Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Fünfter Band (der 11)
Part 23
[Anmerkung 61: Brief an die Lords des Geheimen Raths, 4.(14.) Jan. 1688/89; +Clarendon's Diary, Jan. 9.(19.)+]
[_Sancroft's Plan._] Die Folge seiner Thorheit und seines Starrsinns war, daß selbst Diejenigen, welche am meisten wünschten, ihn unter billigen Bedingungen wieder auf den Thron zu setzen, erkannten, daß sie der Sache, der sie dienen wollten, nur schaden würden, wenn sie in diesem Augenblicke die Eröffnung von Unterhandlungen vorschlügen. Sie beschlossen daher, sich mit einer andren Abtheilung der Tories zu verbinden, deren Oberhaupt Sancroft war. Sancroft glaubte ein Mittel gefunden zu haben, durch welches für die Regierung des Landes gesorgt werden könnte, ohne Jakob zurückzurufen, aber auch ohne ihn deshalb seiner Krone zu berauben. Dieses Mittel war eine Regentschaft. Die unfügsamsten unter denjenigen Theologen, welche die Lehre vom passiven Gehorsam eingeschärft, hatten doch nie behauptet, daß man diesen Gehorsam einem Kinde oder einem Wahnsinnigen schuldig sei. Es war allgemein anerkannt, daß, wenn der rechtmäßige Souverain zur Verwaltung seines Amtes geistig unfähig sei, ein Stellvertreter für ihn erwählt werden könne, und daß Jeder, der sich diesem Stellvertreter widersetzte und sich zu seiner Entschuldigung auf den Befehl eines Fürsten berief, der noch in der Wiege lag oder geistesschwach war, mit vollem Rechte den auf Empörung gesetzten Strafen verfiele. Dummheit, Unverstand und Aberglaube -- so raisonnirte der Primas -- hätten Jakob eben so unfähig gemacht, sein Land zu regieren, wie nur ein in den Windeln liegendes Kind oder ein auf dem Stroh von Bedlam grinsender und Unsinn schwatzender Wahnsinniger es sein könnte. Es müsse daher der Weg eingeschlagen werden, den man ergriffen habe, als Heinrich VI. noch ein Kind war, und dann wieder, als er in Schlafsucht verfiel. Jakob könne factisch nicht mehr König sein, aber er müsse es doch dem Anscheine nach bleiben. Die Regierungsdecrete müßten noch unter seinem Namen erlassen, und sein Bildniß und sein Namenszug müßten noch immer auf den Münzen und im Staatssiegel figuriren. Die Parlamentsacten müßten nach wie vor mit den Jahren seiner Regierung bezeichnet, die Verwaltung aber müsse ihm entzogen und einem von den Ständen des Reichs ernannten Regenten übertragen werden. Auf diese Weise, behauptete Sancroft allen Ernstes, werde das Volk seiner Unterthanenpflicht treu bleiben, die Eide der Treue, die es seinem Könige geschworen, würden streng beobachtet werden, und die orthodoxesten Anglikaner könnten ohne die geringsten Gewissensscrupel unter dem Regenten Ämter übernehmen.[62]
Sancroft's Meinung hatte bei der ganzen Torypartei und ganz besonders bei der Geistlichkeit großes Gewicht. Eine Woche vor dem Tage, auf den die Convention einberufen war, versammelte sich im Lambethpalaste eine ehrwürdige Gesellschaft, hörte in der Kapelle eine Betübung an, speiste bei dem Primas und berieth sich dann über den Stand der öffentlichen Angelegenheiten. Fünf Suffraganen des Erzbischofs, die im vergangenen Sommer seine Gefahren und seinen Ruhm getheilt hatten, waren anwesend. Die Earls von Clarendon und von Ailesbury vertraten die toryistische Laienschaft. Die ganze Versammlung schien einmüthig der Ansicht zu sein, daß Diejenigen, welche Jakob den Unterthaneneid geleistet hatten, ihm mit vollem Rechte den Gehorsam verweigern, aber nicht mit gutem Gewissen den Königstitel einem Andren beilegen könnten.[63]
[Anmerkung 62: Es scheint unglaublich, daß irgend Jemand sich durch solchen Unsinn hätte täuschen lassen sollen. Ich halte es daher für nöthig, Sancroft's Worte anzuführen, die noch in seiner eignen Handschrift existiren. »Die politische Capacität oder Autorität des Königs und sein Name in der Regentenreihe sind vollkommen und unleugbar. Da aber seine Person menschlich und sterblich und sonst gegen die übrigen Menschen nicht bevorzugt ist, so ist sie auch allen Mängeln und Fehlern derselben unterworfen. Er kann daher zur Leitung der Regierung, zur Verwaltung des Staatsschatzes etc. unfähig werden, sei es durch Abwesenheit, durch Unmündigkeit, durch Geistesschwäche, Wahnsinn oder Apathie, durch natürliche oder zufällige Krankheit, oder