Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Fünfter Band (der 11)
Part 14
Halifax sprach manche bittere Wahrheit aus, aber mit einer so zarten Rücksicht, daß er sich den Vorwurf der Schmeichelei von Leuten zuzog, welche viel zu niedrigdenkend waren, als daß sie hätten begreifen können, daß Worte, die mit Recht Schmeichelei genannt werden mögen, wenn man sie an einen Mächtigen richtet, einer gefallenen Größe gegenüber ein Tribut der Humanität sind. Er erklärte es unter vielen Versicherungen von Theilnahme und Ehrerbietung als seine Ansicht, daß der König sich zu großen Opfern entschließen müsse. Es sei nicht genug, daß er ein Parlament einberufe und mit dem Prinzen von Oranien in Unterhandlung trete. Wenigstens einige von den Beschwerden, über welche die Nation klage, müßten augenblicklich abgestellt werden, ohne darauf zu warten, bis die Häuser oder der Anführer des feindlichen Heeres die Abstellung verlangten. Nottingham erklärte sich in eben so ehrerbietiger Sprache mit Halifax vollkommen einverstanden. Es waren drei Hauptzugeständnisse, zu denen die Lords den König zu bewegen suchten. Er sollte, sagten sie, alle Katholiken sofort aus dem Staatsdienste entlassen, sich ganz von Frankreich lossagen und Denen, welche bewaffnet gegen ihn aufgestanden, unbedingte Amnestie zusichern. Man sollte denken, daß der letzte von diesen drei Vorschlägen keinen Einwand zugelassen hätte. Denn hatten auch Einige von Denen, die sich gegen den König zusammengeschaart, so gegen ihn gehandelt, daß er sich dadurch bitter gekränkt fühlen mußte, so war es doch viel wahrscheinlicher, daß er bald von ihrer Gnade abhängen würde, als sie je von der seinigen. Es wäre geradezu kindisch gewesen, mit Wilhelm Unterhandlungen zu eröffnen und zu gleicher Zeit Männern, welche Wilhelm nicht im Stiche lassen konnte, ohne eine Schändlichkeit gegen sie zu begehen, mit Rache zu drohen. Aber der umwölkte Verstand und der unversöhnliche Character Jakob's sträubten sich lange gegen die Gründe der Männer, die ihn zu überzeugen suchten, daß er wohl daran thun werde, Kränkungen zu verzeihen, die er nicht bestrafen konnte. »Ich kann es nicht thun,« rief er aus; »ich muß ein Exempel statuiren, vor Allem an Churchill, den ich so hoch erhoben habe. Er, und nur er allein hat dies Alles gethan. Er hat meine Armee verführt, er hat meine Tochter verführt und er würde mich ohne den besonderen Schutz Gottes dem Prinzen von Oranien überliefert haben. Sie sind auffallend besorgt um die Sicherheit von Verräthern, Mylords; keiner von Ihnen aber kümmert sich um meine Sicherheit.« Als Antwort auf diesen Ausbruch ohnmächtigen Zornes stellten Diejenigen, welche zur Amnestie gerathen hatten, mit tiefster Ehrerbietung, aber mit Entschiedenheit vor, daß ein von mächtigen Feinden angegriffener Fürst nur durch einen Sieg oder durch Nachgiebigkeit gerettet werden konnte. »Wenn Eure Majestät nach Allem was geschehen ist noch von den Waffen Rettung erwartet, so sind wir fertig, wo nicht, können Sie nur dadurch gerettet werden, daß Sie die Zuneigung Ihres Volks wieder zu gewinnen suchen.« Nach einer langen und lebhaften Debatte hob der König die Versammlung auf, indem er sagte: »Mylords, Sie haben Sich viel Freiheit herausgenommen, aber ich zürne Ihnen deshalb nicht. In einem Punkte bin ich zu einem Entschlusse gekommen. Ich werde ein Parlament einberufen. Die anderen Rathschläge, die Sie mir gegeben haben, sind von ernster Bedeutung, und Sie werden Sich nicht wundern, wenn ich mir eine Nacht zur Überlegung vorbehalte, ehe ich mich entscheide.«[137]
