Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Vierter Band
Part 20
[_Die Petition der sieben Bischöfe dem Könige überreicht._] Es war spät am Freitag Abend, und am Sonntag Morgen sollte die Erklärung in den Kirchen von London verlesen werden. Die Petition mußte daher dem Könige unverweilt überreicht werden. Die sechs Bischöfe brachen sofort nach Whitehall auf; der Erzbischof, dem schon seit geraumer Zeit der Zutritt bei Hofe untersagt war, begleitete sie nicht. Lloyd ließ seine fünf Collegen im Hause des Lord Dartmouth in der Nähe des Palastes zurück, begab sich zu Sunderland und bat den Minister, die Petition zu lesen und sich zu erkundigen, wann der König geneigt sein werde, sie in Empfang zu nehmen. Sunderland wollte, aus Furcht sich zu compromittiren, die Petition gar nicht ansehen, begab sich aber sogleich ins königliche Kabinet. Jakob befahl, die Bischöfe vorzulassen. Er hatte von seinem Spion Cartwright erfahren, daß sie wohl geneigt wären, dem königlichen Befehle zu gehorchen, aber einige kleine Änderungen in der Form wünschten und eine unterthänige Bitte in diesem Sinne vorlegen wollten. Seine Majestät war daher sehr gut gelaunt. Als die Prälaten vor ihm knieten, bat er sie freundlich, aufzustehen, nahm das Papier, aus Lloyd’s Händen und sagte: „Das ist Mylord Canterbury’s Hand.“ -- „Ja, Sire, seine eigene Hand,“ war die Antwort. Jakob las die Petition, brach sie dann zusammen und sprach, während seine Stirn sich verfinsterte: „Dies ist eine große Überraschung für mich. Ich hätte dies von Ihrer Kirche, insbesondere von einigen unter Ihnen, nicht erwartet. Das heißt die Fahne des Aufruhrs aufpflanzen.“ Die Bischöfe ergossen sich in die wärmsten Versicherungen ihrer Loyalität; der König aber wiederholte seiner Gewohnheit nach die gesprochenen Worte von Anfang bis zu Ende. „Ich sage Ihnen, es ist eine Fahne des Aufruhrs!“ -- „Des Aufruhrs?“ rief Trelawney auf die Knie fallend. „Um des Himmels willen, Sire, sprechen Sie nicht so hart von uns. Ein Trelawney kann nie ein Rebell werden. Erinnern Sie Sich, daß meine Familie für die Krone gekämpft hat, erinnern Sie Sich, wie ich Eurer Majestät gedient habe, als Monmouth im Westen war.“ -- „Wir haben den letzten Aufstand unterdrückt,“ sagte Lake, „und wollen gewiß nicht einen neuen hervorrufen.“ -- „Wir, Rebellen!“ rief Turner; „wir sind bereit, zu den Füßen Eurer Majestät zu sterben.“ -- „Sire,“ hob jetzt Ken in einem männlicheren Tone an, „ich hoffe, Sie werden uns die Gewissensfreiheit zugestehen, die Sie Jedermann gewähren.“ Jakob aber wiederholte abermals: „Das ist Aufruhr! das ist eine Fahne des Aufruhrs! Hat jemals ein guter Diener der Staatskirche das Dispensationsrecht in Frage gestellt? Haben nicht einige von Ihnen zu Gunsten desselben gepredigt und geschrieben? Ich will durchaus, daß meine Erklärung verlesen werde!“ -- „Wir haben zwei Pflichten zu erfüllen,“ erwiederte Ken, „unsre Pflicht gegen Gott und unsre Pflicht gegen Eure Majestät. Wir ehren Sie, aber wir fürchten Gott.“ -- „Habe ich das um Sie verdient?“ versetzte der König mit wachsendem Zorne; „bin ich nicht stets ein Freund Ihrer Kirche gewesen? Ich hätte dies nicht von Ihnen erwartet. Aber ich verlange Gehorsam. Meine Erklärung muß verlesen werden. Sie sind die Trompeter des Aufruhrs. Was wollen Sie hier? Gehen Sie in Ihre Diöcesen und sorgen Sie dafür, daß meinen Befehlen gehorcht wird. Dieses Papier will ich behalten. Sie bekommen es nicht zurück. Ich werde Sie, die Unterzeichner, nicht vergessen.“ -- „Gottes Wille geschehe,“ sagte Ken. -- „Gott hat mir die Dispensationsgewalt verliehen,“ fuhr der König fort, „und ich werde sie zu behaupten wissen. Ich sage Ihnen, es sind noch Siebentausend in Ihrer Kirche, die das Knie nicht vor dem Baal gebeugt haben.