Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe

Chapter 17

Chapter 173,467 wordsPublic domain

[_Der Earl von Shrewsbury._] Dem Hause de Vere, aber auch nur diesem, stand an Alter und Glanz das Haus Talbot nach. Seit der Regierung Eduard’s III. hatten die Talbot stets unter den Peers des Reichs gesessen. Das Earlthum Shrewsbury war im funfzehnten Jahrhundert Johann Talbot, dem Gegner der Jungfrau von Orleans, verliehen worden. Seine Landsleute hatten seiner noch lange in Liebe und Verehrung als eines der berühmtesten Krieger gedacht, welche auf dem europäischen Festlande ein großes englisches Reich zu gründen versuchten. Der unerschütterliche Muth, den er im Unglück gezeigt, hatten ihn zum Gegenstande einer größeren Theilnahme gemacht als glücklichere Feldherren sie erweckt haben, und sein Tod lieferte unsrer älteren Bühne den Stoff zu einer ungemein ergreifenden Scene. Seine Nachkommen waren zwei Jahrhunderte lang ein blühendes und ehrenvolles Geschlecht. Zur Zeit der Restauration war Franz, der elfte Earl, ein Katholik, das Oberhaupt der Familie. Sein Tod war von Umständen begleitet gewesen, die selbst in jenen zügellosen Zeiten, welche unmittelbar auf den Sturz der puritanischen Partei folgten, Abscheu und Mitleid erweckt hatten. Der Herzog von Buckingham war im Laufe seiner leichtfertigen Liebeshändel einen Augenblick von der Gräfin von Shrewsbury angezogen worden. Sie wurde leicht erobert. Ihr Gemahl forderte den Verführer zum Zweikampfe und fiel. Einige sagten, das pflichtvergessene Weib habe den Zweikampf in männlicher Verkleidung mit angesehen. Andere wollten sogar wissen, sie habe den siegreichen Geliebten ans Herz gedrückt, während sein Hemd noch vom Blute ihres Gatten geröthet war. Die Titel des Ermordeten gingen auf seinen unmündigen Sohn Karl über. Als der verwaiste Jüngling zum Manne heranwuchs, ward es allgemein anerkannt, daß kein andrer junger Adeliger Englands von der Natur so reich begabt sei. Er besaß ein einnehmendes Äußere, einen ungemein sanften Character und einen solchen Schatz von Talenten, daß er, selbst wenn er in einem niederen Stande geboren gewesen wäre, sich ohne Zweifel zu einer hohen Stellung im Staate emporgeschwungen haben würde. Alle diese natürlichen Vorzüge hatte er so gut angewendet, daß er schon vor seiner Volljährigkeit für einen der feinsten und kenntnißreichsten Gentlemen seiner Zeit galt. Für seine Gelehrsamkeit sprechen die noch vorhandenen eigenhändigen Anmerkungen von ihm zu Werken aus fast allen Zweigen der Literatur. Er sprach Französisch wie ein Kammerherr des Königs Ludwig und Italienisch wie ein Florentiner. Es war wohl natürlich, daß ein Jüngling von solchen Gaben nach den Gründen forschte, aus denen seine Familie sich der Staatsreligion nicht angeschlossen hatte. Er studirte sorgfältig die Streitpunkte, theilte seine Zweifel Priestern seines eignen Glaubens mit, legte deren Antworten Tillotson vor, erwog lange und aufmerksam die beiderseitigen Gründe und erklärte sich nach einer zweijährigen genauen Untersuchung zum Protestanten. Die anglikanische Kirche nahm den erlauchten Convertiten freudig in ihren Schooß auf. Er genoß einer großen Popularität, und diese nahm zu, als man erfuhr, daß der König umsonst Bitten und Versprechungen an ihn verschwendet hatte, um ihn zu dem Irrglauben zurückzuführen, den er abgeschworen. Der Character des jungen Mannes entwickelte sich jedoch nicht in einer Weise, welche Diejenigen, die an seiner Bekehrung den hauptsächlichsten Antheil hatten, vollkommen befriedigte. Seine Sittlichkeit entging der allgemeinen Ansteckung der modischen Ausschweifungen nicht. Der Stoß, der seine Jugendvorurtheile zerstört, hatte zu gleicher Zeit alle seine Überzeugungen erschüttert und ihn der schwankenden Leitung seiner Gefühle preisgegeben. Aber wenn auch seine Grundsätze ihren Halt verloren hatten, so waren doch die Triebfedern seines Handelns so edel, sein Gemüth so sanft, sein Benehmen so freundlich und gewinnend, daß es unmöglich war, ihn nicht zu lieben. Er wurde schon frühzeitig der König der Herzen genannt und verlor in seinem langen, ereignißvollen und bewegten Leben nie das Recht auf diese Bezeichnung.[39]

