Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe

Chapter 5

Chapter 53,526 wordsPublic domain

Die Folter wurde nicht angewendet. Vielleicht hatte die Hochherzigkeit des Opfers die Sieger zu ungewohntem Mitleid gerührt. Er selbst bemerkte, daß sie anfangs sehr hart gegen ihn gewesen waren, aber bald anfingen, ihn mit Achtung und Freundlichkeit zu behandeln. Gott, sagte er, hat ihre Herzen erweicht. Es ist erwiesen, daß er nicht einen seiner Freunde verrieth, um der äußersten Grausamkeit seiner Feinde zu entgehen. Am letzten Morgen seines Lebens schrieb er die Worte: »Ich habe Niemandem zu seinem Nachtheile genannt. Ich danke Gott, daß er mich so wunderbar aufrecht erhalten hat.«

Er verfaßte seine eigene Grabschrift, ein sinn- und geistvolles kurzes Gedicht von einfachem und kräftigem Styl und durchaus nicht zu verachtendem Versbau. In diesen Strophen beklagte er sich, daß, obgleich seine Feinde ihn wiederholt zum Tode verurtheilt hätten, seine Freunde doch noch herzloser gewesen wären. Einen Commentar zu diesen Äußerungen liefert ein Brief von ihm an eine in Holland wohnende Dame. Sie hatte ihm eine bedeutende Summe Geldes für seine Expedition gegeben und er meinte, daß sie deshalb gegründeten Anspruch auf eine ausführliche Darlegung der Ursachen habe, welche das Mißlingen derselben herbeigeführt. Von Verrath sprach er seine Gehülfen frei, ihre Thorheit, Unwissenheit und Parteisucht aber schilderte er in Ausdrücken, die sie, wie ihre eigenen Aussagen später bewiesen, mit vollem Rechte verdienten. Es stiegen nachher Zweifel in ihm auf, ob er für einen sterbenden Christen nicht eine zu harte Sprache geführt habe, und er bat daher seine Freundin noch auf einem besonderen Blatte, daß sie das von diesen Männern Gesagte als nicht geschrieben betrachten solle. »Nur dabei muß ich bleiben« setzte er mild hinzu, »daß sie unlenksam waren.«

Den größten Theil der wenigen Stunden, die er noch zu leben hatte, brachte er im Gebet und in liebevoller Unterhaltung mit einigen Mitgliedern seiner Familie zu. Er legte keine Reue über sein letztes Unternehmen an den Tag, beklagte aber mit schmerzlicher Wehmuth seine frühere Fügsamkeit in geistlichen Dingen gegen das Belieben der Regierung. Er sagte, seine Strafe sei gerecht; wer so lange sich der Feigheit und Verstellung schuldig gemacht habe, sei nicht werth, das Rettungswerkzeug für Staat und Kirche zu sein. Die Sache aber, wiederholte er sehr häufig, sei Gottes Sache und werde gewiß triumphiren. »Ich gebe mich nicht für einen Propheten aus,« sagte er, »aber ich habe eine bestimmte Ahnung, daß die Befreiung sehr nahe ist.« Es kann nicht Wunder nehmen, daß einige eifrige Presbyterianer sich diesen Ausspruch merkten und ihn zu einer späteren Zeit göttlicher Eingebung zuschrieben.

