Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe

Chapter 27

Chapter 273,359 wordsPublic domain

[_Begünstigung der katholischen Religion in Schottland._] Es erschienen königliche Erlasse, welche die Papisten ermächtigten, Ämter zu bekleiden, ohne den Testeid zu leisten, und die Geistlichkeit erhielt strengen Befehl, sich in ihren Predigten aller Reflexionen über den römisch-katholischen Glauben zu enthalten. Der Kanzler nahm es auf sich, zu den wenigen Buchdruckern und Buchhändlern, die sich damals in Edinburg befanden, die Diener des Geheimen Raths mit dem Befehle zu senden, kein Werk ohne seine Genehmigung zu veröffentlichen. Man wußte sehr wohl, daß dieser Befehl bezweckte, die Verbreitung protestantischer Schriften zu verhindern. Ein achtbarer Buchhändler sagte den Boten, daß er in seinem Laden ein Buch habe, das sich in sehr harten Worten über den Papismus äußere, und fragte, ob er es verkaufen dürfe. Sie verlangten es zu sehen, und er zeigte ihnen eine Bibel.[128] Eine ganze Schiffsladung Heiligenbilder, Rosenkränze, Kreuze und Rauchfässer langten unter der Adresse des Lord Perth in Leith an. Die Einfuhr solcher Artikel war seit geraumer Zeit verboten gewesen; jetzt aber ließen die Zollbeamten diese Zierrathen und Geschirre des Aberglaubens passiren.[129]

[Anmerkung 128: Fountainhall, 28. Jan. 1685/86.]

[Anmerkung 129: +Ibid. 11. Jan. 1685/86.+]

[_Aufstände in Edinburg._] Bald darauf erfuhr man, daß im Hause des Kanzlers eine papistische Kapelle eingerichtet worden war und daß regelmäßig Messe darin gelesen wurde. Der Pöbel stand auf und griff das Gebäude an, in welchem der Götzendienst gefeiert ward. Die eisernen Fenstergitter wurden herausgerissen und Lady Perth nebst einigen Freundinnen wurden mit Koth beworfen. Einer der Ruhestörer wurde ergriffen und der Geheime Rath befahl, ihn auspeitschen zu lassen. Seine Kameraden aber befreiten ihn und prügelten den Henker. Die Stadt war die ganze Nacht in Aufruhr. Die Studenten der Universität mischten sich unter den Haufen und reizten ihn zum Tumult auf. Eifrige Bürger tranken auf die Gesundheit der studirenden Jugend und auf den Untergang der Papisten und ermuthigten einander zum Widerstand gegen die Truppen. Diese standen bereits unter den Waffen. Unter ihnen zeichnete sich besonders aus das Dragonerregiment Claverhouse's, der Schrecken und Abscheu von ganz Schottland. Sie wurden mit einem Steinhagel empfangen, der einen Offizier verwundete. Alsbald erfolgte der Befehl zum Feuern, und es fielen mehrere Bürger. Der Aufruhr war ernst; aber die von Rachsucht und Ehrgeiz entflammten Gebrüder Drummond schilderten ihn maßlos übertrieben. Queensberry bemerkte, daß ihre Berichte einen Jeden, der nicht Augenzeuge gewesen war, zu dem Glauben bringen mußten, es habe in Edinburg ein eben so furchtbarer Aufstand wie der des Masaniello gewüthet. Sie dagegen beschuldigten ihn nicht nur, daß er das Verbrechen der Aufrührer zu gering anschlage, sondern sogar, daß er es gefördert habe, und boten Alles auf, um einen Beweis für seine Schuld zu erlangen. Einem der verhafteten Rädelsführer wurde seine Begnadigung angeboten, wenn er gestehen wolle, daß Queensberry ihn aufgehetzt habe; aber die nämliche religiöse Begeisterung, welche den unglücklichen Gefangenen zu verbrecherischer Gewaltthat getrieben, hielt ihn ab, sein Leben durch eine Verleumdung zu erkaufen. Er und mehrere seiner Mitschuldigen wurden gehängt. Ein Soldat, der während des Kampfes ausgerufen haben sollte, er möchte sein Schwert lieber einem Papisten durch den Leib stoßen, wurde erschossen. So war die Ruhe in Edinburg wieder hergestellt, aber die Verurtheilten wurden als Märtyrer betrachtet und der papistische Kanzler wurde der Gegenstand eines tödtlichen Hasses, der in nicht langer Zeit reichliche Befriedigung finden sollte.[130]

