Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe

Chapter 30

Chapter 302,884 wordsPublic domain

Der Lordlieutenant fürchtete seine Abwesenheit eben so sehr als seine Anwesenheit. Es war allerdings peinlich, Tag für Tag die gerunzelte Stirn eines Feindes vor Augen zu haben; nicht minder quälend aber war das Bewußtsein, daß ein Feind täglich dem Könige Verleumdungen und bösen Rath zuflüsterte. Clarendon ward durch mannichfache Kränkungen zu Boden gedrückt. Er machte eine Rundreise durch das Land und mußte sehen, daß die irische Bevölkerung ihn allenthalben mit Verachtung behandelte. Die katholischen Priester ermahnten ihre Gemeinden, ihm keine Ehrenbezeigungen zu erweisen; die eingeborne Gentry blieb zu Hause, anstatt ihm entgegenzukommen und ihre Achtung zu bezeigen, und das eingeborne Landvolk sang überall ersische Lieder zum Lobe Tyrconnels, der, wie sie nicht zweifelten, bald wieder erscheinen werde, um die Demüthigung ihrer Unterdrücker zu vervollständigen.[188]

[Anmerkung 188: Clarendon an Rochester, 23. Sept. und 2. Oct. 1686; +Secret Consults of the Romish Party in Ireland, 1690.+]

[_Der König ist unzufrieden mit Clarendon._] Der Vicekönig war von seiner unerfreulichen Reise kaum wieder in Dublin angekommen, so erhielt er Briefe, die ihm ankündigten, daß er sich das ernste Mißfallen des Königs zugezogen habe. Seine Majestät, hieß es in den Briefen, erwarte von seinen Dienern, daß sie seinen Befehlen nicht blos nachkämen, sondern daß sie denselben aus voller Seele und mit heiterer Miene gehorchten. Der Lordlieutenant habe sich zwar nicht geweigert, bei der Reform des Heeres und der Civilverwaltung mitzuwirken, aber seine Mitwirkung sei gezwungen und lässig gewesen, seine Blicke hätten seine Gedanken verrathen und Jedermann habe gesehen, daß er die Politik mißbillige, zu deren Ausführung er verwendet werde.[189] In großer Angst schrieb er einen Brief, um sich zu vertheidigen; allein es wurde ihm kalt darauf erwiedert, daß seine Vertheidigung ungenügend sei. Er erklärte nun in den demüthigsten Ausdrücken, daß er es nicht versuchen wolle, sich zu rechtfertigen, daß er mit jedem Urtheile des Königs, wie es auch ausfallen möge, zufrieden sein werde, daß er sich in den Staub werfe und um Verzeihung bitte, daß er der aufrichtigste aller reuigen Sünder sei, daß er es als seinen höchsten Ruhm betrachte, für seinen Herrn und König zu sterben, daß es ihm aber unmöglich sei, unter der Ungnade seines Fürsten zu leben. Dies war auch keineswegs bloße eigennützige Heuchelei, sondern, wenigstens zum Theil, unverstellter Sklavensinn und feige Angst, denn in vertraulichen Briefen, welche nicht für das Auge des Königs bestimmt waren, jammerte er gegen seine Familie ganz in dem nämlichen Tone. Er sei unglücklich, er sei wie vernichtet, der Zorn des Königs sei ihm unerträglich, und wenn dieser Zorn sich nicht beschwichtigen lasse, habe das Leben keinen Werth mehr für ihn.[190] Die Angst des armen Mannes nahm noch zu, als er erfuhr, daß man in Whitehall beschlossen habe, ihn zurückzurufen und seinen Nebenbuhler und Verleumder Tyrconnel zu seinem Nachfolger zu ernennen.[191] Dann schien sich der Horizont wieder auf einen Augenblick aufzuhellen, der König war in besserer Laune und Clarendon schmeichelte sich einige Tage mit der Hoffnung, daß die Fürsprache seines Bruders den erwünschten Erfolg gehabt habe, und daß die Krisis vorüber sei.[192]

[Anmerkung 189: Clarendon an Rochester, 6. Oct. 1686.]

[Anmerkung 190: Clarendon an den König und an Rochester, 23. Oct. 1686.]

[Anmerkung 191: Clarendon an Rochester, 29. u. 30. Oct, 1686.]

[Anmerkung 192: Clarendon an Rochester, 27. Nov. 1686.]

