Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Elfter Band: enthaltend Kapitel 21 und 22.

Part 22

Chapter 223,514 wordsPublic domain

Die Debatten waren die längsten und heftigsten, die Abstimmungen die häufigsten, die Proteste die am zahlreichsten unterschriebenen, die man in der ganzen Geschichte des Hauses der Peers je gekannt hatte. Die Bänke waren mehrmals von zehn Uhr Morgens bis nach Mitternacht gefüllt.[74] Die Gesundheit vieler Lords litt darunter, denn der Winter war grimmig kalt; aber die Majorität war nicht zur Nachsicht geneigt. Eines Abends wurde Devonshire unwohl; er schlich sich fort und legte sich ins Bett; aber der schwarze Stab wurde ihm bald nachgeschickt, um ihn zurückzuholen. Leeds, der äußerst kränklicher Constitution war, beschwerte sich laut. „Junge Gentlemen,” sagte er, „mögen sich ohne Nachtheil um zwei Uhr Morgens zum Abendessen und zum Weine niedersetzen können; aber einige von uns bejahrten Leuten dürften hier wohl eben so viel werth sein als sie, und wir werden bald im Grabe liegen, wenn wir zu einer solchen Jahreszeit so lange aushalten müssen.”[75] Der Parteigeist war jedoch in solchem Grade erregt, daß diese Beschwerde unberücksichtigt blieb und das Haus vierzehn- bis funfzehnstündige Sitzungen hielt. Die Hauptgegner der Bill waren Rochester, Nottingham, Normanby und Leeds. Die Hauptredner auf der andren Seite waren Tankerville, der trotz der heftigen Erschütterungen, welche ein ausnehmend unglückliches Leben seinem öffentlichen wie seinem Privatrufe zugefügt hatte, stets mit einer die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer fesselnden Beredtsamkeit sprach; Burnet, der eine große historische Gelehrsamkeit entfaltete, Wharton, dessen lebhafte und familiäre Ausdrucksweise, die er sich im Hause der Gemeinen angewöhnt, zuweilen das Förmlichkeitsgefühl der Lords verletzte, und Monmouth, der die Redefreiheit stets bis an den Rand der Zügellosigkeit getrieben hatte und der jetzt nie den Mund öffnete, ohne den Gefühlen eines Gegners eine Wunde zu schlagen. Einige wenige Edelleute von großem Gewicht, Devonshire, Dorset, Pembroke und Ormond, bildeten eine dritte Partei. Sie wollten die Verurtheilungsbill als ein Folterwerkzeug gebrauchen, um dem Gefangenen ein ausführliches Geständniß auszupressen. Aber sie waren entschlossen, nicht für seine Verurtheilung zum Tode zu stimmen.

Die erste Abstimmung betraf die Frage, ob die Bestätigung dessen was Goodman hätte beweisen können, durch einen sekundären Zeugen zugelassen werden sollte. Bei dieser Gelegenheit schloß Burnet die Debatte mit einer gewaltigen Rede, auf welche keiner der toryistischen Redner unvorbereitet zu antworten wagen konnte. Es waren hundertsechsundzwanzig Lords anwesend, eine in unsrer Geschichte beispiellose Zahl. Darunter waren dreiundsiebzig zufrieden und dreiundfunfzig nicht zufrieden. Sechsunddreißig von der Minorität protestirten gegen die Entscheidung des Hauses.[76]

Die nächste große Kraftprobe fand bei der Frage statt, ob die Bill zum zweiten Male gelesen werden sollte. Eine interessante Episode brachte eine Diversion in die Debatte. Monmouth machte in einer heftigen Rede einige harte und wohlverdiente Bemerkungen über den verstorbenen Lord Jeffreys. Der Titel und ein Theil des übelerworbenen Vermögens Jeffreys’ war auf seinen Sohn übergegangen, einen ausschweifenden jungen Mann, der vor kurzem mündig geworden war und damals schon einen Sitz im Hause hatte. Der junge Mann fing Feuer, als er seinen Vater tadeln hörte. Das Haus mußte sich ins Mittel legen und den beiden Disputanten das Versprechen abnehmen, die Sache nicht weiter zu treiben. An diesem Tage waren hundertachtundzwanzig Peers anwesend. Die Frage der zweiten Lesung ging mit dreiundsiebzig gegen fünfundfunfzig Stimmen durch, und neunundvierzig von den fünfundfunfzig protestirten.[77]

