Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe

Chapter 23

Chapter 233,267 wordsPublic domain

[Anmerkung 69: Die Betrachtung ist datirt vom 25. Jan. (4. Febr.) 1685/86. Bonrepaux sagt in seiner Depesche von dem nämlichen Tage: +»L'intrigue avoit été conduite par Milord Rochester et sa femme ... Leur projet étoit de faire gouverner le Roy d'Angleterre par la nouvelle comtesse. Ils s'étoint assurés d'elle.«+ Während Bonrepaux dies schrieb, schrieb Rochester Folgendes: »O Gott, lehre mich meine Tage so zählen, daß ich mein Herz zur Weisheit lenke. Lehre mich die Tage zählen, die ich in Eitelkeit und Müßiggang vergeudet, und lehre mich die zählen, die ich in Sünde und Schmach verbracht habe. O Gott, lehre mich auch die Tage meiner Trübsal zählen und Dir für Alles danken, was mir von Deiner Hand zugekommen ist. Lehre mich aber auch die Tage der irdischen Größe zählen, von der mir ein so großes Theil geworden ist, und lehre mich sie als Tage der Eitelkeit und der Seelenpein betrachten.«]

[_Sinken von Rochester's Einfluß._] Der Schatzmeister überzeugte sich bald, daß er durch Anwendung schimpflicher Mittel zur Erreichung eines lobenswerthen Zweckes nicht nur ein Verbrechen, sondern auch einen Fehler begangen hatte. Die Königin war jetzt seine Feindin. Sie stellte sich zwar als höre sie die Hyde, die ihr Benehmen so gut als möglich zu entschuldigen suchten, freundlich an und behauptete sogar, daß sie zu Gunsten derselben ihren Einfluß verwende; aber sie hätte mehr als ein Weib oder weniger sein müssen, um wirklich die Verschwörung verzeihen zu können, welche die Familie der ersten Gemahlin ihres Gatten gegen ihre Ehre und ihr häusliches Glück angestiftet hatte. Die Jesuiten stellten dem Könige auf das Eindringlichste vor, welcher Gefahr er mit genauer Noth entgangen war. Sie sagten, sein Ruf, sein Frieden, sein Seelenheil sei durch die Ränke seines Premierministers gefährdet worden. Der Nuntius, welcher gern dem Einflusse der heftigen Partei entgegengearbeitet und sich den gemäßigten Mitgliedern des Kabinets angeschlossen hätte, konnte sich ehrenhafter und schicklicher Weise bei dieser Gelegenheit nicht von Pater Petre trennen. Jakob selbst konnte, als das Meer zwischen ihm und den Reizen lag, die ihn so unwiderstehlich bezaubert hatten, nur mit Unwillen und Verachtung auf Diejenigen blicken, die ihn vermittelst seiner Laster hatten leiten wollen. Das Geschehene mußte nothwendig die Wirkung haben, seine eigne Kirche in seiner Achtung zu erhöhen, die englische Kirche dagegen zu erniedrigen. Die Jesuiten, die man als die unsichersten aller geistlichen Führer darzustellen gewohnt war, als Sophisten, welche das ganze System der evangelischen Moral hinweg philosophirten, als Speichellecker, die ihren Einfluß hauptsächlich der Nachsicht verdankten, mit der sie die Sünden der Großen behandelten, hatten ihn durch so scharfen und kühnen Tadel, wie ihn David von Nathan, und Herodes von dem Täufer hören mußte, von einem schuldvollen Leben zurückgebracht. Dagegen hatten eifrige Protestanten, deren Lieblingsthema die Lockerheit der papistischen Casuisten und die Verwerflichkeit des Grundsatzes war, Böses zu thun, damit Gutes daraus hervorgehe, es versucht, auf einem Wege, den alle Christen für höchst strafbar hielten, Vortheile für ihre Kirche zu erlangen. Der Sieg der Cabale und der bösen Rathgeber war daher vollkommen. Der König wurde kalt gegen Rochester; die Höflinge und die fremden Gesandten bemerkten bald, daß der Lordschatzmeister nur noch dem Namen nach Premierminister war. Er bot nach wie vor noch täglich seinen Rath an, und erfuhr die Kränkung, ihn täglich zurückgewiesen zu sehen. Dennoch konnte er sich nicht entschließen, den äußeren Schein von Macht und die Einkünfte, welche er unmittelbar und mittelbar aus seinem hohen Amte zog, aufzugeben. Er bemühte sich daher nach Kräften, seinen Verdruß vor den Blicken des Publikums zu verbergen. Aber seine heftigen Leidenschaften und seine Unmäßigkeit machten ihn für die Rolle eines Heuchlers untauglich. Sein finstres Gesicht, wenn er aus dem Geheimrathszimmer kam, verrieth deutlich seine Unzufriedenheit mit dem, was in der Sitzung vorgegangen war, und wenn die Flasche einigemale die Runde gemacht hatte, entschlüpften ihm Worte, aus denen man seinen Ärger leicht errathen konnte.[70]

