Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe

Chapter 18

Chapter 183,388 wordsPublic domain

Es muß bemerkt werden, daß Diejenigen, welche diesen trotzigen Sinn an den Tag legten, nicht die alten Feinde des Hauses Stuart waren. Die Listen der Friedensrichter und Statthaltersubstituten waren schon längst von allen republikanischen Namen sorgfältig gesäubert. Die Männer, denen die Regierung vergebens das Versprechen der Unterstützung abzuzwingen versucht hatte, waren fast ohne Ausnahme Tories. Die älteren von ihnen konnten noch Narben, welche von den Schwertern der Rundköpfe herrührten, und Empfangsbescheinigungen über Silbergeschirr aufweisen, das sie Karl I. in seiner Noth geschickt hatten. Die Jüngeren hatten gegen Shaftesbury und Monmouth fest zu Jakob gehalten. Dies waren die Männer, welche jetzt von dem nämlichen Fürsten, dem sie so glänzende Beweise von treuer Anhänglichkeit gegeben hatten, in Masse ihrer Ämter entsetzt wurden. Die Entlassung machte sie aber nur noch entschlossener; es war bei ihnen zu einer heiligen Ehrensache geworden, in dieser Krisis fest zusammenzuhalten. Es konnte keinem Zweifel unterliegen, daß, wenn bei der Stimmenzählung ehrlich zu Werke gegangen wurde, nicht ein einziger der Regierungspolitik günstiger Grafschaftsabgeordneter gewählt werden würde. Die Leute fragten einander daher mit nicht geringer Besorgniß, ob man wohl erwarten könne, daß bei der Stimmenzählung ehrlich zu Werke gegangen werden würde.

[Anmerkung 47: Citters, 22. Nov. (2. Dec.) 1687.]

[Anmerkung 48: Citters, 27. Dez. (6. Jan.) 1687/88.]

[Anmerkung 49: +Ibid.+]

[Anmerkung 50: Johnstone erwähnt zweimal, unterm 25. Nov. und unterm 8. Dec. 1687, den beleidigenden Eifer, den Rochester bei dieser Gelegenheit zeigte. Das Mißlingen seiner Bemühungen erwähnt Citters unterm 6.(16.) Dec.]

[Anmerkung 51: Citters, 6.(16.) Dec. 1687.]

[Anmerkung 52: +Ibid.+ 20.(30.) Dec. 1687.]

[Anmerkung 53: Citters, 30. März (9. April) 1687.]

[Anmerkung 54: +Ibid.+ 22. Nov. (2. Dec.) 1687.]

[Anmerkung 55: +Ibid.+ 15.(25.) Nov. 1687.]

[Anmerkung 56: +Ibid.+ 10.(20.) April 1688.]

[Anmerkung 57: Die ängstliche Spannung wegen Lancashire erwähnt Citters in einer Depesche vom 18.(28.) Nov. 1687, das Resultat in einer vier Tage später datirten.]

[Anmerkung 58: Bonrepaux, 11.(21.) Juli 1687.]

[Anmerkung 59: Citters, 3.(13.) Febr. 1688.]

[Anmerkung 60: Citters, 5.(15.) April 1688.]

[_Liste der Sheriffs._] Mit Ungeduld sah man der Liste der Sheriffs für das neue Jahr entgegen. Sie erschien, während die Lordlieutenants noch auf ihrer Werbungsreise begriffen waren, und wurde mit einem allgemeinen Schrei des Zornes und Unwillens aufgenommen. Die Mehrzahl dieser Beamten, welche bei den Grafschaftswahlen die Oberleitung hatten, waren entweder Katholiken oder protestantische Dissenters, die ihre Zustimmung zur Indulgenzerklärung ausgesprochen hatten.[61] Eine Zeit lang hegte man die schlimmsten Befürchtungen, die aber bald wieder schwanden. Man hatte guten Grund, anzunehmen, daß über einen gewissen Punkt hinaus der König auch nicht auf die Unterstützung der seiner eigenen Kirche angehörenden Sheriffs rechnen könne.