Viele glaubten jetzt, daß Fenwick der Muth sinken werde. Es war bekannt, daß er nicht gern sterben wollte. Bisher konnte er sich mit der Hoffnung geschmeichelt haben, daß die Bill scheitern werde. Jetzt aber, wo sie in dem einen Hause angenommen worden war und wo es gewiß zu sein schien, daß sie auch in dem andren angenommen werden würde, war es wahrscheinlich, daß er sich durch Enthüllung alles dessen was er wußte, retten würde. Er wurde aufs neue vor die Schranke gebracht und verhört. Er weigerte sich zu antworten, aus dem Grunde, weil seine Antworten von der Krone vor der Old Bailey gegen ihn gebraucht werden möchten. Man versicherte ihm, daß das Haus ihn in Schutz nehmen werde; aber er behauptete, diese Versicherung sei nicht genügend, das Haus bleibe nicht immer beisammen und er könne während einer Vertagung prozessirt und gehängt werden, bevor ihre Lordschaften wieder zusammenträten. Das Wort des Königs allein, sagte er, werde ihm eine vollständige Garantie sein. Die Peers ließen ihn wieder fortführen und beschlossen unmittelbar darauf, daß Wharton sich nach Kensington begeben und Se. Majestät bitten sollte, das Versprechen zu geben, das der Gefangene verlangte. Wharton eilte nach Kensington und kam mit einer günstigen Antwort zurück. Fenwick wurde wieder vor die Schranke gebracht. Man sagte ihm, der König habe sein Wort gegeben, daß nichts von dem was er an dieser Stelle aussagen würde, an einem andren Orte zu seinem Nachtheil benutzt werden sollte. Er machte indeß noch immer Schwierigkeiten. Wenn er auch Alles gestehe was er wisse, sagte er, könne man doch glauben, er verschweige noch immer etwas. Kurz, er werde nichts sagen, bis er die Zusicherung seiner Begnadigung habe. Er wurde nun zum letzten Male feierlich vom Wollsacke aus gewarnt. Es wurde ihm versichert, daß, wenn er offen gegen die Lords sei, sie sich am Fuße des Thrones für ihn verwenden und daß ihre Fürsprache nicht erfolglos sein würde. Wenn er jedoch obstinat bliebe, so würden sie die Bill weiter verfolgen. Es ward ihm eine kurze Bedenkzeit bewilligt und er dann aufgefordert, seine definitive Antwort zu geben. „Ich habe sie bereits gegeben,” sagte er; „ich habe keine Sicherheit. Wenn ich sie hätte, würde ich den Wünschen des Hauses sehr gern entsprechen.” Er wurde hierauf in seine Zelle zurückgebracht, und die Peers trennten sich nach einer Sitzung, welche bis tief in die Nacht hinein gedauert hatte.[78] Die Peers, welche Fenwick angeklagt hatte, hielten sich zu verschiedenen Seiten. Marlborough stimmte beharrlich mit der Majorität und bewog den Prinzen Georg das Nämliche zu thun. Godolphin stimmte ebenso beharrlich mit der Minorität, enthielt sich aber mit characteristischer Vorsicht, Gründe für seine Voten anzugeben. Keine Periode seines Lebens berechtigt uns dazu, sein Verfahren einem höheren Motive zuzuschreiben. Wahrscheinlich hielt er es, nachdem er durch die Whigs aus dem Amte vertrieben und gezwungen worden war, sich zu den Tories zu flüchten, für rathsam mit seiner Partei zu gehen.[79]

