Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Fünfter Band (der 11)
Part 17
[_Große Aufregung._] Es war ein schrecklicher Augenblick. Der König war fort, der Prinz noch nicht da und keine Regentschaft war ernannt. Das zur Verwaltung der ordentlichen Rechtspflege unentbehrliche große Siegel war verschwunden, und bald erfuhr man, daß Feversham bei Empfang des königlichen Befehls seine Truppen auf der Stelle entlassen hatte. Welche Achtung vor dem Gesetz und den Eigenthumsrechten konnte man von bewaffneten und zusammenhaltenden Soldaten erwarten, welche aller Beschränkungen der Disciplin entledigt waren und denen es an den nothwendigsten Lebensbedürfnissen fehlte? Auf der andren Seite hatte auch der Pöbel von London seit einigen Wochen eine starke Neigung zu Tumulten und Räubereien gezeigt. Die dringende Gefahr des Augenblicks vereinigte auf kurze Zeit alle Diejenigen mit einander, die ein Interesse an der Ruhe und Sicherheit der Gesellschaft hatten. Rochester hatte bis zu diesem Tage fest zur Sache des Königs gehalten. Jetzt sah er nur noch ein Mittel, um einer allgemeinen Verwirrung vorzubeugen. »Rufen Sie Ihre Abtheilung Garden zusammen,« sagte er zu Northumberland, »und erklären Sie sich für den Prinzen von Oranien.« Der Rath wurde sofort befolgt. Die zur Zeit in London anwesenden höheren Offiziere der Armee hielten in Whitehall eine berathende Versammlung und beschlossen, sich der Autorität Wilhelm's zu unterwerfen, ihre Truppen zusammenzuhalten bis er seinen Willen kund thun würde, und die Civilgewalt in der Aufrechthaltung der Ruhe und Ordnung zu unterstützen.[1]
[Anmerkung 1: +History of the Desertion+; +Mulgrave's Account of the Revolution+; +Eachard's History of the Revolution+.]
[_Die Lords versammeln sich in Guildhall._] Die Peers begaben sich nach der Guildhall, wo sie von dem Magistrat der Stadt mit allen Ehrenbezeigungen empfangen wurden. Streng gesetzlich waren sie so wenig als irgend ein andrer Verein von Personen befugt, die ausübende Gewalt zu übernehmen. Aber im Interesse der öffentlichen Sicherheit war eine provisorische Regierung durchaus nöthig und zu dem Ende richtete sich der Blick des Publikums natürlich auf die erblichen Magnaten des Reichs. Die Größe der Gefahr trieb auch Sancroft aus seinem Palaste. Er nahm den Präsidentenstuhl ein und unter seinem Vorsitze beschlossen der neue Erzbischof von York, fünf Bischöfe und zweiundzwanzig weltliche Lords eine Erklärung aufzusetzen, zu unterzeichnen und zu veröffentlichen. Sie erklärten in diesem Aktenstücke, daß sie treu zur Religion und Verfassung ihres Vaterlandes hielten, daß sie die Hoffnung gehegt hätten, die öffentlichen Mißstände durch das vor kurzem vom Könige einberufene Parlament abgestellt zu sehen, daß aber seine Flucht diese Hoffnung zerstört habe. Sie hätten daher beschlossen, sich dem Prinzen von Oranien anzuschließen, damit die Freiheit der Nation und die Rechte der Kirche gesichert, den Dissenters gebührende Gewissensfreiheit gewährt und der Protestantismus durch die ganze Welt befestigt werde. Bis zur Ankunft Seiner Hoheit wollten sie die Verantwortlichkeit für die zur Aufrechthaltung der Ordnung nöthigen Maßregeln übernehmen. Es wurde sofort eine Deputation abgesandt, welche dem Prinzen diese Erklärung vorlegen und ihm sagen sollte, daß er mit Ungeduld in London erwartet werde.[2]
