Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Siebenter Band: enthaltend Kapitel 13 und 14.

Part 11

Chapter 113,508 wordsPublic domain

Die Gegend, welche gerade über diesem Passe lag, war jetzt der Schauplatz eines Krieges, wie ihn die Hochlande nicht häufig gesehen hatten. Männer, die den nämlichen Tartan trugen und dem nämlichen Herrn unterthan waren, standen einander gegenüber. Der Name des abwesenden Häuptlings wurde, mit einem Anschein von Grund, auf beiden Seiten gebraucht. Ballenach hielt an der Spitze einer Anzahl Vasallen, die ihn als den Vertreter des Marquis betrachteten, Blair Castle besetzt. Murray erschien mit zwölfhundert Mann vor den Mauern und verlangte, in das Schloß seiner Familie, das Schloß, das dereinst sein Eigen werden sollte, eingelassen zu werden. Die Besatzung weigerte sich die Thore zu öffnen. Die Belagerer sandten Boten nach Edinburg, die Belagerten nach Lochaber.[96] An beiden Orten rief die Nachricht große Aufregung hervor. Mackay und Dundee waren beide der Ansicht, daß die Krisis rasches und kräftiges Einschreiten erfordere. Von dem Schicksal von Blair Castle hing wahrscheinlich das Schicksal von ganz Athol ab, und von dem Schicksal Athol's konnte das Schicksal Schottland's abhängen. Mackay eilte nach dem Norden und befahl seinen Truppen, sich in dem Niederlande von Perthshire zu sammeln. Einige von ihnen lagen an so entfernten Orten, daß sie nicht zeitig genug anlangten. Er hatte jedoch bald die drei schottischen Regimenter bei sich, welche in Holland gedient hatten und die Namen ihrer Obersten, Mackay's selbst, Balfour's und Ramsay's, führten. Auch ein tapferes Infanterieregiment aus England war da, welches damals das Regiment Hastings hieß, aber jetzt als das dreizehnte der Linie bekannt ist. Zu diesen alten Truppen kamen dann noch zwei im Niederlande neu angeworbene Regimenter. Das eine davon wurde von Lord Kenmore, das andre, das im Grenzlande ausgehoben worden und das noch jetzt des Königs Leibgrenzer genannt wird, von Lord Leven befehligt. Zwei Reitertrupps, commandirt von Lord Annandale und Lord Belhaven, brachten die Armee wahrscheinlich auf die Zahl von über dreitausend Mann. Belhaven ritt an der Spitze seines Trupps; aber Annandale, der factiöseste von allen Anhängern Montgomery's, zog den Club und das Parlamentshaus dem Felde vor.[97]

Dundee hatte mittlerweile alle Clans, die seine Ernennung anerkannten, aufgefordert, sich zu einer Expedition nach Athol zu versammeln. Seine Bemühungen wurden von Lochiel kräftig unterstützt. Die Feuerkreuze wurden wieder in aller Eile durch Appin und Ardnamurchan, nach Glenmore hinauf und den Levensee entlang ausgesandt. Aber der Aufruf kam so unerwartet und die verstattete Frist war so kurz, daß das Aufgebot kein ganz vollständiges war. Die ganze Streitmacht scheint nicht dreitausend Mann stark gewesen zu sein. Mit diesem Corps rückte Dundee aus. Auf seinem Marsche zog er Verstärkungen an sich, die eben aus Ulster angekommen waren. Sie bestanden aus wenig mehr als dreihundert schlecht bewaffneten, schlecht gekleideten und schlecht disciplinirten irischen Fußsoldaten. Ihr Anführer war ein Offizier, Namens Cannon, der in den Niederlanden gedient hatte und der vielleicht auf einem untergeordneten Posten und in einer regulären Armee an seinem Platze gewesen sein würde, aber der ihm jetzt übertragenen Rolle durchaus nicht gewachsen war.[98] Er hatte sich bereits so lange zwischen den Hebriden aufgehalten, daß einige mit ihm zugleich abgeschickte und mit Vorräthen befrachtete Schiffe von englischen Kreuzern genommen worden waren. Er und seine Soldaten waren mit Mühe dem nämlichen Schicksale entgangen. Trotz dieses Mangels an Befähigung bekleidete er eine Stelle, die ihm in Schottland den höchsten militärischen Rang nächst Dundee einräumte.

