Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Dritter Band

Part 14

Chapter 143,208 wordsPublic domain

[_Habgier der Königin und ihrer Hofdamen._] Einige Höflinge fanden dessenungeachtet Mittel und Wege, um einen kleinen Gewinnantheil von dem Handel zu ziehen, und ganz besonders zeichneten sich die Hofdamen der Königin durch ihre Geldgier und Hartherzigkeit aus. Die Schuld an dieser Schmach fällt zum Theil auf ihre Gebieterin, denn sie wurden lediglich durch ihre Stellung an deren Hofe in den Stand gesetzt, sich durch einen so abscheulichen Handel zu bereichern, und es unterliegt keinem Zweifel, daß die Königin demselben durch ein Wort oder einen Wink hätte Einhalt thun können. Allein sie bestärkte sie vielmehr darin durch ihr eignes Beispiel, wenn nicht durch ausdrückliche Ermächtigung. Sie scheint der zahlreichen Klasse von Menschen angehört zu haben, die im Unglück besser sind als im Glück. So lange ihr Gemahl ein Unterthan und ein Verbannter war, von jedem Staatsamte ausgeschlossen und in dringender Gefahr, seines Geburtsrechts beraubt zu werden, gewannen ihr die Liebenswürdigkeit und Bescheidenheit ihres Auftretens selbst die Herzen Derer, die ihren Glauben am meisten verabscheuten. Als aber ihr Glücksstern aufging, verschwand ihre Gutherzigkeit. Die sanfte und leutselige Herzogin wurde eine lieblose und hochmüthige Königin.[143] Das Mißgeschick, das in der Folge über sie kam, hat zwar einige Teilnahme für sie erweckt; aber diese Theilnahme würde viel größer sein, wenn es sich nachweisen ließe, daß sie in den Tagen ihrer Größe nur ein einziges Opfer von der schrecklichsten Proscription, die England je gesehen hat, rettete, oder nur zu retten versuchte. Leider aber that sie, so viel bekannt ist, für die Rebellen nichts weiter, als daß sie darum anhielt, daß ihr von den zur Deportation Verurtheilten Hundert geschenkt werden möchten.[144] Der Gewinn, den ihr diese Menschenladung abwarf, kann nach reichlichem Abzug für Diejenigen, welche auf der Überfahrt vor Hunger und an Krankheiten starben, auf mindestens tausend Guineen angeschlagen werden. Wir dürfen uns demnach nicht wundern, daß ihre Hofdamen das Beispiel ihrer unfürstlichen Habgier und ihrer unweiblichen Grausamkeit nachahmten. So erpreßten sie tausend Pfund von einem Kaufmanne in Bridgewater, Namens Roger Hoare, der einen Beitrag zur Kriegskasse der Rebellenarmee gegeben hatte. Die Beute aber, nach der sie sich am gierigsten zeigten, war eine, von der man hätte denken sollen, daß auch der unedelste Character sie verschonen würde. Von den Mädchen, welche Monmouth in Taunton eine Fahne überreichten, hatten schon einige ihr Vergehen schwer büßen müssen. Eine von ihnen war in ein Gefängnis geworfen worden, in welchem eine ansteckende Krankheit wüthete. Sie ward von derselben ergriffen und starb. Eine Andre kam in den Gerichtssaal, um Jeffreys um Gnade zu bitten. »Fort mit ihr, Kerkermeister!« brüllte der Richter mit seiner finstren Miene, die schon stärkere Gemüther als das ihrige mit Schrecken erfüllt hatte. Sie brach in Thränen aus, zog ihre Haube über das Gesicht, verließ mit dem Kerkermeister den Gerichtssaal, wurde krank von dem Schrecken und war in wenigen Stunden eine Leiche. Die meisten der jungen Mädchen, die an dem Zuge Theil genommen hatten, waren jedoch noch am Leben. Einige davon waren unter zehn Jahr alt; alle hatten auf Befehl ihrer Lehrerinnen gehandelt, ohne zu wissen, daß sie etwas Unrechtes thaten. Die Ehrendamen der Königin baten ihre Gebieterin um die Erlaubniß, den Eltern der armen Kinder Geld erpressen zu dürfen, und sie wurde ihnen bewilligt. Es wurde der Befehl nach Taunton geschickt, alle diese jungen Mädchen zu verhaften und ins Gefängniß zu werfen. Sir Franz Warre von Hestercombe, der toryistische Abgeordnete für Bridgewater, wurde mit der Eintreibung der Lösegelder beauftragt. Er sollte mit Entschiedenheit erklären, daß die Ehrenfräulein keinen Aufschub gestatten könnten, sondern entschlossen seien, die Sache bis zur Ächtung zu treiben, wenn nicht eine angemessne Summe erlegt werde, und daß unter dieser angemessnen Summe siebentausend Pfund zu verstehen seien. Warre lehnte jedoch jede Theilnahme an einer so schmachvollen Unterhandlung ab. Die Ehrendamen wendeten sich nun an Wilhelm Penn, und dieser übernahm den Auftrag. Ein wenig von der starrsinnigen Scrupulosität, die er oft in Betreff des Hutabnehmens gezeigt hatte, würde bei dieser Gelegenheit nicht am unrechten Orte gewesen sein. Wahrscheinlich beschwichtigte er die Mahnungen seines Gewissens dadurch, daß er sich einredete, es werde von dem zu erpressenden Gelde nichts in seine eigne Tasche fließen, daß die Damen leicht einen weniger humanen Diener finden würden, wenn er sich weigerte, ihren Auftrag zu übernehmen, und daß er endlich durch Willfährigkeit einen größren Einfluß bei Hofe erlangen werde, welcher Einfluß ihn schon in den Stand gesetzt hatte und auch fernerhin in den Stand setzen konnte, seinen unterdrückten Brüdern viel zu nützen. Die Ehrendamen mußten sich übrigens schließlich mit weniger als einem Drittel der verlangten Summe begnügen.[145]