Die Lords schritten nun zur Berathung der Maßregeln, welche ergriffen werden mußten, um Ruhestörungen vorzubeugen. Sie schickten nach den beiden Staatssekretären. Middleton wollte sich einer Autorität, die er für widerrechtlich angemaßt hielt, nicht unterwerfen; Preston aber, der über die Flucht seines Gebieters ganz bestürzt war und nicht wußte, was er zu erwarten hatte, noch wohin er sich wenden sollte, kam der Aufforderung nach. Es wurde ein Bote an Skelton, den Gouverneur des Tower gesandt, um ihn in die Guildhall zu berufen. Er kam und ward bedeutet, daß man seiner Dienste nicht länger bedürfe und daß er augenblicklich seine Schlüssel abzuliefern habe. Zu seinem Nachfolger wurde Lord Lucas ernannt. Zu gleicher Zeit wurde auf Befehl der Peers an Dartmouth ein Brief geschrieben, welcher die Weisung enthielt, daß er sich jeder feindseligen Operation gegen die holländische Flotte enthalten und alle unter ihm commandirenden papistischen Offiziere entlassen solle.[3]
Die Rolle, welche Sancroft und einige andere Personen, die bis zu diesem Tage das Prinzip des passiven Gehorsams streng festgehalten hatten, bei diesen Maßnahmen spielten, verdient besondere Erwähnung. Den Oberbefehl über die Land- und Seemacht des Staats eigenmächtig zu übernehmen, die Offiziere zu entlassen, denen der König seine Schlösser und Schiffe anvertraut, und seinem Admiral alle Operationen gegen seine Feinde zu verbieten: dies war gewiß nichts Geringeres als offener Aufruhr. Indessen redeten sich mehrere rechtschaffene und talentvolle Tories aus Filmer's Schule dennoch ein, daß sie dies Alles thun könnten, ohne sich des Widerstandes gegen ihren Souverain schuldig zu machen. Die Unterscheidung, welche sie dabei machten, war wenigstens sinnreich. Die Regierung, sagten sie, ist eine göttliche Anordnung. Die erbliche monarchische Regierung ist vorzugsweise eine göttliche Anordnung. So lange der König befiehlt was recht und gesetzlich ist, müssen wir ihm bereitwillig gehorchen, und wenn er etwas Ungesetzliches befiehlt, müssen wir ihm passiv gehorchen. Selbst im äußersten Falle sind wir nicht berechtigt, ihm gewaltsamen Widerstand entgegenzusetzen. Legt er aber freiwillig seine Functionen nieder, so erlöschen dadurch seine Rechte über uns. So lange er uns, wenn auch schlecht, regiert, sind wir ihm Gehorsam schuldig; will er uns aber gar nicht mehr regieren, so sind wir nicht verbunden, für immer ohne Regierung zu bleiben. Anarchie ist keine göttliche Anordnung und Gott wird es uns gewiß nicht als Sünde anrechnen, wenn ein Fürst, den wir trotz der heftigsten Provokationen niemals die Ehrerbietung und den Gehorsam verweigert haben, plötzlich abreist, ohne daß wir wissen wohin und ohne daß er einen Stellvertreter hinterlassen, und wir schlagen dann das einzige Verfahren ein, durch das wir die völlige Auflösung der Gesellschaft verhindern können. Wäre unser Monarch bei uns geblieben, so würden wir, so wenig er auch unsre Liebe verdiente, mit Freuden zu seinen Füßen gestorben sein. Hätte er, als er uns verließ, eine Regentschaft eingesetzt, die uns während seiner Abwesenheit mit stellvertretender Autorität regieren sollte, so würden wir dieser Regentschaft allein die Leitung der Geschäfte überlassen haben. Aber er ist verschwunden, ohne für die Erhaltung der Ordnung oder für die Verwaltung der Justiz Vorsorge getroffen zu haben. Mit ihm und seinem großen Siegel ist auch das ganze Triebwerk verschwunden, durch welches ein Mörder bestraft, das Recht auf einen