Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Dritter Band
Part 25
Von den anderen sechs Commissaren waren drei Prälaten und drei Laien. Obenan stand der Name des Erzbischofs Sancroft. Dieser war jedoch der festen Überzeugung, daß das ganze Gericht ungesetzlich sei, daß alle Aussprüche desselben nichtig seien und daß er sich durch Theilnahme an demselben eine schwere Verantwortlichkeit aufbürden werde. Er beschloß daher, dem königlichen Rufe nicht Folge zu leisten. Allerdings handelte er bei dieser Gelegenheit nicht mit dem Muthe und der Aufrichtigkeit, die er zwei Jahre später bewies, als er aufs Äußerste getrieben wurde. Er entschuldigte sich mit Geschäften und angegriffener Gesundheit und setzte hinzu, die übrigen Mitglieder des Collegiums seien zu tüchtige Männer, als daß sie seines Beistandes bedürfen könnten. Diese leeren Ausflüchte ziemten sich in einer so hochwichtigen Angelegenheit nicht für den Primas von ganz England; auch schützten sie ihn nicht vor der königlichen Ungnade. Sancroft's Name wurde zwar nicht aus der Liste der Geheimen Räthe gestrichen, aber zum großen Verdruß der Freunde der Kirche wurde er nicht mehr zur Teilnahme an den Staatsrathssitzungen aufgefordert. »Wenn er zu kränklich oder zu beschäftigt ist, um in die Commission gehen zu können«, sagte der König, »so ist es nicht mehr als billig, ihn auch von dem Besuche des Geheimen Raths zu befreien.«[99]
Auf keine derartigen Schwierigkeiten stieß die Regierung bei Nathaniel Crewe, Bischof des großen und reichen Bisthums Durham, ein Mann von adeliger Abkunft, der in seinem Berufe so hoch gestiegen war, daß er kaum wünschen konnte, noch höher zu steigen, aber gemeinen Sinnes, eitel und feigherzig. Er war zum Dechant der königlichen Kapelle ernannt worden, als der Bischof von London aus dem Palaste verbannt wurde. Die Ehre, ein Mitglied der Hohen Commission zu werden, verrückte Crewe den Kopf. Umsonst machten ihn einige seiner Freunde darauf aufmerksam, welchen Gefahren er sich durch Betheiligung an einem gesetzwidrigen Gerichtshofe aussetzte. Er schämte sich nicht zu antworten, daß er ohne das königliche Lächeln nicht leben könne, und sprach frohlockend die Hoffnung aus, sein Name werde in der Geschichte fortleben, eine Hoffnung, die allerdings zum Theil in Erfüllung gegangen ist.[100]
Der dritte geistliche Commissar war Thomas Sprat, Bischof von Rochester. Er war ein Mann, dessen Talenten die Nachwelt kaum hat Gerechtigkeit widerfahren lassen. Zum Unglück für seinen Ruhm sind seine Verse gewöhnlich in die Sammlungen britischer Dichter aufgenommen worden, und wer ihn nach seinen Versen beurtheilt, muß ihn für einen sklavischen Nachbeter halten, der, ohne einen Funken von Cowley's bewunderungswürdigem Genie zu besitzen, gerade das in Cowley's Manier am wenigsten Empfehlenswerthe nachahmte; wer aber Sprat's prosaische Schriften kennt, wird eine ganz andre Meinung von seinem Talent haben. Er war in der That ein großer Meister unsrer Sprache und besaß zu gleicher Zeit die Beredtsamkeit des Redners, des Polemikers und des Historikers. Sein sittlicher Character würde wenig Tadel erfahren haben, hätte er einem weniger heiligen Stande angehört; aber das Schlimmste, was man ihm nachsagen kann, ist, daß er gleichgültig, genußsüchtig und weltlich war. Doch solche Fehler werden zwar bei Männern weltlichen Berufs gewöhnlich nicht für so schlimm gehalten, sind aber bei einem Prälaten sehr anstößig. Das Erzbisthum York war erledigt; Sprat hoffte es zu erhalten, und dies bewog ihn, einen Sitz bei der neuen geistlichen Behörde anzunehmen. Aber er war viel zu gutherzig, um Härte zu üben, und viel zu klug, um nicht einzusehen, daß ihn in Zukunft ein Parlament zur ernsten Rechenschaft ziehen konnte. Er nahm daher die Stelle an, bemühte sich aber, so mild als möglich aufzutreten und sich so wenig als möglich Feinde zu machen.[101]
