Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Dritter Band

Part 8

Chapter 83,376 wordsPublic domain

Hauptsächlich aber verließ sich der König auf seine regulären Truppen. Churchill war mit den Blauen in den Westen gesandt worden und Feversham folgte mit allen Streitkräften, welche in der Umgegend von London entbehrt werden konnten. Nach Holland war ein Courier mit einem Briefe an Skelton abgegangen, worin dieser beauftragt wurde, die sofortige Absendung der in holländischem Dienste stehenden drei Regimenter nach der Themse zu verlangen. Als diese Aufforderung erfolgte, versuchte es die dem Hause Oranien feindlich gesinnte Partei, mit den Deputirten von Amsterdam an der Spitze, abermals eine Verzögerung herbeizuführen. Aber Wilhelm's Energie, der fast eben so viel zu verlieren hatte, als Jakob, und der Monmouth's Fortschritte mit ernster Besorgniß betrachtete, unterdrückte die Opposition und in einigen Tagen segelten die Truppen ab[72]. Die drei schottischen Regimenter waren schon in England; sie waren in vortrefflichem Zustande in Gravesend angelangt, und Jakob hatte sie bei Blackheath gemustert. Er erklärte dem holländischen Gesandten wiederholt, daß er nie in seinem Leben schönere und besser disciplinirte Soldaten gesehen habe und daß er dem Prinzen von Oranien, sowie den Generalstaaten für diese werthvolle und rechtzeitige Verstärkung seinen wärmsten Dank ausspreche. Diese Freude war jedoch nicht ganz ungetrübt. So trefflich die Leute auch bei der Musterung bestanden, so waren sie doch nicht ganz frei von dem Einflusse der holländischen Politik und der holländischen Gottesverehrung geblieben. Einer von ihnen ward erschossen und ein Andrer ausgepeitscht, weil er auf die Gesundheit des Herzogs von Monmouth getrunken hatte. Man hielt es daher nicht für rathsam, sie auf den gefährlichsten Posten zu stellen und behielt sie bis zur Beendigung des Feldzugs in der Umgegend von London; aber ihre Ankunft setzte den König in den Stand, einige Infanterie, die er sonst in der Hauptstadt gebraucht haben würde, nach dem Westen zu schicken[73].

Während die Regierung sich so zum Kampfe mit den Rebellen im offnen Felde rüstete, wurden auch Vorsichtsmaßregeln andrer Art nicht verabsäumt. In London allein wurden zweihundert Personen, von denen man befürchtete, daß sie sich an die Spitze einer whiggistischen Bewegung stellen könnten, verhaftet. Unter ihnen befanden sich einige sehr angesehene Kaufleute. Jedermann, der dem Hof mißliebig war, schwebte in beständiger Angst. Eine drückende Gewitterluft lagerte über der Hauptstadt. Die Börsengeschäfte stockten und die Theater waren so wenig besucht, daß eine neue Oper von Dryden, welche mit noch nie dagewesener Pracht in Scene gesetzt worden war, wieder zurückgezogen wurde, weil die Einnahme die Kosten der Aufführung nicht gedeckt haben würde[74]. Die Behörden und die Geistlichkeit waren allenthalben thätig, die Dissenters wurden überall scharf beobachtet. In Cheshire und Shropshire wüthete eine heftige Verfolgung, in Northamptonshire wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen und das Oxforder Gefängniß war mit Gefangenen überfüllt. Kein puritanischer Geistlicher, wie gemäßigt seine Meinung und wie vorsichtig sein Verhalten auch sein mochte, war sicher, daß er nicht seiner Familie entrissen und, in den Kerker geworfen wurde[75].