endlich durch gewisse, in Folge von Erziehung oder Gewohnheit entstandene und festgewurzelte, mit unabänderlichen Entschließungen verbundene Vorurtheile in mit den Gesetzen, der Religion, dem Landesfrieden und der wahren Politik des Reichs unvereinbaren Dingen. In allen diesen Fällen, sage ich, müssen eine oder mehrere Personen ernannt werden, um solchem Mängel abzuhelfen und die Regierungsgeschäfte statt seiner und im Namen seiner Gewalt und Autorität zu leiten. Ist dies geschehen, sage ich weiter, so sind alle wie früher stattfindenden Proceduren, Autoritäten, Ernennungen, Verleihungen etc. in jeder Hinsicht gesetzlich und rechtsgültig, die Unterthanenpflichten des Volkes bleiben die nämlichen, seine Eide und Verbindlichkeiten sind in keiner Weise verändert. So lange die Regierung kraft der Autorität und im Namen des Königs fortgeführt wird, bestehen auch alle die geheiligten Bande und eingeführten Proceduren fort und keines Menschen Gewissen wird mit irgend etwas beschwert, was zu übernehmen er Bedenken zu tragen braucht.« -- +Tanner MS.; Doyly's Life of Sancroft+. Die Creaturen Jakob's machten sich nicht ganz ohne Grund über das Englisch des guten Erzbischofs lustig.]
[Anmerkung 63: +Evelyn, Jan. 15, 1688/89.+]
[_Danby's Plan._] So stimmten zwei Sectionen der Torypartei (diejenigen, welche eine Verständigung mit Jakob wünschten, und die, welche von einer solchen Verständigung nichts wissen wollten) in der Unterstützung der Regentschaftsidee überein. Eine dritte Section jedoch, die zwar nicht sehr zahlreich war, aber großes Gewicht und großen Einfluß hatte, empfahl einen ganz andren Plan. Die Oberhäupter dieser kleinen Schaar waren im Hause der Lords Danby und der Bischof von London, im Hause der Gemeinen Sir Robert Sawyer. Sie meinten ein Mittel ausfindig gemacht zu haben, um unter streng gesetzlichen Formen eine völlige Revolution zu bewerkstelligen. Sie sagten, es widerstreite allem Prinzip, daß ein König durch seine Unterthanen abgesetzt werden solle. Durch seine Flucht habe er selbst seiner Macht und Stellung entsagt. Der Thron sei factisch erledigt und könne nach der Ansicht aller verfassungskundigen Juristen keinen Augenblick unbesetzt bleiben. Der nächste Erbe sei daher an seine Stelle getreten. Aber wer sei der nächste Thronerbe? Was den nach Frankreich übergeführten unmündigen Prinzen anlange, so sei dessen Eintritt in die Welt von vielen verdächtigen Umständen begleitet gewesen. Man sei es den anderen Mitgliedern des königlichen Hauses und der Nation schuldig, jeden Zweifel hierüber zu heben. Der Gemahl der Prinzessin von Oranien habe daher in ihrem Namen feierlich eine Untersuchung verlangt, welche auch vorgenommen worden wäre, hätten nicht die des Betrugs angeklagten Parteien einen Weg eingeschlagen, der in jedem gewöhnlichen Falle als ein entscheidender Schuldbeweis gegolten haben würde. Sie hätten sich nicht für bemüßigt gehalten, den Ausgang einer feierlichen Parlamentsuntersuchung abzuwarten, sie hätten sich heimlich in ein fremdes Land begeben und nicht allein das Kind, sondern auch alle diejenigen französischen und italienischen Kammerfrauen mit sich genommen, welche in den Betrug, falls ein solcher stattgefunden haben sollte, eingeweiht sein müßten und daher einem strengen Verhör zu unterwerfen gewesen wären. Die Ansprüche des Prinzen ohne Untersuchung anzuerkennen, sei nicht möglich, und Diejenigen, die sich seine Eltern nennten, hätten jede Untersuchung unmöglich gemacht. Das Urtheil müsse daher +in contumaciam+ gegen ihn gefällt werden. Geschehe ihm dann Unrecht, so geschehe ihm nicht von Seiten der Nation, sondern von Seiten Derer Unrecht, deren auffallendes Benehmen bei seiner Geburt die Nation berechtigt habe, eine Untersuchung zu verlangen, und die sich einer solchen Untersuchung durch die Flucht entzogen hätten. Er könne daher mit vollkommenem Rechte als ein Prätendent betrachtet werden. Und so sei die Krone gesetzmäßig auf die Prinzessin von Oranien übergegangen. Sie sei thatsächlich regierende Königin und die beiden Häuser hätten nichts weiter zu thun, als sie zu proclamiren. Sie könne, wenn sie sonst wolle, ihren Gemahl zu ihrem ersten Minister ernennen und ihm sogar mit Bewilligung des Parlaments den Königstitel verleihen.
