Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe
Chapter 9
Der Anblick des Feindes war indessen nicht ganz entmuthigend. Die drei Divisionen der königlichen Armee lagen weit von einander entfernt, ihre Bewegungen hatten einen Anschein von sorgloser und lauer Disciplin und es wurde berichtet, daß sie sich fortwährend in Zoylandcyder betränken. Die Unfähigkeit Feversham's, der das Obercommando führte, war allbekannt, und selbst in diesem kritischen Augenblicke dachte er nur an Essen und Schlafen. Churchill dagegen war zwar ein Anführer, der weit schwierigeren Aufgaben als der Zerstreuung eines Haufens schlecht bewaffneter und ungeübter Bauern gewachsen war; aber das Genie, das später sechs Marschälle Frankreichs demüthigte, war damals noch nicht an seinem rechten Platze. Feversham sprach wenig mit Churchill und ermuthigte ihn nicht, Vorschläge zu machen. Aber obgleich der Unterbefehlshaber sich seiner Überlegenheit an Fähigkeiten und Kenntnissen bewußt war, obgleich er sich nur mit Unmuth den Befehlen eines Vorgesetzten unterwarf, den er verachtete, und obgleich er für die Armee das Schlimmste befürchtete, so bewahrte er dennoch die ihn auszeichnende Selbstbeherrschung und verbarg seine Gefühle so gut, daß Feversham seine folgsame Thätigkeit lobte und sich vornahm, dem Könige davon zu berichten[91].
Nachdem Monmouth die Stellung der königlichen Truppen beobachtet hatte und von ihrem Zustande benachrichtigt worden war, glaubte er, daß ein nächtlicher Angriff mit Erfolg gekrönt werden könnte. Er beschloß, sein Glück zu versuchen und traf sofort die nöthigen Anstalten.
Es war Sonntag und seine Leute, welche zum größten Theile puritanisch erzogen waten, brachten daher einen großen Theil des Tages in Andachtsübungen zu. Das Schloßgebiet, auf dem die Armee lagerte, bot ein Schauspiel dar, wie es England seit der Auflösung von Cromwell's Heer nicht wieder gesehen hatte. Die Dissenterprediger, welche gegen den Papismus zu den Waffen gegriffen hatten, und von denen einige vielleicht schon im großen Bürgerkriege gekämpft hatten, beteten und predigten in rothen Röcken und hohen Reitstiefeln, mit langen Schwertern an der Seite. Auch Ferguson gehörte zu Denen, welche Reden hielten. Er wählte zum Texte die furchtbare Verwünschung, durch welche die jenseits des Jordan wohnenden Israeliten sich von der Beschuldigung reinigten, die ihre Brüder am andren Ufer des Flusses aus Unwissenheit gegen sie erhoben: »Der starke Gott, der Herr, der starke Gott, der Herr weiß, so weiß Israel auch. Ist es Aufruhr oder ein Vergehen gegen den Herrn, so helfe er uns heute nicht[92].«
Daß unter dem Schutze der Nacht ein Angriff versucht werden sollte, war in Bridgewater kein Geheimniß. Die Stadt war von Frauen angefüllt, die aus der Umgegend herbeigekommen waren, um ihre Gatten, Söhne, Geliebten und Brüder noch einmal zu sehen. Es gab an diesem Tage manche schmerzliche Abschiedsscene und Viele trennten sich, um einander nicht wiederzusehen. Das Gerücht von dem beabsichtigten Angriff kam auch einem jungen Mädchen zu Ohren, die eine eifrige Anhängerin des Königs war. Trotz ihres schüchternen Wesens faßte sie den muthigen Entschluß, Feversham selbst die Nachricht zu überbringen. Sie stahl sich heimlich aus Bridgewater fort und begab sich in das königliche Lager. Dieses Lager aber war nicht der Ort, wo die weibliche Unschuld sicher war. Selbst die Offiziere, welche die irreguläre Streitmacht, der sie gegenüberstanden, und den nachlässigen General, unter dessen Befehlen sie kämpfen sollten, in gleichem Grade verachteten, waren des süßen Weines voll und daher zu jedem Exceß der Sinnlichkeit und Grausamkeit geneigt. Einer von ihnen ergriff das junge Mädchen, weigerte sich, auf ihre Botschaft zu hören und that ihr auf die roheste Weise Gewalt an. Vor Scham und Wuth der Verzweiflung nahe, entfloh sie wieder und überließ das gottlose Heer seinem Schicksale[93].