[Anmerkung 137: +Clarke's Life of James, II. 236: Orig. Mem.+; +Burnet I. 794+; +Luttrell's Diary+; +Clarendon's Diary, Nov. 27. 1688.+ Citters, 27. Nov. (7. Dec.) und 30. Nov. (10. Dec.). Citters schöpfte seine Angaben offenbar aus Mittheilungen von einem der anwesenden Lords. Da der Gegenstand wichtig ist, will ich einige kurze Stellen aus seinen Depeschen hier anführen. Der König sagte, +»Dat het by na voor heem unmogelyck was te pardoneren persoonen wie so hoog in syn reguarde schuldig stonden, vooral seer uytvarende tegens den Lord Churchill wien hy hadde groot gemaakt, en nogtans meynde de eenigste oorsake van alle dese desertie en van de retraite van hare Coninglycke Hoogheden te wesen.«+ Einer von den Lords, wahrscheinlich Halifax oder Nottingham, +»seer hadde geurgeert op de securiteyt van de lords die nu met syn Hoogheyt geengageert staan. Soo hoor ick,«+ sagt Citters, +»dat syn Majesteyt onder anderen soude gesegt hebben: »»Men spreekt al voor de securiteyt voor andere, en niet voor de myne.«« -- Waar op een der Pairs resolut dan met groot respect soude geantwoordt hebben dat, so de difficulteyt dan nog te surmonteren was, dat het den moeste geschieden door de meeste condescendance, en hoe meer die was, en hy genegen om aan de natic contentement te geven, dat syne securyteyt ook des te grooter soude wesen.«+]
[_Er ernennt Commissare zur Unterhandlung mit Wilhelm._] Anfangs schien Jakob die ausbedungene Bedenkzeit vortrefflich anwenden zu wollen: der Kanzler erhielt die Weisung, Ausschreiben zur Einberufung eines Parlaments auf den 13. Januar zu erlassen. Halifax wurde ins königliche Kabinet beschieden, hatte eine lange Audienz und sprach mit mehr Freimuth, als er in Anwesenheit einer zahlreichen Versammlung zu zeigen für schicklich gehalten hatte. Es wurde ihm angekündigt, daß er zu einem der Commissare ernannt sei, welche mit dem Prinzen von Oranien unterhandeln sollten. Nottingham und Godolphin waren ihm beigegeben. Der König erklärte, daß er im Interesse des Friedens große Opfer zu bringen bereit sei. Halifax antwortete ihm darauf, daß es auch ohne Zweifel großer Opfer bedürfen werde. »Eure Majestät,« sagte er, »darf nicht erwarten, daß Diejenigen, welche die Macht in Händen haben, auf Bedingungen eingehen werden, welche die Gesetze in die Gewalt der Prärogative geben.« Mit dieser deutlichen Erklärung seiner Ansichten nahm er den Auftrag an, den der König ihm ertheilen wollte.[138] Jetzt wurden die vor wenigen Stunden noch hartnäckig verweigerten Zugeständnisse auf das Bereitwilligste gewährt. Es wurde eine Proklamation erlassen, durch welche der König nicht nur Allen, die sich gegen ihn empört hatten, unbedingte Verzeihung zusicherte, sondern sie sogar als wählbar für das bevorstehende Parlament erklärte. Nicht einmal die Niederlegung der Waffen wurde als Bedingung der Wählbarkeit gestellt. Dieselbe Nummer der Gazette, welche den bevorstehenden Zusammentritt der Häuser anzeigte, enthielt auch die Ankündigung, daß Sir Eduard Hales, der als Papist, als Renegat, als Hauptvorkämpfer für die Dispensationsgewalt und als der strenge Kerkermeister der Bischöfe einer der unpopulärsten Männer des ganzen Reichs war, nicht mehr Gouverneur des Tower sei und seinen kürzlichen Gefangenen Bevil Skelton, der zwar in der Achtung seiner Landsleute eben nicht hoch stand, aber wenigstens nicht gesetzlich vom Staatsdienste ausgeschlossen war, zum Nachfolger erhalten habe.[139]
[Anmerkung 138: Brief des Bischofs von St. Asaph an den Prinzen von Oranien vom 17. Dec. 1688.]