Shrewsbury war Lordlieutenant von Staffordshire und Oberst eines der Kavallerieregimenter, die in Folge des Aufstandes im Westen errichtet worden waren. Er weigerte sich jetzt, seine Thätigkeit durch die Regulatoren bestimmen zu lassen und wurde deshalb seiner beiden Stellen entsetzt.

[Anmerkung 39: +Coxe’s Shrewsbury Correspondence+; +Mackay’s Memoirs+; +Life of Charles Duke of Shrewsbury, 1718+; +Burnet, I. 762+; +Birch’s Life of Tillotson.+ In letzterem Werke findet der Leser einen Brief von Tillotson an Shrewsbury, der meiner Ansicht nach ein Muster von ernstem, freundschaftlichem und rücksichtvollem Tadel ist.]

[_Der Earl von Dorset._] Kein englischer Adeliger erfreute sich der Volksgunst in einem reicheren Maße als Karl Sackville, Earl von Dorset. Er war in der That ein merkwürdiger Mann. In seiner Jugend war er einer der bekanntesten Wüstlinge der zügellosen Zeit gewesen, welche auf die Restauration folgte. Er war der Schrecken der londoner Nachtwächter, hatte manche Nacht auf der Wache zubringen müssen und zum mindesten einmal eine Zelle in Newgate bewohnt. Seine Liebe zu Betty Morrice und zu Lorchen Gwynn, die ihn ihren Karl I. zu nennen pflegte, hatte der Stadt nicht wenig Stoff zur Unterhaltung und zum Ärgerniß gegeben.[40] Doch bei all’ seinen Thorheiten und Lastern hatte er sich durch hochherzigen Muth, durch scharfen Verstand und durch natürliche Herzensgüte ausgezeichnet. Die Leute meinten, die Ausschweifungen, denen er sich hingäbe, theile er mit dem ganzen Geschlechte der lebenslustigen jungen Kavaliere, aber sein Mitgefühl für die Leiden der Menschheit und die Großmuth, mit der er diejenigen, welche durch seine muthwilligen Streiche verletzt wurden, zu entschädigen suchte, sei nur ihm allein eigen. Seine Freunde wunderten sich darüber, daß das Publikum zwischen ihm und ihnen einen Unterschied machte. „Der kann thun was er will,“ sagte Wilmot; „ihm geschieht nie etwas.“ Das Urtheil der Welt über Dorset gestaltete sich noch günstiger, als er mit den Jahren und in der Ehe gesetzter wurde. Jedermann pries seine herablassenden Manieren, seine geistreiche Unterhaltung, sein weiches Gemüth und seine Freigebigkeit. Man sagte es vergehe kein Tag, ohne daß eine bedrängte Familie Ursache habe, seinen Namen zu segnen. Und doch war bei aller seiner Herzensgüte sein Witz so beißend, daß Spötter, deren Sarkasmus die ganze Stadt fürchtete, vor dem Sarkasmus Dorset’s zitterten. Alle politischen Parteien achteten und liebten ihn; ihm selbst aber behagte die Politik überhaupt nicht sonderlich. Hätte ihn die Nothwendigkeit zu Anstrengungen gespornt, so würde er wahrscheinlich zu den