Die Zeit zum Beginn des großen Wagstücks rückte jetzt heran. Die Nacht war nicht ungünstig für ein solches Unternehmen. Es war zwar Vollmond und ein glänzendes Nordlicht erschien am Horizont; aber der Sumpfnebel lag so dicht über Sedgemoor, daß man auf funfzig Schritt die Gegenstände nicht unterscheiden konnte[94].
[Anmerkung 88: +Sedgemoor+: Schilf-Moor.]
[Anmerkung 89: +Matt. West. Flor. Hist. A.D. 788+; Handschriftliche Chronik, citirt von Sharon Turner in seiner Geschichte der Angelsachsen, Buch IV. Kap. 19; +Drayton's Polyolbion, III.+; +Leland's Itinerary+; +Oldmixon, 703.+ Oldmixon befand sich damals in Bridgewater und sah wahrscheinlich den Herzog auf dem Kirchthurme. Die oben erwähnte Schüssel ist im Besitz eines Herrn Stradling, der sich die lobenswerthe Mühe gegeben hat, die Überbleibsel und Traditionen des Aufstandes im Westen aufzubewahren.]
[Anmerkung 90: +Oldmixon, 703.+]
[Anmerkung 91: Churchill an Clarendon, vom 4. Juli 1685.]
[Anmerkung 92: Paschall's Erzählung in Heywood's Anhang.]
[Anmerkung 93: +Kennet, ed. 1779, III. 432.+ Ich muß leider glauben, daß diese traurige Geschichte wahr ist. Der Bischof erklärt, daß sie ihm im Jahre 1718 von einem wackeren Offizier der Blauen mitgetheilt worden sei, der bei Sedgemoor mitgefochten und selbst das arme Mädchen in völliger Verzweiflung hat fortgehen sehen.]
[Anmerkung 94: Erzählung eines Offiziers von den Gardereitern in Kennet, Ausg. v. +1719, III. 432+; +MS. Journal of the Western Rebellion, Rept. by Mr. Edward Dummer+; +Dryden's Hind and Panther, part. II.+ Die Zeilen von Dryden sind schön:
Dies war des Himmels heitre Strahlenpracht Bei Jakob's letztem Sieg in stiller Nacht, Der Liebe seines mächt'gen Schutzherrn Pfand, Das Feuerwerk von hehrer Engel Hand. Ich selbst das helle Licht vergolden sah Die düstren nächt'gen Schatten, fern und nah'. Fort trug der Bote eiligst seine Kunde, Zu dreier Völker Trost in banger Stunde, Doch überall fand er des Himmels Boten schon.]
[_Schlacht von Sedgemoor._] Es schlug elf Uhr, als der Herzog mit seiner Leibgarde aus dem Schlosse abritt. Er befand sich durchaus nicht in der Gemüthsstimmung, wie sie einem Manne ziemt, der im Begriffe ist, einen entscheidenden Schlag zu führen. Selbst die Kinder, die sich herbeidrängten, um ihn vorüberreiten zu sehen, bemerkten, daß sein Aussehen traurig und voll düsterer Ahnungen war, und erinnerten sich dessen noch lange nachher. Seine Armee marschirte auf einem fast sechs Meilen langen Umwege gegen das königliche Lager von Sedgemoor. Ein Theil dieses Weges wird noch heute die Kriegsstraße genannt. Das Fußvolk führte Monmouth persönlich an, und die Reiterei war trotz der Gegenvorstellungen Derer, die sich des Unfalls bei Bridport erinnerten, Lord Grey anvertraut worden. Es war Befehl gegeben, das strengste Stillschweigen zu beobachten, keine Trommel zu rühren und keinen Schuß abzufeuern. Das Losungswort, an dem die Insurgenten einander im Dunkeln erkennen sollten, war Soho. Wahrscheinlich war dieses Wort in Anspielung auf Soho-Fields in London gewählt, wo der Palast des Anführers stand[95].