[Anmerkung 130: Fountainhall, 31. Jan. u. 1. Feb. 1685/86; +Burnet, I. 678+; Prozesse David Mowbray's und Alexander Keith's in der +Collection of State Trials+; Bonrepaux, 11.(21.) Feb.]

[_Zorn des Königs._] Der König war höchlich entrüstet. Er erhielt die Nachricht von dem Aufstande in dem Augenblicke, als es der Königin mit Hülfe der Jesuiten eben gelungen war, über Lady Dorchester und ihre protestantischen Verbündeten zu triumphiren. Er sagte, die Unzufriedenen sollten erfahren, daß die Auflehnung gegen seinen Willen keine andre Wirkung habe, als ihn noch entschlossener zu machen.[131] Er sandte an den schottischen Geheimen Rath den Befehl, die Schuldigen mit der äußersten Strenge zu bestrafen und mit der Anwendung des spanischen Stiefels nicht sparsam zu sein.[132] Er stellte sich als ob er von der Unschuld des Schatzmeisters vollkommen überzeugt sei und schrieb einen sehr freundlichen Brief an ihn; aber die freundlichen Worte waren von unfreundlichen Handlungen begleitet. Die Verwaltung des schottischen Schatzamts wurde trotz der ernsten Gegenvorstellungen Rochester's, der das Schicksal seines Verwandten wahrscheinlich für einen Vorläufer seines eignen hielt, einer Commission übertragen.[133] Allerdings wurde Queensberry zum ersten Commissar und zum Präsidenten des Geheimen Raths ernannt, aber sein Fall blieb trotz dieses lindernden Balsams immer ein Fall. Auch wurde er seines Postens als Commandant des Schlosses von Edinburg enthoben und sein Nachfolger in diesem Vertrauensposten war der Herzog von Gordon, ein römischer Katholik.[134]

[Anmerkung 131: Ludwig an Barillon, 18.(28.) Febr. 1686.]

[Anmerkung 132: Fountainhall, 16. Feb.; +Wodrow, III. X. 3.+ »Wir verlangen,« geruhten Seine Majestät zu schreiben, »daß Sie kein gesetzliches Verhörmittel, wie Folter und andere, sparen.«]

[Anmerkung 133: Bonrepaux, 18.(28.) Feb. 1686.]

[Anmerkung 134: Fountainhall, 11. März 1686; Adda, 1.(11.) März.]

[_Seine Pläne in Betreff Schottlands._] Jetzt kam ein Schreiben aus London, welches dem schottischen Geheimen Rathe die Absichten des Königs klar vor Augen legte. Es war sein Wille, daß alle römischen Katholiken von der Wirkung der Gesetze, welche wegen Nichtconformität Strafen und Ausschließungen verhängten, befreit sein und daß dagegen die Verfolgungen gegen die Covenanters ohne Milderung fortgesetzt werden sollten.[135] Dieser Plan stieß im Geheimen Rathe auf kräftigen Widerstand. Einige Mitglieder wollten von einer Lockerung der bestehenden Gesetze nichts wissen. Andere waren zwar einer solchen Lockerung nicht abgeneigt, aber sie sahen doch ein, daß es unerhört sein würde, römische Katholiken zu den höchsten Ehrenämtern zuzulassen und dabei das Gesetz aufrecht zu erhalten, welches den Besuch presbyterianischer Conventikel mit dem Tode bestrafte. Die Antwort des Raths lautete daher nicht so unterwürfig als gewöhnlich. Der König gab in seiner Rückäußerung seinen pflichtvergessenen Räthen einen scharfen Verweis und entbot drei von ihnen, den Herzog von Hamilton, Sir Georg Lockhardt und General Drummond, zu sich nach Westminster.