Die Enttäuschung war bitter. Jakob hätte in der That besser gethan, wenn er den Hochländern allen Beistand verweigert hätte, anstatt daß er sie gleichsam zum Besten hatte, indem er ihnen an Stelle der erbetenen und erwarteten wohlorganisirten Armee ein an Zahl und Aussehen verachtungswerthes Gesindel schickte. Es war nun klar, daß alles was für ihn in Schottland geschah, durch schottische Hände geschehen mußte.[99]

Während Mackay von der einen und Dundee von der andren Seite gegen Blair Castle vorrückte, hatten wichtige Ereignisse daselbst stattgefunden. Murray's Anhänger fingen bald an, in ihrer Treue für ihn zu wanken. Sie sahen eine große Zahl ihrer Stammesgenossen, unter der Anführung eines Gentleman, von dem man vermuthete, daß er das Vertrauen des Marquis besitze, sich gegenübergestellt. Die Belagerungsarmee schmolz daher rasch zusammen. Viele kehrten unter dem Vorgeben heim, daß sie ihre Familien und ihr Vieh in Sicherheit bringen müßten, da die Nachbarschaft auf dem Punkte stehe, der Schauplatz eines Kriegs zu werden. Andere erklärten freimüthiger, daß sie in einem solchen Kampfe nicht fechten mochten. Eine starke Truppe ging an einen Bach, füllte die Mützen mit Wasser, trank auf die Gesundheit König Jakob's und zerstreute sich dann.[100]

Ihr Eifer für König Jakob bewog sie jedoch nicht, sich der Fahne seines Generals anzuschließen. Sie legten sich unter den Felsen und Dickichten längs des Garry auf die Lauer, in der Hoffnung, daß es bald eine Schlacht geben werde und daß, welchen Ausgang dieselbe auch nehmen möchte, Flüchtlinge und Leichname zu plündern sein würden.

Murray war in arger Bedrängniß. Seine Streitmacht war auf einige hundert Mann geschmolzen, selbst diesen Leuten konnte er nicht recht trauen, und die Macdonalds und Camerons rückten rasch vor. Er hob daher die Belagerung von Blair Castle auf und zog sich mit wenigen Anhängern in den Engpaß von Killiecrankie zurück. Hier stieß bald eine Abtheilung von zweihundert Füselieren zu ihm, welche Mackay vorausgeschickt hatte, um den Paß zu besetzen. Das Hauptcorps der Armee vom Niederlande folgte bald nach.[101]

Am frühen Morgen des 27. Juli, einem Sonnabend, kam Dundee bei Blair Castle an. Hier erfuhr er, daß Mackay's Truppen bereits in der Schlucht von Killiecrankie waren. Man mußte rasch zu einem Entschluß kommen. Es wurde Kriegsrath gehalten. Die sächsischen Offiziere waren allgemein dagegen eine Schlacht zu wagen; die celtischen Häuptlinge aber waren andrer Meinung. Glengarry und Lochiel waren jetzt beide eines Sinnes. »Schlagen Sie los, Mylord,« sagte Lochiel mit seiner gewohnten Energie; »schlagen Sie unverzüglich los, wenn Sie auch nur Einer gegen Drei sind. Unsere Leute sind guten Muthes, sie fürchten weiter nichts, als daß der Feind entkommen möchte. Lassen Sie ihnen ihren Willen und sein Sie versichert, daß sie entweder umkommen, oder einen vollständigen Sieg erfechten werden. Wenn Sie sie aber zurückhalten, wenn Sie sie nöthigen in der Defensive zu verharren, so stehe ich für nichts. Wenn wir nicht kämpfen, so thäten wir besser, wir brächen auf und zögen uns in unsere Berge zurück.[102]«

Dundee's Züge heiterten sich auf. »Sie hören es, Gentlemen,« sagte er zu seinen Offizieren; »Sie hören die Meinung eines Mannes, der den hochländischen Krieg besser versteht als irgend Einer von uns.« Keine Stimme erhob sich dagegen. Es wurde beschlossen zu kämpfen, und die verbündeten Clans rückten guten Muthes vorwärts dem Feinde entgegen.