“ Die Bischöfe entfernten sich ehrerbietig[91]. Noch den nämlichen Abend erschien die Petition, die sie dem Könige überreicht hatten, Wort für Wort, in Druck und wurde in allen Kaffeehäusern ausgelegt und in den Straßen zum Verkauf ausgeboten. Allenthalben standen die Leute aus den Betten wieder auf und gingen hinunter auf die Straße, um zu sehen, was es gab. Man sagte, daß der Drucker binnen wenigen Stunden durch dieses Pennyblatt tausend Pfund verdient habe. Dies mag übertrieben sein, aber es beweist wenigstens, daß der Absatz ungeheuer war. Wie die Petition in die Öffentlichkeit kam, ist noch heute ein Geheimniß. Sancroft versicherte, daß er jede erdenkliche Vorsicht beobachtet habe und von keinem andren Exemplare wisse, als von dem, welches er selbst geschrieben und das der König aus Lloyd’s Händen entgegengenommen hatte. Die Wahrhaftigkeit des Erzbischofs ist über alle Zweifel erhaben. Nicht unwahrscheinlich aber ist es, daß einige von den anwesenden Geistlichen das kurze Schriftstück ihrem Gedächtniß genau eingeprägt und es zum Druck befördert hatten. Die vorherrschende Meinung war jedoch, daß eine Person aus der nächsten Umgebung des Königs eine Indiscretion oder einen Verrath begangen habe[92]. Kaum weniger Aufsehen machte ein kurzer, mit großer logischer Schärfe und in kräftiger Sprache geschriebener Brief, der im Geheimen gedruckt und an dem nämlichen Tage durch die Post und durch die gewöhnlichen Botenfuhrleute verbreitet wurde. Jedem Geistlichen im ganzen Lande wurde ein Exemplar zugesandt. Der Verfasser versuchte es nicht, die Gefahr zu verhehlen, der sich Diejenigen aussetzten, welche dem königlichen Befehle nicht gehorchten; aber er schilderte mit lebhaften Farben die noch größere Gefahr der Unterwerfung. „Wenn wir die Erklärung verlesen,“ sagte er, „so fallen wir, um uns nicht wieder zu erheben. Und wir werden nicht bedauert, sondern nur verachtet werden; wir fallen unter den Verwünschungen einer Nation, die unsre Willfährigkeit ins Verderben gestürzt hat.“ Einige waren der Meinung, die Schrift sei aus Holland herübergekommen, Andere schrieben sie Sherlock zu. Aber Prideaux, Dechant von Norwich, der bei der Verbreitung besonders thätig war, hielt sie für das Werk Halifax’.
Das Verfahren der Prälaten fand allgemeinen und lebhaften Beifall; aber hier und da ließ sich auch ein Murren vornehmen. Man sagte, daß so ernste Männer, wenn ihr Gewissen ihnen geboten hätte, beim Könige zu remonstriren, dies früher hätten thun sollen. Wäre es recht gegen ihn gehandelt, daß sie ihn bis sechsunddreißig Stunden vor der zur Verlesung der Erklärung festgesetzten Zeit im Dunkeln ließen? Selbst wenn er den Geheimrathsbefehl hätte zurücknehmen wollen, wäre es dazu zu spät gewesen. Aus dem Allen scheine hervorzugehen, daß die Petition nicht den Zweck gehabt habe, den König andren Sinnes zu machen, sondern nur die Unzufriedenheit des Volks zu erregen[93]. Diese Beschwerden waren jedoch völlig grundlos. Der König hatte den Bischöfen einen neuen, unerwarteten und in Verlegenheit setzenden Befehl gegeben. Es war ihre Pflicht, mit einander in Vernehmen zu treten und so weit als möglich die Ansicht des Standes, dessen Oberhäupter sie waren, einzuholen, ehe sie irgend einen Schritt thaten. Die Mitglieder waren im ganzen Lande zerstreut, einige waren eine volle Tagereise von einander entfernt. Jakob hatte ihnen nur vierzehn Tage Zeit gelassen, um sich zu erkundigen, zu berathschlagen und einen Entschluß zu fassen, und er konnte sich gewiß nicht darüber beklagen, daß diese vierzehn Tage zu Ende gingen, bevor er ihren Entschluß erfuhr. Ebenso ist es auch nicht wahr, daß sie ihm nicht Zeit ließen, seinen Befehl zurückzunehmen, wenn er hätte so klug sein wollen, dies zu thun. Er hätte am Samstag Morgen den Geheimen Rath zusammenberufen können und vor dem Abend konnte es in ganz London und dessen Vorstädten bekannt sein, daß er den Bitten der Väter der Kirche nachgegeben. Der Samstag ging jedoch ohne ein Zeichen von Sinnesänderung seitens der Regierung vorüber und der Sonntag kam heran, ein Tag, dessen man sich noch lange erinnerte.
