Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe

Chapter 23

Chapter 233,228 wordsPublic domain

Die Veröffentlichung in Middlesex war also ebenfalls bewiesen. Aber war das veröffentlichte Schriftstück ein falsches, böswilliges und aufrührerisches Libell? Bis jetzt hatte es sich nur darum gehandelt, ob eine Thatsache, die Jedermann als wirklich geschehen kannte, nach den technischen Regeln des Beweises constatirt werden konnte; jetzt aber erhielt der Streit ein höheres Interesse. Man mußte die Grenzen der königlichen Hoheitsrechte und der bürgerlichen Freiheit, das Recht des Königs, von Gesetzen zu dispensiren, und das Recht der Unterthanen um Abstellung von Mißständen zu petitioniren, untersuchen. Drei Stunden lang vertheidigten die Anwälte der Petenten mit energischem Nachdrucke die Grundprinzipien der Verfassung und bewiesen aus den Protokollen des Hauses der Gemeinen, daß die Bischöfe nur etwas Wahres behauptet hätten, indem sie dem Könige vorstellten, daß die von ihm beanspruchte Dispensationsgewalt mehr als einmal vom Parlament für ungesetzlich erklärt worden sei. Somers erhob sich zuletzt. Er sprach wenig über fünf Minuten lang, aber jedes seiner Worte war gewichtigen Inhalts, und als er seinen Platz wieder einnahm, war sein Ruf als Redner und als constitutioneller Jurist fest begründet. Er untersuchte die Ausdrücke der Anklage, in welcher das den Bischöfen zur Last gelegte Vergehen dargestellt war, und bewies, daß jedes Wort, Adjectiv oder Substantiv, durchaus unangemessen sei. Die Anklage laute auf ein falsches, böswilliges und aufrührerisches Libell. Falsch sei das Schriftstück nicht, denn jede darin behauptete Thatsache sei durch die Parlamentsprotokolle als wahr bewiesen. Auch böswillig sei das Schriftstück nicht, denn die Angeklagten hätten nicht Streit gesucht, sondern die Regierung habe sie in eine Lage versetzt, in der sie sich entweder dem königlichen Willen widersetzen oder die heiligsten Pflichten des Gewissens und der Ehre verletzen mußten. Aufrührerisch sei das Schriftstück eben so wenig, denn die Verfasser hätten es nicht unter dem Volke vertheilt, sondern es privatim den Händen des Königs allein übergeben; auch sei es kein Libell, sondern eine anständige Petition, wie sie nach den Gesetzen Englands, ja nach den Gesetzen des römischen Kaiserreichs und nach den Gesetzen aller civilisirten Staaten jeder Unterthan, welcher glaubt, daß ihm Unrecht geschehen, mit Fug und Recht dem Souverain überreichen dürfe.

Der Fiskal replicirte kurz und schwach. Der Prokurator sprach sehr ausführlich und mit großer Bitterkeit, so daß er oft durch Zurufe und Zischen des Publikums unterbrochen wurde. Er ging so weit zu behaupten, daß kein einzelner Unterthan und keine Gemeinschaft von Unterthanen, außer die Parlamentshäuser, berechtigt sei, eine Petition an den König zu richten. Die Zuschauer waren wüthend und selbst der Oberrichter war ganz betroffen über die Frechheit dieses feilen Achselträgers.

Wright schritt endlich zum Resumé. Seine Rede bewies, daß seine Furcht vor der Regierung durch die Furcht vor dieser zahlreichen, glänzenden und heftig aufgeregten Versammlung gemäßigt wurde. Er sagte, er wolle nicht seine Ansicht über die Dispensationsfrage abgeben, er habe dies nicht nöthig, er könne dem Staatsprokurator in vielen Punkten seiner Rede nicht beistimmen, ein Unterthan habe allerdings das Recht, zu petitioniren, aber die dem Gerichtshofe vorliegende specielle Petition, sei ungebührlich abgefaßt und daher in den Augen des Gesetzes ein Libell. Allibone sprach die nämliche Ansicht aus, bewies aber in seinem Vortrag eine so gänzliche Unkenntniß des Rechts und der Geschichte, daß er sich die Verachtung Aller zuzog, die ihn anhörten. Holloway umging die Dispensationsfrage, sagte aber, ihm scheine die Petition so gefaßt, wie sie Unterthanen, die sich in ihrem Rechte gekränkt glaubten, wohl zu überreichen befugt seien, und sie sei daher kein Libell. Powell trat noch kühner auf. Er erklärte geradezu, daß seiner Ansicht nach die Indulgenzerklärung null und nichtig und die Dispensationsgewalt, wie sie neuerdings ausgeübt worden, mit allen Gesetzen durchaus unvereinbar sei. Wenn man solche Übergriffe der Prärogative dulden wolle, so seien die Parlamente ganz überflüssig, die ganze gesetzgebende Gewalt liege dann in den Händen des Königs. „Diese Entscheidung, meine Herren,“ sagte er, „stelle ich Gott und Ihrem Gewissen anheim“.[126]

