Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe
Chapter 7
Die Bill ging in ihrer verbesserten Fassung durch und wurde den Lords überreicht, aber nicht zum Gesetz erhoben. Der König hatte vom Parlament eine Geldunterstützung erlangt, wie er sie nur erwarten konnte, und er sah ein, daß, so lange der Aufstand wüthete, die loyalen Mitglieder des Adels und der Gentry in ihren Grafschaften mehr nützen könnten, als in Westminster. Er drängte daher ihre Verhandlungen zu einem baldigen Schlusse und entließ sie am 3. Juli. An dem nämlichen Tage erhielt ein Gesetz, welches die mit dem Jahre 1679 erloschene Censur wieder einführte, die königliche Genehmigung. Dieser Gegenstand wurde mit wenigen Worten am Ende eines gemischten Gesetzes abgethan, welches verschiedene erlöschende Gesetze verlängerte. Die Anhänger des Hofes dachten nicht daran, daß sie einen Sieg errungen hätten und die Whigs äußerten durchaus keine Unzufriedenheit. Weder bei den Lords noch bei den Gemeinen kam es zu einer Abstimmung, ja, soweit man es jetzt noch ersehen kann, nicht einmal zu einer Debatte über eine Frage, welche in unsrer Zeit das ganze Gebäude der Gesellschaft erschüttern würde. Die Veränderung war auch in der That unbedeutend und kaum bemerkbar, denn seit der Entdeckung des Ryehousecomplots hatte die Freiheit, ohne Censur drucken zu dürfen, nur dem Namen nach bestanden. Seit vielen Monaten war kaum eine gegen den Hof gerichtete Flugschrift anders als heimlich gedruckt worden, und heimlich konnten solche Flugschriften nach wie vor herausgegeben werden[56].
Die Häuser schlossen nun ihre Sitzungen; sie wurden nicht prorogirt, sondern nur vertagt, damit sie bei ihrem nächsten Zusammentritt die Geschäfte genau in dem Stande wieder aufnehmen könnten, wie sie dieselben verlassen hatten[57].
[Anmerkung 52: +London Gazette, June 18. 1685+; +Lords' and Commons' Journals, June 13. & 15.+; Holländische Depesche vom 16.(26.) Juni.]
[Anmerkung 53: Oldmixon hat unrecht, wenn er sagt, daß Fenwick die Bill überreichte. Aus den Protokollen ergiebt sich, daß sie durch Lord Ancram überreicht wurde.]
[Anmerkung 54: +Commons' Journals, June 17, 18 & 19. 1685+; +Reresby's Memoirs.+]
[Anmerkung 55: +Commons' Journals, June 19. 29. 1685+; +Lord Lonsdale's Memoirs. 8. 9.+; +Burnet I. 639.+ Die Bill ist in ihrer durch den Ausschuß abgeänderten Fassung in Fox' Geschichtswerke Anh. III. zu finden. Wenn Burnet's Bericht genau ist, so waren diejenigen Vergehen, welche die amendirte Bill nur als Civilvergehen bestraft wissen wollte, in der ursprünglichen Bill als Kapitalverbrechen behandelt.]
