Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Zehnter Band: enthaltend Kapitel 19 und 20.

Part 25

Chapter 253,202 wordsPublic domain

Der unglückliche General wurde auf sein Lager gebettet und in seiner Kajüte ein Kriegsrath gehalten. Er war dafür, direct in den Hafen von Brest einzufahren um die Stadt zu bombardiren. Dieser Vorschlag aber, der nur zu deutlich verrieth, daß seine Urtheilskraft unter der Aufregung eines verwundeten Körpers und eines verwundeten Gemüths gelitten hatte, wurde von den Flottenoffizieren wohlweislich verworfen. Das Geschwader kehrte nach Portsmouth zurück. Dort starb Talmash, noch mit seinem letzten Athemzuge versichernd, daß er durch Verrätherei in eine Schlinge gelockt worden sei. Der Schmerz und Unwille des Volks äußerte sich laut. Die Nation erinnerte sich der Dienste des unglücklichen Generals, verzieh ihm seine Uebereilung, bedauerte seine Leiden und fluchte dem unbekannten Verräther, dessen Machinationen ihm zum Verderben gereicht hatten. Es circulirten allerhand Muthmaßungen und Gerüchte. Einige durch Nationalvorurtheil verblendete starre Engländer schworen, daß keiner unserer Pläne je dem Feinde verborgen bleiben würde, so lange französische Refugiés hohe Militärcommandos bekleideten. Einige durch Parteigeist verblendete eifrige Whigs murmelten, daß es dem Hofe von Saint-Germain nie an guter Kundschaft fehlen würde, so lange ein einziger Tory im Cabinetsrath sei. Der wirklich Schuldige wurde nicht genannt und erst als die Archive des Hauses Stuart untersucht wurden, erfuhr die Welt, daß Talmash durch die schändlichste aller hundert Schändlichkeiten Marlborough's umgekommen war.[115]

Und doch war Marlborough niemals weniger ein Jakobit gewesen als in dem Augenblicke wo er dem Jakobitismus diesen abscheulichen und schmachvollen Dienst leistete. Man darf mit Gewißheit behaupten, daß es nicht seine Absicht war, der verbannten Familie zu dienen, und daß es nur seine sekundäre Absicht war, sich bei der verbannten Familie beliebt zu machen. Sein Hauptzweck war, sich in den Dienst der bestehenden Regierung einzudrängen und wieder in den Besitz der wichtigen und einträglichen Stellen zu gelangen, die ihm vor mehr als zwei Jahren entzogen worden waren. Er wußte, daß das Land und das Parlament es nicht geduldig ertragen würden, die Armee von ausländischen Generälen commandirt zu sehen. Nur zwei Engländer hatten sich für hohe militärische Posten brauchbar erwiesen: er selbst und Talmash. Wenn Talmash geschlagen und entlassen wurde, blieb Wilhelm fast keine Wahl mehr. In der That, sobald es bekannt wurde, daß die Expedition mißlungen und daß Talmash nicht mehr war, äußerte sich laut das allgemeine Verlangen, daß der König den ausgezeichneten Heerführer, der bei Walcourt, bei Cork und bei Kinsale so Großes geleistet habe, wieder zu Gnaden annehmen solle. Auch können wir die Menge wegen dieses Verlangens nicht tadeln, denn Jedermann wußte, daß er ein vorzüglich tapferer, geschickter und glücklicher Offizier war; aber nur sehr Wenige wußten, daß, während er Wilhelm's Truppen befehligte, während er in Wilhelm's Staatsrath saß und während er Wilhelm's Kammerherr war, er ein ungemein arglistiges und gefährliches Complot schmiedete, um Wilhelm's Thron umzustürzen, und noch Wenigere vermutheten in ihm den Urheber des neuerlichen Unglücks, des Gemetzels in der Camaretbai und des traurigen Schicksals Talmash's. So hatte die schändlichste aller Verräthereien die Folge, daß der Verräther in der öffentlichen Achtung stieg. Er unterließ denn auch nicht, den günstigen Augenblick sich zu Nutze zu machen. Während die Börse wegen des durch ihn herbeigeführten Unglücks in Bestürzung war, während zahlreiche Familien um die tapferen Männer, deren Mörder er war, Trauer anlegten, begab er sich nach Whitehall und betheuerte dort mit all' der Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit, unter denen ein verdorrtes Gewissen und ein reueloses Herz vor den Blicken oberflächlicher Beobachter verborgen waren, daß er der treueste und loyalste Unterthan Wilhelm's und Mariens sei, und sprach die Hoffnung aus, daß es ihm unter den gegenwärtigen dringenden Umständen vergönnt sein werde, Ihren Majestäten seinen Degen anzubieten. Shrewsbury wünschte sehr, daß das Anerbieten angenommen werden möchte, aber eine kurze und trockene Antwort von Wilhelm, der sich damals in den Niederlanden befand, machte für den Augenblick jeder Unterhandlung ein Ende. Ueber Talmash sprach sich der König mit hochherziger Rührung aus. »Das Schicksal des armen Freundes,« schrieb er, »hat mich tief ergriffen. Ich kann zwar nicht sagen, daß er den richtigen Weg eingeschlagen hat; aber sein heißer Drang sich auszuzeichnen, bewog ihn, Unmögliches zu versuchen.«[116]

