Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe

Chapter 13

Chapter 133,215 wordsPublic domain

[Anmerkung 6: Dryden’s Prologe und Cibber’s Memoiren enthalten zahlreiche Beweise von dem Ansehen, welches der Geschmack der Oxforder bei den gefeiertsten Dichtern und Schauspielern genoß.]

[Anmerkung 7: Siehe das Gedicht: +Advice to the Painter upon the Defeat of the Rebels in the West+, sowie noch ein andres ganz abscheuliches Gedicht über den nämlichen Gegenstand von Stepney, welcher damals am Trinity-Collegium studirte.]

[_Verfahren gegen die Universität Cambridge._] Mehrere Parlamentsacte, die so klar waren als nur irgend eine Verordnung des Gesetzbuches, hatten vorgeschrieben, daß auf beiden Universitäten Niemand zu irgend einem Grade zugelassen werden sollte, ohne den Suprematseid und einen andren ähnlichen Eid, der Gehorsamseid genannt, abgelegt zu haben. Dessenungeachtet wurde im Februar 1687 ein königliches Schreiben nach Cambridge gesandt, worin die Aufnahme eines Benedictinermönches, Namens Alban Francis, als Magister der freien Künste anbefohlen wurde.

Die akademischen Würdenträger, zwischen der Ehrerbietung gegen den König und der Achtung vor dem Gesetz schwankend, waren in großer Verlegenheit. Es wurden in aller Eile Boten an den Herzog von Albemarle gesandt, der Monmouth’s Nachfolger als Kanzler der Universität war, und er wurde dringend ersucht, dem Könige die Sache in geeigneter Weise vorzustellen. Unterdessen begaben sich der Registrator und die Pedelle zu Francis und erklärten ihm, daß er sogleich aufgenommen werden solle, wenn er die gesetzlich vorgeschriebenen Eide leiste. Er weigerte sich dessen, machte den Beamten Vorwürfe wegen ihrer Nichtachtung des königlichen Befehls, und da sie nicht nachgaben, reiste er auf der Stelle wieder ab, um sich in Whitehall zu beschweren.

Die Vorsteher der Collegien versammelten sich zu einer Berathung. Die Gutachten der ausgezeichnetsten Rechtsgelehrten wurden abgehört und sie sprachen sich entschieden zu Gunsten des beobachteten Verfahrens aus. Aber schon war ein zweites hochmüthiges und drohendes Schreiben von Sunderland unterwegs. Albemarle antwortete der Universität unter vielen Versicherungen seiner Theilnahme und seines Bedauerns, daß er alles Mögliche gethan habe, aber vom Könige sehr kalt und unfreundlich aufgenommen worden sei. Der akademische Körper, durch die königliche Ungnade erschreckt und von dem aufrichtigen Willen beseelt, den Wünschen Seiner Majestät nachzukommen, dabei aber auch fest entschlossen, das klare Gesetz des Landes nicht zu verletzen, unterbreitete die bescheidensten und ehrerbietigsten Auseinandersetzungen, aber ohne Erfolg. Bald darauf kam eine Vorladung, welche den Vicekanzler und den Senat auf den 24. April vor die Hohe Commission nach Westminster beschied. Der Vicekanzler sollte in Person erscheinen, der Senat, der aus allen Doctoren und Magistern der Universität besteht, eine Deputation senden.

