Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Zehnter Band: enthaltend Kapitel 19 und 20.

Part 13

Chapter 133,003 wordsPublic domain

[118] In dem Artikel über Blount in der +Biographia Britannica+ wird ihm lobend eine Hauptrolle bei der Emancipation der Presse zugeschrieben. Aber der Verfasser war bezüglich der Facta sehr unvollkommen unterrichtet. Es ist auffällig, daß die Umstände von Blount's Tode so ungewiß sind. Daß er an einer sich selbst beigebrachten Wunde starb, und daß er lange siechte, sind unbestrittene Thatsachen. Die allgemein verbreitete Meinung war, daß er sich habe erschießen wollen, und Narcissus Luttrell machte damals in seinem Tagebuche eine dahin lautende Notiz. Pope dagegen, der die beste Gelegenheit hatte, sich genau zu unterrichten, behauptet, »daß Blount, der in eine nahe Verwandte von ihm verliebt gewesen, aber verschmäht worden war, sich einen Stich in den Arm beibrachte, mit dem Vorsatze sich das Leben zu nehmen, an dessen Folgen er wirklich starb.« -- +Note on the Epilogue to the Satires, Dialogue I.+ Warburton, der erst mit den Helden der Dunciade und dann mit den ausgezeichnetsten Gelehrten seiner Zeit Umgang gehabt hatte, mußte die Wahrheit wohl kennen, und er bestätigt durch sein Stillschweigen Pope's Versicherung. Gildon's Rhapsodie über den Tod seines Freundes paßt auf jede der beiden Geschichten.

[119] Die gegen Coningsby erhobenen Beschuldigungen findet man in den Protokollen der beiden Häuser des englischen Parlaments. Diese Beschuldigungen wurden nach Verlauf eines Vierteljahrhunderts von Prior, den Coningsby mit großer Rücksichtslosigkeit und Härte behandelt hatte, in Verse gebracht. Ich will einige Strophen anführen. Man wird sehen, daß der Dichter sich herabließ, den Styl der Straßenballaden nachzuahmen:

»Dem Nero, dem Tyrannen, der In nun vergangner Zeit Regiert' in Irland weit umher Sei dieses Lied geweiht.

* * * * *

Dem unvergleichbar'n Peer gebricht, -- Sucht im Archive nur -- Es auch an Klagartikeln nicht, Leicht findet Ihr die Spur.«

Hierauf wird die Geschichte von Gafney erzählt. Coningsby's Spekulationen werden folgendermaßen geschildert:

»Gar große Massen Güter sackt Er in die Taschen ein; Des Königs Gut wird angepackt Und Alles nennt er sein.

Verwirktes Gut auch zieht er ein, Grundeigenthum und Geld; Wo jenes ist, muß dies auch sein, Der Cerberus Alles hält.«

Die letzte Beschuldigung hat die den Katholiken gewährten Begünstigungen zum Gegenstande:

»Papisten hat er allezeit, Ganz unverhohl'n gepflegt, Trotzdem sie raubten weit und breit, Beschützt sie und gehegt.

Der Protestant, durch Nero's Schuld Geplündert und beraubt, Er mußte schweigen in Geduld Wie Hiob schwieg und glaubt'.

Denn schnöde schlug er diesem ab Rechtsbeistand und Gericht, Und schützte nur mit mildem Stab Den röm'schen Bösewicht.«

[120] +An Account of the Sessions of Parliament in Ireland, 1692, London, 1693.+

[121] Die Poyningsacte ist 10 H. 7. C. 4. Sie war durch eine andere Acte, 3 und 4 P. und M., C. 4 erläutert.

