Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe

Chapter 14

Chapter 143,472 wordsPublic domain

[_Anton Farmer vom Könige als Präsident empfohlen._] Die Wahl wurde auf den dreizehnten April festgesetzt und die Fellows aufgefordert, derselben beizuwohnen. Es ging die Rede, daß ein königliches Schreiben einlaufen werde, das einen gewissen Anton Farmer für die erledigte Stelle empfehle. Das Leben dieses Mannes war eine Reihenfolge ehrloser Handlungen. Er war Mitglied der Universität Cambridge gewesen und der Ausstoßung nur durch rechtzeitige freiwillige Entfernung entgangen. Dann hatte er sich den Dissenters angeschlossen und hierauf war er nach Oxford gegangen, um in das Magdalenen-Collegium einzutreten, wo er sich bald durch alle möglichen Laster auszeichnete. In der Regel taumelte er spät in der Nacht so betrunken, daß er nicht sprechen konnte, seinem Collegium zu. Es war allbekannt, daß er an der Spitze eines unehrenvollen Aufruhrs in Abingdon gestanden hatte, und er war ein regelmäßiger Gast bekannter Lieblingsorte von Wüstlingen gewesen. Endlich war er Kuppler geworden, hatte sogar die gewöhnliche Gemeinheit seines abscheulichen Gewerbes noch übertroffen und hatte von liederlichen jungen Leuten für Dienste, welche die Geschichte nicht gut erzählen kann, Geld genommen. Dieser erbärmliche Mensch war jetzt zum Papismus übergetreten. Sein Abfall sühnte alle seine Laster, und obgleich noch sehr jung, wurde er zum Vorsteher einer ernsten religiösen Gesellschaft empfohlen, in welcher das Ärgerniß, das er durch seine Lasterhaftigkeit gegeben, noch im frischen Andenken war.

Durch das allgemeine Landesgesetz war er als römischer Katholik von allen akademischen Ämtern ausgeschlossen, und da er niemals Fellow des Magdalenen-Collegiums noch des Neuen Collegiums gewesen, so hatte er der besonderen Verordnung Wilhelm’s von Waynflete gemäß gar kein Recht, sich um die erledigte Präsidentenstelle zu bewerben. Überdies hatte Waynflete den Mitgliedern seiner Stiftung noch ausdrücklich eingeschärft, daß sie bei der Wahl ihres Vorstehers namentlich auf seinen moralischen Character Rücksicht nehmen sollten, und hätte er auch keine derartige Weisung hinterlassen, so konnte eine meist aus Theologen bestehende Gesellschaft einem Mann wie Farmer schicklicherweise nicht die Leitung einer Bildungsanstalt übertragen.

Die Collegiaten stellten dem Könige ehrerbietigst vor, in welche Verlegenheit sie kommen würden, wenn das Gerücht, daß Farmer ihnen empfohlen werden sollte, sich als begründet erwies, und baten darum, daß Seine Majestät, wenn es ihm beliebe, sich in die Wahl einzumischen, ihnen einen Mann vorschlagen möchte, für den sie gesetzlicherweise und mit gutem Gewissen stimmen könnten. Von dieser ergebenen Bitte wurde keine Notiz genommen. Das königliche Schreiben lief ein. Der Überbringer desselben war ein Fellow des Collegiums, der unlängst Papist geworden war, Namens Robert Charnock, ein Mann von Talent und Geist, aber von heftigem und ruhelosem Temperament, das ihn einige Jahre später zu einem abscheulichen Verbrechen und zu einem entsetzlichen Schicksale trieb. Das Collegium versammelte sich am 13. April in der Kapelle. Man hatte noch immer einige Hoffnung, daß der König sich durch die an ihn gerichteten Vorstellungen werde bewegen lassen, und die Versammlung vertagte sich deshalb bis auf den 15. April, als den letzten Termin, an welchem die Wahl nach den Statuten des Collegiums stattfinden mußte.