Die nach Portsmouth zurückgekehrte Flotte segelte bald wieder nach der Küste Frankreich's ab, aber vollbrachte nur Thaten, welche schlimmer als unrühmlich waren. Es wurde ein Versuch gemacht, den Hafendamm von Dünkirchen in die Luft zu sprengen. Einige von friedlichen Kaufleuten und Fischern bewohnte Städte wurden bombardirt. In Dieppe blieb fast kein einziges Haus stehen, ein Drittel von Havre wurde in Asche gelegt, und nach Calais wurden Bomben geworfen, welche dreißig Privatwohnungen zerstörten. Die Franzosen und Jakobiten schrien laut über die Feigheit und Barbarei, gegen eine wehrlose Bevölkerung Krieg zu führen. Die englische Regierung vertheidigte sich, indem sie die Welt an die Leiden der dreimal verwüsteten Pfalz erinnerte, und Ludwig und seinen Schmeichlern gegenüber war diese Rechtfertigung vollkommen genügend. Ob es sich aber mit der Humanität und mit einer gesunden Politik vereinbaren ließ, die Verbrechen, die ein unumschränkter Fürst und eine wilde Soldateska in der Pfalz verübt hatten, Krämern und Arbeitern, Frauen und Kindern entgelten zu lassen, die gar nicht wußten, daß es eine Pfalz gab, dürfte wohl zu bezweifeln sein.

[_Operationen im Mittelländischen Meere._] Inzwischen leistete Russell's Flotte der gemeinsamen Sache gute Dienste. Widrige Winde hatten seine Einfahrt durch die Meerenge so lange verzögert, daß er erst Mitte Juli Carthagena erreichte. Indessen hatten die Fortschritte der französischen Waffen selbst bis in das Eskurial Schrecken verbreitet. Noailles hatte an den Ufern des Tar eine Armee unter den Befehlen des Vicekönigs von Catalonien geschlagen, und an dem Tage, an welchem dieser Sieg erfochten wurde, hatte sich das Brester Geschwader in der Rosasbai mit dem Touloner Geschwader vereinigt. Palamos, gleichzeitig zu Lande und zur See angegriffen, wurde mit Sturm genommen. Gerona kapitulirte nach schwachem Widerstande. Ostalric ergab sich auf die erste Aufforderung. Barcelona würde aller Wahrscheinlichkeit nach auch gefallen sein, hätten die französischen Admiräle nicht erfahren, daß der Sieger von La Hogue sich nähere. Sie verließen sogleich die Küste von Catalonien und hielten sich nicht eher für sicher, als bis sie unter dem Schutze der Batterien von Toulon waren.