[_Der Earl von Mulgrave._] Als der festgesetzte Tag erschien, füllte sich der Sitzungssaal mit einer großen Zuschauermenge. Jeffreys fungirte als Präsident der Commission. Rochester war, seit ihm der weiße Stab abgenommen worden, nicht mehr Mitglied, anstatt seiner erschien der Lordkammerherr Johann Sheffield, Earl von Mulgrave. Das Schicksal dieses Edelmanns glich in einer Beziehung dem seines Collegen Sprat. Mulgrave schrieb Verse, die sich kaum über die absolute Mittelmäßigkeit erhoben, da er aber ein in den politischen und vornehmen Kreisen hochangesehener Mann war, so fanden seine Verse doch Bewunderer. Die Zeit zerstörte den Zauber, zu seinem Unglücke aber erst nachdem seine Gedichte bereits ein unveräußerliches Recht auf eine Stelle in allen Sammlungen englischer Dichtungswerke erlangt hatten. Dennoch werden bis auf den heutigen Tag seine, abgeschmackten Reimereien und seine jämmerlichen Lieder an Amoretta und Gloriana in Gesellschaft des „Comus“ und des „Festes Alexander’s“ immer wieder gedruckt. Die Folge davon ist, daß unsre Generation Mulgrave hauptsächlich als einen Dichterling kennt und ihn als solchen verachtet. Er war jedoch, wie selbst Diejenigen zugaben, die ihn weder liebten noch achteten, ein durch schöne Talente ausgezeichneter Mann und in der parlamentarischen Beredtsamkeit stand er kaum einem Redner seiner Zeit nach. Dagegen verdiente sein moralischer Character keine Achtung. Er war ein Wüstling, aber ohne jene Offenheit des Herzens und der Hand, welche zuweilen auch die Ausschweifung liebenswürdig, und ein stolzer Aristokrat ohne jene Hoheit der Denkungsart, welche zuweilen den aristokratischen Hochmuth achtungswerth macht. Die damaligen Satiriker gaben ihm den Spottnamen Lord Allpride (Ganzstolz). Sein Stolz vertrug sich indessen mit allen schmachvollen Lastern. Viele wunderten sich darüber, wie ein Mann, der ein so übertriebenes Gefühl seiner Würde zur Schau trug, in Geldangelegenheiten so zäh und knauserig sein konnte. Er hatte der königlichen Familie großes Ägerniß dadurch gegeben, daß er den Gedanken zu hegen wagte, das Herz und die Hand der Prinzessin Anna zu erobern. In dieser Hoffnung getäuscht, hatte er sich bemüht, durch kriechende Gemeinheit die durch Anmaßung verwirkte Gunst wieder zu gewinnen. Seine von ihm selbst verfaßte Grabschrift sagt noch heute jedem Besucher der Westminsterabtei, daß er in religiösen Dingen als Zweifler lebte und starb, und aus seinen hinterlassenen Memoiren ersehen wir, daß der römische Aberglaube ein Lieblingsthema seines Spottes war. Dennoch begann er unmittelbar nach Jakob’s Regierungsantritt eine starke Hinneigung zum Papismus zu zeigen und gerirte sich endlich privatim als Convertit. Der Lohn für diese verworfene Heuchelei war seine Anstellung bei der Hohen Commission.[8]

Vor diesem gefürchteten Tribunal erschien jetzt der Vicekanzler der Universität Cambridge, Doctor Johann Pechell. Er selbst war kein Mann von ausgezeichneter Befähigung und Energie, aber es begleiteten ihn acht vom Senat gewählte vorzügliche Akademiker. Einer davon war Isaak Newton, Fellow des Trinity-Collegiums und Professor der Mathematik. Sein Genie stand damals in seiner vollsten Kraft. Das große Werk, welches ihm die erste Stelle unter den Geometern und Naturforschern aller Zeiten und aller Nationen sichert, wurde seit einiger Zeit unter der Sanction der Königlichen Societät gedruckt und war seiner Vollendung nahe. Er war der entschiedenste Freund der bürgerlichen Freiheit und der protestantischen Religion, aber seine Gewohnheiten machten ihn für die Kämpfe des praktischen Lebens durchaus nicht geeignet. Er verharrte daher in bescheidenem Stillschweigen unter den Delegirten und überließ anderen Männern, welche im Geschäftsleben mehr bewandert waren, die Aufgabe, seine geliebte Universität zu vertheidigen.