Er hatte auch in der That Ursache, sich unbehaglich zu fühlen. Unbesonnene und unpopuläre Maßregeln folgten rasch auf einander, jeder Gedanke, zur Politik der Tripleallianz zurückzukehren, war aufgegeben. Der König erklärte den Gesandten der Continentalmächte, mit denen er sich noch kürzlich zu verbinden beabsichtigt hatte, ausdrücklich, daß alle seine Ansichten sich geändert hätten und daß England auch fernerhin, wie unter seinem Großvater, seinem Vater und seinem Bruder, von keiner Bedeutung für das übrige Europa sein solle. »Ich bin nicht in der Lage,« sagte er zu dem spanischen Gesandten, »mich um das, was auswärts vorgeht, zu kümmern. Ich habe beschlossen, die fremden Angelegenheiten ihren eigenen Gang gehen zu lassen, meine Macht im Inlande zu befestigen und etwas für meine Religion zu thun.« Einige Tage darauf kündigte er die nämlichen Entschließungen auch den Generalstaaten an.[71] Von diesem Augenblicke an bis ans Ende seiner schmachvollen Regierung machte er keinen ernsten Versuch mehr, sich der Abhängigkeit zu entreißen, obgleich er bis zuletzt jedesmal in Wuth gerieth, wenn man ihn einen Vasallen nannte.

Die beiden Ereignisse, welche dem Publikum bewiesen, daß Sunderland und seine Partei gesiegt hatten, waren die Prorogation des Parlaments vom Februar bis zum Mai und die Abreise Castelmaine's nach Rom mit dem Gehalte eines Gesandten ersten Ranges.[72]

Bisher waren alle Geschäfte der englischen Regierung am päpstlichen Hofe von Johann Caryl versehen worden. Dieser Gentleman war unter seinen Zeitgenossen als ein vermögender und fein gebildeter Mann, so wie als Verfasser zweier beifällig aufgenommenen Schauspiele bekannt, einer Tragödie in Versen, welche durch Betterton's Spiel und Vortrag beliebt geworden war, und eines Lustspiels, das seinen ganzen Werth einigen von Molière entlehnten Scenen verdankt. Diese Stücke sind längst vergessen; aber was Caryl selbst nicht für sich thun konnte, das hat ein gewaltigeres Genie für ihn gethan. Eine halbe Zeile im »Lockenraub« hat seinen Namen unsterblich gemacht.

[Anmerkung 70: +»Je vis Milord Rochester comme il sortoit du conseil fort chagrin; et, sur la fin du souper, il lui en échappe quelque chose.«+ Bonrepaux, 18.(28.) Febr. 1686. Siehe auch Barillon, 1.(11.) u. 4.(14.) März.]

[Anmerkung 71: Barillon, 22. März (1. April) u. 12.(22.) April 1686.]

[Anmerkung 72: +London Gazette, Feb. 11. 1685/86+; +Luttrell's Diary, Feb. 8.+; Leeuwen, 9.(19.); +Clarke's Life of James the Second, II. 75. Orig. Mem.+]

[_Castelmaine wird nach Rom gesandt._] Caryl, der wie alle übrigen achtbaren Katholiken, ein Feind aller Gewaltmaßregeln war, hatte seine schwierige Aufgabe in Rom mit großer Einsicht und richtigem Takt gelöst. Er besorgte die ihm übertragenen Geschäfte vortrefflich, bekleidete aber keine öffentliche Stellung und vermied sorgfältig allen Aufwand. Sein Posten bürdete daher der Regierung fast gar keine pekuniäre Last auf und erregte fast gar kein Murren. Jetzt wurde seine Stelle höchst unklugerweise durch eine kostspielige und glänzende Gesandtschaft ersetzt, die dem englischen Volke ein Dorn im Auge und dem römischen Hofe durchaus nicht willkommen war. Castelmaine hatte den Auftrag, für seinen Verbündeten Petre einen Cardinalshut zu verlangen.

