Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Dritter Band
Part 13
Von Dorchester zog Jeffreys weiter nach Exeter. Der Bürgerkrieg hatte kaum die Grenzen von Dorsetshire berührt und es wurden deshalb hier verhältnißmäßig nur wenige Personen mit dem Tode bestraft. Somersetshire, der Hauptsitz des Aufstandes, war für die letzte und furchtbarste Rache aufgespart. In dieser Grafschaft wurden binnen wenigen Tagen zweihundertdreiunddreißig Gefangene gehängt, geschleift und geviertheilt. An jeder Stelle, wo zwei Straßen sich kreuzten, auf jedem Marktplatze, und auf der Gemeindewiese jedes großen Dorfes, das Monmouth Soldaten geliefert hatte, verpesteten gefesselte Leichname, die sich klirrend im Winde schaukelten, oder auf Pfähle gespießte Köpfe und Glieder die Luft und erfüllten den Reisenden mit Grauen und Entsetzen. In manchen Dörfern konnten die Leute sich nicht im Gotteshause versammeln, ohne über dem Portale das gespensterhafte Antlitz eines Nachbarn grinsen zu sehen. Der Oberrichter war in seinem Element. Je weiter das Mordwerk gedieh, um so heiterer und lebhafter wurde er. Er lachte, jubelte, scherzte und schwur in solchem Maße, daß viele Leute ihn vom Morgen bis zum Abend für betrunken hielten. Aber bei ihm war es nicht leicht, den durch wilde Leidenschaften erregten Wahnsinn von dem durch den Branntwein hervorgerufenen zu unterscheiden. Ein Gefangener behauptete, die gegen ihn aufgetretenen Zeugen verdienten keinen Glauben, indem einer von ihnen Papist, der andre prostituirt sei. »Wie, frecher Rebell?« rief der Oberrichter, »Du wagst es, des Königs Zeugen zu verwerfen? Ich sehe Dich schon mit dem Stricke um den Hals, Schurke!« Ein Andrer bewies durch Zeugnisse, daß er ein guter Protestant sei. »Protestant?« rief Jeffreys, »Presbyterianer wollt Ihr sagen! Ich biete Euch eine Wette darauf an, daß ich einen Presbyterianer vierzig Meilen weit wittere.« Ein Unglücklicher erweckte selbst das Mitleid erbitterter Tories. »Mylord,« sagten sie, »dieser arme Mann wird auf Gemeindekosten unterhalten.« »Seid unbesorgt,« entgegnete der Oberrichter, »ich will die Gemeinde von der Last befreien.« Seine Wuth richtete sich nicht gegen die Gefangenen allein. Gentlemen und Adelige von hohem Ansehen und fleckenloser Loyalität, die es wagten, ihn auf einen mildernden Umstand aufmerksam zu machen, konnten fast mit Gewißheit darauf rechnen, daß sie eine Antwort von ihm erhielten, die er in der gemeinen Sprache, welche er sich in den Bierhäusern von Whitechapel angeeignet hatte, einen Schlag mit der rauhen Seite seiner Zunge nannte. Lord Stawell, ein toryistischer Peer, der seinen Abscheu vor der Gewissenlosigkeit, mit der seine unglücklichen Nachbarn hingeschlachtet wurden, nicht verhehlen konnte, wurde dadurch bestraft, daß man über seinem Parkthore einen Leichnam in Ketten aufhängte.[130] Aus derartigen Schauspielen entsprangen manche schauerliche Geschichten, die sich die Landleute von Somersetshire noch lange nachher am Weihnachtsfeuer beim Äpfelwein erzählten. Noch in den letzten vierzig Jahren kannten in einigen Districten Manche die verwünschten Stellen genau und gingen des Abends nur mit Widerstreben an denselben vorüber.[131]