[Anmerkung 56: +1 Jac. II. c. 17. Lords' Journals, July 2. 1685.+]
[Anmerkung 57: +Lords' and Commons' Journals, July 2, 1685.+]
[_Monmouth's Empfang in Taunton._] Während das Parlament auf strenge Gesetze gegen Monmouth und seine Anhänger sann, fand er in Taunton eine Aufnahme, die ihn wohl zu der Hoffnung berechtigen konnten, daß sein Unternehmen gelingen werde. Taunton war wie viele andere Städte im südlichen England damals viel bedeutender als gegenwärtig. Diese Städte sind zwar nicht kleiner und ärmer geworden, im Gegentheil, sie sind mit wenigen Ausnahmen jetzt größer und reicher, besser gebaut und besser bevölkert als im siebzehnten Jahrhundert. Aber trotz dieser positiven Fortschritte haben sie doch relativ an Bedeutung verloren. Sie sind von den Fabrik- und Handelsstädten im Norden, welche zu den Zeiten der Stuarts kaum erst anfingen, als Sitze des Gewerbfleißes bekannt zu werden, in Reichthum und Volkszahl weit überflügelt worden. Als Monmouth in Taunton einzog, war diese Stadt ein ungemein blühender Ort; seine Märkte waren mit Allem reichlich versorgt und seine Wollenmanufactur weit und breit berühmt. Die Bevölkerung rühmte sich, in einem Lande zu leben, wo Milch und Honig flössen, und diese Sprache führten nicht nur die parteiischen Eingebornen, sondern auch jeder Fremde, der den schönen Thurm von St. Maria Magdalena bestieg, gestand es zu, daß er zu seinen Füßen das fruchtbarste Thal Englands erblicke. Die Umgegend war reich an Obstgärten und grünen Wiesen, zwischen denen in lieblicher Fülle und Abwechselung Edelhöfe, Hütten und Dorfkirchen zerstreut lagen. Die Einwohner der Stadt waren schon seit langer Zeit für die presbyterianische Gottesverehrung und die Whigpolitik eingenommen; in dem großen Bürgerkriege hatte Taunton durch alle Wechselfälle fest zum Parlament gehalten, war zweimal von Goring hart belagert und zweimal durch Robert Blake, den nachmaligen berühmten Admiral der Republik, mit heldenmüthiger Tapferkeit vertheidigt worden. Ganze Straßen wurden durch die Bomben und Granaten der Kavaliere in Brand geschossen; der Mangel an Lebensmitteln wurde so groß, daß der entschlossene Commandant schon die Absicht angekündigt hatte, die Besatzung auf Pferdefleischrationen zu setzen; aber weder Feuer noch Hunger hatten den Muth der Stadt brechen können[58].
Die Restauration hatte in den Gesinnungen der Bewohner von Taunton nichts geändert. Sie hatten nach wie vor das Jahresfest des glücklichen Tages gefeiert, an welchem die königlichen Truppen ihre Belagerung aufgehoben, und ihre starre Anhänglichkeit an die alte Sache hatte in Whitehall so große Besorgniß und so heftigen Groll erregt, daß auf königlichen Befehl ihr Wallgraben ausgefüllt und die Wälle bis auf den Grund zerstört worden waren[59]. Der puritanische Geist war bei ihnen durch die Lehre und das Beispiel eines der berühmtesten Dissentergeistlichen, Joseph Alleine's, in seiner ungeschwächten Kraft erhalten worden. Alleine war der Verfasser eines Tractats, betitelt: +An Alarm to the Unconverted+, das noch jetzt in England wie in Amerika populär ist. Aus dem Kerker, in den er von den siegreichen Kavalieren geworfen wurde, schrieb er an seine lieben Freunde in Taunton viele Briefe, welche den Geist einer wahrhaft heldenmüthigen Frömmigkeit athmeten. Sein Leib welkte unter dem Einflusse der Studien, Anstrengungen und Verfolgungen bald dahin; sein Andenken aber ward von Denen, die er ermahnt und unterrichtet hatte, noch lange mit außerordentlicher Liebe und Verehrung bewahrt[60].
