Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe

Chapter 3

Chapter 33,362 wordsPublic domain

[_Unverständiges Benehmen der schottischen Flüchtlinge._] Doch von allen Mißhelligkeiten, welche die kleine Schaar der Geächteten entzweiten, war die ernsthafteste das Zerwürfniß, welches zwischen Argyle und einem Theile seiner eigenen Begleiter ausbrach. Durch den lang andauernden Widerstand gegen die Tyrannei war der Geist und das Gemüth einiger der schottischen Verbannten in einen Zustand krankhafter Gereiztheit versetzt worden, der ihnen auch die vernünftigste und nothwendigste Beschränkung unerträglich machte. Sie wußten, daß sie ohne Argyle nichts vermochten. Aber sie hätten auch wissen sollen, daß sie, wenn sie nicht kopfüber ins Verderben stürzen wollten, entweder ihren Führer volles Vertrauen schenken, oder jedem Gedanken an ein militairisches Unternehmen entsagen mußten. Die Erfahrung hat zur Genüge bewiesen, daß im Kriege jede Operation, von der größten bis zur kleinsten, unter der unumschränkten Leitung Eines Geistes stehen und daß jeder ihm Untergeordnete in seiner Stellung blindlings und willig, ja sogar solchen Befehlen anscheinend freudig gehorchen muß, die er nicht gutheißen kann oder deren Beweggründe vor ihm geheimgehalten werden. Repräsentative Versammlungen, öffentliche Discussionen und alle die anderen Hemmungsmittel, durch welche die Herrscher in bürgerlichen Angelegenheiten am Mißbrauch der Gewalt verhindert werden, sind in einem Feldlager nicht angewandt. Macchiavell schrieb viele von den Unfällen, welche Venedig und Florenz trafen, mit Recht der eifersüchtigen Einmischung dieser Republiken in alle Schritte ihrer Generäle zu.[19] Die holländische Sitte, zu einer Armee Abgeordnete zu senden, ohne deren Einwilligung kein entscheidender Schlag geführt werden durfte, war fast eben so verderblich. Allerdings ist es keineswegs ausgemacht, daß ein Anführer, der im Augenblicke der Gefahr mit dictatorischer Gewalt bekleidet worden ist, diese Gewalt nach errungenem Siege ruhig wieder niederlegt, und dies ist einer von den zahlreichen Gründen, warum die Menschen so lange als möglich zögern sollten, ehe sie sich entschließen, die öffentliche Freiheit mit dem Schwerte zu vertheidigen. Haben sie sich aber einmal entschlossen, das Kriegsglück zu versuchen, dann werden sie auch, wenn sie klug sind, ihrem Führer die unumschränkte Gewalt übertragen, ohne welche ein Krieg nicht gut geführt werden kann. Möglich daß er sich, nachdem sie ihm diese Gewalt anvertraut haben, als ein Cromwell oder ein Napoleon erweist; aber es ist so gut als gewiß, daß, wenn sie ihm seine Autorität vorenthalten, ihre Unternehmungen enden werden, wie die Unternehmung Argyle's endete.

Einige von den schottischen Emigranten boten, erhitzt von republikanischer Begeisterung, und des zur Führung großer Angelegenheiten erforderlichen Geschicks gänzlich bar, ihre ganze Thätigkeit und ihren ganzen Scharfsinn auf, nicht um Mittel zu dem Angriffe zu sammeln, den sie gegen einen furchtbaren Feind beabsichtigten, sondern um Beschränkungen der Macht ihres Führers und Bürgschaften gegen seinen Ehrgeiz zu ersinnen. Die selbstgefällige Beschränktheit, mit der sie darauf beharrten, eine Armee so zu organisiren, wie eine Republik, würde unglaublich erscheinen, wäre sie nicht von einem der Ihrigen selbst offen und sogar rühmend geschildert worden.[20]

[Anmerkung 19: +Discorsi sopra la prima Deca di Tito Livio, lib. II. cap. 33.+]

[Anmerkung 20: Siehe +Sir Patrick Hume's Narrative+ an d. betr. Stellen.]