Die anderen drei Commissare waren der Lordschatzmeister, der Lordpräsident und der Oberrichter der Kings Bench. Rochester mißbilligte die Sache und murrte dagegen, verstand sich aber dennoch zur Mitwirkung, so viel er auch am Hofe ertragen mußte, konnte er sich doch nicht entschließen, denselben zu verlassen. So sehr er der Kirche zugethan war, konnte er es doch nicht über sich gewinnen, ihr seinen weißen Stab, sein Patronat, seinen Gehalt von achttausend Pfund und die noch viel bedeutenderen Nebeneinkünfte seines Amtes aufzuopfern. Er entschuldigte sein Benehmen gegen Andere und vielleicht auch gegen sich selbst damit, daß er sagte, er könne als Mitglied der Hohen Commission viel Schlimmes verhüten und es werde sich, wenn er die Stelle ablehne, anstatt seiner leicht ein der protestantischen Kirche weniger ergebener Mann finden. Sunderland war der Repräsentant der jesuitischen Cabale. Herbert's kürzlicher Ausspruch in der Frage des Dispensationsrechts ließ erwarten, daß er sich keiner Dienstleistung, die der König von ihm verlangen könnte, entziehen werde.
[Anmerkung 97: Barillon, 21. Juli (1. Aug.) 1686; Citters, 16.(26.) Juli; +Privy Council Book, July 17.+; +Ellis Correspondence, July 17.+; +Evelyn's Diary, July 14.+; +Luttrell's Diary, Aug. 5. 6.+]
[Anmerkung 98: Die Devise war eine Rose und eine Krone. Vor der Devise stand der Anfangsbuchstabe des königlichen Namens, dahinter der Buchstabe +R.+ Die Umschrift lautete: +»Sigillum commissariorum regiae mejestatis ad causas ecclesiasticas.«+]
[Anmerkung 99: Anhang zu Clarendon's Tagebuch; Citters, 8.(18.) Oct. 1686; Barillon, 11.(21.) Oct.; +Doyle's Life of Sancroft.+]
[Anmerkung 100: +Burnet, I. 676.+]
[Anmerkung 101: +Burnet, II. 629+; Sprat's Briefe an Dorset.]
[_Verfahren gegen den Bischof von London._] Sobald die Commission eröffnet war, wurde der Bischof von London vor das neue Tribunal geladen. Er erschien. »Ich bitte Sie«, sagte Jeffreys, »um eine directe und bestimmte Antwort: warum haben Sie +Dr.+ Sharp nicht suspendirt?«
Der Bischof verlangte die schriftliche Vollmacht der Commission zu sehen, um zu erfahren, auf welche Autorität hin er so gefragt werde. »Wenn Sie unsre Autorität in Zweifel ziehen«, erwiederte Jeffreys, »so werde ich einen andren Weg mit Ihnen einschlagen. Was unsre Vollmacht betrifft, so bin ich überzeugt, daß Sie dieselbe bereits gesehen haben. Jedenfalls können Sie sie im ersten besten Kaffeehause für einen Penny lesen.« Diese unverschämte Antwort des Kanzlers erregte den Unwillen der anderen Commissare und er war genöthigt, einige ungeschickte Entschuldigungen vorzubringen. Dann kehrte er zu dem Punkte zurück, von dem er ausgegangen war. »Dies«, sagte er, »ist kein Gerichtshof, bei dem schriftliche Anklagen niedergelegt werden. Unser Verfahren ist summarisch und mündlich. Die Frage ist einfach die: warum haben Sie dem Könige nicht gehorcht?