Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe

Chapter 12

Chapter 123,119 wordsPublic domain

Seite Consecration des Nuntius im St. Jamespalaste 5 Sein officieller Empfang. -- Der Herzog von Somerset 5 Auflösung des Parlaments 6 Gesetzwidrige Bestrafung militairischer Vergehen 7 Verfahren der Hohen Commission 8 Die Universitäten 9 Verfahren gegen die Universität Cambridge 10 Der Earl von Mulgrave 11 Zustand Oxford’s 13 Das Magdalenen-Collegium in Oxford 15 Anton Farmer, vom Könige als Präsident empfohlen 17 Wahl des Präsidenten 18 Die Mitglieder des Magdalenen-Collegiums werden vor die Hohe Commission geladen 18 Parker zum Präsidenten empfohlen 19 Die Karthause 19 Rundreise des Königs 20 Der König in Oxford 21 Er giebt den Collegiaten des Magdalenenstifts einen Verweis 22 Penn sucht zu vermitteln 22 Eine kirchliche Specialcommission wird nach Oxford gesandt 24 Hough’s Protest 24 Einsetzung Parker’s 25 Vertreibung der Collegiaten 26 Das Magdalenen-Collegium in ein papistisches Seminar verwandelt 27 Groll der Geistlichkeit 28 Pläne der jesuitischen Cabale in Bezug auf die Thronfolge 29 Jakob’s und Tyrconnel’s Plan, die Prinzessin von Oranien von der Erbfolge im Königreich Irland auszuschließen 30 Schwangerschaft der Königin 31 Allgemeiner Zweifel 31 Stimmung der Wahlkörper und der Peers 33 Jakob beschließt, ein bestochenes Parlament zusammenzusetzen 34 Die Regulatoren 36 Entlassung vieler Lordlieutenants 36 Der Earl von Oxford 36 Der Earl von Shrewsbury 37 Der Earl von Dorset 38 An die Obrigkeiten gerichtete Fragen, und Antworten darauf 41 Scheitern der Pläne des Königs 42 Liste der Sheriffs 45 Character der katholischen Landgentlemen 45 Stimmung der Dissenters 47 Regulirung der Corporationen 47 Untersuchung in allen öffentlichen Verwaltungszweigen 50 Entlassung Sawyer’s 51 Williams Generalprokurator 52 Zweite Indulgenzerklärung 53 Die Geistlichkeit erhält Befehl, sie von der Kanzel zu verlesen 53 Die Geistlichkeit ist unschlüssig 54 Patriotismus der protestantischen Nonconformisten Londons 54 Berathung der londoner Geistlichkeit 55 Berathung im Palast zu Lambeth 57 Die Petition der sieben Bischöfe dem Könige überreicht 57 Die londoner Geistlichkeit gehorcht dem königlichen Befehle nicht 60 Unschlüssigkeit der Regierung 61 Es wird eine gerichtliche Verfolgung der Bischöfe wegen Libells beschlossen 63 Sie werden im Geheimen Rathe verhört 63 Geburt des Prätendenten 65 Man hält ihn allgemein für untergeschoben 65 Die Bischöfe werden vor die Kings Bench gestellt und müssen Bürgschaft leisten 69 Aufregung der Gemüther 70 Sunderland’s Angst 71 Er erklärt sich für einen Katholiken 72 Prozeß der Bischöfe 72 Das Verdict der Geschwornen; Freude des Volks 80 Eigenthümlicher Zustand der öffentlichen Meinung zu jener Zeit 84