[Anmerkung 135: Dieser Brief ist vom 4. März 1686.]

[_Eine Deputation schottischer Geheimräthe begiebt sich nach London._] Hamilton's Talente und Kenntnisse waren zwar keineswegs so bedeutend, daß sie einem Unbekannten genügt haben würden, um sich zu einer hohen Stellung emporzuschwingen, erschienen aber immerhin bei einem Manne, der erster Peer von Schottland war, sehr achtungswerth. Lockhardt hatte lange für einen der ersten Juristen, Logiker und Redner gegolten, die sein Vaterland hervorgebracht, und genoß dabei das Ansehen, welches große Besitzungen verleihen, denn er hatte ein so bedeutendes Vermögen, wie es damals nur sehr wenige schottische Edelleute besaßen.[136] Er war unlängst zum Präsidenten des Sessionsgerichtshofes[137] ernannt worden. Drummond, ein jüngerer Bruder Perth's und Melfort's, war Commandant der in Schottland stehenden Truppen. Er war ein leichtfertiger und weltlich gesinnter Mann, aber ein gewisses Ehrgefühl, das seinen beiden Brüdern fehlte, hielt ihn vom öffentlichen Glaubensabfall zurück. Er lebte und starb -- wie einer seiner Landsleute sich sehr bezeichnend ausdrückt -- als ein schlechter Christ, aber als guter Protestant.[138]

Jakob gefiel die ehrerbietige Sprache der drei Räthe, als sie zuerst vor ihm erschienen. Er äußerte sich gegen Barillon sehr günstig über sie und rühmte besonders Lockhardt als den talentvollsten und beredtesten aller lebenden Schotten. Doch bald zeigten sie sich minder gefügig, als man von ihnen erwartet hatte, und es hieß bei Hofe, daß sie durch die Gesellschaft, mit der sie in London verkehrt hatten, verdorben worden seien. Hamilton ging viel mit eifrigen Anhängern der Staatskirche um, und es stand zu befürchten, daß Lockhardt in Folge seiner Verwandtschaft mit der Familie Wharton in noch schlimmere Gesellschaft gerathen sei. Es war in der That wohl natürlich, daß die ernste und beharrliche, aber dabei Maß haltende Unzufriedenheit, welche England durchdrang, auf Staatsmänner, welche eben aus einem Lande kamen, wo die Opposition in andrer Form als in der des Aufruhrs seit langer Zeit fast unbekannt und wo Alles entweder gesetzlose Wuth oder kriechende Unterwürfigkeit war, einen tiefen Eindruck machte und daß sie ermuthigt werden mußten, es mit dem verfassungsmäßigen Widerstande gegen den königlichen Willen zu versuchen. Zwar erklärten sie sich bereit, den römischen Katholiken große Erleichterungen zu gewähren, aber nur unter zwei Bedingungen: erstens daß eine ähnliche Nachsicht auch auf die calvinistischen Sectirer ausgedehnt werde, und zweitens daß sich der König durch ein feierliches Versprechen verpflichte, nichts zum Nachtheile der protestantischen Religion zu unternehmen.

[Anmerkung 136: Barillon, 19.(29.) April 1686; +Burnet, I. 370.+]

[Anmerkung 137: +Court of session+, der höchste schottische Civilgerichtshof, dem englischen +Court of Chancery+ und +Court of Common Pleas+ entsprechend. D. Übers.]

[Anmerkung 138: Die Worte finden sich in einem Briefe von Johnstone an Waristoun.]