[_Wahl des Präsidenten._] Der 15. April erschien und die Collegiaten versammelten sich wieder in ihrer Kapelle. Von Whitehall war keine Antwort gekommen. Einige der älteren Mitglieder, darunter Smith, waren der Meinung, die Wahl lieber noch einmal zu verschieben, als einen Schritt zu thun, der den König möglicherweise beleidigen konnte. Aber die Sprache der Statuten war klar und die Mitglieder des Collegiums hatten sich eidlich verpflichtet, dieselben zu befolgen. Die Ansicht der Mehrheit war daher, daß kein weiterer Aufschub stattfinden dürfe. Es erfolgte eine heftige Debatte. Die Wähler waren zu aufgeregt, als daß sie hätten auf ihren Plätzen bleiben können; die ganze Kapelle war in Aufruhr. Diejenigen, welche für die Vornahme der Wahl stimmten, beriefen sich auf ihre Eide und auf die Verordnungen des Stifters, dessen Brot sie aßen. Sie behaupteten ganz richtig, der König habe nicht das Recht, ihnen selbst einen geeigneten Candidaten aufzudringen. In der Hitze des Streits fielen einige für toryistische Ohren anstößige Äußerungen und Smith ließ sich zu der Bemerkung verleiten, der Geist Ferguson’s habe sich seiner Collegen bemächtigt. Mit großer Stimmenmehrheit wurde endlich der Beschluß gefaßt, die Wahl unverzüglich vorzunehmen. Charnock verließ die Kapelle. Die übrigen Fellows gaben, nachdem sie vorher das Sakrament empfangen, ihre Stimmen ab. Die Wahl fiel auf Johann Hough, einen Mann von seltener Tugend und Besonnenheit, der, nachdem er Verfolgungen mit hohem Muthe und das Glück mit ernster Würde ertragen, zu hohen Ehren emporgestiegen und noch höhere bescheiden abgelehnt hatte, mehr als sechsundfünfzig Jahre nach diesem ereignißvollen Tage in hohem Alter, aber noch in voller Kraft des Geistes starb.

Die Gesellschaft beeilte sich, dem Könige die Umstände auseinanderzusetzen, welche es nothwendig gemacht hatten, ohne weiteren Verzug zur Wahl eines Präsidenten zu schreiten, und ersuchte den Herzog von Ormond als Kanzler der ganzen Universität, und den Bischof von Winchester als Visitator des Magdalenen-Collegiums, das Amt der Vermittelung zu übernehmen. Der König aber war viel zu aufgebracht und viel zu befangen, als daß er auf derartige Verstellungen hätte hören können.

[_Die Mitglieder des Magdalenen-Collegiums werden vor die Hohe Commission geladen._] Anfangs Juni wurden die Collegiaten vor die Hohe Commission nach Whitehall beschieden. Fünf von ihnen kamen als Deputirte der Korporation der Aufforderung nach. Jeffreys behandelte sie nach seiner gewohnten Manier. Als einer von ihnen, ein ehrwürdiger Doctor, Namens Fairfax, einigen Zweifel an der Rechtsgültigkeit der Commission äußerte, begann er zu brüllen wie ein wildes Thier: „Wer ist der Mann? Wer giebt ihm das Recht, hier unverschämt zu sein? Ergreift ihn und steckt ihn in ein finstres Zimmer! Wie kann man ihn ohne Wächter lassen? Er steht als Wahnsinniger unter meiner Aufsicht. Es wundert mich, daß noch Niemand bei mir darauf angetragen hat, daß er in sicheres Gewahrsam gebracht werde.“ Als aber der Sturm ausgetobt hatte und die Aussagen über den sittlichen Charakter des vom Könige empfohlenen Kandidaten verlesen waren, hatte keiner der Commissare die Frechheit zu behaupten, daß ein solcher Mensch sich zum Präsidenten eines großen Collegiums eigne. Obadja Walker und die übrigen oxforder Papisten, die sich eingefunden hatten, um ihren Proselyten zu unterstützen, waren nicht wenig bestürzt. Die Commission erklärte Hough’s Wahl für ungültig und suspendirte Fairfax von seiner Collegiatur; von Farmer aber war keine Rede mehr und im August kam ein königliches Schreiben an, welches dem Collegium den Bischof von Oxford, Parker, empfahl.