[_Anstalten zu einem Unternehmen gegen England und Schottland._] Endlich wurde aller Zwist geschlichtet und beschlossen, daß unverweilt ein Angriff auf die Westküste Schottlands versucht werden und daß demselben eine Landung in England auf dem Fuße folgen sollte.

Argyle sollte in Schottland nominell das Commando führen, wurde aber der Controle eines Ausschusses untergeordnet, der sich die Anordnung der wichtigsten militairischen Maßregeln vorbehielt. Dieser Ausschuß war ermächtigt zu entscheiden, wo die Expedition landen sollte, Offiziere zu ernennen, die Oberaufsicht über die Truppenaushebungen zu führen und Proviant und Munition zu vertheilen. Dem General blieb somit weiter nichts überlassen als die Leitung der eigentlichen Kriegsoperationen im Felde, und er mußte versprechen, daß er selbst im Felde, außer bei unerwarteten Überfällen, nichts ohne die Zustimmung eines Kriegsrathes thun werde.

Monmouth sollte in England commandiren. Sein weiches Gemüth hatte, wie gewöhnlich, Eindrücke von der ihn umgebenden Gesellschaft angenommen. Ehrgeizige Hoffnungen, welche anscheinend erloschen gewesen waren, regten sich aufs neue in seiner Brust. Er erinnerte sich der Liebe, mit der er jederzeit in Stadt und Land von dem Volke begrüßt worden war, und er erwartete, daß sie sich zu Hunderttausenden erheben würden, um ihn willkommen zu heißen. Er gedachte der Zuneigung, welche die Soldaten stets für ihn gehegt hatten, und schmeichelte sich mit der Hoffnung, daß sie regimenterweise zu ihm übergehen würden. Ermuthigende Zuschriften kamen ihm in rascher Aufeinanderfolge von London zu. Man versicherte ihm, daß die Gewaltthätigkeit und Ungerechtigkeit, mit der bei den letzten Wahlen verfahren worden war, die Nation empört, daß nur die Besonnenheit der Whighäupter mit Mühe einen blutigen Aufstand am Krönungstage verhindert habe und daß alle die vornehmen Lords, welche die Ausschließungsbill unterstützt, es kaum erwarten könnten, sich um ihn zu schaaren. Wildman, der gern in Gleichnissen Verrath predigte, ließ ihm sagen, daß gerade vor zweihundert Jahren der Earl von Richmond mit einer Handvoll Leuten in England gelandet und wenige Tage später auf dem Felde von Bosworth mit dem von Richard's Haupte genommenem Diademe gekrönt worden sei. Danvers unternahm es, die City aufzuwiegeln. Man machte den Herzog glauben, daß sobald er sein Banner aufgepflanzt, Bedfordshire, Buckinghamshire, Hampshire und Cheshire zu den Waffen greifen würden.[21] In Folge dessen konnte er es nicht erwarten, das Unternehmen zu beginnen, vor dem er noch wenige Wochen vorher zurückgeschreckt war. Seine Landsleute legten ihm keine so unsinnigen Beschränkungen auf, wie die schottischen Emigranten sie ausgeklügelt hatten, man verlangte nichts weiter von ihm als das Versprechen, daß er den Königstitel nicht eher annehmen wolle, als bis seine Ansprüche dem Urtheile eines freien Parlaments unterbreitet worden seien.