[_Consecration des Nuntius im St. Jamespalaste._] Die auffallende Unhöflichkeit des Papstes hätte wohl den sanftmüthigsten Fürsten reizen müssen. Auf Jakob aber machte sie keinen andren Eindruck, als daß er mit Schmeicheleien und Komplimenten noch verschwenderischer wurde. Während Castelmaine, das Herz von Zorn und Unwillen erfüllt, auf der Rückreise nach England begriffen war, wurde der Nuntius mit Ehrenbezeigungen überhäuft, die sein eigner Verstand verwerfen mußte. Er war in Folge einer bei der römischen Kirche häufig in Anwendung kommenden Fiction unlängst zur Bischofswürde ohne Bischofssitz erhoben worden. Jetzt wurde er zum Erzbischof von Amasia, einer Stadt am Pontus, dem Geburtsorte Strabo’s und Mithridates’, erhoben. Jakob bestand darauf, daß die Ceremonie der Consecration in der Kapelle des St. Jamespalastes stattfinden sollte. Der apostolische Vikar Leyburn und zwei irische Prälaten versahen den Dienst. Die Thüren wurden dem Publikum geöffnet und man bemerkte unter den Zuschauern einige von den Puritanern, die sich neuerdings dem Hofe angeschlossen hatten. Am Abend erschien Adda in seiner neuen Amtstracht im Gesellschaftszirkel der Königin. Jakob fiel angesichts des ganzen Hofes auf die Knie und bat um seinen Segen. Trotz aller Vorschriften der Etikette konnten die Umstehenden ihr Erstaunen und ihren Widerwillen nicht unterdrücken.[1] Es hatte in der That seit langer Zeit kein englischer Souverain vor einem Sterblichen gekniet und wer das sonderbare Schauspiel mit ansah, erinnerte sich unwillkürlich des schmachvollen Tages, an welchem Johann sich seine Krone von Pandolph aufs Haupt setzen ließ.

[Anmerkung 1: Barillon, 2.(12.) Mai 1687.]

[_Sein officieller Empfang. -- Der Herzog von Somerset._] Bald darauf fand eine noch prächtigere Schaustellung zu Ehren des Heiligen Stuhles statt. Es wurde beschlossen, daß der Nuntius sich in feierlicher Prozession an den Hof begeben sollte. Bei dieser Gelegenheit zeigten mehrere Personen, auf deren Gehorsam der König gerechnet hatte, zum ersten Male eine Neigung zur Widersetzlichkeit. Der Hervorragendste unter ihnen war der zweite Peer des Königreichs, Karl Seymour, gewöhnlich der stolze Herzog von Somerset genannt. Er war in der That ein Mann, bei dem Geburts- und Rangstolz fast zu einer krankhaften Manie geworden war. Sein ererbtes Vermögen war der hohen Stelle, die er unter dem englischen Adel einnahm, nicht angemessen; aber durch seine Vermählung mit der Tochter und Erbin des letzten Percy, der die alte Krone von Northumberland trug, war er in den Besitz des größten Vermögens in England gelangt. Somerset war erst fünfundzwanzig Jahre alt und im Publikum noch wenig bekannt. Er war Kammerherr des Königs und Oberst eines der Regimenter, welche zur Zeit des Aufstandes im Westen neu errichtet worden waren. Er hatte kein Bedenken dagegen erhoben, bei feierlichen Gelegenheiten das Staatsschwert in die königliche Kapelle zu tragen; diesmal aber weigerte er sich entschieden, an dem Festzuge zu Ehren des Nuntius Theil zu nehmen. Einige Mitglieder seiner Familie baten ihn dringend, sich das königliche Mißfallen nicht zuzuziehen; aber ihr Bitten war fruchtlos. Der König setzte ihn nun selbst zur Rede. „Ich hätte geglaubt, Mylord,“ sagte er, „daß ich Ihnen eine große Ehre erzeigte, indem ich Sie dazu ausersah, den Gesandten des ersten aller gekrönten Häupter zu begleiten.“ -- „Sire,“ entgegnete der Herzog, „ich bin darauf aufmerksam gemacht worden, daß ich Eurer Majestät nicht gehorchen kann, ohne das Gesetz zu verletzen.“ -- „Ich will Sie lehren, mich ebenso zu achten wie das Gesetz,“ erwiederte der König in hochfahrendem Tone. „Wissen Sie noch nicht, daß ich über dem Gesetz stehe?“ -- „Eure Majestät mögen über dem Gesetz stehen, ich aber nicht, und wenn ich dem Gesetz gehorche, fürchte ich nichts.“ Der König entfernte sich höchlich erzürnt und Somerset wurde augenblicklich seiner Stellen im Hofstaate und in der Armee entsetzt.[2]