[Anmerkung 139: +London Gazette, Nov. 29., Dec. 3. 1688+; +Clarendon's Diary, Nov. 29, 30+]
[_Die Unterhandlung eine Finte._] Diese Zugeständnisse hatten jedoch nur den Zweck, die Lords und die Nation über die wahren Absichten des Königs zu täuschen. Im Stillen hatte er sich vorgenommen, selbst in dieser äußersten Bedrängniß nicht nachzugeben. An dem nämlichen Tage, an welchem er das Amnestiedecret erließ, sprach er seine wirklichen Gesinnungen offen gegen Barillon aus. »Diese Unterhandlung,« sagte Jakob, »ist eine bloße Finte. Ich muß Commissare an meinen Neffen senden, damit ich Zeit gewinne, um meine Frau und den Prinzen von Wales fortschaffen zu können. Sie kennen die Stimmung meiner Truppen. Nur die Irländer werden mir treu bleiben, und sie sind nicht stark genug, um dem Feinde Widerstand zu leisten. Ein Parlament würde mir Bedingungen vorschreiben, die ich nicht ertragen könnte. Ich würde Alles was ich für die Katholiken gethan habe, wieder zurücknehmen, und mit dem Könige von Frankreich brechen müssen. Sobald daher die Königin und mein Kind in Sicherheit sind, werde ich England verlassen und mich nach Irland, Schottland oder zu Ihrem Gebieter flüchten«.[140]
Jakob hatte bereits die nöthigen Anstalten zur Ausführung dieses Planes getroffen. Dover war mit Instructionen, für den Prinzen von Wales zu sorgen, nach Portsmouth geschickt worden, und Dartmouth, welcher die dort liegende Flotte befehligte, hatte Ordre erhalten, allen Anordnungen Dover's in Betreff des Kronprinzen Folge zu leisten und eine mit zuverlässigen Matrosen bemannte Yacht bereit zu halten, damit sie jeden Augenblick nach Frankreich unter Segel gehen könnte.[141] Jetzt sandte der König den bestimmten Befehl ab, daß der Prinz augenblicklich nach dem nächsten Hafen des Continentes gebracht werden solle.[142] Nächst dem Prinzen von Wales war der Hauptgegenstand seiner Sorge das große Staatssiegel. Diesem Symbole der königlichen Autorität haben unsere Juristen jederzeit eine besondere, fast geheimnißvolle Wichtigkeit beigelegt Man ist der Ansicht, daß, wenn der Siegelbewahrer es auch ohne königliche Genehmigung einem Peerspatent oder einer Begnadigung aufdrückt, er sich zwar eines schweren Vergehens schuldig macht, die Gültigkeit des Instruments aber von keinem Gerichtshofe angefochten und nur durch eine Parlamentsacte annullirt werden kann. Jakob fürchtete wahrscheinlich, daß seine Feinde dieses Organ seines Willens in die Hände bekommen und dadurch Maßregeln, die ihn nachtheilig berühren könnten, gesetzliche Gültigkeit geben könnten. Seine Besorgnisse können auch nicht unbegründet erscheinen, wenn man bedenkt, daß gerade hundert Jahre