Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Fünfter Band (der 11)
Part 10
Die Landleute an der Küste von Devonshire gedachten noch in Liebe des Namens Monmouth und verabscheuten den Papismus. Sie kamen daher ans Ufer herbeigeströmt, um Lebensmittel und Dienstleistungen anzubieten. Die Ausschiffung begann unverzüglich. Sechzig Böte brachten die Truppen ans Ufer. Zuerst wurde Mackay mit den britischen Regimentern ans Land gesetzt. Ihm folgte bald nachher der Prinz. Er landete an der Stelle, wo sich gegenwärtig der Quai von Brixham befindet. Die Gegend hat jetzt ein ganz andres Aussehen. Wo wir jetzt einen mit Fahrzeugen angefüllten Hafen und einen von Käufern und Verkäufern wimmelnden Marktort erblicken, brachen sich damals die Wogen an einer öden Küste; aber ein Stück von dem Felsen, auf den der Befreier beim Aussteigen aus seinem Boote trat, ist sorgsam aufbewahrt und in der Mitte des geräuschvollen Quais als ein Gegenstand der öffentlichen Verehrung aufgestellt worden.
Sobald der Prinz den Fuß auf festen Boden gesetzt hatte, verlangte er Pferde, und zwei Thiere, wie die kleinen Gutsbesitzer sie damals zu reiten pflegten, wurden aus dem nächsten Dorfe herbeigeschafft. Wilhelm und Schomberg bestiegen dieselben und ritten fort, um die Gegend zu recognosciren.
Sobald Burnet ans Land gestiegen war, eilte er zu dem Prinzen, und es fand ein ergötzliches Gespräch zwischen ihnen statt. Burnet ergoß sich in freudige Beglückwünschungen und fragte dann begierig, was Seine Hoheit zu thun gedenke. Militairs haben selten Lust, sich über kriegerische Angelegenheiten mit Geistlichen zu berathen, und Wilhelm betrachtete die Einmischung von Laien in Kriegsfragen mit noch größerem Widerwillen als andere Soldaten bei solchen Gelegenheiten. Aber er war in diesem Augenblicke gerade besonders gutgelaunt, und anstatt daher durch einen kurzen, dem Gespräch sofort ein Ende machenden Verweis sein Mißfallen zu äußern, reichte er seinem Kaplan freundlich die Hand und antwortete auf dessen Frage mit einer andren, indem er sagte: »Nun, Doctor, was halten Sie jetzt von der Prädestination?« Der Tadel war so mild, daß Burnet, der eben nicht sehr feinfühlend war, ihn gar nicht fühlte. Er antwortete mit großer Wärme, daß er nie vergessen werde, wie sichtbar der Himmel ihr Unternehmen begünstigt habe.[95]
Am ersten Tage hatten die ausgeschifften Truppen manche Unannehmlichkeiten zu ertragen. Der Boden war vom Regen erweicht, und die Bagage war noch auf den Schiffen. Hohe Offiziere mußten in durchnäßten Kleidern auf der feuchten Erde schlafen und der Prinz selbst hatte kein besseres Obdach als eine gewöhnliche Hütte. Auf dem Strohdache derselben wurde sein Banner aufgepflanzt und einige Betten, die man von seinem Schiffe mitgebracht hatte, wurden auf den Boden gebreitet.[96] Die Ausschiffung der Pferde machte einige Schwierigkeiten, und es hatte ganz den Anschein, als würde dieses Geschäft mehrere Tage Zeit wegnehmen. Am folgenden Morgen aber erheiterte sich die Aussicht. Der Wind legte sich und das Wasser der Bai war eben wie ein Spiegel. Einige Fischer zeigten eine Stelle, wo sich die Schiffe der Küste bis auf sechzig Fuß nähern konnten. Dies geschah und in drei Stunden wurden mehrere hundert Pferde wohlbehalten ans Land geschafft.