Nur wenige Personen zogen diesen Plan jedem andren vor und es war mit Gewißheit zu erwarten, daß sich demselben sowohl Diejenigen, welche Jakob noch zugethan waren, wie auch alle Anhänger Wilhelm's widersetzen würden. Indessen gab Danby, der auf seine Kenntniß der parlamentarischen Taktik vertraute und wohl wußte, was ein kleines Streifcorps auszurichten vermag, wenn große Parteien einander ziemlich die Wage halten, noch keineswegs die Hoffnung auf, daß er im Stande sein werde, den Ausgang des Kampfes so lange in der Schwebe zu erhalten, bis Whigs und Tories, an einem vollkommenen Siege verzweifelnd und die Folgen der Verzögerung fürchtend, ihn als Schiedsrichter annehmen würden. Auch ist es durchaus nicht unmöglich, daß er reussirt haben würde, wenn die Frau, die er auf den höchsten Gipfel irdischer Größe erheben wollte, unterstützt oder doch wenigstens nicht behindert worden wäre. So scharfblickend und wohlerfahren er in Staatsgeschäften war, so kannte er doch weder den Character Mariens noch die Gefühle, mit denen sie ihren Gemahl betrachtete, und selbst ihr alter Lehrer Compton war nicht besser unterrichtet. Wilhelm's Manieren waren trocken und kalt, seine Constitution war schwächlich und kränklich und seine Gemüthsart nichts weniger als sanft; er war daher nicht der Mann, der nach gewöhnlichen Begriffen für geeignet gehalten werden konnte, einer sechsundzwanzigjährigen schönen jungen Frau eine heftige Leidenschaft einzuflößen. Es war bekannt, daß er seiner Gemahlin nicht immer ganz treu geblieben war und der Leumund hatte ausgesprengt, daß sie nicht glücklich mit ihm lebe. Die scharfsichtigsten Politiker ahneten daher nicht, daß er bei allen seinen Fehlern eine solche Herrschaft über ihr Herz erlangt hatte, als selbst Fürsten, die wegen ihres Glücks in der Liebe am berühmtesten waren, wie Franz I. und Heinrich IV., Ludwig XIV. und Karl II. sie niemals über ein weibliches Herz besessen hatten, und daß die drei Königreiche ihrer Voreltern in ihren Augen hauptsächlich deshalb einen Werth hatten, weil sie ihrem Gemahl durch die Verleihung derselben die Innigkeit und Uneigennützigkeit ihrer Liebe beweisen konnte. Danby versicherte ihr in seiner völligen Unkenntniß ihrer Gesinnungen, daß er ihre Rechte vertheidigen und daß, wenn sie ihn unterstütze, er sie allein auf den Thron setzen zu können hoffe.[64]
[Anmerkung 64: +Clarendon's Diary, Dec. 24. 1688+; +Burnet, I. 819+; +Proposals humbly offered in behalf of the Princess of Orange, Jan. 28. 1688/89.+]
[_Der Plan der Whigs._] Das Verfahren der Whigs war inzwischen einfach und consequent. Nach ihrer Doctrin war die Grundlage unsrer Regierung ein Vertrag, der auf der einen Seite durch den Unterthaneneid, auf der andren durch den Krönungseid ausgedrückt sei, und die durch diesen Vertrag auferlegten Pflichten waren gegenseitig. Sie hielten dafür, daß einem Fürsten, der seine Macht gröblich mißbrauchte, von seinem Volke mit vollem Rechte der Gehorsam verweigert und er des Thrones entsetzt werden könne. Daß Jakob seine Macht gröblich gemißbraucht hatte, wurde nicht bestritten, und die ganze Whigpartei war bereit, es offen auszusprechen, daß er sie verwirkt habe. Ob der Prinz von Wales untergeschoben war oder nicht, sei ein Punkt, der gar nicht der Untersuchung werth sei. Es gebe jetzt viel gewichtigere Gründe, ihn vom Throne auszuschließen als die, welche aus den Vorgängen bei seiner Geburt hergeleitet werden könnten. Ein Kind, das in einer Wärmpfanne ins Bett der Königin gelegt worden sei, könne möglicherweise auch