Frommer Glaube und Hoffnung, verbunden mit natürlichem Muthe und stoischer Gelassenheit hatten sein Gemüth so vollkommen beruhigt, daß er noch an dem Tage, an dem er sterben sollte, mit Appetit zu Mittag speiste, sich bei Tische mit Heiterkeit unterhielt und sich dann, wie gewöhnlich, niederlegte, um einige Stunden zu schlafen, damit Leib und Seele in voller Kraft wären, wenn er das Schaffot bestiege. Um diese Zeit kam ein Lord des Geheimen Raths, der wahrscheinlich von Haus aus Presbyterianer war und sich nur durch Rücksichten des Eigennutzes hatte verleiten lassen, zur Unterdrückung der Kirche, der er früher selbst angehörte, beizutragen, mit einer Botschaft von seinen Kollegen in das Schloß und verlangte den Earl zu sprechen. Man antwortete ihm, daß der Earl schlafe. Der Geheimerath hielt dies für eine leere Ausflucht und bestand darauf, eingelassen zu werden. Die Thür der Zelle ward geöffnet und da lag der Earl auf dem Bett und schlief in seinen Ketten sanft wie ein unschuldiges Kind. In dem Renegaten regte sich das Gewissen. Mit zerknirschtem Herzen wendete er sich ab, eilte aus dem Schlosse und flüchtete sich zu einer dicht nebenan wohnenden Dame seiner Verwandtschaft. Hier warf er sich auf ein Sopha und überließ sich dem Schmerze der Beschämung und Reue. Der Ausdruck seines Blickes und seine Seufzer beunruhigten die Dame, sie glaubte er sei plötzlich krank geworden, und bat ihn ein Glas Sekt zu trinken. »Nein, nein«, erwiederte er, »das kann mir nicht helfen.« Sie bat ihn nun, daß er ihr sagen möchte, was ihn so ergriffen habe. »Ich war in Argyle's Gefängniß«, sagte er, »und ich habe ihn eine Stunde vor der Ewigkeit so sanft schlafen sehen, wie nur ein Mensch schlafen kann. Aber was mich betrifft --«

Der Earl erhob sich nun von seinem Lager und bereitete sich auf den letzten Gang vor. Er wurde zuerst die High Street hinab nach dem Sitzungshause des Geheimen Raths gebracht, wo er die kurze Zeit bis zu seiner Hinrichtung verweilen sollte. Während dieser letzten Frist bat er um Schreibzeug und schrieb an seine Gattin: »Liebes Weib, Gott ist unveränderlich. Er ist stets gütig und gnädig gegen mich gewesen und keine Lage ändert dies. Vergieb mir alle meine Fehler und suche Trost in Ihm, in dem allein der wahre Trost zu finden ist. Der Herr sei mit Dir, Er segne und tröste Dich. Lebe wohl.«

[_Argyle's Hinrichtung._] Es war jetzt Zeit, das Haus des Geheimen Raths zu verlassen. Die Geistlichen, welche den Gefangenen begleiteten, waren zwar nicht seines Glaubens, aber er hörte sie artig an und ermahnte sie, ihre Gemeinden vor denjenigen Lehren zu warnen, welche alle protestantischen Kirchen einstimmig verdammten. Er bestieg das Schaffot, wo die alte plumpe Guillotine Schottlands, die Jungfrau genannt, ihn erwartete, und hielt eine Ansprache an das Volk, die mit den eigenthümlichen Redensarten seiner Sekte durchwebt war, aber den Geist wahrer Frömmigkeit athmete. Er sagte, er vergebe seinen Feinden, wie er hoffe, daß ihm vergeben werden würde. Nur ein bittrer Ausdruck entschlüpfte ihm. Einer der bischöflichen Geistlichen, die ihn begleiteten, trat an den Rand des Schaffots und rief mit lauter Stimme aus: »Mylord stirbt als Protestant.« -- »Ja«, sagte der Earl vorgehend, »und nicht nur als Protestant, sondern mit dem Hasse gegen Papismus, Prälatenthum und jeden Aberglauben im Herzen.« -- Dann umarmte er seine Freunde, übergab ihnen einige Zeichen der Erinnerung für seine Gattin und seine Kinder, kniete nieder, legte das Haupt auf den Block, betete eine Weile und gab endlich dem Scharfrichter das Zeichen. Sein Kopf wurde auf die Spitze des Tolbooth gesteckt, wo vordem Montrose's Haupt verwest war.[33]

[Anmerkung 33: Die Schriftsteller, denen ich die Erzählung von Argyle's Expedition entlehnt habe, sind Sir Patrick Hume, der als Augenzeuge spricht, und Wodrow, dem die werthvollsten Materialien, darunter des Earls eigene Papiere, zu Gebote standen. Wo die Glaubwürdigkeit Argyle's oder Hume's in Frage kommt, da zweifle ich nicht, daß Argyle's Erzählung die richtige ist. Siehe auch Burnet I. 631 und das Leben Bresson's, herausgegeben von +Dr.+ Mac Crie. Die Erzählung des schottischen Aufstandes in Clarke's +Life of James the Second+ ist ein lächerlicher Roman, geschrieben von einem Jakobiten, der sich nicht einmal die Mühe nahm, eine Karte des Kriegsschauplatzes anzusehen.]