Die Ausschiffung war kaum beendigt, so erhob sich der Wind von neuem und schwoll bald zu einem heftigen Weststurme an. Der zur Verfolgung den Kanal herabkommende Feind war durch den nämlichen Witterungswechsel, welcher dem Prinzen die Landung ermöglichte, aufgehalten worden. Seit zwei Tagen lag die königliche Flotte auf windstiller See angesichts Beachy Head. Endlich konnte Dartmouth wieder unter Segel gehen. Er fuhr bei der Insel Wight vorüber und eines seiner Schiffe bekam die Mastspitzen der bei Torbay liegenden Holländer in Sicht. Gerade in diesem Augenblicke erhob sich der ihm widrige Sturm, der ihn zwang, sich in den Hafen von Portsmouth zu flüchten.[97] Jakob, der in Schifffahrtsangelegenheiten wohl ein Urtheil hatte, erklärte damals, er sei fest überzeugt, daß sein Admiral Alles gethan habe, was in eines Menschen Macht stehe und daß er nur der unüberwindlichen Feindschaft des Windes und der Wogen gewichen sei. Zu einer späteren Zeit begann der unglückliche Fürst mit schlechtem Grunde Dartmouth des Verraths oder wenigstens eines Mangels an Energie zu beschuldigen.[98]
Das Wetter hatte in der That die protestantische Sache so auffallend begünstigt, daß manche Leute, deren Frömmigkeit größer war als ihr Verstand, fest glaubten, die gewöhnlichen Gesetze der Natur seien um der Erhaltung der Freiheit und der Religion Englands willen außer Kraft gesetzt worden. Gerade vor hundert Jahren, sagten sie, sei die für unüberwindlich gehaltene Armada durch den Zorn Gottes vernichtet worden. Die bürgerliche Freiheit und die göttliche Wahrheit seien abermals in Gefahr gewesen, und wieder hätten die gehorsamen Elemente für die gute Sache gekämpft. Der Wind habe kräftig aus Osten geblasen, als der Prinz den Kanal hinabzusegeln wünschte, sei nach Süden umgesprungen, als er habe in die Torbai einfahren wollen, habe sich für die Dauer der Ausschiffung gelegt und sei sobald die Ausschiffung vollendet gewesen, wieder zu einem Sturme angeschwollen, der den Verfolgern gerade ins Gesicht wehte. Auch unterließ man nicht, auf das sonderbare Zusammentreffen Gewicht zu legen, daß der Prinz unsere Küsten gerade an dem Tage erreicht hatte, an welchem die anglikanische Kirche die wunderbare Errettung des königlichen Hauses und der drei Stände von dem schwärzesten Complot, das die Papisten jemals ersonnen, durch Gebet und Dankgottesdienst feierte. Carstairs, dessen Winke bei dem Prinzen stets beachtet wurden, rieth dazu, daß sogleich nach bewerkstelligter Landung ein öffentlicher Dankgottesdienst für den sichtbaren Schutz, den der Himmel dem Unternehmen habe angedeihen lassen, gehalten werden solle. Der Rath wurde befolgt und hatte außerordentlich gute Wirkung. Die Truppen, die sich nun als Günstlinge des Himmels betrachten lernten, wurden von neuem Muthe beseelt und das englische Volk faßte die günstigste Meinung von einem General und einer Armee, welche den Pflichten der Religion so große Aufmerksamkeit schenkten.
Am Dienstag den 6. November begann Wilhelm's Armee landeinwärts zu marschiren. Einige Regimenter rückten bis Newton Abbot vor. Ein im Mittelpunkte dieses Städtchens errichteter Denkstein bezeichnet noch die Stelle, wo die Erklärung des Prinzen den Bewohnern feierlich vorgelesen wurde. Die Truppen konnten sich nur langsam vorwärts bewegen, denn der Regen fiel in Strömen und die Straßen Englands befanden sich damals noch in einem Zustande, der Leuten, welche die vortrefflichen Communicationswege Hollands gewohnt waren, entsetzlich vorkam. Wilhelm nahm auf zwei Tage sein Hauptquartier in Ford, einer Besitzung der alten und vornehmen Familie von Courtenay, unweit Newton Abbot. Er fand hier eine prächtige Wohnung und glänzende Bewirthung, aber es ist auffallend, daß der Hausherr, obgleich ein eifriger Whig, nicht der Erste sein wollte, der Leben und Eigenthum aufs Spiel setzte, und sich sorgfältig hütete, irgend etwas zu thun, was, im Fall der König die Oberhand behielt, als ein Verbrechen angesehen werden konnte.
