Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Vierter Band

Part 24

Chapter 241,243 wordsPublic domain

Die gerichtliche Verfolgung der sieben Bischöfe ist ein Ereigniß, das in unsrer Geschichte einzig dasteht. Es war der erste und letzte Fall, wo zwei mächtige in der Regel einander entgegengesetzte Gefühle, von denen jedes für sich allein bei heftiger Erregung hinreichend war, um den Staat zu erschüttern, in vollkommener Eintracht verbündet waren. Diese Gefühle waren die Liebe zur Kirche und die Liebe zur Freiheit. Während vieler Generationen war jeder heftige Ausbruch des kirchlichen Gefühls, mit einer einzigen Ausnahme, der bürgerlichen Freiheit nachtheilig gewesen; und ebenso war jeder heftige Ausbruch des Freiheitsgefühls, mit einer einzigen Ausnahme, dem Ansehen und Einflusse des Prälatenthums und der Priesterschaft verderblich. Im Jahre 1688 war die Sache der Hierarchie einen Augenblick die Sache der Volkspartei. Mehr als neuntausend Geistliche, mit dem Primas und seinen ehrenwerthesten Suffraganen an der Spitze, erklärten sich bereit, Haft und Eigenthumsberaubung für das große Grundprinzip unsrer freien Verfassung zu erdulden. Die Folge war eine Coalition, welche die eifrigsten Kavaliere, die eifrigsten Republikaner und alle zwischeninne liegenden Parteien der Gesammtheit umfaßte. Der Geist, welcher Hampden unter der vergangenen Generation aufrecht erhalten hatte, verband sich mit dem Geiste, welcher Sacheverell unter der folgenden aufrecht erhielt, um den Erzbischof, der ein Hampden und ein Sacheverell zugleich war, aufrecht zu erhalten. Diejenigen Klassen der Gesellschaft, denen an der Erhaltung der Ruhe am meisten gelegen ist, welche in stürmischen Zeiten gewöhnlich am ersten bei der Hand sind, die Regierung zu unterstützen, und welche einen natürlichen Widerwillen gegen Aufwiegler hegen, folgten ohne Bedenken der Leitung eines ehrwürdigen Mannes, des ersten Peers des Reiches, des ersten Dieners der Kirche, eines Tory’s in der Politik, eines Heiligen in seinem Privatleben, den die Tyrannei wider seinen Willen in einen Demagogen verwandelt hatte. Auf der andren Seite flehten jetzt selbst Diejenigen, welche das Episcopat als einen Überrest des Papismus und als ein Werkzeug der Willkürherrschaft stets verabscheut hatten, auf den Knien um den Segen eines Prälaten, der bereit war, eher Ketten zu tragen und seine alterschwachen Glieder auf die nackten Steine eines Kerkers zu legen, als daß er die Interessen des protestantischen Glaubens verrathen und die Hoheitsrechte der Krone über das Gesetz gestellt hätte. Mit der Liebe zur Kirche und der Liebe zur Freiheit verband sich in dieser wichtigen Krisis noch ein drittes Gefühl, das zu den achtungswerthesten Zügen unsres Nationalcharacters gehört. Ein durch Willkürgewalt unterdrückter Mensch findet bei uns, hätte er sonst auch nicht den mindesten Anspruch auf Achtung und Dankbarkeit, gewöhnlich eine rege Theilnahme. So wurde zu den Zeiten unserer Großväter die Gesellschaft durch Wilkes’ Verfolgung heftig aufgeregt. Wir selbst sahen die Nation durch die gegen die Königin Karoline geübte Härte fast bis zum Wahnsinn gereizt. Daher wurde England, selbst wenn von dem Ausgange des Prozesses gegen die Bischöfe keine wichtigen politischen oder religiösen Interessen abgehangen hätten, es wahrscheinlich nicht ohne starke Regungen von Mitleid und Unwillen mit angesehen haben, wie einige Greise von makelloser Tugend von der Rache eines jähzornigen und unerbittlichen Fürsten verfolgt wurden, der ihrer Treue seine Krone verdankte.

Von diesen Gefühlen angetrieben, stellten sich unsere Vorfahren in einer ungeheuren und compacten Masse der Regierung entgegen. Die mächtige Phalanx war aus allen Ständen, allen Parteien, allen protestantischen Seelen gebildet. Im Vordertreffen standen die geistlichen und weltlichen Lords, dann kamen die begüterte Gentry und der Klerus, beide Universitäten, alle Gerichtshöfe, Großhändler, Krämer und Pächter, die Lastträger, die sich in den Straßen der großen Städte plagten, und die Landleute, welche das Feld bebauten. Die Koalition gegen den König umfaßte selbst die Matrosen, die seine Schiffe bemannten, selbst die Schildwachen, die seinen Palast bewachten. Die Namen Whig und Tory waren einen Augenblick vergessen. Der alte Ausschließungsmann reichte dem alten Verabscheuer die Hand; Episcopalen, Presbyterianer, Independenten und Baptisten vergaßen ihre langjährigen Fehden, um nur an ihren gemeinsamen Protestantismus und an ihre gemeinsame Gefahr zu denken; Theologen, die in der Schule Laud’s gebildet waren, sprachen nicht nur von Duldung, sondern sogar von Einigung. Der Erzbischof erließ bald nach seiner Freisprechung einen Hirtenbrief, der eines der merkwürdigsten Schriftstücke jener Zeit ist. Er hatte von Jugend auf mit den Nonconformisten in Streit gelegen und sie mehrmals mit ungerechter und unchristlicher Heftigkeit angegriffen. Sein Hauptwerk war eine häßliche Karrikatur auf die Calvinistische Theologie.[136] Er hatte für den 30. Januar, den Jahrestag der Hinrichtung Karl’s I., und für den 29. Mai, den Jahrestag der Rückkehr Karl’s II., Gebetsformulare abgefaßt, welche so heftige Schmähungen gegen die Puritaner enthielten, daß die Regierung es für nöthig erachtet hatte, dieselben zu mildern. Jetzt aber war sein Herz erweicht und geöffnet. Er ermahnte die Bischöfe und die Geistlichen feierlich und eindringlich, ihren Brüdern, den protestantischen Dissenters, mit zarter Rücksicht zu begegnen, sie oft zu besuchen, sie gastlich zu bewirthen, sich freundlich mit ihnen zu unterhalten und sie womöglich zum Anschluß an die Kirche zu bewegen, sich aber, wenn ihnen dies nicht gelänge, in ihrem Wirken für die segensreiche Sache der Reformation herzlich und liebreich zu verbinden.[137]