[Anmerkung 91: Sancroft’s Bericht aus Tanner’s Handschriften abgedruckt; Citters, 22. Mai (1. Juni) 1688.]
[Anmerkung 92: +Burnet, I. 741+; +Revolution Politics+; +Higgins’s Short View.+]
[Anmerkung 93: +Clarke’s Life of James the Second, II. 155.+]
[_Die londoner Geistlichkeit gehorcht dem königlichen Befehle nicht._] In der City und den Vorstädten Londons gab es ungefähr hundert Pfarrkirchen. Nur in vier derselben wurde der Geheimrathsbefehl befolgt. In der St. Gregorskirche wurde die Erklärung von einem Geistlichen, Namens Martin, verlesen. Sobald er die ersten Worte sprach, stand die ganze Gemeinde auf und entfernte sich. In der St. Matthäuskirche in Friday Street wurde ein Elender, Namens Timotheus Hall, der seinen Priesterrock geschändet, indem er der Herzogin von Portsmouth bei dem Handel mit Begnadigungen als Zwischenträger gedient und der jetzt Hoffnung auf das erledigte Bisthum Oxford hatte, ebenfalls von seiner Gemeinde in der Kirche allein gelassen. In Serjeant’s Inn, in Chancery Lane, gab der Geistliche vor, er habe vergessen, ein Exemplar der Erklärung mitzubringen, und der Oberrichter der Kings Bench, welcher anwesend war, um darauf zu sehen, daß dem königlichen Befehle gehorcht werde, mußte sich mit dieser Entschuldigung begnügen. Samuel Wesley, der Vater Johann’s und Karl’s Wesley, Pfarrer in London, wählte an diesem Sonntage zum Text seiner Predigt die edle Antwort, welche die drei Juden dem chaldäischen Tyrannen gaben: „So sollst Du nun wissen, o König, daß wir Deine Götter nicht ehren, noch das güldene Bild, das Du hast setzen lassen, anbeten wollen.“ Selbst in der Kapelle des St. Jamespalastes hatte der dienstthuende Geistliche den Muth, dem Befehle nicht zu gehorchen. Die Knaben von Westminster erinnerten sich noch lange dessen, was an jenem Tage in der Abtei vorging. Sprat, Bischof von Rochester, fungirte hier als Dechant. Sobald er die Erklärung zu verlesen begann, übertäubte das Murren und das Geräusch des sich aus der Kirche drängenden Volks seine Stimme. Er zitterte so heftig, daß man das Papier in seiner Hand sich bewegen sah. Lange bevor er geendet hatte, war die Kirche von Allen verlassen, bis auf Diejenigen, die ihre Stellung zum Bleiben nöthigte.[94]
Noch nie war die Kirche der Nation so theuer gewesen, als an jenem Nachmittage. Der Geist der Zwietracht schien erloschen zu sein. Baxter hielt auf der Kanzel eine Lobrede auf die Bischöfe und die Pfarrer. Wenige Stunden später schrieb der holländische Gesandte an die Generalstaaten, daß die anglikanische Geistlichkeit in der Achtung des Publikums unglaublich gestiegen sei. Die Nonconformisten, sagte er, sprächen sich allgemein dahin aus, daß sie lieber unter dem Drucke der Strafgesetze bleiben, als ihre Sache von der der Prälaten trennen wollten.[95]
So verging noch eine Woche ängstlicher Aufregung, und der zweite Sonntag kam heran. Abermals waren die Kirchen der Hauptstadt mit Hunderttausenden gefüllt. Die Erklärung wurde nirgends anderwärts verlesen, als an den wenigen Orten, wo sie vor acht Tagen verlesen worden war. Der Geistliche, der in der Kapelle des St. Jamespalastes gepredigt hatte, war seines Amtes entsetzt worden und es erschien ein servilerer Geistlicher mit dem Papier in der Hand; aber er war so befangen, daß er nicht vernehmlich sprechen konnte. Die Stimmung der ganzen Nation hatte sich in der That so gestaltet, daß nur die besten und hochherzigsten, oder die schlechtesten und characterlosesten Menschen ihr ohne große Angst die Stirn bieten konnten.[96]
[Anmerkung 94: Citters; 22. Mai (1. Juni) 1688; +Burnet+, I. 740 und Lord Dartmouth’s Note; +Southey’s Life of Wesley+.]
