeigte sich bald, daß die Majorität nicht gemeint war, diesen Worten beizustimmen. Zu den nahe an fünfzig Lords, welche der Ansicht waren, daß Jakob noch der Königstitel gebühre, kamen jetzt noch sieben bis acht, welche behaupteten, daß derselbe schon auf Marien übergegangen sei. Als die Whigs sahen, daß ihre Gegner ihnen an Zahl überlegen waren, versuchten sie es, einen Vergleich zu Stande zu bringen. Sie schlugen deshalb vor, die Worte, welche den Thron für erledigt erklärten, wegzulassen und den Prinzen und die Prinzessin einfach zum König und zur Königin zu proklamiren. Es war augenscheinlich, daß eine solche Erklärung Alles was die Tories nicht zugestehen wollten, wenn nicht ausdrücklich aussprach, doch in sich schloß. Denn Niemand konnte behaupten, daß Wilhelm kraft des Geburtsrechts in das königliche Amt eingetreten war. Ein Beschluß, der ihn als König anerkannte, wäre demnach ein Wahlact gewesen, und wie konnte eine Wahl stattfinden ohne Erledigung?
[_Die Majorität für die Verneinung._] Der Vorschlag der whiggistischen Lords wurde mit zweiundfünfzig gegen siebenundvierzig Stimmen verworfen. Dann wurde die Frage gestellt, ob der Thron erledigt sei. Hiermit waren einverstanden einundvierzig, nicht einverstanden fünfundfünfzig. Sechsunddreißig von der Minorität protestirten.[81]
[Anmerkung 81: +Lords' Journals, Jan. 31. 1688/89+.]
[_Aufregung in London._] Während der beiden folgenden Tage war London in einer unruhigen und angstvollen Stimmung. Die Tories begannen zu hoffen, daß sie ihren Lieblingsplan einer Regentschaft mit besserem Erfolge wieder zur Sprache würden bringen können. Vielleicht zog der Prinz selbst, wenn er sah, daß er keine Aussicht hatte, die Krone zu tragen, Sancroft's Plan, dem Plane Danby's vor. Es war allerdings besser, König zu sein als Regent; aber Regent war immer noch besser als Ceremonienmeister. Auf der andren Seite begann auch die niedere und heftigere Klasse der Whigs, die ehemaligen Emissäre Shaftesbury's die alten Bundesgenossen College's sich in der City zu regen. Volkshaufen versammelten sich im Palasthofe und führten eine drohende Sprache. Lord Lovelace, der im Verdacht stand, zu diesen Versammlungen aufgereizt zu haben, kündigte den Peers an, daß er beauftragt sei, eine Petition zu überreichen, in der sie aufgefordert würden, den Prinzen und die Prinzessin von Oranien unverzüglich zum König und zur Königin zu erklären. Auf die Frage, von wem die Petition unterzeichnet sei, antwortete er: »Sie hat noch keine Unterschriften, wenn ich sie aber das nächste Mal wieder mit hierher bringe, wird sie deren genug haben.« Diese Drohung beunruhigte und verdroß seine eigne Partei. Die leitenden Whigs waren in der That noch ängstlicher besorgt, als die Tories, daß die Berathungen der Convention vollkommen frei seien und daß kein Anhänger Jakob's behaupten könne, daß das eine oder das andre Haus unter dem Einflusse eines Zwanges gehandelt habe. Eine ähnliche Petition wie die von Lovelace überreichte, wurde auch im Hause der Gemeinen vorgelegt, aber mit Verachtung zurückgewiesen. Maynard war der Erste, der gegen den Versuch des Straßenpöbels, die Stände des Reichs einzuschüchtern, protestirte. Wilhelm ließ Lovelace zu sich kommen, setzte ihn sehr ernsthaft zur Rede und befahl den städtischen Behörden, gegen alle ungesetzlichen Versammlungen kräftig einzuschreiten.[82] Nichts in der Geschichte unsrer Revolution verdient mehr Bewunderung und Nachahmung als die Art, wie sich die beiden Parteien der Convention gerade in dem Augenblicke, wo ihr Streit am heftigsten war, wie ein Mann zum Widerstand gegen die Vorschriften des Pöbels der Hauptstadt verbanden.