Der Feind hatte inzwischen den Engpaß erstiegen. Der Marsch bergauf war langwierig und mühsam gewesen; denn selbst die Fußsoldaten konnten nur zwei bis drei Mann hoch marschiren und die Bagagepferde, zwölfhundert an Zahl, mußten einzeln hintereinander gehen. Kein Wagen war jemals diesen steilen Pfad hinaufgezogen worden. Die Spitze der Colonne war bereits oben angelangt und befand sich auf dem Plateau, während die Nachhut noch in der Ebene war. Endlich war der Uebergang bewerkstelligt, und die Truppen befanden sich in einem Thale von nicht bedeutender Ausdehnung. Ermüdet von der Anstrengung des Morgens warfen sie sich ins Gras, um einige Ruhe und Erfrischung zu genießen.

Früh am Nachmittag wurden sie durch den Alarmruf aufgeschreckt, daß die Hochländer sich näherten. Ein Regiment nach dem andren stand auf und ordnete sich. In einer kleinen Weile war der Gipfel einer Anhöhe, die etwa einen Büchsenschuß vor ihnen lag, mit schottischen Mützen und Plaids bedeckt. Dundee ritt in der Absicht vor, die Stärke der Streitmacht, mit der er es zu thun haben sollte, zu recognosciren, und stellte dann seine Leute mit so viel Geschick auf, als ihr eigenthümlicher Charakter ihm zu bethätigen gestattete. Es war wünschenswerth, die Clans getrennt zu halten. Jeder Stamm, ob groß oder klein, bildete eine Colonne, welche von der nächsten durch einen weiten Zwischenraum geschieden war. Das eine dieser Bataillone mochte siebenhundert Mann stark sein, während ein andres bloß aus hundertzwanzig Mann bestand. Lochiel hatte vorgestellt, daß es unmöglich sei, Männer von verschiedenen Stämmen zu vermischen, ohne Alles zu zerstören, was die eigenthümliche Stärke eines Hochlandsheeres bilde.[103]

Auf der rechten Flanke, dicht am Garry standen die Macleans. Ihnen zunächst Cannon mit seinem irischen Fußvolke. Dann kamen die Macdonalds von Clanronald, von dem Vormunde ihres jungen Fürsten befehligt. Auf der Linken standen andere Schaaren von Macdonalds. An der Spitze eines starken Bataillons erhob sich die stattliche Figur Glengarry's, der die königliche Standarte König Jakob's VII. trug.[104] Noch weiter links stand die Reiterei, eine kleine Schwadron, bestehend aus einigen jakobitischen Gentlemen, die aus dem Niederlande ins Gebirge geflüchtet waren, und aus etwa vierzig von Dundee's alten Reitern. Jenseit derselben kam Lochiel mit seinen Camerons, und die äußerste Linke bildeten die Männer von Sky unter Anführung Macdonald's von Sleat.[105]