Inzwischen zog Monmouth von Bridgewater weiter, auf dem ganzen Marsche von Churchill beunruhigt, der Alles that, was ein tapferer und geschickter Offizier mit einer Handvoll Leute nur irgend auszurichten vermag. Das vom Feinde sowohl als von heftigem Regen arg belästigte Rebellenheer machte am Abend des 22. Juni in Glastonbury Halt. Die Häuser des Städtchens waren zur Aufnahme einer so bedeutenden Streitmacht nicht ausreichend; daher mußte ein Theil der Truppen in den Kirchen untergebracht werden und die übrigen zündeten zwischen den Ruinen der ehrwürdigen Abtei, einst dem reichsten Kloster unsrer Insel, ihre Wachtfeuer an. Von Glastonbury marschirte der Herzog nach Wells, und von Wells nach Shepton Mallet.[76]

[Anmerkung 70: +North's Life of Guildford+, 132. Berichte von Beaufort's Reise durch Wales und die benachbarten Grafschaften stehen in der London Gazette vom Juli 1684. Brief von Beaufort an Clarendon vorn 19. Juni 1685.]

[Anmerkung 71: Bischof Fell an Clarendon, 20. Juni; Abingdon an Clarendon, 20., 25. u. 26. Juni 1685; +Lansdowne MS+, 846.]

[Anmerkung 72: Avaux, 5.(15.) & 6.(16.) Juli 1685.]

[Anmerkung 73: Citters, 30. Juni (10. Juli), 3.(13.) & 21.(31.) Juli 1685; Avaux, 5.(15.) Juli; +London Gazette, July 6.+]

[Anmerkung 74: Barillon, 6.(16.) Juli 1685; Scotts Vorrede zu +Albion and Albanius+.]

[Anmerkung 75: Abingdon an Clarendon, vom 29. Juni 1685; +Life of Philip Henry, by Bates+.]

[Anmerkung 76: +London Gazette. June 22 & 25. 1685+; +Wade's Confession+; +Oldmixon, 703+; +Harl. MS. 6845.+]

[_Sein Plan auf Bristol._] Bis hierher scheint er zu keinem andren Zwecke von Ort zu Ort gezogen zu sein, als um Truppen zu sammeln; jetzt aber wurde es nöthig, daß er einen Plan für seine militairischen Operationen entwarf. Seine erste Idee war, sich Bristols zu bemächtigen, denn viele von den angesehensten Bewohnern dieser bedeutenden Stadt waren Whigs. Eine der Verzweigungen des Whigcomplots hatte sich bis dahin erstreckt, und die Besatzung bestand nur aus Milizen von Gloucestershire. Wenn Beaufort mit seiner bäuerlichen Mannschaft überwältigt werden konnte, ehe die regulären Truppen ankamen, so befanden sich die Rebellen mit einem Male im Besitz reicher Geldmittel; dadurch mußte das Vertrauen zu Monmouth's Waffen gehoben und seine Freunde im ganzen Lande ermuthigt werden, sich für ihn zu erklären. Bristol hatte Befestigungen, die allerdings auf der Nordseite des Avon gegen Gloucestershire hin schwach, im Süden gegen Somersetshire aber weit stärker waren. Es wurde daher beschlossen, den Angriff auf der Nordseite zu unternehmen. Zu dem Ende aber mußte man einen Umweg machen und bei Keynsham über den Avon gehen. Die Brücke bei Keynsham war jedoch von der Miliz theilweis zerstört worden und im Augenblicke ungangbar. In Folge dessen wurde eine Abtheilung vorausgeschickt, um die nöthigen Reparaturen vorzunehmen. Die anderen Truppen folgten langsamer und machten am Abend des 24. Juni in Pensford Halt, um auszuruhen. Hier waren sie nur noch fünf Meilen von der Südseite von Bristol entfernt; bis zur Nordseite aber, zu der man nur auf dem Umwege über Keynsham gelangen konnte, war noch ein starker Tagemarsch.[77]