[Anmerkung 61: +London Gazette, Dec. 5. 1687+; Citters, 6.(16.) Dec.]

[_Character der katholischen Landgentlemen._] Zwischen dem katholischen Höflinge und dem katholischen Landgentleman herrschte nur sehr geringe Sympathie. Die in Whitehall dominirende Cabale bestand theils aus Fanatikern, welche zum Zwecke der Verbreitung ihres Glaubens bereit waren, alle Gesetze der Moral über den Haufen zu werfen und die ganze Welt in eine heillose Verwirrung zu stürzen, theils aus Heuchlern, welche um des Gewinnes willen von dem Glauben, in dem sie erzogen worden, abgefallen waren und die jetzt den allen Neubekehrten eigenen Eifer auf die Spitze trieben. Sowohl die Fanatiker als auch die Heuchler am Hofe hatten zum größten Theil keine Spur von englischer Anschauungsweise. In einigen von ihnen hatte die unbedingte Hingebung für ihre Kirche alles Nationalgefühl erstickt; andere waren Irländer, deren Patriotismus in einem tödtlichen Hasse gegen die sächsischen Eroberer Irlands bestand; noch andere waren Verräther, die von einer auswärtigen Macht einen regelmäßigen Sold bezogen, und wieder andere hatten einen großen Theil ihres Lebens im Auslande zugebracht, und waren entweder bloße Kosmopoliten oder hegten einen positiven Widerwillen gegen die Sitten und Staatseinrichtungen des Landes, das sie jetzt zu regieren hatten. Diese Leute hatten mit einem noch der alten Kirche anhängenden Gutsbesitzer von Cheshire oder Staffordshire kaum irgend etwas gemein. Er war weder Fanatiker noch Heuchler, er war Katholik, weil sein Vater und Großvater Katholiken gewesen waren, und er hing an seinem ererbten Glauben, wie die Menschen in der Regel an demselben hängen, aufrichtig aber ohne sonderliche Begeisterung. In jeder andren Beziehung war er nichts weiter als eben ein englischer Squire, der sich von den benachbarten Squires höchstens dadurch unterschied, daß er noch etwas ungebildeter und bäuerischer war als sie. Die auf ihm lastenden Ausschließungen hatten ihn verhindert, sich bis zu der allerdings selbst nur mäßig hohen Bildungsstufe zu erheben, auf der die meisten protestantischen Landgentlemen standen. Als Knabe von Eton und Westminster, als Jüngling von Oxford und Cambridge, als Mann vom Parlament und von der Richterbank ausgeschlossen, vegetirte er still und ruhig hin, wie die Ulmen der Allee, die zu dem ererbten Meierhofe seiner Vorfahren führte. Seine Kornfelder, seine Milchwirthschaft, seine Ciderpresse, seine Jagdhunde, seine Angelruthe und seine Flinte, sein Bier und sein Tabak beschäftigten fast allein seine Gedanken. Mit seinen Nachbarn stand er trotz der Glaubensverschiedenheit in der Regel auf gutem Fuße. Sie kannten ihn als einen harmlosen Mann ohne Ehrgeiz, er stammte fast durchgängig aus einer guten und alten Familie und war immer ein Kavalier. Er drang Niemandem seine persönlichen Ansichten auf und wurde Niemandem lästig damit, er quälte nicht, wie ein Puritaner, sich selbst und Andere mit Gewissensskrupeln über alle Genüsse des Lebens; im Gegentheil, er war ein eben so leidenschaftlicher Jagdliebhaber und ein eben so heiterer Gesellschafter als irgend Einer, der den Suprematseid und die Erklärung gegen die Transsubstantiation angenommen