[Anmerkung 95: Citters, 22. Mai (1. Juni) 1688.]
[Anmerkung 96: +Ibid.+ 29. Mai (8. Juni) 1688.]
[_Unschlüssigkeit der Regierung._] Selbst der König war einen Augenblick bestürzt über die Heftigkeit des von ihm heraufbeschworenen Sturmes. Was sollte er nun zunächst thun? Er mußte entweder vorwärts oder rückwärts gehen, und ersteres konnte er nicht ohne Gefahr, letzteres nicht ohne Demüthigung. Einmal nahm er sich vor, einen neuen Befehl zu erlassen, durch den er der Geistlichkeit in hochmüthigem und zornigem Tone gebot, seine Erklärung zu verlesen, und jedem Widerspenstigen mit augenblicklicher Amtsentsetzung drohte. Dieser Befehl wurde zu Papier gebracht und in die Druckerei geschickt, dann zurückgeholt, dann zum zweitenmal in die Druckerei geschickt und noch einmal zurückgeholt.[97] Zu einem andren Plane riethen einige von Denen, welche für strenge Maßregeln waren. Sie meinten, die Prälaten, welche die Petition unterzeichnet hatten, könnten ja vor die kirchliche Commission citirt und ihrer Bischofssitze beraubt werden. Gegen dieses Verfahren aber wurden im Staatsrathe energische Einwendungen erhoben. Man habe angekündigt, daß die Kammern noch vor Ende des Jahres einberufen werden sollten und die Lords würden das Absetzungsurtel unzweifelhaft für null und nichtig erklären, auf der Einberufung Sancroft’s und seiner Mitpetenten bestehen und sich weigern, einen neuen Erzbischof von Canterbury oder einen neuen Bischof von Bath und Wells anzuerkennen. So würde die Session, die aller Wahrscheinlichkeit nach im günstigen Falle immer noch sehr stürmisch werden würde, sogleich mit einem erbitterten Streite zwischen der Krone und den Peers beginnen. Wenn daher eine Bestrafung der Bischöfe für nöthig gehalten würde, so müßte dieselbe nach dem bekannten Gange des englischen Rechtsverfahrens über sie verhängt werden. Sunderland hatte sich von Anfang an, soweit er es ohne Gefahr wagen konnte, dem Geheimrathsbefehl widersetzt. Jetzt rieth er zu einem Verfahren, das zwar nicht frei von Nachtheilen, aber doch das klügste und würdigste war, welches der Regierung nach einer Reihe von Fehlgriffen noch offen stand. Der König solle mit Huld und Majestät der Welt ankündigen, daß das ungehorsame Benehmen der anglikanischen Kirche ihn tief verletzt habe, daß er aber die vielen Dienste nicht vergessen könne, die diese Kirche in schweren Prüfungszeiten seinem Vater, seinem Bruder und ihm selbst geleistet; daß er als Freund der Gewissensfreiheit nicht streng gegen Männer verfahren wolle, deren allerdings irregeleitetes und über alle Maßen bedenkliches Gewissen ihnen nicht erlaubt habe, seinen Befehlen zu gehorchen, und daß er daher die Schuldigen der Strafe überlassen werde, die ihre eigne Überzeugung ihnen zuerkennen müsse, wenn sie ihre neuesten Schritte mit den loyalen Grundsätzen verglichen, deren sie sich so laut gerühmt hätten. Nicht allein Powis und Bellasyse, welche stets für gemäßigte Beschlüsse waren, sondern selbst Dover und Arundell neigten sich zu diesem Vorschlage hin. Jeffreys dagegen behauptete, daß die Regierung entehrt sein würde, wenn sie solche Verbrecher, wie die sieben Bischöfe, mit einem bloßen Verweise davon kommen ließe. Er wünschte jedoch nicht, daß sie vor die Hohe Commission, in welcher er als erster oder vielmehr einziger Richter saß, geladen würden, denn die Last des öffentlichen Hasses, die er bereits zu tragen hatte, war selbst für seine schamlose Stirn und sein verknöchertes Herz zu groß, und er erschrak vor der Verantwortlichkeit, die er durch eine gesetzwidrige Verurtheilung der Oberhäupter der Staatskirche und der Lieblinge des Volkes auf sich geladen haben würde.