später das große Siegel eines Königs mit Bewilligung der Lords und der Gemeinen und unter Gutheißung von Seiten vieler großen Staatsmänner und Juristen zu dem Zwecke benutzt wurde, um seine Hoheitsrechte auf seinen Sohn zu übertragen. Damit der Talisman, der so furchtbare Kräfte besaß, nicht in unrechte Hände komme, beschloß Jakob, ihn wenige Schritte von seinem Kabinet aufzubewahren. Jeffrey's erhielt zu dem Ende Befehl, sein erst kürzlich mit großem Kostenaufwande erbautes Haus in Duke Street zu verlassen und ein kleines Apartement in Whitehall zu beziehen.[143]
Der König hatte bereits alle Anstalten zur Flucht getroffen, als ein unerwartetes Hinderniß ihn zwang, die Ausführung seines Vorhabens aufzuschieben. Seine Agenten in Portsmouth fingen an Bedenklichkeiten zu hegen. Selbst Dover ließ, obgleich er Mitglied der jesuitischen Cabale war, Zeichen von Unschlüssigkeit merken. Noch weniger war Dartmouth geneigt, den Wünschen des Königs zu willfahren. Er war bisher dem Throne treu gewesen und hatte mit einer mißgestimmten Flotte und bei widrigem Winde sein Möglichstes gethan, um die Landung der Holländer in England zu verhindern; aber er war ein eifriges Mitglied der anglikanischen Kirche und durchaus nicht befreundet mit der Politik der Regierung, welche zu vertheidigen er für eine Pflicht und eine Ehrensache hielt. Die meuterische Stimmung der unter seinem Befehle stehenden Offiziere und Mannschaften hatte ihm viel zu schaffen gemacht und die Nachricht von der Einberufung eines freien Parlaments und der Ernennung von Commissaren, welche mit dem Prinzen von Oranien unterhandeln sollten, hatte ihn sehr erfreut. Die ganze Flotte gab ihre Freude darüber laut zu erkennen. An Bord des Admiralschiffs wurde eine Adresse entworfen, welche dem Könige für diese der öffentlichen Meinung gemachten gnädigen Zugeständnisse den wärmsten Dank aussprach. Der Admiral unterzeichnete zuerst und achtunddreißig Kapitäne schrieben ihre Namen unter den seinigen. Dieses Schriftstück kreuzte sich auf dem Wege nach Whitehall mit dem Boten, der den Befehl nach Portsmouth brachte, daß der Prinz von Wales unverzüglich nach Frankreich übergeführt werden sollte. Dartmouth erkannte nun mit bitterem Schmerz und Unwillen, daß das freie Parlament, die allgemeine Amnestie und die Unterhandlung nur Theile eines gegen die Nation zu verübenden großartigen Betrugs waren und daß er bei diesem Betruge eine Rolle spielen sollte.
[Anmerkung 140: Barillon, 1.(11.) Dec. 1688.]
[Anmerkung 141: Jakob an Dartmouth, 25. Nov. 1688. Die Briefe findet man in Dalrymple.]
[Anmerkung 142: Jakob an Dartmouth, 1. Dec. 1688.]
[Anmerkung 143: +Luttrell's Diary+.]