Die spanische Regierung sprach ihren warmen Dank für diesen rechtzeitigen Beistand aus und machte dem englischen Admiral einen Juwel zum Geschenk, dessen Werth allgemein auf zwanzigtausend Pfund Sterling geschätzt wurde. Es hielt nicht schwer, einen solchen Juwel unter der Masse kostbarer Kleinodien zu finden, welche Karl V. und Philipp II. einem entarteten Geschlecht hinterlassen hatten. In Allem, was den wahren Reichthum eines Staates bildet, war jedoch Spanien sehr arm. Seine Schatzkammer war leer, seine Arsenale waren nicht gefüllt, seine Schiffe waren so verfallen, daß sie bei dem Abfeuern ihrer eigenen Geschütze aus den Fugen zu gehen drohten. Seine zerlumpten und verhungerten Soldaten mischten sich oft unter den Bettlerschwarm an den Thüren der Klöster und schlugen sich da um eine Suppe und eine Brotrinde. Russell erfuhr die Prüfungen, denen kein englischer Befehlshaber entgangen ist, den sein Unstern dazu verurtheilte, in Verbindung mit Spanien zu operiren. Der Vicekönig von Catalonien versprach Viel, that Nichts und erwartete Alles. Er erklärte, daß dreihundertfunfzigtausend Rationen zur Vertheilung an die vor Carthagena liegende Flotte bereit seien. Es ergab sich jedoch, daß alle Magazine dieses Hafens nicht soviel Lebensmittel enthielten, um eine einzige Fregatte auf eine einzige Woche zu verproviantiren. Gleichwohl glaubte Se. Excellenz das Recht zu haben, sich darüber zu beschweren, daß England außer der Flotte nicht auch eine Armee geschickt habe, und daß der ketzerische Admiral es nicht für gut fand, die Flotte durch Angreifen der Franzosen unter den Kanonen von Toulon der gänzlichen Vernichtung auszusetzen. Russell beschwor die spanischen Behörden, die Thätigkeit auf ihren Schiffswerften zu beschleunigen und Alles aufzubieten, um für nächstes Frühjahr ein kleines Geschwader zu stellen, das wenigstens seetüchtig sei; aber er konnte sie nicht dazu bewegen, ein einziges Schiff auszubessern. Nur mit Mühe und unter harten Bedingungen erlangte er die Erlaubniß, einige seiner Kranken in die Marinehospitäler an der Küste zu schicken. Doch trotz aller Verlegenheiten, die ihm die Bornirtheit und Undankbarkeit einer Regierung bereitete, welche ihren Alliirten jederzeit mehr Schaden zugefügt hat als ihren Feinden, machte er seine Sache gut. Es ist nicht mehr als recht und billig, wenn man sagt, daß von dem Augenblicke an, wo er erster Lord der Admiralität wurde, eine entschiedene Besserung in der Marineverwaltung eintrat. Obgleich er mit seiner Flotte viele Monate lang in der Nähe einer ungastlichen Küste und in weiter Entfernung von England lag, kamen keine Klagen über die Qualität oder Quantität der Lebensmittel vor. Die Mannschaften hatten bessere Speisen und Getränke, als sie je zuvor gehabt; Bequemlichkeiten, welche Spanien nicht darbot, wurden vom Hause herbeigeschafft, und dennoch war der Kostenaufwand nicht größer als zu Torrington's Zeiten, wo der Matrose mit verfaultem Zwieback und mit verdorbenem Biere vergiftet wurde.

Da fast die ganze französische Seemacht im Mittelländischen Meere war und da zu erwarten stand, daß in folgendem Jahre ein Versuch auf Barcelona gemacht werden würde, so erhielt Russell den Befehl, in Cadix zu überwintern. Im October segelte er nach diesem Hafen ab und hier betrieb er die Ausbesserung seiner Schiffe mit einer Thätigkeit, die den spanischen Beamten, welche die elenden Ueberreste der einst größten Flotte der Welt ruhig vor ihren Augen verfaulen ließen, unbegreiflich war.[117]