« Nicht ohne Schwierigkeit erlangte Compton einen kurzen Aufschub und die Gestattung eines Rechtsbeistandes. Nachdem der Fall vorgetragen war, sah Jedermann ein, daß der Bischof nur seine Pflicht gethan hatte. Der Schatzmeister, der Oberrichter und Sprat waren für die Freisprechung. Darüber gerieth der König in Zorn. Es schien, als ob die Hohe Commission ihn ebenso im Stiche lassen werde, wie ihn sein toryistisches Parlament im Stiche gelassen hatte. Er stellte daher Rochester die einfache Alternative, daß er entweder den Bischof für schuldig zu erklären oder das Schatzamt zu verlassen habe. Rochester war erbärmlich genug nachzugeben. Compton wurde aller seiner geistlichen Functionen entsetzt und die Verwaltung seines großen Sprengels seinen Richtern, Sprat und Crewe, übertragen. Er bewohnte jedoch nach wie vor seinen Palast und bezog seine Einkünfte fort, denn man wußte sehr wohl, daß, wenn man den Versuch gemacht hätte ihn seiner Emolumente zu berauben, er sich unter den Schutz des gemeinen Rechts begeben haben würde, und Herbert selbst erklärte, daß nach diesem Rechte das Urtheil gegen die Krone ausfallen müßte. Diese Erwägung bestimmte den König inne zu halten. Nur wenige Wochen waren verflossen, seitdem er die Gerichtshöfe von Westminsterhall neu zusammengesetzt hatte, um eine Entscheidung zu Gunsten seines Dispensationsrechts zu erlangen, und er überzeugte sich jetzt, daß er ohne eine nochmalige Sichtung nicht im Stande sein würde, einen Ausspruch zu Gunsten des Verfahrens seiner kirchlichen Commission zu erlangen. Er beschloß daher, die Einziehung der Revenuen widerspenstiger Geistlicher kurze Zeit aufzuschieben.[102]
[Anmerkung 102: +Burnet I. 677.+; Barillon, Sept. 6.(16.) 1686. Der öffentliche Prozeß befindet sich in der +Collection of State Trials+.]
[_Die öffentliche Schaustellung römisch-katholischer Gebräuche und Trachten erregt Unzufriedenheit._] Die Stimmung der Nation war allerdings auch von der Art, daß sie ihn wohl zum Einhalten bestimmen konnte. Seit einigen Monaten war die Unzufriedenheit in fortwährendem und reißend schnellem Wachsen begriffen. Die Feier des katholischen Gottesdienstes war lange Zeit durch eine Parlamentsacte verboten gewesen. Seit mehreren Generationen hatte kein römisch-katholischer Geistlicher es wagen dürfen, sich mit den Zeichen seines Amtes öffentlich blicken zu lassen. Gegen die Ordensgeistlichen und insbesondere gegen die nie ruhenden und verschmitzten Jesuiten war eine Reihe strenger Verordnungen erlassen worden. Jeder Jesuit, der dieses Land betrat, setzte sich der Gefahr aus, gehängt, geschleift und geviertheilt zu werden. Auf seine Entdeckung war eine Belohnung ausgesetzt; auf ihn fand die allgemeine Regel, daß Niemand sein eigner Ankläger sein könne, keine Anwendung. Wer in dem Verdachte stand, ein Jesuit zu sein, konnte befragt, und wenn er sich zu antworten weigerte, auf Lebenszeit eingesperrt werden.[103] Obgleich nun diese Gesetze nur in solchen Fällen, wo man eine besondere Gefahr vermuthete, streng gehandhabt worden waren und die Jesuiten keineswegs von England fern gehalten hatten, so hatten sie doch die größte Vorsicht nöthig gemacht. Jetzt aber wurde jede Verstellung bei Seite geworfen. Unverständige Mitglieder der Kirche des Königs suchten, durch ihn ermuthigt, etwas darin, Gesetzen, welche noch unbestreitbare Gültigkeit hatten, und Gefühlen, welche jetzt im Geiste der Nation tiefer wurzelten als je zuvor, Hohn zu sprechen. In allen Gegenden des Landes entstanden römisch-katholische