Es ward beschlossen, daß zwei Engländer, Ayloffe und Rumbold, den Earl von Argyle nach Schottland begleiten und daß Fletcher mit Monmouth nach England gehen solle. Fletcher hatte dem Unternehmen von vornherein einen unglücklichen Ausgang prophezeit, aber sein ritterlicher Sinn gestattete ihm nicht, ein Wagstück abzulehnen, nach welchem seine Freunde begierig zu verlangen schienen. Als Grey die Äußerungen Wildman's in Bezug auf Richmond und Richard beistimmend wiederholte, bemerkte der wohlbelesene und denkende Schotte sehr richtig, es sei ein großer Unterschied zwischen dem fünfzehnten und dem siebzehnten Jahrhundert. Richmond war des Beistandes von Baronen gewiß, deren Jeder ein Heer von Lehnsleuten ins Feld stellen konnte, und Richard hatte nicht ein einziges Regiment regulärer Soldaten.[22]

Es gelang den Verbannten, theils aus eigenen Mitteln, theils durch Beiträge von Freunden in Holland eine für beide Expeditionen genügende Summe aufzubringen. Von London erhielten sie nur sehr wenig. Sie hatten von dort sechstausend Pfund erwartet; anstatt des Geldes aber kamen Entschuldigungen von Wildman, welche Allen, die nicht blind sein _wollten_, die Augen hätten öffnen sollen. Der Herzog deckte den Ausfall, indem er seine eigenen Juwelen und die der Lady Wentworth verpfändete. Es wurden Waffen, Munition und Proviant gekauft und mehrere in Amsterdam liegende Schiffe damit befrachtet [23].

[Anmerkung 21: +Grey's Narrative+; +Wade's Confession, Harl. MS. 6845.+]

[Anmerkung 22: +Burnet, I. 631.+]

[Anmerkung 23: +Grey's Narrative.+]

[_Johann Locke._] Es ist merkwürdig, daß gerade der ausgezeichnetste und am gröblichsten beleidigte Mann unter den britischen Verbannten sich von allen diesen übereilten Beschlüssen fern hielt. Johann Locke haßte Tyrannei und Verfolgung als Philosoph, aber sein Verstand und sein Character bewahrten ihn vor der Heftigkeit eines Parteigänger. Er hatte mit Shaftesbury auf vertrautem Fuße gestanden und sich dadurch das Mißfallen des Hofes zugezogen. Locke war jedoch so klug und vorsichtig gewesen, daß es wenig genützt haben würde, wenn man ihn vor die damaligen Gerichte gestellt hätte, so verderbt und parteiisch diese auch waren. Nur in einem Punkte war er verwundbar. Er war Mitglied des Christchurch-Collegiums der Universität Oxford. Es ward beschlossen, von diesem berühmten Collegium den größten Mann zu vertreiben, dessen es sich je zu rühmen gehabt hatte. Dies war aber nicht leicht, denn Locke hatte sich in Oxford sorgfältig gehütet, irgendeine Meinung über die Tagespolitik zu äußern. Man hatte ihn mit Spionen umgeben. Doctoren der Theologie und Magister der Philosophie hatten sich nicht geschämt, den schimpflichsten aller Dienste zu leisten, den Mund eines Collegen zu bewachen, um etwaige Äußerungen zu seinem Verderben zu hinterbringen. Das Gespräch in der Halle war absichtlich auf verfängliche Themata gelenkt worden, wie auf die Ausschließungsbill und auf den Character des Earl von Shaftesbury, aber vergebens. Locke ließ sich weder ein unbesonnenes Wort entschlüpfen, noch verstellte er sich, sondern er beobachtete ein so beharrliches Schweigen und eine so gleichgültige Ruhe, daß die Werkzeuge der Gewalt zu ihrem Ärger gestehen mußten, nie habe ein Mann es verstanden, seine Zunge und seine Leidenschaften so vollkommen zu beherrschen. Als man sah, daß man mit Verrath nichts ausrichtete, brauchte man willkürliche Gewalt. Nachdem die Regierung es umsonst versucht hatte, Locke zu einem Fehler zu verleiten, beschloß sie, ihn ohne einen solchen zu bestrafen. Es kam Befehl von Whitehall, ihn seines Amtes zu entsetzen, und der Dechant und die Canonici beeilten sich, diesem Befehle nachzukommen.