[_Die Hugenotten werden von Jakob übel behandelt._] Um die nämliche Zeit begann der König in unzweideutiger Weise seine wirklichen Gesinnungen gegen die verbannten Hugenotten zu zeigen. So lange er noch gehofft hatte, sein Parlament in Fügsamkeit hineinzuschmeicheln und das Oberhaupt einer europäischen Coalition gegen Frankreich zu werden, hatte er sich gestellt, als ob er die Widerrufung des Edicts von Nantes tadelte und er die Unglücklichen bemitleidete, welche durch Verfolgung aus ihrem Vaterlande vertrieben worden waren. Er hatte bekannt machen lassen, daß mit seiner Genehmigung in allen Kirchen des Reichs eine Collecte für sie veranstaltet werden solle. Die betreffende Ankündigung war in Ausdrücken abgefaßt, die den Stolz eines weniger empfindlichen und eitlen Fürsten als Ludwig verletzt haben würden. Aber jetzt war Alles anders. Die Grundsätze des Vertrags von Dover waren wieder die Grundsätze der auswärtigen Politik Englands. Man entschuldigte sich demüthig wegen der Unhöflichkeit, der sich die englische Regierung durch Begünstigung der verbannten Franzosen gegen Frankreich schuldig gemacht. Der Aufruf, welcher Ludwig mißfallen hatte, ward widerrufen[73], und den hugenottischen Geistlichen eingeschärft, in ihren öffentlichen Vorträgen mit Ehrerbietung von ihrem Unterdrücker zu sprechen, indem man sie widrigenfalls zur Verantwortung ziehen werde. Jakob zeigte nicht nur keine Theilnahme mehr für die Dulder, sondern erklärte sogar, daß er ihnen die schlimmsten Pläne zutraue und gestand, daß er sich durch Unterstützung derselben eines Fehlers schuldig gemacht habe. Einer der ausgezeichnetsten unter den Flüchtlingen, Namens Johann Claude, hatte auf dem Festlande ein kleines Buch drucken lassen, in welchem er die Leiden seiner Glaubensbrüder mit ergreifender Beredtsamkeit schilderte. Barillon verlangte, daß diesem Buche irgend ein Schandmahl aufgedrückt werde. Jakob willigte ein und erklärte in voller Staatsrathssitzung, es sei sein Wille, daß Claude's Libell vor der königlichen Börse durch Henkershand verbrannt werden solle. Darüber erschrak sogar Jeffreys und wagte es, dem Könige vorzustellen, daß ein solches Verfahren ohne Beispiel sei, daß das Buch in einer fremden Sprache geschrieben und auf einer fremden Presse gedruckt sei, daß es lediglich Vorgänge bespreche, die sich in einem fremden Lande zugetragen, und daß noch nie eine englische Regierung von derartigen Schriften Notiz genommen habe. Jakob wollte jedoch von einer weitläufigen Erörterung der Frage nichts wissen. »Mein Entschluß steht fest,« sagte er. »Es ist Mode geworden, die Könige unehrerbietig zu behandeln, und sie müssen einander beistehen. Ein König sollte stets für den andren Partei nehmen, und ich habe besondere Gründe, dem Könige von Frankreich diesen Beweis von Achtung zu geben.« Die Räthe schwiegen nun still. Der Befehl wurde unverzüglich erlassen und Claude's Flugschrift nicht ohne lautes Murren Vieler, welche stets für unerschütterlich loyal gegolten hatten, den Flammen übergeben[74].

Die verheißene Collecte wurde unter verschiedenen Vorwänden lange hinausgeschoben. Der König hätte gar zu gern sein Wort gebrochen, aber es war so feierlich gegeben, daß er sich doch schämte, es zurückzunehmen[75]. Es wurde indessen nichts versäumt, was den Eifer der Gemeinden abkühlen konnte. Man hatte erwartet, daß das Volk, wie es in solchen Fällen üblich ist, von den Kanzeln herab zur Mildthätigkeit aufgefordert werden würde; aber Jakob war entschlossen, keine Demonstrationen gegen seinen Glauben und gegen seinen Verbündeten zu dulden. Der Erzbischof von Canterbury erhielt daher Befehl, die Geistlichen in Kenntniß zu setzen, daß sie den Erlaß einfach vorzulesen und sich alles Predigens über die Leiden der französischen Protestanten zu enthalten hätten[76]. Dessenungeachtet gingen so reiche Beiträge ein, daß nach Abzug aller Kosten die Summe von vierzigtausend Pfund Sterling in die Londoner Kammer bezahlt wurde. Es hat vielleicht keine der großartigen Sammlungen unsrer Zeit in einem ähnlichen Verhältniß zu dem Nationalvermögen gestanden[77].