[_Angriff der jesuitischen Cabale gegen Rochester._] In Wirklichkeit aber hatte die Krisis erst begonnen. Während Clarendon sich an Rochester zu lehnen versuchte, war dieser selbst schon nicht mehr im Stande, sich noch länger zu halten. Wie in Irland der ältere Bruder, obgleich er seine Ehrengarde, seinen Staatsdegen und den Titel Excellenz behielt, thatsächlich durch den Befehlshaber der Armee verdrängt war, so sank in England der jüngere Bruder, obgleich er seinen weißen Stab behielt und kraft seines hohen Amtes den Vorrang vor dem höchsten Erbadel hatte, rasch zu einem bloßen Finanzsekretär herab. Das Parlament wurde abermals im Widerspruch mit den wohlbekannten Wünschen des Schatzmeisters auf einen entfernten Termin prorogirt. Man benachrichtigte ihn nicht einmal davon, daß eine neue Prorogation stattfinden solle, sondern überließ es ihm, die Neuigkeit aus der Gazette zu erfahren. Die wirkliche Leitung der Regierungsangelegenheiten war in die Hände der Cabale übergegangen, welche Freitags bei Sunderland speiste. Das Kabinet versammelte sich nur, um die von auswärtigen Höfen eingegangenen Depeschen vorlesen zu hören, und diese Depeschen enthielten nichts, was man nicht schon an der Börse gewußt hätte, denn alle englischen Gesandten hatten Befehl erhalten, in ihre officiellen Schreiben nur das gewöhnliche Vorzimmergeklatsch aufzunehmen, wichtige Geheimnisse aber für Privatmittheilungen aufzusparen, welche an Jakob selbst, oder an Sunderland oder an Petre gerichtet werden mußten.[193] Die siegende Partei war indessen noch immer nicht zufrieden. Diejenigen, denen der König das meiste Vertrauen schenkte, versicherten ihn, daß die Hartnäckigkeit, mit der die Nation sich seinen Plänen widersetze, lediglich Rochester zur Last falle. Wie könne das Volk glauben, daß sein Fürst unerschütterlich fest entschlossen sei, auf dem eingeschlagenen Wege fortzuschreiten, wenn es zu seiner Rechten einen Mann erblicke, der anscheinend in Macht und Vertrauen der Erste unter seinen Räthen sei und doch anerkanntermaßen diesen Weg entschieden mißbillige? Jedem Schritte, der zu dem Zwecke gethan worden sei, die anglikanische Kirche herabzusetzen und die römische Kirche zu erheben, habe sich der Schatzmeister widersetzt. Allerdings habe er, wenn er die Nutzlosigkeit seines Widerstandes eingesehen, sich mit Unmuth gefügt und zuweilen sogar bei der Ausführung der Pläne, gegen die er am eifrigsten gekämpft, hülfreiche Hand geleistet; allerdings habe er sich, obgleich ihm die kirchliche Commission zuwider gewesen sei, dazu verstanden, eine Stelle in derselben anzunehmen; allerdings habe er, nachdem er erklärt, daß er in dem Benehmen des Bischofs von London nichts Tadelnswerthes finden könne, mit Verdruß und Widerstreben für seine Absetzung gestimmt. Aber dies sei nicht genug. Ein Fürst, der ein so wichtiges und schwieriges Unternehmen durchzuführen habe, wie das von Jakob begonnene sei, habe das Recht, von seinem ersten Minister nicht blos eine unwillige und mürrische Zustimmung, sondern eine eifrige und kräftige Mitwirkung zu erwarten. Während dem König täglich solcher Rath von Denen ertheilt wurde, in die er das meiste Vertrauen setzte, erhielt er zu gleicher Zeit durch die Pennypost eine Menge anonyme Briefe, welche von Verleumdungen gegen den Lordschatzmeister strotzten. -- Dieses Angriffssystem war von Tyrconnel erfunden und stand in vollkommenem Einklange mit jedem Theile seines ehrlosen Wandels.[194]

Der König war unschlüssig. Er scheint wirklich zu seinem Schwager eine aufrichtige persönliche Zuneigung, die Folge naher Verwandtschaft, langjährigen vertraulichen Umgangs und vieler gegenseitiger Gefälligkeiten, gehegt zu haben, und es ließ sich daher mit Wahrscheinlichkeit annehmen, daß Rochester, so lange er sich, wenn auch zögernd und murrend, dem königlichen Willen fügte, dem Namen nach Premierminister bleiben werde. Sunderland gab daher mit raffinirter Schlauheit seinem Gebieter zu verstehen, daß es zweckmäßig sein dürfte, von Rochester den einzigen Beweis von Gehorsam zu verlangen, den er -- dies war so gut als gewiß -- niemals geben würde. Gegenwärtig -- so lautete die Sprache des listigen Staatssekretärs -- sei es unmöglich, mit dem ersten Diener des Königs über den Gegenstand zu sprechen, der Seiner Majestät am meisten am Herzen liege. Es sei traurig, sich sagen zu müssen, daß in einer so wichtigen Krisis religiöse Vorurtheile die Regierung einer so werthvollen Stütze beraubten. Vielleicht würden sich diese Vorurtheile nicht als unüberwindlich erweisen. Dann deutete der Verführer an, daß seines Wissens Rochester unlängst einige Bedenken über die zwischen den Protestanten und Katholiken obschwebenden Streitpunkte geäußert habe.[195]