[Anmerkung 94: +Burnet, I. 788+; Auszüge aus den Legge'schen Papieren in der Mackintosh-Sammlung.]
[Anmerkung 95: Ich glaube, wer Burnet's Bericht von dieser Unterredung mit dem Bericht Dartmouth's vergleicht, kann nicht zweifeln, daß ich den Vorgang richtig dargestellt habe.]
[Anmerkung 96: Ich habe eine Abbildung der Ausschiffung aus der damaligen Zeit gesehen. Einige Männer bringen eben die Betten des Prinzen in die Hütte, auf deren Dache seine Fahne weht.]
[Anmerkung 97: +Burnet, I. 789+; Legge-Papiere.]
[Anmerkung 98: Unterm 9. Nov. 1688 schrieb Jakob an Dartmouth: »Niemand hätte anders zu Werke gehen können als Sie es gethan haben. Ich bin überzeugt, daß alle erfahrenen Seeleute der nämlichen Meinung sein müssen.« Siehe dagegen +Clarke's Life of James, II. 207. Orig. Mem.+]
[_Sein Einzug in Exeter._] In Exeter herrschte inzwischen große Aufregung. Sobald der Bischof Lamplugh erfuhr, daß die Holländer in der Torbai angekommen waren, eilte er in Todesangst nach London. Der Dechant entfloh aus der Dechanei. Die Behörden waren für den König, die große Masse der Einwohner für den Prinzen. Alles gerieth in die größte Bestürzung, als am Morgen des 8. November ein Truppencorps unter Mordaunt's Commando vor der Stadt erschien. Mit Mordaunt zugleich kam Burnet, dem Wilhelm aufgetragen hatte, die Geistlichkeit der Kathedrale vor Beleidigungen und Insulten zu schützen.[99] Der Mayor und die Aldermen hatten die Thore schließen lassen, öffneten sie aber auf die erste Aufforderung. Die Dechanei wurde zum Empfang des Prinzen eingerichtet. Am folgenden Tage, Freitag den neunten, kam er an. Die Behörden waren dringend aufgefordert worden, ihn am Thore der Stadt mit Gepränge zu empfangen, hatten dies aber beharrlich verweigert. Der Pomp dieses Tages konnte sie auch entbehren. Ein solches Schauspiel hatte Devonshire noch nie gesehen. Viele kamen eine halbe Tagereise weit herbei, um den Vorkämpfer ihres Glaubens zu begrüßen. Alle umliegenden Dörfer sandten ihre Einwohnerschaft. Eine große Volksmenge, hauptsächlich aus jungen Landleuten bestehend, die ihre Knotenstöcke schwangen, hatte sich auf dem Gipfel des Haldonhügels versammelt, wo die von Chudleigh kommende Armee zum ersten Male das reiche Thal der Exe und die beiden massiven Thürme erblickte, welche aus der über der Hauptstadt des Westens lagernden Rauchwolke emporragten. Der ganze Weg den Abhang hinunter über die Ebene bis aus Ufer des Flusses war in seiner ganzen Länge mit Zuschauern bedeckt. Vom Westthore bis zum Domplatze war das Gedränge und der Jubel allenthalben so groß, daß anwesende Londoner sich dabei an den Umzug des Lordmayors erinnerten. Die Häuser waren festlich geschmückt und alle Thüren, Fenster, Balcons und Dächer mit Zuschauern besetzt. Ein an kriegerischen Pomp gewöhntes Auge würde jedoch an dem Schauspiele mancherlei zu tadeln gefunden haben, denn mehrere beschwerliche Tagemärsche bei Regenwetter und auf Straßen, wo ein Fußgänger bei jedem Schritte bis über die Knöchel in den Schmutz einsank, hatten das Aussehen der Mannschaften und ihrer Monturstücke eben nicht verbessert. Die Bevölkerung von Devonshire aber, welche an den Glanz wohlgeordneter Feldlager durchaus nicht gewöhnt war, wurde von Freude und Ehrfurcht überwältigt. Beschreibungen des kriegerischen Schauspiels wurden im ganzen Lande verbreitet, und sie enthielten Vieles, was wohl geeignet war, den Geschmack des gemeinen Volks an Wunderdingen zu befriedigen. Denn die