[_Parker zum Präsidenten empfohlen._] Parker war kein erklärter Papist. Es lag jedoch ein Umstand gegen ihn vor, der, selbst wenn die Präsidentur erledigt gewesen wäre, hätte entscheidend sein müssen: er hatte weder dem Neuen Collegium noch dem Magdalenen-Collegium jemals angehört. Aber die Präsidentur war gar nicht erledigt, denn Hough war rechtskräftig gewählt und sämmtliche Mitglieder des Collegiums waren eidlich verpflichtet, ihn in seinem Amte zu erhalten. Sie entschuldigten sich daher mit vielen Versicherungen ihrer Loyalität und ihres Bedauerns, daß sie dem Befehle des Königs nicht Folge leisten könnten.

[_Die Karthause._] Während Oxford so der Tyrannei energisch entgegen trat, leistete man an einem andren Orte nicht weniger tapferen Widerstand. Jakob hatte vor einiger Zeit den Administratoren der Karthause, Männern von hohem Rang und Ansehen im Königreiche, den Befehl gegeben, einen römischen Katholiken, Namens Popham, in das unter ihrer Verwaltung stehende Hospital aufzunehmen. Der Vorsteher der Anstalt, Thomas Burnet, ein durch Genie, Gelehrsamkeit und Tugend ausgezeichneter Geistlicher, hatte, obgleich der wilde Jeffreys im Collegium saß, den Muth, sie darauf aufmerksam zu machen, daß jene Zumuthung dem Willen des Stifters sowohl als einer Parlamentsacte zuwiderlaufe. „Was thut dies zur Sache?“ fragte ein dem Vorstande angehörender Höfling. „Ich meine, es thut sehr viel zur Sache,“ antwortete eine von Alter und Sorgen geschwächte Stimme, die aber in keiner Versammlung ohne Achtung gehört wurde, die Stimme des ehrwürdigen Ormond. „Eine Parlamentsacte,“ fuhr der Patriarch der Kavalierpartei fort, „ist meiner Ansicht nach keine Kleinigkeit.“ Es wurde die Frage gestellt, ob Popham zugelassen werden solle, und der Beschluß lautete auf seine Zurückweisung. Da der Kanzler seinem Grolle nicht wohl durch Fluchen und Verwünschungen gegen Ormond Luft machen konnte, so lief er in voller Wuth fort und mehrere von der Minorität folgten ihm. In Folge dessen blieb keine beschlußfähige Anzahl übrig und es konnte daher auf den königlichen Befehl keine formelle Antwort gegeben werden.

Die nächste Sitzung fand nur zwei Tage, nachdem die Commission Hough’s Wahl für ungültig erklärt und Fairfax suspendirt hatte, statt. Die Administratoren erhielten einen zweiten Befehl mit dem großen Staatssiegel; aber das tyrannische Verfahren gegen das Magdalenen-Collegium hatte ihren Muth noch erhöht, anstatt ihn zu schwächen. Sie setzten ein Schreiben an Sunderland auf, durch welches er ersucht wurde, dem Könige mitzutheilen, daß sie im vorliegenden Falle Seiner Majestät nicht gehorchen könnten, ohne das Gesetz und ihre Amtspflicht zu verletzen.