[Anmerkung 193: Barillon, 13.(23.) Sept. 1686; +Clarke's Life of James the Second, II. 99.+]

[Anmerkung 194: Sheridan-Handschr.]

[Anmerkung 195: +Clarke's Life of James the Second, II. 100.+]

[_Jakob's Versuche, Rochester zu bekehren._] Dies war genug. Der König griff den Wink begierig auf und begann sich mit der Hoffnung zu schmeicheln, daß er vielleicht nicht nur der unangenehmen Nothwendigkeit überhoben werden würde, einen Freund von sich zu entfernen, sondern sich sogar einen geschickten Gehilfen zur Ausführung des unternommenen großen Werkes sichern könnte. Nebenbei erhob ihn auch der Gedanke an das Verdienst und den Ruhm, einen Mitmenschen vom Verderben zu retten. Er scheint in der That um diese Zeit einen ganz besonders heftigen Anfall von religiösem Eifer gehabt zu haben, und dies ist um so auffallender, da er eben erst nach einer kurzen Pause der Selbstbeherrschung in Ausschweifungen zurückverfallen war, welche alle christlichen Theologen als sündhaft verwerfen und die bei einem schon bejahrten Manne, der eine liebenswürdige junge Gattin hat, selbst von weltlich gesinnten Menschen unschicklich genannt werden. Lady Dorchester war von Dublin zurückgekommen und war wieder die Maitresse des Königs. Eine politische Bedeutung hatte ihre Rückkehr nicht. Die Erfahrung hatte sie von der Nutzlosigkeit des Versuchs überzeugt, ihren Geliebten von dem Verderben zu retten, in das er sich kopfüber stürzte. Sie überließ daher seine politische Leitung den Jesuiten und diese gestatteten ihr dagegen, daß sie dem Könige Geld ablockte. Übrigens war sie nur eine von mehreren leichtfertigen Frauen, welche damals mit seiner geliebten Kirche die Herrschaft über ihn theilten.[196] Er schien beschlossen zu haben, die Vernachlässigung seines eignen Seelenheils durch Sorge für die Seelen Anderer einigermaßen wieder gut zu machen. Daher ging er mit wirklichem guten Willen, aber mit dem guten Willen eines harten, strengen und gebieterischen Characters an das Werk seinen Schwager zu bekehren. Jede dem Schatzmeister gewährte Audienz wurde mit Abhandlungen über die Autorität der Kirche und über den Bilderdienst ausgefüllt. Rochester hatte sich vorgenommen, seinem Glauben nicht untreu zu werden; aber er trug kein Bedenken, sich zu seiner Selbstvertheidigung eben so schimpflicher Kunstgriffe zu bedienen, als sie gegen ihn angewendet wurden. Er bemühte sich wie ein Mann zu sprechen, der noch nicht mit sich im Klaren ist, sagte daß er nichts mehr wünsche, als eines Besseren belehrt zu werden, wenn er sich irren sollte, las papistische Bücher und hörte papistische Theologen bereitwillig an. Er hatte verschiedene Unterredungen mit Leyburn, dem apostolischen Vikar, mit Godden, dem Kaplan und Almosenier der Königin Wittwe und mit Bonaventura Giffard, einem in den Schulen von Douay für die Polemik gebildeten Theologen. Es wurde verabredet, daß eine förmliche Disputation zwischen diesen Gelehrten und einigen protestantischen Geistlichen stattfinden solle. Der König forderte Rochester auf, beliebige Theologen der Staatskirche zu wählen, nur mit zwei Ausnahmen: Diese waren Tillotson und Stillingfleet. Tillotson, der populärste Prediger der damaligen Zeit und von Character der harmloseste Mensch, hatte mit einigen Whigführern in vertrautem Umgange gestanden, und Stillingfleet, der als ein vollendeter Meister in allen Waffen der Polemik bekannt war, hatte sich durch Herausgabe einer Entgegnung auf die in der Cassette Karl's II. gefundenen Papiere noch mißliebiger gemacht. Rochester wählte die beiden königlichen Kaplane, welche gerade den Dienst hatten. Der eine von ihnen war Simon Patrick, dessen Bibelerklärungen noch jetzt in keiner theologischen Bibliothek fehlen dürfen; der andre war Jane, ein heftiger Tory, einer von den Verfassern des Beschlusses, durch welchen die Universität Oxford die schlimmsten Thorheiten Filmer's feierlich in sich aufgenommen hatte. Die Disputation fand am dreizehnten November in Whitehall statt. Rochester, der es nicht bekannt werden lassen wollte, daß er eingewilligt habe, die Argumente der papistischen Priester auch nur anzuhören, bedang sich Geheimhaltung aus. Es sollte kein Zuhörer weiter anwesend sein als der König. Der Gegenstand der Disputation war die wirkliche Anwesenheit Christi beim Abendmahle. Die römisch-katholischen Theologen übernahmen die Last der Beweisführung. Patrick und Jane sprachen wenig; auch hatten sie gar nicht nöthig viel zu sagen, denn der Earl unternahm es selbst die Lehre seiner Kirche zu vertheidigen und er wurde seiner Gewohnheit nach bald warm, verlor seine Ruhe und fragte mit großer Heftigkeit, ob man etwa hoffe, daß er auf so unhaltbare Gründe hin, seinen Glauben wechseln werde. Dann fiel ihm aber ein, was er riskirte; er fing wieder an sich zu verstellen, jagte den Disputanten Schmeicheleien über ihre Gewandtheit und Gelehrsamkeit und verlangte Zeit, um das Gesagte zu überlegen.[197]

