Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Fünfter Band (der 11)

Part 15

Chapter 153,391 wordsPublic domain

Während sich so rings um den König Feinde erhoben, wichen die Freunde mehr und mehr von seiner Seite. Jedermann hatte sich mit dem Gedanken des Widerstandes vertraut gemacht. Viele, die mit Abscheu die Nachricht von den ersten Abfällen vernommen, machten sich jetzt Vorwürfe, daß sie die Zeichen der Zeit so spät erkannt hatten. Man konnte jetzt ohne Schwierigkeit und Gefahr mit Wilhelm verkehren. Indem der König die Nation zur Erwählung von Vertretern aufforderte, hatte er Jedermann stillschweigend ermächtigt, sich an diejenigen Orte zu begeben, wo er Stimmen oder Einfluß hatte, und viele von diesen Orten waren schon von Truppen Wilhelm's oder von Insurgenten besetzt. Clarendon ergriff begierig diese Gelegenheit, um sich von der verlornen Sache loszusagen. Er wußte, daß er mit seiner Rede in der berathenden Versammlung der Peers unverzeihlichen Anstoß gegeben hatte, und es verdroß ihn, daß er nicht mit zum königlichen Commissar ernannt worden war. Er hatte Besitzungen in Wiltshire. Er beschloß, daß sein Sohn, von dem er noch unlängst mit tiefem Schmerz und Abscheu gesprochen, ein Wahlcandidat für diese Grafschaft werden sollte und unter dem Vorwande, für diese Wahl die nöthigen Veranstaltungen zu treffen, begab er sich nach dem Westen. Seinem Beispiele folgte sehr bald der Earl von Oxford und Andere, welche bisher jede Connection mit der Unternehmung des Prinzen von sich gewiesen hatten.[154]

Inzwischen waren die Eingedrungenen, langsam aber unaufgehalten vorrückend, der Hauptstadt bis auf siebzig Meilen nahe gekommen. Obgleich die Mitte des Winters vor der Thür war, hatte man doch schönes Wetter, der Weg war angenehm und die grünen Wiesen der Ebene von Salisbury erschienen den Truppen, die sich durch die kothigen Gleise der Landstraßen von Devonshire und Somersetshire hindurchgearbeitet hatten, von üppiger Weichheit. Der Marsch der Armee ging über Stonehenge, wo ein Regiment nach dem andren Halt machte, um diese geheimnißvolle Ruine anzusehen, die auf dem ganzen Continent als das größte Wunder unsrer Insel bekannt ist. Wilhelm zog mit demselben militairischen Pomp, den er in Exeter entfaltet hatte, in Salisbury ein und stieg in dem Palaste ab, den wenige Tage zuvor der König bewohnt hatte.[155]

[Anmerkung 149: +Brand's History of Newcastle+; +Tickell's History of Hull.+]

[Anmerkung 150: Ein Bericht über die Vorgänge in Norwich findet sich noch in mehreren Sammlungen in der Originalschrift. Siehe auch die +Fourth Collection of Papers, 1688+.]

[Anmerkung 151: +Clarke's Life of James, II. 233+; Handschriftliches Memoir der Familie Harley in der Mackintosh-Sammlung.]

[Anmerkung 152: Citters, 9.(19.) Dec. 1688; Brief des Bischofs von Bristol an den Prinzen von Oranien vom 5. Dec. 1688, in Dalrymple.]