In einem Punkte zeigte jedoch der König einige Klugheit. Er wagte es nicht, den päpstlichen Gesandten in feierlichem Aufzuge der ganzen Bevölkerung der Hauptstadt vorzuführen. Die Ceremonie fand am 3. Juli 1687 in Windsor statt. Eine große Menschenmenge strömte nach dem Städtchen. Der Schaulustigen waren so viele, daß sie weder Speise und Trank noch ein Unterkommen fanden und eine Menge vornehmer Leute den ganzen Tag in ihrem Wagen zubringen mußten, um das Schauspiel mit anzusehen. Spät am Nachmittag endlich erschienen die Leute des Hofmarschalls zu Pferde. Hierauf folgte ein langer Zug von Läufern und dann in einem königlichen Staatswagen Adda im Purpurmantel und mit einem Brillantenkreuze auf der Brust. Hinter ihm fuhren die Equipagen der vornehmsten Hofkavaliere und der Staatsminister. Mit großem Mißfallen bemerkte das Volk in dem Zuge die Wappen und Livreen Crewe’s, Bischofs von Durham, und Cartwright’s, Bischofs von Chester.[3]

[Anmerkung 2: +Memoirs of the Duke of Somerset+; Citters, 5.(15.) Juli 1687; +Eachard’s History of the Revolution+; +Clarke’s Life of James the Second, II. 116, 117, 118+; +Lord Lonsdale’s Memoirs.+]

[Anmerkung 3: +London Gazette, July 7. 1687+; Citters, 7.(17.) Juli; Bericht über die Ceremonie in den Somers’schen Schriften.]

[_Auflösung des Parlaments._] Am folgenden Tage erschien in der Gazette eine Proklamation, welche das Parlament auflöste, das von allen durch die Stuarts einberufenen Parlamenten das fügsamste gewesen war.[4]

Mittlerweile hatten sich neue Schwierigkeiten in Westminsterhall gezeigt. Erst vor wenigen Monaten waren mehrere Richter entlassen und andere an deren Stelle gesetzt worden, um in dem Prozesse gegen Sir Eduard Hales ein Erkenntniß zu Gunsten der Krone zu erlangen, und schon waren neue Änderungen nöthig.

[Anmerkung 4: +London Gazette, July, 4. 1687.+]

[_Gesetzwidrige Bestrafung militairischer Vergehen._] Der König hatte kaum die Armee gebildet, auf die er zur Ausführung seiner Pläne namentlich rechnete, so erkannte er auch schon, daß er sie selbst nicht regieren konnte. Wenn ein Krieg im Lande wüthete, so konnte ein Meuterer oder Deserteur vor ein Kriegsgericht gestellt und das Urtel durch den Generalprofoß vollzogen werden. Aber man war jetzt im tiefsten Frieden. Das englische Landrecht, das aus einem Zeitalter herrührte, wo erforderlichenfalls Jedermann, Niemand aber beständig die Waffen trug, machte in Friedenszeiten keinen Unterschied zwischen einem Soldaten und jedem andren Unterthan, und es gab kein Gesetz ähnlich dem, durch welches heutzutage dem Souverain alljährlich die zum Oberbefehl über die reguläre Truppenmacht nöthige Autorität verliehen wird. Zwar erklärten einige alte Verordnungen die Desertion in gewissen angeführten Fällen für Felonie; aber diese Verordnungen galten nur für die Soldaten, welche dem Könige im wirklichen Kriege dienten und konnten nicht ohne die arglistigste Willkür so weit ausgedehnt werden, daß sie auch auf einen Mann Anwendung fanden, der in einer Zeit der vollständigsten inneren und äußeren Ruhe des Lagers von Hounslow überdrüssig wurde und daher in sein heimathliches Dorf zurückkehrte. Die Regierung hatte offenbar über einen solchen Mann keine andre Macht, als die, welche ein Bäcker- oder Schneidermeister über seine Gesellen hat. Er und seine Offiziere standen vor dem Gesetz auf gleicher Stufe. Fluchte er gegen sie, so konnte er wegen Schwörens mit einer Geldstrafe belegt werden; schlug er sie, so konnte er wegen thätlicher Mißhandlung verklagt werden. Das stehende Heer stand factisch unter einer milderen Disciplin als die Miliz, denn die Miliz war durch eine Parlamentsacte errichtet worden, in welcher zugleich bestimmt war, daß Disciplinarvergehen summarisch mit leichten Strafen geahndet werden könnten.