ein guter König von England werden. Dies sei aber nicht von einem Kinde zu erwarten, das von seinem Vater, dem stupidesten und starrsinnigsten Tyrannen von der Welt, in einem fremden Lande, dem Sitze des Despotismus und des Aberglaubens erzogen werde, in einem Lande, wo jede Spur von Freiheit verschwunden sei, wo die Stände des Reichs sich nicht mehr versammelten, wo die Parlamente seit langer Zeit, ohne Gegenvorstellungen zu machen, die drückendsten Erlasse des Landesherrn zu Gesetzen erhoben hätten, wo Tapferkeit, Genie und Gelehrsamkeit nur da zu sein schienen, um einen einzelnen Mann zu vergrößern, wo kriechende Schmeichelei das Hauptstreben der Presse, der Kanzel und der Bühne, und wo die grausamste Verfolgung der reformirten Kirche ein Hauptgegenstand jener kriechenden Schmeichelei sei. Könne man wohl erwarten, daß der Knabe unter solcher Leitung und in solcher Umgebung die Institutionen seines Vaterlandes werde achten lernen? Könne man daran zweifeln, daß er zu einem Sklaven der Jesuiten und der Bourbons erzogen und ihm wo möglich noch heftigere Vorurtheile gegen die Gesetze Englands eingeimpft werden würden als irgend einem der vorhergehenden Stuarts?
Auch glaubten die Whigs nicht, daß bei der damaligen Lage des Landes eine Abweichung von der gewöhnlichen Thronfolge an sich ein Übel sei. Sie waren der Meinung, daß, wenn man diese Ordnung nicht unterbreche, die Lehre von dem unveräußerlichen Erbrechte und dem passiven Gehorsam dem Hofe stets gefallen, von Seiten der Geistlichkeit eingeschärft werden und in der öffentlichen Meinung einen starken Anhang behalten würde. Es würde die Ansicht vorherrschend bleiben, daß das Königthum eine göttliche Anordnung in einem andren Sinne sei, als in welchem jede Regierungsform eine solche Anordnung ist. Es liege auf der Hand, daß die Verfassung niemals gesichert sein könne, so lange dieser Irrwahn nicht zerstört sei. Denn eine wirklich beschränkte Monarchie könne in einer Gesellschaft, welche die Monarchie als etwas Göttliches und die Beschränkungen derselben als bloße menschliche Erfindungen betrachte, nicht lange bestehen. Wenn das Königthum in vollkommenem Einklange mit unseren Freiheiten bestehen solle, dürfe es sich auf keinen höheren oder ehrwürdigeren Rechtstitel berufen können, als den, auf welchen sich unsere Freiheiten gründeten. Der König müsse hinfüro als ein Beamter betrachtet werden, allerdings als ein hoher und hochzuachtender Beamter, der aber wie jeder andre Beamte dem Gesetze unterworfen sei und seine Macht in keinem andren Sinne vom Himmel herleiten könne, als man von den Lords oder den Gemeinen sagen dürfe, daß sie ihre Macht vom Himmel herleiteten. Das beste Mittel, um diese heilsame Veränderung zu bewirken, werde eine Unterbrechung der Erbfolge sein. Unter Souverainen, die es kaum für etwas Geringeres als für Hochverrath ansähen, wenn die Lehre vom Nichtwiderstande und die patriarchalische Regierungsform gepredigt würde, unter Souverainen, deren auf Beschlüsse der beiden Häuser sich gründende Autorität niemals höher steigen könne als die Quelle, aus der sie entsprungen sei, würde man schwerlich solche Bedrückungen zu fürchten haben, welche bereits zwei Generationen von Engländern gezwungen hätten, sich mit bewaffneter Hand gegen zwei Generationen von Stuarts zu erheben. Aus diesen Gründen waren die Whigs bereit, den Thron für erledigt zu erklären, ihn durch Wahl wieder zu besetzen und dem Fürsten ihrer Wahl Bedingungen vorzuschreiben, welche das Land gegen schlechte Regierung sichern konnten.