Kapellen; Mönchskutten, Gürtelschnuren und Rosenkränze zeigten sich fortwährend auf den Straßen und setzten eine Bevölkerung in Erstaunen, deren älteste Leute noch nie eine Klostertracht, außer auf der Bühne, gesehen hatten. In Clerkenwall wurde auf der Stelle des ehemaligen Klosters St. Johann ein neues Kloster erbaut; die Franziskaner bezogen ein Haus in Lincoln's Inn Fields, die Carmeliter eins in der City; eine Gesellschaft Benedictinermönche quartierte sich im St. Jamespalast ein und im Savoy wurde ein geräumiges Haus mit Kirche und Schule für die Jesuiten erbaut.[104] Die Geschicklichkeit und Sorgfalt, mit der diese Väter seit mehreren Generationen die Erziehung, der Jugend geleitet, hatte selbst die weisesten Protestanten wider ihren Willen zu lobender Anerkennung genöthigt. Bacon hatte die in den Jesuitencollegien angewendete Unterrichtsmethode für die beste erklärt, die man bis jetzt kenne und sein lebhaftes Bedauern darüber ausgesprochen, daß ein so vorzügliches System geistiger und sittlicher Erziehung den Interessen einer verderbten Religion diene.[105] Es war nicht unwahrscheinlich, daß die neue Akademie im Savoy unter königlichem Patronate eine gefährliche Nebenbuhlerin für die großen Anstalten von Eton, Westminster und Winchester wurde. In der That zählte die Schule kurz nach ihrer Eröffnung bereits vierhundert Knaben, von denen ungefähr die Hälfte Protestanten waren. Die protestantischen Zöglinge hatten nicht nöthig die Messe zu besuchen, aber es unterlag keinem Zweifel, daß der Einfluß tüchtiger, der römisch-katholischen Kirche ergebener und mit allen Künsten, welche das Vertrauen und die Zuneigung der Jugend gewinnen, vertrauter Lehrer viele Convertiten machen werde.
[Anmerkung 103: +27 Eliz. c. 2.+; +2 Jac. 1. c. 4.+; +3 Jac. 1. c. 5.+]
[Anmerkung 104: +Clarke's Life of James the Second, II. 79, 80. Orig. Mem.+]
[Anmerkung 105: +De Augmentis, I. VI. 4.+]
[_Tumulte._] Diese Dinge riefen eine große Aufregung unter dem niederen Volke hervor, auf welches sinnliche Wahrnehmungen stets einen größeren Eindruck machen als Einwirkungen auf den Verstand. Tausende von einfachen und unwissenden Leuten, für welche die Dispensationsgewalt und die kirchliche Commission Worte ohne Bedeutung waren, sahen mit Besorgniß und Unwillen an den Ufern der Themse ein Jesuitencollegium sich erheben, Mönche in Kutte und Kaputze am Strande umhergehen und Schaaren von Andächtigen nach den Tempeln strömen, in denen geschnitzte Bilder angebetet wurden. Es brachen in verschiedenen Gegenden des Landes Aufstände aus. In Coventry und Worcester wurde der katholische Gottesdienst gewaltsam unterbrochen.[106] In Bristol führte der angeblich von der Behörde unterstützte Pöbel ein gottloses und unschickliches Schauspiel auf, in welchem die Jungfrau Maria durch einen Hanswurst dargestellt und eine karrikirte Hostie in Prozession umhergetragen wurde. Die Garnison mußte ausrücken, um den Pöbel zu zerstreuen. Dieser aber, schon damals, wie noch heute einer der wildesten des ganzen Reichs, leistete Widerstand, so daß es zu Thätlichkeiten kam und schwere Verletzungen vorfielen.