höchsten Posten im Staate gestiegen sein; aber er nahm schon durch seine Geburt einen so hohen Rang ein und war dabei so reich, daß ihm viele Beweggründe fehlten, welche die Menschen antreiben, sich mit den öffentlichen Angelegenheiten zu befassen. Er nahm gerade nur so viel Theil an parlamentarischen und diplomatischen Geschäften, als hinreichte, um zu beweisen, daß ihm nichts weiter fehlte als die Lust dazu, um mit Danby und Sunderland zu rivalisiren, und richtete seine Thätigkeit auf Bestrebungen, die ihm besser zusagten. Gleich vielen anderen Männern, welche mit großen natürlichen Fähigkeiten eine angeborne und gewohnheitsmäßige Indolenz verbinden, wurde er ein geistiger Genußmensch und ein Meister in allen unterhaltenden Zweigen des Wissens, die man sich ohne ernstes Studium aneignen kann. Er war anerkanntermaßen der beste Richter in der Malerei, der Sculptur, der Baukunst und der Schauspielerkunst, den der Hof aufzuweisen hatte. In Angelegenheiten der schönen Künste und Wissenschaften galt sein Urtheil in allen Kaffeehäusern für unwiderruflich maßgebend. Mehr als ein hübsches Theaterstück, das bei der ersten Aufführung durchfiel, wurde lediglich durch seine Autorität gegen das Geschrei des ganzen Parterres siegreich vertheidigt und bestand mit glücklichem Erfolge die zweite Probe. St. Evremond und Lafontaine rühmten die feine Eleganz seines französischen Styls. Noch nie hatte England einen solchen Gönner der Literatur gehabt. Er übte seine Freigebigkeit mit eben so richtiger Einsicht als liberaler Unparteilichkeit, keine Secte oder Faction wurde dabei von ihm bevorzugt. Geniale Männer, welche durch literarische Eifersucht oder durch Verschiedenheit ihrer politischen Meinung einander entfremdet waren, stimmten in der Anerkennung seiner unparteiischen Güte überein. Dryden gestand, daß Dorset’s fürstliche Freigebigkeit ihn vom Untergange gerettet habe. Und dennoch wurden Montague und Prior, welche Dryden durch beißende Satiren getadelt hatten, von Dorset ins öffentliche Leben eingeführt, und das beste Lustspiel von Dryden’s Todfeind, Shadwell, war auf Dorset’s Landsitze geschrieben. Hätte der freigebige Earl sonst gewollt, so hätte er sehr gut mit Denen rivalisiren können, deren Wohlthäter er zu sein sich begnügte, denn die Verse, die er gelegentlich dichtete, zeigen bei aller unkünstlerischen Form Spuren eines angebornen Genies, das bei sorgfältiger Pflege Großes hätte schaffen können. In dem kleinen Bande seiner Werke finden sich Lieder, welche die ungezwungene Lebendigkeit Suckling’s besitzen, und kleine Satiren, deren glänzender Humor dem eines Butler nicht nachsteht.[41]