[_Schritte gegen Monmouth._] Sobald die Bill zum dritten Male gelesen war, wurde die Aufmerksamkeit der Peers auf einen Gegenstand gelenkt, der die Ehre ihres Standes nahe berührte. Lady Marie Fenwick war begreiflicherweise über das Benehmen Monmouth’s höchlich entrüstet. Er war, nachdem er den ernsten Willen geäußert, ihren Gatten zu retten, plötzlich zurückgetreten und der unbarmherzigste Verfolger ihres Gatten geworden, und dies Alles lediglich deshalb, weil der unglückliche Gefangene sich nicht als Werkzeug zur Vollführung eines phantastischen Unheilplanes hatte gebrauchen lassen wollen. Sie war wohl zu entschuldigen, wenn sie dachte, daß Rache süß sein müsse. In ihrer Wuth zeigte sie ihrem Vetter, dem Earl von Carlisle, die Papiere, die sie von der Herzogin von Norfolk erhalten hatte. Carlisle brachte die Angelegenheit vor die Lords. Die Papiere wurden vorgelegt. Lady Mary erklärte, daß sie sie von der Herzogin erhalten, die Herzogin erklärte, daß sie sie von Monmouth erhalten habe, und Elisabeth Lawson bestätigte die Aussage ihrer beiden Freundinnen. Alle bitteren Dinge, die der kecke Earl über Wilhelm gesagt hatte, wurden wiederholt. Die Wuth der beiden großen Parteien brach mit unbändiger Heftigkeit aus. Die Whigs waren durch die Entdeckung erbittert, daß Monmouth im Geheimen darauf hingearbeitet hatte, zwei hochstehende Männer, mit deren Ruf der Ruf der ganzen Partei verknüpft war, in Schande und Verderben zu stürzen. Die Tories beschuldigten ihn, heimtückisch und grausam gegen den Gefangenen und dessen Gemahlin gehandelt zu haben. Unter den Whigs sowohl wie unter den Tories hatte sich Monmouth durch seine Spötteleien und Invectiven zahlreiche persönliche Feinde gemacht, welche die Furcht vor seinem scharfen Witze und seinem Degen bisher in Schach gehalten hatte.[80] Alle diese Feinde erhoben jetzt die Stimme gegen ihn. Man war sehr neugierig, was er zu seiner Vertheidigung würde sagen können. Seine Beredtsamkeit, schrieb der Correspondent der Generalstaaten, habe schon oft Anderen geschadet; jetzt werde er sie aber in vollem Maße brauchen, um sich selbst zu schützen.[81] Seine Beredtsamkeit war in der That mehr für den Angriff als für die Vertheidigung geeignet. Monmouth sprach nahe an drei Stunden verworren und abschweifend, rühmte sich über die Maßen seiner Dienste und Opfer, sagte dem Hause, daß er eine wichtige Rolle bei der Revolution gespielt, daß er in den schlimmen Zeiten vier Reisen nach Holland gemacht, daß er seitdem hohe Aemter ausgeschlagen, daß er den materiellen Gewinn stets verachtet habe. „Ich habe,” sagte er, sich bedeutungsvoll zu Nottingham wendend, „keine große Herrschaft gekauft, ich habe keinen Palast gebaut, ich bin um zwanzigtausend Pfund ärmer als zu der Zeit meines Eintritts in das öffentliche Leben. Mein altes Erbschloß droht mir über dem Kopfe einzustürzen. Kann irgend Jemand, der sich erinnert, was ich für Se. Majestät gethan und gelitten habe, glauben, daß ich unehrerbietig von ihm sprechen würde?” Er erklärte feierlich -- und dies war die schwerste von den vielen schweren Sünden seines langen und bewegten Lebens, -- daß er mit den Papieren, welche so großes Aergerniß erregt, nichts zu thun habe. Die Papisten, sagte er, haßten ihn, sie hätten sich vorgenommen, ihn zu verderben, seine undankbare Cousine habe sich zu ihrem Werkzeuge hergegeben und habe seine eifrigen Bemühungen, ihre Ehre zu wahren, damit vergolten, daß sie es versucht habe, die seinige zu untergraben. Als er geendet hatte, trat ein lange anhaltendes Stillschweigen ein. Er fragte, ob Ihre Lordschaften wünschten, daß er sich entferne. Jetzt ergriff Leeds, für dessen treuen