Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Zehnter Band: enthaltend Kapitel 19 und 20.

Part 9

Chapter 93,177 wordsPublic domain

Die Majorität war aus gemäßigten Whigs und gemäßigten Tories zusammengesetzt. Zwanzig von der Minorität protestirten, und unter ihnen befanden sich die heftigsten und intolerantesten Mitglieder beider Parteien, wie Warrington, der mit genauer Noth dem Blocke entgangen war, weil er gegen Jakob conspirirt hatte, und Aylesbury, der später mit genauer Noth dem Blocke entging, weil er gegen Wilhelm conspirirte. Marlborough, der seit seiner Haft in der Opposition gegen die Regierung am weitesten gegangen war, setzte nicht nur seinen eigenen Namen unter den Protest, sondern bewog auch den Prinzen von Dänemark zur Unterzeichnung des Dokuments, welches zu begreifen Seine Königliche Hoheit durchaus unfähig war.[93]

Es ist ein bemerkenswerther Umstand, daß weder Caermarthen, an Macht sowohl wie an Talenten der erste der toryistischen Minister, noch Shrewsbury, der ausgezeichnetste von denjenigen Whigs, welche damals mit dem Hofe auf schlechtem Fuße standen, bei dieser wichtigen Gelegenheit anwesend waren. Ihre Abwesenheit war aller Wahrscheinlichkeit nach eine absichtliche, denn beide befanden sich nicht lange vor und nicht lange nach der Abstimmung im Hause.

[_Die Dreijährigkeitsbill._] Einige Tage darauf legte Shrewsbury eine Bill zur Beschränkung der Dauer der Parlamente auf den Tisch der Lords. Diese Bill bestimmte, daß das zur Zeit tagende Parlament am 1. Januar 1694 zu existiren aufhören und daß kein zukünftiges Parlament länger als drei Jahre dauern solle.

Unter den Lords scheint fast vollkommene Einhelligkeit über diesen Gegenstand geherrscht zu haben. Wilhelm bemühte sich vergebens, diejenigen Peers, in die er das meiste Vertrauen setzte, zur Unterstützung seiner Prärogative zu bewegen. Einige von ihnen hielten die beantragte Aenderung für heilsam; Andere hofften, die Stimmung des Volks durch eine liberale Concession zu beschwichtigen, und noch Andere hatten bei Bekämpfung der Stellenbill eine solche Sprache geführt, daß sie sich ohne grobe Inconsequenz der Dreijährigkeitsbill nicht widersetzen konnten. Auch hegte das ganze Haus einen Groll gegen das andre Haus und machte sich ein Vergnügen daraus, es in ein höchst unangenehmes Dilemma zu versetzen. Burnet, Pembroke und selbst Caermarthen, der sehr selten auf Seiten des Volks gegen den Thron stand, unterstützten Shrewsbury. »Mylord,« sagte der König mit bitterem Unmuth zu Caermarthen, »Sie werden es erleben, daß Sie den Antheil bereuen, den Sie an dieser Angelegenheit gehabt haben.«[94] Die Warnung wurde nicht beachtet, und nachdem die Bill leicht und rasch bei den Lords durchgegangen war, wurde sie mit großer Feierlichkeit von zwei Richtern den Gemeinen überreicht.