[_Krieg zu Lande._] Längs der östlichen Grenze Frankreich's schien der Krieg dieses Jahr lässig betrieben zu werden. In Piemont und am Rhein waren die wichtigsten Ereignisse des Feldzugs kleine Scharmützel und räuberische Einfälle. Ludwig blieb in Versailles und schickte seinen Sohn, den Dauphin, in die Niederlande, um ihn dort zu repräsentiren; aber der Dauphin stand unter der Vormundschaft Luxemburg's und er erwies sich als ein sehr folgsames Mündel. Mehrere Monate lang beobachteten die feindlichen Heere einander nur. Die Verbündeten versuchten einen kühnen Angriff in der Absicht, den Krieg auf französisches Gebiet zu übertragen; Luxemburg aber vereitelte den Plan durch einen Eilmarsch, der die Bewunderung aller Kriegskundigen erregte. Dagegen gelang es Wilhelm, Huy zu nehmen, damals eine Festung dritten Ranges. Keine Schlacht ward geliefert, keinige wichtige Stadt ward belagert, aber die Verbündeten waren mit dem Feldzuge zufrieden. Die vier letztverflossenen Jahre waren jedes durch eine große Niederlage bezeichnet worden. Im Jahre 1690 war Waldeck bei Fleurus geschlagen worden. Im Jahre 1691 war Mons gefallen. Im Jahre 1692 war Namur vor den Augen der Alliirten genommen worden und auf dieses Unglück war bald die Niederlage bei Steenkerke gefolgt. Im Jahre 1693 war die Schlacht bei Landen verloren worden und Charleroy hatte sich dem Sieger unterworfen. Endlich im Jahre 1694 hatte sich das Blatt zu wenden begonnen. Die französischen Armeen hatten keine weiteren Fortschritte gemacht. Die Verbündeten hatten zwar nicht viel gewonnen; aber den durch eine lange Reihe von Unfällen Entmuthigten war auch der kleinste Gewinn willkommen.

In England war man allgemein der Ansicht, daß trotz der Niederlage in der Camaretbai der Krieg im Ganzen einen befriedigenden Verlauf nehme. Aber einige Zweige der inneren Verwaltung erregten während dieses Herbstes viel Unzufriedenheit.

[_Klagen über Trenchard's Verwaltung._] Seit Trenchard's Ernennung zum Staatssekretär hatten die jakobitischen Agitatoren ihre Lage viel unerquicklicher gefunden als vorher. Sidney war viel zu nachsichtig und viel zu vergnügungssüchtig gewesen, als daß er ihnen viel Grund zu Besorgniß hätte geben sollen. Nottingham war ein fleißiger und geschickter Minister, aber er war ein so entschiedener Hochtory wie ein treuer Unterthan Wilhelm's und Marien's es nur sein konnte; er liebte und achtete viele von den Eidverweigerern, und wenn er sich auch zwang, da streng zu sein wo nur Strenge den Staat retten konnte, so beobachtete er doch nicht zu ängstlich die Vergehen seiner ehemaligen Freunde; ebensowenig ermuthigte er die Angeber, mit Anzeigen von Verschwörungen nach Whitehall zu kommen. Trenchard aber war nicht nur ein thätiger Minister, sondern auch ein eifriger Whig. Selbst wenn er für seine Person zur Milde geneigt gewesen wäre, würde er durch seine Umgebungen zur Strenge getrieben worden sein. Er hatte beständig Hugo Speke und Aaron Smith zur Seite, zwei Männer, denen eine Jagd auf einen Jakobiten das reizendste aller Sportvergnügen war. Die Unzufriedenen sagten, Nottingham habe seine Bluthunde an der Leine gehalten, Trenchard aber habe sie losgelassen. Jeder rechtschaffene Gentleman, der die Kirche liebe und die Holländer hasse, schwebe in Lebensgefahr. Es sei ein beständiges Gewühl im Bureau des Sekretärs, ein fortwährendes Ab- und Zuströmen von ankommenden Denuncianten und mit Verhaftsbefehlen abgehenden Boten. Es wurde ferner gesagt, die Verhaftsbefehle seien oft regelwidrig abgefaßt, weder die Person noch das Verbrechen sei darin genau bezeichnet und doch würden unter der Autorität solcher Instrumente Privatwohnungen betreten, Pulte und Zimmer durchsucht, werthvolle Papiere weggenommen und Männer von guter Herkunft und Erziehung ins Gefängniß mitten unter gemeine Verbrecher geworfen.[118]

Der Minister und seine Agenten antworteten darauf, daß Westminster Hall offen stehe, daß, wenn Jemand unrechtmäßigerweise verhaftet worden sei, er nur seine Beschwerde einzureichen brauche; daß die Juries gerade bereit genug seien, Jeden anzuhören, der von grausamen und gewaltthätigen Machthabern tyrannisirt worden zu sein behaupte, und daß, da keiner der Gefangenen, deren angeblich erlittene Unbilden so ergreifend geschildert würden, es gewagt habe, zu diesem naheliegenden und einfachen Mittel, Genugthuung zu erlangen, gegriffen habe, man füglich annehmen dürfe, daß nichts geschehen sei, was sich nicht rechtfertigen lasse. Das Geschrei der Unzufriedenen machte jedoch einen bedeutenden Eindruck auf das Volk, und endlich zog ein Vorfall, bei welchem Trenchard mehr unglücklich als strafbar war, ihm und seiner Regierung viel zeitweilige Vorwürfe zu.