Es scheint nicht, daß die aus diesem Zustande des Gesetzes entspringenden praktischen Nachtheile sich unter der Regierung Karl’s II. sehr fühlbar gemacht hatten, was sich vielleicht dadurch erklären läßt, weil bis zum letzten Jahre seiner Regierung die Streitmacht, die er in England unterhielt, hauptsächlich aus Haustruppen bestand, welche einen so hohen Sold bekamen, daß die Entlassung aus dem Dienste von den Meisten sehr schmerzlich empfunden worden wäre. Eine Anstellung als Gemeiner in der Leibgarde war für den jüngeren Sohn eines Gentleman eine gute Versorgung; selbst die Fußgarden wurden so gut bezahlt als Fabrikarbeiter unter besonders günstigen Verhältnissen, und sie befanden sich daher in einer Lage, um die sie die große Masse der arbeitenden Bevölkerung wohl beneiden konnte. Die Rückkehr der Garnison von Tanger und die Errichtung der neuen Regimenter hatte eine große Veränderung herbeigeführt. Es gab jetzt in England viele Tausend Soldaten, welche nur acht Pence den Tag erhielten. Die Furcht vor der Verabschiedung war nicht mehr hinreichend, um sie der Dienstpflicht treu zu erhalten, und körperliche Strafen durften die Offiziere gesetzlich nicht zuerkennen. Jakob hatte daher nur die Wahl, entweder die Armee ihrer Auflösung entgegengehen zu lassen oder die Richter zu der Erklärung zu bewegen, daß das Gesetz das sei, was es, wie jeder Student wußte, nicht war.

Es war besonders wichtig, die Mitwirkung zweier Gerichtshöfe zu gewinnen: der Kings Bench, welche der erste Criminalgerichtshof des Landes war, und des Gerichtshofs für Leerung der Gefängnisse, der in der Old Bailey saß und über die in der Hauptstadt begangenen Vergehen abzuurtheilen hatte. In beiden Gerichtshöfen aber stieß man auf große Schwierigkeiten. Herbert, der Oberrichter der Kings Bench, wollte trotz aller bis dahin bewiesenen Servilität nicht weiter gehen. Ein noch entschiedenerer Widerstand war von Sir Johann Holt zu erwarten, der als Syndikus der City von London auf der Bank der Old Bailey saß. Holt war ein ausgezeichnet gelehrter und aufgeklärter Jurist, dabei ein rechtschaffener und muthiger Mann und seine politische Meinung hatte eine whiggistische Färbung, obgleich er sich von allem Parteitreiben stets fern hielt. Dem Willen des Königs mußten jedoch alle Hindernisse weichen. Holt wurde seines Syndikats entsetzt. Herbert und ein andrer Richter von der Kings Bench entfernt, und die erledigten Stellen mit Männern besetzt, auf die sich die Regierung verlassen konnte. Allerdings mußte man in ziemlich niedere juristische Regionen hinabsteigen, ehe man Leute fand, welche zu Dienstleistungen, wie man sie jetzt brauchte, bereit waren. Der neue Oberrichter, Sir Robert Wright, war sprichwörtlich ein Ignorant, und die Unwissenheit war noch nicht sein ärgster Fehler. Seine Laster hatten ihn zu Grunde gerichtet. Um sich Geld zu verschaffen, hatte er zu unredlichen Mitteln seine Zuflucht genommen und einmal einen falschen Eid abgelegt, um in den Besitz von fünfhundert Pfund zu gelangen. Arm, ausschweifend und schamlos war er einer von den Schmarotzern Jeffreys’ geworden, der ihn beförderte und verächtlich behandelte. Dies war der Mann, den Jakob zum Lord Oberrichter von England erkor. Ein gewisser Allibone, der in der Rechtskunde noch unwissender war als Wright und als Katholik eigentlich gar nicht fähig war, ein öffentliches Amt zu bekleiden, wurde zum Unterrichter der Kings Bench ernannt. Sir Bartholomäus Shower, als serviler Tory und langweiliger Redner gleich bekannt, wurde Syndikus von London. Nachdem diese Veränderungen bewirkt waren, wurden mehrere Deserteurs zur Untersuchung gezogen und dem Wortlaute und dem Geiste des Gesetzes zum Hohn für schuldig befunden. Einige von ihnen vernahmen ihr Todesurtheil vor den Schranken der Kings Bench, Andere vor den Schranken der Old Bailey. Sie wurden vor den Augen der Regimenter, denen sie angehört hatten, gehängt und dafür Sorge getragen, daß diese Hinrichtungen durch die London Gazette, welche derartige Vorgänge nur selten berichtete, zur Öffentlichkeit gelangten.[5]