Es dürfte kaum zu bezweifeln sein, daß, wenn diese Zuschrift nur von unbedeutenden Männern unterzeichnet gewesen wäre, der König irgend einen Gewaltschritt gethan haben würde. Aber selbst er erschrak beim Anblick der großen Namen Ormond, Halifax, Danby und Nottingham, der Oberhäupter aller Farben der großen Partei, der er seine Krone verdankte. Er begnügte sich deshalb, Jeffreys zu bedeuten, daß er das weiter einzuschlagende Verfahren in Erwägung ziehen solle. Einmal hieß es, es werde ein Prozeß bei der Kings Bench anhängig gemacht werden, ein andermal, die Kirchliche Commission werde den Fall in die Hand nehmen, aber diese Drohungen verstummten nach und nach wieder.[15]

[Anmerkung 15: +A Relation of the Proceedings at the Charterhouse, 1689.+]

[_Rundreise des Königs._] Der Sommer war jetzt weit vorgerückt und der König trat eine Reise an, die längste und glänzendste, die man seit vielen Jahren gesehen hatte. Am 16. August begab er sich von Windsor nach Portsmouth, besichtigte die Festungswerke, berührte einige mit Kröpfen Behaftete und fuhr dann in einer seiner Yachten nach Southampton. Von hier reiste er nach Bath, wo er sich einige Tage aufhielt und die Königin zurückließ. Als er wieder abreiste, begleiteten ihn der Obersheriff von Somersetshire und eine große Anzahl Gentlemen bis an die Grenze der Grafschaft, wo ihn der Obersheriff von Gloucestershire mit einem nicht minder glänzenden Gefolge erwartete. Der Herzog von Beaufort kam bald darauf den königlichen Equipagen entgegen und geleitete dieselben nach Badminton, wo ein des Rufes, den sich der Herzog durch seinen glänzenden Haushalt erworben hatte, würdiges Mahl für ihn angerichtet war. Am Nachmittag ging der Zug weiter nach Gloucester. Zwei Meilen vor der Stadt wurde er vom Bischofe und der Geistlichkeit bewillkommnet. Am Südthore erwartete ihn der Mayor mit den Schlüsseln. Die Glocken gingen und aus allen Röhrtrögen floß Wein, während der König durch die Straßen nach dem Platze zog, der die ehrwürdige Kathedrale umgiebt. Er übernachtete in der Dechanei und brach am folgenden Morgen nach Worcester auf. Von Worcester ging er nach Ludlow, Shrewsbury und Chester, und wurde überall mit äußeren Zeichen der Freude und Ehrerbietung empfangen, die er schwach genug war, als Beweise zu betrachten, daß die durch seine Maßregeln hervorgerufene Unzufriedenheit gedämpft sei und ihm ein leichter Sieg bevorstehe. Der scharfblickendere Barillon benachrichtigte Ludwig, daß der König in einer Täuschung befangen sei, daß die Reise keinen wirklichen Nutzen gebracht habe und daß die nämlichen Gentlemen von Worcestershire und Shropshire, die es für ihre Pflicht gehalten, ihren Souverain und Gast mit allen Ehrenbezeigungen zu empfangen, sich so widerspenstig als je zeigen würden, wenn die Testangelegenheit zur Sprache käme.[16]

Unterwegs schlossen sich dem königlichen Zuge zwei Höflinge an, die in Character und Meinungen weit von einander verschieden waren. Penn war auf einer geistlichen Hirtenreise in Chester. Seine Popularität und sein Ansehen waren unter seinen Glaubensbrüdern tief gesunken, seitdem er ein Werkzeug des Königs und der Jesuiten geworden war.[17] Jakob aber nahm ihn sehr freundlich auf und er durfte am Sonntage im Ballhause einen Vortrag halten, während Cartwright in der Kathedrale predigte und der König an einem in der Grafschaftshalle errichteten Altare die Messe hörte. Man sagt sogar, Seine Majestät habe geruht, einen Augenblick in das Ballhaus einzutreten und der melodischen Beredtsamkeit seines Freundes mit Anstand zuzuhören.[18]