[Anmerkung 153: Citters, 27. Nov. (7. Dec.) 1688; +Clarendon's Diary, Dec. 11+; +Song on Lord Lovelace's entry into Oxford, 1688+; +Burnet I. 793.+]

[Anmerkung 154: +Clarendon's Diary, Dec. 2, 3, 4, 5. 1688.+]

[Anmerkung 155: +Whittle's Exact Diary+; +Eachard's History of the Revolution.+]

[_Clarendon schließt sich in Salisbury dem Prinzen an._] Hier wurde sein Gefolge durch die Earls von Clarendon und von Oxford und andere hochgestellte Männer vermehrt, welche noch vor einigen Tagen als eifrige Royalisten betrachtet worden waren. Auch Citters erschien im holländischen Hauptquartier. Er war seit einigen Wochen in seinem Hause bei Whitehall unter der beständigen Aufsicht einander ablösender Spione fast ein Gefangener gewesen. Doch trotz dieser Spione und vielleicht mit ihrer Beihülfe hatte er sich von Allem was im Palast vorging genaue Kenntniß zu verschaffen gewußt und er kam nun mit werthvollen Notizen über Menschen und Dinge reich versehen, um Wilhelm durch seinen Rath zu unterstützen.[156]

[Anmerkung 156: Citters, 20.(30.) Nov., 9.(19.) Dec. 1688.]

[_Spaltung im Lager des Prinzen._] Bis hieher hatte die Unternehmung des Prinzen einen die sanguinischesten Hoffnungen übertreffenden glücklichen Fortgang gehabt. Jetzt aber begann das Glück nach dem allgemeinen Gesetz, das die irdischen Dinge regiert, Uneinigkeit zu erzeugen. Die in Salisbury versammelten Engländer spalteten sich in zwei Parteien. Die eine davon bestand aus Whigs, welche die Lehren vom passiven Gehorsam und vom unveräußerlichen Erbrechte stets als knechtischen Aberglauben betrachtet hatten. Viele von ihnen hatten Jahre lang im Exil zugebracht. Alle waren lange von jedem Antheil an den Gunstbezeigungen der Krone ausgeschlossen gewesen. Jetzt frohlockten sie über die nahe Aussicht auf Größe und Rache. Von glühendem Zorne beseelt und von Sieg und Hoffnung aufgebläht, wollten sie von keinem Vergleiche hören. Nur die Absetzung ihres Todfeindes konnte sie zufriedenstellen, und es läßt sich nicht leugnen, daß sie hierin durchaus consequent waren. Neun Jahre früher hatten sie sich bemüht, ihn vom Throne auszuschließen, weil sie fürchteten, daß er ein schlechter König werden möchte, und nachdem er sich als ein viel schlechterer König erwiesen, als irgend ein vernünftiger Mensch es hätte vermuthen können, durfte man wohl kaum erwarten, daß sie ihn gutwillig auf dem Throne lassen würden.

Auf der andren Seite waren nicht wenige von Wilhelm's Anhängern eifrige Tories, welche bis vor ganz Kurzem die Lehre vom Nichtwiderstande in der absolutesten Form aufrechterhalten, deren Glaube an diese Lehre aber einen Augenblick durch die heftigen Leidenschaften erschüttert worden war, welche die Undankbarkeit des Königs und die Gefahr der Kirche in ihnen geweckt hatten. Keine Lage konnte peinlicher und beängstigender sein, als die des alten Kavaliers, der mit bewaffneter Hand dem Throne gegenüberstand. Die Gewissensscrupel, die ihn nicht abgehalten hatten, sich in das holländische Lager zu begeben, begannen ihn furchtbar zu quälen, sobald er sich dort befand. Eine innere Stimme sagte ihm, daß er ein Verbrechen begangen habe. Jedenfalls hatte er sich Vorwürfen ausgesetzt, indem er im directen Widerspruch mit den erklärten Prinzipien seines ganzen Lebens handelte. Er empfand einen unüberwindlichen Widerwillen gegen seine neuen Verbündeten. Es waren Leute, die er, so lange er denken konnte, geschmäht und verfolgt hatte: Presbyterianer, Independenten, Anabaptisten, alte Soldaten Cromwell's, kecke Burschen Shaftesbury's, Theilnehmer am Ryehousecomplot, gewesene Anführer des Aufstandes im Westen. Natürlich wünschte er eine Ausflucht zu finden, die sein Gewissen beruhigen, seine Consequenz rechtfertigen und zwischen ihm und der großen Masse schismatischer Rebellen, die er stets verachtet und verabscheut hatte, mit denen er aber jetzt in eine Kategorie geworfen zu werden fürchten mußte, eine Scheidewand ziehen konnte. Er verwahrte sich daher entschieden gegen den Gedanken, die Krone von dem gesalbten Haupte nehmen zu wollen, das der Wille des Himmels und die Grundgesetze des Reichs geheiligt hatten. Es war sein sehnlichster Wunsch, auf Grundlagen, welche die königliche Würde nicht herabsetzten, eine Versöhnung zu Stande kommen zu sehen. Er war ja kein Verräther, er widersetzte sich eigentlich gar nicht der königlichen Autorität; er stand nur deshalb unter Waffen, weil er überzeugt war, daß man dem Throne keinen besseren Dienst leisten könne, als indem man Seine Majestät durch ein wenig Zwang aus den Händen schlechter Rathgeber befreite.

