Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe
Chapter 6
[_Monmouth's Ankunft in Lyme._] Am Morgen des siebenten Juni erschien der »Helderenbergh«, begleitet von zwei kleineren Schiffen, vor dem Hafen von Lyme. Diese Stadt ist ein kleiner Knäuel von steilen und engen Gassen und liegt an einer wilden, felsigen, von einer stürmischen See gepeitschten Küste. Der Ort war damals besonders wegen eines Dammes bekannt, der aus unbehauenen und nicht durch Mörtel verkitteten Steinen zur Zeit der Plantagenets errichtet worden war. Dieses alte, unter dem Namen Cob bekannte Bauwerk verschloß den auf einer Strecke von vielen Meilen einzigen Hafen, in den sich die Fischer vor den Stürmen des Kanals flüchten konnten.
Das Erscheinen der drei Schiffe von fremder Bauart und ohne Flagge machte die Bewohner von Lyme bestürzt, und die Besorgniß nahm zu, als es sich zeigte, daß die Zollbeamten, welche dem Gebrauche gemäß an Bord gegangen waren, nicht zurückkamen. Die ganze Bevölkerung eilte auf die Klippen und blickte lange ängstlich hinaus, konnte aber keine Lösung des Räthsels finden. Endlich stießen von dem größten der drei Schiffe sieben Böte ab und ruderten ans Ufer, wo sie ungefähr achtzig wohl bewaffnete und ausgerüstete Männer aussetzten. Unter ihnen befanden sich Monmouth, Grey, Fletcher, Ferguson, Wade und Anton Buyse, ein Offizier, der im Dienste des Kurfürsten von Brandenburg gestanden hatte[42].
Monmouth gebot Ruhe, kniete am Strande nieder, dankte Gott, daß er die Freunde der Freiheit und des reinen Glaubens vor den Gefahren der See behütet, und erflehte den göttlichen Segen für das, was noch am Lande zu thun sei. Dann zog er sein Schwert und führte seine Leute über die Klippen in die Stadt.
Sobald es bekannt wurde, unter welchem Führer und in welcher Absicht die Expedition kam, durchbrach die Begeisterung des Volks alle Schranken. Die kleine Stadt war in der heftigsten Aufregung, die Leute liefen hin und her und jubelten laut: »Monmouth! Monmouth! die protestantische Religion!« Mittlerweile ward die Fahne der Abenteurer, eine blaue Flagge, auf dem Marktplatze aufgepflanzt, die Kriegsvorräthe wurden im Stadthause untergebracht und vom Kreuze herab eine Erklärung verlesen, in der die Zwecke der Unternehmung auseinandergesetzt waren[43].
[Anmerkung 42: Man sehe Bunse's Aussage gegen Monmouth und Fletcher in der +Collection of State Trials+.]