Die Kinder der Männer, welche vierzig Jahre früher auf den Wällen von Taunton gegen die Royalisten gekämpft hatten, bewillkommneten jetzt Monmouth mit lauten Ausbrüchen der Freude und Zuneigung. Jede Thür und jedes Fenster war mit Girlanden bekränzt. Niemand zeigte sich auf den Straßen, ohne einen grünen Zweig, als Zeichen der Volkssache, am Hute. Die Töchter der angesehensten Familien verfertigten Fahnen für die Insurgenten. Von diesen Fahnen war besonders eine mit den Zeichen der königlichen Würde prächtig gestickt und wurde Monmouth durch einen Zug junger Mädchen überreicht. Er nahm das Geschenk mit der ihm eigenen liebenswürdigen Artigkeit an. Die Dame, welche den Zug anführte, beschenkte ihn außerdem noch mit einer kostbaren kleinen Bibel, die er mit einem Zeichen von Ehrfurcht in Empfang nahm. »Ich komme,« sagte er, »um die in diesem Buche enthaltenen Wahrheiten zu vertheidigen und sie, wenn es sein muß, mit meinem Blute zu besiegeln[61].«
Aber während Monmouth sich des Beifalls der Menge erfreute, mußte er mit Schmerz und Besorgniß bemerken, daß die höheren Klassen fast ohne Ausnahme seiner Unternehmung feindlich gesinnt waren und daß nur in den Grafschaften, wo er sich persönlich gezeigt hatte, ein Aufstand erfolgt war. Es war ihm von Agenten, welche ihre Angaben von Wildman erhalten zu haben behaupteten, versichert worden, daß der ganze whiggistische Adel von Kampflust erfüllt sei. Gleichwohl waren bereits über acht Tage verstrichen, seitdem die blaue Fahne in Lyme aufgepflanzt worden war. Tagelöhner, kleine Landwirthe, Krämer, Lehrlinge und Dissenterprediger waren dem Lager der Rebellen zugeströmt, aber nicht ein einziger Peer, Baronet oder Ritter, nicht ein einziges Mitglied des Unterhauses, und kaum hin und wieder ein Squire, der sich eines hinreichenden Ansehens erfreute, um einmal Friedensrichter gewesen zu sein. Ferguson, der seit dem Tode Karl's von jeher Monmouth's böser Geist gewesen war, hatte eine Erklärung dieses Umstandes bereit: der Herzog hatte sich durch Ablehnung des Königstitels in eine falsche Stellung versetzt. Hätte er sich selbst zum König von England erklärt, so würde seine Sache einen Anschein von Gesetzlichkeit gehabt haben. Jetzt aber sei es unmöglich, sein Manifest mit den Grundsätzen der Verfassung in Einklang zu bringen. Es sei klar, daß entweder Monmouth oder sein Oheim der rechtmäßige König war. Monmouth wagte es nicht, als rechtmäßiger König aufzutreten, und doch leugnete er, daß sein Oheim es sei. Diejenigen, welche für Jakob kämpften, kämpften für die einzige Person, die es wagte, den Thron für sich in Anspruch zu nehmen, und thaten daher, den Gesetzen des Reiches gemäß, offenbar ihre Pflicht; Diejenigen aber, welche für Monmouth kämpften, kämpften für eine unbekannte Verfassung, welche durch eine noch nicht vorhandene Convention erst entworfen werden sollte. Es sei also kein Wunder, daß Männer von hohem Range und großem Vermögen sich von einem Unternehmen fern hielten, welches dem ganzen System, an dessen Fortbestehen sie das größte Interesse hatten, den Untergang drohte. Beriefe sich der Herzog auf seine Legitimität und nähme er die Krone an, so würde er diesen Einwurf mit einem Male entkräften; die Frage würde dann aufhören, eine Frage zwischen der alten und einer neuen Verfassung zu sein, sie würde nur eine Erbrechtsfrage zwischen zwei Prinzen werden.
[Anmerkung 58: Savage's Ausgabe von +Toulmin's History of Taunton+.]