Es war dunkel geworden, als die Jury sich zurückzog, um über ihren Schiedsspruch zu berathen. Diese Nacht war eine Nacht voll ängstlicher Spannung. Es existiren noch einige Briefe, welche während jener Stunden der Ungewißheit abgesendet wurden und die daher ein ganz besonderes Interesse haben. „Es ist sehr spät,“ schrieb der päpstliche Nuntius, „und noch ist die Entscheidung nicht bekannt. Die Richter und die Angeklagten haben sich nach Hause begeben, die Geschwornen aber bleiben beisammen. Morgen werden wir den Ausgang dieses wichtigen Kampfes erfahren.“

Der Prokurator der Bischöfe brachte mit einer Anzahl Bedienten die ganze Nacht auf der Treppe zu, welche nach dem Berathungszimmer der Geschwornen führte. Es war durchaus nothwendig, die an den Thüren Wache haltenden Beamten scharf zu beobachten, denn man vermuthete, daß sie von der Regierung gewonnen waren, und sie konnten daher, wenn sie nicht sorgfältig bewacht wurden, einen höfisch gesinnten Geschwornen mit Speise und Trank versehen, so daß er dann im Stande war, seine elf Collegen auszuhungern. Es wurde daher strenge Wache gehalten und nicht einmal ein Licht, um eine Pfeife anzuzünden, eingelassen. Gegen vier Uhr Morgens ließ man einige Becken mit Wasser zum Waschen passiren. Die vor Durst verschmachtenden Geschwornen tranken gierig die Gefäße aus. Die umliegenden Straßen waren bis zum Morgen von einer großen Volksmenge angefüllt. Von Stunde zu Stunde kam ein Bote von Whitehall um sich nach dem Stande der Sache zu erkundigen. Verschiedene Male hörte man drinnen im Zimmer einen heftigen Wortstreit; aber etwas Gewisses erfuhr man nicht.[127]

Zuerst waren neun für die Freisprechung und drei für die Verurtheilung. Zwei von der Minorität gaben bald nach; Arnold aber beharrte auf seinem Ausspruche. Thomas Austin, ein reichbegüterter Landgentleman, der die Zeugenaussagen und Reden aufmerksam verfolgt und sich ausführliche Notizen gemacht hatte, wollte die Sache mit ihm speciell erörtern. Arnold aber lehnte dies ab, indem er ärgerlich sagte, er sei nicht gewöhnt zu raisonniren und zu debattiren, sein Gewissen gestatte ihm nicht, die Bischöfe freizusprechen. „Wenn Sie dabei beharren,“ sagte Austin, „so sehen Sie mich an. Ich bin der Größte und Stärkste von uns Zwölfen; ehe ich aber eine Petition wie diese als ein Libell anerkenne, bleibe ich hier, bis ich nicht mehr dicker bin als ein Pfeifenrohr.“ Es war sechs Uhr Morgens, als Arnold endlich nachgab. Es wurde bald bekannt, daß die Geschwornen einig waren; wie aber ihr Ausspruch lautete, war noch ein Geheimniß.[128]

Um zehn Uhr versammelte sich der Gerichtshof wieder. Das Gedränge war noch ärger als am vorigen Tage. Die Geschwornen erschienen in ihrer Loge und es trat eine lautlose Stille ein.

[Anmerkung 118: +Clarendon’s Diary, June+ 21. 1688.]

[Anmerkung 119: Gitters, 26. Juni (6. Juli) 1688.]

[Anmerkung 120: Johnstone, 2. Juli 1688.]

[Anmerkung 121: Johnstone, 2. Juli 1688.]