Dorset war Lordlieutenant von Sussex und auf Sussex blickten die Regulatoren mit besonders ängstlicher Spannung, denn in keiner andren Grafschaft, Cornwall und Wiltshire ausgenommen, befanden sich so viele kleine Wahlorte. Er erhielt Befehl, sich auf seinen Posten zu begeben. Keiner von Denen, die ihn kannten, erwartete, daß er gehorchen werde. Er gab eine Antwort, wie sie sich für ihn ziemte, und wurde bedeutet, daß man seiner Dienste nicht mehr bedürfe. Das allgemeine Interesse, das er seinen vielen edlen und liebenswürdigen Eigenschaften verdankte, wurde nicht wenig erhöht, als man erfuhr, daß er durch die Post einen anonymen Brief erhalten hatte, worin ihm angekündigt wurde, daß, wenn er sich nicht sofort den Wünschen des Königs füge, ihn all’ sein Geist und seine Popularität nicht vor der Ermordung schützen werde. Eine ähnliche Warnung erhielt auch Shrewsbury. Drohbriefe waren damals viel seltener als sie es späterhin geworden sind, und man kann sich daher nicht darüber wundern, daß das ohnehin schon aufgeregte Volk zu dem Glauben geneigt war, die besten und edelsten Engländer seien wirklich für papistische Dolche ausersehen.[42] Gerade zu der Zeit, als diese Briefe in ganz London das Tagesgespräch bildeten, wurde der verstümmelte Leichnam eines angesehenen Puritaners auf der Straße gefunden. Es zeigte sich indessen bald, daß der Mörder die That nicht aus religiösen oder politischen Beweggründen verübt hatte. Aber der erste Verdacht des gemeinen Volkes fiel auf die Papisten. Die verstümmelten Überreste des Ermordeten wurden in feierlicher Prozession nach dem Jesuitencollegium im Savoy getragen und einige Stunden lang war die Furcht und Wuth der Menge kaum weniger heftig als an dem Tage, wo Godfrey zu Grabe getragen ward.[43]

Mit den übrigen Entlassungen muß ich mich kürzer fassen. Der Herzog von Somerset, dem vor einigen Monaten schon sein Regiment wieder abgenommen worden war, wurde nun auch seiner Stelle als Lordlieutenant des Ostbezirks[44] von Yorkshire enthoben. Die Statthalterschaft des Nordbezirks verlor der Viscount Fauconberg, die von Shropshire der Viscount Newark und die von Lancashire der Earl von Derby, der Enkel des tapferen Kavaliers, der auf dem Schlachtfelde sowohl als auf dem Schaffot für das Haus Stuart dem Tode so muthig ins Auge geblickt hatte. Der Earl von Pembroke, der unlängst der Krone gegen Monmouth treu und tapfer gedient hatte, wurde in Wiltshire, der Earl von Rutland in Leicestershire, der Earl von Bridgewater in Buckinghamshire, der Earl von Thanet in Cumberland, der Earl von Northampton in Warwickshire, der Earl von Abingdon in Oxfordshire, der Earl von Scarsdale in Derbyshire abgesetzt. Scarsdale verlor außerdem auch sein Reiterregiment und seine Stelle im Hofstaate der Prinzessin von Dänemark. Diese weigerte sich, ihn aus ihren Diensten zu entlassen und gab nur einem peremptorischen Befehle ihres Vaters nach. Der Earl von Gainsborough wurde nicht nur der Statthalterschaft von Hampshire, sondern auch des Gouverneurpostens von Portsmouth und des Wildmeisteramts im Neuen Forste entsetzt, zwei Stellen, die er erst vor wenigen Monaten für fünftausend Pfund gekauft hatte.[45]

Der König konnte keine angesehenen Lords und namentlich gar keine protestantischen auftreiben, welche die erledigten Stellen anzunehmen bereit waren. Man mußte zwei Grafschaften Jeffreys, einem Manne von sehr jungem Adel und von geringem Grundbesitz, und zwei andere Preston, der nicht einmal Peer von England war, zuertheilen. Die übrigen ihrer Statthalter beraubten Grafschaften wurden fast ohne Ausnahme bekannten Katholiken oder solchen Höflingen überwiesen, welche dem Könige im Geheimen versprochen hatten, zur römisch-katholischen Kirche überzutreten, sobald die Klugheit es ihnen gestatten würde.

[Anmerkung 40: Der König war nur Lorchen’s Karl III. Ob Dorset oder Major Hart die Ehre hatte ihr Karl I. zu sein, ist eine streitige Frage. Meines Bedünkens scheint Dorset gegründeteren Anspruch auf diesen Vorzug zu haben. Siehe die gestrichene Stelle in Burnet I. 263, und Pepys’ Tagebuch vom 26. Oct. 1667.]

