Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Vierter Band

Part 8

Chapter 83,412 wordsPublic domain

Der Theil der Dissenters, der sich der neuen Politik des Königs günstig zeigte, war von Anfang an klein gewesen und begann bald noch mehr zusammenzuschmelzen. Denn die Nonconformisten erkannten in nicht langer Zeit, daß ihre geistlichen Privilegien durch die Indulgenz eher geschmälert als erweitert worden waren. Der characteristische Zug des Puritaners war Abscheu gegen die Eigenthümlichkeiten der römischen Kirche. Er hatte sich nur deshalb von der anglikanischen Kirche losgetrennt, weil er meinte, daß sie ihrer hochmüthigen und üppigen Schwester, der Zauberin mit dem goldenen Becher und dem Purpurgewande, zu ähnlich sähe. Jetzt fand er, daß eine von den stillschweigenden Bedingungen des Bündnisses, welches einige seiner Seelenhirten mit dem Hofe geschlossen hatten, die war, daß die Religion des Hofes mit Achtung und Schonung behandelt werden sollte. Er begann bald sich nach den Tagen der Verfolgung zurückzusehnen. So lange die Strafgesetze noch angewendet wurden, hatte er die Worte des Lebens zwar im Geheimen und mit persönlicher Gefahr angehört, aber er hatte sie doch gehört. Wenn die Brüder in ihrer Stube versammelt waren, wenn die Schildwachen ausgestellt und die Thüren verschlossen waren, wenn der Prediger in der Kleidung eines Metzgers oder Fuhrmanns über das Dach hereingekommen war, dann wurde wenigstens ein wirklicher Gottesdienst gehalten. Kein Theil der göttlichen Wahrheit ward aus weltlichen Rücksichten unterdrückt oder verstümmelt, alle unterscheidenden Lehren der puritanischen Theologie wurden vollständig und sogar in ihrer ungeschminktesten Form dargestellt. Der römischen Kirche ward kein Pardon gegeben. Das Thier, der Antichrist, der Mensch der Sünde, die mystische Isabel, das mystische Babylon waren die Ausdrücke, mit denen man jenen hehren und bezaubernden Aberglauben zu bezeichnen pflegte. Dies war einst die Sprache Alsop’s, Lobb’s, Rosewell’s und anderer Geistlichen gewesen, welche kürzlich im Palast wohl aufgenommen worden waren; aber so sprachen sie jetzt nicht mehr. Geistliche, die nach einer hohen Stufe in der Gunst und dem Vertrauen des Königs strebten, durften es nicht wagen, in harten Worten von der Religion des Königs zu sprechen. Die Gemeinden beklagten sich daher laut, daß sie seit dem Erscheinen der Indulgenzerklärung, welche ihnen dem Wortlaute nach doch völlige Gewissensfreiheit gewähren wollte, das Evangelium nie mehr kühn und rein hätten verkünden hören. Früher hatten sie ihre geistliche Nahrung verstohlen erhaschen müssen, aber wenn sie sie erhascht hatten, so fanden sie sie wenigstens ganz nach ihrem Geschmacke zubereitet. Jetzt konnten sie sie öffentlich und in aller Bequemlichkeit zu sich nehmen, aber sie hatte ihren ganzen Wohlgeschmack verloren. Sie versammelten sich bei Tage und in geräumigen Lokalen; aber sie hörten Predigten, die ihnen bei weitem nicht so gefielen, als die, welche der Rector ihnen gehalten haben würde. In der Pfarrkirche wurde der selbstgeschaffene Gottesdienst und die Abgötterei Roms jeden Sonntag energisch angegriffen; im Versammlungshause aber hütete sich der Pastor, der noch vor wenigen Monaten die Geistlichen der Landeskirche für nicht viel besser als die Papisten erklärt hatte, jetzt sorgfältig, den Papismus zu tadeln, oder kleidete seinen Tadel wenigstens in ein so mildes Gewand, daß er selbst das Ohr eines Pater Petre nicht beleidigt haben würde. Auch war es nicht möglich, für diesen Wechsel einen stichhaltigen Grund aufzufinden. Die römisch-katholischen Lehren hatten sich nicht verändert; seit Menschengedenken waren die katholischen Priester noch nie so eifrig im Proselytenmachen gewesen; noch nie waren so viele katholische Schriften aus der Presse hervorgegangen; noch nie hatten Alle, die sich um die Religion kümmerten, den Streit zwischen Katholiken und Protestanten mit so gespannter Aufmerksamkeit verfolgt. Was konnte man also von der Aufrichtigkeit von Theologen halten, welche nicht müde geworden waren, den Papismus zu schmähen, so lange derselbe vergleichsweise harmlos und wehrlos war, und die jetzt, wo eine Zeit wirklicher Gefahr für den reformirten Glauben gekommen, sorgfaltig jedes Wort vermieden, das einem Jesuiten Anstoß geben konnte? Ihr Benehmen war in der That nicht schwer zu erklären. Es war bekannt, daß einige von ihnen Begnadigungen erlangt, es wurde vermuthet, daß andere Geld bekommen hatten. Ihr Vorbild war der schwache Apostel, der aus Angst den Herrn verleugnete, dem er prahlerisch die unverbrüchlichste Treue gelobt hatte, oder der noch schlechtere Apostel, der seinen Herrn um eine Handvoll Silberlinge verkaufte.[52]