Locke reiste zu seiner Erholung auf dem Continent, als er erfuhr, daß er ohne Untersuchung und selbst ohne Benachrichtigung seiner Heimath und seines Unterhalts beraubt worden sei. Die Ungerechtigkeit, mit der man gegen ihn verfahren war, würde es entschuldigt haben, wenn er zu gewaltsamen Mitteln gegriffen hätte, um sich Recht zu verschaffen. Aber persönlicher Groll konnte ihn nicht verblenden. Er erwartete nichts Gutes von den Plänen Derer, die sich in Amsterdam versammelt hatten, und er zog daher in aller Stille nach Utrecht, wo er sich mit der Abfassung seines berühmten Briefes über die Toleranz beschäftigte, während seine Unglücksgefährten auf ihr eignes Verderben hinarbeiteten[24].

[Anmerkung 24: +Le Clerc's Life of Locke+; +Lord King's Life of Locke+; +Lord Grenville's Oxford and Locke.+ Locke darf nicht mit dem Anabaptisten Nikolaus Look verwechselt werden, dessen Name in +Grey's Confession+ Locke geschrieben ist und der auch in den +Lansdowne MS. 1152+, sowie in der Erzählung von Buccleuch im Anhange zu Rose's Abhandlung erwähnt wird. Ich würde es kaum für nöthig gehalten haben, hierauf aufmerksam zu machen, hätte nicht die Ähnlichkeit dieser beiden Namen einen mit der Geschichte jener Zeiten so wohlbekannten Mann wie Präsident Onslow irre geführt. Siehe seine Anmerkung über Burnet +I. 629.+]

[_Vorkehrungen der Regierung zur Vertheidigung Schottlands._] Die englische Regierung erhielt in Zeiten Kunde davon, daß unter den Verbannten etwas im Werke war. Einen Einfall in England scheint man jedoch zuerst nicht erwartet zu haben; wohl aber fürchtete man, daß Argyle nächstens bewaffnet unter seinen Clansmännern erscheinen werde. In Folge dessen erschien eine Verordnung des Inhalts, daß Schottland in Vertheidigungszustand gesetzt werden solle. Die Miliz erhielt Befehl, sich bereit zu halten. Alle dem Namen Campbell feindlich gesinnten Clans wurden in Bewegung gesetzt. John Murray, Marquis von Athol, wurde zum Lordlieutenant von Argyleshire ernannt und er besetzte mit einer starken Abtheilung seiner Untergebenen das Schloß von Inverary. Einige verdächtige Personen wurden eingezogen, andere mußten Bürgschaft leisten. Kriegsschiffe wurden abgesandt, um in der Nähe der Insel Bute zu kreuzen, und ein Theil der irländischen Arme wurde nach der Küste von Ulster dirigirt.[25]

[Anmerkung 25: +Wodrow, book III. chap. IX.+; +London Gazette, May 11, 1685+; +Barillon, 11.(21.) Mai.+]

[_Unterredung Jakob's mit den holländischen Gesandten._] Während diese Vorkehrungen in Schottland getroffen wurden, berief Jakob den Arnold Van Citters, der lange als Gesandter der Vereinigten Provinzen in England zugebracht, und Everard Van Dykvelt, der nach Karl's Tode in einer besonderen Mission zur Beileidsbezeigung und Beglückwünschung von den Generalstaaten nach London geschickt worden war, in sein Kabinet. Der König sagte ihnen, daß er aus sicheren Quellen Kenntniß von Anschlägen gegen seinen Thron erhalten, welche seine verbannten Unterthanen in Holland schmiedeten. Einige von den Verbannten seien Kehlabschneider, welche nur die besondere Fügung Gottes verhindert habe, einen schändlichen Mord zu begehen, und es befinde sich unter ihnen der Eigenthümer des Ortes, an dem das Gemetzel habe vor sich gehen sollen. »Von allen Lebenden,« setzte der König hinzu, »hat Argyle die größten Mittel in den Händen, mir zu schaden, und Holland ist dasjenige Land, von welchem aus am leichtesten ein Schlag gegen mich geführt werden kann.« Citters und Van Dykvelt versicherten Seiner Majestät, daß seine Worte der Regierung, die sie vertraten, unverzüglich mitgeteilt werden sollten, und daß zuversichtlich Alles gethan werden würde, um ihn zufrieden zu stellen.[26]