holländische Armee, aus Männern zusammengesetzt, die unter verschiedenen Himmelsstrichen geboren waren und unter verschiedenen Fahnen gedient hatten, gewährte Inselbewohnern, welche größtentheils sehr undeutliche Begriffe von fremden Ländern hatten, einen zugleich grotesken, prächtigen und furchtbaren Anblick. Voran ritt Macclesfield an der Spitze von zweihundert Gentlemen meist britischer Abkunft, mit blitzenden Helmen und Brustharnischen, auf flämischen Schlachtrossen reitend. Jeder von ihnen hatte einen aus den Zuckerplantagen der Küste von Guiana mitgebrachten Neger bei sich. Die Bürger von Exeter, welche noch nie so viele Exemplare der afrikanischen Menschenrace beisammengesehen hatten, betrachteten mit Staunen die schwarzen Gesichter, welche durch gestickte Turbane und weiße Federn noch mehr hervorgehoben wurden. Dann kam eine Schwadron schwedischer Reiter mit gezogenen breiten Schwertern in schwarzer Rüstung und Pelzmänteln. Sie erweckten ganz besonderes Interesse, denn man sagte, daß sie aus einem Lande stammten, wo das Meer zugefroren und es die Hälfte des ganzen Jahres hindurch Nacht sei, und daß sie die riesigen Bären, deren Felle sie trugen, selbst erlegt hätten. Hierauf folgte, umgeben von einer eleganten Truppe Gentlemen und Pagen das hoch getragene Banner des Prinzen. Auf den breiten Falten desselben las die Menge, welche Fenster und Dächer besetzt hielt, mit Wonne die denkwürdige Inschrift: »Die protestantische Religion und die Freiheiten Englands.« Der Jubel steigerte sich noch, als der Prinz selbst, mit Brust- und Rückenharnisch und einer weißen Feder geschmückt auf seinem weißen Streitrosse erschien. Mit welchem kriegerischen Anstande er sein Pferd lenkte, wie sinnend und gebieterisch der Ausdruck seiner breiten Stirn und seines Falkenauges war, kann man noch heute an Kneller's Portrait von ihm sehen. Einmal milderten sich seine ernsten Gesichtszüge zu einem Lächeln, als eine alte Frau, vielleicht eine von den eifrigen Puritanerinnen, welche durch achtundzwanzig Jahre der Verfolgung im festen Glauben auf den Trost Israels ausgeharrt hatte, vielleicht die Mutter eines Rebellen, der in der blutigen Schlacht von Sedgemoor oder bei dem noch fürchterlicheren Gemetzel der blutigen Assisen umgekommen war, sich hervordrängte, sich mitten unter die gezogenen Schwerter und bäumenden Rosse stürzte, die Hand des Befreiers berührte und ausrief, daß sie jetzt glücklich sei. Nicht weit von dem Prinzen ritt ein Mann, der mit ihm die aufmerksamen Blicke der Menge theilte. Das, sagte man, sei der große Graf Schomberg, der erste Soldat in Europa, seitdem Turenne und Condé nicht mehr wären, der Mann, dessen Genie und Tapferkeit die portugiesische Monarchie auf dem Schlachtfelde von Montes Claros gerettet, der Mann, der sich noch höheren Ruhm dadurch erworben, daß er um seines Glaubens willen den Stab eines Marschalls von Frankreich niedergelegt. Man hatte nicht vergessen, daß die beiden Helden, welche, durch ihren gemeinsamen Protestantismus unauflöslich aneinander gekettet, jetzt zusammen in Exeter einzogen, vor zwölf Jahren einander unter den Mauern von Mastricht gegenüberstanden und daß damals der Feuereifer des jungen Prinzen dem kalten Wissen des Veteranen, der jetzt als Freund an seiner Seite ritt, nicht gewachsen war. Dann kam eine lange Colonne des bärtigen Fußvolks der Schweizer, die sich seit zwei Jahrhunderten in allen festländischen Kriegen durch vorzügliche Tapferkeit und