[Anmerkung 59: +Sprat's True Account+; +Toulmin's History of Taunton.+]
[Anmerkung 60: +Life and Death of Joseph Alleine, 1672+; +Nonconformists' Memorial.+]
[Anmerkung 61: +Harl. MS. 7006+; +Oldmixon, 702+; +Eachard III. 763.+]
[_Monmouth nimmt den Königstitel an._] Mit solchen Gründen war Ferguson fast unmittelbar nach der Landung ernstlich in den Herzog gedrungen, sich zum Könige zu proklamiren, und Grey war derselben Meinung. Monmouth war auch sehr geneigt, diesen Rath zu befolgen; aber Wade und andere Republikaner hatten sich widersetzt und ihr Oberhaupt hatte mit gewohnter Fügsamkeit ihren Gründen nachgegeben. In Taunton kam die Sache auf's Neue in Anregung; Monmouth sprach privatim mit den Andersdenkenden, versicherte sie, daß er keinen andren Weg sehe, um die Unterstützung eines Theils der Aristokratie zu gewinnen, und es gelang ihm, ihre mit Widerstreben ertheilte Zustimmung zu erpressen. So wurde er denn am Morgen des 20. Juni auf dem Marktplatze von Taunton zum König ausgerufen, und seine Anhänger wiederholten seinen neuen Titel mit theilnehmender Freude. Da indessen leicht eine Verwirrung hätte entstehen können, wenn er König Jakob II. genannt worden wäre, so bedienten sie sich gewöhnlich der sonderbaren Bezeichnung »König Monmouth«, und so wurde ihr unglücklicher Liebling in den westlichen Grafschaften oft noch zu einer Zeit genannt, deren sich jetzt lebende Personen noch erinnern können[62].
In den nächsten vierundzwanzig Stunden nach erfolgter Annahme des Königstitels erließ er mehrere Proklamationen, die seinen eigenhändigen Namenszug an der Spitze trugen. In einer derselben setzte er einen Preis auf den Kopf seines Nebenbuhlers. In einer andren erklärte er das zur Zeit in Westminster tagende Parlament für eine ungesetzliche Versammlung und befahl den Mitgliedern, auseinanderzugehen. Eine dritte verbot dem Volke, dem Thronräuber Abgaben zu bezahlen. Eine vierte erklärte Albemarle für einen Verräther[63].
Albemarle sandte diese Proklamationen blos als Beweise von Thorheit und Frechheit nach London. Sie machten keinen andren Eindruck als den des Erstaunens und der Verachtung; auch hatte Monmouth keine Ursache zu glauben, daß die Annahme der Königswürde seine Stellung verbessert habe. Erst eine Woche war verflossen, seitdem er sich feierlich verpflichtet, die Krone nicht eher anzunehmen, als bis ein freies Parlament seine Rechte anerkannt habe; durch Verletzung dieses Versprechens hatte er sich den Vorwurf des Leichtsinns, wenn nicht der Treulosigkeit zugezogen. Die Klasse, die er zu gewinnen hoffte, hielt sich noch immer fern von ihm. Die Gründe, welche die großen whiggistischen Lords und Gentlemen abhielten, ihn als ihren König anzuerkennen, waren mindestens eben so triftig als diejenigen, die sie verhindert hatten, sich um ihn als Oberbefehlshaber zu schaaren. Zwar haßten sie die Person, die Religion und die Politik Jakob's; aber er war nicht mehr jung und seine älteste Tochter mit Recht populär. Sie war dem reformirten Glauben zugethan und mit einem Prinzen vermählt, der das erbliche Oberhaupt der Protestanten des Continents, der in einer Republik aufgewachsen war und dem man solche Gesinnungen zutraute, wie sie sich für einen constitutionellen König ziemten. War es also weise, sich den Schrecken eines Bürgerkrieges auszusetzen, nur um vielleicht das sogleich zu bewirken, was die Natur ohne Blutvergießen, ohne eine Rechtsverletzung aller Wahrscheinlichkeit nach binnen wenigen Jahren herbeiführen würde? Es waren vielleicht Gründe vorhanden, um Jakob vom Throne zu stürzen; aber welche Gründe konnte man für Monmouth's Erhebung auf denselben anführen? Einen Fürsten wegen Unfähigkeit vom Throne auszuschließen, entsprach ganz den whiggistischen Grundsätzen; aber nach keinem Grundsatze konnte es gerechtfertigt