Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Dritter Band
Part 17
Der lange und heldenmüthige Kampf, den die Hugenotten gegen die französische Regierung bestanden hatten, war durch Richelieu's Geschicklichkeit und Energie zu einem endlichen Schlusse gebracht worden. Dieser große Staatsmann besiegte sie, sicherte ihnen aber die ihnen durch das Edict von Nantes verliehene Gewissensfreiheit zu. Es wurde ihnen unter einigen leichten Beschränkungen gestattet, Gott nach ihrem Ritual zu verehren und zur Vertheidigung ihrer Lehre zu schreiben. Alle Civil- und Militairämter standen ihnen offen und geraume Zeit hindurch war ihre Ketzerei kein praktisches Hinderniß für sie, um sich in der Welt emporzuschwingen. Einige von ihnen befehligten Armeecorps, Andere standen an der Spitze wichtiger Zweige der Civilverwaltung. Endlich aber trat eine Veränderung ein. Ludwig XIV. hegte schon seit langer Zeit eine politische und religiöse Abneigung gegen die Calvinisten. Als eifriger Katholik verabscheute er ihre theologischen Dogmen, und als Fürst, der die Willkürherrschaft liebte, verabscheute er die republikanischen Theorien, welche in die Genfer Theologie verwoben waren. Er verkürzte nach und nach alle Rechte, welche die Schismatiker genossen. Er mischte sich in die Erziehung der protestantischen Kinder, confiscirte Besitzungen, welche protestantischen Consistorien durch Erbschaft zugefallen waren, und schloß unter nichtigen Vorwänden protestantische Kirchen. Die protestantischen Geistlichen wurden von den Steuereinnehmern gequält, den protestantischen Magistratspersonen die Adelstitel entzogen, und den protestantischen Hofbeamten angekündigt, daß Seine Majestät ihrer Dienste nicht mehr bedürfe. Es wurde Befehl gegeben, daß kein Protestant mehr im Justizfache angestellt werden solle. Die unterdrückte Secte ließ einige schwache Anzeichen von dem Geiste blicken, der im vorhergehenden Jahrhundert der ganzen Macht des Hauses Valois Trotz geboten hatte. Es erfolgten Metzeleien und Hinrichtungen. In die Städte, wo sich viele Ketzer befanden und auf die Güter des ketzerischen Adels wurden Dragoner gelegt, und die Grausamkeit und Zügellosigkeit dieser rohen Missionare wurde von der Regierung gutgeheißen oder doch nur sehr mild getadelt. Indessen war das Edict von Nantes, obgleich es in seinen wesentlichsten Punkten factisch verletzt wurde, nicht förmlich aufgehoben, und der König erklärte wiederholt in feierlichen öffentlichen Erlassen, daß er entschlossen sei, es aufrecht zu erhalten. Aber die Fanatiker und Schmeichler, denen er ein geneigtes Ohr lieh, gaben ihm Rathschläge, die er zu befolgen nur zu bereit war. Sie stellten ihm vor, daß seine strenge Politik außerordentlich erfolgreich gewesen sei, daß sein Wille wenig oder gar keinen Widerstand gefunden habe, daß schon Tausende von Hugenotten bekehrt worden seien, und wenn er noch den letzten entscheidenden Schritt thue, so würden sich die bis jetzt noch hartnäckig Widerstrebenden bald fügen, Frankreich von dem Flecken der Ketzerei vollkommen gereinigt sein und sein Beherrscher sich eine himmlische Krone verdienen, nicht minder ruhmvoll als die des heiligen Ludwig. Diese Gründe schlugen durch. Der letzte Streich wurde geführt, das Edict von Nantes wurde widerrufen und eine Menge Verordnungen gegen die Sectirer erschienen in rascher Aufeinanderfolge. Knaben und Mädchen wurden ihren Eltern entrissen und in Klöster geschickt, um dort erzogen zu werden. Alle