Montag den 6. Juli gegen ein Uhr in der Nacht kamen die Rebellen auf dem offnen Moore an. Aber zwischen ihnen und dem Feinde befanden sich drei mit Wasser und dünnem Schlamm gefüllte Gräben, und Monmouth wußte, daß er zwei davon, den sogenannten »schwarzen Graben« und den »Langmoor-Rhine« passiren mußte. Sonderbarerweise aber hatte ihm keiner seiner Kundschafter etwas von der Existenz des dritten Grabens gesagt, welcher »Bussex-Rhine« hieß und das königliche Lager unmittelbar deckte.
Die Munitionswagen blieben am Rande des Moors zurück. Die Reiterei und das Fußvolk gingen auf einem Damme in einer langen und schmalen Colonne über den schwarzen Graben. Ein ähnlicher Damm war auch durch den Langmoor-Rhine geworfen, aber der Führer verirrte sich im Nebel. Es entstand einiger Aufenthalt und Tumult, ehe man den rechten Weg wieder fand; endlich wurde der Übergang noch glücklich bewerkstelligt, aber in der Verwirrung ging ein Pistol los. Einige Wache haltende Gardereiter hörten den Knall und bemerkten eine große Truppenmasse, die sich im Nebel vorwärts bewegte. Sie feuerten ihre Karabiner ab und sprengten in verschiedenen Richtungen davon, um Lärm zu machen. Einige eilten nach Weston Zoyland, wo die Kavallerie lag. Ein andrer Reiter galoppirte in das Lager der Infanterie und rief aus voller Kehle, daß der Feind in der Nähe sei. Die Trommeln des Regiments Dumbarton schlugen Generalmarsch und die Mannschaft trat sogleich unter's Gewehr. Es war die höchste Zeit, denn Monmouth stellte seine Armee schon in Schlachtordnung auf. Er befahl Grey, mit der Reiterei vorzugehen, und folgte selbst an der Spitze des Fußvolks. Grey stürmte vorwärts, bis er plötzlich ganz unvermuthet durch den Bussex-Rhine aufgehalten wurde. Jenseit des Grabens stellte sich die königliche Infanterie eiligst in Schlachtordnung auf.
»Für wen seid Ihr?« rief ein Offizier von der Fußgarde. »Für den König«, antwortete eine Stimme in den Reihen der Rebellen-Kavallerie. »Für welchen König?« wurde hierauf gefragt. Die Antwort war das Jubelgeschrei: »Für König Monmouth!« vermischt mit dem Feldgeschrei, das vierzig Jahre früher auf den Fahnen der Parlamentsregimenter stand: »Gott mit uns!« Die königlichen Truppen gaben nun augenblicklich eine so kräftige Musketensalve, daß die ganze Reiterei der Aufständischen alsbald nach allen Richtungen auseinanderstob. Die Welt schrieb diese schmachvolle Flucht allgemein der Feigherzigkeit Grey's zu. Aber es ist keineswegs erwiesen, ob Churchill an der Spitze von Leuten, welche noch nie im Sattel gekämpft hatten, und deren Pferde weder ans Feuer, noch überhaupt an den Zügel gewohnt waren, besseren Erfolg gehabt haben würde.
Wenige Minuten nachdem die Reiterei des Herzogs sich über den ganzen Moor zerstreut hatte, kam seine Infanterie, der die brennenden Lunten des Regiments Dumbarton als Wegweiser in der Dunkelheit dienten, im Sturmschritt heran.