Jeffreys rühmte sich mehr Verräther gehängt zu haben, als alle seine Vorgänger seit der Eroberung. Es ist gewiß, daß die Anzahl der Personen, die er in einem Monate und in einer Grafschaft hinrichten ließ, bei weitem die Zahl aller politischen Verbrecher übersteigt, welche seit der Revolution auf unsrer Insel hingerichtet worden sind. Die Aufstände von 1715 und 1745 waren von längerer Dauer, von größerer Ausdehnung und viel drohenderem Aussehen als der, welcher bei Sedgemoor niedergeworfen wurde, und man war nicht allgemein der Ansicht, daß das Haus Hannover sowohl nach der Rebellion von 1715 als auch nach der von 1745 in der Milde zu weit gegangen sei. Gleichwohl muß die Anzahl der Hinrichtungen von 1715 und 1745 zusammengenommen, im Vergleich mit denen, welche die blutigen Assisen geschändet haben, gering erscheinen. Die Gesammtzahl der Rebellen, welche Jeffreys auf dieser Rundreise hängen ließ, belief sich auf dreihundertzwanzig.[132]
Ein solches Gemetzel hätte selbst dann Abscheu erregen müssen, wenn die Verurtheilten im Allgemeinen hassenswerth gewesen wären. Aber sie waren zum größten Theil Leute von tadellosem Wandel und wahrer Religiosität. Sie betrachteten sich selbst und wurden auch von einem großen Theile ihrer Nachbarn nicht als Missethäter, sondern als Märtyrer betrachtet, welche die Wahrheit des protestantischen Glaubens mit ihrem Blute besiegelten. Nur sehr wenige von den Verurtheilten legten Reue über das, was sie gethan, an den Tag. Viele, die von dem alten puritanischen Geiste beseelt waren, gingen dem Tode nicht nur standhaft, sondern sogar freudig entgegen. Vergebens hielten ihnen die Diener der Staatskirche Sermone über die Sündhaftigkeit des Aufruhrs und über die Wichtigkeit der priesterlichen Absolution. Der Anspruch des Königs auf unbeschränkte Autorität in weltlichen Dingen, und der Anspruch des Klerus auf die geistliche Gewalt, zu verbinden und aufzulösen, erregten den bitteren Spott der unerschrockenen Sectirer. Einige von ihnen componirten im Gefängnisse Hymnen, die sie dann auf der verhängnißvollen Schleife sangen. Christus, riefen sie aus, während sie sich zu dem Gemetzel entkleideten, werde bald kommen, um Zion zu erlösen und Babylon zu bekriegen; er werde sein Banner aufpflanzen, in seine Trompete stoßen und seinen Feinden zehnfältig all' das Böse vergelten, das sie seinen Dienern zugefügt. Die letzten Worte dieser Leute wurden aufgezeichnet, ihre Abschiedsbriefe wie kostbare Schätze aufbewahrt, und so entstand mit Hülfe einiger Erdichtung und Übertreibung ein umfänglicher Nachtrag zur Marianischen Martyrologie.[133]
[Anmerkung 129: +Bloody Assizes.+]
[Anmerkung 130: +Locke's Western Rebellion.+]
[Anmerkung 131: Dies kann ich aus meinen eigenen Jugenderinnerungen bestätigen.]
[Anmerkung 132: Lord Lonsdale sagt siebenhundert, Burnet sechshundert. Ich habe die Listen zu Grunde gelegt, welche die Richter an das Schatzamt einsandten und die noch daselbst aus dem Briefbuche zu ersehen sind. Man sehe auch die +Bloody Assizes+; +Locke's Western Rebellion+; +the Panegyric on Lord Jeffreys+; +Burnet I. 648+; +Eachard III. 775+; +Oldmixon, 705.+]
[Anmerkung 133: Einige Gebete, Ermahnungen und Hymnen dieser Dulder findet man in den +Bloody Assizes+.]