[_Zusammentritt der Convention. Leitende Mitglieder des Hauses der Gemeinen._] Die Zeit der Entscheidung dieser großen Fragen war jetzt gekommen. Am 22. Januar mit Tagesanbruch füllte sich das Haus der Gemeinen mit Rittern und Boroughvertretern. Auf den Bänken erblickte man viele Gesichter, welche unter der Regierung Karl's II. hier wohlbekannt gewesen, unter seinem Nachfolger aber nicht daselbst gesehen worden waren. Die Mehrzahl der Torysquires und der mittellosen Anhänger des Hofes, welche massenweise in das Parlament von 1685 gewählt worden waren, hatten den Männern der ehemaligen Vaterlandspartei Platz gemacht, welche die Cabale gestürzt, die Habeascorpusacte durchgesetzt und die Ausschließungsbill vor die Lords gebracht hatten. Unter ihnen befand sich Powle, gründlich bewandert in der Geschichte und dem Rechte der Parlamente und ausgezeichnet durch die Beredtsamkeit, welche erforderlich ist, wenn hochwichtige Fragen feierlich der Erwägung von Senaten unterbreitet werden sollen, und Sir Thomas Littleton, wohlerfahren in der europäischen Politik und mit einer heftigen, scharfen Logik begabt, welche oftmals, wenn nach langer Sitzung die Lichter angezündet worden waren, das erschöpfte Haus neu belebt und die Debatte entschieden hatte. Hier saß auch Wilhelm Sacheverell, ein Redner, dessen große parlamentarische Fähigkeiten viele Jahre später ein Lieblingsthema alter Leute waren, welche die Kämpfe von Walpole und Pulteney erlebten.[65] Diesen hervorragenden Männern zur Seite stand Robert Clayton, der reichste Kaufmann von London, dessen Palast in der alten Judenstadt die aristokratischen Gebäude in Lincoln's Inn Fields und Conventgarden an Glanz übertraf, dessen Landgut zwischen den Hügeln von Surrey als ein wahres Eden geschildert ward, dessen Gastmähler mit denen der Könige wetteiferten und dessen einsichtsvolle Freigebigkeit, von der noch heute zahlreiche öffentliche Denkmale Zeugniß ablegen, ihm in den Annalen der City eine Stelle verschafft hat, welche nur der Gresham's untergeordnet ist. In dem Parlamente, welches 1681 zu Oxford tagte, hatte Clayton als Vertreter der Hauptstadt und auf Ersuchen seiner Wähler um die Erlaubniß gebeten, die Ausschließungsbill einzubringen und Lord Russel hatte ihn darin unterstützt. Im Jahre 1685 hatte die ihrer Privilegien beraubte und von Creaturen des Hofes regierte Hauptstadt vier toryistische Vertreter gesandt. Jetzt aber war der alte Freibrief wieder zurückgegeben und Clayton war durch Acclamation wieder gewählt worden.[66] Auch Johann Birch darf nicht unerwähnt bleiben. Er hatte seine Laufbahn als Fuhrmann begonnen, hatte aber in den Bürgerkriegen sein Geschirr im Stich gelassen, war Soldat geworden, hatte sich zum Range eines Obersten in der Armee der Republik emporgeschwungen, hatte in hohen fiskalischen Ämtern großes Geschäftstalent gezeigt, hatte viele Jahre im Parlament gesessen und obgleich er bis zuletzt die derben Manieren und den plebejischen Dialect seiner Jugend beibehielt, hatte er doch durch gesunden Verstand und Mutterwitz das Ohr der Gemeinen gewonnen und wurde von den ausgezeichnetsten Parlamentsrednern seiner Zeit als ein furchtbarer Gegner betrachtet.[67] Dies waren die hervorragendsten unter den Veteranen, welche jetzt nach langer Abgeschiedenheit ins öffentliche Leben zurückkehrten. Sie wurden jedoch sehr bald durch zwei jüngere Whigs in den Schatten gestellt, welche an jenem wichtigen Tage zum ersten Male ihre Sitze einnahmen, bald zu den höchsten Ehrenstellen im Staate emporstiegen, gemeinsam die heftigsten Parteistürme bestanden und nachdem sie lange weit und breit als Staatsmänner, als Redner, als freigebige Beschützer des Genies und der Gelehrsamkeit berühmt gewesen waren, bald nach dem Regierungsantritte des Hauses Braunschweig wenige Monate hintereinander starben. Diese waren Karl Montague und Johann Somers.