So verloren die vom Hofe gewonnenen Dissentergeistlichen rasch den Einfluß, den sie einst auf ihre Glaubensbrüder besessen hatten. Auf der andren Seite fühlten sich die Sektirer durch eine starke religiöse Sympathie zu den anglikanischen Prälaten und Priestern hingezogen, welche trotz königlicher Befehle, Drohungen und Versprechungen einen heftigen Krieg gegen die römische Kirche unterhielten. Die so lange durch tödtliche Feindschaft getrennt gewesenen Anglikaner und Puritaner, näherten sich einander mit jedem Tage mehr und mehr und jeder Schritt zur Einigung vermehrte den Einfluß des Mannes, der ihr gemeinsames Oberhaupt war. Wilhelm eignete sich in jeder Beziehung zum Vermittler zwischen diesen beiden großen Parteien der englischen Nation. Man konnte nicht sagen, daß er einer von beiden angehöre; aber keine von beiden konnte sich bei ruhiger Überlegung weigern, ihn als einen Freund zu betrachten. Sein theologisches System stimmte mit dem der Puritaner überein. Zu gleicher Zeit betrachtete er das Episcopat wenn auch nicht als eine göttliche Einrichtung, doch als eine vollkommen rechtmäßige und höchst nützliche Form des Kirchenregiments. Fragen über Stellungen, Gewänder, Festtage und Liturgien waren in seinen Augen keine Lebensfragen. Ein einfacher Gottesdienst wie der, an den er von jeher gewöhnt war, würde seinem persönlichen Geschmacke am meisten zugesagt haben, aber er war dabei gern bereit, sich jedem Ritual zu fügen, das der Nation angenehm war, und bestand nur darauf, daß man ihm nicht zumuthete, diejenigen seiner protestantischen Brüder zu verfolgen, denen ihr Gewissen es nicht zuließ, seinem Beispiele zu folgen. Zwei Jahre früher würde er von zahlreichen Bigotten auf beiden Seiten für einen bloßen Laodicäer erklärt, worden sein, der weder kalt noch warm war und zu nichts taugte als ausgestoßen zu werden. Aber der Eifer, der Anglikaner gegen Dissenters und Dissenters gegen Anglikaner entflammt hatte, war durch gemeinsame Widerwärtigkeiten und Gefahren so gedämpft worden, daß die Lauheit, die man ihm früher als Verbrechen angerechnet, jetzt als eine seiner Haupttugenden betrachtet wurde.