Monmouth erschrak nicht wenig, als er sah, daß ein breiter und tiefer Graben ihn von dem Lager trennte, das er zu überrumpeln gehofft hatte. Die Insurgenten machten am Rande des Grabens Halt und feuerten; ein Theil der königlichen Infanterie am anderen Ufer erwiederte das Feuer. Dreiviertel Stunde lang knatterte das Kleingewehrfeuer ununterbrochen. Die Landleute von Somersetshire benahmen sich wie alte gediente Soldaten, nur daß sie zu hoch hielten.
Jetzt aber hatten sich auch die anderen Abtheilungen der königlichen Armee in Bewegung gesetzt. Die Leibgarben und die Blauen kamen von Weston Zoyland herangesprengt und zerstreuten in einem Nu die wenigen Reiter Grey's, die sich wieder zu sammeln versucht hatten. Die Fliehenden verbreiteten einen panischen Schrecken unter ihren Kameraden in der Nachhut, welche die Munition zu decken hatten. Die Wagen fuhren in hastiger Eile davon und hielten nicht eher an, als bis sie mehrere Meilen vom Schlachtfelde entfernt waren. Bis jetzt hatte Monmouth sich als tapfrer und befähigter Krieger gezeigt; man hatte ihn zu Fuß gesehen, wie er, mit einer Lanze in der Hand, seine Infanterie durch Wort und Beispiel anfeuerte. Aber er war zu erfahren in militärischen Angelegenheiten, als daß er nicht hätte wissen sollen, daß Alles vorbei war. Seine Leute hatten den Vortheil, den ihnen die Überrumpelung und die Dunkelheit gegeben, verloren; sie waren von der Reiterei und den Munitionswagen im Stiche gelassen, und die königlichen Truppen waren jetzt in bester Ordnung beisammen. Feversham war durch das Feuer geweckt worden, war aus dem Bett gesprungen, hatte seine Halsbinde umgelegt, sich gebührend im Spiegel gemustert, und war endlich herbeigekommen, um zu sehen, was seine Leute thaten. Inzwischen hatte Churchill, was von weit größrer Wichtigkeit war, eiligst eine ganz neue Aufstellung der königlichen Infanterie vorgenommen. Der Morgen brach an; der Ausgang eines Kampfes im offnen Felde und bei hellem Tageslichte konnte nicht zweifelhaft sein. Aber Monmouth hätte fühlen sollen, daß er nicht fliehen durfte, während Tausende, die ihre Zuneigung zu ihm ins Verderben gestürzt, noch immer mannhaft für seine Sache kämpften. Aber eitle Hoffnungen und die unüberwindliche Liebe zum Leben behielten bei ihm die Oberhand. Er sah, daß, wenn er zögerte, die königliche Reiterei ihm den Rückzug abschneiden würde; er stieg daher zu Pferde und ritt vom Schlachtfelde.