So beschränkt Jakob auch war, mußte er doch merken, daß dies eine bloße Komödie war. Er sagte Barillon, Rochester's Sprache sei nicht die eines Mannes, der den aufrichtigen Willen habe, zur Wahrheit zu gelangen. Indessen konnte sich der König doch noch nicht entschließen, seinem Schwager die einfache Alternative zu stellen: Übertritt oder Entlassung; drei Tage nach der Conferenz aber machte Barillon dem Schatzmeister einen Besuch und rückte nach vielen Umschweifen und wiederholten Versicherungen der freundschaftlichsten Theilnahme mit der unangenehmen Wahrheit heraus. »Meinen Sie damit«, sagte Rochester, den die unklaren und umständlichen Phrasen, in denen das Ansinnen an ihn gestellt wurde, irre machten, »daß ich meine Stelle verliere, wenn ich nicht Katholik werde?« -- »Davon spreche ich nicht«, erwiederte der vorsichtige Diplomat; »ich komme nur als Freund zu Ihnen, um die Hoffnung auszusprechen, daß Sie darauf bedacht sein werden, Ihre Stelle zu behalten.« -- »Aber jedenfalls«, sagte Rochester, »ist der einfache und klare Sinn von dem Allen, daß ich entweder Katholik werden oder abtreten muß.« Er richtete noch mehrere Fragen an Barillon, um dahinter zu kommen, ob die Eröffnung ihm auf höheren Befehl gemacht worden war, konnte aber nur unbestimmte und geheimnißvolle Antworten erlangen. Endlich erklärte er Barillon mit einer affectirten Zuversicht, die er weit entfernt war zu fühlen, er müsse sich durch leeres oder böswilliges Gerede haben täuschen lassen. »Ich sage Ihnen«, setzte er hinzu, »daß der König mich nicht entlassen und daß ich eben so wenig freiwillig abtreten werde. Ich kenne ihn und er kennt mich; ich fürchte Niemanden.« Der Franzos antwortete hierauf, er sei außerordentlich erfreut, dies zu hören, und der einzige Beweggrund seiner Einmischung in die Sache sei die aufrichtige Besorgniß um das Wohl und das Ansehen seines vortrefflichen Freundes des Schatzmeisters. So trennten sich die beiden Staatsmänner, und jeder schmeichelte sich, den andren dupirt zu haben.[198]

