Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Fünfter Band (der 11)

Part 12

Chapter 123,468 wordsPublic domain

Der unglückliche Vater tröstete sich so gut er konnte und hielt um eine Privataudienz beim Könige an. Sie wurde ihm bewilligt. Jakob sagte mit mehr als gewöhnlicher Freundlichkeit, daß er Cornbury's Verwandte aufrichtig bedaure und sie von aller Schuld an dem Verbrechen ihres entarteten Familienmitgliedes durchaus freispreche. Clarendon kehrte nach Hause zurück und wagte es kaum, seinen Freunden ins Auge zu blicken. Bald aber erfuhr er zu seinem Erstaunen, daß der Schritt, den er anfangs für seine Familie auf immer entehrend gehalten hatte, von vielen hochstehenden Personen gelobt wurde. Seine Nichte, die Prinzessin von Dänemark, fragte ihn, warum er sich so zurückziehe. Er antwortete ihr, daß die Schändlichkeit seines Sohnes ihn völlig zu Boden drücke. Anna schien diesen Kummer durchaus nicht zu begreifen. »Das Volk,« sagte sie, »ist der Herrschaft des Papismus müde. Ich glaube, daß Viele von der Armee das Nämliche thun werden.«[113]

Der König rief nun in seiner Angst alle noch in London anwesenden hohen Offiziere zusammen. Churchill, welcher kurz vorher zum Generallieutenant befördert worden war, erschien mit der heiteren Ruhe, die weder Gefahr noch Schande je zu erschüttern vermochten. Heinrich Fitzroy, Herzog von Grafton, der sich unter den natürlichen Kindern Karl's II. durch seine Verwegenheit und Thätigkeit auszeichnete, wohnte der Zusammenkunft bei. Grafton war Oberst des ersten Regiments der Fußgarden. Er scheint damals ganz unter Churchills Einfluß gestanden zu haben und war bereit, bei der ersten günstigen Gelegenheit die königliche Fahne zu verlassen. Außerdem waren noch zwei andere Hochverräther anwesend, Kirke und Trelawney, welche die damals unter der Bezeichnung der tangerschen Regimenter bekannten zwei wilden und zügellosen Heerhaufen befehligten. Sie hatten Beide, wie alle anderen protestantische Offiziere der Armee, die Parteilichkeit, welche der König für die Mitglieder seiner eigenen Kirche an den Tag legte, schon seit langer Zeit mit großem Mißfallen betrachtet, und Trelawney erinnerte sich mit bitterem Grolle der Verfolgung seines Bruders, des Bischofs von Bristol. Jakob hielt eine Ansprache an die Versammlung, die eines besseren Mannes und einer besseren Sache würdig gewesen wäre. Es könnte sein, sagte er, daß einige von seinen Offizieren Gewissensbedenken hätten, für ihn zu kämpfen. Wenn dem so wäre, sei er bereit, ihre Patente zurückzunehmen. Aber er beschwöre sie als Gentlemen und Soldaten, das schmachvolle Beispiel Cornbury's nicht nachzuahmen. Alle schienen tief ergriffen zu sein, am tiefsten Churchill. Er war der Erste, der mit vortrefflich gespielter Begeisterung gelobte, daß er sein Blut bis auf den letzten Tropfen für seinen huldvollen Gebieter zu vergießen bereit sei. Grafton ergoß sich in ähnliche laute Betheuerungen und seinem Beispiele folgten auch Kirke und Trelawney.[114]

[Anmerkung 111: +Clarke's Life of James the Second, II. 215. Orig. Mem.+; +Burnet, I. 790+; +Clarendon's Diary, Nov. 15. 1688+; +London Gazette, Nov. 17.+]

[Anmerkung 112: +Clarke's Life of James the Second, II. 218+; +Clarendon's Diary, Nov. 15. 1688+; Citters, 16.(26.) Nov.]