Freund er sich einst erklärt, den er aber mit characteristischer Unbeständigkeit verlassen und mit characteristischer Rücksichtslosigkeit angegriffen hatte, die Gelegenheit, sich zu rächen. „Es ist ganz unnöthig,” sagte der schlaue alte Staatsmann, „daß der edle Earl sich jetzt entfernt. Die Frage, die wir für jetzt zu entscheiden haben, ist lediglich die, ob diese Papiere unsren Tadel verdienen oder nicht. Wer sie geschrieben hat, ist eine Frage, die nachher erörtert werden kann.” Es wurde hierauf beantragt und einstimmig beschlossen, daß die Papiere verleumderisch seien und daß der Verfasser derselben sich eines schweren Verbrechens und Vergehens schuldig gemacht habe. Monmouth selbst mußte sich in Folge dieser geschickten Taktik der Verurtheilung seiner eigenen Schriftstücke anschließen.[82] Dann ging das Haus zur Inbetrachtnahme der gegen ihn vorliegenden Beschuldigung über. Seine Cousine, die Herzogin, stand zwar nicht im besten Rufe; aber ihre Aussage wurde sowohl durch directes als durch aus den Umständen geschöpftes Zeugniß bestätigt. Ihr Gemahl sagte mit höhnischem Scherze, daß er Allem was sie ausgesagt habe, vollkommenen Glauben schenke. „Mylord Monmouth hielt sie für gut genug, um meine Gattin zu sein, und wenn sie gut genug ist, um meine Gattin zu sein, so bin ich überzeugt, daß sie auch gut genug ist, um gegen ihn zu zeugen.” In einem Hause von nahe an achtzig Peers schienen nur acht bis zehn geneigt, gegen Monmouth einige Nachsicht zu üben. Er wurde der That, an der er unschuldig zu sein auf das Feierlichste betheuert hatte, für schuldig erklärt, in den Tower geschickt und aller seiner Stellen entsetzt, und sein Name aus dem Rathsbuche gestrichen.[83] Man hätte denken sollen, daß der Verlust seines Rufes und seines irdischen Glückes unwiederbringlich sein müßte. Aber seine Natur besaß eine unverwüstliche Elasticität. In seinem Gefängnisse war er zwar so unbändig wie ein eben in den Käfig gesperrter Falke, und er würde vor bloßer Ungeduld gestorben sein, wenn er lange in Haft geblieben wäre. Sein einziger Trost war, wilde und romanhafte Pläne zu ersinnen, wie er sich aus seiner unangenehmen Lage befreien und sich an seinen Feinden rächen könne. Als er seine Freiheit wieder erlangte, stand er allein in der Welt, ein entehrter Mann, von den Whigs mehr gehaßt als irgend ein Tory, und von den Tories mehr gehaßt als irgend ein Whig, und zu solcher Armuth reducirt, daß er davon sprach, sich auf das Land zurückzuziehen, wie ein Pächter zu leben und seine Gemahlin in die Milchkammer zu stellen, um Butter und Käse zu machen. Doch selbst nach diesem Sturze erhob sich dieser ruhelose Geist noch einmal und stieg höher als je. Als er das erste Mal wieder vor den Augen der Welt erschien, hatte er den Earltitel des Oberhauptes seiner Familie geerbt, führte nicht mehr den befleckten Namen Monmouth und umgab den Namen Peterborough bald mit neuem Glanze. Er war noch immer lauter Feuer und Leben. Sein schlagender Witz und sein unerschrockner Muth machten ihn gefährlich, einige liebenswürdige Eigenschaften, die mit seinen Lastern auffallend contrastirten, und einige große Thaten, deren Eindruck durch die sorglose Leichtfertigkeit, mit der er sie ausführte, noch erhöht wurde, machten ihn populär und seine Landsleute vergaßen gern, daß ein Held, auf dessen Thaten sie stolz waren und der sich eben so sehr durch Talent und Muth, wie durch Ritterlichkeit und Freigebigkeit auszeichnete, sich zu Streichen erniedrigt hatte, die den Pranger verdienten.