[Anmerkung 41: +Pepys’s Diary+; Prior’s Widmung seiner Gedichte an den Herzog von Dorset; +Johnson’s Life of Dorset+; +Dryden’s Essay on Satire+ und seine Widmung des +Essay on Dramatic Poesy+. Dorset’s Liebe zu seiner Gattin und seine strenge eheliche Treue wird von dem ausschweifenden Narren Sir Georg Etherege in seinen Briefen aus Regensburg vom 9.(19.) Dec. 1687 und 16.(26.) Jan. 1688 mit höhnender Geringschätzung erwähnt; Shadwell’s Widmung zu seinem +Squire of Alsatia+; +Burnet I. 264+; +Mackay’s Characters.+ Einige Seiten von Dorset’s Character werden in seiner von Pope verfassten Grabschrift treffend angedeutet:

Doch sanft war sein Herz, wenn auch streng sein Lied;

und weiterhin:

Ein glücklicher Hofmann, von Fürst und Land geliebt, Und dennoch treu der Freundschaft und der Muße.]

[Anmerkung 42: Barillon, 9.(19.) Jan. 1688; Citters, Jan. 31. (Febr. 10.)]

[Anmerkung 43: Adda, 3.(13.) u. 10.(20.) Febr. 1688.]

[Anmerkung 44: Die Grafschaft York, die größte von England, wird in drei Bezirke (+Ridings+) eingetheilt. D. Übers.]

[Anmerkung 45: Barillon, 5.(15.), 8.(18.) u. 12.(22.) Dec. 1687; Citters, 29. Nov. (9. Dec.) u. 2.(12.) Dec.]

[_An die Obrigkeiten gerichtete Fragen, und Antworten darauf._] Endlich wurde die neue Maschinerie in Bewegung gesetzt und bald kam aus allen Gegenden des Landes die Nachricht von der vollständigen und hoffnungslosen Niederlage. Der Katechismus, nach welchem die Lordlieutenants die Gesinnungen der Landgentry erforschen sollten, bestand aus drei Fragen. Jeder Magistratsbeamte und jeder Stellvertreter des Lordlieutenants mußte gefragt werden, erstens ob er, im Fall er gewählt würde, um im Parlamente zu dienen, für eine im Sinne der Indulgenzerklärung gefaßte Bill stimmen wolle; zweitens ob er als Wähler seine Stimme solchen Candidaten geben wolle, die sich verpflichteten, für eine derartige Bill zu stimmen; und drittens ob er als Privatmann die wohlwollenden Zwecke des Königs fördern wolle, indem er mit Leuten jeder religiösen Überzeugung in Frieden lebte.[46]

Sobald diese Fragen bekannt geworden waren, wurde ein mit seltener Geschicklichkeit entworfenes Antwortformular im ganzen Lande verbreitet und allgemein angenommen. Es lautete folgendermaßen: „Im Fall mir die Ehre zu Theil werden sollte, einen Sitz im Hause der Gemeinen einzunehmen, werde ich als Mitglied dieses Hauses es für meine Pflicht halten, die Gründe, welche für und gegen eine Indulgenzbill im Laufe der Debatte geltend gemacht werden, sorgfältig zu erwägen, und dann nach meiner gewissenhaften Überzeugung zu stimmen. Als Wähler werde ich meine Stimme solchen Candidaten geben, deren Begriffe von den Pflichten eines Volksvertreters mit meinen eigenen übereinstimmen. Als Privatmann hege ich den Wunsch, mit Jedermann in Frieden und Eintracht zu leben.“

[Anmerkung 46: Citters, 28. Oct. (7. Nov.) 1687; +Lonsdale’s Memoirs.+]