[Anmerkung 113: +Clarendon's Diary, Nov. 15, 16, 17, 20. 1688.+]

[Anmerkung 114: +Clarke's Life of James the Second, II. 219. Orig. Mem.+]

[_Petition der Lords um Einberufung eines Parlaments._] Durch diese Versicherungen getäuscht, schickte der König sich zum Aufbruch nach Salisbury an. Vor seiner Abreise wurde er benachrichtigt, daß eine beträchtliche Anzahl weltlicher und geistlicher Peers ihn um eine Audienz bitten ließen. Sie kamen mit Sancroft an ihrer Spitze um eine Petition zu überreichen, in der sie um Einberufung eines freien und gesetzlichen Parlaments und um Einleitung von Unterhandlungen mit dem Prinzen von Oranien baten.

Die Geschichte dieser Petition ist interessant. Die Idee scheint zwei wichtigen Parteihäuptern, welche lange Nebenbuhler und Feinde gewesen waren, Rochester und Halifax, zu gleicher Zeit gekommen zu sein. Sie zogen Beide unabhängig von einander die Bischöfe deshalb zu Rathe. Diese zollten dem Vorschlage warmen Beifall. Es wurde nun darauf angetragen, eine Generalversammlung der Peers anzuberaumen, um über die Form der dem Könige zu überreichenden Adresse zu berathen. Es war gerade Terminzeit der Gerichtshöfe, und zu dieser Zeit war Westminsterhall jeden Tag von hochgestellten und vornehmen Männern angefüllt, wie gegenwärtig die Clubs in Pall Mall und St. James Street. Nichts war leichter, als daß die dort versammelten Lords sich zu einer Berathung in ein Nebenzimmer begaben. Allein es erhoben sich unerwartete Schwierigkeiten. Halifax wurde zuerst kalt und dann sogar der Sache abgeneigt. Es lag in seiner Natur, gegen Alles Einwendungen zu entdecken und in gegenwärtigem Falle wurde seine Erfindungsgabe durch die Eifersucht noch besonders geschärft. Der Plan, der seinen Beifall gehabt hatte, so lange er ihn als seinen eigenen betrachtete, begann ihm zu mißfallen, sobald er entdeckte, daß es auch der Plan Rochester's war, der ihm so lange hinderlich im Wege gestanden und ihn endlich verdrängt hatte, und gegen den er eine so starke Abneigung empfand, als er bei seinem sanften Character überhaupt gegen Jemanden empfinden konnte. Nottingham stand damals bedeutend unter Halifax' Einflusse. Sie erklärten Beide, daß sie die Adresse nicht unterzeichnen würden, wenn Rochester sie mit unterzeichnete. Clarendon's Vorstellungen blieben erfolglos. »Es ist nicht meine Absicht,« sagte Halifax, »Mylord Rochester zu beleidigen, aber er ist Mitglied der kirchlichen Commission gewesen, die Proceduren dieses Gerichtshofes werden bald einer strengen Untersuchung unterzogen werden, und es ist unpassend, daß ein Mann, der einen Sitz darin eingenommen hat, sich an unseren Maßregeln betheiligt.« Nottingham sprach unter lebhaften Versicherungen seiner persönlichen Hochachtung für Rochester die nämliche Ansicht aus. Die Autorität der beiden dissentirenden Lords hielt mehrere andere Kavaliere ab, die Petition zu unterschreiben; aber die Hyde und die Bischöfe blieben bei ihrem Vorhaben. Es kamen neunzehn Unterschriften zusammen und die Petenten begaben sich +in pleno+ zu dem Könige.[115]