calvinistischen Geistlichen wurden aufgefordert, entweder ihren Glauben abzuschwören, oder binnen vierzehn Tagen das Land zu verlassen. Den anderen Bekennern, des reformirten Glaubens wurde verboten, das Königreich zu verlassen, und um ihre Flucht zu verhindern, wurden die Häfen und Grenzen streng bewacht. Man glaubte, daß die auf solche Art von ihren gefährlichen Hirten getrennten Heerden bald in ihre wahre Hürde zurückkehren würden. Aber trotz aller Wachsamkeit der militairischen Polizei fand eine bedeutende Auswanderung statt; es wurde berechnet, daß binnen wenigen Monaten funfzigtausend Familien Frankreich für immer verließen. Auch waren diese Flüchtlinge keineswegs Leute, die ein Land leicht entbehren kann, denn die Mehrzahl von ihnen waren Personen von aufgeklärter Bildung, von großer Betriebsamkeit und von strengen Sitten. Es befinden sich Namen darunter, die in Krieg, Wissenschaft, Literatur und Kunst eine hervorragende Stellung einnahmen. Einige von den Verbannten boten Wilhelm von Oranien ihre Schwerter an und zeichneten sich durch die Erbitterung aus, mit der sie nachher gegen ihren Unterdrücker kämpften. Andere rächten sich durch noch furchtbarere Waffen und reizten durch die holländische, englische und deutsche Presse dreißig Jahre lang die öffentliche Meinung Europa's gegen die französische Regierung auf. Ein friedlicher gesinnter Theil errichtete in der östlichen Vorstadt Londons Seidenmanufacturen; ein andrer Theil unterrichtete die Sachsen in der Verfertigung von Stoffen und Hüten, für welche Frankreich bis dahin das Monopol gehabt hatte. Noch Andere pflanzten die ersten Weinstöcke in der Nähe des Caps der guten Hoffnung[12].
Unter gewöhnlichen Umständen würden die Höfe von Spanien und Rom einem Fürsten, der so nachdrücklich gegen die Ketzerei zu Felde zog, den lebhaftesten Beifall gezollt haben. Aber die Ungerechtigkeit und der Hochmuth Ludwig's hatten einen solchen Haß erregt, daß, als er zum Verfolger wurde, die Höfe von Spanien und Rom für die religiöse Freiheit Partei nahmen und laut die Grausamkeit mißbilligten, eine wilde und freche Soldateska gegen ein harmloses Volk zu hetzen[13]. Das ganze protestantische Europa brach in einen Schrei des Schmerzes und der Wuth aus. Nach England kam die Nachricht von der Zurücknahme des Edicts von Nantes ungefähr eine Woche vor dem Tage, bis zu welchem das Parlament vertagt war. Es wurde nun klar, daß der Geist Gardiner's und Alba's noch immer der Geist der römisch-katholischen Kirche war. Ludwig stand Jakob an Hochherzigkeit und Humanität nicht nach und war ihm in allen Fähigkeiten und Kenntnissen eines Staatsmannes jedenfalls weit überlegen. Wie Jakob, hatte auch Ludwig zu wiederholten Malen versprochen, die Rechte seiner protestantischen Unterthanen zu achten. Dennoch trat Ludwig jetzt ganz offen als Verfolger des reformirten Glaubens auf. Konnte man wohl zweifeln, daß Jakob nur auf eine günstige Gelegenheit wartete, um dieses Beispiel nachzuahmen? Schon bildete er, dem Gesetz zum Hohn, eine Militairmacht, die zum großen Theile von römisch-katholischen Offizieren befehligt ward. Lag wohl etwas Unvernünftiges in der Befürchtung, daß diese Armee zu gleichen Zwecken verwendet werden sollte, wie die fränzösischen Dragoner?
[Anmerkung 12: Die damals in verschiedenen Sprachen erschienenen Schriften über diese Verfolgung sind unzählig. Eine ungemein klare, elegante und geistvolle Übersicht findet sich in Voltaire's Zeitalter Ludwigs XIV.]