[_Scheitern der Pläne des Königs._] Diese Antwort, die noch viel trotziger war als eine förmliche Weigerung, weil sie einen leichten Anflug von milder und anständiger Ironie hatte, über die man sich nicht wohl gereizt zeigen konnte, war Alles was die Emissäre des Hofes von den meisten Landgentlemen erlangen konnten. Gegenvorstellungen, Versprechungen und Drohungen wurden vergebens angewendet. Der Herzog von Norfolk, obgleich Protestant und mit dem Verfahren der Regierung unzufrieden, hatte sich zu ihrem Werkzeuge in zwei Grafschaften hergegeben. Er begab sich zuerst nach Surrey, wo er aber bald sah, daß er nichts ausrichten konnte.[47] Dann ging er nach Norfolk, von wo er ebenfalls bald zurückkehrte, um dem Könige zu melden, daß ihm von siebzig Gentlemen, welche in dieser großen Provinz öffentliche Ämter bekleideten, nur sechs Hoffnung gemacht hätten, die Politik des Hofes zu unterstützen.[48] Der Herzog von Beaufort, dessen Autorität sich über vier englische Grafschaften und über das ganze Fürstenthum Wales erstreckte, kam mit einem nicht minder niederschlagenden Berichte nach Whitehall.[49] Rochester war Lordlieutenant von Hertfordshire. Sein ganzer kleiner Schatz von Tugend war in dem Kampfe gegen die starke Versuchung, seine Religion für Geld zu verkaufen, aufgezehrt worden; er war noch durch einen Jahrgehalt von viertausend Pfund an den Hof gebunden, und zum Dank dafür war er zu jedem wenn auch noch so ungesetzlichen und erniedrigenden Dienste bereit, vorausgesetzt, daß man nicht die Formalität einer Aussöhnung mit Rom von ihm verlangte. Er hatte sich bereitwilligst der Aufgabe unterzogen, seine Grafschaft zu bearbeiten, und er ging dabei, wie immer, mit übereilter Heftigkeit und Gewaltthätigkeit zu Werke. Aber er verschwendete seinen Eifer vergebens an die starrsinnigen Squires, mit denen er es zu thun hatte. Sie erklärten ihm einstimmig, daß sie keinen Mann ins Parlament schicken wollten, der für die Beseitigung der Schutzwehren des protestantischen Glaubens stimmen würde.[50] Dieselbe Antwort erhielt der Kanzler auch in Buckinghamshire.[51] Die Gentry von Shropshire weigerte sich in einer zu Ludlow veranstalteten Zusammenkunft einhellig, sich durch das von dem Könige verlangte Versprechen zu binden.[52] Der Earl von Yarmouth berichtete aus Wiltshire, daß von sechzig Magistratsbeamten und Statthaltersubstituten, mit denen er gesprochen, nur sieben eine günstige Antwort gegeben hätten und daß man selbst diesen nicht trauen könne.[53] Der Renegat Peterborough richtete eben so wenig in Northamptonshire aus.[54] Nicht glücklicher war sein Genosse Dover in Cambridgeshire.[55] Auch Preston brachte schlechte Nachrichten aus Cumberland und Westmoreland; Dorsetshire und Huntingdonshire waren von dem nämlichen Geiste beseelt. Der Earl von Bath kehrte nach langem Stimmenwerben mit trostlosen Nachrichten aus dem Westen zurück. Er war ermächtigt worden, den Bewohnern dieser Gegenden die verführerischesten Anerbietungen zu machen. Insbesondere hatte er versprochen, daß, wenn die Wünsche des Königs gebührend berücksichtigt würden, der Zinnhandel von den auf ihm lastenden drückenden Beschränkungen befreit werden solle. Aber dieser Köder, dem man zu einer andren Zeit nicht widerstanden haben würde, wurde jetzt mit Verachtung zurückgewiesen. Alle Friedensrichter und Statthaltersubstituten von Devonshire und Cornwall erklärten ohne eine einzige Ausnahme, daß sie Gut und Blut für den König opfern würden, daß aber die protestantische Religion ihnen noch theurer sei als Gut und Blut. „Und,“ setzte Bath hinzu, „wenn Eure Majestät alle diese Gentlemen absetzte, so würden ihre Nachfolger ganz die nämliche Antwort geben“.