Er nahm ihre Adresse sehr ungnädig auf. Er versicherte zwar, daß er selbst den Zusammentritt eines freien Parlaments dringend wünsche und versprach ihnen auf sein königliches Wort, ein solches einzuberufen, sobald der Prinz von Oranien die Insel wieder verlassen haben würde. »Aber,« setzte er hinzu, »wie kann ein Parlament frei sein, so lange ein Feind im Lande ist und nahe an hundert Stimmen gewinnen kann?« Zu den Prälaten sprach er mit besonderer Gereiztheit. »Neulich,« sagte er, »konnte ich Sie nicht dazu bewegen, Sich gegen die Invasion zu erklären; jetzt aber sind Sie völlig bereit, Sich gegen mich zu erklären. Damals wollten Sie Sich nicht in die Politik mischen; heute tragen Sie kein Bedenken mehr, Sich in dieselbe zu mischen. Sie haben den Geist der Empörung unter Ihren Heerden erregt, und jetzt schüren Sie ihn noch an. Sie würden Ihre Zeit besser anwenden, wenn Sie sie lehrten mir zu gehorchen, anstatt daß Sie mich lehren wollen zu regieren.« Sehr aufgebracht war er auch gegen seinen Neffen Grafton, dessen Name unmittelbar unter Sancroft's Namen stand, und er sagte mit großer Heftigkeit zu dem jungen Manne: »Sie verstehen nichts von Religion, Sie kümmern Sich auch gar nicht darum, und doch wollen Sie behaupten, daß Sie ein Gewissen haben!« -- »Es ist wahr, Sire,« erwiederte Grafton mit schamloser Offenheit, »ich habe sehr wenig Gewissen; aber ich gehöre einer Partei an, die sehr viel hat«.[116]

So gereizt die Sprache des Königs gegen die Bischöfe selbst war, so wurde sie doch noch viel bitterer, nachdem sie sich entfernt hatten. In der Hoffnung, sein pflichtvergessenes und undankbares Volk zufrieden zu stellen, sagte er, habe er schon viel zu viel gethan. Der Gedanke an Zugeständnisse sei ihm von jeher verhaßt gewesen, doch er habe sich überreden lassen, und jetzt habe er wie sein Vater gesehen, daß Zugeständnisse die Unterthanen nur noch anspruchsvoller machten. Er wolle nun aber nichts mehr bewilligen, kein Atom, welche letzten zwei Worte er seiner Gewohnheit nach mehrere Male mit Heftigkeit wiederholte. Er wolle den Angreifern nicht nur keine Eröffnungen machen, sondern auch keine von ihnen annehmen. Sollten die Holländer Parlamentaire schicken, so würde der erste ohne Antwort zurückgeschickt und der zweite gehängt werden.[117]

[Anmerkung 115: +Clarendon's Diary vom 8. bis 17. Nov. 1688.+]

[Anmerkung 116: +Clarke's Life of James the Second, II. 212. Orig. Mem.+; +Clarendon's Diary, Nov. 17. 1688+; Citters, 20.(30.) Nov.; +Burnet, I. 791+; +Some Reflections upon the most Humble Petition to the King's most Excellent Majesty, 1688+; +Modest Vindication of the Petition+; +First Collection of Papers relating to English Affairs, 1688.+]

[Anmerkung 117: Adda, 19.(29.) Nov. 1688.]

[_Der König begiebt sich nach Salisbury._] In dieser Stimmung reiste Jakob nach Salisbury ab. Sein letzter Act vor seiner Abreise war die Ernennung eines Rathes von fünf Lords, die ihn während seiner Abwesenheit in London vertreten sollten. Zwei davon waren Papisten und deshalb gar nicht befähigt zu diesem Amte. Ihnen zur Seite stand Jeffreys, zwar ein Protestant, aber von der Nation mehr verabscheut, als irgend ein Papist. Gegen die übrigen zwei Mitglieder des Collegiums, Preston und Godolphin, war nichts Erhebliches einzuwenden. An dem Tage, an welchem der König London verließ, wurde der Prinz von Wales nach Portsmouth geschickt. Diese Festung hatte eine starke Besatzung und Berwick war Gouverneur. Die von Dartmouth commandirte Flotte lag nahe zur Hand, und so hoffte man, wenn die Dinge eine unglückliche Wendung nahmen, den kleinen Prinzen ohne Schwierigkeit von Portsmouth nach Frankreich bringen zu können.[118]