[Anmerkung 122: Johnstone, 2. Juli 1688. Der Herausgeber von +Levinz’s Reports+ drückt seine große Verwunderung darüber aus, daß Levinz nach der Revolution nicht wieder in sein Richteramt eingesetzt wurde. Die von Johnstone erzählten Thatsachen können dies anscheinende Ungerechtigkeit vielleicht erklären.]

[Anmerkung 123: Ich schließe dies aus einem Briefe von Compton an Sancroft vom 12. Juni.]

[Anmerkung 124: +Revolution Politics.+]

[Anmerkung 125: Der Ausdruck eines Augenzeugen. Er findet sich in einem Neuigkeitsbriefe in der Mackintosh-Sammlung.]

[Anmerkung 126: Siehe den Prozeß in der +Collection of State Trials+. Einiges habe ich auch von Johnstone und Citters entlehnt.]

[Anmerkung 127: Johnstone, 2. Juli 1688; Brief von Mr. Ince an den Erzbischof, datirt von sechs Uhr Morgens; +Tanner MS.+; +Revolution Politics+.]

[Anmerkung 128: Johnstone, 2. Juli 1688.]

[_Das Verdict der Geschwornen; Freude des Volks._] Sir Samuel Astry sprach: „Finden Sie die Angeklagten oder einen von ihnen des Vergehens, dessen sie angeklagt sind, schuldig oder nicht schuldig?“ Sir Roger Langley antwortete: „Nicht schuldig.“ Sobald diese Worte über seine Lippen waren, sprang Halifax auf und schwenkte seinen Hut. Auf dieses Zeichen brachen alle Bänke und Gallerien in donnernden Beifallsjubel aus. Im nächsten Augenblick stimmten die zehntausend Menschen, welche die große Halle füllten, mit noch lauterem Jubel ein, von dem die alte eichene Decke erdröhnte, und noch einen Augenblick, so ließ die draußen versammelte Menge ein drittes Hurrah erschallen, das man in Templebar hören konnte. Die Böte, welche den Fluß bedeckten, antworteten mit gleicher Begeisterung, ein Kanonenschlag knallte auf dem Wasser, dann wieder einer und wieder einer, und so flog die frohe Nachricht binnen wenigen Augenblicken über den Savoy und über die Friars hinaus bis zur Londonbrücke und zu dem Mastenwalde der jenseit derselben liegenden Schiffe. Wohin die Botschaft kam, brachen Straßen und Squares, Marktplätze und Kaffeehäuser in Freudenjubel aus. Der Jubel aber war minder auffallend, als die Thränen. Denn die Gefühle der Leute waren so angespannt worden, daß selbst die kalte, an Äußerungen von Gemüthsbewegung wenig gewöhnte englische Natur überwältigt wurde und Tausende vor lauter Freude schluchzten. Inzwischen sprengten von den Endpunkten der Menge Reiter fort, um die Kunde von dem Siege der Kirche und der Nation durch alle Hauptstraßen zu verbreiten. Aber selbst dieser gewaltige Ausbruch der Freude vermochte den hämischen und furchtlosen Sinn des Staatsprokurators nicht zu erschüttern. Er versuchte es, sich in dem betäubenden Lärme Gehör zu verschaffen und forderte die Richter auf, Diejenigen, welche durch ihr Geschrei die Würde des Gerichtshofes verletzt hatten, verhaften zu lassen. Einer aus der jubelnden Menge wurde wirklich festgenommen. Indessen sah das Tribunal doch ein, daß es geradezu lächerlich gewesen wäre einen Einzelnen für eine Übertretung zu bestrafen, welche Hunderttausende begangen hatten, und entließ ihn daher wieder mit einem leichten Verweis.[129]

Es war jetzt nicht daran zu denken, etwas Andres vorzunehmen, denn das Getöse der Menge war so arg, daß man eine halbe Stunde lang im Gerichtssaale kein Wort verstehen konnte. Williams stieg unter einem Sturme von Zischen und Verwünschungen in seinen Wagen. Cartwright, der eine unbezähmbare Neugierde besaß, hatte die Thorheit und Unschicklichkeit begangen, nach Westminster zu kommen, um zu hören, wie das Urtel ausfallen würde. Man erkannte ihn an seiner Priestertracht und seiner Korpulenz und verfolgte ihn durch die ganze Halle mit Geschrei. „Nehmt Euch vor dem Wolfe in Schafskleidern in Acht,“ sagte Einer. „Platz für den Mann mit dem Papst im Bauche!“ rief ein Andrer.[130]