[Anmerkung 43: +Journals of the House of Commons. June 13. 1685. Harl. MS. 6845+; +Lansdowne MS. 1152.+]
[_Seine Erklärung._] Diese Erklärung, das Meisterstück von Ferguson's Genie, war nicht ein ernstes Manifest, wie es von einem Anführer erlassen werden muß, der für eine große öffentliche Sache das Schwert zieht, sondern es war nach Inhalt und Sprache ein Libell der gemeinsten Art[44]. Sie enthielt zwar manche wohlbegründete Angriffe gegen die Regierung, aber diese Angriffe waren in dem weitschweifigen und dünkelhaften Style eines schlechten Pamphlets abgefaßt und das Manifest enthielt andere Beschuldigungen, deren ganze Schmach auf Die zurückfällt, die sie erhoben. Es wurde mit Bestimmtheit versichert, der Herzog von York habe London in Brand gesteckt, Godfrey erdrosselt, Esser die Kehle abgeschnitten und den verstorbnen König vergiftet. Auf Grund dieser abscheulichen und unnatürlichen Verbrechen, und hauptsächlich der letztgenannten gräßlichen That, des haarsträubenden, barbarischen Brudermordes -- so wortreich und glücklich gewählt war Ferguson's Sprache -- wurde Jakob für einen gefährlichen, blutdürstigen Feind, für einen Tyrannen, Mörder und Usurpator erklärt. Man werde sich in keine Unterhandlungen mit ihm einlassen und das Schwert nicht eher wieder in die Scheide stecken, als bis er seine verdiente Strafe als Verräther erhalten habe. Die Regierung solle auf Grundlagen basirt werden, die der Freiheit günstig wären; alle protestantischen Sekten sollten geduldet, die entzogenen Freibriefe zurückgegeben, alljährlich ein Parlament gehalten und fernerhin nicht mehr durch königliche Laune prorogirt oder aufgelöst werden. Das einzige stehende Heer sollte die Miliz sein, die Miliz sollte von den Sheriffs befehligt und diese von den Freisassen gewählt werden. Schließlich erklärte Monmouth, er könne es beweisen, daß er in rechtmäßiger Ehe geboren und daß er dem Geburtsrechte nach König von England sei, daß er aber für jetzt auf seine Ansprüche verzichten, sie der Beurtheilung eines freien Parlaments anheim geben und bis dahin nur als Oberbefehlshaber der gegen Tyrannei und Papismus aufgestandenen Protestanten betrachtet sein wolle.
[Anmerkung 44: +Burnet I. 641.+; Goodenough's Geständniß in den +Lansdowne MS. 1152.+ Originalabdrücke der Erklärung sind sehr selten; einer befindet sich im Britischen Museum.]
[_Seine Popularität im Westen Englands._] So entehrend dieses Manifest auch für Die war, von denen es ausging, so war es doch zu dem Zwecke, die Leidenschaften des großen Haufens aufzustacheln, nicht ungeschickt abgefaßt. Im Westen machte es großen Eindruck. Zwar waren die Gentry und der Klerus in diesem Theile des Landes mit wenigen Ausnahmen Tories, aber die Freisassen, die Kaufleute in den Städten, das Landvolk und die Handwerker waren größtentheils von dem alten Geiste der Rundköpfe beseelt. Viele von ihnen waren Dissenters und durch kleinliche Verfolgungen in eine Stimmung versetzt, die sie zu einem verzweifelten Unternehmen geneigt machte. Die große Masse der Bevölkerung verabscheute den Papismus und liebte Monmouth. Er war kein Fremder für sie, seine Reise durch Somersetshire und Devonshire im Sommer 1680 war noch bei Jedermann in frischem Andenken. Er war bei dieser Gelegenheit von Thomas Thynne in Longleat Hall, damals und vielleicht jetzt noch dem prächtigsten Landsitze in England, mit verschwenderischem Aufwande bewirthet worden. Von Longleat bis Exeter waren alle Hecken und Zäune mit jauchzenden Zuschauern bedeckt, die Landstraßen mit Zweigen und Blumen bestreut; die Menge riß in dem Eifer, ihren Liebling zu sehen und zu berühren, die Umzäunungen der Parke nieder und belagerte die Schlösser, in denen er bewirthet wurde. Als er in Chard ankam, bestand sein Gefolge aus fünftausend Reitern; in Exeter hatte sich ganz Devonshire versammelt, um ihn zu begrüßen. Ganz besonderes Aufsehen erregte bei dem Triumphzuge eine Schaar von neunhundert jungen Männern in weißer Uniform, welche vor ihm her in die Stadt marschirten[45]. Der Wechsel des Geschicks, der die Gentry seiner Sache entfremdet hatte, war bei dem gemeinen Mann ohne Wirkung geblieben; für diesen war er noch immer der gute Herzog, der protestantische Herzog, der rechtmäßige Thronerbe, den eine heimtückische Verschwörung seines Eigenthums beraubt hatte. Das Volk schaarte sich in Massen um seine Fahne; alle Schreiber, die er hatte auftreiben können, reichten nicht hin, um die Namen der Rekruten niederzuschreiben, und noch ehe er vierundzwanzig Stunden auf englischem Boden war, sah er sich schon an der Spitze von fünfzehnhundert Mann. Dare langte mit vierzig Reitern von nicht sehr martialischem Aussehen von Taunton an und brachte ermuthigende Nachrichten über die öffentliche Stimmung in Somersetshire. Bis jetzt schien Alles einen glücklichen Erfolg zu versprechen[46].