Diese Nacht befand sich Bristol in geräuschvoller Aufregung und gespannter Erwartung. Die Anhänger Monmouth's wußten, daß er fast unter den Mauern der Stadt war, und glaubten, daß er noch vor Tagesanbruch bei ihnen sein werde. Etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang brach auf einem am Kai vor Anker liegenden Kauffahrteischiffe Feuer aus. Ein solcher Vorfall mußte in einem mit Schiffen angefüllten Hafen nothwendig große Bestürzung hervorrufen. Der ganze Strom war in Bewegung, das Volk wogte durch die Straßen und es ließen sich in der Dunkelheit und Verwirrung aufrührerische Rufe vernehmen. Whigs und Tories behaupteten nachher, das Feuer sei von Monmouth's Freunden in der Hoffnung angelegt worden, daß, während die Milizen damit beschäftigt waren, das Umsichgreifen des Brandes zu verhindern, das Rebellenheer einen kühnen Handstreich wagen und von der Südseite her in die Stadt eindringen könnten. Wenn dies wirklich der Plan der Brandstifter war, so hatten sie sich stark verrechnet, denn Beaufort ließ seine Truppen die ganze Nacht um die schöne Kirche St. Mary Redcliff, auf der Südseite des Avon, unter den Waffen stehen, anstatt sie an den Kai zu senden. Er sagte, er wolle eher ganz Bristol niederbrennen sehen, ja es selbst niederbrennen, als daß er es von Landesverräthern nehmen ließ. Mit Hülfe einer regulären Reiterei, welche vor wenigen Stunden von Chippenham aus zu ihm gestoßen war, konnte er einen Aufstand verhindern; wahrscheinlich aber würde es seine Kräfte überstiegen haben, zu gleicher Zeit die Mißvergnügten in der Stadt im Schach zu halten und einen Angriff von Außen abzuwehren. Doch es erfolgte kein solcher Angriff. Das Feuer, welches in Bristol so große Aufregung hervorgerufen, wurde in Pensford deutlich gesehen. Monmouth hielt es jedoch nicht für rathsam, seinen Plan zu ändern; er blieb bis Sonnenaufgang ganz ruhig und marschirte dann nach Keynsham, wo er die Brücke bereits reparirt fand. Er beschloß, seiner Armee den Nachmittag Ruhe zu gönnen und mit Einbruch der Dunkelheit nach Bristol weiter vorzurücken.[78]

[Anmerkung 77: +Wade's Confession.+]

[Anmerkung 78: +Wade's Confession+; +Oldmixon, 703+; +Harl. MS. 6845+; Ansprache Jeffrey's an die große Jury von Bristol, am 21. Sept. 1685.]

[_Er giebt den Plan auf Bristol auf._] Aber es war zu spät. Die königlichen Truppen waren ganz in der Nähe. Der Oberst Oglethorpe stürmte an der Spitze von ungefähr hundert Mann Leibgarden nach Keynsham, zerstreute zwei Reitertrupps der Rebellen, die sich ihm entgegenwarfen, und zog sich wieder zurück, nachdem er ihnen großen Schaden zugefügt, selbst aber nur unbedeutenden Verlust erlitten hatte. Unter diesen Umständen wurde es für nöthig erachtet, den Angriffsplan auf Bristol aufzugeben.[79]

Aber was war nun zu thun? Verschiedene Pläne wurden vorgeschlagen und berathen. Es wurde beantragt, Monmouth solle nach Gloucester eilen, dort über den Severn gehen, die Brücke hinter sich abbrechen und so, auf der rechten Flanke vom Flusse geschützt, durch Worcestershire nach Shropshire und Cheshire marschiren. Er war früher einmal durch diese Grafschaften gereist und daselbst mit der nämlichen Begeisterung aufgenommen worden, wie in Somersetshire und Devonshire. Sein Erscheinen regte den Eifer seiner alten Freunde ohne Zweifel von neuem an und seine Armee konnte binnen wenigen Tagen auf das Doppelte ihrer gegenwärtigen Stärke anwachsen.