Die freigesprochenen Prälaten flüchteten sich vor der Menge, die sie um ihren Segen bat, in die nächste Kapelle, wo eben Gottesdienst gehalten wurde. Viele Kirchen der Hauptstadt waren an diesem Morgen geöffnet und wurden von vielen Andächtigen besucht. In allen Kirchspielen der City und der Vorstädte gingen die Glocken. Unterdessen konnten sich die Geschwornen kaum einen Weg aus der Halle bahnen. Von Hunderten mußten sie sich die Hand drücken lassen. „Gott segne Euch,“ rief das Volk; „Gott segne Eure Familien! Ihr habt wie brave Gentlemen gehandelt und uns Alle heute gerettet.“ Während die Peers, welche zur Unterstützung der guten Sache herbeigekommen waren, fortfuhren, warfen sie Hände voll Geld unter die Menge und hießen sie auf das Wohl des Königs, der Bischöfe und der Geschwornen trinken.[131]

Der Generalfiskal überbrachte die Nachricht Sunderland, der sich gerade mit dem Nuntius unterhielt. „Seit Menschengedenken,“ sagte Powis, „hat man nicht einen solchen Jubel und so viel Freudenthränen gesehen wie heute“.[132] Der König hatte am Morgen das Lager auf der Hounslowhaide besucht. Sunderland schickte sofort einen Courier mit der Botschaft an ihn ab. Jakob befand sich in Feversham’s Zelte, als der Expresse ankam. Er war sehr ärgerlich über die Nachricht und rief auf Französisch aus: „Sie sollen es bereuen!“ Er brach sogleich nach London auf. So lange er anwesend war, hielt der Respekt die Soldaten ab, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen; kaum aber hatte er das Lager verlassen, so hörte er hinter sich ein lautes Jubelgeschrei. Er wunderte sich darüber und fragte, was das bedeute. „Es ist nichts,“ erhielt er zur Antwort, „die Soldaten freuen sich nur über die Freisprechung der Bischöfe.“ -- „Das nennen Sie nichts?“ sagte der König und wiederholte dann noch einmal: „Sie sollen es bereuen!“[133]

Er hatte in der That Ursache, verstimmt zu sein, denn seine Niederlage war vollständig und im höchsten Grade demüthigend. Wären die Prälaten auf Grund mangelhaften Beweises freigesprochen worden, etwa weil sie die Petition nicht in Middlesex geschrieben hatten, oder weil es ihnen streng nach den Regeln des Gesetzes nicht bewiesen werden konnte, daß sie dem Könige die Petition, um dessentwillen sie in Untersuchung waren, überreicht hatten, so würde die Prärogative keinen Stoß erhalten haben. Zum Glück für das Land aber war die Thatsache der Veröffentlichung vollkommen festgestellt worden und die Vertheidiger der Angeklagten hatten daher das Dispensationsrecht angreifen müssen. Dies hatten sie mit großer Gelehrsamkeit, Beredtsamkeit und Kühnheit gethan. Die Anwälte der Krone waren, wie allgemein anerkannt wurde, in dem Kampfe unterlegen. Nicht ein einziger Richter hatte die Indulgenzerklärung für gesetzlich zu erklären gewagt, einer hatte sie sogar in den stärksten Ausdrücken als ungesetzlich bezeichnet. Die ganze Stadt sprach davon, daß die Dispensationsgewalt den Todesstoß bekommen habe. Finch, der den Tag vorher allgemein geschmäht worden war, wurde jetzt allgemein gepriesen. Man sagte, er habe die Sache nicht in einer Weise entschieden sehen wollen, wobei die große Verfassungsfrage auf immer zweifelhaft geblieben wäre. Er habe eingesehen, daß die Freisprechung seiner Klienten ohne Verdammung der Indulgenzerklärung nur ein halber Sieg gewesen sein würde. Es ist gewiß, daß Finch weder die Vorwürfe verdiente, mit denen er überhäuft wurde, so lange der Ausgang noch zweifelhaft war, noch die Lobpreisungen, die ihm gespendet wurden, nachdem derselbe so günstig ausgefallen. Es war thöricht, ihn zu tadeln, weil die Kronanwälte während des von ihm veranlaßten kurzen Verzugs unerwartet einen neuen Zeugen fanden. Eben so thöricht war die Annahme, daß er seine Klienten absichtlich einer Gefahr ausgesetzt habe, um ein allgemeines Prinzip festzustellen, und noch thörichter war es, ihn wegen etwas zu loben, was eine grobe Verletzung seiner Berufspflichten gewesen sein würde.