[Anmerkung 26: +Register of the Proceedings of the States General, May 5.(15.) 1685.+]

[_Vergebliche Versuche, Argyle am Absegeln zu verhindern._] Die Gesandten waren berechtigt, dieses Vertrauen auszusprechen. Der Prinz von Oranien sowohl als die Generalstaaten wünschten damals sehnlichst, daß ihre Gastfreundschaft nicht zu Zwecken gemißbraucht werde, über welche die englische Regierung sich mit Recht beschweren könnte. Jakob hatte neuerdings eine Sprache geführt, welche der Hoffnung Raum gab, daß er sich nicht geduldig dem Einflusse Frankreichs unterwerfen werde. Es war daher wahrscheinlich, daß er sich zu einem engen Bündnisse mit den Vereinigten Provinzen und mit dem Hause Österreich bestimmen lassen werde, und man vermied deshalb im Haag mit ängstlicher Sorgfalt Alles, was irgend Anstoß bei ihm erregen konnte. Auch vereinigte sich bei dieser Gelegenheit Wilhelm's eigenes Interesse mit dem Interesse seines Schwiegervaters.

Aber die Lage war von der Art, daß sie rasches und kräftiges Einschreiten erforderte, und die Natur der batavischen Institutionen machte ein solches Einschreiten fast unmöglich. Die Union von Utrecht, welche unter blutigen Revolutionskämpfen und zu dem Zwecke, den dringendsten Bedürfnissen zu genügen, flüchtig entworfen worden, war niemals in ruhiger Zeit sorgfältig revidirt und vervollständigt worden. Jede von den sieben Republiken, weiche diese Union mit einander verbunden hatte, besaß fast noch alle Souverainetätsrechte und behauptete diese Rechte beharrlich der Centralregierung gegenüber. Gleichwie die Bundesgewalt nicht die Mittel hatte, die Provinzialgewalten zu pünktlichem Gehorsam zu zwingen, so hatten auch diese nicht die Mittel, die Municipalbehörden zu pünktlichem Gehorsam zu zwingen. Holland allein enthielt achtzehn Städte, von denen jede in vieler Beziehung einen unabhängigen und keine Einmischung von Außen duldenden Staat bildete. Wenn die Behörden dieser Städte vom Haag einen Befehl erhielten, der ihnen nicht gefiel, so ignorirten sie denselben entweder ganz, oder kamen ihm doch nur langsam und zögernd nach. Bei einigen Stadträthen vermochte allerdings der Wille des Prinzen von Oranien Alles; unglücklicherweise aber war der Ort, wo sich die britischen Verbannten gesammelt hatten und wo ihre Schiffe ausgerüstet worden waren, das reiche und stark bevölkerte Amsterdam, und die Magistratsbeamten von Amsterdam waren die Oberhäupter der gegen die Bundesregierung und gegen das Haus Nassau feindlich gesinnten Partei. Die Marineverwaltung der Vereinigten Provinzen war in den Händen fünf verschiedener Admiralitätsbehörden; eine dieser Behörden hatte ihren Sitz in Amsterdam, wurde theilweis von der städtischen Behörde ernannt und scheint ganz von deren Geiste beseelt gewesen zu sein.