In den Hochlanden wie in allen Ländern, wo der Krieg nicht zu einer Wissenschaft geworden ist, hielt man es für die wichtigste Pflicht eines Befehlshabers, das Beispiel persönlichen Muthes und körperlicher Anstrengung zu geben. Lochiel war besonders berühmt wegen seiner physischen Tapferkeit. Seine Clansleute erzählten mit Stolz, wie er feindliche Reihen selbst durchbrochen und riesenhafte Krieger niedergehauen habe. Er verdankte diesen Thaten vielleicht einen eben so großen Theil seines Einflusses wie den ausgezeichneten Eigenschaften, die ihn, hätte das Schicksal ihn in das englische Parlament oder an den französischen Hof versetzt, zu einem der hervorragendsten Männer seines Jahrhunderts gemacht haben würden. Er war jedoch verständig genug, um einzusehen, wie irrig die Meinung war, welche seine Landsleute gefaßt hatten. Er wußte, daß es nicht das Amt eines Generals war, Schläge auszutheilen und zu empfangen. Er wußte, wie schwer es Dundee geworden war, nur wenige Tage ein aus verschiedenen Clans bestehendes Heer zusammenzuhalten, und er wußte, daß das was einem Dundee Mühe gekostet hatte, einem Cameron geradezu unmöglich sein würde. Ein Leben, von dem so viel abhing, durfte nicht einem barbarischen Vorurtheile geopfert werden. Lochiel beschwor daher Dundee, sich nicht unnöthiger Gefahr auszusetzen. »Ew. Lordschaft Amt ist es,« sagte er, »Alles zu beaufsichtigen und Ihre Befehle zu ertheilen, und an uns ist es, diese Befehle auszuführen.« Dundee erwiederte mit ruhiger Hochherzigkeit, daß in den Worten seines Freundes Sir Ewan viel Wahres liege, daß aber kein General etwas Großes vollbringen könne, ohne das Vertrauen seiner Leute zu besitzen. »Ich muß mir den Ruf der persönlichen Tapferkeit erwerben. Ihre Leute erwarten ihre Anführer im dichtesten Kampfgewühl zu sehen, und heute sollen sie mich da sehen. Ich verspreche Ihnen jedoch bei meiner Ehre, daß ich in künftigen Gefechten mich mehr schonen werde.«

Mittlerweile wurde auf beiden Seiten ein Kleingewehrfeuer unterhalten, von den regulären Soldaten aber geschickter und nachhaltiger als von den Gebirgsleuten. Der Raum zwischen den beiden Heeren war eine einzige Rauchwolke. Nicht wenige Hochländer fielen, und die Clans wurden ungeduldig. Die Sonne stand jedoch schon tief im Westen, als Dundee endlich den Befehl gab, sich kampffertig zu machen. Seine Leute erhoben ein großes Jubelgeschrei. Der Feind, wahrscheinlich erschöpft durch die Anstrengungen des Tages, antwortete mit einem nur schwachen und vereinzelten Hurrah. »Jetzt frisch ans Werk!« sagte Lochiel. »Das ist nicht der Ruf von Männern, die zum Siege gehen.« Er war durch alle seine Reihen gegangen, hatte an jeden Cameron einige Worte gerichtet, und jedem das Versprechen abgenommen, zu siegen oder zu sterben.[106]