Besitz entschieden und das Vermögen eines Bankerotteurs vertheilt werden kann. Seine letzte Handlung war, daß er viele Tausende bewaffneter Männer von den Zügeln der militairischen Disciplin befreite und sie in die Lage versetzte, entweder plündern oder darben zu müssen. Noch einige Stunden, und Jedermann wird sich an seinem Nachbar vergreifen. Leben, Eigenthum und Frauenehre werden allen Ungesetzlichkeiten preisgegeben sein. Wir befinden uns diesen Augenblick thatsächlich in dem Naturzustande, über den die Theoretiker soviel geschrieben haben, und in diesen Zustand sind wir nicht durch unsre Schuld, sondern durch den freiwilligen Abfall des Mannes versetzt worden, der unser Beschützer hätte sein sollen. Sein Abfall darf mit Recht freiwillig genannt werden, denn weder sein Leben noch seine Freiheit war gefährdet. Seine Feinde hatten sich eben bereit erklärt, auf einer von ihm selbst vorgeschlagenen Grundlage mit ihm zu unterhandeln und sich unter Bedingungen, deren Billigkeit er nicht leugnen konnte, erboten, alle feindseligen Operationen sofort einzustellen. Unter solchen Umständen hat er sein Amt niedergelegt. Wir widerrufen nichts, wir sind in nichts inconsequent, wir halten noch immer ohne Unterschied an unseren alten Prinzipien fest, wir sind noch immer der Meinung, daß es in allen Fällen sündhaft ist, sich der Obrigkeit zu widersetzen; aber wir sagen, es giebt keine Obrigkeit mehr, der wir uns widersetzen könnten. Der Mann, der die Obrigkeit war, hat seine Gewalt, nachdem er sie lange gemißbraucht, endlich niedergelegt. Der Mißbrauch berechtigte uns nicht dazu ihn abzusetzen, die Abdankung aber giebt uns das Recht, zu erwägen, wie wir seine Stelle am besten wieder besetzen.
Aus diesen Gründen gewann die Partei des Prinzen viele neue Anhänger, die sich bisher von ihm fern gehalten hatten. Seit Menschengedenken war man der vollkommenen Einigkeit aller verständigen Engländer noch nie so nahe gewesen, als bei dieser Gelegenheit; nie hatte man aber auch der Einigkeit so sehr bedurft. Eine gesetzliche Autorität gab es nicht. Alle die schlimmen Leidenschaften, welche eine Regierung zu zügeln verpflichtet ist und welche auch die besten Regierungen nur unvollkommen zu zügeln vermögen, waren plötzlich von jedem Zwange befreit: Habgier, Sittenlosigkeit, Rachsucht, Seelenhaß und Nationalhaß. Bei solchen Gelegenheiten wird man stets finden, daß das menschliche Ungeziefer, das, von den Dienern des Staats und der Kirche vernachlässigt, inmitten der Civilisation und des Christenthums in heidnischer Rohheit und mit allen möglichen physischen und moralischen Lastern befleckt in den Kellern und Dachkammern der großen Städte nistet, sich mit einem Male zu furchtbarer Bedeutung erhebt. So war es damals auch in London.
[Anmerkung 2: +London Gazette, Dec. 13. 1688.+]
[Anmerkung 3: +Clarke's Life of James, II. 259+; +Mulgrave's Account of the Revolution+; Legge's Papiere in der Mackintosh-Sammlung.]