Die schlimmen Folgen, welche die gegenseitige Erbitterung dieser Factionen herbeizuführen drohten, wurden zum großen Theile durch den Einfluß und die Weisheit des Prinzen verhütet. Umgeben von streitsüchtigen Disputanten, von zudringlichen Rathgebern, von kriechenden Schmeichlern, von wachsamen Spionen und böswilligen Verleumdern, bewahrte er stets seine heitere, undurchdringliche Ruhe. Er schwieg so lange als Schweigen möglich war, und wenn er sprechen mußte, brachte der ernste und gebieterische Ton, in welchem er seine reiflich erwogenen Ansichten kund that, bald jeden Andren zum Schweigen. Was auch einige seiner allzu eifrigen Anhänger sagen mochten, er äußerte kein Wort, das die mindeste Absicht auf den Besitz der englischen Krone verrieth. Er wußte sehr gut, daß zwischen ihm und dieser Krone noch Hindernisse standen, die vielleicht keine menschliche Klugheit zu beseitigen vermochte, die aber ein einziger falscher Schritt unüberwindlich machen konnte. Er hatte nur dann Aussicht, den glänzenden Preis zu erringen, wenn er sich desselben nicht mit rücksichtsloser Hand bemächtigte, sondern es ruhig abwartete, bis sein geheimer Wunsch ohne sichtbares Bemühen oder List von seiner Seite, durch den Drang der Umstände, durch die Mißgriffe seiner Widersacher und durch die freie Wahl der Stände des Reichs erfüllt werden würde. Diejenigen, die ihn auszuforschen wagten, erfuhren nichts, konnten ihn aber doch nicht der Winkelzüge beschuldigen. Er verwies sie ruhig auf seine Erklärung und versicherte, daß seit der Abfassung dieses Dokuments in seinen Ansichten keine Änderung eingetreten sei. Er behandelte seine Anhänger mit so kluger Gewandtheit, daß ihre Uneinigkeit seine Hand eher gestärkt als geschwächt zu haben scheint; aber sie brach mit Heftigkeit hervor, sobald seine Aufsicht nachließ, störte die Eintracht geselliger Zusammenkünfte und respectirte selbst die Heiligkeit des Gotteshauses nicht. Clarendon, welcher durch sein Prahlen mit loyalen Gesinnungen die unleugbare Thatsache, daß er ein Rebell war, bemänteln wollte, hörte mit heftiger Entrüstung einige seiner neuen Verbündeten bei der Flasche über die königliche Amnestie lachen, die ihnen so eben huldvoll angeboten worden war. Sie brauchten keine Verzeihung, sagten sie; im Gegentheil, der König müßte sie um Verzeihung bitten, ehe sie ihn laufen ließen. Noch beunruhigender und kränkender für jeden guten Tory war ein Vorfall, der sich in der Kathedrale von Salisbury ereignete. Sobald der fungirende Geistliche das Gebet für den König zu lesen begann, erhob sich Burnet, zu dessen vielen guten Eigenschaften Selbstbeherrschung und feines Schicklichkeitsgefühl nicht gehörten, von den Knien, setzte sich in seinen Stuhl und gab einige verächtliche Laute von sich, welche die Andacht der Gemeinde störten.[157]