Dem freudigen Tage folgte eine nicht minder freudige Nacht. Die Bischöfe und einige ihrer achtungswerthen Freunde bemühten sich vergebens, tumultuarische Freudenbezeigungen zu verhindern. Die ältesten Leute erinnerten sich nicht, jemals, selbst nicht an dem Abende, als es in London bekannt wurde, daß die schottische Armee sich für ein freies Parlament erklärt hatte, die Straßen von so zahlreichen Freudenfeuern erhellt gesehen zu haben. Um jedes Feuer hatte sich ein Haufe gelagert, der auf das Wohl der Bischöfe und auf den Untergang der Papisten trank. Die Fenster waren ebenfalls glänzend erleuchtet, jedes gewöhnlich durch sieben Lichter, von denen das mittelste und längste den Primas vorstellte. Dazu hörte man fortwährend das Knallen von Schwärmern, Raketen und Gewehrschüssen. Ein ungeheurer Holzstoß brannte gerade dem Haupteingange von Whitehall gegenüber; andere wurden vor den Thüren katholischer Peers angezündet. Lord Arundell von Wardour beschwichtigte wohlweislich den Pöbel mit ein wenig Geld; im Palast Salisbury am Strand aber wurde ein Widerstandsversuch gemacht. Die Dienerschaft Lord Salisbury’s machte einen Ausfall und feuerte; aber nur der unglückliche Büttel des Bezirks fiel, der gerade gekommen war, um das Feuer auszulöschen, und die Schaar wurde bald in den Palast zurückgetrieben. Kein Schauspiel jener Nacht amüsirte das gemeine Volk so sehr, als eines, das ihnen vor mehreren Jahren wohl bekannt gewesen war, und das ihnen jetzt nach einer langen Pause wieder gegeben wurde: die Verbrennung des Papstes. Dieses vor Zeiten sehr beliebte Schauspiel kennt unsere Generation nur aus Beschreibungen und Abbildungen. Eine Figur, die aber keineswegs jenen plumpen Conterfeyen von Guy Fawx glich, welche noch jetzt am 5. November zur Schau umhergetragen werden, sondern die mit einiger Geschicklichkeit von Wachs verfertigt und mit nicht geringen Kosten mit Gewändern und einer Tiara geschmückt war, wurde auf einen Stuhl gesetzt, ähnlich dem, auf welchem noch heute an einigen hohen Festtagen die römischen Bischöfe durch die Peterskirche zum Hochaltare getragen werden. Seine Heiligkeit war gewöhnlich umgeben von einem Gefolge von Cardinälen und Jesuiten, und ihm zur Seite stand ein als Teufel mit Schweif und Hörnern verkleideter Hanswurst. Kein reicher und eifriger Protestant sah bei dieser Gelegenheit eine Guinee an, und wenn man der Sage glauben darf, betrugen die Kosten einer solchen Prozession zuweilen nicht weniger als tausend Pfund. Nachdem der Papst eine Zeit lang über den Köpfen der Menge zur Schau umhergetragen worden war, wurde er unter lautem Jubel den Flammen überliefert. Zur Zeit der Popularität Oates’ und Shaftesbury’s wurde das Schauspiel alljährlich am Geburtstage der Königin Elisabeth in Fleet Street unter den Fenstern des Whig-Clubs aufgeführt. Der groteske Gebrauch war so berühmt, daß Barillon sich einmal in Lebensgefahr begab, um aus einem Versteck zuzusehen.[134] Seit der Entdeckung des Ryehousecomplots war die Ceremonie bis zu dem Tage der Freisprechung der Bischöfe unterblieben. An diesem Abende aber tauchten in verschiedenen Stadttheilen Londons mehrere Päpste auf. Der Nuntius war höchlich entrüstet und der König fühlte sich durch diese Verhöhnung seiner Kirche schwerer gekränkt als durch irgend eine andre ihm zugefügte Beleidigung. Die Behörden konnten jedoch nichts thun. Der Sonntagmorgen graute bereits und die Glocken der Pfarrkirchen riefen zum Frühgebet, ehe die Feuer zu erlöschen und die Volksmassen sich zu verlaufen begannen. Es erschien nun alsbald eine Proklamation gegen die Ruhestörer. Viele von ihnen, meist Lehrlinge, wurden verhaftet: aber die Anklagen gegen sie wurden von den Gerichten von Middlesex nicht angenommen. Die Magistratsbeamten, von denen viele Katholiken waren, geriethen mit der großen Jury in Streit und schickten sie mehrere Male zurück, aber ohne Erfolg.[135]