[_Ihre Unterhandlungen mit dem Könige._] Beide Bedingungen waren durchaus nicht nach Jakob's Sinne. Nach einem mehrtägigen Streite verstand er sich indessen mit Widerstreben dazu, den Presbyterianern einige Duldung zu gewährleisten; die volle Freiheit aber, die er für Mitglieder seiner Kirche beanspruchte, wollte er ihnen unter keinen Umständen bewilligen.[139] Auf die zweite Bedingung, welche die schottischen Räthe stellten, weigerte er sich entschieden einzugehen. Er sagte, die protestantische Religion sei eine falsche und er könne durchaus nicht versprechen, daß er seine Macht nicht zum Nachtheile einer falschen Religion anwenden werde. Die Unterhandlungen über diesen Punkt dauerten lange und führten zu keinem für irgend eine der beiden Parteien befriedigenden Ergebnisse.[140]

[Anmerkung 139: Einige Worte von Barillon verdienen angeführt zu werden. Sie würden allein schon genügen, um eine Frage zu entscheiden, zu deren Verwirrung Unwissenheit und Parteigeist viel beigetragen haben. +»Cette liberté accordée aux nonconformistes a faite une grande difficulté, et a été débattue pendant plusieurs jours. Le Roy d'Angleterre avoit fort envie que les Catholiques eussent seuls la liberté de l'exercice de leur réligion.«+ 19.(29.) April 1686.]

[Anmerkung 140: Barillon, 19.(29.) April; Citters, 13.(23.), 20.(30.) April u. 9.(19.) Mai.]

[_Zusammentritt der schottischen Stände._] Inzwischen rückte die zum Zusammentritt der schottischen Stände festgesetzte Zeit heran, und die drei Räthe mußten daher London verlassen, um ihren parlamentarischen Pflichten in Edinburg nachzukommen. Bei dieser Gelegenheit erfuhr Queensberry eine neue Kränkung. In der letzten Session hatte er als Lordobercommissar fungirt und als solcher die Majestät des abwesenden Königs vertreten. Diese Würde, die höchste, nach der ein schottischer Edelmann streben konnte, wurde jetzt dem Renegaten Murray übertragen.

[_Sie zeigen sich widerspenstig._] Am 29. April eröffnete das Parlament in Edinburg seine Sitzungen. Es wurde ein Schreiben des Königs verlesen, worin er die Stände ermahnte, seinen römisch-katholischen Unterthanen Erleichterungen zu verschaffen, und ihnen dafür freien Handel mit England und eine Amnestie für politische Vergehen anbot. Es wurde ein Ausschuß ernannt, um die Antwort zu entwerfen. Dieser Ausschuß, obgleich von Murray selbst ernannt und aus Geheimen Räthen und Höflingen zusammengesetzt, entwarf eine Erwiederung, die zwar voll Versicherungen der Pflichttreue und Ehrerbietung war, aber bei alledem unverkennbar den Entschluß verrieth, dem Verlangen des Königs nicht zu entsprechen. Die Stände, hieß es darin, würden, so weit als ihr Gewissen es ihnen gestatte, den Wünschen Seiner Majestät in Betreff seiner römisch-katholischen Unterthanen entgegenkommen. Diese Ausdrücke befriedigten den Kanzler durchaus nicht, aber er mußte sich damit begnügen und es kostete ihm sogar einige Mühe, das Parlament zur Annahme derselben zu überreden. Einige eifrige Protestanten erhoben Einwürfe gegen die Erwähnung des römisch-katholischen Glaubens. Es gebe gar keine solche Religion, meinten sie, sondern es gebe nur einen götzendienerischen Abfall, den die Gesetze mit dem Stricke bestraften und dem christliche Männer keinen beschönigenden Namen geben dürften. Einen solchen Afterglauben Katholicismus nennen, hieße die ganze Frage, welche zwischen Rom und der reformirten Kirche schwebe, aufgeben. Das Anerbieten des freien Handelsverkehrs mit England wurde als eine schimpfliche Beleidigung angesehen. »Unsere Väter,« sagte einer der Redner, »verkauften ihren König für sündliches Gold und die Schmach jenes abscheulichen Handels ist noch nicht verwischt. Man soll nicht von uns sagen, daß wir unsren Gott verschachert haben!« Sir Johann Lauder von Fountainhall, einer der Senatoren des Justizcollegiums, schlug die Worte vor: »die Personen, welche gewöhnlich römische Katholiken genannt werden.« -- »Wollen Sie Seiner Majestät einen Spottnamen geben?« rief der Kanzler. Die vom Ausschuß entworfene Antwort wurde angenommen, aber eine bedeutende und achtbare Minorität stimmte gegen die vorgeschlagenen Worte als zu höfisch.[141] Es wurde bemerkt, daß die Abgeordneten der Städte fast einhellig gegen die Regierung waren. Bisher waren, diese Mitglieder im Parlament von geringer Bedeutung gewesen und nur als der Schweif mächtiger Edelleute betrachtet worden. Jetzt zeigten sie zum ersten Male eine Unabhängigkeit, eine Entschiedenheit und einen Gemeingeist, welche den Hof beunruhigten.[142]