Es war sieben Uhr vorüber. Dundee gab das Losungswort. Die Hochländer ließen ihre Plaids fallen. Die Wenigen, die so luxuriös waren, rohe Socken von ungegerbter Haut zu tragen, warfen sie weg. Man erinnerte sich noch lange in Lochaber, daß Lochiel seine Schuhe, wahrscheinlich das einzige Paar in seinem Clan, auszog und barfuß an der Spitze seiner Leute kämpfte. Die ganze Linie rückte feuergebend vor. Der Feind erwiederte das Feuer mit guter Wirkung. Als nur noch ein kleiner Raum zwischen den beiden Heeren war, warfen die Hochländer plötzlich ihre Gewehre weg, zogen ihre Breitschwerter und stürzten mit einem furchtbaren Geschrei vorwärts. Die Niederländer machten sich bereit, den Angriff zurückzuweisen; doch dies war damals eine langwierige und schwerfällige Procedur, und die Soldaten hanthierten noch an den Mündungen ihrer Gewehre und an den Griffen ihrer Bajonette herum, als der ganze Strom der Macleans, Macdonalds und Camerons auf sie anstürmte. In zwei Minuten war die Schlacht verloren und gewonnen. Die Reihen von Balfour's Regiment öffneten sich. Er wurde niedergehauen, während er im Gedränge kämpfte. Ramsay's Leute machten kehrt und warfen die Waffen weg. Mackay's eignes Fußvolk wurde durch den wüthenden Angriff der Camerons auseinandergesprengt. Sein Bruder und sein Neffe bemühten sich vergebens, die Leute zu sammeln. Ersterer wurde durch einen Hieb mit einem Claymore todt zu Boden gestreckt. Der Andre arbeitete sich, mit acht Wunden bedeckt, durch das Getümmel und Blutvergießen bis an die Seite seines Oheims. Selbst in dieser äußersten Bedrängniß behielt Mackay seine ganze Geistesgegenwart. Er hatte noch eine Hoffnung. Ein Reiterangriff konnte das Kriegsglück wenden, denn vor Reitern fürchteten sich, wie man glaubte, selbst die tapfersten Hochländer. Doch er rief umsonst nach den Reitern. Belhaven benahm sich zwar als ein tapferer Gentleman; aber seine Reiter, über die Niederlage des Fußvolks erschrocken, sprengten in Verwirrung davon; Annandale's Leute folgten; Alles war vorüber und der wirre Strom von Rothröcken und Tartans wälzte sich das Thal hinunter in die Schlucht von Killiecrankie.

Mackay, von einem treuen Diener begleitet, sprengte muthig durch das dichteste Gewühl der Claymores und Tartschen und erreichte einen Punkt, von wo er einen Ueberblick über das Schlachtfeld hatte. Seine ganze Armee war verschwunden, mit Ausnahme einiger Grenzer, welche Leven zusammengehalten hatte, und des Regiments Hastings, das ein mörderisches Feuer in die celtischen Reihen gesandt hatte und das noch in ungebrochener Ordnung Stand hielt. Die Leute welche gesammelt werden konnten, beliefen sich auf nur wenige Hunderte. Der General beeilte sich, sie über den Garry zu führen, und nachdem er diesen Fluß zwischen sie und den Feind gebracht hatte, machte er einen Augenblick Halt, um über seine Lage nachzudenken.

Er konnte kaum begreifen, wie die Sieger so unklug sein konnten, ihm auch nur diesen Augenblick zur Ueberlegung zu lassen. Sie hätten mit Leichtigkeit seine ganze Mannschaft niederhauen oder gefangen nehmen können, bevor die Nacht einbrach. Aber die Energie der celtischen Krieger hatte sich in einem wüthenden Angriff und einem kurzen Kampfe erschöpft. Der Engpaß war von den zwölfhundert Lastthieren, welche die Lebensmittel und das Gepäck der besiegten Armee trugen, verstopft. Eine solche Beute war eine unwiderstehliche Versuchung für Leute, die ebensowohl durch das Verlangen nach Raub, wie durch das Verlangen nach Ruhm zum Kriege getrieben wurden. Es ist wahrscheinlich, daß sogar wenige Häuptlinge geneigt waren um König Jakob's willen eine so reiche Beute im Stich zu lassen. Dundee selbst würde in diesem Augenblicke nicht im Stande gewesen sein, seine Anhänger dazu zu bewegen, daß sie von den Beutehaufen abließen und das große Werk des Tages vollendeten, und Dundee war nicht mehr.

Dundee's Tod.