In Bridport aber sammelte sich eine Streitmacht, um den Insurgenten Widerstand zu leisten. Am 13. Juni rückte das rothe Regiment der Miliz von Dorsetshire in jene Stadt ein, und das Regiment von Somersetshire oder das gelbe Regiment, dessen Oberst, Sir Wilhelm Portman, ein angesehener Tory war, wurde am folgenden Tage erwartet[47]. Der Herzog beschloß, sofort loszuschlagen. Schon rüstete sich eine Abtheilung seiner Truppen zum Aufbruch nach Bridport, da brachte ein unglücklicher Vorfall das ganze Lager in Verwirrung.
Fletcher von Saltoun war zum Befehlshaber der Reiterei unter Grey ernannt worden. Er war schlecht beritten, wie sich überhaupt wenige Pferde im Lager befanden, die nicht vom Pfluge genommen waren. Als er nach Bridport commandirt wurde, glaubte er, daß der Drang der Umstände ihn berechtige, ein Dare gehörendes schönes Pferd zu leihen, ohne erst deshalb um Erlaubniß zu fragen. Dare war entrüstet über diese Eigenmächtigkeit und überhäufte Fletcher mit groben Beleidigungen. Fletcher blieb ruhiger als Jeder, der ihn kannte, es erwartet hätte. Endlich aber wagte es Dare, auf die Geduld, mit der seine Unziemlichkeiten hingenommen wurden, pochend, gegen den hochadeligen und stolzen Schotten die Reitgerte zu erheben. Dies brachte Fletcher's Blut zum Sieden. Er zog ein Pistol hervor und schoß Dare nieder. Eine so summarische und gewaltthätige Rache würde in Schottland nicht aufgefallen sein, wo das Gesetz von jeher schwach gewesen war, wo Derjenige, der sich nicht mit eigner Faust Recht verschaffte, wenig Aussicht hatte, überhaupt Recht zu bekommen, und wo daher ein Menschenleben fast eben so wohlfeil war, als in den am schlechtesten regierten Provinzen Italiens. Im südlichen Theile der Insel aber war das Volk noch nicht gewohnt, um eines harten Wortes oder einer heftigen Geberde willen tödtliche Waffen gebrauchen und Blut vergießen zu sehen, außer im Zweikampf unter Gentlemen mit gleichen Waffen. So erhob sich denn ein allgemeines Geschrei nach Rache gegen den Fremden, der einen Engländer ermordet habe, Monmouth konnte sich dem Verlangen nicht widersetzen und Fletcher, der, nachdem der erste Ausbruch seines Zornes sich gelegt hatte, von Reue und Angst ergriffen wurde, flüchtete sich auf den »Helderenbergh«, entkam glücklich auf das Festland und begab sich nach Ungarn, wo er tapfer gegen den gemeinsamen Feind der Christenheit focht[48].
[Anmerkung 45: +Historical Account of the Life and magnanimous Actions of the most illustrious Protestant Prince James, Duke of Monmouth, 1683.+]
[Anmerkung 46: +Wade's Confession, Hardwicke Papers+; +Axe Papers+; +Harl. MS. 6845.+]
[Anmerkung 47: +Harl. MS. 6845.+]
[Anmerkung 48: Buyse's Aussage in der +Collection of State Trials+; +Burnet I. 642+; Ferguson's +MS.+, citirt von Eachard.]