[_Stellung und Gesinnung Shrewsbury’s._] Es ist interessant und lehrreich, das Schicksal Shrewsbury’s mit dem Schicksale Peterborough’s zu vergleichen. Shrewsbury’s Ehre war unbefleckt. Er war von den in Fenwick’s Bekenntniß enthaltenen Anklagen triumphirend freigesprochen worden. Bald darauf wurde er noch triumphirender von einer noch abscheulicheren Anklage freigesprochen. Ein schändlicher Spion, Namens Matthäus Smith, welcher nicht genügend belohnt worden zu sein meinte und sich gern rächen wollte, behauptete, Shrewsbury habe frühzeitig Kenntniß von dem Mordcomplot gehabt, habe aber gethan als wisse er nichts davon, und habe keine Maßregeln ergriffen, um die Verschwörer an der Ausführung ihres Vorhabens zu hindern. Daß dies eine niederträchtige Verleumdung war, kann Niemand bezweifeln, der die Prozeßacten geprüft hat. Der König erklärte, daß er selbst die Unschuld seines Ministers beweisen könne, und die Peers erklärten, nachdem sie Smith vernommen hatten, die Anklage für unbegründet. Shrewsbury war soweit gereinigt, als es in der Macht der Krone und des Parlaments stand, ihn zu reinigen. Er besaß Macht und Reichthum, die Gunst des Königs und die Gunst des Volks. Niemand hatte eine größere Anzahl ergebener Freunde. Er war der Abgott der Whigs, und auch die Tories waren ihm persönlich nicht abgeneigt. Man sollte demnach meinen, daß er sich in einer Lage befand, um die ihn Peterborough wohl beneiden konnte. Aber Glück und Unglück kommen von innen. Peterborough besaß eines von jenen Gemüthern, deren tiefste Wunden heilen, ohne Narben zurückzulassen. Er war öffentlich beschuldigt worden, mit Saint-Germains in Verbindung zu stehen, und obwohl König, Lords und Gemeine ihn für unschuldig erklärt hatten, sagte ihn doch sein Gewissen, daß er schuldig sei. Die Lobsprüche, die er nicht verdient zu haben sich bewußt war, klangen ihm wie Vorwürfe. Er erlangte seinen verlornen Seelenfrieden nie wieder. Er trat aus dem Amte; aber eine quälende Erinnerung begleitete ihn in die Zurückgezogenheit. Er verließ England; aber eine quälende Erinnerung begleitete ihn über die Alpen und Apenninen. An einem denkwürdigen, für sein Vaterland folgenschweren Tage trat er jedoch nach einer Reihe unthätiger und ruhmloser Tage noch einmal als der Shrewsbury von 1688 hervor. Es giebt kaum etwas Schwermüthigeres in der Geschichte als dieser späte und vereinzelte Lichtstrahl, der das Ende eines Lebens beleuchtet, das so glänzend begonnen und das frühzeitig hoffnungslos getrübt und verdüstert worden war.