[_Abraham Holmes._] Einige Fälle verdienen noch besondere Erwähnung. Abraham Holmes, ein verabschiedeter Offizier von der Parlamentsarmee und einer von den Zeloten, welche keinen andren König als den König Jesus anerkannten, wurde bei Sedgemoor gefangen genommen. Sein Arm war in der Schlacht furchtbar verstümmelt und zerschmettert worden, und da kein Wundarzt zur Hand war, schnitt der muthige alte Soldat ihn sich selbst ab. Er wurde nach London abgeführt und vom Könige selbst im Rathe verhört, wollte sich aber zu keiner Demüthigung erniedrigen. »Ich bin ein alter Mann« sagte er, »und die kurze Spanne Zeit, die ich noch zu leben habe, ist keiner Lüge oder Erniedrigung mehr werth. Ich war stets ein Republikaner und bin es noch.« Er wurde nach dem Westen zurückgesandt und gehängt. Das Volk bemerkte mit ängstlicher Scheu und Verwunderung, daß die Thiere, die ihn zum Galgen schleppen sollten, störrig wurden und umkehren wollten. Holmes selbst zweifelte nicht daran, daß der Engel des Herrn, wie vor alter Zeit, mit dem Schwert in der Hand im Wege stehe, dem menschlichen Auge unsichtbar, aber dem niederen Thiere sichtbar. »Halt, Ihr Herren!« rief er aus, »laßt mich zu Fuß gehen. Die Sache hat mehr zu bedeuten als Ihr glaubt. Erinnert Euch, daß der Esel Den sah, den der Prophet nicht sehen konnte.« Mit festem Schritte ging er zum Galgen, hielt lächelnd eine Ansprache an das Volk, betete inbrünstig, Gott möge die Vernichtung des Antichrist und die Befreiung Englands beschleunigen, und stieg die Leiter hinauf mit der Entschuldigung, daß er es so ungeschickt mache. »Ihr seht« sagte er, »daß ich nur einen Arm habe.«[134]
[Anmerkung 134: +Bloody Assizes+; +Locke's Western Rebellion+; +Lord Lonsdale's Memoirs+; Bericht über die Schlacht von Sedgemoor in den +Hardwicke Papers+.
Die Erzählung in +Clarke's life of James the Second+ ist nicht den königlichen Handschriften entnommen und widerlegt sich selbst hinlänglich.]
[_Christoph Battiscombe._] Nicht weniger muthig starb Christoph Battiscombe, ein junger Templer von guter Familie und Vermögen, der in Dorchester, einer freundlichen Provinzialstadt, die auf ihren guten Geschmack und auf ihre Bildung stolz war, allgemein für das Muster eines feinen Gentleman galt. Es wurde Alles aufgeboten, um ihn zu retten. Man glaubte im Westen Englands, er sei mit einer jungen Dame von edlem Geblüt, der Schwester des Sheriffs, verlobt, diese habe sich Jeffreys zu Füßen geworfen und ihn um Gnade gebeten, Jeffreys aber habe sie mit einem abscheulichen Witze von sich gestoßen, den zu wiederholen eine Verletzung des Anstandes und der Menschlichkeit sein würde. Ihr Geliebter erlitt in Lyme gläubig und standhaft den Tod.[135]
[Anmerkung 135: +Bloody Assizes+; +Locke's Western Rebellion+; +Humble Petition of Widows and fatherless Children in the West of England+; +Panegyric on Lord Jeffreys.+]
[_Die Gebrüder Hewling._] Noch größere Theilnahme erweckte das Schicksal zweier tapferen Brüder, Wilhelm und Benjamin Hewling. Sie waren beide jung, hübsch, gebildet und aus anständiger Familie. Ihr Großvater von mütterlicher Seite hieß Kiffin, war einer der ersten Kaufleute in London und wurde allgemein als das Oberhaupt der Baptisten betrachtet. Der Oberrichter benahm sich beim Verhör gegen Wilhelm Hewling mit der ihm eigenen Rücksichtslosigkeit. »Ihr habt einen Großvater,« sagte er zu ihm, »der es eben so reichlich verdiente, gehängt zu werden wie Ihr.