[_Tumulte in London._] Als die Nacht, zufällig die längste Nacht im Jahre, hereinbrach, spieen alle Höhlen des Lasters, der Bärenzwinger von Hockley und das Labyrinth von Kneipen und Bordellen in den Friars, Tausende von Einbrechern und Straßenräubern, Taschendieben und Gaunern aus. Zu ihnen gesellten sich Tausende von Lehrbuben und Gesellen, denen lediglich nach der Aufregung eines Tumults gelüstete. Selbst friedliebende und achtbare Leute wurden durch die religiöse Erbitterung angetrieben, sich dem gesetzlosen Theile der Bevölkerung anzuschließen. Denn der Ruf: »Kein Papismus!« ein Ausruf, der mehr als einmal die Existenz Londons gefährdet hat, war das Signal zu Gewaltthätigkeiten und Räubereien. Zuerst fiel der Pöbel über die katholischen Andachtshäuser her. Die Gebäude wurden demolirt. Bänke, Kanzeln, Beichtstühle und Breviarien wurden auf einen Haufen geworfen und verbrannt. Ein ungeheurer Berg von Büchern und Geräthschaften brannte in der Gegend des Klosters von Clerkenwell. Ein andrer Haufen wurde neben den Trümmern des Franziskanerklosters in Lincoln's Inn Fields angezündet. Die beiden Kapellen in Lime Street und in Bucklersbury wurden niedergerissen. Die Gemälde, Bilder und Kruzifixe wurden beim Scheine der von den Altären genommenen Wachskerzen im Triumph durch die Straßen getragen. Die Prozession starrte von Schwertern und Stöcken, an welche Orangen gespießt waren. Die Druckerei des Königs, aus der während der letzten drei Jahre unzählige Schriften zur Vertheidigung der päpstlichen Oberhoheit, des Bilderdienstes und der Klostergelübde hervorgegangen waren, wurde, um uns eines Ausdrucks zu bedienen, welcher damals zum ersten Male aufkam, vollständig ausgeweidet (+gutted+). Die großen Papiervorräthe, welche zum Theil noch nicht bedruckt waren, lieferten das Material zu einem ungeheuren Freudenfeuer. Von den Klöstern, Tempeln und öffentlichen Anstalten wendete sich die Wuth der Menge auf Privatwohnungen. Mehrere Häuser wurden ausgeplündert und zerstört; die Geringfügigkeit der Beute aber befriedigte die Plünderer nicht, und bald verbreitete sich das Gerücht, daß die werthvollsten Effecten der Papisten den auswärtigen Gesandten zur Aufbewahrung übergeben worden seien. Der rohe und unwissende Pöbel fragte nichts nach dem Völkerrechte und nach der Gefahr, die gerechte Rache von ganz Europa auf das Vaterland zu bringen. Die Häuser der Gesandten wurden belagert. Ein großer Haufe sammelte sich vor Barillon's Palaste in St. James' Square. Er kam jedoch leichteren Kaufes davon, als man hätte erwarten sollen, denn obgleich die Regierung, welche er repräsentirte, allgemein verhaßt war, so hatten doch sein gastfreier Haushalt und seine pünktlichen Zahlungen ihn persönlich beliebt gemacht. Überdies hatte er die Vorsicht gebraucht, um eine militairische Schutzwache zu bitten, und da mehrere andere in seiner Nähe wohnende Männer von Rang das Nämliche gethan, so war auf dem Platze eine ansehnliche Streitmacht versammelt. Die Tumultuanten ließen ihn deshalb unbelästigt, nachdem er versichert hatte, daß keine Waffen oder Priester in seinem Hause versteckt seien. Auch der venetianische Gesandte war durch eine Truppenabtheilung geschützt; die Häuser aber, welche die Gesandten des Kurfürsten von der Pfalz und des Großherzogs von Toskana bewohnten, wurden zerstört. Einen werthvollen Kasten konnte der toskanische Gesandte vor den Plünderern retten. Derselbe enthielt neun Bände Memoiren, von Jakob eigenhändig geschrieben. Diese Bände kamen unversehrt nach Frankreich, wo sie nach Verlauf von mehr als einem Jahrhunderte in den Stürmen einer noch weit furchtbareren Revolution als die, weicher sie glücklich entronnen waren, zu Grunde gingen. Einige Bruchstücke davon sind indessen noch vorhanden, und obgleich diese arg verstümmelt und in Massen lächerlicher Erdichtungen gekleidet sind, so verdienen sie doch aufmerksam studirt zu werden.