[107] In der Hauptstadt war die Aufregung groß, und in der eigentlichen City größer als in Westminster, denn die Bewohner von Westminster waren an den Anblick der Privatkapellen der römisch-katholischen Gesandten gewöhnt, die City aber war seit Menschengedenken durch keine götzendienerische Schaugebung befleckt worden. Jetzt aber errichtete der Gesandte des Kurfürsten von der Pfalz auf Anregung des Königs in Lime Street eine Kapelle. Die Oberhäupter der Korporation, obgleich Männer, die wegen ihres bekannten Toryismus zu ihren Ämtern erwählt waren, protestirten gegen dieses Verfahren, das, wie sie sagten, von den gelehrtesten Herren von der langen Robe für ungesetzlich erklärt würde. Der Lordmayor wurde vor den Geheimen Rath gefordert. »Bedenkt wohl was Ihr thut«, sagte der König zu ihm: »gehorcht mir und kümmert Euch weder um die Herren von der langen Robe noch um die Herren von der kurzen Robe.« Hierauf nahm der Kanzler das Wort und gab dem unglücklichen Mayor mit der ächten Beredtsamkeit der Old-Bailey-Barre einen Verweis. Die Kapelle wurde geöffnet, und bald gerieth die ganze Nachbarschaft in Aufruhr. Große Volkshaufen rotteten sich in Cheapside zusammen, um das neue Meßhaus anzugreifen. Die Priester wurden insultirt, ein Kruzifix wurde aus der Kapelle geholt und auf den Gemeindebrunnen gepflanzt. Der Lordmayor kam herbei, um den Aufstand zu dämpfen, wurde aber mit dem Geschrei: »Keine hölzernen Götter!« empfangen. Jetzt wurde die Miliz aufgeboten, um den Haufen zu zerstreuen, aber sie theilte die Ansichten des Volks und man hörte in ihren Reihen Äußerungen wie diese: »Wir können mit gutem Gewissen nicht für den Papismus kämpfen.«[108]
Der Kurfürst von der Pfalz war, wie Jakob, ein eifriger Katholik und, ebenfalls wie Jakob, Beherrscher eines protestantischen Volks; aber in Character und Verstand glichen sie einander nur wenig. Der Kurfürst hatte versprochen, die in seinen Besitzungen anerkannte Landeskirche zu achten. Er hatte gewissenhaft Wort gehalten und sich durch die übereilten Reden von Predigern, welche in ihrem Haß gegen seinen Glauben gelegentlich die seiner Person schuldige Achtung aus den Augen setzten, nie zu irgend einer Gewaltthätigkeit hinreißen lassen.[109] Er vernahm mit Bedauern, daß die unverständige Handlungsweise seines Vertreters die Londoner heftig verdrossen hatte, und erklärte, was ihm sehr zur Ehre gereichte, daß er lieber dem ihm als souverainen Fürst zustehenden Vorrechte entsagen, als den Frieden einer großen Stadt gefährden wolle. »Auch ich«, schrieb er an Jakob, »habe protestantische Unterthanen, und ich weiß, wie vorsichtig und rücksichtsvoll ein katholischer Fürst in solcher Stellung handeln muß.« Anstatt dieses menschenfreundliche und besonnene Benehmen lobend anzuerkennen, spöttelte Jakob in Anwesenheit des Gesandten über den Brief. Es wurde beschlossen, daß der Kurfürst in der City eine Kapelle haben solle, mochte er wollen oder nicht, und daß, wenn die Milizen sich weigerten ihre Pflicht zu thun, sie durch die Garden ersetzt werden sollten.[110]
Diese Ruhestörungen übten einen ernsten Einfluß auf den Handel aus. Der holländische Gesandte schrieb an die Generalstaaten, daß die Börsengeschäfte stockten. Die Zollcommissare berichteten dem Könige, daß in dem auf die Eröffnung der Kapelle in Lime Street folgenden Monate die Einnahme im Themsehafen sich um einige tausend Pfund verringert habe.[111] Mehrere Aldermen, welche zwar entschiedene Royalisten und unter der neuen Gemeindeverfassung angestellt, aber an der commerciellen Wohlfahrt ihrer Vaterstadt ein starkes Interesse hatten und weder den Papismus noch das Kriegsgesetz liebten, reichten ihre Entlassung ein. Aber der König war entschlossen nicht nachzugeben.