[Anmerkung 97: +Ibid.+]
[_Es wird eine gerichtliche Verfolgung der Bischöfe wegen Libells beschlossen._] Jeffreys empfahl deshalb einen Criminalprozeß gegen sie anhängig zu machen. In Folge dessen wurde beschlossen, den Erzbischof und die sechs anderen Bittsteller unter der Anklage auf Abfassung eines aufrührerischen Libells vor den Gerichtshof der Kings Bench zu stellen. Daß sie für schuldig befunden werden würden, daran war kaum zu zweifeln, denn die Richter und ihre Unterbeamten waren Werkzeuge des Hofes. Seitdem der Hauptstadt ihr alter Freibrief entzogen worden, war kaum ein Gefangener, den die Regierung bestraft wissen wollte, von einer Jury freigesprochen worden. Die widerspenstigen Prälaten wurden höchst wahrscheinlich zu unerschwinglichen Geldbußen und langer Haft verurtheilt und waren dann froh, wenn sie sich dadurch loskaufen konnten, daß sie in und außer dem Parlament den Absichten des Königs dienten.[98]
Am 27. Mai wurde den Bischöfen angekündigt, daß sie am 8. Juni vor dem Könige im Geheimen Rathe erscheinen sollten. Warum eine so lange Frist gestattet wurde, ist uns nicht bekannt. Vielleicht hoffte Jakob, daß einige der Schuldigen sich aus Furcht vor seiner Ungnade bis zu dem zum Verlesen der Erklärung bestimmten Tage noch fügen und, um sich mit ihm auszusöhnen, die Geistlichen ihrer Diöcesen zum Gehorsam überreden würden. Wenn dies wirklich seine Hoffnung war, so wurde sie vollständig getäuscht. Der 3. Juni kam und alle Theile Englands folgten dem Beispiele der Hauptstadt. Die Bischöfe von Norwich, Gloucester, Salisbury, Winchester und Exeter hatten bereits Abschriften der Petition zum Beweis ihrer Zustimmung unterzeichnet; der Bischof von Worcester hatte sich geweigert, die Erklärung unter seine Geistlichen zu vertheilen; der Bischof von Hereford hatte sie vertheilt, wurde aber, wie allgemein bekannt war, deshalb von Reue und Scham gequält. Von fünfzig Pfarrern fügte sich noch nicht einer dem Geheimrathsbefehl. In der großen Diöcese Chester, welche die Grafschaft Lancaster umfaßt, konnte Cartwright nicht mehr als drei Geistliche zum Gehorsam gegen den König bewegen. Die Diöcese Norwich enthält viele hundert Pfarreien, und nur in vieren davon wurde die Erklärung verlesen. Dem höfischen Bischof von Rochester gelang es nicht, die Gewissensscrupel des Gefängnißpredigers von Chatham, der von der Regierung besoldet wurde, zu heben. Es existirt noch ein rührender Brief, den dieser wackere Geistliche an den Sekretär der Admiralität schrieb. „Ich kann wohl nicht erwarten,“ schrieb er darin, „daß Euer Ehren sich für mich verwenden. Der Wille Gottes geschehe. Ich will lieber leiden, als sündigen“[99].
[Anmerkung 98: Barillon, 24. Mai (3. Juni), 31. Mai (10. Juni) 1688; Citters, 1.(11.) Juli; Adda 25. Mai (4. Juni), 30. Mai (9. Juni), 1.(11.) Juni; +Clarke’s Life of James the Second, II. 158+.]
[Anmerkung 99: +Burnet, I. 740+; +Life of Prideaux+; Citters, 12.(22.), 15.(25.) Juni 1688; +Tanner MS.+; +Life and Correspondence of Pepys+.]