Beim Beginn des Gefechts hatte er seinen Platz vor der Fronte seiner kleinen Reiterschaar genommen. Er befahl ihr ihm zu folgen und ritt vorwärts. Doch es schien beschlossen zu sein, daß an diesem Tage die Schotten des Niederlandes in beiden Armeen sich in nachtheiligem Lichte zeigen sollten. Die Reiter zögerten. Dundee wendete sich um, erhob sich in den Steigbügeln und forderte sie seinen Hut schwenkend auf, herbeizukommen. Als er seinen Arm erhob, lüftete sich sein Harnisch und entblößte den unteren Theil seiner linken Seite. Eine Musketenkugel traf ihn, sein Pferd sprang vorwärts und stürzte sich in eine Wolke von Rauch und Staub, welche beiden Armeen den Fall des siegreichen Generals verbarg. Ein Mann, Namens Johnstone, war in seiner Nähe und fing ihn auf, als er aus dem Sattel herabsank. »Wie steht die Schlacht?« fragte Dundee. »Gut für König Jakob,« antwortete Johnstone, »aber ich bin besorgt um Ew. Lordschaft.« -- »Wenn die Schlacht gut für ihn steht,« erwiederte der Sterbende, »so ist an mir um so weniger gelegen.« Dies waren seine letzten Worte; als aber eine halbe Stunde darauf Lord Dunfermline und einige andere Freunde zur Stelle kamen, glaubten sie noch einige schwache Lebenszeichen zu erkennen. Der in zwei Plaids gehüllte Leichnam wurde nach Blair Castle gebracht.[107]

Mackay's Rückzug.

Mackay, der von Dundee's Schicksal nichts wußte, wohl aber Dundee's Geschicklichkeit und Thätigkeit kannte, erwartete augenblicklich und heftig verfolgt zu werden, und machte sich wenig Hoffnung, auch nur die spärlichen Ueberreste der besiegten Armee retten zu können. Durch den Engpaß konnte er sich nicht zurückziehen, denn die Hochländer waren bereits dort. Er beschloß daher, über die Berge in das Thal des Tay vorzudringen. Er holte bald einige Hundert seiner Ausreißer ein, welche dieselbe Richtung eingeschlagen hatten. Die meisten von ihnen gehörten zu Ramsay's Regiment und mußten gediente Soldaten sein. Aber sie waren ohne Waffen, durch die erlittene Niederlage demoralisirt, und der General konnte bei ihnen keinen Ueberrest von militärischer Disciplin ober kriegerischem Muthe entdecken. Seine Lage war von der Art, daß sie auch den Stärksten auf eine harte Probe stellen mußte. Die Nacht war hereingebrochen; er befand sich ohne Führer in einer Wüste; ein siegreicher Feind war ihm aller Wahrscheinlichkeit nach auf den Fersen, und er hatte für die Sicherheit eines Haufens von Menschen zu sorgen, welche Kopf und Herz verloren hatten. Er hatte eben die schmerzlichste und demüthigendste Niederlage erlitten. Seine Privatgefühle waren nicht weniger tief verwundet worden als seine Berufsgefühle. Ein theurer Verwandter war eben vor seinen Augen todt niedergestreckt worden. Ein andrer bewegte sich, aus vielen Wunden blutend, nur noch schwach neben ihm. Doch der Muth des unglücklichen Generals wurde durch einen festen Glauben an Gott und durch ein hohes Pflichtgefühl für den Staat aufrechterhalten. Bei all' seinem Elend und Mißgeschick trug er das Haupt noch stolz erhoben und fand Muth nicht allein für sich, sondern für Alle die ihn umgaben. Seine erste Sorge war, des Weges gewiß zu sein. Ein einsames Licht, das durch die Dunkelheit schimmerte, führte ihn zu einer kleinen Hütte. Die Bewohner sprachen nur gälisch, und waren anfangs durch das Erscheinen von Uniformen und Waffen geängstigt. Doch Mackay's Leutseligkeit zerstreute ihre Besorgniß. Ihre Sprache war ihm in der Jugend geläufig gewesen, und er hatte genug davon behalten, um sich mit ihnen verständigen zu können. Nach ihren Anweisungen und mit Hülfe einer Taschenkarte, auf welcher die Straßen jenes wilden Landes oberflächlich angegeben waren, gelang es ihm sich zurecht zu finden. Er marschirte die ganze Nacht. Als der Tag anbrach, war seine Aufgabe schwieriger als je. Hasting's und Leven's Leute benahmen sich zwar noch wie Soldaten. Aber die Ramsay'schen Ausreißer waren ein bloßer Pöbelhaufen. Sie hatten ihre Musketen weggeworfen, und die Breitschwerter, vor denen sie geflohen waren, blitzten beständig vor ihren Augen. Jeder neue Gegenstand jagte ihnen einen neuen Schrecken ein. Ein Häuflein Hirten in Plaids, welche ihr Vieh trieben, wurde durch die Einbildungskraft zu einem Heere celtischer Krieger vergrößert. Einige der Ausreißer verließen das Hauptcorps und entflohen ins Gebirge, wo ihre Feigheit die verdiente Strafe fand. Sie wurden um ihrer Röcke und Schuhe willen erschlagen, und ihre nackten Leichname den Adlern von Ben Lawers preisgegeben. Die Desertion würde noch viel ärger gewesen sein, hätten nicht Mackay und seine Offiziere mit dem Pistol in der Hand jeden Mann niederzuschießen gedroht, den sie bei dem Versuche sich fortzustehlen betreffen würden.