hatte. Er ging mit seinen Nachbarsquires auf die Jagd, hielt bis zum Hallali bei ihnen aus und nahm sie nach beendeter Jagd mit sich nach Hause zu einer Wildpretpastete und zu einem Kruge Octoberbier, das seine vier Jahre auf Flaschen lag. Die Bedrückungen, die er erduldet, waren nicht so arg, daß sie ihn zu einem verzweifelten Entschlusse hätten treiben können; selbst als seine Kirche schonungslos verfolgt wurde, waren sein Leben und sein Eigenthum nicht in großer Gefahr. Der schamloseste falsche Zeuge würde es schwerlich gewagt haben, der Wahrheit so frech ins Gesicht zu schlagen, daß er ihn beschuldigt hätte, ein Verschwörer zu sein. Die Papisten, welche Oates zu seinen Angriffen auswählte, waren Peers, Prälaten, Jesuiten, Benedictiner, thätige politische Agenten, Juristen mit ausgedehnter Praxis und Hofärzte. Der katholische Landgentlemen konnte unter dem Schutze seiner Verborgenheit, seines leutseligen Wesens und der Zuneigung seiner Umgebungen unbelästigt seine Ernte einbringen und seine Waidtasche mit Wild füllen, während Coleman und Langhorne, Whitbread und Pickering, Erzbischof Plunkett und Lord Stafford durch den Strick oder durch das Beil starben. Eine Bande elender Schurken machte zwar den Versuch, gegen Sir Thomas Gascoigne, einen bejahrten katholischen Baronet in Yorkshire, eine Anklage auf Hochverrath zu erheben, aber zwölf der besten Gentlemen des Westbezirks, die seinen Lebenswandel kannten, hielten es nicht für möglich, daß ihr ehrenwerther alter Bekannter Banditen zur Ermordung des Königs gedungen haben sollte, und sprachen trotz mancherlei der Richterbank eben nicht zur Ehre gereichender Versuche ein „Nichtschuldig“ aus. Wohl mochte es für das Oberhaupt einer alten, angesehenen Familie in der Provinz ein schmerzlicher Gedanke sein, daß er seines Glaubens wegen von ehrenvollen Stellen und Ämtern ausgeschlossen war, zu deren Bekleidung Männer von niedererer Herkunft und geringerem Vermögen für berechtigt gehalten wurden; aber er hatte nicht Lust, Land und Leben im Kampfe gegen eine erdrückende Übermacht auf’s Spiel zu setzen, und sein gerader, ächt englischer Character würde, vor Mitteln, wie ein Petre und Tyrconnel sie anwendeten, mit Abscheu zurückgebebt sein. Deshalb würde er jedoch eben so bereitwillig, als irgend einer seiner protestantischen Nachbarn zur Vertheidigung seines Vaterlandes gegen einen Einfall der Franzosen oder irischen Papisten das Schwert um die Lenden gegürtet und die Pistolen in die Halfter gesteckt haben. Dies war der allgemeine Character der Männer, in denen Jakob jetzt die sichersten Werkzeuge zur Leitung der Grafschaftswahlen zu erblicken glaubte. Er überzeugte sich jedoch bald, daß sie nicht geneigt waren, sich durch einen ihm zu leistenden schimpflichen und strafbaren Dienst die Achtung ihrer Nachbarn zu verscherzen und Leben und Vermögen zu gefährden. Mehrere von ihnen weigerten sich, Sheriffs zu werden, und von denen, welche die Ernennung annahmen, erklärten viele, daß sie eben so gewissenhaft, als wenn sie Mitglieder der Staatskirche wären, ihre Pflicht erfüllen, und keinen Wahlcandidaten, der nicht eine wirkliche Stimmenmehrheit hätte, in’s Parlament schicken würden.[62]