[_Zusammenstoß der Rebellen mit der Miliz in Bridport._] Bei der Lage der Insurgenten war der Verlust eines Mannes von Talent und Energie nicht leicht zu ersetzen. Am frühen Morgen des folgenden Tages, dem 14. Juni, brach Grey in Begleitung Wade's mit fünfhundert Mann auf, um Bridport anzugreifen. Es fand ein verworrenes und unentschieden bleibendes Gefecht statt, wie es zwischen zwei Haufen von Bauern, die von Landedelleuten und Advokaten befehligt wurden, nicht anders zu erwarten war. Eine Zeit lang drängten Monmouth's Leute die Miliz zurück; dann aber hielt diese wieder Stand und erstere ergriffen in ziemlicher Verwirrung die Flucht. Grey und seine Reiter hielten nicht eher an, als bis sie in Lyme wieder in Sicherheit waren; Wade dagegen sammelte das Fußvolk und führte es in guter Ordnung zurück[49].
Alles murrte laut gegen Grey, und einige von den Abenteurern drangen in Monmouth, ein strenges Exempel zu statuiren. Monmouth aber wollte davon nichts hören. Einige Schriftsteller haben diese Nachsicht seiner Gutmüthigkeit zugeschrieben, die allerdings oft an Schwäche grenzte; andere vermuthen, daß er nicht hart gegen den einzigen Peer verfahren wollte, der in seiner Armee diente. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß der Herzog, der zwar kein ausgezeichneter General war, aber doch jedenfalls vom Kriege viel mehr verstand als die Priester und Advokaten, die ihm ihren Rath aufdringen wollten, Rücksichten nahm, an welche Leute, die in militairischen Angelegenheiten durchaus unerfahren sind, allerdings nie gedacht hätten. Um einem Manne, der wenig Vertheidiger gehabt hat, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, muß bemerkt werden, daß die Lord Grey während des ganzen Feldzugs zugetheilte Aufgabe von der Art war, daß er sie, selbst wenn er der kühnste und geschickteste Soldat gewesen wäre, kaum in einer Weise hätte lösen können, die ihm zum Ruhme gereichte. Er stand an der Spitze der Reiterei; es ist aber eine allbekannte Sache, daß ein Kavalerist viel längerer Übung bedarf als ein Fußsoldat, und daß ein Kavaleriepferd eine noch viel längere Schule braucht als sein Reiter. Mit einer ungeübten Infanterie, wenn sie von Begeisterung und physischem Muthe beseelt ist, kann allenfalls etwas ausgerichtet werden; aber es kann nichts Unbeholfeneres geben als eine aus Landwirthen und Handelsleuten auf Karrengäulen und Postpferden bestehende ungeübte Reiterei; und von solcher Art war die, welche Grey befehligte. Nicht darüber muß man sich wundern, daß diese Leute im Feuer nicht entschlossen Stand hielten und daß sie nicht tüchtig von ihren Waffen Gebrauch machten, sondern darüber, daß sie sich überhaupt nur im Sattel zu erhalten vermochten.
Noch immer langten Rekruten zu Hunderten an, den ganzen Tag wurde bewaffnet und einexercirt. Inzwischen hatte sich die Nachricht von dem Aufstande rasch und weit verbreitet. Noch denselben Abend, an welchem der Herzog gelandet war, schickte der Mayor von Lyme, Gregor Alford, ein eifriger Tory und ungemein heftiger Verfolger der Nonconformisten, seine Diener aus, um die Gentry von Somersetshire und Dorsetshire zu alarmiren, während er selbst zu Pferde nach dem Westen eilte. Spät in der Nacht hielt er in Honiton an und schickte von dort einige flüchtig hingeworfene Zeilen mit der schlimmen Botschaft nach London[50]. Dann eilte er weiter nach Exeter, wo er Christoph Monk, Herzog von Albemarle fand. Dieser Edelmann, der Sohn und Erbe Georg Monk's, des Wiederherstellers der Stuarts, war Lordlieutenant von Devonshire und hielt damals gerade Musterung über die Miliz. Er hatte zur Zeit viertausend Mann zu seiner Verfügung, und mit dieser Streitmacht glaubte er den Aufstand mit einem Schlage unterdrücken zu können. Er marschirte deshalb nach Lyme.