erscheinen, legitime Erben auszuschließen, denen man nicht nur nichts vorzuwerfen hatte, sondern die man sogar für ausgezeichnet befähigt zu den höchsten Staatsämtern hielt. Daß Monmouth legitim sei, ja daß er sich selbst nur dafür hielt, konnten einsichtsvolle Männer nicht glauben; er war also nicht nur ein Usurpator, sondern ein Usurpator von der schlimmsten Sorte, ein Betrüger. Er konnte seiner Sache nur durch Fälschung und Meineid einen Schein von Recht geben. Alle rechtschaffenen und verständigen Leute sträubten sich dagegen, daß ein Betrug, der, wenn er um der Erlangung eines bürgerlichen Besitzthums verübt worden wäre, Peitsche und Pranger als Strafe nach sich gezogen hätte, mit der englischen Krone belohnt werde. Der alte Adel des Reichs konnte den Gedanken nicht ertragen, daß der Bastard der Lucie Walters hoch über die rechtmäßigen Nachkommen der Fitzalan und De Vere erhoben werden sollte. Wer nur ein wenig politischen Scharfblick hatte, mußte einsehen, daß wenn es Monmouth gelang, die bestehende Regierung zu stürzen, immer noch ein Krieg zwischen ihm und dem Hause Oranien übrig blieb, ein Krieg, der länger dauern und mehr Unheil herbeiführen könnte, als der Krieg der Rosen, ein Krieg, der voraussichtlich die Protestanten Europa's in feindliche Parteien spaltete, England und Holland gegen einander bewaffnen und beide Länder zu einer leichten Beute für Frankreich machen konnte. Fast alle Whighäupter scheinen daher der Ansicht gewesen zu sein, daß Monmouth's Unternehmen in jedem Falle der Nation zum Unheil gereichen mußte, daß aber, Alles erwogen, seine Niederlage ein kleineres Unglück sein werde als sein Sieg.
Die Theilnahmlosigkeit des whiggistischen Adels war es nicht allein, was die eingefallenen Verbannten enttäuschte. Der Reichthum und Einfluß Londons hatten in der vorhergehenden Generation hingereicht und konnten auch diesmal wieder hinreichen, um in einem Bürgerkriege den Ausschlag zu geben. Die Londoner hatten früher viele Beweise von ihrem Hasse gegen das Papstthum und von ihrer Zuneigung zu dem protestantischen Herzoge gegeben, und er hatte daher zu bereitwillig geglaubt, daß sofort nach seiner Landung ein Aufstand in der Hauptstadt ausbrechen werde. Aber obgleich ihm gemeldet worden, daß Tausende von Bürgern sich als Freiwillige hätten einzeichnen lassen, so geschah doch nichts. Die Sache war einfach die, daß den Wühlern, die ihn zu einem Einfalt in England gedrängt, die ihm versprochen, sich auf den ersten Wink zu erheben, und die vielleicht auch, so lange die Gefahr noch fern war, geglaubt hatten, daß sie den Muth haben würden, ihr Versprechen zu halten, der Muth sank, als die entscheidende Stunde heranrückte. Wildman's Angst war so groß, daß er den Verstand verloren zu haben schien. Der feige Danvers entschuldigte seine Unthätigkeit zuerst, indem er sagte, er werde nicht eher zu den Waffen greifen, als bis Monmouth zum König ausgerufen sei, und als dies geschehen war, lenkte er um und erklärte, daß gute Republikaner jeder Verpflichtung gegen einen Führer entbunden seien, der so schamlos sein Wort gebrochen habe. Die gemeinsten Exemplare der menschlichen Natur findet man zu allen Zeiten unter den Demagogen[64].
Den Tag darauf, als Monmouth den Königstitel angenommen hatte, marschirte er von Taunton nach Bridgewater. Er selbst befand sich, wie man bemerkte, nicht in der heitersten Stimmung; die jauchzenden Zurufe der ihm ergebenen Tausende, die sich allenthalben wohin er kam um ihn drängten, vermochten nicht die düstern Wolken zu verscheuchen, die sich auf seine Stirn gelagert hatten. Wer ihn vor fünf Jahren auf seinem Triumphzuge durch Somersetshire gesehen, bemerkte nicht ohne Mitleid die Spuren von Angst und Besorgniß in den sanften und freundlichen Zügen, die ihm so viele Herzen gewonnen hatten[65].