Doch sein Fußvolk, obgleich von seinem Führer verlassen, hielt noch tapfer Stand. Die Leibgarden griffen es von der rechten, die Blauen von der linken Seite an; aber die Bauern von Somersetshire kämpften mit ihren Sensen und ihren Gewehrkolben wie alte Soldaten gegen die königlichen Reiter. Oglethorpe machte einen ungestümen Versuch, ihre Reihen zu durchbrechen, und wurde tapfer zurückgeschlagen. Sarsfield, ein wackrer irländischer Offizier, dessen Name später eine traurige Berühmtheit erlangte, griff auf der andren Flanke an. Seine Leute wurden ebenfalls zurückgeworfen. Er selbst wurde zu Boden geschlagen und blieb eine Zeit lang für todt liegen. Der Widerstand der tapfren Landleute konnte jedoch nicht mehr von langer Dauer sein, denn Pulver und Blei waren völlig ausgegangen. Man hörte den Ruf: »Munition! um Gottes Willen Munition!« Aber es war keine mehr zur Hand. Jetzt rückte überdies auch die königliche Artillerie heran, die eine halbe Meile davon auf der Straße von Weston Zoyland nach Bridgewater gestanden hatte. Die Ausrüstung des englischen Heeres war damals noch so mangelhaft, daß es ungeheure Mühe gekostet haben würde, die schweren Geschütze auf den Platz zu schleppen, wo der Kampf wüthete, hätte nicht der Bischof von Winchester seine Wagenpferde und seine Geschirre zu diesem Zwecke hergegeben. Diese Einmischung eines christlichen Prälaten in eine blutige Angelegenheit ist mit sonderbarer Inconsequenz von einigen whiggistischen Schriftstellern verdammt worden, während sie nichts Verbrecherisches in dem Benehmen der zahlreichen puritanischen Geistlichen finden, welche damals gegen die Regierung unter Waffen standen. Und als die Kanonen endlich angekommen waren, fehlte es so sehr an Kanonieren, daß ein Sergeant vom Regimente Dumbarton die Bedienung mehrerer Geschütze übernehmen mußte[96]. So schlecht indessen die Geschütze auch bedient wurden, so brachten sie doch das Gefecht rasch zu Ende. Die Lanzen der aufständischen Bataillone begannen sich zu senken, die Reihen wurden durchbrochen; die königliche Reiterei machte einen nochmaligen Angriff und warf Alles vor sich nieder, während zu gleicher Zeit auch die Infanterie in großen Massen über den Graben kam. Selbst in dieser höchsten Bedrängniß hielten die Bergleute von Menrix noch tapfer Stand und verkauften ihr Leben theuer. Aber in wenigen Minuten war die Niederlage vollständig. Dreihundert königliche Soldaten waren getödtet oder verwundet, und von den Rebellen lagen mehr als tausend todt auf dem Moor[97].
So endete der letzte, den Namen einer Schlacht verdienende Kampf, der auf englischem Boden stattgefunden hat. Der Eindruck, den derselbe bei den einfachen Bewohnern der Umgegend zurückließ, war tief und nachhaltig. Allerdings ist dieser Eindruck auch häufig wieder aufgefrischt worden, denn selbst noch in unseren Tagen haben Pflug und Spaten nicht selten schauerliche Erinnerungszeichen von dem Gemetzel, wie Schädel, Gebeine und seltsame Waffen, aus Ackergeräthen verfertigt, zu Tage gefördert. Alte Landleute erzählten noch vor Kurzem, daß sie in ihrer Kindheit oft auf dem Moore das Gefecht zwischen König Jakob's und König Monmouth's Soldaten gespielt und daß die letzteren stets »Soho« gerufen hätten[98].
Was bei der Schlacht von Sedgemoor am meisten auffällt, ist der Umstand, daß der Ausgang nur einen Augenblick zweifelhaft sein konnte und daß die Rebellen so lange Widerstand leisteten. Gegenwärtig würde es als ein Wunder betrachtet werden, wenn fünf- oder sechstausend Kohlengräber und Bauern nur einer halb so großen Anzahl von regulärer Kavallerie und Infanterie eine halbe Stunde lang Stand hielte. Unser Erstaunen wird sich jedoch vielleicht vermindern, wenn wir berücksichtigen, daß zu den Zeiten Jakob's II. die Disciplin der regulären Armee außerordentlich lax, und daß auf der andren Seite das Landvolk daran gewöhnt war, in der Miliz zu dienen. Der Unterschied zwischen einem Regiment Fußgarden und einem Regiment eben angeworbener Bauern war daher, obwohl schon sehr bedeutend, doch keineswegs so groß, als er jetzt ist. Monmouth führte nicht bloße Pöbelhaufen zum Angriff gegen geübte Soldaten; seine Leute waren nicht ganz ohne allen militärischen Anstrich, während Feversham's Truppen im Vergleich zu den englischen Truppen der Jetztzeit fast ein Pöbelhaufe genannt werden könnten.