Ueber das was bei den Gemeinen vorging haben wir nur sehr dürftige Berichte; aber aus diesen Berichten geht klar hervor, daß die Whigs als Gesammtheit die Bill unterstützten und daß die Opposition hauptsächlich von Tories ausging. Der alte Titus, der zu den Zeiten der Republik ein Politiker gewesen, unterhielt das Haus mit einer Rede in dem Style, welcher damals an der Tagesordnung war. Die Parlamente, sagte er, glichen dem Manna, das Gott dem auserwählten Volke spende. Sie seien vortrefflich, so lange sie frisch seien, aber wenn sie zu lange aufbewahrt würden, verdürben sie und ekelhafte Würmer würden durch die Verderbniß dessen erzeugt, was lieblicher denn Honig gewesen sei. Littleton und andere Whighäupter sprachen in gleichem Sinne. Seymour, Finch und Tredenham, alle Drei starre Tories, donnerten gegen die Bill, und selbst Sir Johann Lowther war in diesem Punkte andrer Meinung als sein Freund und Gönner Caermarthen. Mehrere toryistische Redner appellirten an ein Gefühl, das im Hause stark vertreten war und das seit der Revolution die Annahme vieler Gesetze verhindert hatte. Alles was von den Peers ausgeht, sagten sie, muß mit Mißtrauen aufgenommen werden, und die vorliegende Bill ist von der Art, daß, selbst wenn sie an sich gut wäre, sie schon deshalb verworfen werden müßte, weil sie uns von ihnen überreicht worden ist. Wenn Ihre Lordschaften uns die vernünftigste aller Geldbills schickten, würden wir sie nicht zur Thür hinauswerfen? Und doch würde die Zusendung einer Geldbill kaum eine gröbere Beleidigung für uns sein als die Zusendung einer Bill wie diese. Sie haben eine Initiative ergriffen, die nach allen Regeln parlamentarischer Artigkeit uns hätte überlassen werden müssen. Sie haben über uns zu Gericht gesessen, uns schuldig befunden, uns zur Auflösung verurtheilt und den 1. Januar zur Vollstreckung des Urtheils bestimmt. Sollen wir uns geduldig einem so erniedrigenden Urtheile unterwerfen, einem Urtheile, das obendrein von Männern gefällt worden ist, die sich nicht so benommen haben, daß sie irgend ein Recht erworben haben könnten, Andere zu tadeln? Haben sie jemals ihr Interesse oder ihr Ansehen dem Gemeinwohle zum Opfer gebracht? Sind nicht vortreffliche Bills deshalb gescheitert, weil wir nicht die Aufnahme von Klauseln zugeben wollten, die dem Adel neue Vorrechte verliehen? Und schlagen Ihre Lordschaften jetzt, wo sie sich gern populär machen möchten, etwa vor, diese Popularität durch Verzichten auf das kleinste ihrer bedrückenden Privilegien zu erkaufen? Nein, sie bieten dem Lande etwas was ihnen nichts kostet, was aber uns und der Krone theuer zu stehen kommen wird. Unter solchen Umständen ist es unsre Pflicht, die uns zugefügte Beleidigung zurückzuweisen und dadurch die rechtmäßige Prärogative des Königs zu vertheidigen.

Derartige Themata waren allerdings ganz geeignet, die Leidenschaften des Hauses der Gemeinen zu entflammen. Die Aussicht auf eine Auflösung konnte einem Mitgliede, dessen Wahl voraussichtlich bestritten werden würde, nicht angenehm sein. Er mußte alle Erbärmlichkeiten des Stimmenwerbens durchmachen, mußte Schaaren von Freisassen und Wählern die Hand schütteln, mußte sich nach ihren Frauen und Kindern erkundigen, mußte Transportmittel für auswärtige Wähler miethen, mußte Bierhäuser öffnen, mußte für Berge von Rindfleisch sorgen, mußte Ale in Strömen fließen lassen, und sah vielleicht nach all' der Plackerei und all' dem Geldaufwande, nachdem er in Spottschriften geschmäht, hin und her gestoßen und mit allem Möglichen beworfen worden war, seinen Namen am äußersten Ende der Stimmliste, seine Gegner gewählt und sich selbst, halb zu Grunde gerichtet, in Dunkelheit zurückfallen. All' dieses Ungemach über sich zu bringen, wurde er jetzt aufgefordert, und von Männern aufgefordert, deren Sitze in der gesetzgebenden Versammlung permanent waren, die weder Ansehen noch Ruhe, weder Macht noch Geld opferten, sondern sich das Lob des Patriotismus dadurch erwarben, daß sie ihn zwangen, eine hohe Stellung aufzugeben, sich einer erschöpfenden Arbeit und Angst zu unterziehen, seine Kornfelder zu verpfänden und seine Forsten niederzuschlagen. Es herrschte natürlich eine große Gereiztheit, wahrscheinlich eine größere Gereiztheit als sie aus den Abstimmungen zu Tage tritt. Denn die Wahlkörper freuten sich im Allgemeinen über die Bill, und viele Mitglieder, denen sie mißfiel, scheuten sich doch ihr zu opponiren. Das Haus gab dem Drängen der öffentlichen Meinung nach, aber nicht ohne innere Pein und ohne Seelenkampf. Die Discussionen im Ausschusse müssen sehr heftig gewesen sein. Es fielen so scharfe Worte zwischen Seymour und einem whiggistischen Mitgliede, daß es nöthig wurde, den Sprecher auf seinen Stuhl zu rufen und das Scepter auf den Tisch zu legen, um die Ordnung wiederherzustellen. Eine Abänderung wurde vorgenommen. Die Frist, welche die Lords dem bestehenden Parlamente bewilligt hatten, wurde vom ersten Januar bis zu Mariä Verkündigung verlängert, damit vollkommen Zeit genug zur Veranstaltung einer neuen Session blieb. Die dritte Lesung wurde mit zweihundert gegen hunderteinundsechzig Stimmen angenommen. Die Lords genehmigten die Bill in ihrer veränderten Form und es fehlte nichts mehr als die königliche Zustimmung. Ob diese Zustimmung erfolgen würde oder nicht, war eine Frage, die bis zum letzten Tage der Session unentschieden blieb.[95]