Bei genauerer Überlegung zeigte es sich jedoch, daß dieser Plan, so vortrefflich er zu sein schien, unausführbar war. Die Rebellen waren für solche Märsche, wie die eben ausgeführten, zu schlecht mit Fußbekleidung versorgt, und das tägliche Waten durch tiefen Schmutz unter heftigen Regengüssen hatte sie erschöpft. Da sie ohne Zweifel bei jedem Haltorte durch die feindliche Reiterei beunruhigt und aufgehalten werden würden, durften sie nicht hoffen, Gloucester zu erreichen, ohne von dem Hauptcorps der königlichen Truppen eingeholt und unter den ungünstigsten Umständen zu einer Hauptschlacht gezwungen zu werden.

Hierauf wurde vorgeschlagen, in Wiltshire einzurücken. Personen, welche diese Grafschaft zu kennen behaupteten, versicherten den Herzog, es würden dort so ansehnliche Verstärkungen zu ihm stoßen, daß er unbedenklich eine Schlacht annehmen könnte.[80]

Er befolgte diesen Rath und wendete sich nach Wiltshire. Die erste Stadt, die er aufrief, war Bath. Aber Bath hatte eine starke königliche Besatzung und Feversham rückte in Eilmärschen heran. Die Rebellen machten daher keinen Angriffsversuch auf die Wälle, sondern eilten weiter nach Philip's Norton, wo sie am Abend des 26. Juni Halt machten.

Feversham verfolgte sie dahin, und am frühen Morgen des 27. Juni wurden sie durch die Nachricht erschreckt, daß er ihnen auf den Fersen sei. Sie ordneten sich nun und besetzten die nach der Stadt führenden Hecken.

Bald darauf erschien die Vorhut der königlichen Armee, bestehend aus etwa fünfhundert Mann unter dem Commando des Herzogs von Grafton, eines jungen Mannes von großer Kühnheit aber rauhen Manieren, der wahrscheinlich gern zeigen wollte, daß er an den unloyalen Plänen seines Halbbruders keinen Theil habe. Grafton befand sich bald in einer tiefliegenden Gasse, mit Zäunen zu beiden Seiten, von denen aus ein höchst unangenehmes Musketenfeuer unterhalten wurde.

[Anmerkung 79: +London Gazette, June 29. 1685+; +Wade's Confession.+]

[Anmerkung 80: +Wade's Confession+.]

[_Gefecht bei Philip's Norton._] Er rückte indessen muthig vor bis ans Thor von Philip's Norton. Hier fand er den Weg durch eine Barrikade versperrt, von welcher er mit einem dritten Feuer in die volle Fronte empfangen wurde. Setzt verloren seine Leute den Muth und ergriffen eiligst die Flucht. Ehe sie aus dem Hohlwege herauskamen, waren mehr als hundert von ihnen getödtet oder verwundet. Dem Herzoge von Grafton war von einer feindlichen Reiterabtheilung der Rückzug abgeschnitten; aber er schlug sich tapfer durch und kam glücklich davon.[81]

Die so zurückgeworfene Vorhut zog sich auf das Hauptcorps der königlichen Truppen zurück. Die beiden feindlichen Heere standen einander ganz nahe gegenüber und es wurden einige Schüsse gewechselt, die wenig oder gar keine Wirkung hatten. Auf keiner Seite war man zu einer ordentlichen Schlacht geneigt. Feversham wollte erst die Ankunft seiner Artillerie abwarten und zog sich deshalb nach Bradford zurück; Monmouth verließ mit Einbruch der Dunkelheit seine Stellung, marschirte südwärts und erreichte bei Tagesanbruch Frome, wo er Verstärkung zu finden hoffte.