[Anmerkung 51: +Kiffin’s Memoirs+; Luson’s Brief an Brooke vom 11. Mai 1773 in der Hughes-Correspondenz.]

[Anmerkung 52: Man sehe unter anderen zeitgenössischen Flugschriften eine mit dem Titel: +A Representation of the threatening Dangers impending over Protestants.+]

[_Der Prinz und die Prinzessin von Oranien gegen die Indulgenzerklärung._] Jedermann war gespannt auf seine Ansicht über die Indulgenzerklärung. Eine Zeit lang nährte man in Whitehall die Hoffnung, daß seine bekannte Achtung vor den Rechten des Gewissens ihn wenigstens abhalten werde, öffentlich seine Mißbilligung einer Politik auszusprechen, die einen unleugbaren Anstrich von Freisinnigkeit hatte. Penn schickte zahlreiche Auseinandersetzungen nach dem Haag und begab sich sogar persönlich dahin, in der Hoffnung daß seine Beredtsamkeit, von der er eine hohe Meinung hatte, sich als unwiderstehlich erweisen werde. Aber obgleich er sein Lieblingsthema mit einer Redseligkeit entwickelte, die seine Zuhörer ermüdete und obgleich er sie versicherte, daß ein Mann, der mit den Engeln verkehre, ihm das Herannahen eines goldenen Zeitalters der Religionsfreiheit geoffenbart habe, so machte er doch keinen Eindruck auf den Prinzen.[53] „Ihr verlangt von mir,“ sagte er zu einem der Agenten des Königs, „daß ich einen Angriff auf meine eigne Religion unterstützen soll. Das kann ich mit gutem Gewissen nicht thun, und ich werde es nicht thun, nein, nicht um die Krone Englands, nicht um die Herrschaft der Welt!“ Diese Worte wurden dem Könige mitgetheilt und sie beunruhigten ihn nicht wenig.[54] Er schrieb mit eigner Hand eindringliche Briefe. Zuweilen nahm er den Ton des Beleidigten an. Er sei das Oberhaupt der königlichen Familie, als solches sei er berechtigt, von den jüngeren Mitgliedern Gehorsam zu erwarten, und es sei sehr hart, daß er in einer Angelegenheit, die ihm über Alles am Herzen liege, auf Widerstand stoße. Andere Male wurde ihm ein Köder vorgehalten, den man für unwiderstehlich hielt. Wenn Wilhelm nur in diesem einen Punkte nachgäbe, so würde die englische Regierung ihm dafür kräftigen Beistand gegen Frankreich leisten. Er ließ sich aber nicht bethören. Er wußte, daß Jakob selbst beim besten Willen ohne die Unterstützung eines Parlaments nicht im Stande sein würde, der gemeinschaftlichen Sache Europa’s einen wirksamen Dienst zu leisten, und es konnte keinem Zweifel unterliegen, daß wenn ein Parlament zusammenkam, die erste Forderung beider Häuser die Cassirung der Indulgenzerklärung sein würde.