[Anmerkung 49: +London Gazette, June 18. 1685+; +Wade's Confession+; +Hardwicke Papers.+]
[Anmerkung 50: +Lords' Journals, June 13. 1685.+]
[_Gefecht zwischen den Rebellen und der Miliz bei Axminster._] Als er aber am Montag Nachmittag den 15. Juni Axminster erreichte, fand er die Insurgenten schlagfertig aufgestellt, um ihn zu empfangen. Sie zeigten ihm eine sehr achtunggebietende Fronte; vier Feldstücke waren gegen die königlichen Truppen gerichtet und die dichten Hecken, welche zu beiden Seiten die enge Straße beschatteten, waren mit Musketieren besetzt. Die Vorkehrungen des Feindes beunruhigten jedoch Albemarle weniger als der Geist, der sich in seinen eigenen Reihen zu äußern begann. Monmouth war bei dem gemeinen Volke von Devonshire so beliebt, daß die ganze Miliz wahrscheinlich in Masse zu ihm überging, sobald sie Monmouth's wohlbekanntes Gesicht und seine Gestalt erblickte.
Albemarle hielt es daher trotz seiner großen Übermacht an Streitkräften für rathsam, sich zurückzuziehen. Der Rückzug verwandelte sich bald in wilde Flucht. Die ganze Gegend war mit den Waffen und Uniformstücken besäet, welche die Fliehenden weggeworfen hatten, und hätte Monmouth die Verfolgung mit Nachdruck betrieben, so würde er Exeter wahrscheinlich ohne Schwertstreich genommen haben. Aber er war mit dem errungenen Vorteile zufrieden und hielt es für wünschenswerth, seine Rekruten erst besser einzuüben, bevor er sie zu gewagten Unternehmungen verwendete. Er marschirte daher nach Taunton, wo er am 18. Juni, gerade eine Woche nach seiner Landung eintraf[51].
[Anmerkung 51: +Wade's Confession+; +Ferguson MS.+; +Axe Papers+; +Harl. MS. 6845+; +Oldmixon, 701, 702.+ Oldmixon, welcher damals ein Knabe war, lebte in unmittelbarer Nähe des Schauplatzes der Ereignisse.]
[_Die Nachricht von dem Aufstande kommt nach London._] Der Hof und das Parlament waren über die Nachrichten aus dem Westen nicht wenig erschrocken. Am Sonnabend den 13. Juni um fünf Uhr Morgens hatte der König den Brief erhalten, den der Mayor von Lyme von Honiton an ihn abgesandt. Der Geheime Rath wurde augenblicklich zusammenberufen; es wurden Befehle gegeben, daß die Infanterieregimenter und die Reiterschwadronen verstärkt werden sollten, und Commissionen zur Aushebung neuer Mannschaften ernannt.
[_Loyalität des Parlaments._] Alford's Bericht ward den Lords vorgelegt und der wesentliche Inhalt desselben den Gemeinen mitgetheilt. Diese untersuchten die aus dem Westen angelangten Nachrichten und brachten sogleich eine Bill ein, weiche Monmouth wegen Hochverraths verurtheilte. Adressen wurden votirt, die den König versicherten, daß seine Peers sowohl wie auch sein Volk entschlossen seien, ihm mit Gut und Blut gegen seine Feinde beizustehen. In ihrer nächsten Sitzung verfügten die beiden Häuser, daß die Erklärung der Rebellen durch den Henker verbrannt werden solle, und ließen die Verurtheilungsbill in allen Stadien durchgehen. Die Bill erhielt noch denselben Tag die königliche Genehmigung und auf Monmouth's Ergreifung wurde eine Belohnung von fünftausend Pfund gesetzt[52].