[Anmerkung 13: +»Misionarios embotados«+, sagt Ronquillo. +»Apostoli armati«+, sagt Innocenz. In der Mackintosh-Sammlung befindet sich ein interessanter Brief über diesen Gegenstand von Ronquillo, d. d. 26. März (5. April) 1686. Siehe +Venior, Relatione di Francia+, 1689, angeführt von Prof. Ranke in seinen »Römischen Päpsten«, Buch VIII.]
[_Eindruck dieser Verfolgung in England._] Jakob war über das Verfahren des Hofes von Versailles fast eben so erstaunt als seine Unterthanen. Es schien in der That als hätte dieser Hof es darauf abgesehen gehabt, ihn in Verlegenheit zu setzen und ihm zu schaden. Er war eben im Begriff, von einer protestantischen gesetzgebenden Versammlung volle Duldung für die Katholiken zu verlangen, und es konnte ihm daher nichts unwillkommener sein, als die Nachricht, daß die Regierung eines Nachbarstaates so eben den Protestanten die Duldung entzogen habe. Sein Verdruß wurde noch vermehrt durch eine Rede, die der Bischof von Valence zur selben Zeit im Namen der gallikanischen Geistlichkeit an Ludwig XIV. richtete. Der gottesfürchtige Souverain von England, sagte der Redner, blicke auf den allerchristlichsten König und hoffe auf seine Unterstützung gegen eine ketzerische Nation. Es wurde bemerkt, daß namentlich die Mitglieder des Hauses der Gemeinen sich bemühten, Exemplare dieser Rede zu erlangen und daß sie von alten Engländern mit Unwillen und Besorgniß gelesen wurde[14]. Jakob wünschte sehr, den Eindruck, den diese Dinge gemacht hatten, zu verwischen und ebenso wäre es ihm durchaus nicht unlieb gewesen, wenn er bei dieser Gelegenheit Europa hätte zeigen können, daß er nicht der Sklave Frankreichs sei. Er erklärte daher öffentlich, daß er das Verfahren gegen die Hugenotten mißbillige, gewährte den Verbannten eine Unterstützung aus seiner Privatchatoulle und forderte durch ministerielle Ausschreiben seine Unterthanen auf, seine Freigebigkeit nachzuahmen. In wenigen Monaten zeigte es sich schon, daß all' dieses Mitleid nur erheuchelt war, um dem Parlamente zu schmeicheln, daß er die Flüchtlinge mit tödtlichem Hasse betrachtete und daß er nichts mehr bedauerte, als daß er nicht das Nämliche thun konnte, was Ludwig gethan hatte.
[Anmerkung 14: +»Mi dicono che tutti questi parlamentarii ne hanno voluto copia, il che assolutamente avrà causate pessime impressioni.«+ Adda v. 9.(19.) Nov. 1685, Siehe auch +Evelyn's Diary, Nov. 3.+]
[_Zusammentritt des Parlaments, Rede des Königs._] Am 9. November traten die Häuser zusammen. Die Gemeinen wurden vor die Schranken der Lords beschieden und der König hielt eine Thronrede, die er selbst verfaßt hatte. Er wünschte seinen getreuen Unterthanen zu der Unterdrückung des Aufstandes im Westen Glück, setzte aber hinzu, daß die Schnelligkeit, mit der dieser Aufstand zu einer furchtbaren Ausdehnung angewachsen sei, wie die lange Dauer desselben Jedermann überzeugen müsse, wie wenig man sich auf die Miliz verlassen könne. Er habe daher die reguläre Armee vergrößert, die Unterhaltungskosten derselben würden hinfüro mehr als das Doppelte der bisherigen betragen und er hoffe, daß die Gemeinen ihm die Mittel zur Bestreitung dieses Mehraufwandes bewilligen würden. Hierauf kündigte er der Versammlung an, daß er einige Offiziere angestellt habe, welche zwar den Testeid nicht geleistet hätten, die er aber als des öffentlichen Vertrauens würdige Männer kenne. Er fürchte, daß ränkesüchtige Menschen diese Unregelmäßigkeit benutzen möchten, um das gute Einvernehmen zwischen ihm und seinem Parlamente zu stören; aber er wolle ihnen offen sagen, daß er entschlossen sei, sich nicht von Männern zu trennen, auf deren Treue er sich verlassen könne und deren Hülfe er vielleicht bald bedürfen werde[15].