[Anmerkung 5: Siehe +Statutes 18 Henry 6. c. 19; 2 & 3 Ed. 6. c. 2.+; +Eachard’s History of the Revolution+; +Kennet, III. 468+; +North’s Life of Guildford, 247.+; + London Gazette, April 18. & May 23. 1687+; +Vindication of the E. of R. (Earl of Rochester.)+]

[_Verfahren der Hohen Commission._] Man kann wohl denken, daß das Gesetz, das so gröblich von denjenigen Gerichtshöfen verletzt wurde, deren ganze Autorität sich auf dasselbe gründete und die es als Richtschnur zu betrachten pflegten, von einem durch tyrannische Willkür errichteten Tribunale eben so wenig geachtet wurde. Während der ersten Monate ihres Bestehens hatte die neue Hohe Commission Geistlichen nur die Ausübung ihrer Amtshandlungen verboten; die Eigenthumsrechte waren noch unangetastet geblieben. Zu Anfang des Jahres 1687 aber beschloß man auch gegen die Pfründeneinkünfte einen Schlag zu führen und jedem anglikanischen Priester und Prälaten die Überzeugung beizubringen, daß, wenn er seine Beihülfe zur Vernichtung der Kirche, deren Diener er war, verweigerte, er in einer Stunde zum Bettler gemacht werden würde.

[_Die Universitäten._] Es würde der Klugheit angemessen gewesen sein, das erste Exempel an einem unbekannten Individuum zu statuiren. Die Regierung aber war in einer so unseligen Verblendung befangen, daß man dieselbe in einem naiveren Zeitalter als eine göttliche Strafe betrachtet haben würde. Es wurde daher ohne weiteres gleich von Anfang an den beiden ehrwürdigsten Korporationen des Reichs, den Universitäten Oxford und Cambridge, der Krieg erklärt.

Die Macht dieser beiden Körperschaften war schon seit vielen Jahrhunderten groß; in der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts aber hatte sie ihren Höhepunkt erreicht. Kein Nachbarland konnte sich so glänzender und reicher Sitze der Wissenschaft rühmen. Die Hochschulen von Edinburg und Glasgow, von Leyden und Utrecht, von Löwen und Leipzig, von Padua und Bologna kamen Gelehrten, welche in den prächtigen Stiftungen Wykeham’s und Wolsey’s, Heinrich’s VI. und Heinrich’s VIII. gebildet waren, ärmlich vor. Literatur und Wissenschaft waren in dem akademischen Systeme Englands mit Gepränge umgeben, mit obrigkeitlicher Gewalt bekleidet und mit den vornehmsten Institutionen des Landes eng verbunden. Kanzler einer Universität zu werden, war eine Auszeichnung, nach der die Magnaten des Reichs eifrig strebten; eine Universität im Parlament zu vertreten, war das Lieblingsziel des Ehrgeizes von Staatsmännern. Edelleute und selbst Fürsten waren stolz darauf, wenn eine Universität ihnen das Recht verlieh, den Scharlach der Doctorwürde zu tragen. Die Neugierigen wurden von den Universitäten angezogen durch alte, mit mittelalterlichen Verzierungen reich ausgestattete Gebäude, durch neuere Gebäude, welche glänzendes Zeugniß von dem künstlerischen Genie eines Jones und Wren gaben, durch imposante Hallen und Kapellen, durch Museen, durch botanische Gärten und durch die einzigen öffentlichen Bibliotheken, welche das Königreich damals besaß. Der Prunk, den namentlich Oxford bei feierlichen Gelegenheiten entfaltete, wetteiferte mit dem souverainer Fürsten. Wenn der Kanzler, der ehrwürdige Herzog von Ormond, in seinem geflickten Mantel auf seinem Throne unter der gemalten Decke der Sheldon’schen Tribüne saß, umgeben von vielen hundert Graduirten in der ihrem verschiedenen Range entsprechenden Kleidung, während die vornehmsten Jünglinge Englands ihm als Bewerber um akademische Ehren feierlich vorgeführt wurden, spielte er eine kaum minder königliche Figur als sein Gebieter im Bankethause zu Whitehall. Auf den Universitäten waren fast alle ausgezeichneten Geistlichen, Rechtsgelehrten, Ärzte, Schriftsteller, Dichter und Redner des Landes und zum großen Theil auch der hohe Adel und die reiche Gentry gebildet. Auch ist zu bemerken, daß die Verbindung zwischen dem Schüler und der Schule durch seinen Abgang nicht aufgelöst wurde. Er blieb oft während seines ganzen Lebens Mitglied des akademischen Körpers und behielt bei allen wichtigen Wahlen eine Stimme. Er hing daher an seinem alten Lieblingsaufenthalte am Cam und Isis mit weit größerer Zuneigung, als gebildete Leute sie in der Regel zu ihren Bildungsstätten empfinden. Es gab in England keinen Winkel, wo nicht beide Universitäten dankbare und treuergebene Söhne gehabt hätten. Jeder Angriff auf die Ehre oder die Interessen von Cambridge oder Oxford mußte nothwendig den Unwillen einer mächtigen, thätigen und intelligenten Klasse erregen, die über alle Grafschaften, von Northumberland bis Cornwall, zerstreut war.