Eine auffallende Inconsequenz in dem Verfahren der Reformers dieser Generation verdient erwähnt zu werden. Es kam keinem von Denen, welche eifrig für die Dreijährigkeitsbill eingenommen waren, in den Sinn, daß jedes Argument, das zu Gunsten dieser Bill angeführt werden konnte, ein Argument gegen die Regeln war, die man in früheren Zeiten zu dem Zwecke aufgestellt hatte, um die parlamentarischen Berathungen und Abstimmungen streng geheim zu halten. Es ist ganz natürlich, daß eine Regierung, welche der Gesellschaft politische Privilegien vorenthält, ihr auch die Kenntniß der Politik vorenthält. Aber es kann nichts Unvernünftigeres geben als Macht zu bewilligen und nicht auch das Verständniß derselben, ohne welche die größte Gefahr vorhanden ist, daß diese Macht gemißbraucht wird. Was konnte widersinniger sein als Wahlkörper häufig zusammenzuberufen, damit sie entscheiden könnten, ob ihr Repräsentant seine Pflicht gegen sie gethan, und ihnen doch streng zu verbieten, aus glaubwürdiger Quelle zu erfahren, was er gesprochen und wie er gestimmt hatte? Die Absurdität scheint indessen völlig unangefochten durchgegangen zu sein. Es ist sehr wahrscheinlich, daß unter den zweihundert Mitgliedern des Hauses der Gemeinen, welche für die dritte Lesung der Dreijährigkeitsbill stimmten, nicht Einer war, der sich einen Augenblick besonnen haben würde, Jeden nach Newgate zu schicken, der es gewagt hätte, einen Bericht von den Debatten über diese Bill oder eine Liste der Jas und Neins zu veröffentlichen. Dies kam daher, weil die Geheimhaltung der Parlamentsdebatten, eine Geheimhaltung, die jetzt als ein unerträglicheres Uebel betrachtet werden würde als das Schiffsgeld oder die Sternkammer, damals selbst in den rechtschaffensten und intelligentesten Geistern mit dem Begriffe der constitutionellen Freiheit unzertrennlich verbunden war. Einige noch lebende alte Leute konnten sich der Zeit erinnern, wo ein Gentleman, von dem man in Whitehall wußte, daß er ein scharfes Wort gegen einen Günstling des Hofes hatte fallen lassen, vor den Geheimen Rath gefordert und in den Tower geschickt worden wäre. Diese Zeiten waren für immer vorüber. Es war nicht die mindeste Gefahr mehr, daß der König die Mitglieder der Legislatur tyrannisiren werde; aber es war große Gefahr vorhanden, daß die Legislatur das Volk tyrannisiren werde. Gleichwohl übten die Worte Privilegium des Parlaments, diese Worte, welche die ernsten Senatoren der vorhergehenden Generation gemurmelt hatten, als ein Tyrann ihre Kammer mit seinen Garden füllte, diese Worte, welche hunderttausend Londoner ihm in die Ohren brüllten, als er sich zum letzten Male in ihre Stadt wagte, noch immer einen magischen Einfluß auf alle Freunde der Freiheit aus. Es dauerte lange, ehe selbst die aufgeklärtesten Männer zu der Einsicht kamen, daß die Vorsichtsmaßregeln, welche ursprünglich zu dem Zwecke angewendet worden waren, die Patrioten gegen das Mißfallen des Hofes zu schützen, gegenwärtig nur noch dazu dienten, Schmarotzer gegen das Mißfallen der Nation zu schützen.