[_Die gerichtlichen Verfolgungen in Lancashire._] Unter den Angebern, die sein Bureau belagerten, befand sich ein irischer Abenteurer, der schon mehr als einen Namen geführt und sich zu mehr als einem Glauben bekannt hatte. Gegenwärtig nannte er sich Taaffe. Er war Priester der römisch-katholischen Kirche und Sekretär des päpstlichen Nuntius Adda gewesen, war aber nach der Revolution Protestant geworden, hatte geheirathet und sich durch seine Thätigkeit bei Entdeckung des heimlichen Eigenthums derjenigen Jesuiten und Benedictiner ausgezeichnet, die sich unter der vorigen Regierung in London aufhielten. Die Minister verachteten ihn, aber sie benutzten ihn. Sie glaubten, daß er durch seine Apostasie und durch den Antheil, den er an der Beraubung der geistlichen Orden genommen, sich jeden Rückzug abgeschnitten habe und daß er dem König Wilhelm treu sein müsse, da er vom König Jakob nichts als den Strang zu erwarten habe.[119]

Dieser Mann machte die Bekanntschaft eines jakobitischen Agenten, Namens Lunt, der seit der Revolution zu wiederholten Malen unter der mißvergnügten Gentry von Cheshire und Lancashire gebraucht worden und der in die Insurrectionspläne eingeweiht gewesen war, welche durch die Schlacht am Boyne 1690 und durch die Schlacht von La Hogue 1692 vereitelt wurden. Lunt war einmal als des Hochverraths verdächtig eingezogen, aus Mangel an juristischem Beweise für seine Schuld aber von der Anklage entbunden werden. Er war ein bloßer Söldling und wurde von Taaffe mit leichter Mühe bewogen, zum Angeber zu werden. Das Paar ging zu Trenchard. Lunt erzählte seine Geschichte, nannte die Namen einiger Squires von Cheshire und Lancashire, denen er Ernennungspatente von Saint-Germains überbracht haben wollte, und die einiger anderen, von denen er zu wissen vorgab, daß sie im Geheimen Waffen und Munition aufhäuften. Sein einfacher Eid würde nicht genügt haben, um einer Hochverrathsanklage Halt zu geben; aber er stellte einen andren Zeugen, dessen Aussagen die Anklage zu ergänzen schienen. Die Erzählung klang wahrscheinlich und hatte Zusammenhang, und wenn sie auch durch eigene Erfindungen ausgeschmückt sein mochte, so kann es doch kaum einem Zweifel unterliegen, daß sie in der Hauptsache richtig war.[120] Es wurden Agenten und Haussuchungsbefehle nach Lancashire geschickt. Aaron Smith ging selbst hin und Taaffe begleitete ihn. Einige der zahlreichen Verräther, welche Wilhelm's Brot aßen, hatten jedoch bereits das Alarmzeichen gegeben; ein Theil der Angeschuldigten war geflohen, und Andere hatten ihre Säbel und Flinten vergraben und ihre Papiere verbrannt. Indessen machte man doch Entdeckungen, welche Lunt's Aussagen bestätigten. Hinter dem Wandgetäfel des alten Schlosses einer römisch-katholischen Familie wurde ein von Jakob unterzeichnetes Patent gefunden. Ein andres Haus, dessen Besitzer sich aus dem Staube gemacht hatte, wurde trotz der feierlichen Versicherungen seiner Gattin und seiner Dienerschaft, daß keine Waffen darin verborgen seien, genau durchsucht. Während die Dame, mit der Hand auf dem Herzen, auf ihre Ehre betheuerte, daß ihr Gatte fälschlich angeklagt sei, bemerkten die Boten, daß die hintere Wand des Kamins nicht gut befestigt zu sein schien. Die Bekleidung wurde losgerissen und ein Haufen Klingen, wie sie bei der Reiterei in Gebrauch waren, fiel heraus. In einer der Bodenkammern fand man sorgfältig eingemauert, dreißig Pferdesättel, eben so viele Brustharnische und sechzig Cavalleriesäbel. Trenchard und Aaron Smith hielten die aufgefundenen Schuldbeweise für genügend und es wurde beschlossen daß diejenigen Angeklagten, welche ergriffen worden waren, durch eine Specialcommission in Untersuchung gezogen werden sollten.[121]