[122] Die Geschichte dieser Session habe ich den Protokollen der irischen Lords und Gemeinen, den den englischen Lords und Gemeinen von Mitgliedern des irischen Parlaments vorgelegten schriftlichen Erzählungen und einer Flugschrift, betitelt: +A Short Account of the Sessions of Parliament in Ireland, 1692, London 1693,+ entnommen. Burnet scheint mir (+II+. 118) eine richtige Ansicht von dem Streite gehabt zu haben. »Die Engländer in Irland glaubten die Regierung begünstige die Irländer zu sehr; Einige meinten, es sei dies eine Folge von Bestechungen, Andere hielten es für nothwendig, sich gegen Verfolgungen der Engländer zu sichern, welche sie haßten und heftig gegen sie erbittert waren... Auch wurde sehr über schlechte Verwaltung geklagt, namentlich in Bezug auf die Staatseinkünfte, auf die Besoldung der Armee und auf die Unterschlagung von Vorräthen.«

[123] Ueber Swift's Abkunft und Jugendjahre sehe man die von ihm selbst geschriebenen Anekdoten.

[124] +Journal to Stella, Letter LIII.+

[125] Siehe Swift's Brief an Temple vom 6. Oct. 1694.

[126] +Journal to Stella, Letter XIX.+

[127] +Swift's Anecdotes.+

[128] London Gazette vom 27. März 1693.

[129] Siehe Seite 58 im II. Kapitel. -- D. Uebers.

[130] Burnet +II+. 108 und Sprecher Onslow's Note; +Sprat's True Account of the Horrid Conspiracy; Letter to Trenchard. 1694.+

[131] Burnet +II+. 107.

[132] Diese Gerüchte werden in Narcissus Luttrell's Tagebuche mehr als ein Mal erwähnt.

[133] London Gazette vom 27. März 1693; +Narcissus Luttrell's Diary.+

[134] Burnet +II+. 123; +Carstairs Papers.+

[135] +Register of the Actings or Proceedings of the General Assembly of the Church of Scotland, held at Edinburgh, Jan. 15. 1692, collected and extracted from the Records by the Clerk there of.+ Dieser interessante Bericht wurde 1852 zum ersten Male gedruckt.

[136] +Act. Parl. Scot. June 12. 1693.+

[137] +Act. Parl. Scot. June 15. 1693.+

[138] Dem Herausgeber der +Carstairs Papers+ war augenscheinlich, gleichviel aus welchem Grunde, sehr darum zu thun, diese notorische und in die Augen springende Wahrheit zu entstellen. Er hat deshalb einigen Briefen Johnstone's Inhaltsangaben vorausgeschickt, welche unaufmerksame Leser täuschen können. So schrieb zum Beispiel Johnstone an Carstairs unterm 18. April, als man noch nicht wußte, daß die Session eine ruhige sein werde: »Man bietet alles Mögliche auf und wird auch ferner alles Mögliche aufbieten, um die Dinge zu verwirren.« Des Herausgebers Inhaltsangabe von diesem Briefe lautet folgendermaßen: »Kunstgriffe, welche angewendet werden, um die auf Glencoe bezüglichen Angelegenheiten zu verwirren.« Ferner beklagte sich Johnstone in einem einige Wochen später geschriebenen Briefe, daß die Liberalität und Willfährigkeit der Stände nicht gebührend gewürdigt worden sei. »Es soll nichts geschehen,« sagt er, »um dem Parlamente Genugthuung zu verschaffen, ich meine was es als eine Genugthuung betrachtet haben würde.« Der Herausgeber giebt den Inhalt dieses Briefes wie folgt an: »Klagen, daß das Parlament nicht durch eine Untersuchung über das Gemetzel von Glencoe zufriedengestellt wird.«

Stereotypie und Druck von Philipp Reclam jun. in Leipzig.

Zwanzigstes Kapitel.

Wilhelm und Marie.

Inhalt.