Die Antwort mißfiel Jakob dermaßen, daß er den Abdruck derselben in der Gazette nicht gestattete. Er sollte bald erfahren, daß ein Gesetz, wie er es angenommen zu sehen wünschte, nicht einmal vorgeschlagen werden würde. Die Artikel-Lords, denen es oblag, die Gesetze zu entwerfen, über welche die Stände nachher zu berathen hatten, waren thatsächlich von ihm selbst ernannt, aber sogar sie zeigten sich widerspenstig. Als sie sich versammelten, traten die kürzlich von London zurückgekommenen drei Räthe an die Spitze der Opposition gegen den königlichen Willen. Hamilton erklärte geradezu, er könne nicht thun, was verlangt werde; er sei ein treuer und loyaler Unterthan, aber das Gewissen ziehe eine Grenze. »Gewissen?« rief der Kanzler; »Gewissen ist ein unbestimmtes Wort, das Alles und auch Nichts bedeutet.« -- »Wenn das Gewissen,« fiel Lockhardt ein, der als Abgeordneter der großen Grafschaft Lanark im Parlamente saß, »ein leeres Wort ist, so wollen wir es mit einem andren Ausdruck vertauschen, der hoffentlich etwas bedeutet. Lassen Sie uns dafür sagen; Die Grundgesetze Schottlands.« Diese Worte veranlaßten eine heftige Debatte. General Drummond, welcher Perthshire vertrat, erklärte sich mit Hamilton und Lockhardt einverstanden, und die meisten der anwesenden Bischöfe traten auf die nämliche Seite.[143]