[Anmerkung 62: Etwa zwanzig Jahre vor dieser Zeit sprach sich ein Jesuit über die eingezogene Lebensweise der katholischen Gentry Englands folgendermaßen aus: +„La nobilità Inglese, senon se legata in serviglio di Corte ò in opera di maestrato, vive, e godo il più dell’ anno a la campagna, ne’ suoi palagi e poderi, dove son liberi e padroni; è ciò tanto più sollecitamente i Cattolici quanto più utilmente, si come meno osservati colà.“ -- L’Inghilterra descritta dal P. Daniello Bartoli. Roma, 1667.+

„Viele von den papistischen Sheriffs,“ schrieb Johnstone, „sind begütert und erklären, daß man sich sehr irren würde, wenn man gefälschte Wahlen von ihnen erwartete. Die papistische Gentry, welche auf ihren Landgütern lebt, ist von der städtischen weit verschieden. Mehrere von ihnen haben es abgelehnt, Sheriffs oder Statthaltersubstituten zu werden.“ -- 8. Dec. 1687.

Ronquillo sagt das Nämliche: +„Algunos Catolicos que fueron nombrados por sherifes se han excusado.“+ -- 9.(19.) Jan. 1688. Einige Monate später versichert er seinem Hof, daß die katholischen Landgentlemen gern zu einer Verständigung die Hand bieten würden, deren Grundbedingungen die Abschaffung der Strafgesetze und die Beibehaltung des Religionseides wären. +„Estoy informado,“+ sagt er, +„que los Catolicos de las provincias no lo reprueban, pues no pretendiendo oficios, y siendo solo algunos de la Corte los provechosos, les parece que mejoran su estado, quedando seguros ellos y sus descendientes en la religion, en la quietud, y en la seguridad de sus haciendas.“+ -- 23. Juli (2. Aug.) 1688.]

[_Stimmung der Dissenters._] Konnte der König schon auf seine katholischen Sheriffs wenig rechnen, so konnte er sich noch viel weniger auf die puritanischen verlassen. Seit dem Erscheinen der Indulgenzerklärung waren mehrere Monate verflossen, Monate voll wichtiger Ereignisse und fortwährender Streitigkeiten. Die öffentliche Besprechung der Angelegenheiten hatte vielen Dissenters die Augen geöffnet, aber die Maßregeln der Regierung, und vorzugsweise das strenge Verfahren gegen das Magdalenen-Collegium, hatte mehr als selbst die Feder eines Halifax dazu beigetragen, alle Klassen der Protestanten aufzurütteln und zu vereinigen. Die meisten von den Sectirern, die sich hatten verleiten lassen, ihren Dank für die Indulgenz auszudrücken, schämten sich jetzt ihres Irrthums und wünschten sehnlichst, ihn dadurch wieder gut zu machen, daß sie sich der großen Masse ihrer Landsleute anschlossen.