[Anmerkung 15: +Lords' Journals, Nov. 9. 1685. »Vengo assicurato«+, sagt Adda, +»che S. M. stessa abbia composto il discorso.«+ -- Depesche vom 16.(26.) Nov. 1685.]
[_Es bildet sich eine Opposition im Hause der Gemeinen._] Diese deutliche Erklärung, daß er die Gesetze verletzt habe, welche die Nation als die Hauptbollwerke der Staatsreligion betrachtete, und daß er entschlossen sei, in der Verletzung dieser Gesetze zu beharren, war nicht geeignet, die aufgeregte Stimmung seiner Unterthanen zu beschwichtigen. Die Lords, welche selten geneigt sind, in der Opposition gegen eine Regierung voranzugehen, beschlossen, ihm ihren förmlichen Dank für die gesprochenen Worte auszudrücken; die Gemeinen aber zeigten eine minder willfährige Stimmung. Als sie in ihren Saal zurückgekehrt waren, trat eine lange andauernde Stille ein und tiefe Betrübniß sprach aus den Zügen vieler der ehrenwerthesten Mitglieder. Endlich erhob sich Middleton und trug darauf an, daß sich das Haus augenblicklich zu einem Comité zur Berathung über die Thronrede constituiren solle; aber Sir Edmund Jennings, ein eifriger Tory von Yorkshire, von dem man vermuthete, daß er die Gesinnungen Danby's aussprach, protestirte gegen diesen Schritt und verlangte Zeit zur Überlegung. Sir Thomas Clarges, der Oheim des Herzogs von Albemarle von mütterlicher Seite und seit langer Zeit im Parlament als geschäftskundiger Mann und wachsamer Aufseher über die Verwendung der öffentlichen Gelder bekannt, trat auf die nämliche Seite. Die Stimmung des Hauses war nicht zu verkennen. Sir Johann Ernley, Kanzler der Schatzkammer, bestand darauf, daß der Aufschub zweimal vierundzwanzig Stunden nicht übersteigen dürfe, aber er wurde überstimmt und man beschloß, die Berathung drei Tage zu verschieben[16].
Die Zwischenzeit wurde von den leitenden Gegnern des Hofes wohl angewendet. Sie hatten in der That kein leichtes Stück Arbeit zu bewältigen: in drei Tagen sollte eine Vaterlandspartei organisirt werden. Die Schwierigkeit dieser Aufgabe kann in unsrer Zeit nicht gehörig gewürdigt werden, denn man darf sagen, daß in unsrer Zeit die ganze Nation bei jeder Berathung der Lords wie der Gemeinen zugegen ist. Was die Häupter der Ministerialpartei und der Opposition nach Mitternacht sagen, wird von der ganzen Hauptstadt bei Tagesanbruch, von den Bewohnern von Northumberland und Cumberland am Nachmittag und in Irland und den schottischen Hochlanden am andren Morgen gelesen. Daher sind in unseren Tagen die Stadien der Gesetzgebung, die Regeln der Debatte, die Taktik der Factionen, die Ansichten, der Character und die Ausdrucksweise jedes thätigen Mitgliedes der beiden Häuser Hunderttausenden bekannt. Jeder, der jetzt ins Parlament kommt, besitzt, was man im siebzehnten Jahrhundert einen reichen Schatz parlamentarischer Kenntnisse genannt haben würde. Diese Kenntnisse konnte man sich damals nur durch praktische parlamentarische Thätigkeit erwerben. Der Unterschied zwischen einem alten und einem neuen Mitgliede war daher eben so groß als zwischen einem Veteranen und einem eben vom Pfluge kommenden Rekruten, und Jakob's Parlament enthielt eine ganz ungewöhnliche Menge neuer Mitglieder, welche