Bald hatten die Factionen, welche das Lager des Prinzen spalteten, Gelegenheit, ihre Stärke zu messen. Die königlichen Commissare waren auf dem Wege zu ihm. Schon mehrere Tage waren seit ihrer Ernennung verstrichen, und eine solche Verspätigung in einer Angelegenheit von so dringender Wichtigkeit war auffallend. In Wahrheit aber wünschte weder Jakob noch Wilhelm die schleunige Anknüpfung von Unterhandlungen, denn Jakob wollte nur Zeit gewinnen, um seine Gemahlin und seinen Sohn nach Frankreich schicken zu können, und Wilhelm's Stellung wurde mit jedem Tage gebietender. Endlich ließ der Prinz den Commissaren sagen, daß er in Hungerford mit ihnen zusammentreffen wolle. Er wählte diese Stadt wahrscheinlich deshalb, weil sie gerade auf halbem Wege zwischen Salisbury und Oxford lag und sich daher zu einer Zusammenkunft seiner bedeutendsten Anhänger am besten eignete. In Salisbury befanden sich diejenigen Kavaliere und Gentlemen, die ihn von Holland aus begleitet oder sich im Westen ihm angeschlossen hatten, und in Oxford waren viele Häupter des Aufstandes im Norden.

[Anmerkung 157: +Clarendon's Diary, Dec, 6, 7. 1688.+]

[_Ankunft des Prinzen in Hungerford._] Donnerstag Abend, den 6. December traf er in Hungerford ein, und bald füllte sich die kleine Stadt mit Männern von hohem Rang und Ansehen, welche von allen Seiten herbeikamen. Der Prinz war von einer starken Truppenabtheilung begleitet, und die aus dem Norden kommenden Lords brachten Hunderte von irregulären Reitern mit, deren Armaturen und Reitkunst die Heiterkeit Derer erregte, welche an den glänzenden Anblick und an die präcisen Bewegungen regulärer Armeen gewöhnt waren.[158]

[Anmerkung 158: +Clarendon's Diary. Dec. 7. 1688.+]

[_Gefecht bei Reading._] Während des Prinzen Anwesenheit in Hungerford fand zwischen einem zweihundertfünfzig Mann starken Detaschement seiner Truppen und sechshundert in Reading stehenden Irländern ein heißes Gefecht statt. Bei dieser Gelegenheit bewährte sich die bessere Disciplin der Eingedrungenen auf das Glänzendste. Obgleich von weit geringerer Anzahl, trieben sie doch sogleich beim ersten Anlauf die königlichen Truppen in wilder Flucht durch die Straßen der Stadt bis auf den Marktplatz. Hier machten die Irländer einen Versuch, sich wieder zu sammeln, da sie aber von vorn kräftig angegriffen wurden und zu gleicher Zeit die Bewohner der umliegenden Häuser aus den Fenstern auf sie feuerten, so entsank ihnen bald der Muth und sie flohen mit dem Verlust ihrer Fahne und fünfzig Mann. Von den Siegern fielen nur fünf. Die Nachricht von diesem Kampfe erfüllte die Lords und Gentlemen, die sich Wilhelm angeschlossen hatten, mit ungetrübter Freude. Nichts an diesem ganzen Vorfall konnte ihren Nationalstolz kränken. Die Holländer hatten nicht die Engländer geschlagen, sondern hatten einer englischen Stadt geholfen, sich von der unerträglichen Herrschaft der Irländer zu befreien.[159]

[Anmerkung 159: +History of the Desertion+; Citters, 9.(19.) Dec. 1688; +Exact Diary+; +Oldmixon, 760.+]