Am Neunzehnten traf der König in Salisbury ein und stieg im bischöflichen Palaste ab. Von allen Seiten kamen ihm nun in rascher Aufeinanderfolge schlimme Nachrichten zu. Die westlichen Grafschaften hatten sich endlich erhoben. Sobald Cornbury's Abfall bekannt wurde, faßten sich viele reiche Grundeigenthümer ein Herz und eilten nach Exeter. Unter ihnen befand sich Sir Wilhelm Portman von Bryanstone, einer der angesehensten Männer von Dorsetshire, und Sir Franz Warre von Hestercombe, der in Somersetshire großen Einfluß hatte.[119]

[Anmerkung 118: +Clarke's Life of James, 220, 221.+]

[Anmerkung 119: +Eachard's History of the Revolution.+]

[_Seymour._] Der Bedeutendste von den Neuangekommenen aber war Seymour, der unlängst eine Baronetschaft geerbt hatte, welche jedoch seinen Rang wenig erhöhte, und der in Folge seiner Geburt, seines politischen Ansehens und seiner parlamentarischen Talente entschieden der erste Torygentleman Englands war. Bei seiner ersten Audienz soll er seinen characteristischen Stolz in einer Weise geäußert haben, die den Prinzen überraschte und ergötzte. »Soviel ich weiß, Sir Eduard,« sagte Wilhelm, der sehr artig zu sein glaubte, »gehören Sie zur Familie des Herzogs von Somerset?« -- »Entschuldigen Sie, Sire,« entgegnete Sir Eduard, der nie vergaß, daß er das Oberhaupt der älteren Linie der Seymour war, »der Herzog von Somerset ist ein Mitglied meiner Familie«.[120]

[Anmerkung 120: Seymour's Antwort an Wilhelm wird von vielen Schriftstellern mitgetheilt. Sie hat große Ähnlichkeit mit einer Anekdote, die man sich von der Familie Manriquez erzählt. Sie soll zu ihrer Devise die Worte gewählt haben: +»Nos no descendemos de los Reyes, sino los Reyes descienden de nos.« -- Carpentariana.+]

[_Wilhelm's Hoflager in Exeter._] Das Hauptquartier Wilhelm's fing nun an das Aussehen eines Hofes zu gewinnen. Mehr als sechzig angesehene und vermögende Männer wohnten in Exeter und die tägliche Schaustellung von glänzenden Livreen und sechsspännigen Equipagen auf dem Domplatz verlieh diesem stillen Orte etwas von dem in Whitehall herrschenden Glanze und Leben. Das gemeine Volk konnte es kaum erwarten, die Waffen zu ergreifen, und man hätte mit Leichtigkeit mehrere Bataillone Infanterie bilden können. Schomberg aber, der auf frisch vom Pfluge genommene Soldaten wenig Werth legte, war der Meinung, daß, wenn das Unternehmen nicht ohne solche Hülfe gelingen könne, es überhaupt gar nicht gelingen würde, und Wilhelm, der das Kriegshandwerk eben so genau kannte als Schomberg, theilte diese Ansicht. Es wurden daher nur wenige neue Regimenter errichtet und nur auserlesene Rekruten dazu genommen.

Man hielt es jetzt für wünschenswerth, daß der Prinz die sämmtlichen in Exeter anwesenden Edelleute und Gentlemen öffentlich empfing. Er hielt eine kurze, aber würdevolle und wohl durchdachte Anrede an sie. Er sagte, er kenne nicht alle um ihn Versammelten persönlich, aber er habe eine Liste ihrer Namen und wisse, wie hoch sie in der Achtung ihres Vaterlandes ständen. Er tadelte mit milden Worten ihr spätes Erscheinen, sprach aber die zuversichtliche Hoffnung aus, daß es noch nicht zu spät sei, das Königreich zu retten. »Somit,« schloß er, »heißen wir Euch, Gentlemen, Freunde und Mitprotestanten, sowie Eure Begleiter an unsrem Hofe und in unsrem Lager herzlich willkommen.«[121]