Die Thatsache, daß Monmouth gegen die Regierung unter Waffen stand, war so unbestreitbar, daß die Verurtheilungsbill gegen den schwachen Widerstand von nur einigen wenigen Peers zum Gesetz erhoben ward und selbst von whiggistischen Geschichtschreibern nur selten streng getadelt worden ist. Wenn wir indessen erwägen, wie wichtig es ist, daß gesetzgeberische und richterliche Functionen getrennt bleiben, wie wichtig es ferner ist, daß ein bloßes Gerücht, so stark und allgemein es auch sein mag, nicht als gesetzlicher Schuldbeweis angenommen werde, wie wichtig es endlich ist, die Regel festzuhalten, daß Niemand zum Tode verurtheilt werden darf, ohne ihm Gelegenheit zu seiner Vertheidigung gegeben zu haben, und wie leicht und schnell einmal begangene Verletzungen großer Grundsätze weiter ausgedehnt werden, so dürften wir wohl zu der Ansicht geneigt sein, daß sich gegen das vom Parlament beobachtete Verfahren einige Einwendungen machen ließen. Keinem der beiden Häuser lag das Mindeste vor, was selbst ein so gewissenloser Richter wie Jeffreys einer Jury als Beweis für Monmouth's Schuld hätte darstellen können. Die von den Gemeinen verhörten Boten waren nicht vereidigt und ihre Mittheilungen konnten daher rein aus der Luft gegriffen sein, ohne daß sie deshalb wegen Meineids hätten bestraft werden können. Die Lords, welche, als Gerichtshof, einen Eid hätten abnehmen können, examinirten keinen Zeugen und hatten keinen andren Beweis vor sich, als den Brief des Mayors von Lyme, der in den Augen des Gesetzes gar kein Beweis war. Die äußerste Gefahr rechtfertigt allerdings zuweilen äußerste Mittel, aber die Verurtheilungsacte war ein Mittel, das erst in Wirksamkeit gesetzt werden konnte, wenn jede Gefahr vorüber war, und das daher von dem Augenblicke an, wo es aufhörte, wirkungslos zu sein, ganz überflüssig wurde. So lange Monmouth unter Waffen stand, war es unmöglich, ihn hinzurichten, und wurde er besiegt und gefangen genommen, so hatte es weder Gefahr noch Schwierigkeit, ihn vor Gericht zu stellen. Später hat man es als einen merkwürdigen Umstand hervorgehoben, daß sich unter den eifrigen Tories, welche die Bill aus dem Hause der Gemeinen vor die Schranken der Lords brachten, Sir Johann Fenwick, Abgeordneter für Northumberland, befand[53]. Dieser Herr hatte einige Jahre nachher Gelegenheit, über die Sache nachzudenken, und er kam zu dem Schlusse, daß Verurtheilungsbills durchaus nicht zu rechtfertigen seien.