[Anmerkung 82: Citters, 5.(15.) Febr. 186 f.; +Diary, Feb. 2.+ In dem Werke, +Revolution Politics+, einem höchst abgeschmackten Buche, das aber als Sammlung der unsinnigen Tagesgerüchte einigen Werth hat, übertreibt die Geschichte maßlos. -- +Grey's Debates+.]
[_Brief von Jakob an die Convention._] Obgleich aber die Whigs fest entschlossen waren, die Ordnung aufrecht zu erhalten und die Freiheit der Debatte zu achten, so waren sie doch nicht minder fest entschlossen, kein Zugeständniß zu machen. Am Samstag, den 2. Februar beschlossen die Gemeinen ohne Abstimmung, die ursprüngliche Fassung ihres Beschlusses beizubehalten. Jakob kam wie immer seinen Feinden zu Hülfe. Eben war ein Schreiben von ihm an die Convention angelangt. Der Apostat Melfort, der jetzt in St.-Germain in hoher Gunst stand, hatte es Preston überbracht. Der Name Melfort war jedem Anhänger der Staatskirche verhaßt. Daß er noch immer ein vertrauter Diener Jakob's war, genügte an sich schon um zu beweisen, daß die Thorheit und Verkehrtheit seines Gebieters unheilbar waren. Kein Mitglied eines der beiden Häuser wagte es, die Vorlesung eines von solcher Seite kommenden Schreibens zu beantragen. Der Inhalt war jedoch der ganzen Stadt bekannt. Seine Majestät ermahnte die Lords und Gemeinen, an seiner Milde nicht zu verzweifeln und versicherte gnädigst, daß er Denen, die ihn verrathen hätten, verzeihen wolle, einige Wenige ausgenommen, die er nicht nannte. War es wohl möglich etwas für einen Fürsten zu thun, der besiegt, verlassen, verbannt und von Almosen lebend, Denjenigen, in deren Hand sein Schicksal lag, sagte, daß er, wenn sie ihn wieder auf den Thron setzten, nur einige wenige von ihnen hängen lassen würde?[83]
[Anmerkung 83: Jakob's Brief, vom 24. Jan. (3. Febr.) 1689 datirt, findet sich bei Kennet. In Clarke's +Life of James+ ist er auf die unredlichste Weise entstellt. Siehe +Clarendon's Diary, Feb. 2, 4+; +Grey's Debates+; +Lords' Journals, Feb. 2, 4, 1688/89+.]
[_Debatte._] Der Streit zwischen den beiden Parteien der gesetzgebenden Gewalt dauerte noch einige Tage. Montag, den 4. Februar, beschlossen die Lords auf ihren Amendements zu beharren; aber es wurde ein mit neununddreißig Namen unterzeichneter Protest in die Protokolle eingetragen.[84]
[Anmerkung 84: Es ist von mehrern Schriftstellern, unter anderen von Ralph, und B. Mazure behauptet worden, Danby habe diesen Protest unterzeichnet. Dies ist ein Irrthum. Wahrscheinlich las Jemand, der die Protokolle vor dem Drucke durchsah, Danby für Derby. +Lords' Journals, Feb. 4. 1688/89+. Einige Tage vorher schrieb Evelyn fälschlich Derby anstatt Danby. Sein Tagebuch vom 29. Jan. 1688/89.]
[_Unterhandlungen._] Am folgenden Tage beschlossen die Tories, ihre Stärke im Unterhause zu versuchen. Sie erschienen in großer Anzahl und es wurde der Antrag gestellt, den Amendements der Lords beizutreten. Die, welche für Sancroft's Plan und die, welche für Danby's Plan waren, stimmten miteinander; allein sie wurden mit zweihundertundachtzig gegen hunderteinundfünfzig Stimmen geschlagen. Das Haus beschloß hierauf, um eine freie Conferenz mit den Lords nachzusuchen.[85]
[Anmerkung 85: +Commons' Journals, Feb. 5. 1688/89.+]