[_Regulirung der Corporationen._] In Folge dieses Umschwungs in den Gesinnungen der Nonconformisten stieß die Regierung in den Städten auf fast eben so große Schwierigkeiten, wie auf dem platten Lande. Als die Regulatoren ihre Arbeit begannen, hatten sie fest darauf gerechnet, daß jeder Dissenter, der sich zu Gunsten der Indulgenz ausgesprochen hatte, auch die Politik des Königs unterstützen werde. Sie waren daher überzeugt, daß sie im Stande sein würden, alle Municipalämter des Königreichs mit zuverlässigen Freunden zu besetzen. In den neuen Städteordnungen hatte sich die Krone das Recht vorbehalten, Magistratsbeamte nach ihrem Belieben zu entlassen. Dieses Recht wurde jetzt ohne alle Beschränkung ausgeübt. Durchaus nicht so klar war es jedoch, daß Jakob auch das Recht hatte, neue Magistratsbeamte zu ernennen; aber mochte es ihm nun zustehen oder nicht, er beschloß, es sich zu nehmen. Allenthalben, vom Tweed bis Landsend, wurden toryistische Beamte abgesetzt und Presbyterianer, Independenten und Baptisten an ihrer Stelle ernannt. In dem neuen Freibriefe der Hauptstadt hatte sich die Krone das Recht vorbehalten, alle Vorsteher, Pfleger und Beisitzer der Innungen zu entlassen. In Folge dessen wurden über achthundert angesehene Bürger, sämmtlich Mitglieder der Partei, die sich der Ausschließungsbill widergesetzt hatte, durch einen einzigen Erlaß ihrer Ämter enthoben. Bald darauf erschien ein Nachtrag zu dieser langen Liste.[63] Aber die neuen Angestellten waren kaum vereidigt, so zeigte es sich, daß sie eben so unfügsam waren, als ihre Vorgänger. In Newcastle am Tyne ernannten die Regulatoren einen katholischen Mayor und puritanische Aldermen. Man zweifelte keinen Augenblick, daß die so umgestaltete Municipalbehörde eine Adresse beschließen werde, in der sie die Maßregeln des Königs zu unterstützen versprach. Die Adresse wurde jedoch verweigert. Der Mayor reiste wüthend nach London und sagte dem Könige, die Dissenters seien alle Schurken und Rebellen und die Regierung könne in der ganzen Corporation auf nicht mehr als vier Stimmen rechnen.[64] In Reading wurden vierundzwanzig toryistische Aldermen entlassen und vierundzwanzig neue ernannt. Von diesen erklärten sich dreiundzwanzig sofort gegen die Indulgenz und wurden deshalb ebenfalls wieder entlassen.[65] Im Laufe weniger Tage wurde der Stadtbezirk von Yarmouth nacheinander durch drei verschiedene Magistratskörper verwaltet, welche sämmtlich dem Hofe gleich feindlich gesinnt waren.[66] Dies sind nur einzelne Beispiele von dem was im ganzen Lande geschah. Der holländische Gesandte berichtete an die Generalstaaten, daß in manchen Städten die Magistratsbeamten in einem Monate zwei und selbst dreimal, aber dennoch vergebens gewechselt worden seien.[67] Aus den Acten des Geheimen Raths geht hervor, daß die Zahl der Regulationen, wie sie genannt wurden, zweihundert überstieg.[68] Die Regulatoren fanden in der That, daß in nicht wenigen Städten die Veränderung eine Verschlimmerung war. Die mißvergnügten Tories hatten, wenn sie auch über die Politik des Königs murrten; doch wenigstens stets Achtung für seine Person und seinen Thron an den Tag gelegt und jeden Gedanken an Widerstand verworfen. Ganz anders war die Sprache einiger neuen Mitglieder der Corporationen. Man sagte, daß alte Soldaten der Republik, welche zu ihrem eignen wie zum Erstaunen des Publikums zu Aldermen ernannt worden waren, den Agenten des Hofes deutlich zu verstehen gäben, es müsse erst Blut fließen, bevor Papismus und Willkürgewalt in England zur Herrschaft gelangten.[69]

Die Regulatoren sahen, daß mit dem was sie bis jetzt gethan hatten, wenig oder nichts gewonnen war. Es gab indessen noch ein Mittel, aber auch nur dieses eine, durch das sie hoffen konnten ihren Zweck zu erreichen. Die Gemeindeordnungen der Wahlflecken mußten zurückgezogen und durch neue ersetzt werden, welche das Wahlrecht auf sehr kleine, vom König zu ernennende Wahlkörper beschränkten.[70]