[_Rumbold's Hinrichtung._] Der Kopf des wackren und aufrichtigen, wenn auch nicht tadelfreien Rumbold war bereits auf dem Westthore von Edinburgh aufgesteckt. Umgeben von parteisüchtigen und feigen Verbündeten, hatte er sich während des ganzen Feldzugs als ein in der Schule des großen Protectors gebildeter Soldat gezeigt, hatte im Rathe die Autorität Argyle's kräftig unterstützt und sich im Felde durch ruhige Unerschrockenheit ausgezeichnet. Nachdem die Armee sich zerstreut, wurde er von einer Abtheilung Miliz angegriffen. Er wehrte sich mit verzweifelter Tapferkeit und würde sich auch durchgeschlagen haben, hätte man seinem Pferde nicht die Fesseln zerschnitten. Tödtlich verwundet wurde er nach Edinburg gebracht. Die Regierung hätte ihn gern in England hinrichten lassen, aber er war dem Tode so nahe daß, wenn er nicht in Schottland gehängt wurde, er gar nicht gehängt werden konnte, und des Vergnügens, ihn zu hängen, wollten sich die Sieger nicht entschlagen. Es ließ sich zwar nicht erwarten, daß sie gegen einen Mann, der als das Haupt des Ryehousecomplots betrachtet wurde und Eigenthümer des Hauses war, von welchem dieses Complot seinen Namen erhielt, besondere Milde üben würden; aber die Rücksichtslosigkeit, mit der sie den Sterbenden behandelten, muß unsrem humaneren Zeitalter fast unglaublich erscheinen. Einer der schottischen Geheimräthe sagte ihm, er sei ein verdammter Schurke. »Ich bin im Frieden mit Gott«, erwiederte Rumbold gelassen, »wie kann ich da verdammt sein?«

Er wurde in aller Eil vor Gericht gestellt, überführt und verurtheilt, nach wenigen Stunden in der Nähe des Stadtkreuzes in High Street gehängt und geviertheilt zu werden. Obgleich er ohne die Unterstützung zweier Männer nicht stehen konnte, bewahrte er doch seine Seelenstärke bis zum letzten Augenblicke und erhob unter dem Galgen seine schwache Stimme gegen Papismus und Tyrannei mit solcher Heftigkeit, daß die Offiziere die Trommeln rühren ließen, damit das Volk ihn nicht hören konnte. Er sagte, er sei ein Freund der beschränkten Monarchie, aber er könne nimmermehr glauben, daß die Vorsehung einige wenige Menschen fertig gestiefelt und gespornt zum Reiten und Millionen gesattelt und gezäumt, um geritten zu werden, in die Welt gesandt habe. »Ich lobe und preise Gottes heiligen Namen dafür«, rief er aus, »daß ich hier stehe nicht wegen eines begangnen Unrechts, sondern weil ich in einer schlimmen Zeit seiner Sache treugeblieben bin. Und wäre jedes Haar auf meinem Haupte ein Mann, ich würde sie alle in diesem Kampfe daran setzen.«