Kein andrer englischer Souverain hat so starke Beweise von einer grausamen Natur gegeben, als Jakob II. Seine Grausamkeit war jedoch nicht gehässiger als seine Gnade, oder vielleicht richtiger gesagt, seine Gnade und seine Grausamkeit waren von der Art, daß sie einander gegenseitig schändeten. Unser Entsetzen über das Schicksal der einfachen Bauern, der jungen Burschen und zarten Frauen, gegen die er mit unerbittlicher Strenge verfuhr, steigert sich noch, wenn wir sehen, wem und aus welchen Rücksichten er Verzeihung gewährte.

Das Verfahren, welches ein Fürst nach Unterdrückung eines Aufstandes bei der Auswahl der zu bestrafenden Rebellen beobachten muß, ist vollkommen klar. Die Rädelsführer, die Männer von Ansehen, Vermögen und Bildung, welche durch ihre Macht und ihre Kunstgriffe die Menge verführten, sind Diejenigen, über welche strenges Gericht zu halten ist. Das getäuschte Volk kann, nachdem das Blutbad auf dem Schlachtfelde vorüber ist, kaum zu mild behandelt werden. Diese Regel aber, welche doch augenfällig der Gerechtigkeit und Menschlichkeit entspricht, wurde nicht allein nicht befolgt, sondern sogar umgekehrt. Während Die, welche hätten verschont werden sollen, zu Hunderten hingeschlachtet wurden, verschonte man die Wenigen, die man gerade der äußersten Strenge des Gesetzes hätte überlassen sollen. Diese verkehrte Milde hat manche Schriftsteller in Verwunderung gesetzt, andere zu lächerlichen Lobhudeleien verleitet. Sie war weder unerklärlich, noch lobenswerth; sie konnte in jedem einzelnen Falle ganz leicht auf einen schmutzigen oder einen boshaften Beweggrund, entweder auf Geldgier oder auf Blutdurst zurückgeführt werden.

[Anmerkung 143: +Burnet I. 368+; +Evelyn's Diary, Feb. 4. 1684--85, July 13. 1686.+ In einer damaligen Satire kommen die Zeilen vor:

Als Herzogin sie sanft und mild sich zeigte, Als Königin sie einem Teufel glich.]

[Anmerkung 144: Sunderland an Jeffreys, 14. Septbr. 1685.]

[Anmerkung 145: +Locke's Western Rebellion+; +Toulmin's History of Taunton, ed. by Savage+; Briefe des Herzogs von Somerset an Sir F. Warre; Brief Sunderland's an Penn vom 13. Febr. 1685--86 aus dem Staatsarchive in Mackintosh's Sammlung.]