Es war vier Uhr, die Sonne ging auf und das geschlagene Heer ergoß sich massenhaft in die Straßen von Bridgewater. Das Getümmel, das Blut, die Wunden, die geisterhaften Gestalten, welche zu Boden sanken, um nicht wieder aufzustehen, verbreiteten Entsetzen und Bestürzung in der Stadt. Dazu kam noch, daß die Verfolger ihnen auf den Fersen waren. Die Einwohner, welche den Aufstand begünstigt hatten, erwarteten ausgeplündert und niedergemetzelt zu werden, und flehten ihre Nachbarn, die sich zum römisch-katholischen Glauben bekannten oder sich durch toryistische Gesinnung auszeichneten, um Schutz an. Auch, die heftigsten whiggistischen Geschichtsschreiber erkennen es an, daß dieser Schutz freundlich und hochherzig gewährt wurde[99].
[Anmerkung 95: Es ist von vielen Schriftstellern, unter Anderen auch von Penant, behauptet worden, der Soho-Bezirk in London habe seinen Namen von jener Parole in Monmouth's Armee bei Sedgemoor. Aber man findet die Soho-Fields in Büchern erwähnt, welche vor dem Aufstand im Westen gedruckt waren, z.B. in +Chamberlayn's State of England, 1684.+]
[Anmerkung 96: Es existirt eine Verfügung von Jakob, welche anbefiehlt, daß dem Sergeanten Weems vom Regiment Dumbarton »für die guten Dienste, die er in der Schlacht von Sedgemoor durch Abfeuern der großen Kanonen auf die Rebellen geleistet«, vierzig Pfund Sterling ausgezahlt werden sollen. +Historical Record of the First of Royal Regiment of Foot+.]
[Anmerkung 97: Jakob's II. Bericht von der Schlacht von Sedgemoor in Lord Hardwicke's Staatsschriften; +Wade's Confession+; Ferguson's handschriftliche Erzählung in Eachard III. 768; Erzählung eines Offiziers von der Leibgarde in Kennet, Ausg. v. 1719, III. 432; +London Gazette, July 9. 1685+; +Oldmixon, 703+; +Paschalle's Narrative+; +Burnet, I. 643+; +Evelyn's Diary, July 8.+; Citters, 7.(17.) Juli; Barillon 9.(19.) Juli; +Reresby's Memoirs+; +the Duke of Buckingham's Battle of Sedgemoor, a Farce+; +MS. Journal of the Western Rebellion, kept by Mr. Edward Dummer, then serving in the train of artillery employed by Hir Majesty for the suppression of the same+. Die letztgenannte Handschrift befindet sich in der Pepys'schen Bibliothek und ist von großem Werthe, nicht wegen der Erzählung, die wenig Bemerkenswerthes enthält, sondern wegen der Pläne, welche die Schlacht in vier oder fünf verschiedenen Stadien darstellen.
»Die Geschichte einer Schlacht«, sagt der größte der jetzt lebenden Generale, »ist der Geschichte eines Balles nicht unähnlich. Einige mögen sich wohl noch der kleinen Vorfälle erinnern, welche den Gewinn oder den Verlust der Schlacht herbeiführten; aber kein Einzelner kann sich erinnern, in welcher Aufeinanderfolge oder in welchem Augenblicke sie sich ereigneten, und davon hängt stets ihr Werth und ihre Bedeutung ab ... Um Ihnen zu beweisen, wie wenig man sich auch auf die besten Schlachtberichte verlassen kann, will ich nur sagen, daß in dem Berichte des Generals * * einige Umstände erwähnt sind, die sich nicht so zugetragen haben, wie er sie erzählt. Es ist unmöglich zu sagen, wann und in welcher Ordnung jedes wichtige Ereigniß eintrat.« -- +Wellington Papers, Aug. 8. & 17. 1815.+