[Anmerkung 106: Citters, 14.(24.) Mai 1686.]
[Anmerkung 107: Citters, 18.(28.) Mai 1686; Adda, 19.(29.) Mai.]
[Anmerkung 108: +Ellis Correspondence, April 27. 1686+; Barillon, 19.(29.) April; Citters, 20.(30.) April; +Privy Council Book, March 26.+; +Luttrell's Diary+; Adda, 26. Feb. (8 März), 26. März (5. April), 2.(12.) April u. 23. April (3. Mai).]
[Anmerkung 109: +Burnet's Travels.+]
[Anmerkung 110: Barillon, 27. Mai (6. Juni) 1686.]
[Anmerkung 111: Citters, 25. Mai (4. Juni) 1686.]
[_Es wird bei Hounslow ein Lager gebildet._] Er bildete auf der Haide von Hounslow ein Lager und zog daselbst auf einem Umkreis von ungefähr dritthalb Meilen vierzehn Infanteriebataillone und zweiunddreißig Reiterschwadronen, in Summa etwa dreizehntausend Mann, zusammen. Sechsundzwanzig Geschütze und eine Menge mit Waffen und Munition beladene Wagen fuhren vom Tower durch die City nach Hounslow.[112] Die Londoner betrachteten diese in ihrer Nähe versammelte große Truppenmacht anfangs mit Entsetzen, das sich jedoch bei genauerem Bekanntwerden mit derselben bald verminderte. Ein Ausflug nach Hounslow wurde ihr Lieblingsvergnügen an Sonn- und Feiertagen. Das Lager gewährte den Anblick eines großen Jahrmarkts. In buntem Gemisch mit den Musketieren und Dragonern wogten eine Menge eleganter Herren und Damen von Soho Square, Gauner und geschminkte Dirnen von Whitefriars, Kranke in Sänften, Mönche in Kutte und Kaputze, Lakaien in glänzenden Livreen, Hausirer, Apfelsinenmädchen, muthwillige Lehrbuben und gaffende Bauern beständig in den langen Zeltgassen auf und ab. In einigen Zelten hörte man den Lärm wüster Trinkgelage, in anderen die Flüche von Spielern. Der Platz war eigentlich nur eine heitere Vorstadt von London. Der König hatte sich, wie es sich zwei Jahre später genugsam zeigte, vollständig verrechnet. Er hatte vergessen, daß die Nachbarschaft verschiedene Wirkungen ausübt. Er hatte gehofft, seine Armee werde London Schrecken einjagen, und das wirkliche Resultat seiner Maßregel war, daß die Gefühle und Ansichten der Londoner sich vollständig auch seiner Armee bemächtigten.[113]
Das Lager war in der That kaum gebildet, so hörte man auch schon von Schlägereien zwischen den protestantischen und papistischen Soldaten.[114] Eine kleine Schrift, betitelt: »Ergebene und herzliche Ansprache an alle englischen Protestanten in der Armee«, war eifrig in den Reihen verbreitet worden. Der Verfasser ermahnte die Truppen auf das Nachdrücklichste, daß sie ihre Waffen nicht zur Vertheidigung des Meßbuches, sondern der Bibel, der Magna Charta und der Bitte um Recht gebrauchen sollten. Er war ein Mann, der schon dem Zorne der Gewalt anheim gefallen war. Sein Character war interessant und seine Geschichte ziemlich lehrreich.