Es war klar, daß Jakob selbst im Artikel-Ausschuß über keine Majorität zu gebieten hatte. Die Nachricht verdroß und reizte ihn. Er führte eine heftige und drohende Sprache und bestrafte einige seiner widerspenstigen Diener in der Hoffnung, daß die übrigen es sich würden zur Warnung dienen lassen. Mehrere Mitglieder des Raths wurden entlassen und mehreren wurden Gehalte entzogen, welche einen großen Theil ihres Einkommens bildeten. Das ausgezeichnetste Opfer war Sir Mackenzie von Rosehaugh. Er hatte lange das Amt des Lordadvokaten bekleidet und an den Verfolgungen der Covenanters einen solchen Antheil genommen, daß er noch heutigen Tages in den Augen des ernsten und gottesfürchtigen schottischen Landvolks eine Stelle einnimmt, welche von der nicht beneidenswerthen Höhe Claverhouse's nicht weit entfernt ist. Mackenzie's juristische Kenntnisse waren nicht die glänzendsten, aber als Gelehrter, als Schöngeist und als Redner stand er bei seinen Landsleuten in hohem Ansehen, und sein Ruf hatte sich in die Londoner Kaffeehäuser und in die Oxforder Kreuzgänge verbreitet. Die noch vorhandenen gerichtlichen Vorträge von ihm beweisen, daß er ein talentvoller Mann war; nur werden sie durch etwas beeinträchtigt, was er wahrscheinlich für ciceronischen Schwung hielt, durch Interjectionen, welche mehr Kunst als Leidenschaft verrathen, und durch weitschweifige Umschreibungen, in denen sich Epipheta über Epipheta zu einem ermüdenden Klimax aufeinanderhäufen. Jetzt hatte er sich zum ersten Male bedenklich gezeigt und wurde deshalb trotz seiner Ansprüche auf den Dank der Regierung seines Amtes entsetzt. Er zog sich aufs Land zurück und ging bald darauf nach London, um sich zu rechtfertigen, wurde aber vom Könige nicht vorgelassen[144]. Während der König es auf diese Weise versuchte, die Artikel-Lords durch Einschüchterung zum Gehorsam zu zwingen, ermuthigte sie die öffentliche Meinung zur Beharrlichkeit. Die äußersten Anstrengungen des Kanzlers konnten es nicht verhindern, daß das Nationalgefühl sich auf der Kanzel und durch die Presse äußerte. Eine Abhandlung, die in so kühnem und scharfem Tone gehalten war, daß kein Buchdrucker den Druck derselben zu übernehmen wagte, wurde im Manuscript weitverbreitet. Die auf der entgegengesetzten Seite erscheinenden Schriften hatten bei weitem geringere Wirkung, obgleich sie auf Staatskosten verbreitet wurden und obgleich den schottischen Vertheidigern der Regierung ein sehr einflußreicher englischer Bundesgenosse zur Seite stand: Lestrange, der nach Edinburg geschickt worden war und Gemächer in Holyrood House bewohnte.[145]

Nach einer dreiwöchentlichen Debatte kamen die Lords der Artikel endlich zu einem Entschlusse. Sie schlugen vor, daß es den römischen Katholiken erlaubt sein sollte, ihren Gottesdienst in Privathäusern abzuhalten; aber es zeigte sich bald, daß selbst diese Maßregel, soweit sie auch hinter den Forderungen und Erwartungen des Königs zurückblieb, von den Ständen entweder gar nicht oder doch nur mit starken Beschränkungen und Modificationen angenommen werden würde.

Während der Dauer dieses Kampfes herrschte in London eine ängstliche Spannung. Jeder Bericht, jede Zeile von Edinburg wurde begierig gelesen. Einmal ging das Gerücht, Hamilton habe nachgegeben und die Regierung werde jeden Punkt durchsetzen. Dann kam wieder die Nachricht, daß die Opposition sich aufs neue gesammelt habe und hartnäckiger sei als je. In dem kritischesten Augenblicke erhielt das Postamt den Befehl, alle Briefbeutel aus Schottland nach Whitehall zu senden, und eine ganze Woche lang wurde nicht ein einziger Privatbrief, der von jenseit des Tweed kam, in London ausgegeben. In unsrer Zeit würde eine solche Unterbrechung des schriftlichen Verkehrs die ganze Insel in Verwirrung bringen; damals aber war der Handel und die Correspondenz zwischen England und Schottland so gering, daß die Nachtheile wahrscheinlich viel unbedeutender waren als die, welche gegenwärtig durch eine kurze Verzögerung in der Ankunft der indischen Post entstehen. Während so die gewöhnlichen Wege, auf denen man Nachrichten erhalten konnte, verschlossen waren, beobachtete die Menge in den Galerien von Whitehall mit gespannter Aufmerksamkeit die Mienen des Königs und seiner Minister, und man bemerkte mit großer Befriedigung, daß nach jedem aus dem Norden kommenden Expressen die Feinde des protestantischen Glaubens immer finsterer aussahen.

[Anmerkung 141: Fountainhall, 6. Mai 1686.]