Während der Untersuchung sowohl als noch bei der Hinrichtung sprach er vom Meuchelmorde mit dem Abscheu, der einem guten Christen und einem tapfren Soldaten ziemt. Er betheuerte auf das Wort eines dem Tode verfallnen Mannes, daß er nie den Gedanken gehegt habe, eine solche Schändlichkeit zu verüben. Aber er gestand offen, daß er im Gespräch mit seinen Mitverschworenen sein eignes Haus als einen Ort bezeichnet habe, wo Karl und Jakob mit Vortheil angegriffen werden könnten, und daß zwar viel über die Sache debattirt, doch nichts beschlossen worden sei. Es mag auf den ersten Anblick scheinen, als ob dieses Geständniß mit seiner Erklärung, daß er den Meuchelmord stets verabscheut habe, unvereinbar wäre; aber er ließ sich hierbei durch eine Unterscheidung täuschen, welche viele seiner Zeitgenossen irre leitete. Nichts hatte ihn dazu bewegen können, in die Speisen der beiden Fürsten Gift zu werfen, oder sie im Schlafe zu erdolchen; aber einen unvermutheten Angriff auf die den königlichen Wagen umgebenden Leibgarden zu machen, Schwerthiebe und, Pistolenschüsse zu wechseln und es darauf ankommen zu lassen, ob man tödten oder getödtet werden würde, dies war in seinen Augen eine durchaus loyale militärische Operation. Hinterhalte und Überrumpelungen gehörten zu den gewöhnlichen Vorfällen eines Kriegs. Jeder alte Soldat, Kavalier oder Rundkopf, war bei solchen Unternehmungen betheiligt gewesen. Fiel der König in dem Gefecht, so fiel er im ehrlichen Kampfe und nicht durch Mörderhand. Ganz das nämliche Raisonnement stellten nach der Revolution Jakob selbst und seine tapfersten und ergebensten Anhänger auf, um einen ruchlosen Anschlag gegen das Leben Wilhelm's III. zu rechtfertigen. Ein Trupp Jakobiten wurde abgesandt, um den Prinzen von Oranien in seinem Winterquartiere anzugreifen. Der geheime Sinn dieser ganz unverfänglich klingenden Redensart war, daß dem Prinzen auf der Fahrt von Richmond nach Kensington die Kehle abgeschnitten werden sollte. Es mag auffallend erscheinen, daß solche Trugschlüsse, die Hefe der jesuitischen Casuistik, im Stande gewesen sind, Männer von heldenmüthigem Character, sowohl Whigs als Tories, zu einem Verbrechen zu verleiten, welchem die göttlichen wie die menschlichen Gesetze ganz besonders den Stempel der Verruchtheit aufgedrückt haben. Aber kein Sophismus ist so plump, daß er nicht Gemüther, welche vom Parteigeist verblendet sind, bethören könnte.[34]

Argyle, welcher Rumbold einige Stunden überlebte, gab kurz vor seinem Tode noch ein Zeugniß für die Tugenden des tapfren Engländers. »Der arme Rumbold war mir eine große Stütze und ein braver Mann, und er ist christlich gestorben.«[35]

[Anmerkung 34: +Wodrow III. IX. 10.+; +Western Martyrology+; +Barnet, I. 633+; +Fox's History, Appendix IV.+ Ich vermag auf keine andre als die im Texte angegebene Weise Rumbold's Versicherung, daß er nie den Gedanken an einen Mord gehegt habe, mit seinem Geständniß, daß er selbst sein Haus als zu einem Angriff auf die königlichen Brüder passend bezeichnet habe, in Einklang zu bringen. Die Unterscheidung, die ich ihm zuschreibe, wurde auch noch von einem andren Ryehouseverschwornen gemacht, dem Kapitain Walcot, ebenfalls einem ehemaligen Soldaten der Republik. Bei Walcot's Verhör fragte der Kronzeuge: »Ihr habt zugegeben, Kapitain, daß Ihr einer von Denen waret, welche gegen die Garden kämpfen sollten.« -- »Aus welchem Grunde wollte er denn aber den König nicht umbringen?« fragte hierauf der Oberrichter Pemberton. »Er sagte«, antwortete West, »es sei ruchlos, einen wehrlosen Menschen zu tödten, und dies könne er niemals.«]

[Anmerkung 35: +Wodrow III. IX. 9.+]