[_Die Verurtheilungsbill angenommen._] An dem Tage, an welchem die Lords die Verurtheilungsbill annahmen, vertagten sie sich für die Dauer der Weihnachtsfeiertage. Das Schicksal Fenwick’s blieb daher über vierzehn Tage ungewiß. Während dieser Zeit wurden Fluchtpläne entworfen, und man hielt es für nöthig, Newgate mit einer starken Militärwache zu umgeben.[84] Einige Jakobiten kannten Wilhelm so wenig, daß sie anonyme Briefe an ihn schrieben, worin sie ihm mit Erschießen oder Erstechen drohten, wenn er dem Gefangenen ein Haar zu krümmen wagte.[85] Am Morgen des 11. Januars genehmigte er die Bill. Zu gleicher Zeit genehmigte er auch eine Bill, welche die Regierung ermächtigte, Bernardi und einige andere Verschwörer ein Jahr lang in Haft zu halten. Am Abend dieses Tages bildete ein höchst trauriges Ereigniß in London das Stadtgespräch. Die Gräfin von Aylesbury hatte mit ängstlicher Spannung die Untersuchung gegen Sir John verfolgt. Ihr Gemahl war eben so tief wie Sir John in hochverrätherische Pläne verwickelt gewesen, war, wie Sir John, in Haft, und hatte, wie Sir John, Theil an Goodman’s Flucht genommen. Mit Schrecken hatte sie erfahren, daß es ein Mittel gab, um ein Verbrechen, das außer dem Bereiche des ordentlichen Rechtsweges lag, zu bestrafen. Ihre Angst hatte mit jedem Stadium der Verurtheilungsbill zugenommen. An dem Tage, an welchem die königliche Genehmigung ertheilt werden sollte, wurde ihre Aufregung so groß, daß ihre Constitution sie nicht mehr zu ertragen vermochte. Als sie den Donner der Kanonen vernahm, welche verkündeten, daß der König sich nach Westminster begab, fiel sie in Ohnmacht und starb nach wenigen Stunden.[86]

[_Versuche, Fenwick zu retten._] Selbst nachdem die Bill zum Gesetz erhoben war, wurden noch immer energische Anstrengungen zur Rettung Fenwick’s gemacht. Seine Gattin fiel Wilhelm zu Füßen und überreichte ihm ein Gnadengesuch. Er nahm das Gesuch an und sagte sehr freundlich, es solle erwogen werden, die Sache aber sei von öffentlicher Wichtigkeit und er müsse daher erst mit seinen Ministern zu Rathe gehen, bevor er sich entscheiden könne.[87] Sie wendete sich nun an die Lords und sagte ihnen, daß ihr Gatte seine Verurtheilung nicht erwartet habe, daß er nicht Zeit gehabt, sich auf den Tod vorzubereiten, daß er während seiner langen Haft noch keinen Geistlichen bei sich gesehen habe. Sie ließen sich leicht bewegen, um eine Woche Aufschub für ihn nachzusuchen. Die Frist wurde bewilligt, aber achtundvierzig Stunden vor Ablauf derselben überreichte Lady Mary den Lords eine zweite Petition, worin sie sie bat, sich beim Könige dahin zu verwenden, daß die Strafe ihres Gatten in Verbannung verwandelt werden möchte. Das Haus war überrascht von dem Ansinnen und ein Antrag auf Vertagung der Sache wurde mit Mühe mit zwei Stimmen durchgebracht.[88] Am folgenden Tage, dem letzten, den Fenwick noch zu leben haben sollte, wurde eine ähnliche Petition den Gemeinen überreicht. Aber die Whighäupter waren auf ihrer Hut; das Haus war gefüllt, und ein Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung wurde mit hundertzweiundfunfzig gegen hundertsieben Stimmen angenommen.[89] Eigentlich konnte auch keiner der beiden Zweige der Legislatur, ohne sich selbst zu verurtheilen, Wilhelm ersuchen, Fenwick’s Leben zu schonen. Geschworne, die in Ausübung einer schmerzlichen Pflicht einen Angeklagten für schuldig erklärt haben, können ihn ohne die mindeste Inconsequenz der Gnade der Krone empfehlen. Aber die Parlamentshäuser hätten die Verurtheilungsbill nicht annehmen dürfen, wenn sie nicht überzeugt waren, nicht nur daß Sir John ein Hochverräther war, sondern auch daß er nicht ohne ernstliche Gefahr für den Staat am Leben gelassen werden konnte. Er konnte nicht zu gleicher Zeit ein geeigneter Gegenstand für eine solche Bill und ein geeigneter Gegenstand für die königliche Gnade sein.