[56] Wenn es irgend einen Bezirk gab, in welchem die Regierung auf einen günstigen Erfolg hoffen durfte, so war es Lancashire. Man hatte starke Zweifel gehegt, ob das Resultat in dieser Provinz mit dem der meisten anderen Grafschaften übereinstimmen werde. In keinem Theile des Landes gab es so viele reiche und angesehene Familien, welche dem alten Glauben anhingen, und die Oberhäupter vieler dieser Familien waren kraft der Dispensationsgewalt zu Friedensrichtern und Commandanten der Miliz ernannt worden. Doch auch von dort meldete der neue Lordstatthalter, selbst ein Katholik, daß zwei Drittel seiner Substituten und der Magistratsbeamten dem Hofe feindlich gesinnt seien.[57] Noch viel schmerzlicher verletzte das Ergebniß in Hampshire den Stolz des Königs. Arabella Churchill hatte ihm vor mehr als zwanzig Jahren einen Sohn geboren, der späterhin als einer der geschicktesten Generäle Europa’s weit und breit berühmt wurde. Der junge Mann hieß Jakob Fitzjames und bis dahin hatte noch nichts in ihm vermuthen lassen, daß er sich einst zu hoher Auszeichnung emporschwingen würde; aber sein Character und sein Benehmen waren so sanft und herzgewinnend, daß er keinen Feind hatte, außer Marien von Modena, welche den Sohn der Concubine schon seit langer Zeit mit dem bitteren Ingrimm einer kinderlosen Gattin haßte. Ein kleiner Theil der jesuitischen Faction hatte, bevor die Schwangerschaft der Königin angekündigt wurde, ganz ernstlich daran gedacht, ihn als Kronprätendenten neben der Prinzessin von Oranien aufzustellen.[58] Wenn man bedenkt, wie vollständig dem Herzoge von Monmouth, obgleich das niedere Volk ihn für legitim hielt und obgleich er der Vorkämpfer des nationalen Glaubens war, ein ähnlicher Versuch mißlang, so muß es unbegreiflich erscheinen, wie ein Mann durch den Fanatismus so ganz verblendet sein konnte, daß er nur auf die Idee kam, einen jungen Menschen, der allgemein als ein papistischer Bastard bekannt war, auf den Thron erheben zu wollen. Es läßt sich nicht mit Gewißheit sagen, ob der König diesem albernen Plane seinen Beifall zollte. Der junge Mann war übrigens als Prinz anerkannt und wurde mit allen Auszeichnungen überschüttet, welche ein nicht aus königlichem Blute entsprossener Unterthan nur irgend zu erlangen hoffen konnte. Er war zum Herzog von Berwick erhoben worden und bekleidete jetzt mehrere ehrenvolle und einträgliche Stellen, welche Edelleuten, die sich den königlichen Befehlen nicht hatten fügen wollen, abgenommen worden waren. Er war der Nachfolger des Earls von Oxford als Oberst der Blauen und des Earls von Gainsborough als Lordlieutenant von Hampshire, Wildmeister des Neuen Forstes und Gouverneur von Portsmouth. Berwick erwartete, daß ihn an der Grenze von Hampshire, der Sitte gemäß, ein langer Zug von Baronets, Rittern und Squires empfangen werde; aber nicht eine einzige angesehene Person hatte sich zu seiner Begrüßung eingefunden. Er sendete Schreiben aus, durch welche er die Gentry zu sich entbot, aber nur fünf oder sechs beachteten diese Einladung. Die Übrigen warteten ihre Entlassung gar nicht ab; sie erklärten im voraus, daß sie keinen Theil an der Civil- oder Militairverwaltung ihrer Grafschaft haben möchten, so lange der König daselbst durch einen Papisten vertreten sei, und legten ihre Stellen freiwillig nieder.[59]

Sunderland, der an die Stelle des Earls von Northampton zum Lordlieutenant von Warwickshire ernannt worden war, fand eine Ausflucht, um nicht in diese Grafschaft zu gehen und die Entrüstung und Verachtung der dortigen Gentry auf sich zu laden, und seine Entschuldigung wurde um so bereitwilliger angenommen, da der König endlich einzusehen begann, daß sich der Sinn der Landgentry nicht beugen ließ.[60]