[_Ayloffe's Tod._] Ayloffe zeigte keine geringere Todesverachtung als Argyle und Rumbold, nur war sein Ende für fromme Gemüther nicht so erbaulich wie das ihrige. Wenn auch politische Sympathie ihn zu den Puritanern hingezogen, so hatte er doch keine religiösen Sympathien für sie und galt auch in ihren Augen für wenig besser als ein Atheist. Er gehörte zu dem Theile der Whigs, der seine Vorbilder lieber unter den Patrioten Griechenlands und Roms, als unter den Propheten und Richtern Israels suchte. Er wurde gefangen genommen und nach Glasgow gebracht. Hier versuchte er es, sich mit einem kleinen Federmesser zu entleiben, aber obgleich er sich mehrer Wunden beibrachte, war doch keine davon tödtlich, und er hatte noch Kraft genug, um eine Reise nach London auszuhalten. Er ward vor den Geheimen Rath gestellt und vom Könige selbst verhört, war aber zu hochsinnig, als daß er sich durch Denuncirung Anderer hätte retten sollen. Unter den Whigs erzählte man sich, der König habe zu ihm gesagt: »Ihr thätet besser, wenn Ihr offen gegen mich wäret, Herr Ayloffe; Ihr wißt, daß es in meiner Macht steht, Euch zu begnadigen.« Der Gefangne sollte hierauf sein düstres Schweigen gebrochen und geantwortet haben. »In Ihrer Macht mag es stehen, aber in Ihrem Character liegt es nicht.« Er wurde in Gemäßheit seines früheren Ächtungsurtheils vor dem Thore des Tempels hingerichtet und starb mit stoischem Gleichmuth.[36]

[Anmerkung 36: +Wade's Narrative, Harl. MS. 6845+; +Burnet I. 634+; Citters' Depesche vom 30. Oct. (9. Nov.) 1685; +Luttrell's Diary+ von dem nämlichen Datum.]

[_Verwüstung von Argyleshire._] Inzwischen übten die Sieger eine erbarmungslose Rache an dem Volke von Argyleshire. Athol ließ viele Campbells ohne gerichtliche Untersuchung hängen und nur mit Mühe wurde er durch den Geheimen Rath verhindert, noch mehr Menschenleben zu opfern. Dreißig Meilen im Umkreise von Inverary wurde das Land verwüstet. Häuser wurden angezündet, Mühlsteine zertrümmert, Obstbäume umgehauen und selbst die Wurzelstöcke derselben verbrannt. Die Netze und Fischerböte, die einzigen Mittel, durch welche viele von den Küstenbewohnern ihren Unterhalt erwarben, wurden vernichtet, und mehr als dreihundert Rebellen und Unzufriedene nach den Colonien transportirt. Viele von ihnen wurden auch zur Verstümmelung verurtheilt. An einem einzigen Tage schnitt der Henker von Edinburg fünfunddreißig Gefangenen die Ohren ab; eine Menge Weiber wurden über das atlantische Meer geschickt, nachdem man sie mit einem glühenden Eisen auf der Wange gebrandmarkt hatte.[37] Man ging sogar mit dem Plane um, von dem Parlamente eine Acte zu verlangen, durch welche der Name Campbell geächtet werden sollte, wie achtzig Jahre früher der Name Mac Gregor geächtet worden war.

Argyle's Unternehmung hatte im Süden der Insel wenig Aufsehen gemacht. Die Nachricht von seiner Landung traf unmittelbar vor dem Zusammentritt des englischen Parlaments in London ein. Der König erwähnte die Sache in der Thronrede, und die Häuser versicherten ihn, daß sie gegen jeden Feind zu ihm halten würden. Mehr wurde von ihnen nicht verlangt. Über Schottland hatten sie keine Gewalt, und ein Krieg, dessen Schauplatz so weit entfernt und dessen Ausgang fast von vornherein leicht vorauszusehen war, erregte in London nur geringes Interesse.

[Anmerkung 37: +Wodrow III. IX. 4+, und +III. IX. 10.+ Wodrow führt aus den Acten des Geheimen Rathes die Namen aller der Gefangenen auf, welche transportirt, verstümmelt oder gebrandmarkt wurden.]