[_Das Haus des spanischen Gesandten geplündert._] Das kostbare Silbergeräth der königlichen Kapelle war nach Wild House, unweit Lincoln's Inn Fields, der Wohnung des spanischen Gesandten Ronquillo, gebracht worden. Ronquillo, der sich bewußt war, daß er und sein Hof keine üble Behandlung von Seiten der englischen Nation verdienten, hatte es nicht für nöthig erachtet, um Soldaten zu bitten; aber der Pöbel war nicht in der Stimmung, um feine Unterschiede zu machen. Der Name Spanien wurde in der öffentlichen Meinung seit langer Zeit mit der Inquisition und der Armada, mit den Grausamkeiten Mariens und den Anschlägen gegen Elisabeth in Verbindung gebracht. Auch hatte sich Ronquillo selbst unter dem Volke viele Feinde gemacht, indem er sich seines Vorrechts bediente, um der Nothwendigkeit, seine Schulden zu bezahlen, überhoben zu sein. Sein Haus wurde daher ohne Gnade geplündert und eine von ihm gesammelte prächtige Bibliothek den Flammen überliefert. Sein einziger Trost war, daß die Hostie in seiner Kapelle dem gleichen Schicksale entging.[4]
Die Morgensonne des 12. Decembers beleuchtete ein grauenvolles Schauspiel. Die Hauptstadt bot an vielen Stellen den Anblick einer mit Sturm genommenen Stadt dar. Die Lords versammelten sich in Whitehall und bemühten sich, die Ruhe wieder herzustellen. Die Milizen wurden unter die Waffen gerufen und ein Kavalleriedetaschement in Bereitschaft gehalten, um tumultuarische Zusammenrottungen zu zerstreuen. Für die den fremden Regierungen zugefügten Insulten wurde Genugthuung gewährt, so weit es in jenem Augenblicke möglich war. Es wurde eine Belohnung auf die Entdeckung der aus Wild House geraubten Effecten ausgesetzt, und Ronquillo, der kein Bett und keine Unze Silbergeschirr mehr besaß, wurde in dem verlassenen Palaste der Könige von England glänzend einquartirt. Eine splendide Tafel wurde ihm gehalten und die königlichen Leibwachen erhielten Befehl, ihn in seinem Vorzimmer mit der nämlichen Aufmerksamkeit zu bewachen, die sie dem Souverain zu erzeigen gewohnt waren. Diese Beweise von Achtung beschwichtigten selbst den empfindlichen Stolz des spanischen Hofes und beugten jeder Gefahr eines Bruches vor.[5]
[Anmerkung 4: +London Gazette, Dec. 13. 1688+; Barillon, 14.(24.) Dec.; Citters, von demselben Datum; +Luttrell's Diary+; +Clarke's Life of James, II. 256. Orig. Mem.+; Ellis' Correspondenz, 13. Dec.; Berathung des spanischen Staatsraths vom 19.(29.) Jan. 1689. Ronquillo beklagte sich gegen seine Regierung bitter über die erlittenen Verluste: +»Sirviendole solo de consuelo el haber tenido prevencion de poder consumir El Santisimo.«+]
[Anmerkung 5: +London Gazette, Dec. 13. 1688+; +Luttrell's Diary+; +Mulgrave's Account of the Revolution+; Berathung des spanischen Staatsraths vom 19.(29.) Jan. 1689. Es wurde von Repressalien gesprochen, aber der spanische Staatsrath wies den Vorschlag mit Verachtung zurück. +»Habiendo sido este hecho por un furor de pueblo, sin consentimiento del gobierno, y antes contra su voluntad, como lo ha mostrado la satisfaccion que le han dado y le han prometido, parece que no hay juicio humano que puede aconsejar que se pase à semejante remedio.«+]
[_Verhaftung Jeffreys'._] Trotz der wohlmeinenden Bemühungen der provisorischen Regierung nahm jedoch die Aufregung stündlich in erschreckendem Maße zu. Sie wurde noch vermehrt durch einen Vorfall, der selbst nach so langer Zeit nicht ohne ein Gefühl von Schadenfreude berichtet werden kann. Ein in Wapping wohnender Geldmäkler, dessen Hauptgeschäft darin bestand, daß er den dortigen Seeleuten Geld auf hohe Zinsen vorstreckte, hatte vor einiger Zeit eine Summe auf Bodmerei ausgeliehen. Der Schuldner suchte bei dem Billigkeitsgericht um Entbindung von seiner schriftlich eingegangenen Verpflichtung nach, und der Fall kam vor Jeffreys. Da der Rechtsbeistand des Schuldners sonst wenig zu sagen wußte, so sagte er, der Darleiher sei ein Trimmer. Der Kanzler gerieth sogleich in Flammen. »Ein Trimmer?