[_Verfahren gegen Grey, Cochrane, Storey, Wade, Goodenough und Ferguson._] Bei Grey war kein mildernder Umstand vorhanden. Seine Talente und Kenntnisse, der erbliche Rang, den er im Staate einnahm, und der hohe Befehlshaberposten, den er in der Rebellenarmee bekleidet hatte, würden ihn einer gerechten Regierung als viel straffälliger bezeichnet haben als Alice Lisle, Wilhelm Hewling oder irgend einen von den Hunderten unwissender Landleute, deren Köpfe und Glieder in Somersetshire ausgestellt wurden. Aber Grey's Besitzungen waren groß und unveräußerliches, erbliches Eigenthum seiner Familie. Er bezog nur den Nießbrauch seiner Güter auf Lebenszeit und mehr als diese Rente konnte er nicht verwirken. Starb er, so fiel Alles seinem nächsten Erben zu. Wenn er begnadigt wurde, konnte er ein bedeutendes Lösegeld bezahlen, und man gestattete ihm daher, sich dadurch loszukaufen, daß er dem Lordschatzmeister eine Verschreibung auf vierzigtausend Pfund und anderen Höflingen kleinere Summen einhändigte.[146]

Sir Johann Cochrane hatte unter den schottischen Rebellen die nämliche Stellung eingenommen, wie Grey im Westen Englands. Es schien unglaublich, daß Cochrane von einem so beispiellos rachsüchtigen Fürsten Verzeihung erhalten würde. Aber er war der jüngere Sohn einer reichen Familie, und man konnte daher nur wenn man ihn verschonte, Geld für ihn erlangen. Sein Vater, Lord Dundonald, bot den Priestern des königlichen Hauses ein Geschenk von fünftausend Pfund an und die Begnadigung wurde ihm dafür bewilligt.[147]

Samuel Storey, ein bekannter Aufwiegler, welcher Kriegscommissar bei der Rebellenarmee gewesen war und das unwissende Volk von Somersetshire durch heftige Reden aufgestachelt hatte, in denen Jakob als Brandstifter und Giftmischer dargestellt war, wurde ebenfalls begnadigt, denn Storey konnte Jeffreys bei der Erpressung der fünfzehntausend Pfund von Prideaux wichtige Dienste leisten.[148]

Von allen Verräthern waren Wade, Goodenough und Ferguson am wenigsten berechtigt, Gnade zu erwarten. Diese drei Häupter des Aufstandes waren zusammen vom Schlachtfelde von Sedgemoor geflohen und hatten glücklich die Küste erreicht. Aber in der Nähe des Ortes, wo sie sich einzuschiffen gedachten, hatten sie eine kreuzende Fregatte gefunden. Sie hatten sich hierauf getrennt und Wade und Goodenough waren bald entdeckt und nach London gebracht worden. Obgleich sie aber tief in das Ryehousecomplot verwickelt und unter den Häuptern des Aufstandes im Westen eine hervorragende Stellung eingenommen hatten, wurde ihnen dennoch das Leben geschenkt, weil sie Aufschlüsse geben konnten, welche den König in den Stand setzten, einige Personen, die er haßte, die er aber noch nie eines Verbrechens hatte bezichtigen können, zum Tode zu verurtheilen und auszuplündern.[149]

Auf welche Weise Ferguson davon kam, war und ist noch jetzt ein Geheimniß. Er war von allen Feinden der Regierung ohne allen Zweifel der strafbarste. Er war der erste Anstifter des Planes zur Ermordung der königlichen Brüder; er hatte ferner die Erklärung verfaßt, die an Frechheit, Gehässigkeit und Lügenhaftigkeit selbst unter den Schmähschriften jener stürmischen Zeit ihres Gleichen nicht hatte, und endlich war er Derjenige, der den Herzog von Monmouth erst zu dem Einfalle in England und dann zu der Usurpation der Krone aufreizte. Es ließ sich wohl erwarten, daß man auf den Erzverräther, wie er oft genannt wurde, mit ganz besondrem Eifer fahnden werde, und einer sorgfältigen Nachforschung konnte ein Mann von so auffallendem Äußeren und Sprachdialecte schwerlich entgehen. In den Kaffeehäusern von London erzählte man als ganz gewiß, daß Ferguson festgenommen sei, und diese Nachricht fand bei Männern Glauben, welche die beste Gelegenheit hatten, die Wahrheit zu erfahren. Das Nächste was man von ihm hörte, war, daß er unangefochten auf dem Continent lebe. Man hatte ihn stark in dem Verdachte, daß er eine regelmäßige Verbindung mit der Regierung unterhalten, gegen die er gleichwohl beständig complotirte, daß er von den Unternehmungen seiner Genossen, die er fortwährend zu den übereiltesten Schritten drängte, gerade so viel nach Whitehall berichtete, damit sein Hals nicht in Gefahr kam, und daß daher Befehl gegeben wurde, ihn entschlüpfen zu lassen.[150]