« Der arme junge Mann, der erst neunzehn Jahr alt war, ertrug den Tod mit solcher Ergebung und Standhaftigkeit, daß ein bei der Hinrichtung anwesender Offizier von der Armee, der sich durch Rohheit und Härte ausgezeichnet hatte, tief ergriffen wurde und äußerte: »Ich glaube nicht, daß der Lordoberrichter selbst dabei ungerührt bleiben würde,« Man hatte gehofft, Benjamin's Begnadigung zu erlangen. _Ein_ so jugendliches Opfer war sicherlich genug für eine Familie. Jeffreys selbst war zur Milde geneigt oder stellte sich wenigstens so. Der Grund davon war der, weil einer seiner Verwandten, von dem er viel zu erwarten hatte und den er daher nicht so behandeln konnte, wie er derartige Bittsteller gewöhnlich behandelte, sich für die schwergeprüfte Familie angelegentlich verwendete. Es wurde ein Aufschub bewilligt, um in London anzufragen; und die Schwester des Gefangenen begab sich selbst mit einer Bittschrift nach Whitehall. Viele Hofleute wünschten ihr glücklichen Erfolg, und Churchill, zu dessen zahlreichen Fehlern wenigstens die Grausamkeit nicht gehörte, verschaffte ihr eine Audienz. »Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen den besten Erfolg,« sagte er, während sie sich zusammen im Vorzimmer befanden, »aber schmeicheln Sie sich nicht mit Hoffnungen. Dieser Marmor, setzte er hinzu, indem er die Hand auf den Kaminsims legte, ist nicht härter als der König.« Seine Vermuthung bestätigte sich, Jakob war unerbittlich. Benjamin Hewling starb mit unerschrockenem Muthe unter lautem Wehklagen, in welches die um den Galgen Wache haltenden Soldaten unwillkürlich einstimmten.[136]
Die zum Tode verurtheilten Rebellen waren indessen weniger zu beklagen als manche von den Überlebenden. Verschiedene Gefangene, welche Jeffreys des Hochverraths nicht überführen konnte, wurden geringerer Vergehen schuldig befunden und zu nicht minder furchtbarer Auspeitschung verurtheilt, als sie früher dem Oates zuerkannt worden war. Eine Frau ward einiger geringfügiger Worte halber, wie sie in den Bezirken, wo der Krieg gewüthet hatte, von der Hälfte der Frauen geäußert wurden, dazu verurtheilt, durch alle Marktorte der Grafschaft Dorset gepeitscht zu werden. Sie erlitt einen Theil ihrer Strafe noch vor Jeffreys' Rückkehr nach London; als er aber den Westen verlassen hatte, nahmen die Kerkerknechte unter stillschweigender Einwilligung der Behörden es auf sich, sie mit weiteren Qualen zu verschonen.
[Anmerkung 136: In Bezug auf die Gebrüder Hewling habe ich mich an Kiffin's Memoiren und an Mr. Hewling Luson's Erzählung in der zweiten Ausgabe der +Hughes Correspondence vol. II. Appendix+ gehalten. Die Berichte in +Locke's Western Rebellion+ und in dem +Panegyric on Jeffreys+ sind voll falscher Angaben. Der Bericht in den +Bloody Assizes+ ist zum großen Theile von Kiffin verfaßt und stimmt wörtlich mit seinen Memoiren überein.]
[_Tutchin's Strafe._] Eine noch fürchterlichere Strafe wurde über einen jungen Menschen, Namens Tutchin, verhängt, der ebenfalls wegen aufrührerischer Reden zur Untersuchung gezogen war. Er wurde, wie gewöhnlich, in seiner Verteidigung durch gemeine und rohe Scherze vom Richterstuhle herab unterbrochen. »Ihr seid ein Rebell und Eure ganze Familie hat seit Adam's Zeiten aus Rebellen bestanden. Wie ich höre, seid Ihr ein Dichter; ich will um die Wette Verse mit Euch machen.« Das Urtel gegen den jungen Menschen lautete auf sieben Jahr Gefängniß, während welcher Zeit er jedes Jahr durch alle Marktorte der Grafschaft gepeitscht werden sollte. Die Frauen auf den Galerien brachen in Thränen aus; der Gerichtsschreiber erhob sich in großer Aufregung und sagte: »Mylord, der Gefangene ist noch sehr jung und es giebt viele Marktorte in unsrer Grafschaft. Nach diesem Urtel wird er sieben Jahre lang alle vierzehn Tage ausgepeitscht werden.« »Ein junger Mensch mag er sein,« erwiederte Jeffreys, »aber nichts desto weniger ist er ein alter Schurke. Meine Damen, Sie kennen den Buben nicht so wie ich. Die Strafe ist eigentlich noch lange nicht hart genug für ihn; keine Macht Englands soll sie abändern.« Tutchin bat in seiner Verzweiflung, und wahrscheinlich im vollen Ernst, um die Gunst gehängt zu werden. Zu seinem Glück erkrankte er an den Pocken und wurde von den Ärzten aufgegeben. Da es sehr zweifelhaft war, ob das Urtel würde vollzogen werden können, so ließ sich der Oberrichter durch eine Bestechungssumme, die dem Gefangenen zum armen Manne machte, zur Zurücknahme desselben bewegen. Der von Haus aus nicht sehr sanfte Character Tutchin's wurde durch dieses Erlebniß bis zur Überspanntheit verbittert und er machte sich späterhin als einer der heftigsten und unversöhnlichsten Feinde des Hauses Stuart und der Torypartei bemerkbar.[137]