[_Ankunft der königlichen Commissare in Hungerford._] Samstag Morgens, den 8. December, kamen die königlichen Commissare in Hungerford an. Die Leibgarde des Prinzen war in Parade aufgestellt, um sie mit militairischen Ehrenbezeigungen zu empfangen. Bentinck bewillkommnete sie und erbot sich, sie sofort zu seinem Gebieter zu geleiten. Sie sprachen die Hoffnung aus, daß der Prinz ihnen eine Privataudienz bewilligen werde; aber es wurde ihnen darauf erwiedert, daß er beschlossen habe, sie öffentlich anzuhören und ihnen ebenso zu antworten. Sie wurden in sein Schlafgemach eingeführt, wo sie ihn von einer Menge Lords und Gentlemen umgeben fanden.

[_Unterhandlung._] Halifax, dem seine Stellung, sein Alter und seine Fähigkeiten den Vorrang gaben, führte das Wort. Der Vorschlag, den die Commissare zu machen beauftragt waren, bestand darin, daß die streitigen Punkte der Entscheidung des Parlaments, für welches die Wahlen bereits angeordnet seien, anheimgegeben werden und daß sich bis dahin die Armee des Prinzen der Hauptstadt nicht weiter als bis auf dreißig oder vierzig Meilen nähern sollte. Nachdem Halifax erklärt hatte, daß er und seine Collegen bereit seien, auf dieser Grundlage zu unterhandeln, überreichte er Wilhelm ein Schreiben vom Könige und entfernte sich dann. Wilhelm erbrach den Brief und schien ungewöhnlich bewegt zu sein. Es war der erste, den er von seinem Schwiegervater erhielt, seitdem sie erklärte Feinde geworden waren. Sie hatten einst auf gutem Fuße gestanden und einander vertraulich geschrieben; auch hatten sie selbst als sie schon anfingen, einander mit Mißtrauen und Abneigung zu betrachten, die freundschaftlichen Formen, welche nahe Verwandte zu gebrauchen pflegen, noch nicht aus ihren Briefen verbannt. Das von den Commissaren überbrachte Schreiben aber war von einem Sekretär in diplomatischer Form und in französischer Sprache abgefaßt. »Ich habe viele Briefe vom Könige erhalten,« sagte Wilhelm, »aber sie waren alle in englischer Sprache und von ihm eigenhändig geschrieben.« Er sprach mit einer Gemüthsbewegung, die er sonst nicht zu zeigen gewohnt war. Er dachte vielleicht in diesem Augenblicke daran, welche Vorwürfe sein Unternehmen, so gerecht, so wohlthätig und so nothwendig es auch sein mochte, ihm selbst und der ihm ergebenen Frau zuziehen mußte. Vielleicht beklagte er das harte Geschick, das ihn in eine Lage versetzt hatte, in der er seine Staatspflichten nur dadurch erfüllen konnte, daß er Familienbande zerriß, und beneidete die glücklichere Lage Derer, die für das Wohl von Nationen und Kirchen nicht verantwortlich sind. Doch wenn solche Gedanken wirklich in ihm aufstiegen, so wurden sie mit männlicher Festigkeit unterdrückt. Er forderte die Lords und Gentlemen, die er in Folge jenes Schreibens zusammenberief, auf, über die zu ertheilende Antwort zu berathschlagen, ohne daß er sie durch seine Anwesenheit irgendwie behindern wolle. Er selbst behielt sich nur das Recht vor, nach Anhörung ihrer Meinungen in letzter Instanz zu entscheiden. Hierauf verließ er sie und zog sich nach Littlecote Hall zurück, einem etwa zwei Meilen entfernten Schlosse, das bis auf unsere Tage nicht allein durch seine ehrwürdige Bauart und Einrichtung, sondern auch wegen eines entsetzlichen und geheimnißvollen Verbrechens berühmt ist, das zu den Zeiten der Tudors daselbst verübt wurde.[160]