Jetzt hatte Jeffrey's sein Werk beendigt und er kehrte zurück, um seinen Lohn zu verlangen. Er kam wieder in Windsor an, nachdem er im ganzen Westen Haufen von Leichen, und Trauer und Schrecken zurückgelassen hatte. Der Haß, den die Bevölkerung von Somersetshire gegen ihn hegte, hat in unsrer Geschichte nicht seines Gleichen. Weder die Zeit, noch politische Veränderungen vermochten denselben zu ersticken, er pflanzte sich fort von Geschlecht zu Geschlecht und wüthete noch heftig gegen seine unschuldigen Nachkommen. Viele Jahre nach seinem Tode, als sein Name und Titel längst erloschen waren, wurde seine Enkelin, die Gräfin von Pomfret, auf einer Reise im Westen vom Pöbel insultirt und sah, daß sie sich nicht mit Sicherheit unter die Nachkommen Derer wagen konnte, welche die blutigen Assisen erlebt hatten.[151]

Am Hofe aber fand Jeffreys die herzlichste Aufnahme. Es war ein Richter ganz nach dem Sinne seines Gebieters. Jakob hatte seine Rundreise mit Interesse und mit großem Vergnügen verfolgt; in seinem Empfangzimmer und an seiner Tafel hatte er oft von dem Gemetzel, das gegenwärtig unter seinen mißvergnügten Unterthanen angerichtet wurde, mit einer Schadenfreude gesprochen, über welche die fremden Gesandten erstaunten. Er hatte mit eigner Hand Berichte über seines Lordoberrichters Feldzug im Westen, wie er es scherzend nannte, aufgezeichnet. Einige hundert Rebellen, schrieb Se. Majestät in den Haag, seien verurtheilt werden; einige davon seien bereits gehängt, eine größere Anzahl sollte dies noch werden, und der Rest solle nach den Kolonien geschickt werden. Umsonst wendete sich Ken schriftlich an ihn, um Gnade für das irregeleitete Volk zu erflehen, und schilderte mit ergreifender Beredtsamkeit die entsetzliche Lage seines Sprengels. Er sagte, man könne auf keiner Heerstraße gehen, ohne ein schreckliches Schauspiel zu erblicken, und die Luft von Somersetshire sei mit Todesdünsten geschwängert. Der König las das Schreiben, blieb aber so hart, wie der marmorne Kaminsims in Whitehall, wie Churchill gesagt hatte.

[Anmerkung 146: +Burnet, I. 646+, und Sprecher Onslow's Note; Clarendon an Rochester vom 8. Mai 1686.]

[Anmerkung 147: +Burnet, I. 634.+]

[Anmerkung 148: +Calamy's Memoirs+; +Commons' Journals, Dec. 26. 1690+; Sunderland an Jeffreys vom 14. Sept. 1685; Protokolle des Geheimen Raths vom 26. Febr. 1685--86.]

[Anmerkung 149: +Lansdowne MS. 1152+; +Harl. MS. 6845+; +London Gazette, July 20. 1685.+]

[Anmerkung 150: Viele Schriftsteller haben ohne den mindesten Grund behauptet, daß Ferguson von Jakob einen Pardon erhalten habe. Einige sind sogar so weit gegangen, diesen Pardon, der übrigens, wenn er wirklich ertheilt worden wäre, nichts weiter beweisen würde, als daß Ferguson ein Spion des Hofes war, als Beleg für die Großmuth und Nachsicht des Fürsten anzuführen, der Alice Lisle enthaupten und Elisabeth Gaunt verbrennen ließ. Ferguson wurde nicht allein nicht speziell begnadigt, sondern sogar von der im nächsten Frühjahr verkündeten Amnestie ausdrücklich ausgeschlossen. (London Gazette vom 15. März 1685/86.) Wenn Jakob, wie das Publikum vermuthete und wie es auch wahrscheinlich ist, stillschweigend Nachsicht gegen Ferguson übte, so schämte er sich derselben nicht ohne Grund und hielt sie möglichst geheim. Die damals in London umlaufenden Gerüchte werden im Observator vom 1. August 1685 erwähnt.