« rief er aus; »wo ist er? ich will ihn sehen, ich habe von dieser Gattung Ungeheuer gehört. Wie mögen sie aussehen?« Der unglückliche Gläubiger mußte vortreten. Der Kanzler sah ihn mit einem durchbohrenden Blicke an, überhäufte ihn mit einer Fluth von Schmähungen und schickte ihn dann halb todt vor Angst wieder fort. »Dieses fürchterliche Gesicht,« sagte der arme Mann, während er aus dem Gerichtssaale wankte, »werde ich zeitlebens nicht vergessen.« Jetzt aber war der Tag der Vergeltung gekommen. Auf einem Gange durch Wapping sah der Trimmer am Fenster eines Alehauses ein ihm wohlbekanntes Gesicht. Er konnte sich nicht irren. Zwar waren die Augenbrauen abrasirt und der von Kohlenstaub geschwärzte Anzug war der eines gemeinen Matrosen; aber Jeffreys' wilder Blick und boshafter Mund waren nicht zu verkennen. Es wurde Lärm gemacht, und in einem Augenblicke war das Haus von mehreren hundert Leuten aus dem Volke, die unter lauten Verwünschungen gewaltige Knittel schwangen, belagert. Eine Compagnie Miliz rettete dem Flüchtling das Leben und führte ihn vor den Lordmayor. Dieser war ein einfacher Mann, der sein ganzes Leben in Dunkelheit zugebracht hatte und jetzt ganz bestürzt war, als er sah, daß er in einer großen Revolution eine wichtige Rolle spielen sollte. Die Ereignisse der letzten vierundzwanzig Stunden und der gefahrdrohende Zustand der seiner Obhut anvertrauten Stadt, hatte seine geistigen und körperlichen Kräfte fast erschöpft. Als der große Mann, bei dessen Zornesblicke noch vor wenigen Tagen das ganze Königreich gezittert hatte, von Ruß geschwärzt, halb todt vor Angst und von einem tobenden Pöbelhaufen verfolgt, in das Gerichtszimmer geschleppt wurde, stieg die Aufregung des unglücklichen Mayors auf's Höchste. Er bekam Nervenzufälle und wurde zu Bett gebracht, um nie wieder aufzustehen. Inzwischen wurde die Volksmenge draußen immer zahlreicher und wüthender. Jeffreys bat darum, daß man ihn ins Gefängniß führen solle. Man holte von den in Whitehall tagenden Lords einen dazu nöthigen Verhaftbefehl herbei und Jeffreys wurde in einem Wagen nach dem Tower gebracht. Zwei Regimenter Miliz waren zur Eskorte aufgeboten worden, und sie hatten ein schweres Stück Arbeit. Sie waren zu wiederholten Malen genöthigt, sich so zu formiren, als ob sie einen Kavallerieangriff abzuwehren hätten, und dem Pöbel einen Wald von Lanzen entgegenzuhalten. Die Tausende, die sich in ihren rachsüchtigen Hoffnungen getäuscht sahen, verfolgten den Wagen unter wüthendem Gebrüll bis zum Eingang in den Tower, dabei beständig ihre Stöcke schwingend und dem Gefangenen Stricke vor die Augen haltend. Der Unglückliche war vom Entsetzen und der Angst wie gelähmt. Er rang die Hände, blickte bald aus diesem, bald aus jenem Fenster und man hörte ihn trotz des betäubenden Lärms deutlich ausrufen: »Haltet sie zurück, Gentlemen! um des Himmels willen, haltet sie zurück!« Endlich nachdem er weit mehr als die Qualen des Todes gelitten, wurde er in dem Staatsgefängnisse, in welchem einige von seinen erlauchtesten Schlachtopfern ihr Leben beschlossen hatten und in welchem auch er seine Tage in unsäglicher Schmach und Angst beschließen sollte, in Sicherheit gebracht.[6]
Diese ganze Zeit über wurde eifrig auf katholische Priester gefahndet. Viele wurden festgenommen und zwei Bischöfe, Ellis und Leyburne, wurden nach Newgate abgeführt. Der Nuntius, welcher kaum erwarten durfte, daß die Menge seinen geistlichen oder weltlichen Character respectiren werde, entkam als Bedienter verkleidet, im Gefolge des Gesandten des Herzogs von Savoyen.[7]
[Anmerkung 6: +North's Life of Guildford, 220+; +Jeffreys' Elegy+; +Luttrell's Diary; Oldmixon, 762+. Oldmixon befand sich unter der Menge und war, wie ich nicht zweifle, einer der Wüthendsten. Er erzählt die Geschichte gut. Ellis' Correspondenz; Burnet I. 797, und Onslow's Note.]
[Anmerkung 7: Adda, 9.(19.) Dec.; Citters, 18.(28.) Dec.]