keine politische Kenntnisse, wohl aber eine Menge leidenschaftlicher Vorurtheile von ihren Landsitzen mit nach Westminster gebracht hatten. Diese Herren haßten die Papisten, aber nicht minder haßten sie die Whigs und betrachteten den König mit einer abergläubischen Ehrfurcht. Aus solchen Elementen eine Opposition zu bilden, war eine Aufgabe, welche die größte Geschicklichkeit und zarteste Schonung erforderte. Einige Männer von großem Gewicht nahmen jedoch das schwierige Werk in Angriff und führten es mit gutem Erfolge durch. Mehrere erfahrene whiggistische Staatsmänner, welche keinen Sitz in diesem Parlamente hatten, gaben nützliche Winke und Rathschläge; an dem Tage vor der Eröffnung der Debatte wurden viele Versammlungen gehalten, in denen die Leiter die Neulinge instruirten, und es zeigte sich bald, daß diese Bemühungen nicht vergebens gewesen waren[17].
[Anmerkung 16: +Commons' Journals+; +Bramston's Memoirs+; Jakob von Leeuwen an die Generalstaaten, 10.(20.) Nov. 1685. Leeuwen war Sekretär bei der holländischen Gesandtschaft und führte in Citters' Abwesenheit die Correspondenz. In Betreff Clarges' siehe Burnet I. 98.]
[Anmerkung 17: Barillon, 16.(26.) Nov. 1685.]
[_Ansichten auswärtiger Regierungen._] Die fremden Gesandtschaften waren alle in heftiger Aufregung. Sie erkannten sehr wohl, daß wenige Tage die große Frage entscheiden würden, ob der König von England der Vasall des Königs von Frankreich war oder nicht. Die Gesandten des Hauses Österreich wünschten sehnlich, daß Jakob sein Parlament zufrieden stellen möchte. Innocenz hatte zwei Männer nach London geschickt, welche beauftragt waren, durch Zureden und gutes Beispiel auf Mäßigung zu dringen. Einer von diesen war Johann Leyburn, ein englischer Dominikaner, der Sekretär beim Cardinal Howard gewesen war und der bei einiger Gelehrsamkeit und einem reichen Schatze natürlichen Verstandes der besonnenste, geschickteste und verschwiegenste Mann war, den es geben konnte. Er war unlängst zum Bischof von Adrumetum geweiht und zum apostolischen Vikar in Großbritannien ernannt worden. Ferdinand, Graf von Adda, ein Italiener von nicht gerade ausgezeichneten Geistesgaben, aber von sanftem Character und einnehmendem Wesen, war zum Nuntius ernannt worden. Jakob nahm diese Würdenträger sehr freundlich auf. Seit mehr als einem halben Jahrhundert hatte kein römisch-katholischer Bischof geistliche Functionen auf der Insel verwaltet, und während der hundertsiebenundzwanzig Jahre seit dem Tode Maria's war kein päpstlicher Nuntius bei uns empfangen worden. Leyburn erhielt eine Wohnung in Whitehall und einen Jahrgehalt von tausend Pfund. Adda nahm noch keinen öffentlichen Character an, galt für einen vornehmen Fremden, der zu seinem Vergnügen nach London gekommen war, erschien täglich bei Hofe und wurde mit großer Auszeichnung behandelt. Beide päpstliche Gesandte thaten ihr Möglichstes, um das Gehässige, das von ihrer amtlichen Stellung unzertrennlich war, zu mildern und den unbesonnen Eifer Jakob's zu dämpfen. Der Nuntius insbesondere erklärte, daß nichts der römischen Kirche nachtheiliger sein könne, als ein Bruch zwischen dem Könige und dem Parlamente[18].