Seymour, ein seit langer Zeit an die Parteitaktik gewöhnter Staatsmann von scharfem Blicke, erkannte sogleich, daß die Partei, welche sich um den Prinzen zu schaaren begonnen hatte, der Organisation bedurfte. Bis jetzt, sagte er, sei sie nur ein Sandhaufen, kein gemeinsamer Zweck sei öffentlich und feierlich angekündigt worden, Niemand habe sich noch zu etwas verpflichtet. Sobald die Versammlung in der Dechanei wieder auseinander gegangen war, ließ er Burnet rufen und schlug ihm vor, daß ein Bund gebildet werden und alle englischen Anhänger des Prinzen eine Urkunde unterzeichnen sollten, durch welche sie sich zur Treue gegen ihren Führer und gegen einander verpflichteten. Burnet theilte diesen Vorschlag dem Prinzen und Shrewsbury mit, die ihn Beide billigten. Es wurde eine Versammlung in der Kathedrale gehalten und Burnet legte einen Entwurf vor, der angenommen und eifrig unterzeichnet wurde. Die Unterzeichner verpflichteten sich, die in der Erklärung des Prinzen dargelegten Zwecke einmüthig zu verfolgen, ihm und sich selbst gegenseitig beizustehen, gegen Jeden, der ein Attentat auf seine Person unternehmen sollte, exemplarische Rache zu üben und selbst wenn ein solches Attentat unglücklicherweise gelingen sollte, in ihrem Unternehmen zu beharren, bis die Freiheiten und die Religion des Volks wirksam gesichert seien.[122]

Um die nämliche Zeit kam ein Bote vom Earl von Bath, der in Plymouth commandirte, in Exeter an. Bath erklärte, daß er seine Person, seine Mannschaft und die Festung, deren Gouverneur er war, dem Prinzen zur Verfügung stelle. So hatten die Angreifenden keinen einzigen Feind mehr im Rücken.[123]

[Anmerkung 121: +Fourth Collection of Papers, 1688+; Brief von Exon; +Burnet, I. 792.+]

[Anmerkung 122: +Burnet, I. 792+; +History of the Desertion+; +Second Collection of Papers, 1688.+]

[Anmerkung 123: Brief von Bath an den Prinzen von Oranien vom 18. Nov. 1688; Dalrymple.]

[_Aufstand im Norden._] Während der Westen sich so gegen den König erhob, stand hinter ihm auch schon der ganze Norden in Flammen. Am Sechzehnten griff Delamere in Cheshire zu den Waffen. Er rief seine Pächter zusammen, forderte sie auf, ihm beizustehen, versprach ihnen, daß, wenn sie im Kampfe fielen, die Pachtungen ihren Hinterlassenen aufs neue bewilligt werden sollten, und ermahnte Jeden, der ein gutes Pferd habe, entweder selbst ins Feld zu ziehen, oder einen Ersatzmann zu stellen.[124] Er erschien mit funfzig bewaffneten und berittenen Männern in Manchester und bevor er Boaden Downs erreichte, hatte sich seine Truppe verdreifacht.