Der wüthende Tyrconnel war von Dublin über den Kanal gekommen, um von seiner Verwaltung Bericht zu erstatten. Alle achtungswertheren englischen Katholiken behandelten ihn als einen Feind ihres Stammes und als eine Schande ihrer Religion mit Kälte. Sein Gebieter aber hieß ihn herzlich willkommen und entließ ihn mit Versicherungen seines ungeschwächten Vertrauens und seiner steten Unterstützung. Jakob vernahm mit großer Freude, daß bald die ganze Verwaltung Irlands in römisch-katholischen Händen sein werde. Die englischen Ansiedler waren schon ihrer ganzen politischen Macht beraubt, es blieb nur noch übrig, sie auch ihres Eigenthums zu berauben, und diese letzte Gewaltthat wurde so lange aufgeschoben, bis man sich die Mitwirkung eines irischen Parlaments gesichert haben würde.[19]

Von Cheshire wendete sich der König nach dem Süden und in der festen Überzeugung, daß die Fellows des Magdalenen-Collegiums es trotz ihres widerspenstigen Geistes nicht wagen würden, einem ihnen mündlich gegebenen Befehle den Gehorsam zu verweigern, reiste er nach Oxford. Auf dem Wege dahin machte er einige kleine Abstecher nach Orten, die ihn als König, als Bruder und als Sohn besonders interessirten. Er besuchte das gastliche Dach von Boscobel und die Überreste der Eiche, die in der Geschichte seines Hauses eine so wichtige Rolle spielt. Er fuhr über das Schlachtfeld von Edgehill, wo die Kavaliere zuerst mit den Soldaten des Parlaments die Schwerter kreuzten. Am 3. September speiste er mit großem Gepränge im Palast von Woodstock, einem alten berühmten Schlosse, von dem kein Stein mehr vorhanden ist, dessen Lage aber noch heute auf der Wiese des Blenheimparks durch zwei unweit der stattlichen Brücke stehende Platanen bezeichnet wird.

[Anmerkung 16: London Gazette vom 18. Aug. bis 1. Sept. 1687; Barillon, 19.(29.) Sept.]

[Anmerkung 17: +„Penn, chef des Quakers, qu’on sait être dans les intérêts du Roi d’Angleterre, est si fort décrié parmi ceux de son parti qu’il n’ont plus aucune confiance en lui.“+ -- Bonrepaux an Seignelay, 12.(22.) Sept. 1687. Gerhard Croese’s Zeugniß lautet ganz ebenso: +„Etiam Quakeri Pennum non amplius, ut ante ita amabant ac magnifaciebant, quidam aversabantur ac fugiebant.“ -- Historia Quakeriana, lib. II. 1695.+]

[Anmerkung 18: +Cartwright’s Diary, Aug. 30. 1687+; +Clarkson’s Life of William Penn.+]

[Anmerkung 19: +London Gazette, Sept. 5.+; +Sheridan MS.+; Barillon 6.(16.) Sept. 1687. +„Le Roi son maître,“+ sagt Barillon, +„a témoigné une grande satisfaction des mesures qu’il a prises, et a autorisé ce qu’il a fait en faveur des Catholiques. Il les établit dans les emplois et les charges, en sorte que l’autorité se trouvera bientôt entre leurs mains. Il reste encore beaucoup de choses à faire en ce pays là pour retirer les biens injustement ôtés aux Catholiques. Mais cela ne peut s’exécuter qu’avec le temps et dans l’assemblée d’un parlement en Irlande.“+]

[_Der König in Oxford._] Am Abend erreichte er Oxford, wo er mit den gewohnten Ehrenbezeigungen empfangen wurde. Die Studenten hatten sich in ihrer akademischen Tracht vom Stadtthore bis an den Haupteingang des Christchurch-Collegiums in einer Doppelreihe aufgestellt. Er stieg in der Dechanei ab, wo er unter anderen Bequemlichkeiten eine zum Meßdienst eingerichtete Kapelle vorfand.[20]

[Anmerkung 20: +London Gazette, Sept. 5, 8. 1687+.]