Viele fromme Leute dachten in späteren Jahren mit schmerzlicher Sehnsucht an jene Zeit zurück. Sie schilderten dieselbe als den flüchtigen Schimmer eines goldenen Zeitalters zwischen zwei eisernen Zeitaltern. Waren solche Klagen auch natürlich, so waren sie doch nicht begründet. Die Coalition von 1688 war und konnte nur das Erzeugniß einer an Wahnsinn grenzenden Tyrannei und einer alle großen Institutionen des Landes gleichzeitig bedrohenden Gefahr sein. Daß eine solche Coalition seitdem nicht wieder vorgekommen, hat seinen Grund darin, weil noch nie wieder so schlecht und verkehrt regiert worden ist. Man darf nicht vergessen, daß, wenn auch Eintracht an sich besser ist als Zwietracht, doch Zwietracht das Zeichen besserer Zustände sein kann als Eintracht sie andeutet. Unglück und Gefahr zwingen die Menschen oft, sich zu verbinden. Glück und Sicherheit bestimmen sie oft, sich zu trennen.

[Anmerkung 136: Der +Fur Praedestinatus+.]

[Anmerkung 137: Dieser Hirtenbrief findet sich in der ersten der zwölf Sammlungen von Urkunden über die englischen Angelegenheiten, die zu Ende des Jahres 1688 und zu Anfang des Jahres 1689 gedruckt wurden. Er wurde am 26. Juli, nicht ganz einen Monat nach dem Prozesse erlassen. Um die nämliche Zeit äußerte Lloyd von St. Asaph gegen Heinrich Wharton, daß die Bischöfe ein ganz neues Verfahren gegen die protestantischen Dissenters einzuschlagen gedächten: +„Omni modo curaturos, ut ecclesia sordibus et corruptelis penitus exueretur; ut sectariis reformatis reditus in ecclesiae sinum exoptati occasio ac ratio concederetur, si qui sobrii et pii essent; ut pertinacibus interim jugum levaretur, extinctis penitus legibus mulctatoriis.“ -- Excerpta ex Vita H. Wharton.+]

Druck von Philipp Reclam jun. in Leipzig.

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Druckfehler und Unregelmässigkeiten

Rechtschreibungsformen wie »funfzig« : »fünfzig«, »Urtel« : »Urtheil« und »Partein« : »Parteien« sind ungeändert. Die Namen »Russel« und »Russell« sind ebenso ungeändert (auch wenn es um die selbe Person handelt). Einige doppelte Punkte wie

[_Sir Patrick Hume und Sir Johann Cochrane._].

sind leise korrigiert.

VII. Kapitel

[Inhalt] Wycherley, Tindal, Haines [Tintal] Compton. -- Herbert. -- Churchill [Compten] [Anm. VII.1] ... Van Kampen’s ... Sir Jakob Mackintosh [Van Kamper’s, Makintosh] Zeugen seiner Schmerzensausbrüche [Schmerzensausbbrüche] [Anm. VII.5] ... j’ay en soin que M. Woodstoc [_ungeändert: Namen ist »Woodstock«_] [Anm. VII.57] +Burnet I. 726--731+ [I.,] [Anm. VII.63] ... jusqu’à l’actuel payement. [j’usqu’à] Namens Johnstone [Johnestone] die Überreste des Ignatius Loyola [Loyla]

VIII. Kapitel

Heinrich’s VI. und Heinrich’s VIII. gebildet waren [Heinrichs VIII.] „Sie ... sind ... aus der Schrift heimschicken: „Gehet hin ... widerfahre.“ [_anführungsszeichen ungeändert_] vierzig Fellow’s [_’ im Original_] Von Whitehall war keine Antwort gekommen. [Withehall] von Windsor nach Portsmouth [Portsmuth] [Anm. VIII.34] ... Note zu Burnet I. 755 [I, 755] [Anm. VIII.41] ... +Burnet I. 264+ [I, 264] [Anm. VIII.45] ... 2.(12.) Dec. [2.(12. Dec.).] [Anm. VIII.127] ... +Tanner MS.+ [Ms.] durch Wilkes’ Verfolgung [Wilke’s]