Die benachbarten Grafschaften waren in heftiger Gährung. Es war festgesetzt worden, daß Danby York nehmen und Devonshire in Nottingham erscheinen sollte. In Nottingham erwartete man keinen Widerstand zu finden, in York aber lag eine kleine Garnison unter dem Commando Sir John Reresby's. Danby ging mit großer Klugheit und Umsicht zu Werke. Auf den 22. November war eine Versammlung der Gentry und der Freisassen von Yorkshire ausgeschrieben, um eine Adresse wegen der Lage der Dinge an den König zu berathen. Alle Statthaltersubstituten der drei Bezirke, mehrere Kavaliere und eine Menge reicher Esquires und wohlhabender Freisassen hatten sich zu dieser Versammlung in der Provincialhauptstadt eingefunden. Vier Abtheilungen Miliz waren zur Aufrechthaltung der Ruhe und Ordnung commandirt. Das Rathhaus war gedrängt voll Freisassen und die Berathung hatte eben begonnen, als sich plötzlich der Ruf vernehmen ließ, die Papisten hätten sich erhoben und metzelten die Protestanten nieder. Die Papisten von York waren viel wahrscheinlicher darauf bedacht, sich zu verbergen, als einen Feind anzugreifen, der ihnen um das Hundertfache überlegen war. Aber damals konnte eine Geschichte von Papistenwuth noch so übernatürlich und wunderbar sein, sie fand dennoch bereitwilligen Glauben. Die Versammlung ging erschreckt auseinander. Die ganze Stadt war in Aufruhr. In diesem Augenblicke ritt Danby an der Spitze von etwa hundert Reitern der Miliz entgegen und erhob den Ruf: »Keinen Papismus! ein freies Parlament! die protestantische Religion!« Die Miliz stimmte ein. In einem Nu war die Garnison überrumpelt und entwaffnet. Der Gouverneur wurde in Gewahrsam gebracht, die Thore geschlossen und überall Schildwachen ausgestellt. Man ließ den Pöbel ungehindert eine katholische Kapelle niederreißen; sonst aber scheint kein Unfug verübt worden zu sein. Am folgenden Morgen war die Guildhall von den vornehmsten Gentlemen der Grafschaft und den höchsten Magistratsbeamten der Stadt angefüllt. Der Lordmayor wurde zum Vorsitzenden ernannt. Danby schlug eine Erklärung vor, in der die Gründe dargelegt werden sollten, welche die Freunde der Verfassung und der protestantischen Religion bewogen hatten, zu den Waffen zu greifen. Diese Erklärung wurde mit allgemeinem Beifall angenommen und war binnen wenigen Stunden von sechs Peers, fünf Baronets, sechs Rittern und vielen hochangesehenen Gentlemen unterzeichnet.[125]

Inzwischen verließ Devonshire an der Spitze einer starken Truppe von Freunden und Untergebenen den Palast, den er eben in Chatsworth bauen ließ, und erschien bewaffnet in Derby. Hier übergab er der städtischen Behörde in aller Form eine Schrift, in der die Beweggründe seines Unternehmens auseinandergesetzt waren. Dann marschirte er nach Nottingham, das bald das Hauptquartier des Aufstandes im Norden wurde. Hier erließ er eine in kühnen und harten Ausdrücken abgefaßte Proklamation. Das Wort Rebellion, hieß es darin, sei ein Popanz, der keinen verständigen Mann schrecken könne. Sei es Rebellion, die Gesetze und den Glauben zu vertheidigen, zu deren Aufrechthaltung jeder englische König sich eidlich verpflichte? Wie dieser Eid neuerdings gehalten worden sei, darüber werde hoffentlich bald ein freies Parlament entscheiden. Die Insurgenten erklärten, daß sie es, bis diese Entscheidung erfolge, nicht für Rebellion, sondern nur für rechtmäßige Nothwehr hielten, sich einem Tyrannen zu widersetzen, der kein andres Gesetz kenne, als seinen Willen. Im Norden gewann der Aufstand mit jedem Tage eine größere Ausdehnung. Vier mächtige und reiche Earls, Manchester, Stamford, Rutland und Chesterfield, begaben sich nach Nottingham, wo sich ihnen Lord Cholmondely und Lord Grey de Ruthyn anschlossen.[126]

Währenddem kamen die feindlichen Heere im Süden einander immer näher. Als der Prinz von Oranien erfuhr, daß der König in Salisbury angekommen war, hielt er es für an der Zeit, Exeter zu verlassen. Er stellte diese Stadt und ihre Umgegend unter das Commando Sir Eduard Seymour's und brach Mittwoch den 21. November in Begleitung vieler der angesehensten Gentlemen der westlichen Grafschaften nach Axminster auf, wo er mehrere Tage blieb.