Das Parlament gab in dieser Stunde der Gefahr noch andere Beweise von Loyalität. Die Gemeinen ermächtigten den König, zur Bestreitung augenblicklicher Bedürfnisse eine außerordentliche Summe von vierhunderttausend Pfund zu erheben, und damit er das Geld ohne Schwierigkeit bekomme, sannen sie auf neue Steuern. Der Plan, die in der Hauptstadt unlängst neuerbauten Häuser zu besteuern, wurde wieder aufgenommen und von den Landgentlemen eifrig unterstützt. Es wurde nicht allein beschlossen, daß diese Häuser besteuert werden sollten, sondern auch, daß eine Bill eingebracht werden sollte, die jede neue Grundsteinlegung innerhalb des Stadtgebiets von London verbot. Der Beschluß kam jedoch nicht zur Ausführung. Einflußreiche Männer, welche in den Vorstädten Grund und Boden besaßen und hofften, daß sich auf ihren Gütern neue Straßen und Plätze erheben würden, boten Alles auf, um diesen Plan zu vereiteln. Man sah ein, daß es viel Zeit erfordern würde, um die Einzelnheiten eines solchen Gesetzes zu reguliren, und die Bedürfnisse des Königs waren so dringend, daß man es für nöthig erachtete, die Verhandlungen des Hauses durch eine höfliche Ermahnung zur Eil zu beschleunigen. Die Idee der Häuserbesteuerung wurde daher aufgegeben und dagegen für die nächsten fünf Jahre neue Zölle auf ausländische Seidenstoffe, Leinenwaaren und geistige Getränke gelegt[54].
Die im Unterhause sitzenden Tories schritten nun zur Einbringung einer sogenannten Bill zur Sicherung der Person und der Regierung des Königs. Sie schlugen vor, es solle für Hochverrath erklärt werden, wenn Jemand sagte, Monmouth sei legitim, oder Worte äußerte, welche darauf abzielten, die Person oder die Regierung des Souverains verhaßt oder verächtlich zu machen, oder wenn Jemand im Parlament einen Antrag auf Abänderung der Thronfolgeordnung stellte. Einige von diesen Bestimmungen erregte allgemeinen Unwillen und Abscheu. Die Whigs versuchten es trotz ihrer geringen Zahl und ihrer Schwäche, sich zu verbinden, und sie wurden durch eine bedeutende Anzahl gemäßigter und einsichtsvoller Kavaliere verstärkt. Worte, sagte man, könnten leicht von rechtschaffenen Männern mißverstanden, von Schurken aber falsch ausgelegt werden; bildliche Ausdrücke könnten wörtlich genommen und scherzhafte Äußerungen als ernstlich gemeint dargestellt werden. Eine Partikel, ein Tempus, ein Modus, die Betonung könne den ganzen Unterschied zwischen Schuld und Unschuld begründen. Sei ja der Erlöser selbst, in dessen reinem Lebenswandel die Böswilligkeit keinen Anhalt zu irgend einer Beschuldigung finden konnte, wegen gesprochener Worte in Untersuchung gezogen worden. Falsche Zeugen hätten eine Sylbe weggelassen, durch welche klar bewiesen worden wäre, daß jene Worte bildlich gemeint waren, und hätten so dem Sanhedrin einen Vorwand geliefert, unter welchem der schändlichste aller Justizmorde verübt worden sei. Wer könne, mit einem solchen Beispiele vor Augen, behaupten, daß wenn bloße Reden schon eine Anklage auf Hochverrath begründeten, der loyalste Unterthan sicher sei? Diese Argumente machten einen so großen Eindruck, daß im Ausschusse Verbesserungsanträge gestellt wurden, welche die Härte der Bill bedeutend milderten; die Klausel aber, welche es für Hochverrath erklärte, wenn ein Mitglied des Parlaments die Ausschließung eines Prinzen von Geblüt vom Throne beantragte, scheint keine Debatte hervorgerufen zu haben und wurde angenommen. Sie hatte jedoch nur insofern eine Bedeutung, als sie ein Beweis für die Unwissenheit und Unerfahrenheit der heißblütigen Royalisten war, welche das Unterhaus füllten. Hätten sie nur die ersten Anfangsgründe der Gesetzgebung gekannt, so würden sie eingesehen haben, daß die Bestimmung, auf die sie so großes Gewicht legten, überflüssig sein mußte, so lange das Parlament geneigt war, die Thronfolgeordnung aufrechtzuerhalten, und daß sie widerrufen werden würde, sobald ein Parlament die Absicht hatte, dieselbe abzuändern[55].