Alle Bemühungen der Bundesregierung, Jakob's Wünsche zu erfüllen, wurden durch die Ausflüchte der Amsterdamer Beamten und durch die Fehlgriffe des Obersten Bevil Skelton, der eben als Gesandter Englands im Haag angekommen war, vereitelt. Skelton war zur Zeit der englischen Unruhen in Holland geboren und man hatte ihn daher als besonders geeignet für diesen Posten gehalten[27]; allein er war weder für diese noch für irgend eine andre diplomatische Stellung befähigt. Leute, die einen Character gut zu beurtheilen verstanden, erklärten ihn für den seichtesten, unbeständigsten, leidenschaftlichsten, anmaßendsten und geschwätzigsten Menschen, den es geben könne[28]. Er kümmerte sich nicht ernstlich um die Schritte der Flüchtlinge, als bis drei für die Expedition nach Schottland ausgerüstete Schiffe bereits glücklich aus der Zuydersee ausgelaufen, sämmtliche Waffen, Munition und Mundvorräthe an Bord gebracht waren und die Passagiere sich eingeschifft hatten. Anstatt sich nun, wie er hätte thun sollen, an die Generalstaaten zu wenden, welche dicht neben seiner Wohnung ihre Sitzungen hielten, schickte er einen Boten an den Magistrat von Amsterdam mit dem Ersuchen, die verdächtigen Schiffe nicht abfahren zu lassen. Der Magistrat von Amsterdam antwortete, daß der Eingang der Zuydersee außer dem Bereiche seiner Jurisdiction liege, und verwies ihn an die Bundesregierung. Es lag auf der Hand, daß dies eine bloße Ausflucht war und daß durchaus keine Schwierigkeiten gemacht worden wären, wenn man im Amsterdamer Stadthause den ernsten Willen gehabt hätte, Argyle am Absegeln zu verhindern. Jetzt wendete sich Skelton an die Generalstaaten. Sie zeigten sich vollkommen geneigt, seinem Ansuchen zu willfahren, und da die Zeit drängte, wichen sie von dem Verfahren ab, das sie sonst in ihrem Geschäftsgange zu beobachten pflegten. Noch denselben Tag, an welchem der Oberst sich an sie gewendet, wurde ein in genauer Übereinstimmung mit seinem Gesuch abgefaßter Befehl der Admiralität von Amsterdam zugefertigt. In diesem Befehle aber war in Folge unrichtiger Andeutungen von Seiten Skelton's die Lage der Schiffe nicht genau bezeichnet. Es hieß darin, sie lägen im Texel, während sie sich bei Vlieland befanden. Die Admiralität von Amsterdam nahm diesen Fehler zum Vorwand, um nichts zu thun, und bevor er berichtigt werden konnte, waren die drei Schiffe abgesegelt.[29]

[Anmerkung 27: Dies wird in seinem Beglaubigungsschreiben vom 16. März 1684/85 erwähnt.]

[Anmerkung 28: Bonrepeaux an Seignelay vom 4.(14.) Febr. 1686.]

[Anmerkung 29: +Avaux Neg. April 30. (May 10.), May 1.(11.), May 5.(15.) 1685+; +Sir Patrick Hume's Narrative+; Brief von der Admiralität von Amsterdam an die Generalstaaten vom 20. Juni 1685; Memorial Skelton's an die Generalstaaten vom 10. Mai 1685.]

[_Argyle's Abreise von Holland._] Die letzten Stunden, welche Argyle an der Küste Hollands zubrachte, waren Stunden der größten Angst. In seiner Nähe lag ein holländisches Kriegsschiff, das mit einer vollen Lage in einem Augenblicke die ganze Expedition zu Schanden gemacht haben würde. Auch ruderte ein Boot um seine kleine Flotte herum, in welchem sich einige Personen mit Fernröhren befanden, die er für Spione hielt. Es wurde jedoch kein wirklicher Schritt gethan, um ihn zurückzuhalten, und am Nachmittage des 2. Mai ging er mit günstigem Winde unter Segel.