In ganz andrer Stimmung, war Ferguson. Dieser Mann verband mit seiner Verworfenheit merkwürdigerweise eine maßlose Eitelkeit, die fast an Narrheit grenzte. Der Gedanke, daß er einen Aufstand herbeigeführt und eine Krone verliehen, hatte ihm den Kopf verrückt. Er stolzirte, das entblößte Schwert über dem Kopfe schwingend, umher, und rief den Zuschauern, die sich versammelt hatten, um die Armee von Taunton abmarschiren zu sehen, in prahlerischem Tone zu: »Seht mich an! Ihr habt von mir gehört. Ich bin Ferguson, der berühmte Ferguson, der nämliche Ferguson, für dessen Kopf so viele Hundert Pfund geboten worden sind.« Und dieser zugleich characterlose und halb verrückte Mensch beherrschte den Verstand und die Überzeugung des unglücklichen Monmouth[66].
[Anmerkung 62: +Wade's Confession+; +Goodenough's Confession, Harl. MS. 1151+; +Oldmixon, 702.+ Ferguson's Ableugnung verdient keinen Glauben. Eine Abschrift der Proklamation befindet sich in den +Harl. MS. 7006.+]
[Anmerkung 63: Abschriften von den drei letzten Proklamationen befinden sich im Britischen Museum, +Harl. MS. 7006.+ Die erste habe ich nie gesehen, aber sie wird von Wade erwähnt.]
[Anmerkung 64: +Grey's Narrative+; +Ferguson's MS.+; +Eachard III. 754.+]
[Anmerkung 65: +Persecution exposed, by John Whiting.+]
[Anmerkung 66: +Harl. MS. 6845.+]
[_Sein Empfang in Bridgewater._] Bridgewater war eine von den wenigen Städten, welche noch einige whiggistische Beamten hatten. Der Mayor und die Aldermen kamen in ihrer Amtstracht, um den Herzog zu begrüßen, gingen in Prozession vor ihm her bis zum Hohen Kreuze und proklamirten ihn hier zum König. Seine Truppen fanden vortreffliche Quartiere und erhielten von den Bewohnern der Stadt und Umgegend Alles, was sie brauchten, für wenig oder gar kein Geld. Er selbst nahm seine Residenz im Schlosse, welches vormals oft mit königlichen Besuchen beehrt worden war; auf der umliegenden Ebene schlug die Armee ein Lager auf. Sie bestand jetzt aus ungefähr sechstausend Mann und hätte leicht auf die doppelte Anzahl gebracht werden können, wenn es nicht an Waffen gefehlt hätte. Der Herzog hatte vom Festlande nur einen geringen Vorrath von Piken und Musketen mitgebracht; daher hatten viele von seinen Leuten keine anderen Waffen, als solche, die sie sich aus den von ihnen beim Acker- und Bergbau gebrauchten Werkzeugen verfertigen konnten. Die furchtbarste von diesen rohen Kriegswaffen bestand aus einer Sensenklinge, welche am Ende einer starken Stange der Länge nach befestigt war[67]. Die Unterconstabler der Umgegend von Taunton und Bridgewater erhielten Befehl, überall nach Sensen zu suchen und was sie davon auftreiben konnten, ins Lager zu bringen; aber selbst durch diese Maßregel war es nicht möglich, dem Bedarf zu genügen, und eine Menge Leute, die sich einreihen lasen wollten, mußten zurückgewiesen werden[68].