[_Die ersten Parlamentsdebatten über die Freiheit der Presse._] Es muß ferner auch bemerkt werden, daß Einige von Denen, welche damals das dringendste Verlangen zeigten, die politische Macht des Volks zu vermehren, schon geneigt waren, die Presse von der Aufsicht der Regierung zu befreien. Die Censuracte, welche im Jahre 1685 als etwas Selbstverständliches angenommen worden war, erlosch 1693 und wurde erneuert, jedoch nicht ohne eine Opposition, die im Verhältniß zur Wichtigkeit des Gegenstandes zwar schwach war, aber doch bewies, daß das Volk dunkel zu ahnen begann, wie innig die bürgerliche Freiheit und die Gewissensfreiheit mit der Redefreiheit verwachsen sind.

Kein früherer Schriftsteller hat es der Mühe werth gehalten, auf die Geschichte der Censuracte einige Mühe und Sorgfalt zu verwenden. Man wird jedoch gewiß zugeben, daß die Ereignisse, welche die Einführung der Preßfreiheit in England und in allen von dem englischen Volksstamme bewohnten Ländern zur Folge gehabt haben, ebensoviel Interesse für die jetzige Generation haben als irgend eine der Schlachten und Belagerungen, deren Verlauf bis in die geringsten Details sorgfältig aufgezeichnet worden ist.