[_Dartmouth weigert sich, den Prinzen von Wales nach Frankreich zu senden._] In einem ergreifenden und männlichen Schreiben erklärte er, daß er in seinem Gehorsam schon so weit gegangen sei, als ein Protestant und Engländer nur irgend gehen könne. Den muthmaßlichen Erben der britischen Krone den Händen Ludwigs zu überliefern, würde nichts Geringeres als ein Verrath gegen die Monarchie sein. Die dem Könige nur zu sehr schon entfremdete Nation würde aufs Äußerste erbittert werden. Der Prinz von Wales würde entweder gar nicht, oder in Begleitung einer französischen Armee zurückkehren. Wenn Seine Königliche Hoheit auf der Insel bliebe, so wäre das Schlimmste was zu befürchten stände, daß er als Mitglied der Landeskirche erzogen würde, und jeder loyale Unterthan müßte den Himmel bitten, daß dies geschehen möchte. Er schloß mit der Erklärung, daß er bereitwillig sein Leben zur Vertheidigung des Thrones opfern werde, sich aber nimmermehr an der Überführung des Prinzen nach Frankreich betheiligen könne.[144]
Dieser Brief warf alle Pläne Jakob's über den Haufen. Zu gleicher Zeit erfuhr er, daß er bei dieser Gelegenheit nicht einmal passiven Gehorsam voll seinem Admiral erwarten durfte, denn Dartmouth war so weit gegangen, daß er mehrere Sloops am Eingange des Hafens aufgestellt, welche Befehl hatten, kein Schiff ununtersucht passiren zu lassen. Der Plan mußte somit abgeändert werden. Das Kind mußte nach London zurückgebracht und von hier aus nach Frankreich befördert werden. Dies konnte aber erst nach Verlauf mehrerer Tage geschehen, und während dieser Zwischenzeit mußte die öffentliche Meinung durch die Hoffnung auf ein Parlament und durch eine Scheinunterhandlung hingehalten werden. Die Ausschreiben zu den Wahlen wurden erlassen. Zwischen der Hauptstadt und dem holländischen Hauptquartier gingen Trompeter hin und her. Endlich kamen auch die Pässe für die königlichen Commissare und die drei Lords traten ihre Gesandtschaftsreise an.
[Anmerkung 144: +Second Collection of Papers+, 1688; Dartmouth's Brief, datirt vom 3. Dec. 1688 findet sich in Dalrymple; +Clarke's Life of James, II. 233. Orig. Mem.+ Jakob beschuldigt Dartmouth, die Flotte zu einer Adresse um Einberufung eines Parlaments bestimmt zu haben. Dies ist eine grundlose Verleumdung. Die Adresse ist eine Dankadresse an den König dafür, daß er ein Parlament einberufen, und war bereits abgefaßt, ehe Dartmouth die entfernteste Ahnung davon hatte, daß Seine Majestät die Nation hintergehen wollte.]
[_Aufregung in London._] Die Hauptstadt war bei ihrer Abreise in einem Zustande furchtbarer Gährung. Die Leidenschaften, welche im Laufe dreier unruhiger Jahre nach und nach immer heftiger geworden, zeigten sich jetzt, wo sie von dem Zügel der Furcht befreit und durch Sieg und Sympathie aufgestachelt waren, unverhohlen, selbst im Bereiche des königlichen Schlosses. Die große Jury von Middlesex nahm eine Anklage gegen den Earl von Salisbury, weil er Papist geworben war, an.[145] Der Lordmayor ließ bei den Katholiken der City eine Haussuchung nach Waffen halten. Der Pöbel stürmte das Haus eines dem verhaßten Glauben anhängenden achtbaren Kaufmanns, um sich zu überzeugen, ob er nicht von seinem Keller aus unter die benachbarte Pfarrkirche eine Mine angelegt habe, um den Geistlichen mit der Gemeinde in die Luft zu sprengen.[146] Die Ausrufer schrien in den Straßen einen Aufruf zur Festnehmung Pater Petre's aus, der seine Gemächer im Palaste gerade noch zur rechten Zeit verlassen hatte.[147] Wharton's berühmtes Lied wurde mit vielen neu hinzugefügten Versen lauter als je in allen Straßen der Hauptstadt gesungen. Selbst die Schildwachen des Palastes sangen auf ihrer Runde:
»Der Engländer auf den Untergang des Papismus trinkt, Lillibullero bullen a la.«
[Anmerkung 145: +Luttrell's Diary+.]
[Anmerkung 146: Adda, 7.(17.) Dec. 1688.]