Das Fußvolk wurde in sechs Regimenter eingetheilt. Eine große Anzahl der Freiwilligen hatten in der Miliz gedient und trugen noch ihre rothen oder gelben Uniformen. Die Reiterei war etwa tausend Mann stark, aber die meisten von ihnen hatten nur rohe junge Pferde, wie sie damals in großen Heerden in den Marschen von Somersetshire gezogen wurden, um die Hauptstadt mit Kutschpferden und Karrengäulen zu versehen. Diese Thiere waren so untauglich für den Militairdienst, daß sie noch nicht einmal dem Zaume gehorchten und sobald sie einen Schuß oder Trommelwirbel hörten, nicht mehr zu regieren waren. Monmouth selbst hatte eine kleine Leibgarde von vierzig wohlbewaffneten und gutberittenen jungen Männern, die sich auf ihre eigenen Kosten ausgerüstet hatten. Die Bewohner von Bridgewater, welche durch einen blühenden Küstenhandel wohlhabend geworden waren, unterstützten ihn mit einer kleinen Summe Geldes[69].
[Anmerkung 67: Eine dieser Waffen ist noch im Tower zu sehen.]
[Anmerkung 68: +Grey's Narrative+; Paschall's Erzählung im Anhange zu +Heywood's Vindication.+]
[Anmerkung 69: +Oldmixon+, 702.]
[_Vorkehrungen der Regierung zum Widerstande._] Während dieser Zeit wurden die Streitkräfte der Regierung eiligst zusammengezogen. Westlich von dem Rebellenheere stand Albemarle noch immer mit einer starken Abtheilung der Miliz von Devonshire. Im Osten hatte sich die Miliz von Wiltshire unter den Befehlen von Thomas Herbert, Earl von Pembroke, gesammelt. Im Nordosten stand Heinrich Somerset, Herzog von Beaufort, unter den Waffen. Beaufort's Macht hatte einige Ähnlichkeit mit der der großen Barone des fünfzehnten Jahrhunderts. Er war Präsident von Wales und Lordstatthalter von vier englischen Grafschaften. Seine amtlichen Rundreisen durch das weite Gebiet, in welchem er die Majestät des Thrones repräsentirte, standen an Gepränge kaum den Reisen des Königs nach; sein Hausstand in Badminton war nach der Sitte eines früheren Zeitalters eingerichtet. Das Land in großer Ausdehnung um seinen Wohnsitz bewirthschaftete er selbst, und die Arbeiter, welche es bestellten, bildeten einen Theil seiner Familie. Neun Tafeln waren täglich in seinem Hause für zweihundert Personen gedeckt. Eine Menge Gentlemen und Pagen standen unter den Befehlen seines Haushofmeisters, ein ganzer Trupp Reiterei gehorchte dem Stallmeister. Die Küche, der Keller, die Hunde und die Pferde des Herzogs waren in ganz England berühmt; die Gentry viele Meilen im Umkreise war stolz auf den Glanz ihres mächtigen Nachbarn und zugleich bezaubert von seiner Leutseligkeit und Gutherzigkeit. Er war ein eifriger Kavalier aus der alten Schule; daher bot er in der damaligen Krisis seinen ganzen Einfluß und sein ganzes Ansehen zur Unterstützung der Krone auf und besetzte Bristol mit den Milizen von Gloucestershire, welche besser disciplinirt zu sein schienen, als die meisten anderen derartigen Truppen[70].
Auch in den von Somersetshire weiter entfernten Grafschaften waren die Anhänger des Thrones in voller Thätigkeit. Die Miliz von Sussex begann unter dem Commando Lord Richard Lumley's, der zwar erst kürzlich dem katholischen Glauben entsagt hatte, aber seinem katholischen Könige noch immer treu ergeben war, nach Westen zu marschiren. Jakob Bertin, Earl von Abingdon, rief die Mannschaften von Oxfordshire zu den Waffen. Johann Fell, Bischof von Oxford und gleichzeitig auch Dechant des Christchurch-Collegiums, forderte die Nichtgraduirten seiner Universität auf, für die Krone die Waffen zu ergreifen. Die Studenten ließen sich in Massen einreihen, das Christchurch-Collegium allein stellte nahe an hundert Pikenmänner und Musketiere. Junge Edelleute und studirende Gentlemen bekleideten die Offiziersposten und der älteste Sohn des Lordstatthalters wurde zum Obersten ernannt[71].