[_Fenwick’s Hinrichtung._] Am 28. Januar fand die Hinrichtung statt. Aus Artigkeit gegen die vornehmen Familien, mit denen Fenwick verwandt war, wurde Befehl gegeben, daß das Ceremoniell in jeder Hinsicht das Nämliche sein sollte, wie bei der Hinrichtung eines Peers des Reichs. Ein schwarz behangenes Schaffot war auf Towerhill errichtet, und der Gefangene wurde von Newgate in der Equipage seines Vetters, des Earls von Carlisle, die von einer Abtheilung Leibgarden umgeben war, auf den Richtplatz gebracht. Obgleich der Tag kalt und stürmisch war, hatte sich doch eine ungeheure Zuschauermenge eingefunden; aber es fand keine Störung statt, und nichts verrieth, daß das Volk mit dem Verbrecher sympathisirt hätte. Er benahm sich mit einer Standhaftigkeit, die man nicht von ihm erwartet hatte. Festen Schrittes bestieg er das Schaffot, verbeugte sich artig vor den darauf versammelten Personen, sprach aber mit Niemandem als mit White, dem abgesetzten Bischofe von Peterborough. White betete ungefähr eine halbe Stunde mit ihm. In dem Gebete wurde der König dem göttlichen Schutze empfohlen, aber kein Name genannt, der hätte Anstoß geben können. Fenwick übergab hierauf den Sheriffs ein versiegeltes Papier, nahm Abschied von dem Bischofe, kniete nieder, legte den Kopf auf den Block und rief aus: „Herr Jesus, empfange meine Seele.” Ein einziger Schlag trennte sein Haupt vom Rumpfe. Seine irdischen Reste wurden in einen prachtvollen Sarg gelegt und noch in derselben Nacht bei Fackelschein unter den Steinplatten der Martinskirche beigesetzt. Seitdem hat in England Niemand wieder kraft einer Verurtheilungsacte die Todesstrafe erlitten.[90]

[_Bill zur Regulirung der Wahlen._] Inzwischen war eine wichtige Frage, über welche die öffentliche Stimmung sehr aufgeregt war, discutirt worden. Sobald das Parlament zusammengetreten war, wurde eine Bill zur Regulirung der Wahlen, die sich im Wesentlichen wenig von der Bill unterschied, der der König in der vorhergehenden Session seine Genehmigung versagt hatte, im Hause der Gemeinen eingebracht, von den Landgentlemen freudig willkommen geheißen und rasch durch alle Stadien gebracht. Bei der Berichterstattung wurde beantragt, daß fünftausend Pfund persönliches Vermögen eine genügende Qualification für den Vertreter einer Stadt oder eines Burgfleckens sein sollten. Doch dieses Amendement wurde verworfen. Bei der dritten Lesung wurde ein Zusatz beigefügt, der einem Kaufmanne, welcher fünftausend Pfund besaß, gestattete, seinen Wohnplatz zu vertreten; aber es war zugleich bestimmt, daß Niemand als Kaufmann betrachtet werden sollte, weil er Actien der Bank oder der Ostindischen Compagnie besaß. Der Kampf war heiß. Cowper zeichnete sich unter den Gegnern der Bill aus. Seine sarkastischen Bemerkungen über die jagenden Bauern, welche die ganze Gesetzgebung in ihren Händen behalten wollten, veranlaßte einige heftige bäuerische Gegenhiebe. Ein schlichter Squire, sagte man ihm, könne dem Lande voraussichtlich eben so gute Dienste leisten, als der zungenfertigste Jurist, der für eine Guinee bereit sei zu beweisen, daß schwarz weiß aussehe. Bei der Abstimmung über die Frage, ob die Bill angenommen werden solle, betrug die Zahl der Jas zweihundert, die der Neins hundertsechzig.[91]