Sir Johann Reresby, der gut unterrichtet sein konnte, behauptet mit Bestimmtheit, daß Ferguson drei Tage nach der Schlacht von Sedgemoor eingefangen wurde. Aber Reresby irrte sich ganz gewiß im Datum und er kann sich daher wohl auch in der ganzen Geschichte geirrt haben. Aus der London Gazette und aus Goodenough's Geständniß (+Lansdowne MS. 1152.+) geht klar hervor, daß Ferguson vierzehn Tage nach der Schlacht noch nicht gefangen war und daß man vermuthete, er halte sich noch irgendwo in England verborgen.]

[Anmerkung 151: +Granger's Biographical History, »Jeffreys'«.+]

[_Jeffreys zum Lordkanzler ernannt._] In Windsor wurde das große Siegel den Händen Jeffreys' übergeben, und in der nächsten Nummer der London Gazette feierlich verkündet, daß diese Ehre eine Belohnung für die vielen ausgezeichneten und treuen Dienste sei, die er der Krone geleistet.[152]

Später, als die Leute aller Parteien mit Schaudern von den blutigen Assisen sprachen, versuchten der schändliche Richter und der gottlose König sich dadurch zu rechtfertigen, daß Jeder die Schuld auf den Andren schob. Jeffreys versicherte im Tower, daß er selbst bei dem grausamsten Verfahren nie die ausdrücklichen Befehle seines Gebieters überschritten habe, ja sogar noch hinter denselben zurückgeblieben sei. Ebenso hätte Jakob in St. Germain gern glauben gemacht, daß er selbst zur Milde geneigt gewesen sei und daß die Gewaltthätigkeiten seines Dieners ihm unverdienten Tadel zugezogen hätten. Doch keiner der beiden hartherzigen Männer kann auf Kosten des Andren freigesprochen werden. Die Vertheidigung Jakob's kann durch Dokumente von seiner eignen Hand als thatsächlich falsch nachgewiesen werden, und Jeffreys' Vertheidigung ist, selbst wenn sie sich auf wahre Thatsachen gründete, völlig werthlos.

[Anmerkung 152: +Burnet, I. 648.+ Jakob an den Prinzen von Oranien, 10. u. 24. September 1685; +Lord Lonsdale's Memoirs+; +London Gazette, Oct. 1. 1685.+]