Barillon war auf der entgegengesetzten Seite thätig. Die Instructionen, welche er bei dieser Gelegenheit von Versailles erhielt, verdienen aufmerksam studirt zu werden, denn sie geben den Schlüssel zu der Politik, die sein Gebieter während der letzten zwanzig Jahre vor unsrer Revolution systematisch gegen England verfolgte. Die Nachrichten von Madrid, schrieb Ludwig, lauteten sehr beunruhigend; man hege dort die sichere Hoffnung, daß Jakob sich mit dem Hause Österreich eng verbinden werde, sobald er die Gewißheit habe, daß sein Parlament ihm nicht zu schaffen machen werde. Unter diesen Umständen lag es augenscheinlich im Interesse Frankreichs, daß das Parlament sich widerspenstig zeigte, und Barillon erhielt daher Befehl, mit aller möglichen Vorsicht gegen etwaige Entdeckung die Rolle eines Friedensstörers zu spielen. Bei Hofe sollte er keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um den religiösen Eifer und den Herrscherstolz Jakob's aufzustacheln, zu gleicher Zeit aber dürfte es auch wünschenswerth sein, daß er geheime Verbindungen mit den Mißvergnügten unterhalte. Allerdings seien diese Verbindungen gefährlich und erforderten die äußerste Gewandtheit; aber es werde dem Gesandten auf diese Weise vielleicht gelingen, ohne sich und seine Regierung zu compromittiren, den Eifer der Opposition für die Gesetze und Freiheiten Englands zu beleben und dabei zu verstehen zu geben, daß diese Gesetze und Freiheiten von seinem Gebieter nicht mißfällig betrachtet würden[19].
[Anmerkung 18: +Dodd's Church History+; Leeuwen, 17.(27.) Nov. 1685; Barillon, 24. Dec. 1685. Barillon sagt von Adda: +»On l'avoit fait prévenir que la sureté et l'avantage des Catholiques consistoient dans une réunion entière de Sa Majesté Britannique et de son parlement.«+ Briefe von Innocenz an Jakob vom 27. Juli (6. Aug.) und 23. Sept. (3. Octbr.) 1685; Depeschen von Adda vom 9.(19.) u. 16.(26.) Nov. 1685. Die höchst interessante Correspondenz Adda's, aus den päpstlichen Archiven abgeschrieben, befindet sich im Britischen Museum, nachträgliche Handschriften Nr. 15395.]
[Anmerkung 19: Diese höchst merkwürdige Depesche trägt das Datum vom 9.(19.) Nov. 1685 und findet sich im Anhange zu Fox' Geschichte.]
[_Comité der Gemeinen wegen der Thronrede._] Als Ludwig diese Instructionen ertheilte, ahnete er gewiß nicht, wie bald und vollständig seine Befürchtungen durch Jakob's Hartnäckigkeit und Dummheit gehoben werden würden. Am 12. November trat das Haus der Gemeinen zu einem Comité zur Berathung der Thronrede zusammen. Der Staatsanwalt Heneage Finch nahm den Präsidentenstuhl ein. Die Debatte wurde von den Oberhäuptern der neuen Vaterlandspartei mit seltenem Takt und Geschick geleitet. Niemandem entschlüpfte ein Ausdruck, der Mangel an Achtung vor dem Souverain oder Sympathie für die Rebellen verrathen hätte. Der Aufstand im Westen wurde stets mit Abscheu erwähnt und von Kirke's oder Jeffreys' Grausamkeiten kein Wort gesagt. Es wurde zugegeben, daß die durch die letzen Unruhen verursachten bedeutenden Ausgaben den König berechtigten, eine fernerweite Creditbewilligung zu verlangen, gegen die Vermehrung der Armee und die Verletzung der Testacte aber wurden sehr ernste Einwürfe erhoben.