[Anmerkung 147: Der Nuntius sagt: +»Se lo avesse fatto prima di ora, per il Rè ne sarebbe stato meglio.«+]
[_Falsche Proklamation._] Die geheimen Pressen von London waren unausgesetzt in Thätigkeit. Tagtäglich kamen Flugschriften durch Mittel und Wege in Circulation, welche die Behörden nicht entdecken konnten oder nicht hindern wollten. Eine davon ist durch die Gewandtheit und verwegene Rücksichtslosigkeit, mit der sie geschrieben war, sowie durch den ungeheuren Eindruck, den sie machte, der Vergessenheit entrissen worden. Sie gab sich für eine ergänzende Erklärung von der Hand und unter dem Siegel des Prinzen von Oranien aus, war aber in einem ganz andren Style gehalten als sein ächtes Manifest. Allen Papisten, die es wagen sollten, sich der königlichen Sache anzuschließen, war mit einer bei christlichen und civilisirten Nationen unbekannten Rache gedroht. Sie sollten nicht als Soldaten oder Gentlemen, sondern wie Freibeuter behandelt werden. Das bis jetzt durch eine starke Hand im Zaume gehaltene Heer der Feinde sollte in seiner ganzen Wildheit und Zügellosigkeit auf sie gehetzt werden. Die guten Protestanten, namentlich diejenigen, welche die Hauptstadt bewohnten, wurden bei Allem was ihnen theuer sei beschworen und bei Strafe des allerhöchsten Mißfallens des Prinzen angewiesen, ihre katholischen Nachbarn festzunehmen, zu entwaffnen und einzusperren. Das Manuscript dieser Schrift war angeblich von einem whiggistischen Buchhändler eines Morgens unter seiner Ladenthür gefunden worden. Er beeilte sich, es drucken zu lassen. Viele Exemplare wurden mit der Post versandt und gingen rasch von Hand zu Hand. Scharfsichtige Leute erkannten es jedoch ohne Mühe als das falsche Machwerk irgend eines unruhigen und characterlosen Abenteurers, wie sie in bewegten Zeiten stets bei den unreinsten und schwärzesten Parteiumtrieben thätig sind. Der große Haufe aber ließ sich vollkommen täuschen. Der nationale und religiöse Abscheu gegen die irischen Papisten war in der That so stark erregt, daß die Mehrzahl von Denen, welche die Proklamation für ächt hielten, sie als eine ganz zeitgemäße Entfaltung von Energie mit Beifall begrüßten. Als es bekannt wurde, daß ein solches Dokument von Wilhelm selbst nicht ausgegangen war, fragte man neugierig, wer wohl der Betrüger sein möchte, der so kühn und so glücklich die Rolle des Prinzen gespielt hatte. Einige hatten Ferguson, Andere Johnson im Verdacht, bis endlich nach Verlauf von siebenundzwanzig Jahren Hugo Speke sich zum Autor der Fälschung bekannte und für diesen der protestantischen Religion geleisteten großen Dienst vom Hause Braunschweig eine Belohnung verlangte. Er behauptete in dem Tone eines Mannes, der etwas höchst Lobenswerthes und Ehrenvolles gethan zu haben glaubt, er habe, als die holländische Invasion Whitehall in Bestürzung versetzt, dem Hofe seine Dienste angeboten, habe vorgegeben, mit den Whigs zerfallen zu sein und sich erboten, bei ihnen den Spion zu spielen. So habe er Zutritt in das königliche Kabinet erlangt, habe Treue gelobt, dafür das Versprechen großer Geldbelohnungen erhalten und sich Geleitsbriefe verschafft, die ihn in den Stand setzten, die feindlichen Linien zu passiren. Dies Alles versicherte er nur in der Absicht gethan zu haben, damit er, ohne in Verdacht zu kommen, der Regierung einen tödtlichen Streich versetzen und einen heftigen Ausbruch des Nationalgefühls gegen die Katholiken herbeiführen konnte. Die falsche Proklamation erklärte er für sein Werk; ob sie dies aber wirklich war, dürfte in Zweifel zu ziehen sein. Er machte seinen Anspruch so spät erst geltend, daß wir mit Recht vermuthen dürfen, er habe auf den Tod Derer gewartet, die ihn widerlegen konnten; auch berief er sich auf kein andres Zeugniß als sein eignes.[148]
[Anmerkung 148: Siehe die +Secret History of the Revolution+, von Hugo Speke, 1715. In der Londoner Bibliothek befindet sich ein Exemplar dieses seltenen Werks mit einer handschriftlichen Note, welche von Speke selbst herzurühren scheint.]