[_Erfolglose Versuche, Monmouth's Abreise von Holland zu verhindern._] Aber eine Woche vor der schließlichen Zerstreuung von Argyle's Armee wurde ganz England durch die Nachricht erschüttert, daß ein weit mehr zu fürchtender Mann in feindlicher Absicht an seiner eignen Küste gelandet sei. Die Flüchtlinge waren dahin übereingekommen, daß Monmouth sechs Tage nach der Abfahrt der Schotten von Holland unter Segel gehen sollte. Er hatte seine Expedition wahrscheinlich deshalb kurze Zeit aufgeschoben, weil er hoffte, daß, sobald der Krieg in den Hochlanden ausbrach, die meisten Truppen nach dem Norden gesandt werden und er daher keine zu seinem Empfange gerüstete Streitmacht vorfinden würde. Als er endlich abzusegeln wünschte, war der Wind ungünstig und heftig geworden.

Während seine kleine Flotte im Texel hin und her getrieben wurde, lagen die holländischen Behörden mit einander im Streit. Auf der einen Seite standen die Generalstaaten und der Prinz von Oranien, auf der andren der Magistrat und die Admiralität von Amsterdam.

Skelton hatte den Generalstaaten ein Verzeichniß derjenigen Flüchtlinge übergeben, deren Aufenthalt in den Vereinigten Provinzen seinem Gebieter Besorgnisse einflößte. Die Generalstaaten, welche dringend wünschten, jedes billige Verlangen Jakob's zu erfüllen, sandten Abschriften der Liste an die Provinzialbehörden, und diese wieder an die Municipalbehörden. Sämmtlichen Stadtmagistraten wurde bedeutet, daß sie die erforderlichen Maßregeln ergreifen sollten, um die geächteten Whigs zu verhindern, die englische Regierung zu beunruhigen. Im Allgemeinen wurde diesen Befehlen Folge geleistet, und besonders in Rotterdam, wo der Einfluß Wilhelm's Alles vermögend war, wurde eine Thätigkeit entwickelt, welche Jakob zu dankbarer Anerkennung veranlaßte. Allein der Hauptsitz der Emigranten war Amsterdam, und die Regierungsbehörde dieser Stadt wollte nichts sehen, nichts hören und nichts wissen. Der Schultheiß, der selbst in täglichem Verkehr mit Ferguson stand, berichtete nach dem Haag, daß er nicht einen einzigen von den Flüchtlingen zu finden wisse, und die Bundesregierung mußte sich mit dieser Entschuldigung begnügen. In Wirklichkeit aber waren die englischen Verbannten in Amsterdam allgemein bekannt und wurden auf den Straßen ebenso angestaunt, als wenn sie Chinesen gewesen wären.[38]

Wenige Tage darauf erhielt Skelton von seinem Hofe den Befehl, darum anzusuchen, daß in Betracht der Gefahren, welche dem Throne seines Gebieters drohten, die drei im Dienste der Vereinigten Provinzen stehenden schottischen Regimenter unverzüglich nach Großbritannien zurückgesandt werden sollten. Er wendete sich an den Prinzen von Oranien, und dieser übernahm die Erledigung dieser Angelegenheit, sagte aber voraus, daß Amsterdam einige Schwierigkeiten machen würde. Seine Besorgniß erwies sich als gegründet. Die Deputirten von Amsterdam verweigerten ihre Zustimmung und es gelang ihnen, eine Verzögerung herbeizuführen; aber die Frage war nicht eine von denen, hinsichtlich derer nach der Verfassung der Republik eine einzelne Stadt die Verwirklichung des Wunsches der Mehrheit verhindern konnte. Wilhelm's Einfluß überwog und die Truppen wurden mit großer Eil eingeschifft.[39]