Die Prinzessin stimmte allen Meinungsäußerungen ihres Gemahls bei, und ihre gemeinschaftliche Ansicht wurde dem Könige in entschiedenen aber gemäßigten Ausdrücken mitgetheilt. Sie erklärten, daß sie das von Seiner Majestät eingeschlagene Verfahren lebhaft bedauerten. Sie seien überzeugt, daß er sich ein Hoheitsrecht angemaßt habe, das ihm gesetzlich nicht zustehe. Gegen diese Anmaßung protestirten sie, nicht nur als Freunde der bürgerlichen Freiheit, sondern auch als Mitglieder des königlichen Hauses, als welche sie ein hohes Interesse an der Erhaltung der Rechte dieser Krone hätten, die sie einst tragen könnten. Denn die Erfahrung habe gelehrt, daß Willkürherrschaft in England unfehlbar eine Reaction nach sich ziehe, die noch verderblicher sei als jene selbst, und man müsse mit Grund befürchten, daß die durch die Aussicht auf Despotismus beunruhigte und entrüstete Nation selbst gegen die constitutionelle Monarchie einen Widerwillen fassen würde. Sie gäben daher dem Könige den Rath, daß er in allen Dingen streng nach dem Gesetze regieren möge. Sie geständen sehr gern zu, daß das Gesetz mit Nutzen durch die competente Autorität abgeändert werden könne und daß ein Theil seiner Erklärung es wohl verdiene, einer Parlamentsacte einverleibt zu werden. Sie seien keine Verfolger, sie würden mit Vergnügen römische Katholiken so gut als protestantische Dissenters in geeigneter Weise von allen Strafgesetzen befreit, und ebenso gern protestantische Dissenters in zweckmäßiger Weise zu bürgerlichen Ämtern zugelassen sehen. Weiter aber könnten Ihre Hoheiten nicht gehen. Sie könnten sich der ernsten Besorgniß nicht enthalten, daß die Zulassung römischer Katholiken zu Staatsämtern große Nachtheile hervorrufen würden, und es war nicht undeutlich zu verstehen gegeben, daß der Grund zu dieser Besorgniß namentlich in Jakob’s Handlungsweise liege.[55]

[Anmerkung 53: +Burnet I. 693, 694.+]

[Anmerkung 54: +„Le Prince d’Orange, qui avoit éludé jusqu’alors de faire une réponse positive dit ... qu’il ne consentira jamaia à la suppression de ces lois qui avoient été établies pour le maintien et la sureté de la religion Protestante, et que sa conscience ne lui permettoit point, non seulement pour la succession du royaume d’Angleterre, mais même pour l’empire du monde; en sorte que le roi d’Angleterre est plus aigri contre lui qu’il n’a jamais été.“+ -- Bonrepaux, 11.(21.) Juni 1687.]

[Anmerkung 55: +Burnet, I. 710+; Bonrepaux, 24. Mai (4. Juni) 1687.]

[_Vertheidigung ihrer Ansichten bezüglich der englischen Katholiken._] Die ausgesprochene Ansicht des Prinzen und der Prinzessin über die Ausschließungen, denen die römischen Katholiken unterworfen waren, theilten fast alle Staatsmänner und Philosophen, welche damals der politischen und religiösen Freiheit eifrig das Wort redeten. In unsrer Zeit dagegen haben erleuchtete Männer oft mit Bedauern sich dahin geäußert, daß Wilhelm in diesem einen Punkte gegen seinen Schwiegervater im Nachtheil stehe. Das Wahre ist, daß einige Erwägungen, welche nothwendig sind, wenn man sich ein richtiges Urtheil bilden will, von vielen Schriftstellern des neunzehnten Jahrhunderts nicht berücksichtigt worden zu sein scheinen.

Es sind zwei einander entgegengesetzte Irrthümer, in welche Diejenigen, die sich mit dem Studium unsrer vaterländischen Geschichte beschäftigen, in steter Gefahr sind zu verfallen: der Irrthum, daß sie die Gegenwart nach der Vergangenheit, und der Irrthum, daß sie die Vergangenheit nach der Gegenwart beurtheilen. Dem ersteren sind Diejenigen unterworfen, welche geneigt sind alles Alte zu verehren, dem zweiten Diejenigen, welche von allem Neuen angezogen werden. Auf den ersteren stößt man beständig in den Raisonnements conservativer Politiker über die Fragen ihrer Zeit, der zweite findet sich immer in den Betrachtungen von Schriftstellern der liberalen Richtung, wenn sie die Ereignisse einer früheren Zeit besprechen. Der erstere ist bei einem Staatsmanne, der andre bei einem Geschichtsschreiber verderblicher.