[Anmerkung 129: +Collection of State Trials+; +Oldmixon, 739+; +Clarendon’s Diary, June 25. 1688+; Johnstone, 2. Juli; Citters, 3.(13.) Juli; Adda, 6.(10.) Juli; +Luttrell’s Diary+; Barillon, 2.(12.) Juli.]

[Anmerkung 130: Citters, 3.(13.) Juli. Der würdevolle Ernst, mit dem er die Geschichte erzählt, macht einen komischen Eindruck: +„Den Bisschop van Chester, wie seer de partie van het hof houdt, om te voldoen aan syne gewoone nieusgierigheyt, hem op dien tyt in Westminster Hall mede hebbende laten vinden, in het uytgaan doorgaans was uytgekreten voor een grypende wolf in schaaps kleederen; en hy synde een heer van hooge stature en vollyvig, spotsgewyse allomme geroepen was dat men voor hem plaats moeste maken, om te laten passen, gelyck ook geschiede, om dat soo sy uytschreeuwden en hem in het aansigt seyden, hy den Paus in syn buyck hadde.“+]

[Anmerkung 131: Luttrell; Citters, 3.(13.) Juli 1688. +„Soo syn in tegendeel gedagte jurys met de uyterste acclamatie en alle teyckenen van genegenheyt en danckbaarheyt in het door passeren van de gemeente ontvangen. Honderden vielen haar om den hals met alle bedenckelycke wewensch van segen en geluck over hare persoonen en familien, om dat sy haar so heusch en eerlyck buyten verwagtinge als het ware in desen gedragen hadden. Veele van de grooten en kleynen adel wierpen in het wegryden handen vol gelt under de armen luyten, om op de gesontheyt van den Coning, der Heeren Prelaten, on de Jurys te drincken.“+]

[Anmerkung 132: +„Mi trovava con Milord Sunderland la stessa mattina, quando venne l’Avvocato Generale a rendergli conto del successo, e disse, che mai piu a memoria d’huomini si era sentito un applauso, mescolato di voce e lagrime di giubilo, egual a quello che veniva egli di vedere in quest’ occasione.“+ Adda, 6.(16.) Juli 1688.]

[Anmerkung 133: +Burnet, I. 744+; Citters, 3.(13.) Juli 1688.]

[Anmerkung 134: Siehe eine interessante Erzählung, welche Danby, damals Herzog von Leeds, zugleich mit anderen Papieren im Jahre 1710 veröffentlichte. Eine anziehende Beschreibung der Ceremonie der Papstverbrennung findet sich auch in North’s +Examen, 570+. Ferner sehe man die Note zum Epilog des Trauerspiels „Ödipus“ in Scott’s Ausgabe von Dryden.]

[Anmerkung 135: +Reresby’s Memoirs+; Citters, 3.(13.) Juli 1688; Adda, 6.(16.) Juli; Barillon 2.(12.) Juli; +Luttrell’s Diary+; Neuigkeitsbrief vom 4. Juli; +Oldmixon, 739+; Ellis’ Correspondenz.]

[_Eigenthümlicher Zustand der öffentlichen Meinung zu jener Zeit._] Inzwischen verbreitete sich die frohe Nachricht durch das ganze Land und wurde allenthalben mit Jubel aufgenommen. Gloucester, Bedford und Lichfield gehörten zu den Städten, die sich durch besonderen Eifer auszeichneten; Bristol und Norwich aber, welche nach Bevölkerung und Reichthum London am nächsten standen, kamen bei diesem freudigen Anlasse auch in der Begeisterung der Hauptstadt am nächsten.