Außerdem muß noch ein Name erwähnt werden, ein Name, welcher damals nur einem kleinen Kreise von Philosophen bekannt war, der aber jetzt bis über den Ganges und den Mississippi hinaus mit einer höheren Verehrung genannt wird, als man sie dem Gedächtniß der größten Krieger und Herrscher zollt. Unter der Menge der schweigenden Mitglieder erschien auch die majestätische Stirn und das gedankenvolle Antlitz Isaak Newton's. Die berühmte Universität, der sein Genie schon einen eigenthümlichen noch nach Verlauf von hundertsechzig Jahren deutlich erkennbaren Character aufzudrücken begonnen, hatte ihn in die Convention gesandt, und hier saß er in seiner bescheidenen Größe als anspruchsloser, aber unerschütterlicher Freund der bürgerlichen und religiösen Freiheit.
[Anmerkung 65: +Burnet, I. 389+ und Präsident Onslow's Note.]
[Anmerkung 66: +Evelyn's Diary, Sept. 26. 1672, Oct. 12. 1679, Juli 13. 1700+; +Seymour's Survey of London.+]
[Anmerkung 67: +Burnet, I. 388+ und Onslow's Note.]
[_Wahl eines Sprechers._] Die Gemeinen schritten vor Allem zur Wahl eines Sprechers, und das Ergebniß dieser Wahl deutete schon unverkennbar ihre Ansicht über die großen Fragen an, die sie entscheiden sollten. Bis zum Vorabend der Versammlung hatte man geglaubt, daß Seymour zum Präsidenten gewählt werden würde. Er hatte dieses Amt früher mehrere Jahre bekleidet und hatte mehrfache gewichtige Ansprüche auf Beachtung: Herkunft, Vermögen, Kenntnisse, Erfahrung und Beredtsamkeit. Er hatte ferner lange an der Spitze eines einflußreichen Vereins von Mitgliedern aus den westlichen Grafschaften gestanden. Obgleich ein Tory, hatte er doch im letzten Parlament die Opposition gegen Papismus und Willkürherrschaft mit ausgezeichnetem Geschick und Muth geleitet. Er war einer der ersten Edelleute gewesen, der sich ins holländische Hauptquartier nach Exeter begeben, und war der Urheber der Verbindung, durch welche die Anhänger des Prinzen sich gegenseitig verpflichtet hatten, zusammen zu siegen oder zu fallen. Aber einige Stunden vor dem Zusammentritt der Häuser hatte sich das Gerücht verbreitet, Seymour sei gegen die Erklärung, daß der Thron erledigt sei. Sobald sich daher die Bänke gefüllt hatten, erhob sich der Earl von Wiltshire, welcher Hampshire vertrat, und schlug Powle zum Sprecher vor. Sir Vere Fane, Vertreter von Kent, unterstützte den Antrag. Es hätte allerdings ein plausibler Einwurf dagegen erhoben werden können, denn es war bekannt, daß eine Petition gegen Powle's Wahl zum Präsidenten dem Parlament vorgelegt werden sollte; aber die allgemeine Stimme des Hauses berief ihn auf den Präsidentenstuhl, und die Tories hielten es für gerathen, sich damit einverstanden zu erklären.[68] Das Scepter wurde auf den Tisch gelegt, die Liste der Mitglieder verlesen und die Namen der fehlenden vorgemerkt.
Inzwischen hatten sich auch die Peers in einer Anzahl von etwa hundert versammelt, hatten Halifax zum Sprecher gewählt und mehreren ausgezeichneten Juristen diejenigen Functionen übertragen, welche in ordentlichen Parlamenten den Richtern zukommen. Die beiden Häuser setzten sich im Laufe des Tages häufig mit einander in Vernehmen. Sie vereinigten sich zu dem Ersuchen, daß der Prinz die Zügel der Regierung in der Hand behalten möchte, bis er Weiteres von ihnen hören würde, zum Ausdrucke ihres Dankes für die Befreiung der Nation, die er mit Gottes Hülfe bewerkstelligt, und zu der Bestimmung, daß der 31. Januar als Dankfest für diese Befreiung gefeiert werden solle.[69]