Es ist für Niemanden, der es in Unsrer Zeit unternimmt, über die Revolution zu schreiben, welche die Stuarts stürzte, so leicht, die rechte Mittelstraße zwischen diesen beiden Extremen stetig einzuhalten. Die Frage, ob es gerathen sei, Mitglieder der katholischen Kirche zum Parlament und zu Staatsämtern zuzulassen, erschütterte unser Vaterland während der Regierung Jakob’s II., durch seinen Sturz wurde sie in den Hintergrund zurückgedrängt, und nachdem sie über ein Jahrhundert lang geruht hatte, kam sie in Folge der großen Aufregung der Gemüther, welche dem Zusammentritt der französischen Nationalversammlung folgte, wieder zur Sprache. Dreißig Jahre währte der Streit in beiden Häusern des Parlaments, in jedem Wahlkörper, in jedem Kreise der Gesellschaft. Er stürzte Ministerien, zerriß Parteien, machte in einem Theile des Landes jede Regierung unmöglich und brachte uns zuletzt an den Rand des Bürgerkrieges. Selbst nach Beendigung des Kampfes gohren die Leidenschaften, die er aufgeregt hatte, noch immer fort. Ein Mann, dessen Geist unter dem Einflusse dieser Leidenschaften stand, konnte fast unmöglich die Ereignisse der Jahre 1687 und 1688 in einem vollkommen richtigen Lichte erblicken.

Eine Klasse von Politikern, welche von dem richtigen Vordersatze ausging, daß die Revolution eine große Wohlthat für unser Land gewesen sei, gelangte zu dem irrigen Schlusse, daß keine Bürgschaft, die von den Staatsmännern der Revolution zum Schutze unsrer Religion und unsrer Freiheit für nöthig erachtet worden war, ohne Gefahr abgeschafft werden könnte. Eine andre Klasse, die von dem ebenfalls richtigen Vordersatze ausging, daß die über die Katholiken verhängten Ausschließungen lange Zeit nichts als Unheil verursacht hätten, kam zu dem falschen Schlusse, daß diese Ausschließungen zu keiner Zeit nützlich und nothwendig gewesen sein könnten. Der erste Trugschluß durchdrang die Reden des geistreichen und gelehrten Eldon, der andre blieb selbst auf einen so ruhigen und philosophischen Kopf wie Mackintosh nicht ganz ohne Einfluß.

Bei näherer Prüfung wird es sich jedoch vielleicht zeigen, daß wir das von allen großen englischen Staatsmännern des siebzehnten Jahrhunderts einstimmig gebilligte Verfahren rechtfertigen können, ohne die Weisheit des von allen großen englischen Staatsmännern unsrer Zeit eben so einstimmig gebilligten Verfahrens in Zweifel zu ziehen.

Es ist unbestreitbar ein Übel, wenn ein Bürger seiner religiösen Meinung halber vom Staatsdienste ausgeschlossen sein soll; aber der menschlichen Weisheit bleibt zuweilen nichts andres übrig als die Wahl zwischen zwei Übeln. Eine Nation kann in eine Lage kommen, in der die Mehrheit entweder Ausschließungen verhängen oder sich solche gefallen lassen muß und wo das was unter gewöhnlichen Verhältnissen mit Recht als Verfolgung verdammt werden würde, noch innerhalb der Grenzen der Selbstvertheidigung liegt. In einer solchen Situation befand sich England im Jahre 1687.