Der König ärgerte sich heftig über das glänzende Ergebniß der Sammlung, die in Folge seines eignen Aufrufs veranstaltet worden war. Er sagte, er wisse wohl, was diese Freigebigkeit zu bedeuten habe, es sei nichts als whiggistischer Trotz gegen ihn und seine Religion[78]. Er hatte bereits beschlossen, daß das Geld Denen, welche die Geber unterstützen wollten, nicht zu Gute kommen solle. Schon seit mehreren Wochen verhandelte er über diesen Gegenstand mit der französischen Gesandtschaft und hatte sich unter Genehmigung des Hofes von Versailles zu einem Verfahren entschieden, welches mit den Grundsätzen der Toleranz, deren Freund er später zu sein behauptete, nicht wohl in Einklang zu bringen ist. Die Flüchtlinge waren eifrig der calvinistischen Kirchenzucht und Gottesverehrung zugethan. Jakob befahl daher, daß Keiner ein Stück Brod oder einen Korb Kohlen erhalten solle, der nicht zuvor das Abendmahl nach anglikanischem Ritus empfangen habe[79]. Es ist sonderbar, wie ein Fürst, welcher vorgab, daß er die Testacte als eine gewaltsame Verletzung der Gewissensfreiheit betrachte, eine so inhumane Verordnung ersinnen konnte; denn so wenig es zu rechtfertigen sein mag, das Sakrament zum Prüfstein der Tauglichkeit für Civil- und Militairämter zu machen, ist es doch jedenfalls noch viel weniger zu rechtfertigen, eine solche Bedingung vorzuschreiben, um danach zu bestimmen, wer in der äußersten Bedrängniß der Mildthätigkeit würdig ist. Auch konnte Jakob nicht den Grund für sich anführen, der zur theilweisen Entschuldigung fast aller anderen Verfolger geltend gemacht werden kann, denn der Glaube, dessen Bekenntniß er den Flüchtlingen bei Strafe des Verhungerns anbefahl, war nicht sein eigner Glaube. Sein Verfahren gegen sie war daher viel weniger zu rechtfertigen als das des Königs von Frankreich, denn dieser unterdrückte sie in der Hoffnung, sie von verdammenswerther Ketzerei zum wahren Glauben zurückzubringen, während Jakob sie nur in der Absicht unterdrückte, um sie zum Übertritt von einer verdammenswerthen Ketzerei zur andren zu zwingen.

Zur Vertheilung der eingegangenen Unterstützungsgelder wahren mehrere Commissare ernannt worden, unter denen sich auch der Kanzler befand. Als sie zum ersten Male zusammenkamen, kündigte ihnen Jeffreys den königlichen Entschluß an. Die Flüchtlinge, sagte er, seien in zu großer Mehrzahl Feinde der Monarchie und des Episcopats. Wenn sie Unterstützung wünschten, so müßten sie Mitglieder der englischen Kirche werden und das Abendmahl aus den Händen seines Kaplans empfangen. Viele Verbannte, welche mit Gefühlen des innigsten Dankes und der Hoffnung gekommen waren, um eine Unterstützung zu erbitten, vernahmen das harte Urtheil und gingen mit gebrochenem Herzen wieder von dannen[80].

[Anmerkung 73: Leeuwen, 23. Febr. (5. März) 1686.]

[Anmerkung 74: Barillon, 26. April (6. Mai) u. 3.(13.) Mai 1686; Citters, 7.(17.) Mai; +Evelyn's Diary, May 5+; +Luttrell's Diary+ unter demselben Datum; Geheimrathsbuch unterm 2. Mai.]

[Anmerkung 75: Lady Russell an Dr. Fitzwilliam, 22. Jan. 1686; Barillon, 15.(25.) Febr. u. 22. Febr. (4. März) 1686. Barillon sagt: +»Ce prince témoigne une grande aversion pour eux, et aurait bien voulu se dispenser de la collecte, qui est ordonnée en leur faveur: mais il n'a pas cru que cela fût possible.«+]

[Anmerkung 76: Barillon, 22. Febr. (4. März) 1686.]