Inzwischen hatte sich trotz der dringend anempfohlenen Geheimhaltung dennoch in ganz London die Nachricht verbreitet, der Lordschatzmeister habe eingewilligt, sich in den papistischen Glaubenslehren unterrichten zu lassen. Man hatte Patrick und Jane durch die verborgene Thür, welche in Chiffinch's Gemächer führte, in den Palast gehen sehen und einige römisch-katholische Höflinge hatten aus Indiscretion oder mit Absicht Alles was sie wußten und noch mehr als das erzählt. Die anglikanischen Tories sahen mit ängstlicher Spannung ausführlicheren Nachrichten entgegen. Schon der Gedanke war ihnen schmerzlich, daß ihr Oberhaupt sich nur gestellt haben könnte, als sei er in seiner Überzeugung schwankend geworden; daß er sich aber bis zum Renegaten erniedrigen werde, konnten sie nicht glauben. Gepeinigt von seinen heftigen Leidenschaften und seinen niedrigen Begierden, geängstigt durch den Tadel des Publikums und durch Barillon's Andeutungen, voll Furcht sein Ansehen und seinen Posten zu verlieren, eilte der unglückliche Minister wieder in das königliche Kabinet. Er war entschlossen, seine Stelle durch jede Schlechtigkeit zu behaupten, eine einzige ausgenommen. Er wollte vorgeben, er sei in seiner religiösen Überzeugung wankend geworden und sei ein halber Konvertit, er wollte seine kräftige Unterstützung der Politik, der er bisher opponirt hatte, versprechen; würde er aber aufs Äußerste getrieben, so wollte er sich weigern, seinen Glauben zu wechseln. Er sagte daher zuerst dem Könige, daß die Angelegenheit, für welche Seine Majestät sich so lebhaft interessire, keineswegs ruhe, daß Jane und Giffard eben damit beschäftigt seien, über die zwischen den beiden Kirchen streitigen Punkte Bücher zu Rathe zu ziehen, und daß nach Beendigung dieser Nachforschung eine zweite Conferenz wünschenswerth sein werde. Dann beklagte er sich bitter darüber, daß die ganze Stadt bereits wisse, was doch sorgfältig hätte verschwiegen werden sollen, und daß einige Personen, die in Folge ihrer Stellung gut unterrichtet sein könnten, sonderbare Dinge in Bezug auf die Absichten des Königs erzählten. »Man flüstert einander zu,« sagte er, »daß, wenn ich nicht thäte, was Eure Majestät von mir verlangt, ich nicht länger in meiner gegenwärtigen Stellung bleiben dürfte.« Der König erwiederte mit einigen freundschaftlichen Gemeinplätzen, daß man den Leuten nicht wehren könne zu reden, daß man aber solch' leeres Geschwätz nicht beachten dürfe. Diese hohlen Phrasen waren nicht geeignet, das ängstliche Gemüth des Ministers zu beruhigen. Er gerieth in eine heftige Aufregung und begann seine Stelle zu vertheidigen, als ob sein Leben davon abgehangen hätte. »Eure Majestät sieht, daß ich Alles, was in meiner Macht steht, thue, Ihnen zu gehorchen. Ich will in der That Alles thun, was ich kann, um Ihnen in Allem gehorsam zu sein, ich will Ihnen dienen, ganz nach Ihrem Sinne. Ja,« rief er in einem verzweifelten Ausbruche von niedriger Feigheit, »ich will mich sogar bemühen, zu glauben, was Sie wünschen. Aber nur das sagen Sie mir nicht, daß ich Alles verlieren muß, wenn ich mich bei dem Versuche, meine Ansicht zu ändern, überzeuge, daß mir dies unmöglich ist. Denn ich muß Eurer Majestät offen sagen, daß hierbei noch andere Rücksichten obwalten.« -- »So, so. Sie müssen also?« versetzte der König mit einem Fluche, denn ein einziges freimüthiges und männliches Wort, das inmitten dieser kriechenden Demuthversicherungen entschlüpft war, reichte hin, um seinen Zorn zu reizen. »Ich hoffe, Sire,« entgegnete der arme Rochester, »daß ich Sie nicht beleidigt habe. Eure Majestät würde sicherlich keine gute Meinung von mir haben, wenn ich nicht so gesprochen hätte.« Der König beherrschte sich, versicherte daß er sich nicht beleidigt fühle und rieth dem Schatzmeister, unbekümmert um müßiges Gerede wieder mit Jane und Giffard zu conferiren.[199]

[Anmerkung 196: Barillon, 13.(23.) Sept. 1686; Bonrepaux, 4. Juni 1687.]

[Anmerkung 197: Barillon, 2.(12.) Dec. 1686; +Burnet I. 684+; +Clarke's Life of James the Second, II. 100+; +Dodd's Church History+. Ich habe es versucht aus diesen einander widersprechenden Materialien eine möglichst richtige Erzählung zu entwerfen. Aus Rochester's eigenen Papieren scheint mir klar hervorzugehen, daß er bei dieser Gelegenheit keineswegs so starrsinnig war, als er von Burnet und dem Biographen Jakob's dargestellt wird.]

[Anmerkung 198: Aus +Rochester's Minutes, d. d. 3. Dec. 1686.+]

[Anmerkung 199: Aus +Rochester's Minutes, d. d. 4. Dec. 1686.+]