Die seßhaften Graduirten waren vielleicht im Ganzen genommen den seßhaften Graduirten unsrer Zeit nicht überlegen, aber im Vergleich zu den anderen Gesellschaftskreisen standen sie damals auf einer viel höheren Stufe; denn Cambridge und Oxford waren die beiden einzigen Provinzialstädte im ganzen Königreiche, wo man eine bedeutende Anzahl hochgebildeter Männer fand. Selbst die Hauptstadt hatte große Achtung vor der Autorität der Universitäten, nicht nur in Fragen der Theologie, der Naturwissenschaften und des klassischen Alterthums, sondern auch in solchen Angelegenheiten, in denen die Hauptstädte in der Regel für die höchsten Instanzen gelten wollen. Von Will’s Kaffeehaus und dem Parterre des Drurylanetheaters appellirte man noch an die beiden großen Nationalsitze des Geschmacks und der Gelehrsamkeit. Schauspiele, die in London mit enthusiastischem Beifalle aufgenommen worden waren, galten erst dann für außer Gefahr, wenn sie die strenge Prüfung eines mit Sophokles und Terenz vertrauten Zuhörerkreises bestanden hatten.[6]

Die englischen Universitäten hatten ihren großen moralischen und intellectuellen Einfluß energisch zu Gunsten der Krone angewendet. Das Hauptquartier Karl’s I. war in Oxford gewesen und die silbernen Krüge und Teller sämmtlicher Collegien waren zur Unterstützung seiner Kriegskasse eingeschmolzen worden. Cambridge war nicht weniger loyal gesinnt. Es hatte ebenfalls einen großen Theil seines Silbergeräths in’s königliche Lager gesandt, und der Rest würde auch nachgefolgt sein, wäre die Stadt nicht von den Parlamentstruppen genommen worden. Beide Universitäten waren von den siegreichen Puritanern mit der äußersten Strenge behandelt worden, beide hatten die Restauration mit Freuden begrüßt, beide hatten sich der Ausschließungsbill standhaft widersetzt und ihren tiefsten Abscheu über das Ryehousecomplot ausgesprochen. Cambridge hatte nicht nur seinen Kanzler Monmouth abgesetzt, sondern seinen Unwillen über den Verrath des Herzogs sogar in einer eines Sitzes der Gelehrsamkeit unwürdigen Weise zu erkennen gegeben, indem es die Leinwand, auf der Kneller seine einnehmende Physiognomie und Gestalt mit künstlerischer Vollendung dargestellt hatte, den Flammen übergab.[7] Oxford, das dem Herde des westlichen Aufstandes näher lag, hatte noch stärkere Beweise von Loyalität gegeben. Die Studenten hatten mit Bewilligung ihrer Professoren zu Hunderten die Waffen zur Vertheidigung der erblichen Thronrechte ergriffen. Und diese Körperschaften beschloß Jakob jetzt in offenem Widerspruch mit den Gesetzen und mit seinem verpfändeten Worte zu beschimpfen und zu berauben.