Frome war seiner Sache zwar eben so eifrig zugethan als Taunton und Bridgewater, konnte aber nichts zu seiner Unterstützung thun. Die Bevölkerung hatte sich einige Tage zuvor erhoben und Monmouth's Erklärung war auf dem Marktplatze angeschlagen worden; aber die Nachricht von diesem Aufstande war dem Earl von Pembroke zugekommen, der in geringer Entfernung mit der Miliz von Wiltshire stand; er war augenblicklich nach Frome marschirt, hatte einen Haufen Landleute, die sich mit Sensen und Heugabeln ihm widersetzen wollten, in die Flucht geschlagen, war in die Stadt eingerückt und hatte die Bewohner entwaffnet. Es gab daher dort keine Waffen mehr und Monmouth war nicht im Stande, solche zu liefern.[82]

[Anmerkung 81: +London Gazette, July 2. 1685+; Barillon, 6.(16.) Juli; +Wade's Confession+.]

[Anmerkung 82: +London Gazette, June 29. 1685+; Citters, 30. Juni (10. Juli).]

[_Monmouth's Verzagtheit._] Das Rebellenheer befand sich in einer schlimmen Lage. Der Marsch in der vergangenen Nacht war höchst beschwerlich gewesen; es hatte in Strömen geregnet und die Wege waren dadurch zu wahren Morästen geworden. Von der aus Wiltshire versprochenen Verstärkung hörte man nichts mehr; ein Bote brachte die Nachricht, daß Argyle's Armee in Schottland zerstreut worden sei, ein andrer berichtete, daß Feversham, nachdem er seine Artillerie an sich gezogen, wieder anrücke. Monmouth verstand den Krieg zu gut, als daß er nicht hatte wissen sollen, daß seine Leute bei all' ihrem Muth und all' ihrem Eifer doch regulären Truppen nicht gewachsen waren. Er hatte sich bis jetzt noch immer mit der Hoffnung geschmeichelt, daß einige von den Regimentern, die er früher befehligt, zu ihm übergehen würden, aber diese Hoffnung mußte er jetzt aufgeben. Da verließ ihn der Muth; er hatte kaum noch Kraft genug, um Befehle zu geben. In seiner Noth beklagte er sich bitter über die bösen Rathgeber, die ihn verleitet hatten, sein glückliches Asyl in Brabant zu verlassen, und besonders gegen Wildman brach er in heftige Verwünschungen aus.[83] Jetzt stieg in seiner schwachen und geängstigten Seele ein schimpflicher Gedanke auf. Er wollte die Tausende, die auf seinen Ruf und für seine Sache ihre friedlichen Häuser und Felder verlassen hatten, den Händen der Regierung preisgeben. Er wollte sich mit seinen vornehmsten Offizieren heimlich entfernen, wollte einen Seehafen zu erreichen suchen, bevor man seine Flucht ahnete, wollte auf das Festland entfliehen und in den Armen der Lady Wentworth seinen Ehrgeiz und seine Schande vergessen. Diesen Plan besprach er ganz ernstlich mit seinen hauptsächlichsten Rathgebern. Einige von ihnen, denen um ihr Leben bange war, zollten demselben Beifall; Grey aber, dem selbst seine Verleumder es zugestehen, daß er überall unerschrocken war, wo nicht Schwertergeklirr und Kanonendonner ihn umgaben, widersetzte sich mit großer Entschiedenheit dem feigen Vorschlage und beschwor den Herzog, lieber jeder Gefahr Trotz zu bieten, als die aufopfernde Anhänglichkeit des westlichen Landvolks mit Undank und Verrath zu belohnen.[84]

Der Fluchtplan wurde aufgegeben, aber es war jetzt nicht leicht, irgend einen Operationsplan zu entwerfen. Nach London zu marschiren, wäre Wahnsinn gewesen, denn der Weg ging über die Ebene von Salisbury, auf welcher großen Fläche reguläre Truppen, besonders Kavallerie, gegen undisciplinirte Haufen zu sehr im Vortheil gewesen sein würden. In dieser kritischen Lage traf plötzlich die Nachricht ein, daß die Landbewohner der Marschen in der Umgegend von Axbridge zur Verteidigung des protestantischen Glaubens aufgestanden seien, daß sie sich mit Dreschflegeln, Knütteln und Heugabeln bewaffnet hätten und sich zu Tausenden bei Bridgewater sammelten. Monmouth beschloß, dahin zurückzukehren und sein Heer mit diesen neuen Verbündeten zu verstärken.[85]