[_Er giebt den Collegiaten des Magdalenenstifts einen Verweis._] Den Tag nach seiner Ankunft erhielten die Fellows des Magdalenen-Collegiums Befehl, ihm ihre Aufwartung zu machen. Als sie vor ihm erschienen, behandelte er sie mit einem Übermuth, wie ihn die puritanischen Visitatoren gegen ihre Vorgänger nie bewiesen hatten. „Sie haben Sich nicht wie Gentlemen gegen mich benommen,“ rief er aus; „Sie haben Sich eben so unschicklich als ungehorsam gezeigt.“ Sie fielen auf die Knie und überreichten ihm eine Petition. Er wollte sie nicht ansehen. „Ist das die Loyalität Ihrer englischen Kirche? Ich hätte nicht gedacht, daß so viele Geistliche der Kirche Englands sich bei einer solchen Sache betheiligen könnten. Gehen Sie nach Hause, gehen Sie. Ich bin König und ich verlange Gehorsam. Gehen Sie augenblicklich in Ihre Kapelle und nehmen Sie den Bischof von Oxford auf. Und wehe Denen, die sich weigern, sie sollen das ganze Gewicht meiner Hand fühlen, sie sollen erfahren, was es heißt, sich die Ungnade seines Souverains zuziehen!“ Die noch immer vor ihm knieenden Collegiaten reichten ihm wiederholt ihre Petition dar. Er warf sie zornig zu Boden. „Gehen Sie, sage ich, ich nehme nichts von Ihnen an, bis Sie den Bischof aufgenommen haben!“

Sie gingen und versammelten sich augenblicklich in ihrer Kapelle. Es wurde die Frage gestellt, ob sie sich dem Befehle Seiner Majestät fügen sollten. Smith war abwesend, nur Charnock antwortete mit Ja. Alle übrigen Collegiaten erklärten, daß sie in allen gesetzlichen Dingen dem Könige bereitwilligst gehorchen, ihre Statuten und ihre Eide aber nicht verletzen würden.

Voll Zorn und Ärger über seine Niederlage verließ der König Oxford und kehrte nach Bath zur Königin zurück. Seine Hartnäckigkeit und Willkür hatte ihn in eine sehr schwierige Lage versetzt. Er hatte zu fest auf die Wirkung seiner finstren Miene und seiner gebieterischen Rede gerechnet und unbesonnenerweise nicht nur das Ansehen seiner Regierung, sondern auch seine persönliche Würde aufs Spiel gesetzt. Konnte er Unterthanen nachgeben, denen er mit erhobener Stimme und zornigen Geberden gedroht hatte? Konnte er es auf der andren Seite wagen, an einem Tage eine Anzahl achtungswerther Geistlicher aus ihrer Heimath zu vertreiben, weil sie eine in den Augen der ganzen Nation heilige Pflicht gethan hatten? Vielleicht gab es noch einen Ausweg aus dieser Verlegenheit, vielleicht konnte das Collegium doch noch durch Drohungen, durch Zureden oder durch Bestechung zur Unterwerfung gebracht werden.

[_Penn sucht zu vermitteln._] Man bediente sich Penn’s als Vermittler. Er hatte zuviel Rechtsgefühl, als daß er das gewaltsame und ungerechte Verfahren der Regierung hätte billigen können und er wagte es sogar, einem Theile seiner Gedanken Worte zu geben. Jakob beharrte wie gewöhnlich auf seinem Vorsatze, und der höfische Quäker that daher sein Möglichstes, um das Collegium vom Pfade des Rechts abzuziehen. Zuerst versuchte er es mit Einschüchterungen. Er sagte, der Gesellschaft drohe der Untergang, denn der König sei im höchsten Grade aufgebracht. Es sei allerdings ein schwerer Schritt für sie, das sahen die meisten Leute ein; aber jedes Kind wisse auch, daß Seine Majestät seinen Willen gern durchsetze und daß er Widerspruch nicht vertragen könne. Penn ermahnte daher die Collegiaten, nicht auf die Gerechtigkeit ihrer Sache zu pochen, sondern sich zu fügen oder wenigstens zu temporisiren. Ein solcher Rath klang sonderbar aus dem Munde eines Mannes, der selbst von der Universität vertrieben worden war, weil er wegen des Chorhemds einen Tumult hervorgerufen, der sich lieber der Gefahr der Enterbung ausgesetzt hatte, als daß er sich entschloß, vor einem königlichen Prinzen den Hut abzunehmen und der wegen seiner in Conventikeln gehaltenen Reden mehr als einmal in’s Gefängniß geschickt worden war. Es gelang ihm jedoch nicht, die Magdalenen-Collegiaten zu schrecken. In Antwort auf seine drohenden Winke wurde er daran erinnert, daß unter der vorigen Generation vierunddreißig von den vierzig Collegiaten lieber mit Freuden ihre geliebten Kreuzgänge und Gärten, ihre Halle und ihre Kapelle verlassen hätten und fortgegangen seien, ohne zu wissen wo sie ein Mahl oder ein Nachtlager finden würden, als daß sie ihren Unterthaneneid gebrochen hätten. Jetzt verlange der König die Verletzung eines andren Eides von ihnen, aber er solle erfahren, daß der alte Geist noch nicht erstorben sei.