Disciplin ausgezeichnet, aber bis diesen Augenblick noch nie auf englischem Boden gesehen worden waren. Hinter ihnen folgte eine Reihe von Truppencorps, welche nach ihren Anführern Bentinck, Solms und Ginkell, Talmash und Mackay genannt wurden. Mit besonderem Vergnügen mochten die Engländer ein tapferes Regiment betrachten, das noch den Namen des verehrten und bedauerten Ossory führte. Der Eindruck des ganzen Schauspiels wurde noch erhöht durch die Erinnerung an die denkwürdigen Ereignisse, an denen viele von den Kriegern, welche jetzt durch das Westthor einmarschirten, Theil genommen. Denn sie hatten ganz andren Dienst gesehen, als den der Miliz von Devonshire oder des Lagers von Hounslow. Einige von ihnen hatten den ungestümen Angriff der Franzosen auf dem Schlachtfelde von Seneff zurückgeschlagen, und Andere hatten an jenem hochwichtigen Tage, an welchem die Belagerung von Wien aufgehoben wurde, für das Christenthum mit den Ungläubigen die Schwerter gekreuzt. Selbst die Sinne der Menge wurden durch die Einbildungskraft getäuscht. Neuigkeitsbriefe verbreiteten nach allen Gegenden des Reichs fabelhafte Berichte von der Gestalt und Körperkraft der Eingedrungenen. Es wurde versichert, daß sie mit wenigen Ausnahmen sechs Fuß lang seien und daß sie so große Lanzen, Schwerter und Musketen trügen, wie man sie noch nie in England gesehen hätte. Das Erstaunen der Menge verminderte sich nicht, als die Artillerie ankam, bestehend aus einundzwanzig kolossalen ehernen Geschützen, deren jedes von sechzehn Lastpferden mit Mühe fortgeschleppt wurde. Große Bewunderung erregte ein sonderbares, auf Rädern ruhendes Gebäude. Es war eine ambulante Feldschmiede mit allen zur Ausbesserung von Waffen und Fuhrwerken nöthigen Werkzeugen und Materialien versehen. Nichts aber wurde mit so großem Erstaunen betrachtet, als die Brücke von Böten, welche zum Übersetzen der Wagen mit großer Leichtigkeit über die Exe geschlagen und dann eben so schnell wieder auseinandergenommen wurde, um weiter transportirt zu werden. Wenn man dem Gerücht glauben durfte, war sie nach einem Muster angefertigt, welches die an der Donau gegen die Türken kämpfenden Christen erfunden hatten. Die Fremden erweckten eben so große Zuneigung als Bewunderung. Ihr umsichtiger Führer sorgte dafür, die Einquartierungen so zu vertheilen, daß die Bewohner von Exeter und der umliegenden Ortschaften so wenig als möglich belästigt wurden. Es wurde die strengste Kriegszucht gehandhabt, und nicht allein Plünderung und Gewaltthätigkeiten wirksam verhindert, sondern auch den Truppen eingeschärft, daß sie sich gegen Jedermann, weß Standes er auch sei, artig zu benehmen hätten. Diejenigen, die sich ihre Vorstellungen von einer Armee nach dem Verfahren Kirke's und seiner Lämmer gebildet hatten, waren ganz erstaunt, Soldaten zu sehen, welche niemals eine Hausfrau barsch anfuhren und kein Ei nahmen ohne es zu bezahlen. In Anerkennung dieses gesitteten Benehmens lieferte das Volk den Truppen Lebensmittel im Überfluß und zu mäßigem Preise.[100]