[_Aufstände in verschiedenen Theilen des Landes._] Während dies in London vorging, brachte jede Post aus jedem Theile des Landes die Nachricht von einem neuen Aufstande. Lumley hatte sich Newcastle's bemächtigt und die Bewohner hatten ihn freudig willkommen geheißen. Die Statue des Königs, die auf einem hohen Piedestale von Marmor stand, war umgerissen und in den Tyne gestürzt worden. In Hull erinnerte man sich noch lange des 3. Decembers als des Jahrestages der Einnahme der Stadt. In dieser Stadt lag eine Garnison unter den Befehlen Lord Langdale's, eines Katholiken. Die protestantischen Offiziere entwarfen im Einverständniß mit dem Magistrat den Plan zu einem Aufstande; Langdale und seine Anhänger wurden festgenommen und Soldaten und Bürger erklärten sich gemeinsam für die protestantische Religion und ein freies Parlament.[149]
Inzwischen hatten sich auch die örtlichen Grafschaften erhoben. Der Herzog von Norfolk erschien mit einem Gefolge von dreihundert bewaffneten und berittenen Gentlemen auf dem stattlichen Marktplatze von Norwich. Hier begrüßten ihn der Mayor und die Aldermen und verpflichteten sich, ihm gegen Papismus und Willkürherrschaft beizustehen.[150] Lord Herbert von Cherbury und Sir Eduard Harley griffen in Worcestershire zu den Waffen.[151] Bristol, die zweite Stadt des Reichs, öffnete Shrewsbury ihre Thore. Trelawney, der Bischof, der im Tower das Prinzip des Nichtwiderstandes völlig verlernt hatte, war der Erste, der die Truppen des Prinzen bewillkommnete. Die Stimmung der Einwohner war so, daß man es für unnöthig hielt, eine Garnison unter ihnen zurückzulassen.[152] Das Volk von Gloucester erhob sich ebenfalls und befreite Lovelace aus dem Gefängniß. Es sammelte sich bald ein irreguläres Truppencorps um ihn. Einige von seinen Reitern hatten nur Stricke anstatt der Zügel und viele von seinen Fußsoldaten hatten keine andre Waffe als einen Knotenstock. Aber diese Truppe marschirte unangefochten durch Grafschaften, welche einst dem Hause Stuart ergeben waren, und zog endlich triumphirend in Oxford ein. Die Behörden bewillkommneten die Aufständischen mit feierlichem Gepränge. Selbst die durch neuerliche Kränkungen noch erbitterte Universität war nicht geneigt, den Aufstand zu tadeln. Schon hatten die Oberhäupter angesehener Familien eines ihrer Mitglieder abgesandt, um den Prinzen von Oranien zu versichern, daß sie aufrichtig für ihn seien und ihm gern ihr Silbergeräth zum Einschmelzen überlassen würden. Der whiggistische Anführer ritt daher unter allgemeinem Jubel durch die Hauptstadt des Toryismus. Vor ihm her schlugen die Tambours den Lillibullero. Hinter ihm folgte ein langer Zug von Reiterei und Fußvolk. Ganz High Street war mit orangefarbenen Bändern freundlich geschmückt, denn das orangefarbene Band hatte bereits die doppelte Bedeutung, die es noch jetzt, nach Verlauf von hundertsechzig Jahren besitzt. Es war schon für den protestantischen Engländer das Sinnbild der bürgerlichen und religiösen Freiheit, für den katholischen Celten das Sinnbild der Unterjochung und Verfolgung.[153]