Die Rebellen marschirten demgemäß nach Wells, wo sie in nicht sehr heitrer Stimmung ankamen. Sie waren, mit wenigen Ausnahmen, erbitterte Feinde des Prälatenthums und äußerten ihren Haß in einer Weise, die ihnen wenig Ehre machte. Sie rissen nicht nur das Bleidach von der prächtigen Kathedrale, um Kugeln daraus zu gießen, eine Handlung, die sie allenfalls mit den Bedürfnissen des Kriegs entschuldigen konnten, sondern zerstörten auch muthwilligerweise die Verzierungen des Gebäudes. Grey schützte nur mit Mühe den Altar vor den Schändungen einiger Buben, die an demselben zechen wollten, indem er sich mit gezognem Schwerte davor stellte.[86]

[Anmerkung 83: +Harl. MS.+ 6845; +Wade's Confession+.]

[Anmerkung 84: +Wade's Confession+; +Eachard, III.+, 766.]

[Anmerkung 85: +Wade's Confession+.]

[Anmerkung 86: +London Gazette, July 6. 1685+; Citters, 3.(13.) Juli; +Oldmixon. 703.+]

[_Seine Rückkehr nach Bridgewater._] Am Donnerstag den 2. Juli zog Monmouth wieder in Bridgewater ein, aber unter viel weniger erfreulichen Umständen, als er es vor zehn Tagen verlassen hatte. Die Verstärkung, die er daselbst fand, war unbedeutend, und die königliche Armee saß ihm dicht auf den Fersen. Einen Augenblick hatte er die Idee, die Stadt zu befestigen, und Hunderte von Arbeitern wurden aufgeboten, um Gräben zu ziehen und Schanzen aufzuwerfen, dann kehrte er wieder zu dem Plane zurück, nach Cheshire zu marschiren, ein Plan, den er in Keynsham als unausführbar verworfen und der jetzt, in Bridgewater, sich gewiß nicht günstiger gestaltet hatte.[87]

[Anmerkung 87: +Wade's Confession.+]

[_Die königliche Armee schlägt bei Sedgemoor ein Lager auf._] Während er so zwischen gleich hoffnungslosen Projecten schwankte, kamen ihm die Streitkräfte des Königs zu Gesicht. Sie bestanden aus ungefähr zweitausendfünfhundert Mann regulärer Truppen und etwa fünfzehnhundert Mann Miliz von Wiltshire. Sonntag, den 5. Juli, am frühen Morgen, verließen sie Somerton und schlugen noch denselben Tag ungefähr drei Meilen von Bridgewater auf der Ebene von Sedgemoor ihre Zelte auf.

Doctor Peter Mew, Bischof von Winchester, begleitete sie. Dieser Prälat hatte in seiner Jugend im Dienste Karl's I. gegen das Parlament die Waffen getragen. Weder seine Jahre, noch sein Beruf hatten seinen kriegerischen Eifer völlig gedämpft, und er dachte wahrscheinlich, daß die Anwesenheit eines Vaters der protestantischen Kirche im königlichen Lager einige rechtschaffene Männer, welche zwischen dem Abscheu vor dem Papstthum und dem Abscheu vor der Rebellion schwankten, in ihrer Loyalität befestigen könnte.