[Anmerkung 77: Bericht der Commissare v. 15. März 1688.]

[Anmerkung 78: +»Le Roi d'Angleterre connait bien que les gens mal intentionnés pour lui sont les plus prompts et les plus disposés à donner considérablement... Sa Majesté Britannique connoit bien qu'il auroit été à propos de ne point ordonner de collecte, et que les gens mal intentionnés contre la réligion Catholique et contre lui se servent de cette occasion pour témoigner leur zèle.«+ -- Barillon, 19.(29.) April 1686.]

[Anmerkung 79: Barillon, 15.(25.) Febr., 22. Febr. (4. März), 19.(29.) April 1686; Ludwig an Barillon, 5.(15.) März.]

[Anmerkung 80: Barillon, 19.(29.) April 1686; Lady Russell an Dr. Fitzwilliam, 14. April. »Er schickte Viele mit gebrochenem Herzen wieder fort,« schreibt sie.]

[_Das Dispensationsrecht._] Jetzt rückte der Monat Mai heran, der zum Wiederzusammentritt der Kammern festgesetzt war; aber sie wurden aufs neue bis zum November prorogirt[81]. Es war kein Wunder, daß der König nicht wieder mit ihnen zu thun haben wollte, denn er hatte beschlossen, hinfüro eine Politik zu befolgen, von der er wohl wußte, daß sie ihnen im höchsten Grade zuwider war. Er hatte von seinen Vorgängern zwei Hoheitsrechte geerbt, deren Grenzen nie mit strenger Genauigkeit bestimmt worden waren und die, wenn sie unbeschränkt ausgeübt worden wären, schon an sich hingereicht haben würden, die ganze Verfassung des Staates und der Kirche umzustürzen. Dies waren das Dispensationsrecht und das kirchliche Supremat. Kraft des Dispensationsrechts beabsichtigte der König, römische Katholiken nicht allein zu bürgerlichen und militairischen, sondern auch zu kirchlichen Ämtern zuzulassen; vermöge des kirchlichen Supremats hoffte er die anglikanische Geistlichkeit zu Werkzeugen der Vernichtung ihrer eigenen Religion zu machen.

Dieser Plan entwickelte sich ganz allmälig. Es wurde nicht für rathsam gehalten, von allem Anfang an den Katholiken insgesammt eine Dispensation von allen den Gesetzen, welche Strafen und Eide auferlegten, zu gewähren, denn daß eine solche Dispensation gesetzwidrig war, stand zu fest. Die Cabale hatte 1672 eine allgemeine Indulgenzerklärung erlassen, gegen welche die Gemeinen bei ihrem Zusammentritt sofort protestirt hatten. Karl II. hatte sie in seiner Gegenwart kassiren lassen und die Häuser sowohl mündlich als durch eine schriftliche Botschaft versichert, daß der Schritt, der zu so vielen Klagen Anlaß gegeben habe, nie als geschehen betrachtet werden solle. Man würde schwerlich an irgend einem Gerichtshofe einen renommirten Anwalt gefunden haben, der die Vertheidigung eines Hoheitsrechtes übernommen hätte, auf welches der Souverain wenige Jahre zuvor im vollen Parlament auf seinem Throne feierlich verzichtet hatte. Weniger klar aber war es, daß der König nicht aus besonderen Gründen Einzelnen eine ausnahmsweise Dispensation bewilligen könne. Jakob strebte daher zunächst danach, von den Gerichtshöfen des gemeinen Rechts die Anerkennung zu erlangen, daß er wenigstens das Dispensationsrecht in diesem Umfange besitze.

[Anmerkung 81: +London Gazette, May 13. 1685.+]