Nach der Verfassung des Reichs hatte Jakob das Recht, fast alle öffentlichen Beamten, bei der Regierung, bei den Gerichten, in der Kirche, beim Militair und bei der Flotte zu ernennen. Bei der Ausübung dieses Rechts war er nicht, wie unsere gegenwärtigen Souveraine, genöthigt, in Übereinstimmung mit dem Rathe von Ministern, die das Haus der Gemeinen billigte, zu handeln. Es lag also auf der Hand, daß es, wenn er durch das Gesetz nicht streng verbunden war, nur Protestanten anzustellen, ihm frei stand, lauter Katholiken anzustellen. Die Anzahl der römischen Katholiken war unbedeutend, und es gab nicht einen einzigen Mann unter ihnen, dessen Dienste der Staat ernstlich vermißt haben würde. Das Verhältniß, in dem ihre Zahl zur Gesammtbevölkerung stand, war noch viel geringer als es gegenwärtig ist, denn gegenwärtig ergießt sich ein ununterbrochener Auswanderungsstrom von Irland in unsere großen Städte, während es im siebzehnten Jahrhunderte noch nicht einmal in London eine irische Colonie gab. Neunundvierzig Funfzigstel der Bewohner des Königreichs, neunundvierzig Funfzigstel des Vermögens des Königreichs, fast alle politischen, juristischen und militairischen Talente und Kenntnisse, die das Land besaß, waren protestantisch. Trotzdem hatte der König in thörichter Verblendung sich vorgenommen, sein unbegrenztes Ernennungsrecht als Mittel zum Proselytenmachen zu benutzen. Seiner Kirche angehören war in seinen Augen der erste Befähigungstitel für ein Amt. Der Landeskirche angehören war entschieden ein Grund der Nichtbefähigung. Er verwarf zwar in einer Sprache, welche den Beifall einiger leichtgläubigen Freunde der Glaubensfreiheit fand, die monströse Ungerechtigkeit des Religionseides, der eine kleine Minderheit der Nation von öffentlichen Ämtern ausschloß; zu gleicher Zeit aber führte er einen andren Religionseid ein, der die Mehrheit ausschloß. Es schien ihm hart, daß ein guter Finanzmann und loyaler Unterthan lediglich deshalb weil er ein Papist war, von dem Posten eines Lordschatzmeisters ausgeschlossen sein sollte; aber er selbst hatte einen Lordschatzmeister, den er als einen tüchtigen Finanzmann und loyalen Unterthan anerkannt, bloß deshalb abgesetzt, weil er Protestant war. Er hatte wiederholt und bestimmt erklärt, er sei fest entschlossen, den weißen Stab niemals in die Hände eines Ketzers zu geben. Mit vielen anderen hohen Staatsämtern war er ebenso verfahren. Bereits waren der Lordpräsident, der Geheimsiegelbewahrer, der Oberkammerherr, der Garderobeaufseher, der erste Lord des Schatzes, ein Staatssekretär, der Lordobercommissar von Schottland, der Kanzler von Schottland und der Sekretär von Schottland Katholiken oder gaben sich wenigstens dafür aus. Die meisten von diesen Beamten waren von Haus aus Anglikaner und hatten sich des offenen oder geheimen Abfalls schuldig gemacht, um ihre hohen Stellen zu erlangen oder zu behalten. Jeder Protestant, der noch einen wichtigen Staatsposten bekleidete, bekleidete ihn in beständiger Ungewißheit und Angst. Wir würden nicht fertig werden, wollten wir die untergeordneteren Stellen anführen, welche von Mitgliedern der begünstigten Klasse besetzt waren. In jedem Zweige der Verwaltung wimmelte es schon von Katholiken. Sie waren Lordlieutenants, stellvertretende Lieutenants, Richter, Friedensrichter, Zollcommissare, Gesandte an fremden Höfen, Regimentsobersten und Festungscommandanten. Der Antheil, den sie binnen wenigen Monaten von den durch die Krone zu besetzenden weltlichen Ämtern erlangt hatten, war weit über zehnmal so groß, als er unter einem unparteiischen Systeme gewesen sein würde. Dies war indessen noch nicht das Schlimmste. Man hatte sie auch zu Beherrschern der anglikanischen Kirche gemacht. Männer, die den König versichert hatten, daß sie seines Glaubens seien, saßen in der Hohen Commission und übten die höchste geistliche Gerichtsbarkeit über alle Prälaten und Priester der Landeskirche aus. Kirchliche Pfründen von hohem Ansehen waren theils erklärten, theils verkappten Papisten verliehen worden. Und dies Alles war geschehen, während die Gesetze gegen den Papismus noch in Kraft waren und Jakob noch gegründete Ursache hatte, Achtung vor den Rechten des Gewissens zu heucheln. Was war also von ihm zu erwarten, wenn seine Unterthanen einwilligten, ihn durch ein Gesetz von jedem Schatten der Beschränkung vollends zu befreien? Kann man wohl daran zweifeln, daß Protestanten durch eine streng gesetzmäßige Anwendung der königlichen Prärogative eben so wirksam von Anstellungen ausgeschlossen worden wären, als jemals römische Katholiken durch eine Parlamentsacte ausgeschlossen worden sind?