Seite Zustand des Hofes von Saint-Germains 5 Gesinnung der Jakobiten. Die Vergleicher 8 Die Nichtvergleicher 8 Ministerwechsel in Saint-Germains. Middleton 10 Jakob erläßt eine neue Erklärung 12 Eindruck der neuen Erklärung 14 Rüstungen der Franzosen für den Feldzug 16 Gründung des St. Ludwigsordens 16 Middleton's Bericht über Versailles 16 Wilhelm's Rüstungen für den Feldzug 18 Ludwig rückt in's Feld 18 Ludwig kehrt nach Versailles zurück 19 Manövers Luxemburg's 20 Schlacht bei Landen 21 Vernichtung der Smyrna-Flotte 26 Aufregung in London 28 Jakobitische Libelle; Wilhelm Anderton 29 Schriften und Kunstgriffe der Jakobiten 32 Verhalten Caermarthen's 34 Der Ostindischen Compagnie eine neue Concession verliehen 35 Wilhelm's Rückkehr nach England; militärische Erfolge Frankreich's 36 Noth in Frankreich 37 Ein Ministerium nothwendig für die parlamentarische Regierungsform 40 Allmälige Bildung des ersten Ministeriums 42 Sunderland 43 Sunderland räth dem Könige den Whigs den Vorzug zu geben 46 Gründe für die Bevorzugung der Whigs 47 Häupter der Whigpartei; Russell 48 Somers 49 Montague 51 Wharton 54 Häupter der Torypartei 57 Harley 58 Foley 61 Howe 61 Zusammentritt des Parlaments 62 Debatten über die Unfälle zur See 62 Russell erster Lord der Admiralität 64 Nottingham's Rücktritt 64 Shrewsbury will kein Amt annehmen 64 Debatten über den Handel mit Indien 65 Bill zur Regulirung des Prozeßverfahrens in Hochverrathsfällen 68 Die Dreijährigkeitsbill 68 Die Stellenbill 70 Bill zur Naturalisirung ausländischer Protestanten 73 Geldbewilligung 75 Wege und Mittel; Lotterieanlehen 75 Die Bank von England 77 Prorogation des Parlaments; ministerielle Arrangements 86 Shrewsbury Staatssekretär 86 Verleihung neuer Titel 87 Kriegsplan der Franzosen 88 Kriegsplan England's 88 Expedition gegen Brest 89 Operationen im Mittelländischen Meere 92 Krieg zu Lande 94 Klagen über Trenchard's Verwaltung 94 Die gerichtlichen Verfolgungen in Lancashire 95 Zusammentritt des Parlaments 98 Tillotson's Tod 99 Tenison, Erzbischof von Canterbury 100 Debatten über die gerichtlichen Verfolgungen in Lancashire 100 Die Stellenbill 101 Die Bill zur Regulirung des Verfahrens in Hochverrathsfällen 102 Die Dreijährigkeitsbill angenommen 102 Tod Mariens 102 Mariens Leichenbegängniß 105 Gründung des Greenwich-Hospitals 106

[_Zustand des Hofes von Saint-Germains._] Es ist jetzt Zeit die Vorgänge zu erzählen, die seit der Schlacht von La Hogue in Saint-Germains stattgefunden hatten.

Jakob war, nachdem er die Flotte, die ihn in sein Königreich zurückbringen sollte, bis zum Wasserspiegel hatte niederbrennen sehen, nicht in der besten Laune in seine Residenz bei Paris zurückgekehrt. Das Unglück machte ihn gewöhnlich nach seiner Weise fromm, und er darbte und kasteiete sich jetzt dergestalt, daß seine Seelsorger genöthigt waren sich ins Mittel zu legen.[1]