[_Absetzung widerspenstiger Richter._] Aber obwohl seine Forderungen im Vergleich zu denen, die er wenige Monate später stellte, mäßig waren, so sah er doch bald, daß er die Meinung von beinahe ganz Westminsterhall gegen sich hatte. Vier von den Richtern gaben ihm zu verstehen, sie könnten in diesem Falle seinen Wünschen nicht dienen, und es ist bemerkenswerth, daß alle vier heftige Tories waren und daß sich Männer unter ihnen befanden, welche Jeffreys auf seiner blutigen Rundreise begleitet und für die Hinrichtung Cornish's und der Elisabeth Gaunt gestimmt hatten. Jones, der Oberrichter der Common Pleas, ein Mann, der noch nie vor irgend einer, wenn auch noch so grausamen und servilen Beihülfe zurückgeschreckt war, führte jetzt im königlichen Kabinet eine Sprache, deren sich die Lippen des makellosesten Magistratsbeamten unsrer Geschichte nicht hätten zu schämen brauchen. Es wurde ihm kurz und bündig erklärt, daß er entweder seine Ansicht oder seine Stelle aufgeben müsse. »An meiner Stelle«, antwortete er, »ist mir wenig gelegen. Ich bin im Dienste der Krone alt und schwach geworden, aber ich sehe zu meiner tiefen Betrübniß, daß Eure Majestät mich für fähig halten, ein Urtheil abzugeben, das nur ein unwissender oder ein ehrloser Mann abgeben könnte.« -- »Ich bin überzeugt«, sagte der König, »daß ich zwölf Richter finde, die in dieser Angelegenheit ganz meines Sinnes sind.« -- »Zwölf Richter Ihres Sinnes mögen Eure Majestät wohl finden«, erwiederte Jones, »schwerlich aber zwölf Rechtsgelehrte[82].« Er wurde nebst Montague, erstem Baron der Schatzkammer, und zwei jüngeren Richtern, Neville und Charlton, entlassen. Einer der neuen Richter war Christoph Milton, der jüngere Bruder des großen Dichters. Man weiß von diesem Christoph Milton wenig mehr, als daß er zur Zeit des Bürgerkrieges Royalist gewesen war und sich jetzt auf seine alten Tage zum Papismus hinneigte. Es ist nicht erwiesen, daß er sich je mit der römischen Kirche völlig aussöhnte; gewiß aber ist es, daß er Bedenken trug, sich der anglikanischen Kirche anzuschließen, weshalb er ein starkes Interesse an der Aufrechthaltung des Dispensationsrechts hatte[83].

Der König fand seine Rechtsbeistände ebenso widerspenstig als seine Richter. Der erste Anwalt, welcher erfuhr, daß man von ihm die Vertheidigung des Dispensationsrechts erwarte, war der Staatsprokurator Heneage Finch. Er weigerte sich entschieden und wurde am folgenden Tage seines Amtes entsetzt[84]. Der Generalfiskal Sawyer erhielt Befehl, Vollmachten auszufertigen, kraft deren Mitglieder der römischen Kirche Pfründen inne haben durften, welche der englischen Kirche gehörten. Sawyer war bei einigen der härtesten und am wenigsten zu rechtfertigenden Verfolgungen der damaligen Zeit stark betheiligt gewesen, und die Whigs verabscheuten in ihm einen Mann, der sich mit dem Blute Russell's und Sydney's befleckt hatte; bei dieser Gelegenheit aber bewies er keinen Mangel an Ehrenhaftigkeit oder Characterstärke. »Sire«, sagte er, »dies heißt nicht blos von einem Gesetze dispensiren, sondern das ganze von der Thronbesteigung der Königin Elisabeth bis auf den heutigen Tag gültige Gesetzbuch umstoßen. Ich darf es nicht thun und bitte Eure Majestät zu erwägen, ob solch ein Angriff auf die Rechte der Kirche mit Ihren neulichen gnädigen Versprechungen im Einklange steht[85].« Sawyer würde so gut wie Finch augenblicklich entlassen worden sein, wenn die Regierung einen Nachfolger für ihn hätte finden können; allein dies war kein leichtes Ding. Es war für den Schutz der Rechte der Krone nöthig, daß wenigstens einer ihrer Anwälte ein gelehrter, fähiger und erfahrener Mann war; aber kein solcher ließ sich bereit finden, das Dispensationsrecht zu vertheidigen. Der Generalfiskal durfte daher seinen Posten noch einige Monate beibehalten. Thomas Powis, ein unbedeutender Mann, der sich nur durch seine Servilität zu einem so hohen Posten empfahl, wurde zum Staatsprokurator ernannt.

[Anmerkung 82: +Reresby's Memoirs+; +Eachard, III. 797+; +Kennet, III. 451.+]

[Anmerkung 83: +London Gazette, Apr. 22. & 29. 1686+; Barillon, 19.(29.); +Evelyn's Diary, June 2.+; +Luttrell, June 8.+; +Dodd's Church History.+]

[Anmerkung 84: +North's Life of Guildford, 288.+]

[Anmerkung 85: +Reresby's Memoirs.+]