Wie hartnäckig Jakob entschlossen war, den Mitgliedern seiner Kirche einen Antheil an den öffentlichen Ämtern zu gewähren, der zu ihrer Zahl und zu ihrer Bedeutung außer allem Verhältniß stand, geht aus den Instructionen hervor, die er im Exil und im hohen Alter als Leitfaden für seinen Sohn aufzeichnete. Es ist unmöglich, diese Ergüsse eines Mannes, an dem alle Lehren der Erfahrung und des Unglücks spurlos vorübergegangen waren, ohne ein Gemisch von Mitleid und Verachtung zu lesen. Dem Prätendenten wird anempfohlen, wenn er einmal zur Regierung in England gelangen sollte, die Ämter zu theilen und den Mitgliedern der römischen Kirche einen Antheil zu reserviren, der groß genug für sie gewesen sein würde, wenn sie die Hälfte, anstatt ein Funfzigstel der Nation gebildet hätten. Ein Staatssekretär, ein Schatzcommissar, der Kriegssekretär, die Mehrheit der Großwürdenträger des Hofstaates und die Mehrzahl der Offiziere der Armee müßten immer Katholiken sein. Dies waren Jakob’s Ansichten selbst dann noch, als seine thörichte Bigotterie ihm eine Strafe zugezogen hatte, über welche die ganze Welt erschrocken war. Kann man also wohl in Zweifel darüber sein, wie er gehandelt haben würde, wenn sein Volk, durch den leeren Namen der religiösen Freiheit geblendet, ihn ohne Zügel hätte fortregieren lassen?

Selbst Penn scheint trotz seiner blinden und maßlosen Begeisterung für die Indulgenzerklärung eingesehen zu haben, daß man sich nicht wundern durfte, wenn die Parteilichkeit, mit der römische Katholiken mit Ehrenstellen und Einkünften überschüttet wurden, die Eifersucht der Nation erregte. Er gab zu, daß die Protestanten im Fall der Aufhebung der Testacte Anspruch auf ein Äquivalent hätten, und ging sogar so weit, daß er verschiedene Äquivalente vorschlug. Schon seit mehreren Wochen war das Wort Äquivalent, damals erst kürzlich aus Frankreich eingeführt, im Munde aller Kaffeehausredner; endlich aber machten einige Seiten scharfsinniger Logik und feiner Sarkasmen aus Halifax’ Feder diesen hohlen Projecten ein Ende. Einer von Penn’s Plänen bestand darin, daß ein Gesetz erlassen werden sollte, welches die von der Krone zu verleihenden Ämter in drei gleiche Theile theilte, von denen nur einer den Mitgliedern der katholischen Kirche zufallen sollte. Selbst unter einem solchen System würden die Katholiken noch immer zwanzigmal den ihnen eigentlich zustehenden Antheil erhalten haben, und doch kann man nicht annehmen, daß der König selbst in eine solche Anordnung gewilligt haben würde. Hätte er aber auch darein gewilligt, welche Garantie konnte er bieten, daß er auch wirklich an diesem Übereinkommen festhielt? Man hatte keine Antwort auf das von Halifax aufgestellte Dilemma: wenn Gesetze für Euch bindend sind, so beobachtet das jetzt bestehende Gesetz; sind sie nicht bindend für Euch, so ist es auch nutzlos, uns ein Gesetz als Bürgschaft zu bieten.[56]