Penn zog nun gelindere Saiten auf. Er hatte eine Besprechung mit Hough und einigen Collegiaten und begann endlich nach vielen Versicherungen von Theilnahme und Freundschaft die Möglichkeit eines Vergleichs in Aussicht zu stellen. Der König vertrage nun einmal keinen Widerspruch, sagte er, das Collegium müsse nachgeben und Parker annehmen. Aber seine Gesundheit sei schwankend und alle seine Ämter würden voraussichtlich bald erledigt sein. „Doctor Hough,“ setzte er hinzu, „kann dann Bischof von Oxford werden. Wie würde Ihnen das gefallen, meine Herren?“ Penn hatte während seines ganzen Lebens gegen eine Miethlingsgeistlichkeit gepredigt. Er hielt sich für verpflichtet, die Entrichtung von Zehnten zu verweigern, und dies selbst als er mit Zehnten belastete Ländereien gekauft hatte und ihm der Betrag der Zehnten von der Kaufsumme nachgelassen worden war. Nach seinen eigenen Grundsätzen würde er eine große Sünde begangen haben, wenn er sich dabei betheiligt hätte, dem frömmsten Geistlichen selbst unter den ehrenvollsten Bedingungen eine Pfründe zu verschaffen. Aber sein Character war durch schlechte Gesellschaft so verdorben und sein Verstand durch übermäßigen Eifer für einen einseitigen Zweck so verdunkelt, daß er keinen Anstand nahm, bei einer Simonie von ganz besonders unehrenhafter Art den Unterhändler abzugeben und ein Bisthum als Köder zu benutzen, um einen Geistlichen zum Eidbruche zu verführen. Hough erwiederte mit höflicher Geringschätzung, daß er von der Krone nichts weiter verlange als einfache Gerechtigkeit. „Wir sind an unsere Statuten und unsere Eide gebunden,“ sagte er; „aber auch ganz abgesehen von unseren Statuten und unseren Eiden fühlen wir uns verpflichtet, unsren Glauben zu vertheidigen. Die Papisten haben uns schon das University-Collegium und das Christchurch-Collegium geraubt, jetzt greifen sie auch das Magdalenen-Collegium an. Sie werden bald Alles haben.“

Penn war so unbesonnen, hierauf zu antworten, daß er ernstlich glaube, die Papisten würden nun zufrieden sein. „Das University-Collegium,“ sagte er, „ist ein schönes Collegium, Christchurch ein vortrefflicher Platz und Magdalenen ein herrliches Gebäude. Die Lage ist angenehm, die Gartenanlagen am Flusse reizend. Wenn die Katholiken vernünftig sind, werden sie sich damit begnügen.“ Diese alberne Erklärung würde allein schon Hough und seine Collegen in die Unmöglichkeit versetzt haben, nachzugeben. Die Unterhandlung wurde abgebrochen, und der König beeilte sich, seiner Drohung gemäß die Ungehorsamen fühlen zu lassen, was es hieß, sich seine Ungnade zuziehen.