Während der ersten drei Jahre von Wilhelm's Regierung scheint sich kaum eine Stimme gegen die Beschränkungen erhoben zu haben, die das Gesetz der Literatur auflegte. Diese Beschränkungen standen in vollkommenem Einklange mit der Regierungstheorie, welcher die Tories huldigten, und hatten in ihrer praktischen Ausübung für die Whigs nichts Erbitterndes. Roger Lestrange, der unter den letzten beiden Königen des Hauses Stuart Censor gewesen war und der in dieser Eigenschaft ebensowenig Milde gegen die Exclusionisten und Presbyterianer gezeigt hatte, wie in seiner andren Eigenschaft als Redacteur des »Observator«, wurde zur Zeit der Revolution seines Amtes entsetzt und erhielt einen schottischen Gentleman zum Nachfolger, der wegen seiner Leidenschaft für seltene Bücher und seiner Gewohnheit, sich bei allen Bücherversteigerungen einzufinden, in den Läden und Kaffeehäusern in der Nähe der St. Paulskirche unter dem Namen Katalog-Fraser bekannt war. Fraser war ein eifriger Whig, und die whiggistischen Schriftsteller und Verleger priesen ihn als einen höchst unparteiischen und humanen Mann. Aber das Verfahren, welches ihren Beifall hatte, zog ihm das Mißfallen der Tories zu und gefiel auch seinem amtlichen Vorgesetzten Nottingham nicht recht.[96] Es scheint jedoch bis zum Jahre 1692 kein ernstes Zerwürfniß entstanden zu sein. In diesem Jahre aber schrieb ein wackerer alter Geistlicher, Namens Walker, der zu den Zeiten der Republik Gauden's Curat gewesen, ein Buch, das jeden verständigen und leidenschaftslosen Leser überzeugte, daß Gauden und nicht Karl I. der Verfasser des +Ikon Basilike+ war. Diesem Buche gab Fraser die Druckerlaubniß. Hätte er die Veröffentlichung eines Werkes autorisirt, in welchem das Evangelium St. Johannes oder der Brief an die Römer als unecht dargestellt waren, so hätte die Entrüstung der Hochkirchenpartei kaum größer sein können. Das war keine literarische, sondern eine Religionsfrage. Hier war Zweifel Gottlosigkeit. Das +Ikon+ war in der That für viele glühende Royalisten ein Supplement zur Offenbarung. Einer von ihnen war sogar so weit gegangen, daß er vorgeschlagen hatte, es möchten in den Kirchen Kapitel aus dem unschätzbaren Büchlein vorgelesen werden.[97] Fraser hielt es für nöthig, sein Amt niederzulegen, und Nottingham ernannte einen Gentleman von guter Herkunft und geringem Vermögen, Namens Edmund Bohun. Dieser Personenwechsel führte einen plötzlichen und vollständigen Wechsel des Systems mit sich, denn Bohun war ein so eifriger Tory, als ein gewissenhafter Mann, der die Eide geleistet hatte, es nur immer sein konnte. Er hatte sich als Verfolger der Nonconformisten und als Verfechter des passiven Gehorsams bemerkbar gemacht, hatte Filmer's alberne Abhandlung über den Ursprung des Staatswesens herausgegeben und hatte eine Antwort auf die Schrift veröffentlicht, die Algernon Sidney auf Tower Hill den Sheriffs übergeben. Auch gab Bohun nicht zu, daß er, indem er Wilhelm und Marien Treue geschworen, etwas mit seinem bisherigen politischen Glauben Unverträgliches gethan habe; denn es war ihm gelungen, sich zu überzeugen, daß sie kraft des Eroberungsrechts regierten und daß es Pflicht eines Engländers sei, ihnen eben so treu zu dienen, wie Daniel dem Darius oder Nehemia dem Ataxerxes gedient hatte. Welche Beruhigung diese Doctrin auch seinem eigenen Gewissen verschaffen mochte, sie fand vor den Augen aller Parteien wenig Gnade. Die Whigs verabscheuten sie als servil, die Jakobiten verabscheuten sie als revolutionär. Eine große Anzahl Tories hatten sich allerdings deshalb Wilhelm unterworfen, weil er, gleichviel ob mit Recht oder mit Unrecht, factisch regierender König war; aber sehr wenige von ihnen waren geneigt zuzugeben, daß sein Besitz des Thrones aus einer Eroberung entsprungen sei. Der Beweisgrund, der den schwachen und beschränkten Verstand Bohun's befriedigt hatte, war in der That eine bloße Fiction, und wäre er eine Wahrheit gewesen, so würde er eine solche Wahrheit gewesen sein, die kein Engländer ohne die tiefste Beschämung und Kränkung hätte aussprechen können.[98] Er hielt jedoch an seiner Lieblingslaune mit einer Zähigkeit fest, welche den allgemeinen Unwillen noch vermehrte. Seine ehemaligen Freunde, die starren Anhänger des unveräußerlichen erblichen Rechts, wurden kalt und zurückhaltend. Er bat Sancroft um seinen Segen und erhielt nur ein scharfes Wort und einen finstren Blick. Er bat Ken um seinen Segen, und Ken, der die Regeln der christlichen Liebe und Artigkeit sonst nicht zu verletzen pflegte, murmelte etwas von einem kleinen Scribenten. So von einer Partei verstoßen, wurde Bohun von keiner andren aufgenommen. Er bildete gewissermaßen eine besondere Klasse, denn er war zugleich ein eifriger Filmerit und ein eifriger Wilhelmit. Er war der Meinung, daß die durch kein Gesetz und durch keinen Vertrag beschränkte Monarchie die von Gott angeordnete Regierungsform sei. Aber er betrachtete Wilhelm nicht als den absoluten Monarchen, der die große Charte annulliren, die Geschwornengerichte abschaffen und durch königliche Proklamationen Steuern auflegen könnte, ohne den Anspruch auf unbedingten Gehorsam seitens der Christen zu verlieren. Im Uebrigen war Bohun ein Mann von geringer wissenschaftlicher Bildung, beschränktem Verstande und unangenehmen Manieren. Er hatte sein Amt kaum angetreten, so gerieth ganz Paternoster Row und Little Britain in Gährung. Die Whigs hatten unter Fraser's Amtsführung fast eben so viel Freiheit genossen, als wenn es gar keine Censur gegeben hätte. Jetzt aber wurden sie eben so streng behandelt wie zu der Zeit Lestrange's. Es sollte eine Geschichte der Blutigen Assisen erscheinen, von der man eben so großen Absatz erwartete als ihn Bunyan's Pilgerreise gefunden. Aber der neue Censor verweigerte sein Imprimatur. Das Buch, sagte er, stelle Rebellen und Schismatiker als Helden und Märtyrer dar und er werde die Druckerlaubniß nicht geben, wenn man es ihm auch mit Gold aufwöge. Eine von Lord Warrington der großen Jury von Cheshire eingereichte Klageschrift durfte nicht erscheinen, weil Se. Lordschaft geringschätzend vom göttlichen Recht und passiven Gehorsam gesprochen hatte. Julian Johnson sah, daß wenn er seine Ansichten vom Staatswesen veröffentlichen wollte, er wieder wie in den schlimmen Zeiten König Jakob's zu einer geheimen Presse seine Zuflucht nehmen müsse.[99] Eine solche Beschränkung nach mehreren Jahren unbegrenzter Freiheit erweckte natürlich heftige Erbitterung. Einige Whigs begannen zu denken, daß die Censur an sich ein Uebel sei; alle Whigs aber erklärten einstimmig den neuen Censor für seinen Posten ungeeignet und waren bereit, sich zu einem Versuche ihn los zu werden, zu verbinden.