[Anmerkung 142: +Ibid.+ 15. Juni 1686.]

[Anmerkung 143: Citters, 11.(21.) Mai 1686. Citters versicherte die Generalstaaten, daß er seine Mittheilungen aus bester Quelle habe. Ich will einen Theil davon hier anführen. Es ist zugleich ein ergötzliches Pröbchen von dem buntscheckigen Style der damaligen holländischen Diplomaten.

+»Des konigs missive, boven en behalven den Hoog Commissaris aensprake, aen het parlement afgesonden, gelyck dat altoos gebruyckelyck is, waerby Syne Majesteyt nu in genere versocht hieft de mitigatie der rigoureuse ofte sanglante wetten van het Ryck jegens het Pausdom, in het Generale Comitée des Articles (soo men hat daer naemt) na ordre gestelt en gelesen synde, in 't voteren, den Hertog van Hamilton onder anderen klaer nyt seyde dat hy daertoe niet soude verstaen, dat hy anders genegen was den Konig in allen voorval getrouw te dienen volgens het dictamen syner conscientie: 't gene reden gaf aen de Lord Cancelier de Grave Perts te seggen dat het woort conscientie niets en beduyde, en alleen een individuum vagum was, waerop der Chevalier Lockhardt dan verder gingh; wil man nit verstaen de betyckenis van het woordt conscientie, soo sal ik in fortioribus seggen dat wy meynen volgens de fondamentale welten van het ryck.«+

In dem +»Hind Let Loose«+ kommt eine interessante Stelle vor, der ich ohne jene Depesche von Citters keinen Glauben geschenkt haben würde. »Sie können das Wort Gewissen nicht einmal aussprechen hören.« Jemand, der die Ansicht des Geheimen Raths über diesen Punkt genau kannte, sagte zu einem Herrn, der vor demselben erscheinen wollte: »Sprecht um des Himmels willen vor den Lords nicht vom Gewissen, denn sie können dieses Wort nicht hören.«]

[Anmerkung 144: Fountainhall, 17. Mai 1686.]

[Anmerkung 145: +Wodrow, III. X. 3.+]

[_Sie werden vertagt._] Endlich kam zur allgemeinen Freude die Nachricht, daß der Kampf zu Ende sei, daß die Regierung mit ihren Maßregeln nicht habe durchdringen können und daß der Lordobercommissar das Parlament vertagt habe.[146]

[Anmerkung 146: Citters, 28. Mai (7. Juni), 1.(11.) u. 4.(14.) Juni 1686; Fountainhall, 15. Juni; +Luttrell's Diary, June 2. 16.+]

[_Willkürherrschaft in Schottland._] Wäre Jakob nicht gegen alle Warnungen taub gewesen, so würden diese Ereignisse genügt haben, ihn zu warnen. Wenige Monate früher hatte das fügsamste aller englischen Parlamente sich geweigert, seinem Willen zu gehorchen. Aber das willfährigste englische Parlament konnte im Vergleich mit jedem schottischen Parlamente aus irgend einer Zeit eine unabhängige und muthige Versammlung genannt werden, und der knechtische Sinn der schottischen Parlamente war stets in höchster Potenz bei den Lords der Artikel zu finden. Doch selbst die Artikel-Lords zeigten sich widerspenstig. Es war klar, daß alle diejenigen Klassen, alle diejenigen Institutionen, welche bis dahin für die kräftigsten Stützen der monarchischen Gewalt gegolten hatten, als Elemente der Opposition betrachtet werden mußten, wenn der König auf seiner wahnsinnigen Politik beharrte. Aber alle diese Warnungszeichen gingen spurlos an ihm vorüber; auf jede Beschwerde hatte er nur die eine Antwort: er werde niemals nachgeben, denn Zugeständnisse hätten seinen Vater ins Verderben gestürzt, und sein unbeugsamer Starrsinn wurde von der französischen Gesandtschaft und der jesuitischen Cabale laut gepriesen.