Zu gleicher Zeit bemühte sich Skelton, allerdings mit geringer Einsicht und Mäßigung, die von den Flüchtlingen ausgerüsteten Schiffe zurückzuhalten. Er beschwerte sich in heftigen Ausdrücken bei der Admiralität von Amsterdam. Die Nachlässigkeit der Behörde, sagte er, habe schon eine Horde von Rebellen in den Stand gesetzt, einen Einfall in Großbritannien zu machen, ein zweiter derartiger Fehler sei durch nichts zu entschuldigen, und er verlangte mit peremptorischer Bestimmtheit, daß ein großes Schiff, der »Helderenbergh«, zurückgehalten werden solle. Dieses Schiff war angeblich nach den Canarischen Inseln bestimmt, wahrend es thatsächlich von Monmouth ausgerüstet war, sechsundzwanzig Kanonen führte und Waffen und Munition geladen hatte. Die Admiralität von Amsterdam erwiederte, daß die Freiheit des Handels und der Schifffahrt geringfügiger Gründe wegen nicht beschränkt und der »Helderenbergh« nicht ohne Befehl der Generalstaaten zurückgehalten werden könnte. Skelton, dessen unveränderliche Art es gewesen zu sein scheint, Alles beim unrechten Ende anzugreifen, wendete sich nun an die Generalstaaten, und diese erließen die nöthigen Befehle. Jetzt aber gab die Amsterdamer Admiralität vor, es sei keine hinreichende Seemacht im Texel, um sich eines so großen Schiffes, wie des »Helderenbergh« bemächtigen zu können, und ließ Monmouth ungehindert absegeln.[40]

Das Wetter war schlecht, die Reise lang und mehrere englische Kriegsschiffe kreuzten im Kanal. Aber Monmouth entging dem Meere und dem Feinde. Als er bei den Klippen von Dorsetshire vorüberkam, wurde es für wünschenswerth erachtet, ein Boot mit einem der Flüchtlinge, Namens Thomas Dare, ans Ufer zu schicken. Dieser Mann hatte trotz seiner niedrigen Denkungsart und seines gemeinen Wesens in Taunton großen Einfluß. Er erhielt die Weisung; durch das Land nach dieser Stadt zu eilen und seinen Freunden anzukündigen, daß Monmouth bald auf englischem Boden sein werde.[41]

[Anmerkung 38: Skelton's Schreiben ist vom 7.(17.) Mai 1686. Es findet sich nebst dem Briefe des Schout oder Schultheißen von Amsterdam in einer kleinen Schrift, die einige Monate später erschien unter dem Titel: +Histoire des Evènemens Tragiques d'Angleterre+. Die in diesem Werke angeführten Actenstücke sind, so weit ich sie geprüft habe, genau aus den holländischen Archiven mitgetheilt, nur mit der Ausnahme, daß Skelton's ziemlich unreines Französisch ein wenig verbessert ist. Siehe auch +Grey's Narrative+.

Goodenough sagte in seinem Verhöre nach der Schlacht von Sedgemoor: »Der Schout von Amsterdam war ein besondrer Freund dieses letzten Planes«. +Lansdowne MS. 1152.+

Es ist nicht der Mühe werth, die Schriftsteller zu widerlegen, welche den Prinzen von Oranien als an Monmouth's Unternehmung betheiligt darstellen. Sie stützen sich dabei besonders auf dem Umstand, daß die Behörden von Amsterdam keine energischen Schritte thaten, um das Absegeln der Expedition zu verhindern. Dieser Umstand ist aber gerade der stärkste Beweis, daß das Unternehmen von Wilhelm nicht begünstigt wurde. Wer nicht gänzlich unbekannt ist mit den Institutionen und der Politik Hollands, wird den Statthalter für die Handlungen der Oberhäupter der Loevestein'schen Partei nicht verantwortlich halten.]

[Anmerkung 39: +Avaux, Neg. June 7.(17.), 8.(18.), 14.(24.) 1685.+; Brief des Prinzen von Oranien an Lord Rochester vom 9. Juni 1685.]

[Anmerkung 40: Citters, 9.(19.) und 12.(22.) Juni 1685. Die Korrespondenz Skelton's mit den Generalstaaten und der Admiralität von Amsterdam befindet sich in den Archiven im Haag. Einige Briefe findet man in den +Evènemens Tragiques d'Angleterre+. Siehe auch Burnet I. 640.]

[Anmerkung 41: Wade's Bekenntniß in den +Hardwicke Papers, Harl. MS. 6845.+]