Man kann sich schwer einen traurigeren Ort denken als Saint-Germains zu der Zeit war, als er sein Hoflager dort hielt, und doch gab es in ganz Europa fast keine beneidenswerthere Residenz als die, welche der hochherzige Ludwig der Familie angewiesen hatte, die ihn um Beistand angefleht. Sie hatte prächtige Wälder, eine reine gesunde Luft und weite liebliche Fernsichten, keine Annehmlichkeit des Landlebens fehlte und die Thürme der prächtigsten Stadt des Continents zeigten sich in der Ferne. Die königlichen Gemächer waren mit Tapeten und Schnitzwerk, mit silbernen Vasen und Spiegeln in Goldrahmen glänzend ausgeschmückt. Alljährlich erhielt Jakob aus dem französischen Staatsschatze eine Pension von über vierzigtausend Pfund. Außerdem hatte er eine aus den schönsten Soldaten Europa's bestehende Ehrenwache. Wenn er sich mit der Jagd unterhalten wollte, stand ihm eine viel glänzendere Einrichtung zu Gebote, als er sie selbst besessen, da er noch an der Spitze eines großen Reiches stand, ein Heer von Jägern und Falkonieren, eine reiche Sammlung von Flinten, Speeren, Histhörnern und Zelten, meilenlange Netze, Parforcehunde, Fuchshunde, Windhunde, Koppeln für Eber und Wölfe, Geierfalken für den Reiher und Hagerfalken für die wilde Ente. Sein Empfangszimmer und sein Vorzimmer waren eben so prächtig eingerichtet, als er es in Whitehall gewohnt gewesen war; auch hier war er von blauen Bändern und weißen Stäben umgeben. Doch über dem Schlosse und der ganzen Domäne lagerte eine beständige Trauer, zum Theil die Folge schmerzlichen Sehnens und vereitelter Hoffnungen, besonders aber des jämmerlichen Aberglaubens, der seinen Geist vollständig eingenommen hatte und den auch fast alle Diejenigen erheuchelten, die nach seiner Gunst strebten. Sein Palast hatte das Aussehen eines Klosters. Es befanden sich drei zu Andachtsübungen bestimmte Räume innerhalb des großen Gebäudes, und dreißig bis vierzig Geistliche wohnten darin, deren Gemächer von den Noblemen und Gentlemen, welche das Loos ihres Souverains getheilt hatten und denen es hart dünkte, daß sie, während so viel Platz unter seinem Dache war, in den Mansarden der benachbarten Stadt schlafen mußten, mit neidischen Blicken betrachtet wurden. Zu den Murrenden gehörte auch der glänzende Anton Hamilton. Er hat uns eine Skizze des Lebens in Saint-Germains hinterlassen, zwar eine nur flüchtige Skizze, aber des Künstlers nicht unwürdig, dem wir das vollendetste und lebensvollste Gemälde des englischen Hofes aus den Tagen seiner heitersten Blüthe verdanken. Er sagt, daß das Leben eine ununterbrochene Kette religiöser Uebungen gewesen sei, daß man, um in Frieden zu existiren, den halben Tag habe beten oder sich doch betend stellen müssen; daß, wenn er einmal versucht habe, seine Melancholie zu verscheuchen, indem er auf der prächtigen Terrasse, die auf das Thal der Seine hinabsieht, ein wenig frische Luft schöpfte, er durch die Stimme eines Jesuiten vertrieben worden sei, der einige protestantische Loyale ins Gebet genommen, um ihnen zu beweisen, daß kein Ketzer in den Himmel kommen könne. In der Regel, sagt Hamilton, haben Leute, auf denen ein gemeinsames Mißgeschick lastet, starke gegenseitige Sympathien und sind geneigt, einander Gefälligkeiten zu erzeigen. In Saint-Germains war dem nicht so. Dort war Alles Zwietracht, Eifersucht und Bitterkeit. Böswilligkeit verbarg sich unter dem äußeren Scheine der Freundschaft und Frömmigkeit. Alle die Frommen des königlichen Hauses beteten für einander und verleumdeten einander vom frühen Morgen bis in die späte Nacht. Hier und da bemerkte man unter dem Schwarme der Heuchler wohl auch einen Mann, der zu edeldenkend war, um sich verstellen zu können. Aber ein solcher Mann konnte darauf rechnen, von den Bewohnern jenes unheimlichen Aufenthaltsortes mit Geringschätzung behandelt zu werden, mochte er auch anderwärts noch so vortheilhaft bekannt sein.[2]