Vor seiner Abreise von Hungerford erfuhr er, daß Halifax den dringenden Wunsch geäußert habe, mit Burnet zu sprechen. In diesem Wunsche lag nichts Auffallendes, denn Halifax und Burnet hatten lange auf freundschaftlichem Fuße gestanden. Allerdings konnte es wohl kaum zwei Männer geben, die einander so wenig glichen. Burnet fehlte es gänzlich an Takt und Zartgefühl. Halifax besaß dagegen ein außerordentlich feines Gefühl und sein Sinn für das Lächerliche war von krankhafter Reizbarkeit. Burnet betrachtete jede Handlung und jeden Character durch ein vom Parteigeist entstelltes und gefärbtes Medium. Halifax dagegen war stets geneigt, die Fehler seiner Verbündeten mit schärferem Blicke zu untersuchen als die Fehler seiner Gegner. Burnet war bei allen seinen Mängeln und Schwächen und durch alle Wechselfälle seines in Verhältnissen, welche der Frömmigkeit eben nicht günstig waren, hingebrachten Lebens ein wahrhaft religiöser Mann. Der skeptische und sarkastische Halifax wurde für einen Ungläubigen gehalten. Halifax zog sich daher oft den unwilligen Tadel Burnet's zu, und Burnet war oft die Zielscheibe von Halifax' scharfem und feinem Witze. Dennoch fühlten sie sich zu einander hingezogen, fanden gegenseitig Gefallen an ihrer Unterhaltung, schätzten ihre beiderseitigen Talente, tauschten freimüthig ihre Ansichten aus und erwiesen einander auch in Zeiten der Gefahr gute Dienste. Indessen wünschte Halifax seinen alten Bekannten jetzt nicht aus rein persönlichen Rücksichten zu sprechen. Es mußte den Commissaren daran gelegen sein, den eigentlichen Endzweck des Prinzen zu erfahren. Er hatte sich geweigert, sie privatim zu empfangen, und aus dem, was er ihnen bei einer förmlichen und öffentlichen Zusammenkunft sagen konnte, war wenig zu ersehen. Fast Alle die sein Vertrauen besaßen, waren eben so verschwiegen und unergründlich als er selbst. Burnet bildete die einzige Ausnahme. Er war notorisch geschwätzig und indiscret, die Umstände aber hatten es nöthig gemacht, ihn ins Vertrauen zu ziehen, und es unterlag keinem Zweifel, daß es dem gewandten Halifax gelingen würde, ihm eben so viele Geheimnisse als Worte zu entlocken. Wilhelm wußte dies sehr gut, und als er erfuhr, daß Halifax mit dem Doctor sprechen wollte, konnte er sich der Äußerung nicht enthalten: »Wenn die Beiden zusammenkommen, wird es ein schönes Geschwätz geben.« Es wurde Burnet nicht erlaubt, privatim mit den Commissaren zu sprechen, ihm aber versichert, daß seine Treue in den Augen des Prinzen über jeden Verdacht erhaben sei, und damit er keinen Grund haben konnte, sich zu beklagen, wurde das Verbot allgemein gemacht.