[_Cornish's Prozeß und Hinrichtung._] Das Gemetzel im Westen war vorüber; nun sollte es in London beginnen. Es war der Regierung namentlich darum zu thun unter den großen whiggistischen Kaufleuten der City Schlachtopfer zu finden. Diese hatten unter der letzten Regierung einen sehr gefürchteten Theil der Opposition gebildet. Sie waren reich, und ihr Reichthum war nicht, wie der vieler Edelleute und Landgentlemen, durch Fideicommisse gegen Confiscation gesichert. Bei Grey und anderen Männern von ähnlicher Stellung war es unmöglich, den Blutdurst und die Habgier zugleich zu befriedigen; ein reicher Kaufmann konnte gehängt und auch ausgeplündert werden. Obgleich aber die Handelsfürsten im Allgemeinen dem Papismus und der Willkürherrschaft feind waren, so waren sie doch zu gewissenhaft oder zu ängstlich gewesen, als daß sie sich hätten des Hochverraths schuldig machen sollen. Einer der angesehensten unter ihnen war Heinrich Cornish. Er war unter der früheren Verfassung der City Alderman gewesen und hatte zu der Zeit, als die Angelegenheit der Ausschließungsbill die öffentliche Meinung beschäftigte, das Amt eines Sheriffs bekleidet. Seiner politischen Ansicht nach war er ein Whig und in seinen religiösen Ansichten neigte er sich zum Presbyterianismus hin; aber er war äußerst besonnen und gemäßigt. Es ist kein irgend glaubwürdiger Beweis dafür vorhanden, daß er je auch nur die Grenze des Hochverraths berührte. In der That hatte er als Sheriff sich nur sehr ungern dazu verstanden, einen so heftigen und characterlosen Menschen wie Goodenough als Bevollmächtigten zu gebrauchen. Nach der Entdeckung des Ryehousecomplots hegte man in Whitehall große Hoffnung, daß sich Cornish's Theilnahme an demselben herausstellen werde; aber diese Hoffnung ging nicht in Erfüllung. Einer der Mitverschworenen, Johann Rumsey, war zwar bereit Alles zu beschwören; aber ein Zeuge genügte nicht, und ein zweiter war nicht aufzutreiben. Seitdem waren über zwei Jahre vergangen. Cornish glaubte sich vollkommen sicher; aber der Tyrann hatte ein scharfes Auge auf ihn. Goodenough, den die nahe Aussicht auf den Tod schreckte und der noch einen Groll gegen seinen ehemaligen Vorgesetzten hegte, weil er bei diesem nie in besondrer Gunst gestanden hatte, erklärte sich bereit, das noch fehlende Zeugniß zu ergänzen. Cornish wurde auf der Börse, während er Geschäfte abschloß, verhaftet, ins Gefängniß geworfen, daselbst einige Tage in Einzelhaft gehalten und dann völlig unvorbereitet vor die Schranken der Old Bailey geführt. Die Anklage gegen ihn stützte sich lediglich auf die Aussagen Rumsey's und Goodenough's. Beide waren eingestandenermaßen in das Complot verwickelt, als dessen Theilnehmer sie den Gefangenen beschuldigten. Beide wurden durch die stärksten Motive der Hoffnung und Angst angetrieben, ihn als schuldig darzustellen, und außerdem lagen Beweise dafür vor, daß Goodenough auch unter dem Einflusse persönlicher Feindschaft stand. Endlich widersprach Rumsey's Angabe der Geschichte, die er erzählt hatte, als er gegen Lord Russell zeugte. Aber alle diese Umstände wurden vergebens geltend gemacht. Auf der Richterbank saßen drei Richter, welche mit Jeffreys im Westen gewesen waren, und Leute, die ihr Verhalten beobachteten, hatten bemerkt, daß sie von dem Gemetzel in Taunton in einer übermüthigen und gereizten Stimmung zurückgekehrt waren. Es ist in der That nur zu wahr, daß die Neigung zum Blutvergießen eine Neigung ist, die selbst solche Menschen, welche von Natur durchaus nicht blutdürstig sind, durch die Gewohnheit sehr schnell annehmen können. Anwälte und Richter vereinigten sich in dem Bemühen, den unglücklichen Whig niederzuschmettern, die von einem höfischen Sheriff ernannte Jury gab bereitwilligst ein »Schuldig« ab und trotz des unwilligen Murrens von Seiten des Publikums erlitt Cornish am zehnten Tage nach seiner Verhaftung den Tod. Damit kein entehrender Umstand fehlte, wurde der Galgen an der Stelle errichtet, wo Kingstreet in Cheapside einmündet, dem Hause gegenüber, in welchem Cornish lange in allgemeiner Achtung gelebt hatte, angesichts der Börse, an der er stets in hohem Ansehen gestanden, und Guildhall's, wo er sich als ein Führer des Volks ausgezeichnet hatte. Er starb muthig und mit vielen Äußerungen von Frömmigkeit, legte aber in Blicken und Geberden eine so heftige Entrüstung über die barbarische Ungerechtigkeit, mit der man gegen ihn verfahren war, an den Tag, daß seine Feinde ein verleumderisches Gerücht über ihn aussprengten. Sie sagten, er sei betrunken, oder nicht bei Sinnen gewesen, als er aufgeknüpft wurde. Wilhelm Penn aber, der nahe bei dem Galgen gestanden und der entschieden für die Regierung eingenommen war, versicherte nachher, er habe in Cornish's Benehmen nichts weiter als den natürlichen Unwillen eines schuldlosen Mannes, der unter der Form des Gesetzes ermordet wird, finden können. Der Kopf des gemordeten Magistratsbeamten wurde über Guildhall aufgepflanzt.[153]

[Anmerkung 153: Cornish's Prozeß in der +Collection of State Trials+; +Sir J. Hawles's Remarks on Mr. Cornish's Trial+; +Burnet. I. 651+; +Bloody Assizes+; +Stat. 1. Gul. & Mar.+]