Der König wünschte sehnlichst, daß es zu einem Kampfe kommen möchte, was offenbar in seinem Interesse lag. Jede Stunde entriß ihm etwas von seiner Stärke und vermehrte die seiner Feinde. Überdies war es sehr wichtig, daß seine Truppen sich ans Feuer gewöhnten. Eine große Schlacht, welchen Ausgang sie auch nehmen mochte, konnte die Popularität des Prinzen nur vermindern. Dies Alles erkannte Wilhelm sehr wohl und er nahm sich deshalb vor, einen Zusammenstoß so lange als möglich zu vermeiden. Als Schomberg die Nachricht erhielt, daß der Feind anrücke und zu einer Schlacht entschlossen sei, soll er mit der Gelassenheit eines sich seiner Geschicklichkeit bewußten Taktikers gesagt haben: »Das wird lediglich von uns abhängen.« Es war indessen nicht möglich, alles Scharmützeln zwischen den Vorposten der beiden Armeen zu verhindern. Wilhelm wünschte, daß bei diesen Scharmützeln nichts geschah, was den Stolz der Nation, die er befreien wollte, verletzen oder ihr Rachegefühl aufstacheln könnte. Daher stellte er mit bewundernswerther Klugheit seine britischen Regimenter dahin, wo die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenstoßes am größten war. Die Vorposten der königlichen Armee waren Irländer, und in Folge dessen hatten die Eingedrungenen bei den kleinen Gefechten dieses kurzen Feldzugs die aufrichtige Sympathie aller Engländer für sich.

[Anmerkung 124: +First Collection of Papers, 1688+; +London Gazette, Nov. 22.+]

[Anmerkung 125: +Reresby's Memoirs+; +Clarke's Life of James, II. 231. Orig. Mem.+]

[Anmerkung 126: +Cibber's Apology+; +History of the Desertion+; +Luttrell's Diary+; +Second Collection of Papers, 1688+.]

[_Gefecht bei Wincanton._] Das erste derartige Treffen fand bei Wincanton statt. Mackay's Regiment, das aus britischen Soldaten bestand, lag in der Nähe einer Abtheilung irischer Truppen des Königs, welche ihr Landsmann, der tapfere Sarsfield, befehligte. Mackay schickte ein kleines Detachement unter einem Lieutenant Namens Campbell aus, um Bagagepferde herbeizuschaffen. In Wincanton fand Campbell was er brauchte, und als er eben die Stadt wieder verließ, um zur Armee zurückzukehren, rückte eine starke Abtheilung von Sarsfield's Truppen heran. Die Irländer waren ihren Gegnern um das Vierfache überlegen, dennoch aber entschloß sich Campbell bis zum Äußersten zu kämpfen. Mit einem Häuflein tapferer Männer stellte er sich auf der Straße auf, und seine übrigen Soldaten besetzten die Hecken zu beiden Seiten der Straße. Der Feind kam heran. »Halt!« rief Campbell, »für wen seid Ihr.« -- »Ich bin für König Jakob,« antwortete der Anführer der feindlichen Truppe. »Und ich für den Prinzen von Oranien,« versetzte Campbell. »Wir wollen Euch beprinzen!« rief der Irländer mit einem Fluche. »Feuer!« commandirte Campbell, und augenblicklich knatterte ein wohlgezieltes Feuer hinter den Hecken hervor. Die königlichen Truppen erhielten drei kräftige Salven, ehe sie das Feuer erwiedern konnten. Endlich gelang es ihnen, eine der Hecken zu nehmen, und sie würden die ihnen entgegenstehende kleine Schaar überwältigt haben, hätte nicht das Landvolk, das die Irländer gründlich haßte, falschen Lärm gemacht, daß noch mehr Truppen des Prinzen anrückten. Sarsfield rief seine Leute ab und zog sich zurück und Campbell setzte mit den Bagagepferden seinen Marsch ungehindert fort. Dieses Gefecht, das zwar dem Muthe und der Disciplin der Armee des Prinzen Ehre machte, wurde durch die Fama zu einem Siege vergrößert, den britische Protestanten über eine bedeutende Übermacht von papistischen Barbaren davongetragen, welche aus Connaught herübergeholt worden seien, um unsre Insel zu unterdrücken.[127]