Den Gegenstand der Testacte übergingen die Höflinge mit geflissentlichem Stillschweigen, dagegen aber hoben sie mit ziemlichem Nachdrucke die großen Vorzüge eines stehenden Heeres vor einer Miliz hervor. Einer von ihnen fragte höhnisch, ob die Vertheidigung des Königs etwa den Rindfleischessern überlassen bleiben solle. Ein Andrer äußerte, daß er wohl wissen möchte, wie sich die Milizen von Devonshire, welche vor Monmouth's Sensenmännern in wilder Verwirrung geflohen seien, den Haustruppen Ludwig's gegenüber Stand gehalten haben würden. Diese Argumente aber machten auf Kavaliere, die sich noch immer mit bittrem Grolle des strengen Regiments des Protectors erinnerten, wenig Eindruck. Der vornehmste toryistische Landedelmann Englands, Eduard Seymour, gab dem allgemeinen Gefühle energischen Ausdruck. Er gestand zu, daß sich die Miliz nicht in einem befriedigenden Zustande befinde, behauptete aber, daß sie reorganisirt werden könne. Allerdings würde diese Reorganisation Geld kosten, aber er für seine Person wolle lieber eine ganze Million zum Unterhalte eines Heeres geben, von dem er nichts zu fürchten habe, als eine halbe Million für eine Armee, von der er jederzeit Schlimmes befürchten müsse. Führe man eine gute Disciplin bei der Miliz ein und verstärke die Flotte, so werde das Land vollkommen geschützt sein. Ein stehendes Heer sei im besten Falle nichts als ein Blutegel der Staatseinkünfte, der Soldat werde jeder nützlichen Arbeit entzogen, er producire nichts, sondern verzehre nur die Früchte des Gewerbfleißes Anderer und dominire dabei über Diejenigen, die ihn erhalten müßten. Unter jetzigen Umständen aber drohe der Nation nicht nur ein stehendes Heer, sondern ein papistisches stehendes Heer, ein stehendes Heer, das von Männern commandirt werde, welche sehr liebenswürdige und achtbare Leute sein könnten, aber grundsätzlich Feinde der Verfassung des Reiches seien. Sir Wilhelm Twisden, Abgeordneter für die Grafschaft Kent, sprach in gleichem Sinne mit großer Energie und unter lautem Beifalle. Sir Richard Temple, einer von den wenigen Whigs, die in jenem Parlamente saßen, paßte seine Rede geschickt der vorherrschenden Stimmung seiner Zuhörer an und machte sie darauf aufmerksam, daß ein stehendes Heer nach den gemachten Erfahrungen der rechtmäßigen Autorität der Fürsten eben so gefährlich sei als der Freiheit der Völker. Sir Johann Maynard, der gelehrteste Jurist der damaligen Zeit, nahm ebenfalls an der Debatte Theil. Er war jetzt über achtzig Jahre alt und konnte sich noch sehr gut der politischen Zwistigkeiten unter der Regierung Jakob's I. erinnern. Er hatte im Langen Parlamente gesessen und auf der Seite der Rundköpfe gestanden, hatte aber stets zur Milde und Mäßigung gerathen und sich bemüht, eine allgemeine Aussöhnung herbeizuführen. Seine vom Alter noch nicht geschwächten ausgezeichneten Fähigkeiten und seine juristischen Kenntnisse, durch die er lange Zeit ganz Westminsterhall imponirt hatte, sicherten ihm eine sehr gewichtige Stimme im Hause der Gemeinen. Auch er erklärte sich gegen die Vermehrung des stehenden Heeres.
Nach lebhaften Debatten wurde beschlossen, der Krone einen Credit zu bewilligen, zu gleicher Zeit aber auch eine Bill zur zweckmäßigeren Organisirung der Miliz einzubringen. Dieser letzte Beschluß war gleichbedeutend mit einer Erklärung gegen das stehende Heer. Der König war höchst unzufrieden, und man sprach schon davon, daß, wenn es so fortgehe, die Session nicht von langer Dauer sein werde[20].