Auf dem Thurme der Pfarrkirche zu Bridgewater, welcher der höchste in ganz Somersetshire sein soll, hat man eine weite Aussicht über die Umgegend. Monmouth bestieg in Begleitung einiger Offiziere die Gallerie des viereckigen Thurmes, von wo aus die Spitze desselben sich erhebt, und beobachtete durch ein Fernrohr die Stellung des Feindes. Unter ihm lag eine flache Ebene, welche jetzt mit Kornfeldern und Obstpflanzungen bedeckt ist, damals aber, wie schon ihr Name andeutet,[88] ein trauriger Morast war. Wenn es stark geregnet hatte und der Parret mit seinen Nebenflüssen austrat, so wurde diese Ebene häufig überschwemmt. Sie bildete in der That schon in früheren Zeiten einen Theil des großen Sumpfes, von dem in unseren ältesten Chroniken gesagt wird, daß er die Fortschritte zweier aufeinanderfolgenden fremden Erobererstämme aufgehalten habe. Dieser Sumpf hatte lange die Celten gegen die Angriffe der Könige von Wessex geschützt und hatte Alfred eine Zuflucht vor den Verfolgungen der Dänen gewährt. In jenen fernen Zeiten konnte diese Gegend nur in Böten passirt werden; sie war ein großer See, in welchem eine Menge kleiner Inseln von veränderlicher und trügerischer Bodenbeschaffenheit zerstreut umherlagen, die mit üppigem Schilfe bewachsen waren und auf denen es von Rothwild und wilden Schweinen wimmelte. Noch zu den Zeiten der Tudors mußte der Reisende, den sein Weg von Ilchester nach Bridgewater führte, des Wassers halber einen Umweg von mehreren Meilen machen. Als Monmouth auf Sedgemoor niederblickte, war es durch die Kunst zum Theil entwässert und von zahlreichen tiefen Gräben durchschnitten, welche dort »Rhines« genannt werden. Inmitten des Moors erhoben sich in der nächsten Umgebung die Kirchthürme einige Dörfer, deren Namen andeuten, daß sie einstmals von den Fluthen bespült wurden. In einem dieser Dörfer, Weston Zoyland genannt, lag die königliche Reiterei und Feversham hatte daselbst sein Hauptquartier aufgeschlagen. Viele noch lebende Personen haben die Tochter der Magd gekannt, die ihn an jenem Tage bei Tische bediente, und eine große Schüssel von persischem Porzellan, welche ihm vorgesetzt wurde, wird noch immer in der Nachbarschaft sorgfältig aufbewahrt. Es muß bemerkt werden, daß die Bevölkerung von Somersetshire nicht, wie die der Fabrikdistrikte, aus Einwanderern aus entfernten Orten besteht. Man findet dort häufig Landwirthe, die noch den nämlichen Boden bebauen, den ihre Vorfahren bebauten, als die Plantagenets in England herrschten. Die Traditionen von Somersetshire sind daher für den Geschichtsforscher von nicht geringem Werthe.[89]

In größerer Entfernung von Bridgewater liegt das Dorf Middlezoy. In diesem Dorfe und seiner Umgebung war die Miliz von Wiltshire unter Pembroke's Befehlen einquartirt.

Auf offnem Moore, unweit Chozoy, lagerten mehrere Bataillone regulären Fußvolks. Wehmüthig blickte Monmouth auf sie herab, denn er erinnerte sich unwillkürlich daran, daß er vor wenigen Jahren an der Spitze einer aus den nämlichen Leuten bestehenden Colonne die wilden Enthusiasten, welche die Bothwelbrücke vertheidigten, in völliger Verwirrung vor sich her getrieben hatte. Er konnte in den feindlichen Reihen die tapfere Schaar unterscheiden, welche damals nach dem Namen ihres Obersten Dumbarton's Regiment hieß, schon längst aber als das erste Linienregiment bekannt war und in allen vier Welttheilen seinen alten Ruhm stets bewährt hat. »Ich kenne diese Leute«, sagte Monmouth, »die werden tüchtig kämpfen. Hätte ich nur sie, so würde Alles gut gehen!«[90]