Ueber die Vorgänge, welche mit Bohun's Entlassung endigten und welche den ersten parlamentarischen Kampf für die Freiheit der Presse hervorriefen haben wir Berichte von Bohun selbst und von Anderen; aber man hat starken Grund zu glauben, daß sich in keinem dieser Berichte die ganze Wahrheit ausgesprochen findet. Es dürfte nicht unmöglich sein, selbst nach so langer Zeit zerstreute Fragmente von Zeugnissen so zusammenzustellen, daß sie eine authentische Erzählung bilden, die den unglücklichen Censor selbst in Erstaunen gesetzt haben würde.

Es gab damals in der Stadt einen Mann von guter Familie, einiger Belesenheit und unbedeutendem literarischen Talent, Namens Karl Blount.[100] In der Politik gehörte er zur äußersten Fraction der Whigpartei. In den Tagen der Exclusionsbill war er einer von Shaftesbury's heißblütigen Burschen gewesen und hatte unter dem Namen Julius Brutus die Tugenden und Verdienste des Titus Oates gepriesen und die Protestanten aufgefordert, für den Brand von London und für die Ermordung Godfrey's blutige Rache an den Papisten zu nehmen.[101] Bezüglich der theologischen Fragen, welche damals zwischen den Protestanten und Papisten schwebten, war Blount vollkommen unparteiisch. Er war ein Ungläubiger und das Oberhaupt einer kleinen Schule von Ungläubigen, die von einer krankhaften Sucht gequält wurden, Convertiten zu machen. Er übersetzte nach der lateinischen Uebersetzung einen Theil der Biographie des Apollonius von Tyana, und fügte Anmerkungen hinzu, deren leichtfertige Profanität den strengen Tadel eines Ungläubigen ganz andrer Art, des berühmten Bayle, hervorrief.[102] Außerdem griff Blount das Christenthum in mehreren Originalabhandlungen oder eigentlich in mehreren sich für Originale ausgebenden Abhandlungen an, denn er war der frechste aller literarischen Diebe und schrieb ohne Anführung der Quelle ganze Seiten von Schriftstellern ab, die ihm vorausgegangen waren. Es war ihm ein Hochgenuß, die Priester mit der Frage zu quälen, woher das Licht gekommen sei, ehe die Sonne geschaffen war, wie das Paradies vom Pison Gihon, Hidekel und Phrath begrenzt sein konnte, wie die Schlangen sich bewegten, ehe sie dazu verurtheilt wurden, zu kriechen, und woher Eva den Zwirn nahm, um ihre Feigenblätter zusammenzuheften. Seinen Grübeleien über diese Dinge gab er den hochtrabenden Titel »Orakel der Vernunft,« und seine Schüler betrachteten auch wirklich Alles was er schrieb oder that als Orakel. Der bekannteste von diesen Schülern war ein schlechter Schriftsteller, Namens Gildon, der noch die nächstfolgende Generation mit erbärmlichen Versen und Verleumdungen plagte und dessen Andenken nicht durch seine eigenen voluminösen Werke, sondern durch einige Zeilen, in denen Pope seine Dummheit und Feilheit mit Verachtung erwähnt, der Nachwelt aufbewahrt worden ist.[103]