Es konnte keinen klareren Rechtsfall geben. Das Gesetz ließ keinen Zweifel zu und die Praxis hatte fast stets im Einklang mit dem Gesetz gestanden. Es konnte vielleicht schon vorgekommen sein, daß an einem besonders feierlichen Tage, wo viele Ehrengrade verliehen wurden, in der Menge Einer durchgeschlüpft war, der die Eide nicht abgelegt hatte; aber eine solche Unregelmäßigkeit, lediglich die Folge der Eil und Unachtsamkeit, konnte nicht als Vorgang geltend gemacht werden. Fremde Gesandte verschiedener Glaubensrichtungen, insbesondere ein Muselmann, waren ohne die Eide aufgenommen worden. Aber es war eine große Frage, ob solche Fälle im Bereiche der Ansicht und des Geistes der betreffenden Parlamentsverordnungen lagen. Es war nicht einmal behauptet worden, daß schon einmal Jemand, dem die Eide angesonnen wurden und der sie nicht leisten wollte, einen akademischen Grad erlangt habe, und in dieser Lage befand sich Francis. Die Delegirten erboten sich zu beweisen, daß unter der vorigen Regierung mehrere königliche Befehle unberücksichtigt geblieben waren, weil die empfohlenen Personen sich dem Gesetz nicht hatten fügen wollen, und daß die Regierung sich in solchen Fällen stets bei dem Verfahren der Universität beruhigt habe, da sie es als das richtige anerkennen mußte. Jeffreys aber wollte von nichts hören. Er kam bald dahinter, daß der Vicekanzler ein schwacher, unerfahrener und schüchterner Mann war und ließ daher der ganzen Unverschämtheit, welche so lange der Schrecken der Old Bailey gewesen war, freien Lauf. Der unglückliche Doctor, der an ein solches Auditorium und an eine solche Behandlung nicht gewöhnt war, wurde bald so eingeschüchtert, daß er gänzlich die Fassung verlor. Sobald andere zur Verfechtung ihrer Sache besser befähigte Akademiker das Wort ergreifen wollten, wurden sie auf die unsanfteste Weise zum Schweigen gebracht. „Sie sind nicht Vicekanzler; wenn Sie es einmal sein werden, dann mögen Sie sprechen, bis dahin aber geziemt es Ihnen, den Mund zu halten.“ Die Angeklagten wurden, ohne gehört worden zu sein aus dem Gerichtssaale gewiesen. Nach einer Weile wurden sie wieder hereingerufen und ihnen kundgethan, daß die Commission beschlossen habe, Pechell seiner Würde als Vicekanzler zu entheben und ihm alle Einkünfte vorzuenthalten, die er als Vorsteher eines Collegiums bezog und welche ganz den Character eines unantastbaren Eigenthums hatten. „Sie, meine Herren,“ sagte Jeffreys zu den Delegirten, „sind größtentheils Theologen, und ich will Sie daher mit einer Stelle aus der Schrift heimschicken: „Gehet hin und sündigt fortan nicht mehr, damit Euch nicht etwas Ärgeres widerfahre.“[9]

[Anmerkung 8: +Mackay’s Character of Sheffield+ nebst Swift’s Note; +Satire on the Deponents, 1688+; +Life of John, Duke of Buckinghamshire, 1729+; Barillon, 30. Aug. 1687. Ich besitze ein handschriftliches Spottgedicht aus Mulgrave von 1690, das nicht ohne Witz ist. Die bemerkenswerthesten Zeilen sind diese:

Heut’ schmeichelt er dem Peters (Petre), morgen dem Burnet. Fragt nicht nach Glauben und Partei, denn alle sind ihm gleich.]

[Anmerkung 9: Siehe den Prozeß gegen die Universität Cambridge in der +Collection of State Trials+.]

[_Zustand Oxford’s._] Man sollte meinen, daß dieses Verfahren ungerecht und willkürlich genug war. Aber der König hatte schon angefangen, Oxford mit einer Strenge zu behandeln, im Vergleich zu welcher die gegen Cambridge bewiesene Milde genannt werden konnte. Schon war das University-Collegium durch Obadja Walker in ein römisch-katholisches Seminar verwandelt, schon stand das Christchurch-Collegium unter der Leitung eines römisch-katholischen Dechanten, schon wurde in diesen beiden Collegien täglich Messe gelesen. Die ruhige, majestätische Stadt, so lange das Bollwerk des monarchischen Prinzips, war von Leidenschaften aufgeregt, die sie bisher nie gekannt hatte. Die Untergraduirten verhöhnten mit stillschweigender Erlaubniß ihrer Vorgesetzten die Mitglieder von Walker’s Gemeinde und sangen Spottlieder unter ihren Fenstern. Einige Bruchstücke von den Serenaden, welche damals in High Street die Ruhe störten, sind der Nachwelt erhalten worden; der Refrain einer Ballade lautet:

„Der alte Obadja singt Ave Maria.“

Als die Schauspieler nach Oxford kamen, äußerte sich die öffentliche Meinung noch stärker. Es wurde Howard’s „Comité“ gegeben. Dieses bald nach der Restauration geschriebene Stück stellte die Puritaner in einem gehässigen und verächtlichen Lichte dar und war deshalb seit einem Vierteljahrhundert ein Lieblingsstück des oxforder Publikums. Jetzt war es beliebter als je zuvor, denn ein glücklicher Zufall wollte, daß eine der Hauptrollen ein alter Heuchler Namens Obadja war. Das Publikum brach in einen Beifallsjubel aus, als Obadja in der letzten Scene mit einem Strick um den Hals hereingeschleppt wurde, und der Applaus nahm zu, als einer der Schauspieler, von dem vorgeschriebenen Texte abweichend, ankündigte, daß Obadja wegen Glaubenabfalls gehängt werden solle. Der König war höchlich entrüstet über diesen Hohn. Die Stimmung der Universität war so rebellisch, daß eines der neu errichteten Regimenter, das welches gegenwärtig das zweite Gardedragonerregiment heißt, nach Oxford versetzt wurde, um einen Aufstand zu verhindern.[10]

Diese Vorgänge hätten Jakob überzeugen können, daß er einen Weg eingeschlagen hatte, der ihn ins Verderben führen mußte. An das Geschrei der Londoner war er schon längst gewöhnt. Es war zuweilen ungerechterweise, zuweilen vergebens gegen ihn erhoben worden; er hatte demselben wiederholt getrotzt und konnte ihm auch fernerhin trotzen. Daß aber Oxford, der Sitz der Loyalität, das Hauptquartier der Kavalierarmee, der Ort, wohin sein Vater und sein Bruder ihren Hof verlegten, wenn sie sich in ihrer stürmisch bewegten Hauptstadt nicht mehr sicher glaubten, der Ort, wo die Schriften der großen republikanischen Lehrer unlängst den Flammen überliefert worden waren, daß diese Stadt sich jetzt in einer unzufriedenen Gährung befand und die muthigen Jünglinge, die sich vor wenigen Monaten so eifrig als Freiwillige gemeldet hatten, um gegen die Insurgenten im Westen zu marschiren, jetzt nur mit Mühe durch Säbel und Karabiner im Schach gehalten wurden: das waren Zeichen von schlimmer Vorbedeutung für das Haus Stuart. Doch der abgestumpfte, starrsinnige und eigenwillige Tyrann beachtete den Warnungsruf nicht. Er hatte sich einmal vorgenommen, seiner Kirche die reichsten und glänzendsten Stiftungen Englands zu verschaffen. Umsonst machten ihm die besseren und verständigeren seiner römisch-katholischen Rathgeber Vorstellungen. Sie erklärten ihm, daß er der Sache seiner Religion viel nützen könne, ohne die Eigenthumsrechte zu verletzen. Eine Bewilligung von jährlich zweitausend Pfund aus seiner Privatchatulle würde hinreichen, um ein Jesuitencollegium in Oxford zu unterhalten, und diese Summe könne er leicht verschmerzen. Ein solches Collegium, mit tüchtigen, gelehrten und eifrigen Lehrern ausgestattet, würde ein gefährlicher Nebenbuhler für die alten akademischen Anstalten werden, welche nur zu deutliche Symptome einer von Reichthum und Sicherheit unzertrennlichen Erschlaffung zeigten. König Jakob’s Collegium würde bald selbst von den Protestanten hinsichtlich der Wissenschaften sowohl als auch der moralischen Zucht als die erste Bildungsanstalt der Insel anerkannt werden. Dies würde der wirksamste und zugleich glimpflichste Weg sein, um die anglikanische Kirche zu demüthigen und die römische zu Ansehen zu bringen. Der Earl von Ailesbury, einer der ergebensten Diener des königlichen Hauses, erklärte, daß er, obgleich Protestant und nicht reich, lieber selbst einen Beitrag von tausend Pfund zu diesem Zwecke hergeben wolle, als daß sein Gebieter die Eigenthumsrechte verletze und sein der Staatskirche gegebenes Wort breche.[11] Der Plan fand jedoch keinen Beifall in den Augen des Königs. Allerdings entsprach er auch in mehr als einer Beziehung seinem unfreundlichen Character nicht. Denn es machte ihm Vergnügen, den Sinn der Menschen zu beugen und zu brechen, und von seinem Gelde konnte er sich nur schwer trennen. Was er auf seine Kosten zu unternehmen nicht hochherzig genug war, das beschloß er auf Kosten Anderer durchzuführen. Wenn er einmal etwas begonnen hatte, so hielt sein Stolz und sein Starrsinn ihn ab, wieder zurückzutreten, und er ließ sich endlich Schritt für Schritt zu Handlungen türkischer Tyrannei verleiten, zu Handlungen, welche die Nation zu der Überzeugung bringen mußten, daß das Vermögen eines protestantischen Freisassen Englands unter einem römisch-katholischen König ebenso unsicher war, wie das eines Griechen unter der Herrschaft eines Moslem.