So sah es nach der Schilderung eines Katholiken am Hofe Jakob's aus. War der Aufenthalt an diesem Hofe schon für einen Katholiken unangenehm, so war er für einen Protestanten noch viel unangenehmer. Denn der Protestant hatte außer all' den Widerwärtigkeiten, über welche der Katholik klagte, eine Menge Kränkungen zu ertragen, von denen der Katholik frei war. Bei jeder Concurrenz zwischen einem Protestanten und einem Katholiken wurde der Katholik vorgezogen. Bei jedem Streite zwischen einem Protestanten und einem Katholiken wurde angenommen, daß der Katholik Recht habe. Während der ehrgeizige Protestant vergebens auf Beförderung wartete, während der vergnügungssüchtige Protestant sich vergebens nach Unterhaltung umsah, sah sich der ernste Protestant vergebens nach geistlichen Belehrungen und Tröstungen um. Jakob würde gewiß den Mitgliedern der englischen Kirche, die um seinetwillen Alles aufgeopfert hatten, leicht haben die Erlaubniß auswirken können, sich in aller Stille in einem bescheidenen Betzimmer zu versammeln und das Brot und den Wein des heiligen Abendmahls aus den Händen eines ihrer Geistlichen zu empfangen; aber er wollte seine Residenz durch solche gottlose Andachtsübungen nicht schänden lassen. Doctor Dennis Grandville, der lieber die reichste Dechanei, das reichste Archidiaconat und eine der reichsten Pfründen in England aufgegeben, als daß er die Eide geleistet hatte, erregte großes Aergerniß durch das Ansuchen, den Verbannten seiner Glaubensrichtung Gebete vorlesen zu dürfen. Sein Gesuch wurde abgeschlagen, und er wurde von den Kaplanen seines Gebieters und deren Anhängern so gröblich insultirt, daß er gezwungen war, Saint-Germains zu verlassen. Damit kein zweiter anglikanischer Doctor in ähnlicher Weise lästig fiele, schrieb Jakob seinen Agenten in England, er wünsche nicht, daß noch ein protestantischer Theolog zu ihm herüberkomme.[3] Der überwiegende Klerus wurde sogar in seinem Palaste noch ärger verhöhnt und geschmäht, als in dem seines Neffen. Wenn irgend Jemand Anspruch darauf hatte, in Saint-Germains mit Achtung genannt zu werden, so war es gewiß Sancroft. Es hieß jedoch, daß die dort versammelten Bigotten nur mit Widerwillen und Abscheu von ihm sprächen. Das Opfer der höchsten Stelle in der Kirche, der ersten Stelle in der Pairie, des Palastes in Lambeth und des Palastes in Croydon, eines ausgedehnten Patronats und eines jährlichen Einkommens von mehr als fünftausend Pfund Sterling, galt für eine geringfügige Sühne für das große Verbrechen, bescheidene Einwendungen gegen die Indulgenzerklärung gemacht zu haben. Sancroft wurde für einen eben solchen Verräther und für einen eben solchen Bußfertigen erklärt wie Judas Ischariot gewesen war. Der alte Heuchler, sagte man, habe, während er Ehrerbietung und Liebe zu seinem Gebieter zur Schau getragen, den Feinden seines Gebieters das verderbliche Zeichen gegeben. Als das Unheil angerichtet und nicht mehr gut zu machen gewesen sei, habe das Gewissen den Sünder zu quälen begonnen. Er habe, wie sein Vorbild, sich Vorwürfe gemacht und gejammert. Er habe, wie sein Vorbild, seinen Reichthum Denen vor die Füße geworfen, deren Werkzeug er gewesen sei. Das Beste was er jetzt thun könne sei, die Parallele vollständig zu machen, indem er sich aufhänge.[4]