[Anmerkung 137: Siehe Tutchin's eigne Erzählung seines Prozesses in den +Bloody Assizes.+]
[_Deportation von Rebellen._] Die Anzahl der Gefangenen, welche Jeffreys zur Deportation verurtheilte, belief sich auf achthunderteinundvierzig. Diese Leute, die noch viel unglücklicher waren als ihre dem Tode überantworteten Leidensgefährten, wurden in Trupps abgetheilt und Personen verliehen, welche bei Hofe in Gunst standen. Die Bedingungen der Verleihung waren, daß die Verurtheilten als Sklaven über's Meer transportirt würden, daß sie vor Ablauf von zehn Jahren nicht freigelassen werden dürften, und daß der Ort der Verbannung irgend eine westindische Insel sein müßte. Dieser letzte Punkt war mit raffinirter Bosheit hinzugefügt worden, um das Elend der Gefangenen zu vermehren. In Neuengland oder Neujersey würden sie eine ihnen freundlich gesinnte Bevölkerung und ein der Gesundheit nicht nachtheiliges Klima gefunden haben. Daher beschloß man, sie nach solchen Kolonien zu senden, wo ein Puritaner keine besondere Theilnahme erwarten durfte und ein in der gemäßigten Zone geborner Arbeiter für seine Gesundheit nicht viel Gutes zu hoffen hatte. Der Stand des Sklavenmarktes war aber von der Art, daß diese Unglücklichen trotz der langen Seereise und obgleich sie voraussichtlich bald krank wurden, immer noch einen bedeutenden Werth hatten. Nach Jeffreys' Schätzung war jeder von ihnen, nach Abzug aller Unkosten, im Durchschnitt zehn bis fünfzehn Pfund Sterling werth. Es fanden sich daher viele Bewerber für die Verleihung dieser Sklaven. Einige Tories im Westen waren der Meinung, daß sie sich durch ihre Leiden und Drangsale während der Insurrection gegründete Ansprüche auf einen Antheil an dem Nutzen, der ihnen von den Schmarotzern zu Whitehall gierig weggefischt worden sei, erworben hätten. Die Höflinge aber trugen den Sieg davon.[138]
Das Elend der Verbannten kam dem der Negersklaven, welche jetzt von Congo nach Brasilien verschifft werden, vollkommen gleich. Aus den besten jetzt noch zugänglichen Quellen geht hervor, daß mehr als ein Fünftel von den Deportirten vor Beendigung ihrer Reise den Haifischen vorgeworfen wurden. Die Menschenladungen waren in den Kielräumen kleiner Schiffe dicht zusammengedrängt, und die Unglücklichen, von denen viele noch an ungeheilten Wunden litten, hatten so wenig Spielraum, daß sie sich nicht alle zu gleicher Zeit niederlegen konnten, ohne auf einander zu liegen. Auf das Verdeck durften sie niemals kommen; die Luken waren beständig von Schildwachen besetzt, die mit Seitengewehr und Muskete bewaffnet waren. Unten im Kerker herrschte Finsterniß, pestilentialischer Geruch, Jammer, Krankheit und Tod. Von neunundneunzig Verurtheilten, die auf einem Schiffe transportirt wurden, starben zweiundzwanzig vor der Ankunft in Jamaika, obgleich die Reise ungewöhnlich rasch von Statten ging, und als die Überlebenden den Ort ihrer Bestimmung erreichten, waren sie nur noch Skelette. Mehrere Wochen lang hatten sie so kärgliche Rationen von grobem Schiffszwieback und fauligem Wasser bekommen, daß Einer mit leichter Mühe fünfmal so viel hätte zu sich nehmen können. Sie kamen daher in einem solchen Zustande an, daß der Kaufmann, an den sie consignirt waren, es für nöthig hielt, sie erst zu mästen, bevor er sie verkaufte.[139]
[Anmerkung 138: Sunderland an Jeffreys, 14. Sept. 1685; Jeffreys an den König, 19. Sept. 1685, im Staatsarchive.]