[Anmerkung 10: +Wood’s Athenae Oxonienses+; +Apology for the Life of Colley Cibber+; Citters, 2.(12.) März 1686.]

[Anmerkung 11: +Burnet, I.+ 697; Brief von Lord Ailesbury, abgedruckt im +European Magazine+, April 1795.]

[_Das Magdalenen-Collegium in Oxford._] Das Magdalenen-Collegium, gegründet im funfzehnten Jahrhundert von Wilhelm von Waynflete, Bischof von Winchester und Lordgroßkanzler, war eine der hervorragendsten unserer akademischen Institute. Ein schlanker Thurm, auf dessen Zinnen alljährlich am Morgen des ersten Mai von Choristen eine lateinische Hymne gesungen wurde, fesselte schon von weitem die Aufmerksamkeit des von London her kommenden Reisenden. Wenn er sich näherte, bemerkte er, daß dieser Thurm sich von einem mit Zinnen versehenen, zwar niedrigen und unregelmäßigen, aber doch sehr ehrwürdig aussehenden Gebäude erhob, das von Bäumen beschattet und von den trägen Fluthen des Chervell bespült wurde. Er trat durch einen Thorweg,[12] über dem eine stattliche Gallerie hinlief, in einen geräumigen Kreuzgang, der mit Emblemen der Tugenden und Laster, von den Bildhauern des funfzehnten Jahrhunderts roh in grauen Stein gemeißelt, verziert war. Der Tisch der Gesellschaft wurde in einem mit Gemälden und phantastischem Schnitzwerk reich ausgestatteten Refectorium gedeckt. Der Gottesdienst wurde früh und Abends in einer Kapelle gehalten, die von den Reformers und den Puritanern viel zu leiden gehabt hatte, aber trotz alledem ein wunderschönes Bauwerk war, das in unseren Tagen mit seltenem Geschmack und Geschick restaurirt worden ist. Die großen Gartenanlagen am Ufer des Flusses zeichneten sich durch hohe Bäume aus, unter denen ein Wunder der Pflanzenwelt unsrer Insel emporragte, eine riesige Eiche, welche hundert Jahre älter sein sollte, als das älteste Collegium der Universität.

Die Statuten der Gesellschaften bestimmten, daß die Könige von England und die Prinzen von Wales in dem Hause aufgenommen werden sollten, wie in ihrem eignen Palaste. Eduard IV. hatte das Gebäude bewohnt, als es noch nicht vollendet war. Richard III. hatte darin sein Hoflager gehalten, im großen Saale Disputationen mit angehört, war königlich bewirthet worden und hatte die Küche seiner Wirthe mit einem Geschenk von fetten Rehböcken aus seinen Forsten beehrt. Zwei muthmaßliche Thronerben, welche frühzeitig hinweggerafft wurden, Arthur, der ältere Bruder Heinrich’s VIII., und Heinrich, der ältere Bruder Karl’s I., hatten in dem Collegium studirt; ebenso auch ein andrer Prinz von Geblüt, der letzte und beste der römisch-katholischen Erzbischöfe von Canterbury, der menschenfreundliche Reginald Pole. Zur Zeit des Bürgerkriegs war das Collegium der Sache der Krone treu geblieben. Ruprecht hatte dort sein Hauptquartier aufgeschlagen, und ehe er zu einigen seiner kühnsten Unternehmungen auszog, hatte man in den stillen Kreuzgängen seine Trompeter zum Aufbruch blasen hören. Die Mehrzahl der Fellows waren Theologen und konnten den König nur mit Gebeten und Geldspenden unterstützen. Doch einer von den Mitgliedern der Gesellschaft, ein Doctor des Civilrechts, warb eine Truppe Untergraduirter und fiel an ihrer Spitze im tapferen Kampfe gegen die Soldaten von Essex. Als die Feindseligkeiten beendigt und die Rundköpfe Herren von England waren, verweigerten sechs Siebentel der Mitglieder der usurpirten Gewalt ihre Unterwerfung. In Folge dessen wurden sie aus ihren Wohnungen vertrieben und ihrer Einkünfte beraubt. Nach der Restauration kehrten die noch Lebenden an ihren lieblichen Wohnsitz zurück. Eine neue Generation war auf sie gefolgt, die ihre Ansichten und ihren Muth geerbt hatte. Zur Zeit des Aufstandes im Westen hatten diejenigen Collegiaten, welche nicht durch Alter oder Beruf zum Gebrauche der Waffen unfähig waren, sich bereitwilligst erboten, für die Krone zu kämpfen. Es dürfte schwerlich im ganzen Königreiche irgend eine Korporation zu finden sein, welche gerechteren Anspruch auf die Dankbarkeit des Hauses Stuart gehabt hätte.[13]