Jakob scheint der Meinung gewesen zu sein, daß er den Ketzern, die um seinetwillen Vermögen, Vaterland und Familie aufgegeben, keinen größeren Beweis von Güte geben könne, als indem er sie auf ihren Sterbebetten von seinen Priestern heimsuchen ließe. Wenn ein an Körper und Geist hoffnungslos krank darniederliegender Mann, von dem Gesumme schlechter Logik und schlechter Rhetorik betäubt, sich eine Hostie in den Mund zwingen ließ, so wurde dem Hofe triumphirend ein großes Werk der Gnade verkündet und der Neubekehrte mit allem religiösen Pompe begraben. Wenn aber ein Royalist vom höchsten Range und vom makellosesten Character als treuer Anhänger der englischen Kirche starb, so wurde auf freiem Felde eine Grube gegraben und er wurde mitten in der Nacht hineingeworfen und mit Erde zugedeckt wie ein Stück Aas. Eine solche Beerdigung wurde dem Earl von Dunfermline zu Theil, der dem Hause Stuart mit Gefahr seines Lebens und mit Verlust seines ganzen Vermögens gedient, der bei Killiecrankie gefochten und nach dem Siege die noch athmenden Ueberreste Dundee's aufgehoben hatte. Bei seinen Lebzeiten war er schimpflich behandelt worden. Die schottischen Offiziere, welche lange unter ihm gedient, hatten vergebens darum gebeten, daß, wenn sie zu einer Compagnie formirt werden sollten, er auch ferner ihr Anführer bleiben möge. Seine Religion war als ein fataler Unfähigkeitsgrund angesehen worden. Ein unwürdiger Abenteurer, dessen einzige Empfehlung darin bestand, daß er ein Papist war, wurde eingezogen. Dunfermline erschien noch eine kurze Zeit lang in dem Zirkel, welcher den Fürsten umgab, dem er nur zu treu gedient hatte; aber es half ihm nichts. Die Bigotten, die den Hof beherrschten, verweigerten dem zu Grunde gerichteten und aus seinem Vaterlande vertriebenen Lord die Mittel zu seinem Unterhalte; er starb an gebrochenem Herzen, und sie verweigerten ihm sogar ein Grab.[5]

[_Gesinnung der Jakobiten. Die Vergleicher._] Die der protestantischen Religion in Saint-Germains täglich zugefügten Insulten machten einen großen Eindruck in England. Die Whigs fragten triumphirend, ob es nicht klar sei, daß der alte Tyrann gänzlich unverbesserlich sei, und selbst unter den Eidverweigerern beobachteten Viele sein Verfahren mit Beschämung, Abscheu und Besorgniß.[6] Die jakobitische Partei war von Anfang an in zwei Sectionen zerfallen, welche einige Jahre nach der Revolution als die Vergleicher (+Compounders+) und die Nichtvergleicher (+Noncompounders+) bekannt zu werden begannen. Die Vergleicher waren Diejenigen, welche eine Restauration wünschten, aber eine von einer allgemeinen Amnestie und von Bürgschaften für die Sicherheit der bürgerlichen und kirchlichen Verfassung des Reichs begleitete Restauration. Die Nichtvergleicher hielten es für offenbaren Whiggismus, für offenbare Rebellion, die unglückliche Lage Sr. Majestät dazu zu benutzen, ihm Bedingungen vorzuschreiben. Es sei die klar am Tage liegende Pflicht seiner Unterthanen, ihn zurückzuführen. Welche Verräther er bestrafen und welche Verräther er schonen, welche Gesetze er beobachten und von welchen Gesetzen er sich dispensiren würde, das seien Fragen, die er allein zu entscheiden habe. Wenn er sie falsch entschiede, so habe er seinen Irrthum vor Gott und nicht vor seinem Volke zu verantworten.

[_Die Nichtvergleicher._] Die Hauptmasse der englischen Jakobiten waren mehr oder weniger Vergleicher. Die reinen Nichtvergleicher fanden sich hauptsächlich unter den Römischkatholischen, denen ganz natürlich nicht darum zu thun war, Sicherheit für eine Religion, die sie für ketzerisch hielten, oder für eine Regierungsform zu erlangen, von deren Wohlthaten sie ausgeschlossen waren. Auch gab es einige protestantische Eidverweigerer, wie Kettlewell und Hickes, welche der Theorie Filmer's entschlossen bis zu ihren äußersten Consequenzen folgten. Aber obgleich Kettlewell seine Landsleute zu überzeugen versuchte, daß die monarchische Regierungsform von Gott angeordnet sei, nicht als ein Mittel, sie hienieden glücklich zu machen, sondern als ein Kreuz, das sie anzunehmen und in der Hoffnung, im Jenseits für ihre Leiden belohnt zu werden, zu tragen verpflichtet seien, und obgleich Hickes ihnen versicherte, daß es in der ganzen Thebanischen Legion nicht einen einzigen Vergleicher gegeben habe, so waren doch sehr wenige Anhänger der Staatskirche geneigt, sich zu keinem andren Zwecke als um die Hohe Commission und das Dispensationsrecht wiederherzustellen, dem Tode am Galgen auszusetzen.