Aber wie war dieser Plan auszuführen? In einigen der neuen Freibriefe hatte sich die Krone zwar das Recht der Wiederentziehung vorbehalten, aber die übrigen konnte Jakob nur durch freiwillige Zurückgabe von Seiten der Corporationen oder durch einen Ausspruch der Kings Bench wieder in die Hand bekommen. Aber nur wenige Corporationen waren jetzt geneigt, ihre Gemeindeordnungen freiwillig aufzugeben, und ein Richterspruch, wie er den Zwecken des Hofes diente, war selbst von einem Sklaven wie Wright nicht zu erwarten. Die Quo-Warranto-Erlasse,[71] welche vor einigen Jahren erschienen waren, um die Whigpartei zu vernichten, waren von allen Unparteiischen einhellig verdammt worden. Doch hatten diese Erlasse wenigstens einen Anschein von Recht für sich, denn sie waren gegen alte Municipalkörper gerichtet, und unter diesen gab es wenige, in denen im Laufe der Zeit nicht Mißbrauche eingerissen waren, welche genügenden Anhalt zu einem Prozeßverfahren darboten. Die Corporationen aber, welche jetzt angegriffen wurden, befanden sich noch im Alter der kindlichen Unschuld, die ältesten von ihnen hatten kaum ihr fünftes Lebensjahr erreicht, und es war unmöglich, daß viele von ihnen schon so schwer gesündigt haben sollten, daß sie eine Zurücknahme ihrer Privilegien verdienten. Den Richtern selbst war nicht wohl zu Muthe. Sie gaben zu bedenken, daß das, was man von ihnen verlange, den einfachsten und klarsten Grundsätzen des Rechts und der Gerechtigkeit schnurstracks zuwiderlaufe; aber alle Vorstellungen waren umsonst. Die Wahlorte wurden zur Rücksendung ihrer Freibriefe aufgefordert. Einige wenige kamen der Aufforderung nach; aber das Verfahren, welches der König gegen diese wenigen einschlug, war eben nicht geeignet, bei den anderen Vertrauen zu erwecken. In mehreren Städten wurde der Gesammtbürgerschaft das Wahlrecht entzogen und auf eine kleine Anzahl Personen beschränkt und diese mußten sich eidlich verpflichten, die von der Regierung empfohlenen Candidaten zu unterstützen. In Tewkesbury zum Beispiel wurde das Wahlrecht dreizehn Personen übertragen. Doch selbst diese Anzahl war noch zu groß. Haß und Furcht hatten sich so weit verbreitet, daß es kaum möglich war, auch durch die unredlichsten Mittel nur dreizehn Männer zu finden, auf die sich der Hof unbedingt verlassen konnte. Es hieß, daß die Mehrheit des neuen Wahlkörpers von Tewkesbury von dem nämlichen Sinne beseelt sei, welcher in der ganzen Nation überwiege, und daß derselbe an dem entscheidenden Tage zuverlässige Protestanten in’s Parlament schicken werde. Die Regulatoren drohten in heftigem Zorne, die Zahl der Wähler auf drei zu reduciren.[72] Inzwischen weigerte sich die große Mehrzahl der Wahlorte entschieden, ihre Privilegien aufzugeben. Barnstaple, Winchester und Buckingham zeichneten sich durch die Kühnheit ihres Widerstandes besonders aus. In Oxford wurde der Antrag, daß die Stadt ihr Wahlrecht dem Könige zurückgeben solle, mit achtzig gegen zwei Stimmen verworfen.[73] Der Tempel und Westminsterhall kamen durch die plötzliche Häufung von Aufträgen aus allen Theilen des Landes in ungewohnte Bewegung. Jeder Advokat von bedeutender Praxis erhielt Vollmachten über Vollmachten von den städtischen Corporationen, und die gewöhnlichen Clienten beklagten sich, daß ihre Angelegenheiten vernachlässigt würden.[74] Es lag auf der Hand, daß eine geraume Zeit darüber hingehen mußte, ehe eine so große Anzahl Prozesse entschieden werden konnten. Diese Verzögerung war der Tyrannei unerträglich. Es wurde nichts unterlassen, um die widerspenstigen Wahlkörper durch Drohungen zur Unterwerfung zu bringen. In Buckingham hatten einige Municipalbeamten sich in nicht eben lobender Weise ausgesprochen. Man machte ihnen den Prozeß und kündigte ihnen an, daß mit schonungsloser Strenge gegen sie verfahren werden würde, wenn sie sich nicht durch Herausgabe ihres Freibriefs loskauften.[75] In Winchester griff man zu noch strengeren Gewaltmaßregeln. Eine bedeutende Truppenabtheilung wurde in die Stadt gelegt, einzig und allein zu dem Zwecke, die Einwohner zu belästigen und zu quälen.[76] Die Stadt blieb fest und die öffentliche Stimme beschuldigte den König laut, daß er die schlimmsten Verbrechen seines Bruders von Frankreich nachahme; die Dragonaden hätten begonnen, sagte man. Man hatte auch wirklich Grund zu ernsten Besorgnissen. Jakob war auf den Einfall gekommen, daß er den Widerstandsgeist einer hartnäckigen Stadt nicht wirksamer brechen könne, als indem er den Einwohnern Soldaten in’s Quartier legte. Er mußte wissen, daß diese Maßregel sechzig Jahre früher heftigen Unwillen erregt und durch die Bitte um Recht, ein Gesetz, das von den Engländern kaum weniger verehrt wurde, als die Magna Charta, feierlichst für gesetzwidrig erklärt worden war. Aber er hoffte von den Gerichtshöfen eine Erklärung zu erlangen, daß selbst die Bitte um Recht die Prärogative nicht beschränken könne. Er fragte in der That den Oberrichter der Kings Bench über diesen Gegenstand um Rath;[77] aber das Resultat der Besprechung wurde geheim gehalten, und in einigen Wochen gestalteten sich die Dinge so, daß eine Furcht, welche noch stärker war, als selbst die vor der königlichen Ungnade, sogar einen so servilen Mann wie Wright bewog, ein wenig einzuhalten.