Die Gesellschaft bestand aus einem Präsidenten, vierzig Fellow’s, dreißig Studenten (+Demies+, Halbe genannt) und einer Anzahl von Kaplanen, Schreibern und Chorsängern. Zur Zeit der Generalvisitation unter Heinrich VIII. waren die Einkünfte viel bedeutender als die jeder andren ähnlichen Stiftung des Landes, fast um die Hälfte größer als die der reichen Stiftung Heinrich’s VI. in Cambridge und über noch einmal so groß als die, welche Wilhelm von Wykeham seinem Collegium in Oxford vermacht hatte. In den Tagen Jakob’s II. war der Reichthum des Magdalenen-Collegiums enorm und wurde durch das Gerücht noch übertrieben. Das Collegium wurde allgemein für reicher als die reichsten Abteien des Continents gehalten. Wenn die Pachtgelder alle eingingen, hieß es unter dem Volke, so beliefen sich die jährlichen Einkünfte auf die ungeheure Summe von vierzigtausend Pfund Sterling.[14]

Die Collegiaten waren durch die von dem Begründer festgesetzten Statuten ermächtigt, sich ihren Präsidenten unter Personen, welche Mitglieder ihrer Gesellschaft oder des Neuen Collegiums waren oder gewesen waren, selbst zu wählen. Dieses Recht war in der Regel mit völliger Freiheit ausgeübt worden. Nur in einzelnen Fällen waren königliche Zuschriften gekommen, welche dem Collegium befähigte Personen anempfahlen, die bei Hofe in Gunst standen, und es war in solchen Fällen Sitte gewesen, auf die Wünsche des Souverains gebührende Rücksicht zu nehmen.

Im März 1687 starb der Präsident des Collegiums. Einer der Fellows, Doctor Thomas Smith, vom Volke spottweise Rabbi Smith genannt, ein ausgezeichneter Reisender, Büchersammler, Alterthumsforscher und Orientalist, der Kaplan bei der Gesandtschaft in Konstantinopel gewesen und mit der Vergleichung der alexandrinischen Handschriften beauftragt worden war, bewarb sich um den erledigten Posten. Er meinte als Gelehrter und als eifriger Tory einigen Anspruch auf die Begünstigung von Seiten der Regierung zu haben. Seine Loyalität war auch in der That so glühend und so unwandelbar, wie man sie in der ganzer englischen Kirche nur finden konnte. Er war lange mit dem Bischof Parker von Oxford intim befreundet gewesen und hoffte durch die Verwendung dieses Prälaten ein königliches Empfehlungsschreiben an das Collegium zu erhalten. Parker versprach sein Möglichstes zu thun, berichtete aber bald, daß er auf Schwierigkeiten gestoßen sei. „Der König,“ sagte er, „mag Niemanden empfehlen, der nicht ein Freund seiner Religion ist. Was können Sie in dieser Beziehung thun, um ihn zufrieden zu stellen?“ Smith antwortete, daß, wenn er Präsident werden sollte, er sich bemühen würde, Gelehrsamkeit, wahres Christenthum und Loyalität zu fördern. „Das wird nicht genügen,“ sagte der Bischof. „Nun so mag Präsident werden wer da will,“ versetzte Smith mannhaft; „ich kann nicht mehr versprechen.“

[Anmerkung 12: Dieser Thorweg ist jetzt verschlossen.]

[Anmerkung 13: +Wood’s Athenae Oxonienses+; +Walker’s Sufferings of the Clergy.+]

[Anmerkung 14: +Burnet, I. 697+; +Tanner’s Notitia Monastica.+ Bei der Visitation im sechsundzwanzigsten Regierungsjahre Heinrich’s VIII. ergab es sich, daß die Einkünfte des Kings-Collegiums 751 Pfd. St., die des Neuen Collegiums 487 Pfd. St. und die des Magdalenen-Collegiums 1076 Pfd. St. betrugen.]