Endlich kamen die ermüdeten Flüchtlinge vor Weems Castle an. Der Besitzer des Schlosses war ein Freund der neuen Regierung und er erwies ihnen soviel Gastfreundschaft als in seinen Kräften stand. Sein Vorrath von Hafermehl wurde herbeigebracht, es wurden einige Rinder geschlachtet und den zahlreichen Gästen eine eilig zubereitete kunstlose Mahlzeit vorgesetzt. So gestärkt brachen sie wieder auf und marschirten den ganzen Tag über Sumpf, Moor und Berg. So dünn bevölkert die Gegend auch war, konnten sie doch deutlich sehen, daß die Nachricht von ihrem Mißgeschick sich schon weit verbreitet hatte und daß die Bevölkerung allenthalben in großer Aufregung war. Spät in der Nacht erreichten sie das Schloß Drummond, das durch eine kleine Besatzung für König Wilhelm vertheidigt wurde, und am folgenden Tage marschirten sie unter geringeren Beschwerden weiter nach Stirling.[108]

Eindruck der Schlacht von Killiecrankie.

Das Gerücht von ihrer Niederlage war ihnen vorausgeeilt. Ganz Schottland war in Gährung. Der Schlag war allerdings hart, aber er wurde durch die hochfliegenden Hoffnungen der einen und durch die maßlosen Befürchtungen der andren Partei übertrieben. Man glaubte anfangs, daß die ganze Armee König Wilhelm's umgekommen, daß Mackay selbst gefallen, daß Dundee an der Spitze eines siegberauschten und beutegierigen zahlreichen Barbarenheeres bereits vom Gebirge herabgekommen, daß er Herr des ganzen Landes jenseits des Forth, daß Fife aufgestanden sei, um sich ihm anzuschließen, daß er in drei Tagen in Stirling und in acht Tagen in Holyrood sein werde. Es wurden Booten ausgesandt, um ein in Northumberland liegendes Regiment aufzufordern, eiligst über die Grenze zu rücken. Andere Boten brachten das dringende Gesuch an Seine Majestät nach London, sofort alle entbehrlichen Soldaten zu schicken und am liebsten selbst mitzukommen, um sein nordisches Reich zu retten.

Vertagung des schottischen Parlaments.

Die Factionen im Parlamentshause vergaßen in ihrem Schrecken über die gemeinsame Gefahr allen Streit. Die Anhänger des Hofes wie die Mißvergnügten beschworen einstimmig den Lordstatthalter, die Session zu schließen und sie von einem Orte zu entlassen, wo ihre Berathungen bald durch die Gebirgsbewohner unterbrochen werden könnten. Es wurde ernstlich in Erwägung gezogen, ob es nicht rathsam sei, Edinburg aufzugeben, die im Schlosse und im Tolbooth befindlichen zahlreichen Staatsgefangenen auf ein vor Leith liegendes Kriegsschiff zu bringen und den Sitz der Regierung nach Glasgow zu verlegen.