[Anmerkung 63: +Privy Council Book, Sept. 25. 1687, Febr. 21, 1687/88+.]

[Anmerkung 64: Acten der Corporation, angeführt in +Brand’s History of Newcastle+; Johnstone, 21. Febr. 1687/88.]

[Anmerkung 65: Johnstone, 21. Febr. 1687/88.]

[Anmerkung 66: Citters, 14.(24.) Febr. 1688.]

[Anmerkung 67: Citters, 1.(11.) Mai 1688.]

[Anmerkung 68: Am Rande der Geheimrathsacten findet man die Bemerkung „Zweite Regulation“ und „Dritte Regulation“, wenn ein Wahlkörper mehr als einmal umgestaltet worden war.]

[Anmerkung 69: Johnstone, 23. Mai 1688.]

[Anmerkung 70: Johnstone, 21. Febr. 1688.]

[Anmerkung 71: Diese Erlasse, so genannt nach den beiden Anfangsworten +Quo warranto+, ordneten eine Untersuchung über die Rechtsbefugnisse an, auf welche sich die Privilegien einer Corporation gründeten, und wenn sich eine Unregelmäßigkeit fand, wurde der Freibrief entzogen. D. Übers.]

[Anmerkung 72: Johnstone, 21. Febr. 1688.]

[Anmerkung 73: Citters, 20.(30.) März 1688.]

[Anmerkung 74: +Ibid.+ 1.(11.) Mai 1688.]

[Anmerkung 75: +Ibid.+ 22. Mai (1. Jun.) 1688.]

[Anmerkung 76: +Ibid.+ 1.(11.) Mai 1688.]

[Anmerkung 77: +Ibid.+ 18.(28.) Mai 1688.]

[_Untersuchung in allen öffentlichen Verwaltungszweigen._] Während die Lordlieutenants die Friedensrichter ausforschten und die Regulatoren die Wahlkörper umgestalteten, wurden alle Zweige des Staatsdienstes einer strengen Untersuchung unterworfen. Zuerst wurde der Palast gesäubert. Jeder mit Narben bedeckte alte Kavalier, der zum Ersatz für das der Sache des Königs geopferte Blut und Grundeigenthum ein Ämtchen in der königlichen Garderobe oder im Marstalle erhalten hatte, wurde aufgefordert, zwischen dem Könige und der Kirche zu wählen. Die Zoll- und Steuercommissare wurden zu Seiner Majestät ins Schatzamt beschieden, hier das Versprechen von ihnen verlangt, daß sie seine Politik unterstützen wollten, und ihnen bedeutet, daß sie allen ihren Unterbeamten ein ähnliches Versprechen abzunehmen hätten.[78] Ein Zollbeamter motivirte seine Unterwerfung unter den Willen des Königs in einer Weise, welche Heiterkeit und zugleich Mitleid erregte. „Ich habe,“ sagte er, „vierzehn Gründe, die mich bestimmen, Seiner Majestät Befehlen zu gehorchen: eine Frau und dreizehn unerzogene Kinder“.[79] Gegen solche Gründe ließ sich allerdings nichts einwenden; dennoch aber kamen nicht wenig Fälle vor, wo die religiösen und patriotischen Gefühle selbst solche Gründe überwogen.