Taaffe erwartete nun mit Bestimmtheit, daß er für seine Dienste belohnt werden würde; aber er fand einen kalten Empfang im Schatzamte. Er war hauptsächlich deshalb nach Lancashire gegangen, weil er hoffte, dort unter dem Schutze einer Durchsuchungsvollmacht Geschmeide und Goldstücke aus geheimen Fächern entwenden zu können. Seine Fingerfertigkeit war aber den Blicken seiner Begleiter nicht ganz verborgen geblieben. Sie waren dahinter gekommen, daß er sich die Abendmahlsgeschirre der papistischen Familien, deren Privatschätze er hatte durchstöbern helfen, zugeeignet hatte. Als er daher um eine Belohnung bat, wurde er nicht nur mit einer abschlägigen Antwort, sondern mit einem strengen Verweise abgefertigt. Er entfernte sich rasend vor Geldgier und Aerger. Es gab noch einen Weg, auf dem er sowohl Geld als Rache erlangen konnte, und diesen Weg schlug er ein. Er machte den Freunden der Angeklagten Anerbietungen. Er, und er allein könne das was er gethan habe wieder rückgängig machen, könne die Angeklagten vom Galgen retten, könne die Ankläger mit Schande bedecken, könne den Staatssekretär und den Staatsprokurator, welche der Schrecken aller Freunde König Jakob's seien, aus dem Amte vertreiben. So widerwärtig Taaffe den Jakobiten auch war, sein Anerbieten war nicht zu verachten. Er erhielt eine Summe Geldes, die Zusicherung einer anständigen Leibrente, wenn das Geschäft abgethan sein würde, und er wurde in die Provinz geschickt und bis zum Tage der Gerichtsverhandlungen in strenger Abgeschiedenheit gehalten.[122]

Unterdessen wurden uncensirte Flugschriften, in denen das Complot von Lancashire mit Oates' Complot, mit Dangerfield's Complot, mit Fuller's Complot, mit Young's Complot, mit Whitney's Complot in eine Kategorie gestellt war, durch das ganze Land, und ganz besonders in der Grafschaft, welche die Jury zu liefern hatte, verbreitet. Das ausführlichste, geschickteste und heftigste von diesen Pamphlets, betitelt: +A Letter to Secretary Trenchard+, wurde allgemein Ferguson zugeschrieben. Es ist auch nicht unwahrscheinlich, daß Ferguson einen Theil des Materials geliefert und das Manuscript zum Druck befördert hat. Viele Stellen aber sind in einer so gewandten und kräftigen Sprache geschrieben, wie sie ihm sicherlich nicht zu Gebote stand. Diejenigen, welche nach innerem Beweise urtheilen, werden vielleicht in einigen Theilen dieser bedeutsamen Schrift, das letzte Aufblitzen des boshaften Genie's Montgomery's zu erkennen glauben. Wenige Wochen nach seinem Erscheinen sank der »Brief« ungeehrt und unbedauert ins Grab.[123]

Es gab damals außer der London Gazette keine gedruckten Zeitungen. Seit der Revolution aber war der Neuigkeitsbrief ein wichtigeres politisches Werkzeug geworden als er vorher gewesen. Die Neuigkeitsbriefe eines Schriftstellers Namens Dyar circulirten weit und breit im Manuscript. Er gerirte sich als einen Tory und Hochkirchlichen und galt deshalb bei den fuchsjagenden Gutsherren im ganzen Königreich für ein Orakel. Er hatte schon zweimal im Gefängniß gesessen, aber seine Einnahmen hatten seine Leiden mehr als aufgewogen und er beharrte noch immer darin, seine Mittheilungen nach dem Geschmacke der Landgentlemen zu würzen. Jetzt zog er das Complot von Lancashire ins Lächerliche, erklärte, daß die aufgefundenen Gewehre alte Vogelflinten, daß die Sättel bloß für Jagdpferde bestimmt und daß die Säbel verrostete Reliquien von Edge Hill und Marston Moore gewesen seien.[124]