Sehr viel hing von dem Verfahren ab, welches in dieser wichtigen Krisis die Geistlichkeit der anglikanischen Kirche beobachtete, und die Mitglieder des Kapitels von Exeter waren die Ersten, welche aufgefordert wurden, ihre Gesinnungen offen zu erklären. Burnet kündigte den Canonici, welche durch die Flucht des Dechanten ihres Vorgesetzten beraubt waren, an, daß sie hinfüro das Gebet für den Prinzen von Wales nicht mehr sprechen dürften und daß zu Ehren der glücklichen Ankunft des Prinzen von Oranien ein feierlicher Gottesdienst gehalten werden müßte. Die Canonici fanden es nicht für gut, in ihren Chorstühlen zu erscheinen; aber einige von den Chorsängern und Pfründnern waren anwesend. Wilhelm begab sich mit militairischem Gepränge in die Kathedrale. Als er die prächtige Vorhalle betrat, ließ die berühmte Orgel, welche kaum von einer einzigen von denjenigen übertroffen wird, die der Stolz seines Geburtslandes sind, Triumphklänge ertönen. Er bestieg den Bischofssitz, einen prachtvollen Thron mit reichem Schnitzwerk aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Burnet stand am Fuße desselben und zu beiden Seiten versammelte sich ein zahlreiches Gefolge von Kriegern und Kavalieren. Die weißgekleideten Sänger stimmten das Tedeum an. Als der Gesang, zu Ende war, las Burnet die Erklärung des Prinzen vor; kaum aber hatte er die ersten Worte derselben gesprochen, so drängten sich Geistliche und Sänger eiligst aus dem Chore. Am Schlusse rief Burnet mit lauter Stimme: »Gott erhalte den Prinzen von Oranien!« und viele Stimmen antworteten feierlich: »Amen!«[101]
Am Sonntag, den 11. November, predigte Burnet vor dem Prinzen in der Kathedrale und sprach über die sichtbare Gnade, welche Gott der englischen Kirche und Nation gewährt. Um dieselbe Zeit ereignete sich in einem bescheideneren Gotteshause ein sonderbarer Vorfall. Ferguson hatte sich vorgenommen, in dem presbyterianischen Versammlungshause zu predigen. Der Geistliche und die Ältesten wollten dies nicht zugeben; aber der heftige und halbwahnsinnige Schurke, der wahrscheinlich die Zeiten Fleetwood's und Harrison's zurückgekehrt glaubte, erbrach die Thür, schritt mit dem Schwert in der Hand durch die Versammlung, bestieg die Kanzel und hielt eine heftige Schmährede gegen den König. Die Zeit für solche Albernheiten war vorüber und der Skandal erregte nur Spott und Widerwillen.[102]
[Anmerkung 99: +Burnet, I. 790.+]
[Anmerkung 100: Siehe in Whittle's Tagebuch die Expedition Seiner Hoheit und den um diese Zeit erschienenen Brief von Exon. Ich habe selbst zwei geschriebene Neuigkeitsbriefe gesehen, in denen der Einzug des Prinzen in Exeter geschildert war. Einige Monate darauf schrieb ein schlechter Dichter ein Theaterstück betitelt: »Die letzte Revolution.« Eine Scene spielt in Exeter. »Bataillone von der Armee des Prinzen auf ihrem Marsche in die Stadt treten mit wehenden Fahnen, unter Trommelwirbel und Zujauchzen der Bürger auf.« Ein Edelmann, Namens Misopapas spricht:
»Mylord, könnt Ihr Euch denken, Wie furchtbar Schuld und Angst dem Hof geschildert Eure Truppen? Man übertreibt die Zahl Wie die Gestalt. Sechs Fuß soll jeder sein, gehüllt In Bärenhaut, der Schweizer, Schwed' und Brandenburger.«
In einem Liede, das kurz nach dem Einzuge in Exeter erschien, sind die Irländer im Vergleich mit den Riesen, welche Wilhelm commandirte, als wahre Zwerge geschildert:
»O, Berwick, wehe Deinen Mannen, Im Kampf mit dem Viaggio! Gleich Zwergen wird man sie verhöhnen Vor Brandenburgs und Schwedens Söhnen. Coraggio. Coraggio!«
Addison erwähnt in seinem +Freeholder+ den außerordentlichen Eindruck, den diese romantischen Schilderungen machten.]
[Anmerkung 101: +Expedition of the Prince of Orange+; +Oldmixon, 755+; +Whittle's Diary; Eachard, III. 911+; +London Gazette, Nov. 15. 1688.+]
[Anmerkung 102: +London Gazette, Nov. 15. 1688+; +Expedition of the Prince of Orange.+]