[_Sie werden im Geheimen Rathe verhört._] Am Abend des 8. Juni begaben sich die sieben Prälaten, von den ausgezeichnetsten Rechtsgelehrten Englands gehörig instruirt, in den Palast, wo sie alsbald in das Geheimrathszimmer gerufen wurden. Ihre Petition lag auf dem Tische. Der Kanzler nahm das Papier, zeigte es dem Erzbischofe und sagte: „Ist dies die Schrift, die Euer Gnaden aufgesetzt und welche die hier anwesenden Bischöfe Seiner Majestät überreicht haben?“ Sancroft warf einen Blick auf das Papier und sagte dann zum Könige: „Sire, ich stehe hier als Angeklagter. Ich war dies noch nie und hätte früher nicht geglaubt, daß ich es je einmal werden könnte. Am allerwenigsten aber habe ich daran gedacht, daß mir ein Vergehen gegen meinen König zur Last gelegt werden könnte. Da ich aber das Unglück habe, in diese Lage gekommen zu sein, so wird Eure Majestät es mir nicht übel nehmen, wenn ich von dem mir gesetzlich zustehenden Rechte Gebrauch mache, nichts zu sagen, was mich als schuldig erscheinen lassen könnte.“ -- „Dies ist bloße Chikane,“ erwiederte der König. „Euer Gnaden werden hoffentlich nicht so gewissenlos sein, daß Sie Ihre eigne Hand verleugnen?“ -- „Sire,“ sagte Lloyd, der die Casuistik gründlich studirt hatte, „alle Theologen stimmen darin überein, daß Jemand, der sich in unsrer Lage befindet, die Antwort auf eine solche Frage verweigern darf.“ Der König, der eben so beschränkten Verstandes, als heftigen Temperamentes war, wußte nicht sogleich was der Prälat meinte. Er beharrte jedoch auf seinem Verlangen und gerieth in sichtbaren Zorn. „Sire,“ hob der Erzbischof wieder an, „ich bin nicht verpflichtet, mich selbst anzuklagen. Dessenungeachtet will ich, wenn Eure Majestät es durchaus befiehlt, eine Antwort geben, in dem Vertrauen, daß ein gerechter und edelsinniger Fürst das was ich lediglich aus Gehorsam gegen Höchstdessen Befehl thue, nicht als Rechtsbeweis gegen mich anwenden lassen wird.“ -- „Sie dürfen mit Ihrem Souverain nicht kapituliren,“ sagte der Kanzler. „Nein,“ setzte der König hinzu, „ich werde einen solchen Befehl nicht geben. Wenn Sie es vorziehen, Ihre eigenen Handschriften abzuleugnen, so habe ich Ihnen nichts mehr zu sagen.“
Die Bischöfe wurden zu wiederholten Malen ins Vorzimmer hinausgeschickt und eben so oft wieder hereingerufen. Endlich gab ihnen Jakob den bestimmten Befehl, auf die Frage zu antworten. Er verpflichtete sich allerdings nicht ausdrücklich dazu, daß ihr Geständniß nicht gegen sie angewendet werden sollte; aber nach dem was vorausgegangen war, mußten sie natürlich annehmen, daß diese Zusage selbstverständlich mit in dem Befehle enthalten sei. Sancroft erkannte seine Handschrift an, und seine Collegen folgten seinem Beispiele. Hierauf wurden sie über den Sinn einiger in der Petition vorkommenden Worte und über den Brief befragt, der im ganzen Lande verbreitet worden war und so großes Aufsehen gemacht hatte; aber ihre Antworten waren so vorsichtig, daß durch das Verhör nichts gewonnen wurde. Der Kanzler sagte ihnen nun, daß eine Criminaluntersuchung bei der Kings Bench gegen sie eingeleitet werden würde und forderte sie auf, sich wegen ihres Erscheinens jeder für seine eigne Person zu verpflichten. Dies lehnten sie aber ab. Sie seien Peers des Reiches, sagten sie, die besten Rechtsgelehrten von Westminster Hall hätten ihnen gesagt, daß keinem Peer in einer Untersuchung wegen Libells persönliche Bürgschaft angesonnen werden könne, und sie hielten sich nicht für berechtigt, auf eines ihrer Standesvorrechte zu verzichten. Der König war einfältig genug, es als eine persönliche Beleidigung gegen sich zu betrachten, daß die Bischöfe in einer Rechtsfrage sich durch juristischen Rath leiten ließen. „Sie glauben ja auch jedem Andren eher als mir,“ sagte er. Er fühlte sich ernstlich gedemüthigt und beunruhigt, denn er war so weit gegangen, daß ihm, wenn sie auf ihrem Vorsatze beharrten, nichts Andres übrig blieb, als sie in’s Gefängniß zu schicken, und wenn er auch keineswegs _alle_ Folgen eines solchen Schrittes voraussah, so sah er doch so viel davon voraus, daß ihm bange wurde. Sie blieben fest. Es wurde daher wirklich ein Befehl ausgefertigt, welcher den Gouverneur des Tower anwies, sie in sicherem Gewahrsam zu halten und eine Barke brachte sie den Fluß hinunter nach dem Staatsgefängnisse.[100]