Die Fahrt war glücklich. Am Sechsten bekam man die Orkneyinseln in Sicht. Argyle ging sehr unklugerweise auf der Höhe von Kirkwall vor Anker und gestattete zwei von seinen Begleitern, hier ans Land zu gehen. Der Bischof gab Befehl, sie festzunehmen. Die Flüchtlinge begannen eine lange und lebhafte Debatte über diesen Unfall, denn zu Debatten fehlte es ihnen vom Anfang bis zum Ende der Expedition nie an Energie und Ausdauer, so zaghaft und unschlüssig sie im Übrigen waren. Einige stimmten für einen Angriff auf Kirkwall, Andere für unverweilte Fortsetzung der Reise nach Argyleshire. Endlich ließ der Earl einige an der Küste der Insel wohnende Gentlemen festnehmen und schlug dann dem Bischofe die Auswechselung der Gefangenen vor. Der Bischof gab keine Antwort und die Flotte segelte wieder ab, nachdem sie drei Tage verloren hatte.

[_Argyle landet in Schottland._] Diese Verzögerung war höchst gefährlich. Es wurde sehr bald in Edinburg bekannt, daß das Geschwader der Aufrührer die Orkneyinseln berührt hatte, und man setzte daher schleunigst Truppen in Bewegung. Als der Earl seine Provinz erreichte, fand er, daß Vorkehrungen getroffen waren, um seine Landung zu verhindern. Bei Dunstaffnage schickte er seinen zweiten Sohn Karl ans Land, um die Campbells zu den Waffen zu rufen. Karl aber kam mit schlimmen Nachrichten zurück. Die Hirten und Fischer waren wohl bereit, sich um Mac Callum More zu schaaren, aber von den Häuptlingen der Clans waren einige gefänglich eingezogen, andere waren geflohen, und die Zurückgebliebenen hielten es entweder mit der Regierung oder wollten doch von einem Aufstande nichts wissen und weigerten sich sogar, den Sohn ihres Stammoberhauptes nur vor sich zu lassen. Von Dunstaffnage segelte die kleine Flotte weiter nach Campbelltown, unweit der Südspitze der Halbinsel Kintyre. Hier veröffentlichte der Earl ein Manifest, das in Holland unter der Leitung des Ausschusses von einem schottischen Advokaten, Jakob Stewart, abgefaßt war, dessen Feder wenige Monate darauf zu ganz anderen Dingen verwendet wurde. In diesem Erlasse waren in einer Sprache, deren starke Ausdrücke zuweilen an possenhafte Gemeinheit grenzten, viele wahre und einige eingebildete Beschwerden auseinandergesetzt. Unter Andrem war darin angedeutet, der letzte König sei an Gift gestorben. Für einen Hauptzweck der Expedition wurde die völlige Unterdrückung nicht nur des Papismus, sondern auch des Prälatenthums erklärt, welches die bitterste Wurzel und Frucht des Papismus genannt war, und alle guten Schotten wurden ermahnt, der Sache ihres Vaterlandes und ihres Gottes tapfren Beistand zu leihen. So eifrig Argyle auch für das, was er den reinen Glauben nannte, eingenommen war, scheute er sich doch nicht, einen halb papistischen, halb heidnischen Gebrauch in Anwendung zu bringen. Das geheimnißvolle Kreuz von Eibenholz, das zuerst angezündet und dann in Ziegenblut gelöscht wurde, ward ausgeschickt, um alle Campbells vom sechzehnten bis zum sechzigsten Jahre aufzurufen. Die Landenge von Tarbet war zum Sammelplatz bestimmt. Die Truppe, die sich dort sammelte, war zwar klein im Vergleich zu der, welche zusammengekommen sein würde, wenn der Muth und die Kraft der Clans noch ungebrochen gewesen wäre, doch war sie noch immer achtunggebietend. Sie erreichte die Zahl von achtzehnhundert Mann. Argyle theilte seine Bergschotten in drei Regimenter und schritt zur Ernennung der Offiziere.