Die Schlacht, in Bezug auf welche der Herzog von Wellington dies schrieb, war die von Waterloo, die wenige Wochen vorher am hellen Tage unter seinen eigenen scharfblickenden und erfahrenen Augen geschlagen worden war. Wie schwierig muß es daher sein, aus zwölf oder dreizehn Rapporten einen Bericht über eine Schlacht zusammen zu stellen, die vor mehr als hundertsechzig Jahren in einer Dunkelheit geschlagen wurde, daß man nicht fünfzig Schritt weit vor sich sehen konnte? Die Schwierigkeit wird dadurch noch vergrößert, daß die Augenzeugen, welche die beste Gelegenheit hatten, die Wahrheit zu erfahren, durchaus nicht geneigt waren, sie zu sagen. Das Dokument, das ich an die Spitze meiner Quellenverzeichnisse gestellt habe, war unverkennbar mit der größten Parteilichkeit für Feversham geschrieben. Wade schrieb in der Angst vor dem Strange. Ferguson, der es überhaupt mit der Wahrheit seiner Aussagen nicht genau nahm, log bei dieser Gelegenheit wie Bobadil oder Parolles. Oldmixon, der zur Zeit der Schlacht in Bridgewater noch ein Knabe war und einen großen Theil seines spätren Lebens daselbst zubrachte, stand so unter dem Einflusse örtlicher Leidenschaften, daß seine an Ort und Stelle vorgenommenen Forschungen ihm nichts nützten. Der Wunsch, die Tapferkeit der Landleute von Somersetshire zu preisen, eine Tapferkeit, die selbst ihre Feinde anerkannten und welche nicht erst durch Übertreibungen und Erdichtungen in ein glänzendes Licht gestellt zu werden brauchte, verleitete ihn, einen lächerlichen Roman zusammenzusetzen. Das Lob, welches Barillon, ein Franzos, der gewöhnt war, ungeübte Schaaren zu verachten, der besiegten Armee zollt, hat weit mehr Werth. +»Son infanterie fit fort bien. On n'eut de la peine à les rompre, et les soldats combattoient avec les crosses de mousquet et les scies, qu'ils avoient au bout de grands bastons au lieu de picques.«+
Jetzt ist durch einen Besuch des Schlachtfeldes nicht viel mehr zu lernen, denn die Gestalt der Gegend hat sich zu sehr verändert; so ist der alte Bussex-Rhine, an dessen Ufern das Haupttreffen stattfand, längst verschwunden. -- Von großem Nutzen ist mir Robert's Schlachtbericht gewesen. +Life of Monmouth chap. 22.+ Seine Erzählung wird in der Hauptsache durch Dummer's Pläne bestätigt.]
[Anmerkung 98: Ich weis dies aus dem Munde von Leuten, welche unweit Sedgemoor wohnen.]
[Anmerkung 99: +Oldmixon, 704.+]
[_Verfolgung der Rebellen._] Die Sieger verfolgten die Fliehenden den ganzen Tag. Die Bewohner der umliegenden Dörfer erinnerten sich noch lange des Getöses und der Verwünschungen, womit die Reiterei vorüberstürmte. Noch vor dem Abend waren fünfhundert Gefangene in der Pfarrkirche zu Weston Zoyland eingesperrt. Achtzig von ihnen waren verwundet und fünf starben innerhalb der heiligen Mauern. Eine große Menge Landleute wurde herbeigetrieben, um die Gefallenen zu begraben, und einige, deren Parteilichkeit für die Sache der Besiegten bekannt war, wurden für das grauenvolle Geschäft bestimmt, die Gefangen zu viertheilen. Die Unterconstabler der benachbarten Kirchspiele mußten Galgen aufrichten und Ketten herbeischaffen. Währenddem läuteten fröhlich die Glocken von Weston Zoyland und Chedzoy und die Soldaten sangen und zechten auf dem Moore mitten unter den Leichen, denn die Landwirthe der Umgegend hatten, sobald der Ausgang des Gefechts bekannt war, sich beeilt, den Siegern ganze Fässer ihres besten Obstweines als Friedensopfer darzubringen.[100]
[Anmerkung 100: +Locke's Western Rebellion, Stradling's Chilton Priory.+]