[Anmerkung 112: +Ellis Correspondence, June 26. 1686+; Citters, 2.(12.) Juli; +Luttrell's Diary, July 19.+]
[Anmerkung 113: Siehe die damals erschienenen Gedichte: +Hounslow Heath+ und +Caesar's Ghost+; +Evelyn's Diary, June 2. 1686.+ Eine Ballade in der Pepys'schen Sammlung enthält folgende Zeilen:
Der Platz gefiel mir gar zu schön, Nie sah ein Lager ich so fein, Kein Mädchen durft' vorübergeh'n, Gleich schenkt' man ihr ein Gläschen Wein.]
[Anmerkung 114: +Luttrell's Diary, June 18. 1686.+]
[_Samuel Johnson._] Er hieß Samuel Johnson, war Priester der anglikanischen Kirche und Kaplan bei Lord Russell gewesen. Johnson gehörte zu den Leuten, die von ihren Gegnern tödtlich gehaßt und von ihren Verbündeten mehr geachtet als geliebt werden. Seine Sitten waren tadellos, seine Religiosität tief und glühend, seine Gelehrsamkeit und seine Talente nicht zu verachten, sein Urtheil schwach und sein Character gallig, unruhig und unbeugsam starrsinnig. Er war den eifrigen Anhängern der Monarchie besonders seines Standes wegen verhaßt, denn ein republikanischer Geistlicher war ein seltsames, fast unnatürliches Wesen. Unter der vorigen Regierung hatte Johnson ein Werk herausgegeben, betitelt: +Julian the Apostate+. Der Zweck dieses Buches war zu beweisen, daß die Christen des vierzehnten Jahrhunderts den Grundsatz der Verwerflichkeit des Widerstandes nicht befolgten. Es ließen sich leicht aus Chrysostomus und Hieronymus Stellen anführen, die in einem von dem Geiste der gegen die Ausschließungsbill predigenden anglikanischen Theologen völlig verschiedenen Sinne geschrieben waren. Johnson ging indessen noch weiter. Er suchte die gehässige Beschuldigung wieder hervor, welche Libanius aus leicht erklärlichen Gründen gegen die Soldaten Julian's erhoben hatte, und gab zu verstehen, daß der Wurfspieß, der den kaiserlichen Renegaten tödtete, nicht von einem Feinde, sondern von einem Rumbold oder Ferguson aus den eigenen Reihen der Römer geschleudert worden sei. Dies führte eine heftige Polemik herbei. Whiggistische und toryistische Disputanten stritten sich heftig über eine dunkle Stelle, in der Gregor von Nazianz einen frommen Bischof lobt, der im Begriff stand, Jemanden zu prügeln. Die Whigs behaupteten, der heilige Mann habe den Kaiser schlagen wollen, die Tories meinten, er habe es höchstens auf einen Hauptmann der Garde abgesehen gehabt. Johnson schrieb nun eine Replik gegen seine Angreifer, worin er eine sehr geistreich durchgeführte Parallele zwischen Julian und Jakob, welcher damals Herzog von York war, zog. Julian hatte sich mehrere Jahre gestellt als ob er den Götzendienst verabscheute, während er im Herzen selbst ein Götzendiener war. Julian hatte, wenn es seinem Interesse entsprach, gelegentlich Achtung vor den Rechten der Überzeugung geheuchelt. Julian hatte Städte, welche der wahren Religion aufrichtig zugethan waren, durch Entziehung ihrer Municipalfreiheiten bestraft. Und Julian war von seinen Schmeichlern der Gerechte genannt worden. Jakob fühlte sich schwer beleidigt. Johnson wurde als Pasquillant verfolgt, schuldig befunden und zu einer Geldbuße verurtheilt, die er nicht bezahlen konnte. Er wurde daher eingesperrt und es hatte ganz den Anschein, als ob seine Haft nur mit seinem Leben enden werde.[115]
[Anmerkung 115: Siehe Johnson's Denkwürdigkeiten als Einleitung zu der Folioausgabe seiner Lebensbeschreibung, seinen »Julian« und seine Antworten an seine Gegner. Außerdem auch +Hickes's Jovian+.]