An jenem Nachmittage versammelten sich die Lords und Gentlemen, welche Wilhelm um ihren Rath ersucht hatte, in dem Hauptsaale des ersten Gasthofes zu Hungerford. Oxford präsidirte und die Eröffnungen des Königs wurden in Erwägung gezogen. Es zeigte sich bald, daß die Versammlung in zwei Parteien gespalten war, deren eine sehnlichst einen Vergleich mit dem Könige wünschte, während die andre seinen Sturz wollte. Die letztere Partei hatte das numerische Übergewicht; aber es wurde bemerkt, daß Shrewsbury, von dem man glaubte, daß er von allen englischen Kavalieren den größten Antheil an Wilhelm's Vertrauen hatte, bei dieser Gelegenheit auf Seiten der Tories stand. Nach langem Hin- und Herreden wurde die Frage gestellt. Die Majorität war für die Verwerfung des Vorschlags, den die Commissare zu machen beauftragt waren. Der Beschluß der Versammlung wurde dem Prinzen nach Littlecote gemeldet. Bei keinem Anlasse während seines ganzen ereignißvollen Lebens zeigte er mehr Klugheit und Selbstbeherrschung. Er konnte unmöglich wünschen, daß die Unterhandlung Erfolg habe; aber er war viel zu klug, um nicht einzusehen, daß er die öffentliche Meinung nicht mehr für sich gehabt haben würde, wenn die Unterhandlung an unbilligen Forderungen von seiner Seite scheiterte. Er verwarf daher die Ansicht seiner allzueifrigen Anhänger und erklärte, daß er entschlossen sei, auf der vom Könige proponirten Grundlage zu unterhandeln. Viele von den in Hungerford versammelten Lords und Gentlemen erhoben Einwendungen dagegen, und ein ganzer Tag verging unter Hin- und Herstreiten; aber Wilhelm's Entschluß stand unwiderruflich fest. Er erklärte sich bereit, die Entscheidung aller streitigen Punkte dem eben einberufenen Parlamente zu überlassen und sich London nur bis auf vierzig Meilen zu nähern. Er stellte seinerseits einige Forderungen, welche selbst Diejenigen, die am wenigsten für ihn eingenommen waren, als mäßig anerkannten. Er verlangte, daß die bestehenden Gesetze so lange befolgt würden, bis sie durch die competente Autorität abgeändert wären, und daß alle Diejenigen, welche ohne gesetzliche Qualification Ämter bekleideten, sofort entlassen werden sollten. Er war ferner der vollkommen begründeten Meinung, daß die Berathungen des Parlaments nicht frei sein könnten, wenn es von irischen Regimentern umgeben war, während er mit seiner Armee mehrere Tagemärsche weit von demselben entfernt stand. Er hielt es daher für recht und billig, daß, wenn seine Truppen sich im Westen der Hauptstadt nur bis auf vierzig Meilen nähern sollten, auch die königlichen Truppen im Osten sich auf gleiche Entfernung zurückziehen müßten. So wäre um den Ort herum, wo die Häuser tagten, ein großer Kreis neutralen Bodens gewesen. Allerdings befanden sich innerhalb dieses Umkreises zwei für die Bewohner der Hauptstadt höchst wichtige Festungen, der Tower, der ihre Häuser, und Tilbury Fort, das ihren Seehandel beherrschte. Ohne Besatzung konnten diese Plätze unmöglich bleiben, und Wilhelm schlug daher vor, sie einstweilen der Obhut der City von London zu übergeben. Ferner konnte es der König möglicherweise für angemessen erachten, sich zur Eröffnung des Parlaments mit einer Abtheilung Leibgarden nach Westminster zu begeben. Der Prinz kündigte an, daß er in diesem Falle das Recht beanspruchen werde, sich ebenfalls mit einer gleichen Anzahl Soldaten dahin zu begeben. Es schien ihm gerecht, daß, so lange die militairischen Operationen eingestellt waren, beide Armeen gleichmäßig im Dienste der Nation stehend betrachtet und gleichmäßig auf Kosten des englischen Staatsschatzes unterhalten würden. Endlich verlangte er noch eine Gewährschaft dafür, daß der König sich den Waffenstillstand nicht zu Nutze machte, um französische Truppen nach England zu ziehen. Der gefährlichste Punkt in dieser Beziehung war Portsmouth. Der Prinz bestand jedoch nicht darauf, daß ihm diese wichtige Festung überliefert werden sollte, sondern machte nur den Vorschlag, sie für die Dauer des Waffenstillstandes unter das Commando eines Offiziers zu stellen, zu dem er und Jakob Vertrauen habe.