[Anmerkung 139: Die beste Schilderung der Leiden der zur Deportation verurtheilten Rebellen findet sich in einer interessanten Erzählung, geschrieben von Johann Coad, einem rechtschaffnen und gottesfürchtigen Zimmermanne, der sich Monmouth angeschlossen hatte, bei Philips Norton schwer verwundet, von Jeffreys verurtheilt und nach Jamaika transportirt wurde. Das Originalmanuscript ward mir von Herrn Phippard, dem es gehört, freundlichst geliehen.]
[_Confiscationen und Erpressungen._] Unterdessen wurde das Eigenthum sowohl der hingerichteten Rebellen, als auch der noch unglücklicheren, die unter der tropischen Sonne dahinwelkten, von einer Menge gieriger Kläger in Beschlag genommen und zerstückelt. Nach dem Gesetz ist ein wegen Hochverraths verurtheilter Unterthan seines ganzen Vermögens verlustig, und dieses Gesetz wurde nach Beendigung der blutigen Assisen mit einer eben so grausamen als lächerlichen Strenge durchgeführt. Die gebeugten Wittwen und die verlassenen Waisen der Arbeiter, deren Leichname noch an den Kreuzwegen am Galgen hingen, wurden von den Agenten des Schatzamtes aufgefordert, Rechenschaft darüber abzulegen, wohin ein Korb, eine Gans, eine Speckseite, ein Fäßchen Äpfelwein, ein Sack Bohnen oder ein Bündel Heu gekommen sei.[140] Während die niederen Beamten der Regierung die Familien der hingeschlachteten Landleute ausplünderten, sammelte der Oberrichter durch Ausplündrung einer höheren Klasse von Whigs bedeutende Schätze. Er trieb einen ausgedehnten Handel mit Begnadigungen. Das einträglichste Geschäft dieser Art machte er mit einem Gentleman, Namens Edmund Prideaux. Es steht fest, daß Prideaux nicht gegen die Regierung gekämpft hatte, und sein einziges Verbrechen bestand wahrscheinlich in der Ererbung eines großen Vermögens, das ihm sein Vater, ein ausgezeichneter Jurist, der unter dem Protector ein hohes Amt bekleidet, hinterlassen hatte. Der Unglückliche schmachtete lange im Kerker und verstand sich endlich aus Furcht vor dem Galgen dazu, für seine Freilassung fünfzehntausend Pfund Sterling zu bezahlen. Diese bedeutende Summe eignete sich Jeffreys zu. Er kaufte sich dafür ein Landgut, welches das Volk nach jenem verfluchten Acker, der um den Preis unschuldigen Blute's erkauft ward, Hakeldama nannte.[141]
In diesem Erpressungsgeschäft wurde er von dem Schmarotzerschwarm, der mit ihm zu schwelgen und zu jubeln pflegte, wacker unterstützt. Das Amt dieser Menschen bestand darin, daß sie den Verurtheilten, die von der Angst vor dem Tode gequält wurden, und den Ältern, welche für das Leben ihrer Kinder zitterten, als Unterhändler ansehnliche Geldversprechungen zu erpressen suchten. Einen Theil der Beute überließ Jeffreys seinen Agenten. Einem seiner Zechgenossen soll er, wie man sagt, die Begnadigung eines reichen Hochverräthers bei einem Gelage über den Tisch zugeworfen haben. Es war nicht rathsam, sich einer andren Fürsprache als der seiner Creaturen zu bedienen, denn er war sehr eifersüchtig auf die Erhaltung seines einträglichen Begnadigungsmonopols. Man vermuthete sogar, daß er einige Personen lediglich deshalb an den Galgen schickte, weil sie sich auf von ihm unabhängigen Wegen an die königliche Gnade gewendet hatten.[142]
[Anmerkung 140: Unter den Papieren des Schatzamtes vom Herbst 1685 befinden sich mehrere Briefe, welche Nachforschungen nach derartigen Kleinigkeiten anbefehlen.]
[Anmerkung 141: +Commons' Journals, Oct. 9., Nov. 10. & Dec. 26. 1690+; +Oldmixon, 706+; +Panegyric on Jeffreys.+]
[Anmerkung 142: +Life and Death of Lord Jeffreys+; +Panegyric on Jeffreys+; +Kiffin's Memoirs.+]